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Eichener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhssfen) Donnerstag,«. Februar 1926

Nr. 35 Zweites Blatt

Wünsche der Landesuniversitat.

(Schluß.)

3n der Veterinär-Medizinischen Fakultät liegen sehr dringende Bedürfnisse vor. und zwar handelt es sich

1 um die ordentliche Professur für Veterinär Hygiene, beantragt am 3.8. 1923, vom Landesamt als dringend wün­schenswert anerkannt am 4. Dezember 1924;

2 . um die außerordentliche Professur für Geburtshilfe und Poliklinik, von der Fakultät schon vor 23 Jahren, vom Gesamtsenat am 12. November 1924 bean­tragt.

Die umfangreichen und bedeutungsvollen Aufgaben, die dem Veterinärhygieni­schen und Tierseuchen-Institut in Volks- und landwirtschaftlicher, in sanitäts- und veterinärpolizeilicher Hinsicht zukommen, sind schon ausführlich dargelegt worden, als dem Landtag der Antrag zur Errichtung eines solchen Instituts unterbreitet wurde. Nachdem nun das »euerrichtete Institut seit etwa 1V2 Jahren den Betrieb ausgenommen hat, find seine Arbeiten im Dienste der wissenschaftlichen Forschung, des Hnterrichts unb der praktischen Bekämpfung der Tierseuchen schon jetzt zu einem solchen Umfange angewachsen, daß der Direktor der Medizinischen Veterinärklinik neben den Aufgaben dieser Klinik fernerhin nicht auch zugleich die des Veterinär- hygienischen und Tierseuchen-Instituts nebenamt­lich bewältigen kann. An sämtlichen übri­gen veterinärmedizinischen Fakultäten und tier­ärztlichen Hochschulen Deutschlands und auch an den auherdeutschen tierärztlichen Lehranstalten besteht schon und zwar an den meisten seit Jahrzehnten ein Ordinariat für Veterinär- Hygiene. In Gießen allein fehlt ein solches. Menn unsere Veterinärmedizinische Fakultät auch weiterhin neben ihren Schwesternanstalten ge­deihen soll, so ist die Errichtung dieses Ordi­nariats eine unabweisbare Lebensnotwendigkeit.

Auch die Errichtung der planmäßigen außerordentlichenProfessurfürGe- b u r t s h i l f e und Poliklinik ist für die volle Leistungsfähigkeit der Fakultät von aller­größter Wichtigkeit. Die Entwicklung der Veteri­närmedizin hat den Instand, wie er in Gießen besteht, schon längst und weit überholt. An sämt­lichen tierärztlichen Fakultäten und Hochschulen in Deutschland bestehen entweder für das Fach der Geburtshilfe allein oder in Verbindung mit Tierzucht oder Poliklinil eigene Professuren, und zwar Ordinariate mit geburtshilflichen Kliniken. Die Bedeutung, die der Geburtshilfe in der Tätigkeit des praktischen Tierarztes zutommt, und die jedem, der von den landwirtschaftlichen Ver­hältnissen auch nur einigermaßen unterrichtet ist. ohne weiteres klar sein dürfte, verlangt ge­bieterisch eine bessere Ausbildung der Studieren­den auf diesem Gebiete. Zu diesem Zwecke ist die Errichtung einer geburtshilflichen Klinik und einer besonderen Professur für das Lehrfach der Geburtshilfe, das in Gießen bis jetzt nur neben­amtlich auf Grund eines Lehrauftrags von dem Kreisveterinärrat vertreten wurde, ein unauf- schiebliches und dringendes Bedürfnis. Auch das Ministerium des Innern ist bereits zu der Heberzeugung gekommen, daß die Verbindung des Kreisveterinäramtes mit dem Lehrauftrag für Geburtshilfe. Veterinär Polizei und Poliklinik nicht länger aufrecht erhalten werden kann.

