tzuarzporphyr usw.), welche ja auch ein viel geringeres spezifisches Gewicht besitzen. So erscheinen auch Nickel- und Chromerze, evenso wie der Diamant auf primärer Lagerstätte fast ausnahmslos an jene stark basischen Tiefengesteine gekettet. Damit ist aber keineswegs gesagt, daß man überall, wo letztere zutage treten, auf das Vorkommen von abbauwürdigem Platin oder von einem anderen der genannten wertvollen Mineralien rechnen kann. In einigen Weltgegenden schließen diese Felsarten überhaupt keines davon in nennenswerter Menge in sich, in anderen nur eines von ihnen. So finden sich in dem aus zersetztem Peridotit bestehenden „blue ground“ der Diamantschlotc von Transvaal nur diese Edelsteine, und zwar in erstaunlich großer Menge, und die Olivingesteine von Neu-Caledonien enthalten allein Nickelerze, aber ebenfalls in Hülle und Fülle. Die Olivingesteine von Südost-Borneo führen stellenweise Gold tuib zugleich Platin, stellenweise Diamant und Platin, an wieder anderen Stellen nur letzteres. Bei den außerordentlich hohen Platinpreisen der letzten Jahre wurde auch an dem
an Nickelerzen ungemein reichen Nickelerzgruben des Sudbury-Distriktes von Kanada Platin, besonders aber ein ihm chemisch sehr nahestehendes Metall, Iridium, gewonnen, wovon zeitweise das Kilogramm mit 120 000 Mark bezahlt wurde.
Außer den genannten Platinlagerstätten sind für den Weltmarkt nur noch die südamerikanischen von Columbien, wo zuerst das weiße Edelmetall, und zwar unter dem spanischen Namen platma, d. i. Kleinsilber, bekannt wurde, von einiger Bedeutung. Dort findet man das Platin auf sekundärer Lagerstätte, doch weisen die es begleitenden Stückchen von Chromeisenstein deutlich darauf hin, daß es auch hier ursprünglich an Olivingesteine gebunden war.
Soviel läßt sich schon heute sagen, daß in Zukunft Transvaal und der Indische Archipel die Hauptplatinlieferanten für den Weltmarkt, an welchen der Bergbau schon vor dem Kriege jährlich bis zu fast 10 000 Kilo ansteigende Mengen von dem kostbaren Metall abgab, sein werden.
Zur Frage der Errichtung eines Mehhofes in Gießen.
Von geschätzter, fachmännischer Seite erhalten wir zu dem in letzter Zeit mehrfach an dieser Stelle behandelten Problem die folgenden Ausführungen:
Der gesamte Viehhandel erfüllt drei Ausgaben'. er nimmt dem Züchter seine Heber» Produktion oder abgängigen Stücke ab, um sie der wirtschaftlichen Verwertung zuzuführen und bringt dieses Material an den Käufer, sei es den Metzger oder den Landwirt, der seinen Bedarf nicht durch eigene Zucht, sondern durch Zukauf ergänzt. Beide Funktionen werden durch Händler besorgt. *2lur ausnahmsweise tritt in unserer Zeit der Käufer mit dem landwirtschaftlichen Produzenten direkt in Verbindung. Zwischen diesen beiden Funktionen liegt der Austausch der Ware von dem aufkaufenden zu dem verkaufenden Händler. Dieser Austausch ist außerordentlich wichtig, denn er bewirkt den Ausgleich zwischen den Produktionsgebieten und den Bedarfsgebieten, und ermöglicht es dem Handel, sich das Material so zu beschaffen, wie es dem Bedürfnis seiner Kundschaft entspricht. Dabei wird die gesamte Handelsware geschieden in Schlachtvieh und Nutzvieh. Das Schlachtvieh wird zum Teil den Interessenten (Metzgern) direkt zugeführt. Zum größeren Teil wandert es auf die Schlachtvieh Höfe. Der Austausch des Nutzviehs vollzog sich von alters her auf den Nutzvieh Märkten. Seit neuerer Zeit macht sich allgemein das Bestreben geltend, diesen Nutzviehhandel — wie schon seit langem den Schlachtviehhandel — auf Vieh Höfe zu verlegen. 3m Gegensatz zu den Schlachtviehhöfen, die man auch als Fettviehhöfe bezeichnet, nennt man diese Nutz- viehhöfe vielfach Magerviehhöfe. Dabei gewinnt dieser Viehverkehr fortgesetzt an Intensität.
