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Nr. 215 Zweites Blatt

Aus der Provinzialhauptstadt.

Gießen, den 11. September 1926.

Der Schaufensterwettbewerb beginnt.

Wenn man am gestrigen Nachmittag die Haupt­geschäftsstraßen unserer Stadt durchwanderte, merkte man bereits allenthalben, wie man sich in den Ge­schäften eifrig regte und rüstete, beim kommenden, friedlichen Wettkampf der Schaufen st er und Warenauslagen in Ehren und mit Er­folg zu bestehen. Noch freilich waren viele große Fensterscheiben geheimnisvoll verhängt, viele auch erst halbseitig: in zahlreichen Läden war man noch mit der Ausschmückung und werbekräftigen Anord­nung dessen beschäftigt, was man in den kommenden Tagen zu zeigen und anzuempfehlen hat. Eine große Anzahl von Geschäften aber war auch bereits mit den Vorbereitungen fertig und zum Wettbewerb gerüstet. Es gab da scyon allerlei zu sehen, manchen neuen Einfall zu würdigen, Geschmack und Geschick in Aufmcicyung und Anpreisung zu vergleichen. Die Mittel, mit denen gearbeitet wird, sind verschiedenster Art: man sieht sowohl imponierende Fülle, wie wohlbemessene Auslese, man sieht Nüchternheit und Sachlichkeit, die Ware und Preise vertrauensvoll allein zum Publikum sprechen läßt. Daneben wieder Schmuckwirkung Belebung, durch ge­schickte Raumausnutzung, durch Beleuchtungs­effekte, Blumenschmuck, Farbenkulissen, Stoffe und Bänder. Man sieht darüber hinaus noch viele ge­diegene Auslagen in mannigfaltigster Art bei allen Branchen hergerichtet. Es läßt sich heute nicht alles aufzählen, was es zu sehen gibt, an alle Bedürf­nisse, alle Wünsche des täglichen und unalltäglichen Lebens wird man erinnert. Es wird eine Menge zu sehen fein während der Werbewoche: der Schau­fensterwettbewerb dürfte ein so eindringliches, inter­essantes und wechselvolles Bild der geschäftlichen Leistungsfähigkeit und kaufmännischen Werbefähig­keit in unserer Stadt bieten, daß dem Publikum, das ja als Preisrichter walten soll, dieses Amt nicht ge­rade leicht werden wird.

Herbstblumen.

Wenn die Schalten des Tages und die Rächte länger werden, bleiche Herbstzeitlosen auf den gemähten Wiesen sprossen, silberne Fäden über die Stoppeln schweben und die Sonne erst nach 9 Uhr ihrem Rebelbade entsteigt, dann blühen noch einmal die Rosen. 3n der feuchten Herbst­lust entfalten sie ihre Blumen zu voller Frische und Schönheit. Ueber die Gartenzäune erheben sich aus unbeachteter Blättermasse an übermanns­hohen Stengeln die Goldbälle, Wedel und Schei­ben der verschiedenen Sonnenblumen, Gold- helenen, Goldruten, Golbrubeckien und wie die Goldblumen alle heißen, die uns die Flora Ame­rikas schenkte. Diese Herrlichkeiten aus den Dollar­ländern sind zwar von allzu hohem Wüchse, als daß sie ihre schweren Goldkronen mit wahrhaft königlicher Würde zu tragen vermöchten. Trotzdem möchte man sie nicht missen, beim sie zieren nicht nur den herbstlichen Garten mit weithin leuchtendem Gelb, sondern ergeben auch einen haltbaren Vasestschmuck. Die langstieligen Braut­anemonen Japans, in seidiges Hellrosa oder Weiß gekleidet, Edelwicken, Löwenmäuler, Fuchs­schwänze, verspätete Flammenblumen, Gladiolen und ein ganzes Heer von Staudenastern, überdeckt mit einer Fülle maßliebchenartiger Blüten, ver­leihen dem gepflegten, wie dem ungepflegten Garten einen Dlütenreichtum, der über die Jah­reszeit hinwegzutäuschen vermöchte.