Die Anträge zur Errichtung eines Insti­tuts für Geburtshilfe an der Veterinär­medizinischen Fakultät gehen bis auf das Jahr 1900 zurück. Schon damals fanden sie beim Ge­samtsenat wärmste Hnterstützung und bei der Regierung eine bereitwillige Aufnahme. Aus verschiedenen Gründen, insbesondere aus solchen finanzieller Art. sodann infolge des Krieges, wurde die Ausführung des Planes immer und immer wieder hinausgeschoben, so daß unsere Veterinärmedizinische Fakultät auf dem Gebiete des geburtshilflichen Unterrichts rückständig ge­

worden ist. Der Mangel eines solchen Instituts beeinträchtigt die praktische Ausbildung der Stu­dierenden in hohem Grade. Unter den bestehen­den Verhältnissen kommt es vor, daß der frisch in die Praxis hinaustretende Tierarzt noch nicht einmal eine normale Geburt gesehen hat. Die immer dringender sich geltend machenden Forde­rungen der Wissenschaft und Praxis auf dem Unterrichtsgebiet der Geburtshilfe sowie die Vor­schriften der neuen Prüfungsordnung für Tier­ärzte vom 21. August 1925, die die Abhaltung von geburtshilflichen Kursen verlangen, machen die Errichtung eines geburtshilflichen Instituts zum unabweisbaren Bedürfnis, dessen Nichterfül­lung unsere Veterinärmedizinische Fakultät aufs schwerste schädigen würde. Dieser Rotwendig- keit hat sich auch die Regierung nicht verschlossen. Einer Anfrage der Abgeordneten Brauer und Genossen wegen der Errichtung eines geburts­hilflichen Veterinär-Instituts wurde von der Re­gierung die Antwort zuteil, daß sie die Not- ivendigkeit durchaus anerkenne und lediglich in Rücksicht auf die offensichtliche Rotlage des Staa­tes es war die Zeit der Inflation nicht in der Lage sei, Mittel bereitzustellen. Ferner hat die Regierung auf eine Anfrage der Abgeord­neten Fenchel und Genossen vom 13. Oktober 1925 am 4. Rovember 1925 folgendes geantwortet: -Rotwendigkeit und Dringlichkeit der Errichtung oes Instituts werden wie seither schon von uns durchaus anerkannt. Sobald die wirt­schaftliche Lage den kritischen Tiefstand über­wunden hat, auf dem sie sich heute befindet, und der u. E. jede erhebliche Anforderung aus- schließt, werden wir im Sinne des Antrages Fenchel eine Sondervorlage vorbereiten." Nach­dem also die Errichtung eines Instituts für Ge­burtshilfe an der Veterinär-medizinischen Fakul­tät allieitig als eine dringliche Notwendigkeit anerkannt worden ist, hoffen wir bestimmt, daß der Verwirklichung dieses Planes sobald als irgend möglich nähergetreten wird.

In der zweiten Abteilung unserer Philo­sophischen Fakultät stehen noch aus:

1. die dritte landwirtschaftliche Pro­fessur.

2. die außerordentliche Professur für Agrikulturchemie.

3. die außerordentliche Professur für experimentelle Psychologie. Der gesamte landwirtschaftliche Un­terricht liegt zur Zeit in den Händen zweier planmäßiger ordentlicher Professoren, zu denen zwei mit Lehrauftrag versehene nicht planmäßige Dozenten treten. Dieser Zu st and rann unmöglich länger ausrechterhalten werden, denn die Lehr­tätigkeit der beiden Ordinarien ist im wesent­lichen auf die Fächer der Betriebswirtschaft und der Tierzucht, die der beiden beauftragten Herren auf Pflanzenbau und Agrikulturchemie beschränkt, während für alle anderen Fächer von zum Teil großer Wichtigkeit: für 'Pflanzenzüch­tung, für Molkereiwesen, für Pflanzenschutz, d. h. Bekämpfung der tierischen Schädlinge und der Pflanzenseuchen, besonders auch für das jetzt im Vordergrund stehende landwirtschaftliche Ma­schinenwesen und den öffentlichen Wetterdienst, fachmännische Dozenten fehlen, wie sie nicht nur die landwirtschaftlichen Hochschulen Hohenheim und Poppelsdorf, sondern auch anbere landwirt­schaftliche Hniversitätsinstitute besitzen. Untere Forderungen gehen nun nicht so weit, daß wir sofort die Schaffung neuer Professuren für alle diese Fächer beantragen, aber für durchaus not­wendig halten wir die Schaffung zweier neuer plcurmäßiger Professuren. Die Notwendigkeit einer dritten planmäßigen Professur ist auch von der Regierung längst dadurch anerkannt, daß die Professur schon einmal in den Staatshaus­haltsplan eingestellt war. Eine vierte Professur, das Extraordinariat für A g r i k u l t u r ch e m i e, ist seit dem Wintersemester 1918/19 wiederholt vom Senat der Landesuniversität beantragt, aber

Aus der religiösen Dichtung der Gegenwart.