Die Gründe für diese Bevorzugung der Nutzviehhöfe gegenüber den Nutzviehmarkten erkennt man ohne weiteres, wenn man sich den Unterschied in der Einrichtung der Diehmärkte gegenüber den Diehhöfen vergegenwärtigt.
Die Diehmärkte stellen die primitivere Form der dem Handel dienenden Einrichtungen dar. Der Unternehmer des Marktes stellt einen umfriedigten Platz zur Verfügung, auf dem sich der Handel abspielt. Er sorgt für die veterinär- polizeiliche Ueberwachung des Antriebs, die Aufrechterhaltung der Ordnung, für Anbindevorrichtungen für die Tiere — alles andere ist Sache der Tierbesitzer (Händler), welche den Markt befahren. Sie haben für die Zubringung der Tiere — sei es auf dem Landwege, sei es mit der Bahn — zu sorgen, für deren Entladung, Unterbringung in privaten Stallungen, Zuführung zu diesen Stallungen, Verpflegung der Tiere, Zufuhr zum Markt am Tage des Marktes selbst und Abtransport. Namentlich die Unterbringung der Tiere in ungünstigen Stallungen und deren Verpflegung ist oft Gegenstand ernster Sorgen. Diese Schwierigkeiten wachsen mit der Ausdehnung der Märkte, der oft die Möglichkeit der Einstallung nicht Schritt hält. Die Ansprüche für eine gute Unterbringung der Tiere wachsen damit, daß die Tiere oft lange Neisen hinter sich haben, bevor sie zum Markte kommen und vor dem Markt eine gute Unterbringung und Verpflegung haben müssen, um nicht Not zu leiden', sie wachsen weiter mit der Empfindlichkeit der Tiere, die — oft hochtragend oder sehr kurz nach der Geburt — zum Markt gebracht werden. Sie wachsen schließlich mit dem Wert der Tiere. Dazu kommt, daß die Intensivierung des ge- samten Verkehrs auch den Viehverkehr beeinflußt. In früheren Zeiten lagen die Verhältnisse viel einfacher als heute. Die Wurzelgebiete der Märkte (d. h. die Gebiete, aus denen der
Markt seine Zufuhr bezieht) waren relativ klein. Die meisten Tiere kamen auf dem Landwege an. Der Antrieb rekrutierte sich ausschließlich aus den Tieren, die den Rassen entstammten, die in der Umgebung der Märkte bodenständig waren. Sie waren widerstandsfähig und litten nicht unter den Einflüssen des Klimas und des Wetters, an das sie ja gewohnt waren. Heute liegen die Verhältnisse anders. Die Ware wird den Märkten aus Entfernungen von Hunderten von Kilometer zugeführt. Diese Tiere kann man nicht mehr ungestraft in unzureichende Stallungen unterbringen oder sie den Unbilden der Witterung aussetzen. *
Dazu kommen in neuerer Zeit die Gefahren di^rch die Ausbreitung von Tierseuchen, die um so bedeutender sind, je größer die Wurzelgebiete der Märkte sind. Diese Gefahren waren lange Zeit hindurch die Ursache dafür, daß man die Ausbreitung der Wurzelgebiete der Märkte sehr ungern sah und nicht förderte.
Die Ansprüche der Wirtschaft haben sich aber schließlich als entscheidend erwiesen. Was man nicht aufhalten kann, muß man in richtige Bahnen lenken und fördern. So ist es auch mit der Ausbreitung des Viehhandels auf Märkten gegangen — trotz der steigenden Seuchengefahr. Natürlich suchte man durch entsprechende Maßnahmen diese Gefahr zu mindern. Untersuchun- S Kontrolle der Tiere bezüglich ihrer Her- t aus unverseuchten Gebieten an der Hand von Kontrollbüchern, Gesundheitsschernen und Ur- sprungsattesten, Sperrmahnahmen bei drohender Gefahr aus der Nachbarschaft der Marktorte sind die Waffen, mit denen dieser Kampf geführt wurde. Trotzdem kommen bei den primitiven Einrichtungen der Märkte Seuchenverschleppungen vor. Tiere können durch das enge Maschennetz der Untersuchungen durchschlüpfen und der Kontrolle entgehen. Infektionen sind möglich auf den Wegen zu den Einstellstallungen und in diesen selbst, Zwischenträger können in den zerstreuten, nicht kontrollierbaren Gaststallungen die Infektion verbreiten, zumal diese Verbreitung bei der Maul- und Klauenseuche als derjenigen Seuche, die hauptsächlich in Frage kommt, so außerordentlich leicht ist.