Bor allem sind es die Gartenastern, Calliste- phus chinensis, die uns in ihrer unvergleichlichen Farbenpracht sozusagen durch die Blume an das nahe Ende der guten Jahreszeit er­innern. Diese gegenwärtig in keinem Garten feh­lende Blume kam erst 1731 aus China zu uns, und zwar in der bekannten einfachen Fbrm. Die Franzosen nannten sie Königs-Margeritte. Was sie in der ganzen Welt, soweit man Dlumenpflege kennt, die Tropenländer nicht ausgenommen gegenwärtig dar stellt, verdankt sie deutschem Gärtnerfleiß. Wenn jemand äußerte, daß er auf seiner Weltreise nicht soviele uitd so schöne Blu­men gesehen habe, als auf den Dlumenfeldern Erfurts an einem einzigen Tage, so ist das nicht übertrieben. 3n zahllosen Farbentönen von Weiß, Rot, Blau und neuerdings auch von Gelb, in einer Menge hochwachsender oder niedriger blei­benden Klassen, und in allen nur erdenklichen Formen der Dlütenbildung können wir sie dort in unglaublicher Menge bewundern. Man kann es kaum begreisen, daß eine nur wenig beblätterte Pflanze während der kurzen Dauer unseres Som­mers derartige Dlütenmassen und solche Farben hervorzubringen imstande ist, wie wir dies an t>en Asternbeeten der neuen Anlage vor dem Hotel Kühne in der Bahnhofstraße zur Zeit wahrnehmen können, wo etwa anderthalbtausend blauer Hallenastern in Blüte stehen. Deut­scher Asternsamen ist in der ganzen Welt gesucht, für ihn waren auch während der Kriegszeit die Zollschranken im Geheimen geöffnet. Doch hat der Verfall aller europäischen Währungen es mit sich gebracht, daß die deutschen Astern nach zweijähriger Eingewöhnung nachgebaut werden, um sich von unserem hohen Valutastande un­abhängig zu machen. Deutsche Züchtergrirndlich- keit jedoch läßt sich nicht ersetzen.

Mit der Aster gleichzeitig und bis tief in den Herbst hinein, solange der Frost nicht Einhalt ge­bietet. blüht die Dahlie. 3hre Beliebtheit wird von Jahr zu 3ahr allgemeiner. Zahllose Lieb­haber wetteifern um den Besitz der neuesten und schönsten Sorten. Die Spanier brachten sie 1789 nach Madrid. Als Tropenpflanze zog man sie «ihrer vermeintlich eßbaren Knollen wegen in den Warmhäusern. Da jedoch dem vermeintlich neuen Gemüse auf der königlichen Tafel, noch der Pflanze der Aufenthalt in den Gewächshäusern wenig be­sagte. ging sie bald wieder verloren. Erst durch Alexander von Humboldt erhielten wir zu Beginn des vorigen Jahrhunderts eine Anzahl von Pflanzen, darunter eine gelbblühende. Diese waren einfachblühend, wie auch die ersten Züch- tuuZsergebnisse, deren man 1806 bereits 55 zählte. Die erste gefüllte Dahlie entstand 1830 im Hof­garten zu Karlsruhe. Das Mädchen von Bath, eine besonders schöne englische Züchtung, ward 1839 mit 20 000 Mark bezahlt. Dann entstanden in kurzer Folge die vielen tausende von Sorten mit kugelförmigen Blumen, die wir noch als Geor­ginen kennen und deren Mittelpunkt damals das heute mehr durch sein Schwarzbier bekannte Kö­stritz war. Erst die neuere Zeit vermochte sich aus einer Erstarrung zu befreien, der man mit der

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oderhessen)

Samstag, u. September 1926

Zeit verfallen war. Gegenwärtig schätzt man mehr die strahlige Kaktus- oder lockere Seervsenform. Eine Schönheitskonkurrenz der Dahlie erlebten wir in Gießen im verflossenen Herbst auf der Dlumenausstellung am Oswaldsgarten. Die ge­genwärtige Gartenbau-Ausstellung in der Volks­halle verspricht darin noch reicher zu werden.