Lic. Goebel- Marburg sprach bei Keißner an einem zweiten Abend über den Schweizer Dichter Albert Stessen (geb. in Murgenthal 1884). Ausgehend von einer Stelle aus dem DramaDie Manichäer" charakterisierte der Vor­tragende als die seelische Grundrichtung Stef­fens die beständige Suche nach dem noch unaus- getragenen Schicksal in der Welt. Steffens Welt­anschauung ist Naturanschauung; nicht panthe­istisch wie bei Morgenstern (dem der erste Abend gewidmet war), sondern geistige Naturansicht, in tieferem Goetheschen Sinne. In einem Aufsatz Der Weg des Dichters" (Steffen selbst kam in längeren Exzerpten aus seinen Büchern aus­giebig zu Wort) wird die Maxime aufgestellt. den Meister nicht in den Menschen, sondern, von der Natur geleitet, in der eigenen Brust zu suchen; die Natur als Erzieherin zur kosmischen Liebe. Aus einer anderen Schrift, derPilger­fahrt zum Lebensbaum" wird die merkwürdige Einstellung Steffens zu den Dingen der Natur . gekennzeichnet. Die Betrachtung der Pflanzenwelt (die Goethesche Metamorphose und Hrpflanze wird gestreift) führt zur Befruchtung des lyri­schen Dichters. Im Anschluß an einige Proben zog der Vortragende vergleichsweise Stellen aus der Lyrik Rilkes an, was, zum mindesten nach den gehörten Gedichten, etwas gewagt erscheint; Steffen wurde hier doch Wohl auf Kosten des Stundenbuchdichters überschätzt. Von den Dra­men des Schweizers wurdeDas Diergetier" eingehender behandelt. Höchst sonderbar: in Qlbler, Löwe und Stier, den Tieren der Evangelisten Johannes, Markus und Lukas ergeben sich Beziehungen zu dramatischen Elementen. Tiere werden offenbar als Apperzeption dramatischer Begriffe behandelt. And wie das Pflanzenreich den Dichter zum Lyriker macht, muß der Dramatiker auf das Tierreich schauen. Man muh solcher Raturbetrach­tung, selbst wenn man sie für abstrus hält, mindestens Originalität zuerkennen. Heber die Entstehung des Dramas vom Viergetier hat sich Steffen in der von ihm geleiteten Zeitschrift Gretheanum" ausgelassen, wo eine merkwürdige, an den Naturalismus erinnernde Vision in einem Berliner Hinter Hause beschrieben wird. Der Grundgedanke dieses Dramas ist, wie Steffen sich ausdrückt, das Suchen nach dem erlösenden Wort. Endlich die Epik (Romane und 2kovellen liegen vor). Für die Epik ergeben sich, analog

dem oben Entwickelten, die inspirierenden Be­ziehungen für Stessen aus dem Mineralreich; hier scheint in der Tat der ästhetische Konstruk­tivismus auf die Spitze getrieben. Nach der Besprechung zweier Romane (Die Erneuerung des Bundes" undDie Bestimmung der Roheit") kehrte der Vortragende zu der anfangs zitierten Manichäer"-Stelle zurück und schloß mit einer Gegenüberstellung von Steffen und Christian Morgenstern. -y-

Mufik und Medizin.