Ganz anders liegen die Verhältnisse auf einem Vieh Hof. Das Wesentliche ist. daß die Anlage außer dem Verkaufsplatz (Rklrktplah) auch die Stallungen für die Unterbringung der bereits vor dem Markte angebrachten Tiere — es sind dies weitaus die Mehrzahl — enthält. Ferner hat der Biehhof eigenen Bahnanschluß. Es fallen demnach der Transport des ankommenden Viehs über öffentliche Straßen zu den Gaststallungen und von da zum Maickt weg. Die Einstallung des Antriebs erfolgt in_ gute, hygienisch einwandfreie Stallungen, die für alle Tiere gleich gut sind. Für verdächtige Tiere und für Ueberständer ist ein besonderer Kranken- und Ueberständerstall da. Kein Tier kann den Kontrollen entgehen. Die Fütterung der Tiere erfolgt aus den Futterbeständen der Diehhof- verwaltung, die das Material beschafft und zu angemessenen Preisen an die Interessenten abgibt. Die von den Herren, welche die Ausführungen vom 2. d. M. verfaßt haben, befürchtete Gefährdung des gesamten Antriebs im Falle eines Vorkommens von Maul- und Klauenseuche auf dem Markt selbst wird dadurch vermieden werden können, daß nicht das sogenannte Hallen- shstem, bei dem alle angetriebenen Tiere in einer Halle, die zugleich als Stall dient, untergebracht werden, bei der Errichtung des Vieh- hoss gewählt wird, sondern daß scharf getrennte I Einzelstallungen errichtet werden, die erst in dem
Reisen.
Von Heinrich L h o tz k y').
.... Das Reisen als solches wird von vielen als Heilmittel noch zu wenig geschätzt. Bäder haben ja unendliche Vorzüge. Sie sind für den Lauernden Aufenthalt behaglich und neuzeitlich eingerichtet, aber schließlich doch mehr für Ruhe- bedürftige. Aergerinenschen sind in der Regel gerade abwechslungsbedürftig. Der Klatsch der Badeorte ist für sie Gift. Sie sollten einmal alles anders haben als daheim, und über dem ständig Reuen könnten sie genesen. Das würde das Reisen an sich leisten.
Für viele wäre es sogar gut, ohne bestimmten Reiseplan fortzugehen und sich dem Zufall und der Laune zu überlassen. Damit würde auch der Postverkehr von daheim unterbrochen, und gerade in der Befreiung von allen rückwärtigen Verbindungen für kurze Zeit liegt ein Stück Genesung.
Viel zu wenig werden einfache Fußreisen geschätzt. Cs gibt nichts Erquickenderes als ein Wandern in reiner Gebirgsluft, weit über den Niederungen der Alltäglichkeit. Es ist nicht nur die Luft des Gebirges, sondern die beständige Ablenkung der Gedanken des Wanderers, die von Bedeutung ist. Man meide nur zu große und ungewohnte Anstrengungen. Körperliche, schwere Ermüdung ist auch eine Aergerquelle und Belastung des Geistes. Wir sollen aber geistig entlastet werden. Es gibt zudem nichts, was so geeignet wäre, die Verdauung zu regeln,
*) Autorisierter Abdruck aus dem Buch von Heinrich Lhotzky „Daß ich mich nicht ärgere" ^Haus Lhohky-Verlag, Grünwald bei München).
als eine nicht überanstrengte Fußwanderung. Eine gute Verdauung ist aber das beste Heilmittel gegen Verärgerung.