Herbstblumen lösen Herbststimmung aus. Herbststimmung neigt zu Wehmut. Wir wollen aber nicht vergessen, daß es gerade die förmigen, wie auch die trüben Herbsttage sind, an denen die Ratur still verborgen und geheimnisvoll in Millionen von Keimen und Knospen die Blüten- träume des Frühlings vorbereitet. Wir wollen uns dessen beim Schwinden des Sommers dank­bar erinnern. Rosegger erzählt von einem Hirten­buben, der. ehe er mit seinem Vieh die Alm ver­ließ, um zu Tal zu treiben, zwei Schalen auf das Dach der Hütte stellte, sie mit Milch füllte und dabei zur Sonne emporblickend sagte:Liebe Sonne, du hast es gut gemeint, du sollst auch

von der Handelsgärtner-Verbindung tatkräftig unterstützt wurde. Auch in diesem Jahre hat ein wiederholler Rundgang stattgefunden, und zwar im Zuni zur Rosenzeit und Anfang September. Aus dem Ergebnis ist kurz mitzuteilen, daß noch immer ganze Sttaßenzüge ohne Blumenschmuck geblieben sind. Auch fehlt es an den wichtigsten Verkehrspuntten, wie Marktplatz usw.. noch an der allgemeinen Beteiligung aller Anwohner, um das Dill) einer blumengeschmückten Stadt zu erhalten. Alles in allem kann jedoch gesagt werden, daß im Vergleich zum vorigen Jahr jetzt recht viel geschehen ist. Man bemerkt im einzelnen eine größere, auf verständige Pflege deutende Ueppig- keit sowie einen größeren Reichtum der Zu­sammenstellung im Gesamtbilde. Außer Scharlach- und Schlinggeranien sind sehr viel Petunien ent­weder allein oder zwischen anderen Gewächsen angepslanzt. Sie blühen reich in. leuchtenden Farben und bedürfen außer regelmäßigem Gießen und wiederholter Düngung keiner sonsttgen

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Die Gartenbau- und Elektrizitäts-Ausstellung in Gießen bietet der Geschäfts­welt Gelegenheit, die hiesige Einwohnerschaft und die zahlreichen Besucher aus dem Hinterlande zum Einkauf ihres Herbstbedarfs anzuregen. Es darf also damit gerechnet werden, daß die Zeitungsanzeige während der Aus­stellungszeit vom 11. bis 19. Sept, in besonders sorgfältiger und geschickter Aufmachung in die Erscheinung tritt. Wie es für den Leser wichtig ist, den Inhalt dieser Empfehlungsanzeigen zur Kenntnis zu nehmen, so ist es auch für die Geschäftswelt wesentlich, die Anschauung des Zeitungslesers über die Wirkung der Anzeigen auf ihn kennen zu lernen.

Wir stellen deshalb an alle Leser des Gießener Anzeigers folgende Frage: welche GmUßshkrnssa«zerge ite den Ämnmev« des Glstzenev Anzeisevs vom 11. bls 19. Cevtembse eirr- schlietzlich macht den levhaftsstsrs GkrdsrrB auf «Sie? Bei der Beantwortung darf nur eine Anzeige mit ihrer Nummerbezeichnung benannt werden unter Anfügung der genauen Anschrift des Einsenders. Die Nummer muß also deutlich geschrieben über der Anschrift stehen. Andere Zu­sätze sind nicht angängig. Die Einsendungen, die am zweckmäßigsten auf Post­karten vorgenommen werden, müssen am 21. Sept, bei uns eingegangen fein. Die Einsender, deren Nummernangaben sich in größter Zahl auf die bevor­zugten Anzeigen vereinigen, werden in drei Gruppen geteilt und für ihre Mitarbeit mit folgenden Geldbelohnungen bedacht:

Gvste Gvuvve: Orrei Delohnungerr von je AM. sc> - (Anzeige mit der größten Sttmmer^ahl)

Zweite Gvupver Des! Belohnunsen von je AM. 25.- (Anzeige mit der zweitgrößten Stimmenzahl)

Nvttte Gvnvve: Dvei BelohnAngen von je KLK.2L!.- (Anzeige mit der drittgrößten Stimmenzahl).

Das Los entscheidet in jeder Gruppe.

Nur Leser, die sich diesen Bedingungen unterwerfen wollen, find zur Beteili­gung eingeladen. Angestellte unseres Derlagshauses find ausgeschlossen.