Die Volksmedizin enthält einen überaus reichen Schatz von Erfahrungen, der durch die Jahrtausende aufgespeichert worden ist unb immer wieder toenbet sich auch die moderne mebizinische Wissenschaft diesen uralten Hausmitteln und Rat­schlägen zu, die, sofern sie nicht auf reinen Aber­glauben gestellt find, häufig einen beachtenswer­ten Kern enthalten. So ist es auch z. B. mit der Verwendung der Musik in der Heilkunst. Ner­venärzte der allerjüngiten Zeit haben besonders in den Vereinigten Staaten auf die besänftigende und beruhigende Macht der Töne hingewiesen, die schon König Saul erprobte, da er sich von David die Harfe schlagen ließ. Man hat diese Einwirkung näher erforscht und besonders Ton­stücke namhaft gemacht, die bei gewissen Krank- heitserscheinungen anzuwenden sind. Solche Be­obachtungen sind aber natürlich nicht neu, sondern wurzeln wie die ganze Volksmedizin in -Urformen des Denkens und Glaubens. In einem überaus inhaltsreichen, bei der Dietrichschen Verlagsbuch­handlung in Leipzig erschienenen WerkAntike und moderne Volksmedizin" hat Eduard Stemplinger mit ausgebreiteter Gelehrsam­keit die Wurzeln dieser Anschauungen in dem Dämonenglauben aufgezeigt und die ganze an­tike Literatur über bte kultischen und oktultisti- schen Heilmethoden, über die astrologische Medi­zin, die kritischen Tage usw. herangezogen, um sie mit den modernen Erscheinungen zu ver­gleichen. Dabei beschäftigt er sich auch mit der musikalischen Medizin". Er führt diesen Glauben an die Heilkraft der Töne letzten Endes auf die mystische Bedeutung zurück, die die Zahlen in der Dolksmelodie besitzen, und dieser Glaube an die glückliche Bedeutung gewisser Zahlen war es. der die Pythagoreer zum Ton und zurHar­monie der Sphären" führte. Gellius berichtet über diesen Zusammenhang der pythagoreischen Lehre mit den medizinischen Vorstellungen:Nach dem Gesetz der Siebenzahl sollen bei dem Men­schen auch die Blutadern oder vielmehr die

stets aus finanziellen Grüirden abgelehnt wor­den. Der agrilulturchemische Unterricht, an dem in diesem Semester fast 100 Studierende teil­nehmen, hat aber gerade seit dem Kriege eine besondere Bedeutung dadurch gewonnen, daß jetzt eine rationelle Düngerwirtschaft vom Lanowirt und Forstwirt, eine rationelle Futterwirtschas: vom Landwirt und Veterinär verlangt werden muß. Die Förderung des agrikulturchemischen Unterrichts durch Schaffung einer planmäßige.: Professur liegt im Landeskulcurinteresse. wie im Interesse des landwirtschaftlichen, forstwissen- schaftlichen und veterinärmedizinischen Unter­richts.

Für die experimentelle Psycho­logie haben Fakultät unb Senat seit 1921 immer toieber eine außerordentliche Professur beantragt, beren Notwendigkeit angesichts der Bedeutung des Faches auch von der Regierung anerkannt worden ist. Nur aus finanziellen Gründen wurde die Einstellung dieses Extraordinariats wiederholt verschoben. Jetzt fordert der Ausbau des päda- g o g i I ch e n Hnterrichts an der Universität diese Professur um so dringender.

Ist beiden Abteilungen der Philosophischen Fakultät sollen wichtigc Lehraufträge und unentbehrlicheAssistentcnstellen zum 1. April dieses Jahres dem endgültigen Ab­bau verfallen. Die Einstellung der Lehraufträge in den Haushaltsplan von 1926 ist, wie toir hören, vom Landesamt beantragt, aber vom Fi­nanzministerium abgelehnt worden. Dadurch wer­den wertvolle Lehrkräfte der Philosophischen Fakultät in ihrer wirtschaftlichen Existenz gefähr­det und unter Umständen gezwungen, ihre aka­demische Tätigkeit um des Broterwerbs willen einzuschränken oder ganz aufzugeben. Der Abbau unentbehrlicher A s s i st e n t en st el l e n würde die wissenschaftliche Arbeit und die Lehrtätig­keit unserer Institute und Seminare stark beein­trächtigen unb unfern akademischen Nachwuchs empfindlich schädigen. Wenn es sich wirklich als unmöglich erweisen sollte, diese Lehraufträge unb Assistenzen in den Haushaltsplan für 1926 wie­dereinzustellen, so bitten wir den Landtag drin­gend. den Dispositionsfonds des Landes­amtes für bas Bildun^wesen so hoch wie irgend möglich zu bemessen, damit die Stellen wenig­stens notdürftig erhalten unb dadurch in bessere Zeiten hinübergerettet werden.