Man wird finden, daß oft nur wenige Reisetage genügen, um eine grundandere Stimmung, Arbeits- und Lebensfreudigkeit zu erzeugen. Vorher glaubte man, wenige Tage lohnten nicht und könnten nichts nützen. Wenn man sich schließlich doch losgerissen hat, fühlt man sich wie neugeboren.
Ich sage absichtlich „lvsgerissen hat". Der Alltag ist wie ein Netz mit festgeschlossenen Maschen, das uns gefangen hält, so daß wir auch nicht wollen können. Um die Menschen her walten physische Einflüsse bindender Kraft, die von Menschen und auch von Oertlichkeiten ausgehen. Es gibt geistige und seelische Fesseln, die weit stärker halten als Stricke und Ketten, weil sie die Gedanken und die Willenskraft lähmen. In gewisser Umgebung ist ein Anderswollen überhaupt ausgeschlossen. Die Gebrauchsunfähigkeit deS Willens ist aber Anlaß zu seelischer Schwächung und deshalb Förderung der Verärgerung.
Diese unsichtbaren Fesseln werden oft durch eine Reise auf gehoben, namentlich wenn sie noch nicht zu lähmend und zerstörend gewirkt haben. Wie stark sie sind, merkt man an der Schwere, mit der manche Menschen sich auch für kurze Zeit lvsreißen können.
Es gibt Aergerkranke, die sich allein nicht loszuwinden vermögen. Denen sollte der Arzt oder der Freund oder die Familie behilflich sein. Loskommen ist allein ein ernstes Heilmittel.
Am fördemdsten ist natürlich eine Reise, wenn sie möglichst wenig belastet ist mit Gewohntem. Das erste wäre also, die Postverbin- dung wenigstens immer für Sage durchzuschneiden. Die geschäftliche, alltägliche und irgendwie
Augenblick zu einer gemeinsamen Halle geöffnet werden, wenn der Markt beginnt. Bis dahin sind aber alle Tiere untersucht, und ist keine Gefahr mehr vorhanden.
Der Verkaufsraum — Marktplatz — ist bei Vieh Höfen in der Regel überdeckt! oft wird aber für die Monate mit besserer Witterung auch ein offener Marktplatz bereit gehalten. Der Vorteil, der hierin für die Gesunderhaltung der angetriebenen Tiere liegt, ist leicht zu ersehen. Auch den Marktbesuchern, insbesondere den Händlern, kommt dieser Vorteil zugute.
Ein besonderer Vorteil der Viehmärkle in veterinär-polizeilicher Hinsicht liegt in Folgendem: Das neueste und anscheinend wirksamste Hilfsmittel der Bekämpfung der Maul- und Klauenseuchegefahr, die von den Märkten ausgeht, ist die Impfung aller zum Markt angetriebenen Tiere. Diese Impfungen sind aber nicht auf einem Viehrnarkt mit fernen zerstreut liegenden Gaststallungen, sondern auf einem Vieh Hof mit seiner Zentralisierung des Betriebs durchführbar.
Durch die Impfungen wird es auch voraussichtlich möglich fein, die ständige Gefährdung der Existenz der Diehmärkte zu beseitigen, die durch das Verbot der Abhaltung von Viehmärlten bedingt ist. Dieses Verbot der Abhaltung der Märkte muh nach § 168 der Bundesratsausführungsbestimmungen 5 um Reichsviehseuchengesetz ausgesprochen werden, sobald in einer Entfernung von weniger als 15 Kilometer um einen Marktort ein Seuchenfall vorkommt. In Zeiten stärkerer Seuchenverbreitung tritt dieser Fall sehr oft und nicht selten für lange Dauer ein. wie z. B. in G i e ß e n jetzt schon seit Monaten. Solche lange Perioden der Stillegung des ganzen Marktbetriebs sind natürlich der Entwicklung, sogar der Erhaltung der Märkte sehr nachteilig. Bei einem Viehhof mit Durchführung einer geregelten Impfung wird voraussichtlich von der Durchführung dieser Marttverbote in der Hauptsache Abstand genommen werden können. Darin liegt ein ungeheurer Vorteil für die Märkte, die sich auf eine Diehhofanlage stützen können.