Zehn Arrzeksenbeftellev,

auf deren Empfehlungsanzeigen sich die größten Stimmenzahlen vereinigen, werden mit je einem wertvollen Werk über Geschästswerbung bedacht. Es soll ihren Sinn für gute Reklame noch mehr anregen.

Wir bitten um ausgedehnteste Mitwirkung unserer Leserschaft in Stadt und Land, wie wir auch die Anzeigenauftraggeber darum bitten, ihre Empfehlungs­anzeigen rechtzeitig vorzubereiten, damit ihnen eine hervorragende Aus­stattung gesichert werden Kann.

Vevlag des GieSsnev Slmsisevs

etwas haben, nimm und trink." Wir wollen ähnlich handeln. Wenn gegen Ende des Monats die Astern und Dahlien verblassen, dann bereiten wir ein sonniges Gartenbeet, streuen in den locke­ren Boden Liebeshainblumen oder Rittersporn einer einjährigen Sorte, Samen der im letzten Sommer reifte, nicht zu dünn aus, und sprechen: Liebe Sonne, du hast uns viel Gutes und Schö­nes gebracht. Du wirst eine Zeitlang verschwinden und dich wenig blicken lassen. Wenn du mich bei deiner Wiederkehr vielleicht nicht mehr bescheinen kannst, weil ich in der Erde ruhe wie diese Samen, so erwecke sie im Wechsel von Vergehen und Auf erstehen zu ihrem Dasein in Schönheit in erneuter Fülle deines Lichtes."

Rehnelt.

Unsere Stadt im Blumenschmuck

Richts trägt zur Verschönerung des Stadt­bildes mehr bei, und hinterläßt bei Fremden einen angenehmen und nachhaltigen Eindruck, als eine reiche, nach den Gesehen der Farbengebung durchgeführte Schmückung ganzer Häuser- und Straßenfronten, wie das in einem Teil der Gnauthstraße vorbildlich geschehen ist. Richts ist aber auch besser geeignet, über die langweilige Oeöe bauversündigter Steinkästen hinwegzuhelfen, als wohlgepflegter Blumenschmuck an den Häuf er- fronten. Aus diesem Grunde hat der Verkehrs- Verein bereits lange vor den Kriegsjahren die Aufgabe übernommen, den Blumenschmuck an Fenstern, Ballons und Vorgärten durch Ver­teilung von Preisen für die hervorragendsten Leistungen nach Möglichkeit zu fördern, wobei er

Pflege. Dies ist aber auch notwendig, wenn sie bis zum Herbst mit dem Blühen anhalten sollen. Reu ist die ausgedehnte Verwendung von Hänge- suchsien in mehreren äußerst dankbar blühenden Sorten. Doch ist die Blütenfarbe zu matt, um eine wünschenswerte Fernwirkung zu erreichen, besonders dann, wenn sie in Verbindung mit dunkelroten oder violettblauen Petunien an dunk­len Hauswänden angebracht sind. Sehr erfreulich ist die ausgedehnte Anwendung künstlicher Dün­gung. Ohne eine solche wäre die geringe Erd­menge an Nährstoffen bald erschöpft. Die Ergeb­nisse des Preisgerichtes werden auch in diesem Jahre später bekanntgegeben.

Gießener Wochenmarktpreise.

Es kostete auf dem heutigen Wochenmarkt das Pfund: Butter 190 bis 200 Pfennig, Matte 30, Käse (10 Stück) 60 bis 100, Wirsing 8 bis 12, Weißkraut 6 bis 8, Rotkraut 12 bis 20, gelbe Rüben 10 bis 12, rote Rüben 10, Spinat 25, Römischkohl 10, Bohnen (grüne) 12 bis 20, Boh­nen (gelbe) 20, Unterkohlrabi 5 bis 10, Tomaten 12 bis 25, Zwiebeln 15 bis 20, Meerrettich 80, Rhabarber 15, Kürbis 8, Kartoffeln 4, Fall­äpfel 8 bis 10, Frühäpfel 15 bis 40, Birnen 10 bis 30, Zwetschen 20 bis 25, Mirabellen 35 bis 50, Pfirsiche 20 bis 30, Preiselbeeren 50, Brom­beeren 50, junge Hahnen 90 bis 100, Suppen­hühner 100 bis 120; das Stück: Eier 14 bis 15, Blumenkohl 10 bis 130, Salat 5 bis 10, Salat­gurken 10 bis 40, Einmachgurken 2 bis 4, Endivien 15 bis 25, Oberkohlrabi 5 bis 10, Rettich 10 bis 20, Sellerie 20 bis 40: das Bund: Radieschen 10.