Wir verhehlen uns nicht, daß die lange Reihe unserer zum Teil erheblichen Forderungen bei der heutigen wirtschaftlichen Lage auch auf Freunde der Landesuniversität entmutigend wir­ken kann. Wir hegen jedoch zu dem Landtag bas feste Vertrauen, daß er diesem Gefühl nicht nachgeben, sonbem trotz der Not der Zeit das geistige Erbe des Landes nach Kräften wahren unb mehren wird. Bei dem Aufwand für die Veterinärmedizin und für die Landwirtschafts­lehre drängt sich der große Nutzen für die Ge­samtheit einem jeden auf. Aber eine weitblickende Volksvertretung wird niemals verkennen, daß auch die Aufwendungen für die Pflege der Natur- und Geisteswissenschaften, für die Erwei­terung der Universitätsbibliothek und für die körperliche Ertüchtigung der akademischen Jugend im edelsten Sinne des Wortes produktive Ausgaben sind, die ein Staat nicht sparen tarnt, ohne seine höchsten Güter zu gefährden. Die Landesuniverlität dient aber keineswegs dem Lande Hessen allein, sondern, wie sich zahlen­mäßig beweisen läßt, fast in gleichem Matze dem übrigen deutschen Vaterlande. Um so dringender fordern wir, daß das Reich unterem Lande, das von den Lasten der Besatzung wie kein zweites bedrückt und in seiner Steuerkraft ge­schädigt ist, auch bei der Erfüllung seiner Kul­turaufgaben zu Hilfe kommt, unter denen die Erhaltung unb Ausgestaltung der Landes Uni­versität unbestritten an hervorragender Stelle steht.

Rektor und Gesamtsenat der Landesuniversität, gez. Dr. Bürker.

Schlagadern in Bewegung gesetzt werden, und zwar nach dem Ausspruch der Aerzte, welche sich der Musik als Heilmittel bedienen, und dieses Heilmittel nennen sie den harmonischen Dier- Ilang. Theophrast gibt an, baß man an Ischias Leidende dadurch gesund mache, daß man an die kranke Stelle in der phrygischen Tonart hin- bläst, und des weiteren gibt er an, Schlangen­bisse würden durch ein weises und mäßig an­gewandtes Flötenspiel geheilt. Demokrit erklärt in seiner SchriftHeber Epidemien" das Flöten­spiel für ein Heilmittel bei den meisten Krank­heiten, und Apollonios Dyslolos empfiehlt, durch ein 5 Tage lang fortgesetztes Flötenspiel jeden schmerzhaften Körperteil zu heilen. Caelius Aurelianus teilt zahlreiche Fälle mit, in denen Geisteskranke je nach der Art ihrer Erkrankung teils mit dorischen, teils mit phrygischen Ton- folgen erfolgreich behandelt wurden. Namentlich die pythagoreischen Aerzte verwendeten gern die besänftigende Wirkung der Musik bei Opera­tionen.

Diesemusikalische Medizin" geht ursprüng­lich von dem Gedanken aus. daß dadurch die Krankheitsdämonen befänftigt würden, unb diese Anschauung erhielt sich auch in der neueren Zeit. Luthers Melancholie wurde von seinen Klosterbrüder, mit Harfe unb Gesang ver­scheucht; die krankhafte Schwermut Philipps V. von Spanien konnte nur die Stimme des be­rühmten Sängers Carlo Broschi bannen, und der infolge der Bartholomäus-Nacht wahnsinnig gewordene Karl IX. von Frankreich war durch Musik von seinen Tobsuchtsanfällen zu heilen. HebrigenS sagt schon der berühmte antike Arzt Galen, er habe durch Musik Gemütsleiden ge­lindert. Paracelsus will heitere Musll mit ge­radezu staunenswertem Erfolg gegen Gicht und Muskelrheumatismus angetoenbet gaben, und der berühmte französische Naturforscher des 18. Jahr­hunderts, Charles de Bonnet, bestätigt diese Heil­erfolge auf Grund langjähriger Erfahrungen. Einer der bedeutendsten Chirurgen Frankreichs, P. Default, benutzte die Macht der Töne, um tollwutkranke Menschen zu heilen. Der Professor der Chemie an bei Royal Institution zu Man­chester, Der 1873 gestorbene Grace Calvert, ließ Nervenleidenden sanfte Melodien Vorspielen, die die Kranken sofort beruhigten und in einen wohltättgen Schlaf versetzten. Die Wirkung der Musik auf den kranken Menschen faßt der fran­zösische Psychologe Vigneul-Warville tn den Worten zusammen:Die Musik unb die Klänge der Instrumente tragen zur Gesundheit des Kör-