Auch für den Handelsverkehr des Marktes ergeben sich aus dem Vorhandensein eines Viehhofs wesentliche Verbesserungen. Fast auf allen Viehmärkten pH ne Viehhof blüht ein lebhafter Borhandel. Dieser Dorhandel ist aber ein Krebsschaden für das reelle Geschäft. Wenn der eigentliche Markt beginnt, ist ein großer Teil des an- getriebenen Diehs bereits in festen Händen. Die von auswärts ankommenden, oft auf weite Strecken zugereisten Käufer haben das Nachsehen, der Kettenhandel blüht, das reelle Geschäft leidet. Eine gewisse Ratlosigkeit und Nervosität beherrscht den ganzen Betrieb. Jeder will der erste sein, um seine Ware anbieten zu können. Auf den öffentlichen Straßen entwickelt sich ein sehr lebhafter, oft recht lärmender Betrieb.
Das ist auf dem Viehhof alles ganz anders. Vor Beginn des eigentlichen Marktes darf kein Käufer den Markt betreten, erst wenn die Markt- glocke den Beginn des Marktes anzeigt, treten Verkäufer und Käufer in Verbindung. Alle Verkäufer bieten unter gleich guten und gleich schlechten Voraussetzungen ihre Ware an und niemand kann sich durch irgsndwelche Beziehungen und Gelegenheiten einen Vorteil verschaffen. Außerdem bietet der Viehhof durch seine Börse Gelegenheit zu einer ordnungsmäßigen Abwicklung der Geldgeschäfte.
So liegen die Verhältnisse im allgemeinen und auch für Gießen im besonderen. Wer einmal einen Markt in den Herbst- und Winter- monaten bei schneidendem Wind und klatschendem Regen mitgemacht hat. der weiß, welchen Fortschritt es bedeutet, wenn die Tiere, ohne Marsch vom Bahnhos zu den Gaststallungen und von dort beim Morgengrauen zum Marktplatz, in gedeckter, schützender Halle, die sie von dem Viehhofstall aus unmittelbar erreichen können, zum Verkauf gestellt werden können. Auch für den sonstigen Verkehr in den betroffenen Straßen der Stadt ist es von Vorteil, wenn er von dem Diehverkehr des Marktes befreit wird. Die Einführung der Impfung wird die lähmende Gefahr der Marktverbote beseitigen, mindestens vermindern. Es wird sogar voraussichtlich möglich sein, die Märkte — wie auch andererorts, wo Vieh- Höfe bestehen — wöchentlich abzuhalten.
Die Vorteile, die die Stadt in ihrem ganzen Betriebe — Gasthofbesitzer, Kaufleute — von dem Markt haben, werden gefördert, — nur die Interessen einiger Gaststallbesitzer leiden. Das ist natürlich sehr bedauerlich. Ob es aber die Frage entscheidend beeinflussen kann, steht dahin. Es war in der langen Zeit, in der während des Krieges und nach ihm die Märkte eingestellt waren, den meisten Gaststallbefitzern möglich, ihre Räume anderweitig nutzbringend zu verwerten. Als die Märkte wieder begannen, standen zunächst nur wenige und nicht ausreichende Gastställe zur Verfügung. Mit der Zeit haben sich wieder mehrere Besitzer entschlossen, Einstellstallungen
unerfreuliche. Die erfreuliche kann ja leicht aufrechterhalten werden, allenfalls telegraphisch.
Dann sollte aber auch jede Begleitung sehr ernsthaft erwogen werden, womöglich auch mit dem Vertrauensarzt zusammen. Er weiß vielleicht gar nicht mehr wie die Beteiligten, kann aber leichter ein Machtwort sprechen. Namentlich Ghen, die viel Verdruß bergen, sollte man nicht mit auf Erholungsreisen verschleppen. Die weitaus meisten Ehen, auch die besten, bergen Aergerzeiten, in denen man aneinander leidet. Torheit, das nicht einfach zuzugeben. Durch Aergerzeiten wird keine Ehe unglücklich. Wer sie überwindet, wird sogar sehr glücklich und unendlich befriedigt. Aber solange sie da find, ist's besser, die Aergerquelle nicht mit sich herumzutragen. Wer den andern freilassen kann, bindet ihn um so fester an sich, wer aber den andern zu fesseln trachtet, verliert ihn um so sicherer. Kleine Entfernungen erhöhen die Wertschätzung des andern, und ausgesetztes Beisammensein setzt sie herab.