Vornotizen.

Tageskalender für SamStag. Gartenbau- und Elektrizitäts-Ausstellung in der Vollshalle: von 3 bis 7Vg Uhr nachmittags Be­sichtigung, 4 bis 7 Uhr' nachmittags Konzert, 8 bis 12 Uhr abends Musik und Tanz. Ruder- KlubHasfia": 8 Uhr Bootshaus, MonatSver- sammlung. Deutschnationaler Handlun.gsgehil- fen-Verband: 81/» Uhr, Kaufmännisches Vereins- Haus, Mitgliederversammlung. Reichsbund der Zivildienstberechtigten: 8.30 Uhr.Stadt Lich", Monatsversammlung. Lichtspielhaus, Bahn­hofstraße:Fünf-Uhr-Tee in der Ackerstrahe". Astoria-Lichtspiele:Der schüchterne Don 3uan.

Tageskalender für Sonntag. Gartenbau- und Elektrizitätsausstellung in der Volkshalle. 11 Uhr vormittags bis 7.30 Uhr abends Besichtigung, 11 bis 1 Uhr vormittags Frühkonzert, 4 bis 7 Uhr nachmittags Konzert, 8 bis 12 Uhr abends Musik und Tanz. 2.30 Uhr nachmittags: Dlumenkorso des Verkehrs- Vereins. Konsumverein Gießen und Umgegend: Saalbau Sauer von 9 Uhr vormittags bis 8 Uhr abends Warenausstellung. Verein Rudersport: 9 Uhr vormittags Vorrennen, 2.30 Uhr nach­mittags Ruder-Regatta auf der Lahn. Licht­spieltheater wie Samstag.

*

* D i e Gießener Geschäfte sind morgen geöffnet! Es sei noch einmal dar­auf hingewiesen, daß die Gießener Ladenge­schäfte am morgigen Sonntag von 11 Uhr vor­mittags bis 3 Uhr nachmittags, die Lebens-, Genußmittel- und Zigarrengeschaste von 11 Uhr vormittags bis 6 Uhr nachmittags, geöffnet sind. Der Landbevölkerung, die in dieser arbeitsreichen Zeit Werttags nur schwer ober gar nicht in die Stabt kommen kann, sei bie morgige Einkaufs­möglichkeit besonders empfohlen. Die Besucher haben gleichzeitig gute Gelegenheit, mit Gründ­lichkeit den interessanten Schaufenster­wettbewerb der Gießener Geschäfte und ferner nachmittags um 2.30 Uhr den sehenswerten Blumenkorso des Verkehrsvereins in Augenschein zu nehmen.

** Der Dlumenkorso, für den nach­träglich noch eine Reihe toeiterer Fahrzeuge an­gemeldet wurden, wird morgen nachmittag 2 Uhr auf Oswaldsgarten aufgestellt, die Abfahrt erfolgt um 2V2 Uhr. Der Korso geht durch Reustadt, Bahnhofstraße, Alicestraße, Seltersweg, Sonnen- straße, Schulstraße, Kircbenplah, Lindenplah, Walltorstraße. Ostanlage, Moltkeslraße, Kaiser, allee nach der Volksha'le. 3m heutigen Anzeigen­teil wird bie Bürgschaft a ifgeforöert, aus An­laß der Ausstellungs- und Werbewvche, besonders heute und morgen Sonntag, zu flaggen, um den zahlreichen Besuchern unserer Stadt einen fest­lichen Empfang zu bereiten.

** Ausmarsch ins Manöver. Das hie­sige Bataillon des 15. Infanterie-Regiments rückte gestern abend 9 Uhr unter klingendem Spiel von der Kaserne nach dem Bahnhof, um die Fahrt nach Süddeutschland zu den diesjährigen Herbstmanövern anzutreten. In den Marschstraßen hatten sich sehr zahlreiche Zuschiner eingefunden, die der Truppe herzliche Sympathiekundgebungen bereiteten.