Oberhessen.

Landtreis Gies;cn.

' Großen-Linden, 10. Febr. Am Sams« tagabenb veranstaltete der hiesige Turnverein (D. T.) sein diesjähriges Wintervergnügen. Die Turnhalle war bis zum letzten Platz gefüllt, als der 1. Vorsitzende die Erschienenen nut einer kurzen Ansprache begrüßte. Besonders galt sein Gruß dem ©auoberturnmart W. Will - Gießen und dem 2. Vorsitzenden des Gaues Hessen K. Schneider- (Butzbach). 3n seinen weiteren Ausführungen gab der Redner einen Bericht über das verflossene 93er- einsjahr unb zeigte an Hand der großen Zahl von errungenen Preisen, daß die Turner unter bewährter Leitung ihrer beiden Turnwarte mit gutem Erfolg an den Wettkämpfen beim Bezirksturnfest, Gautum- fcst und Kreisturnsest teilgenommen hatten. Das anschließende Programm war sehr abwechslungs­reich zusammengestellt. Im Vordergründe standen die turnerischen Vorführungen, von denen besonders das Reckturnen einen deutlichen Fortschritt der ein­zelnen Turner erkennen ließ, während das am Schluß gezeigte akrobatische Turnen wahre Bewun­derung und durch seine teilweise humoristische Ein­stellung große Heiterkeit hervorrief. Die von der Damenabteilung in sehr schöner Weise gebotenen Volkstänze wurden ebenfalls mit großem Beifall ausgenommen. Daneben sorgten zwei flott gespielte Theaterstücke unb ein lustiges Bauernpaar für dis nötige Unterhaltung. Im Laufe bes Abenbs nahm Herr K. Schneider- Butzbach das Wort zu einer kurzen Ansprache, in der er aus die Bedeutung der deutschen Turnsache für Volk und Vaterland hinwies unb zur treuen Mitarbeit aufforderte. Tanz beschloß den wohlgelungenen Abend.

Treis a. d. L d a., 10. Febr. Am Sonntag hielt der Gesangverein Liederkranz seinen diesjährigen Familienabend im Vereins­lokal bei Gastwirt Lemp ab. Die Einleitung! bildete ein Chor mit darauffolgender Ansprache, des 1. Vorsitzenden Wilhelm Decker V., die mit einem Hoch auf das deutsche Lied schloß. Der Verein, der seit kurzem unter der Leitung des Herrn Konrad N ic o l a i -Großen-Buseck steht, leistete Vorzügliches und erntete reichen Beifall. Für einige humorvolle Einlagen sorgte ein Sanges­bruder aus Rödgen, ebenso brachte die Kapelle« Decker- Treis vortreffliche Konzertstücke zu Gehör. Tanz hielt alt und jung lange zusammen.