Das sollten alle Eheleute bedenken, wenn sich für eines von ihnen die Notwendigkeit einer Reise herausstellt. Diese liegt immer vor, wenn Verärgerung vorhanden ist. Leiden beide Ehegatten dran, so sollten sie abwechselnd kurze Zeit zu verreisen trachten, womöglich allein. Es sind meist nur Sage nötig, aber Sage wirklicher Abwechslung und geistiger und körperlicher Luftveränderung. Für den Großstädter ist freie Natur- stille angezeigt, für den Kleinstädter und Dörfler ist ost Großstadtlärm sehr heilsam.
Alles Reisen zu Heilzwecken muß unter der Losung stehen: Heraus! Heraus aus dem Alllag, dem Aerger und allen physischen Ketten der Gewohnheit. Niemand ahnt, was für seelische Gewalten die Menschen umlauern und langsam ein- spinnen in unzerreißliche Netze. Diele, die dieser
herzurichten, die aber bei starkem Austrieb oft — bei ihrer sonstigen Mangelhaftigkeit — noch nicht ausreichend sind. Ein großer Seit der jetzt vorhandenen Stallräume wird wohl einer anderweitigen Benutzung wieder zugeführt werden können, zumal sich der Hebergang nicht schnell, sondern allmählich vollziehen wird.
Die gesamte Diehhändlerschast steht einstimmig hinter dem Wunsche auf Errichtung eines Diehhoses. Es ist ein Irrtum, wenn dies in dem Aussatz vom 2. d. Mts. bezweifelt wird. In einer Versammlung der Viehhändler, die am 1. d. M. in Gießen tagte, sprach auch nicht eine Stimme gegen das Projekt, dagegen erhoben sich bei einer Abstimmung alle Anwesenden — etwa 80 — für den Plan.
Andere Städte haben sich den dringenden Argumenten für die Einrichtung von Diehhöfen nicht verschlossen. Nachdem die Bewegung anfangs nur zögernd an Boden gewann, haben in letzter Zeit mehrere Städte mit bedeutendem Dieh- handel Nuhviehhöfe eingerichtet. Dortmund, Osnabrück, Altona und Emden sind so in den Besitz von zum Seil sehr schönen und wertvollen Anlagen gekommen. Auch Leer, dessen Markt eine Frequenz von 1500 bis 1800 Tieren hat — zuweilen bis zu 5000 (!) — plant die Errichtung eines Diehhoses. * •—
Gießen mit seiner zentralen Lage mitten in einem Heberschußgebiet der Zucht mitteldeutscher Höhenrassen, ist berufen, ein Hauptumschlagplatz für Nutzvieh nicht etwa zu werden, sondern zu bleiben — sofern es den Anschluß nicht verpaßt. Dor dem Kriege hatten wir hier Märkte mit einem Antrieb von 2000 Stück Dieh, und auch nach dem Kriege hat der Markt, trotz der Ungunst der Verhältnisse, eine Frequenz von bis zu 1000 Tieren gehabt. Kommt uns allerdings eine andere Stadt mit der Errichtung eines Diehhofes zuvor, dann ist die günstige Position von Gießen stark erschüttert, wenn nicht unhaltbar; dann hat Gießen das Nachsehen.
Der Markt trägt den Namen der Stadt Gießen nach Hunderten von Orten, an denen man — ohne ihn — von Gießen nichts wüßte. Er hebt die Bedeutung von Gießen als Handelsstadt und bringt Leben, Umsatz und Verdienst in ihre Geschäfte. Es lohnt sich, in jeder Beziehung an feiner Verbesserung und Erhaltung zu arbeiten — und diesem Ziel dient zweifellos die Errichtung eines Viehhofes. K.
Zu gleicher Zeit mit den vorstehenden Ausführungen erhielten wir eine Zuschrift vom Vorstände des Viehhändler-Vereins für Gießen und Umgegend, die sich ebenfalls gegen die in unserer Nr. 178 wiedergegebenen Ausführungen der Gaststallbesitzer wendet und sich zugleich der oben erhobenen Forderung nach Schaffung eines Diehhofes in Gießen entschieden anschließt.