** Eine große Missionsausstellung soll in der Zeit vom 17. bis 23. Oktober in Gießen stattfinden. Die Veranstaltung geht aus von der China- und Afrikamission, und sie wird mit großen Seltenheiten, z. B. die chinesische Ahnenhalle, be­schickt werden. Mit der Ausstellung werden Vor­träge verbunden sein.

Die Gewerbe- und Maschinen­bauschule Gießen, deren Abendkurse am 1. Rovernbcr beginnen, übermittelt Bauhand- werkern, Schreinern, Malern, Schuhmachern in einem bis drei Semestern die für die selbstän­dige Ausübung ihres Berufes erforderlichen praktischen und theoretischen Kenntnisse. Die Ma- schinenbauschule bildet Maschinentechniker usw. in vier Semestern aus. Angegliedert ist eine Ab­teilung für Flugzeugbau und Radiotechnik. Außer­dem haben die Schüler Gelegenheit, in einem' weiteren Semester sich im höheren Maschinenbau usw. auszubilden. (Siehe heutige Anzeige.)

** Das Fröbel-Seminar veranstaltet in den Räumen des Kunstvereins im Turmhaus am Brandplatz in der Zeit vom 12. bis einschl. 19. Sept, eine Ausstellung von Schülerinnenarbeiten der zum Herbst abgehenden Kindergärtnerinnen und Kinder- pflegerinnen. Die Besichtigung kann in der angege­benen Zeit täglich von 111 Uhr norm, und 35 Uhr nachm. erfolgen. Die Ausstellung wird, wie man uns schreibt, diesmal besonders reichhaltig und abwechslungsreich sein, sowohl was die Handarbeits­sachen betrifft als auch die Bast- und Holzarbei­ten usw.

** Straßensperre. Wegen Neupflasterungs- arbeiten hat das Polizeiamt den A st e r w e g zwi­schen Schillerstraße und Nordanlage bis auf wei­teres für jeglichen Fährverkehr gesperrt.

** Reinlichkeit im Friseurge­werbe. Unter dieser Ueberschrist wendet sich der Obermeister der Friseur- und Perückenmacher- innung Gießen im heutigen Anzeigenteil mit einer Erklärung an die Oeffentlichkeit. Es wird darin Stellung genommen gegen die unzutref- fenden Gerüchte, die in der Stabt auf Grunb ber neuen Kreispolizeiverorbnung für bas Fri­seurgewerbe im Umlauf finb. Auf bie Erklärung fei hiermit hingewiesen.

Plötzlicher Tod. Gestern nachmittag ereilte den Finanzpraktikanten, Ministerialober- revisor a. D. Bräuning von Darmstadt, der bei der hiesigen Universitätskasse in Diensten stand, während der Dienststunden auf dem Bu­reau ein plötzlicher Tod infolge Herzschlags. Der so jäh aus dem Leben geschiedene Mann stand im 29. Lebensjahre; er erfreute sich bei der Beamtenschaft der Universitätsverwaltung all­gemein großer Beliebtheit. Um den Abgeschie­denen trauern seine alte Mutter, seine Braut und ein Bruder.

* Eine Achtzigjährige. Frau Heinrich Dohenrvdt Wwe., Schillersttaße 20 wohn­haft, kann morgen in körperlicher und geistiger Frische ihren 80. Geburtstag begehen.

** Verkehrssünden i m August. Vom Polizeiamt wird mitgeteilt: In der Zeit vom 1. bis 31. August wurden folgende Anzeigen wegen Zuwiderhandlungen durch Fahrzeugführer bzw. Kraft- und Radfahrer gegen verkehrspolizeiliche Vorschriften erhoben: 28 Anzeigen wegen Fahrens zur Nachtzeit ohne hellbrennende Laterne, 10 wegen Fahrens auf Bürgersteigen, 2 wegen Fahrens mit übermäßiger Geschwindigkeit, 7 wegen Fahrens, ohne die rechte Straßenseite einzuhalten, 41 wegen Fahrens durch gesperrte Straßen, 16 wegen sonsti-