* Treis a. d. Lda., 10. Febr. Bei der Aus­führung unserer F e l ö b e r e t n i g u n g, die un­sere Feldflur im allgemeinen durch Anlegung eines schönen unb praktischen Wegenetzes sehr zu ihrem Vorteil verändert hat, war auch am linken Ufer der Lumda durch Anlage einer breiten Straße Baugelände erschlossen worden, das im Laufe der Jahre, wenn es zur Bebauung gekom­men wäre, die Lücke zwischen unseren beiden Dorf­teilen hätte ausfüllen können. Da aber dieses Ge­lände zum Teil sehr gutes Gartenland ist unb sich besonders zu Hausgärten eignet, weil es nahe bei den Hausern liegt, zum Teil aber auch sehr wasserhaltig ist, so hat man von seiner Benutzung zu Bauzwecken abgesehen und nach anderem Bau­gelände Umschau gehalten. Dieses wurde am Aus­gang des Dorfes nach Mainzlar au gefunden. Ein Bebauungsplan ist bereits von der Kreisbaubehörde ausgearbeitet und der Ortsbehörde vorgelegt worden. Wenn das dem hessischen Staat gehörige Gelände käuflich abgegeben wird, woran wohl nicht zu zweifeln ist, so ist für lange Zeit Daulustigen, die das nötige Geld dazu haben, Gelegenheit zur Betätigung geboten. Die m letzten Jahre unter Dach gebrachten fünf neuen Wohnhäuser sehen in diesem Jahre ihrem inneren Ausbau ent­gegen.

Bg. Großen-Buseck, 10. Febr. Obwohl mit den Holzhauerarbeiten erst nach Weih­nachten begonnen wurde, gingen sie, da zeitweilig mehr als 60 Mann beschäfttgt waren, rasch von- statten. Ende vergangener Woche waren sie zum Abschluß gebracht und gestern fand bereits die erste Versteigerung statt. Es mürbe geboten für 5 Raum­meter Reisig 1736 Mk., für 2 Raummeter Buchen­prügel durchschnittlich 32 Mk. und für Buchen-

pers und des Geistes bei, reinigen das Blut, vertreiben traurige (Stimmungen und erweitern die Gefäße und Die Poren; die für das Wohl­befinden so wichtige Hautausdünstung wird da­durch gefördert."

Frankfurter Theater.

In den Kammerspielen hat Heinz Hilpert einen interessanten Abend, man tarnt schon sagen: Anti-Frauenabend, zusammengestellt. Zuerst kam Strindberg in denGläubi­gern" zu Wort. Ein wütender Frauenhasser pole­misiert gegen die Frau, als daS niederziehende, vernichtende Element im Leben des Mannes. Die Gläubiger" stammen aus einer Zeit, da der Vater",Kameraden" und Fräulein Julie" ent­standen, noch steht der damals Vierzigjährige in­mitten seiner aus glühendem Haß gebotenere Anklagen, so sind auch dieGläubiger" Tragi­komödie, oder besser gesagt Tragödie der An­klage. Die Darstellung war von ausgezeichneter Modellierung; in knavper Sachlichkeit, bis zur "Brutalität gesteigert, formte Hilpert die Gestalt des ersten Mannes und Rächers, Karl Heinz Jaffe wußte den versinkenden, von krankhafter Ekstase gerüttelten Adolf in zwingender Ein­dringlichkeit zu zeichnen. Leontine S a g a n s Tella, ganz und gar das Weib mit der schein­baren Doppelseele, hinter der sich Hohlheit und Egoismus verbirgt, eine Frau, die letzten Endes doch nur Weibchen ist, sie liebt beide auf ihre Art. t Den zweiten Teil des Abends erfüllte Georges Courtelmes tragische PosseDou- bouroche". Hier konnte Hilpert einen Beweis seiner gestaltenden Vielseitigkeit bringen. Denn als Doubo:><oche war er vollkommen der gut­mütige, bürgerliche Dummkopf, in schrankenloser Hörigkeit seiner Geliebten Adele ergeben, ob­wohl sie bei ihm verdächtigt wird, obwohl er einen Mann bei ihr im Schrank entdeckt, ihren Lügen glaubend und. o Blödigkeit, ihre Ver­zeihung erstrebend. Diele Posse machte den düster angefangenen Abend heiter und ließ oft lautes Lachen über das stärkere, in den meisten Fällen aber recht schwache Geschlecht durch den Raum klingen. Ellen D a u b s Adele wußte sich mit zu bewundernder Hnverfrorenheil immer wieder aus der recht heillen Affäre zu ziehen. Fritz Ode- mar als alter Herr und Karl Heinz Iaf f6 al« Geliebter ergänzten das lustige Spiel von märm* licher Dummheit und weiblicher Untreue. Beide Aufführungen ernteten starken Beifall, L. W.