Oberhessen.
Landkreis Gießen.
X Klein-Linden, 10. Aug. Nachdem die Kornernte beendet ist, wird gleich mit der Weizen-, Gerste- und Haferernte begonnen. Die heißen Sage führen eine schnelle Reife aller Fruchtarten herbei, so daß der Landwirt von morgens früh bis abends spät ununterbrochen tätig sein muß, um alle Arbeiten in Haus und Feld zu bewältigen. — Nunmehr ist die Ein- deckung der Kreis st raße Wetzlar—Gießen bis an unseren Ort beendet, und es beginnt für deren hiesige Anwohner wieder die Zeit der fürchterlichen Staub plage. Eine merkwürdige Tatsache ist es, daß die Straßen in freiem Felde durch Teer und Kleinpflaster fast staubfrei her- gestellt werden, während in den Ortschaften ununterbrochen haushohe Staubwolken aufwirbeln. — Dieser Sage fand das diesjährige Jahres- f e ft der hiesigen Kleinkinders chule statt. Unter Dorantritt des Posaunenchors bewegte sich ein Festzug vom Maiplatz nach dem schönen, früheren Rinnschen Garten, wo sich bereits eine große Menschenmenge versammelt hatte. Pfarrer Ackermann hielt die Festrede, in welcher er auf das jetzt 30jährige Bestehen der segensreichen Einrichtung der Kleinkinderschule hinwies, welche nur durch die tatkräftige Unterstützung hilfsbereiter Frauen, während der Notzeit des Krieges, vor dem fast sicheren Untergang bewahrt geblieben sei. Weiter gedachte Redner der Gründer der Anstalt, von welchen nur noch zwei am Leben sind: Gg. Schmidt, hier, und Ldw. Weigel, jetzt wohnhaft in Dutenhofen. Spiele der Kinder, Musikstücke und Lieder wechselten ab und boten allen Festteilnehmern einige genußreiche Stunden. Besonderen Dank gebührt den beiden hiesigen Schwestern, welche sich um das Gelingen der Deranstaltung große Derdienste erworben haben.
n. Großen-Linden, 10. Aug. Die Dreschmaschine ist jetzt hier im Betrieb.
unheimlichen Einflüsse inne werden, haben sie schon durch böse Geister erklärt. Das ist ganz unnötig. Die Ausstrahlungen der menschlichen Psyche und gewisser Oertlichkeiten mit irgendwie belastender Vergangenheit würden zur Erklärung völlig ausreichen. Vorhanden sind solche Einflüsse; wie sie erklärt werden, ist gleichgültig. Sie sinds hauptsächlich, die im Aerger festhalten. Also ist das beste Heilmittel: Heraus!
Reisen ist nicht teuer und auch für bescheidene Verhältnisse möglich. Man reise nur kurz, zu Fuß. und allein, bann kann es jeder Beutel auS- hallen. Der Ruhen des Reisens ist so ungeheuer, daß er durch Arbeitskraft und Lebensfrische reichlich bezahlt wird. Reisen spart zudem oft eine Krankheit und die damit verbundenen Unkosten und Erwerbsausfälle.
Alles Reisen aber werde so eingerichtet, daß keine Geldgedanken mitlaufen. Es ist besser, eine Reise doppelt so teuer zu bezahlen, als unterwegs zu rechnen und zu sorgen. Auch die billigste Reise muß so vorgesehen werden, daß sie über den Geldgedanken steht. Geld ist Sorge und Aerger. Der Verärgerte ist krank im Denken. Er darf also keine krank machenden Gedanken mitnehmen, wie sie sich an Geldsocgen nur zu leicht hängen.
Jeder wird sich ja einrichten, wie seine Verhältnisse es gestatten. Nur eines möge man mir glauben. Das Reisen als solches ist das königliche Heilmittel für alle Aergerkranken. Es muh nur mit Verstand und Heberlegung eingerichtet werden, d. h. so, daß es nachher keine Hebet- legung und keinerlei Gedankenanstrengung erfordert. Es muh wirklich bedeuten ein großes „Hinaus aus dem Alltag und feinen 2Ierger- quellen".


