gemäß ist. nämlich aus dem Ht> unb Mutter- laut heraus dessen Beziehungen zur Umwelt zu enttDictcIiL Die nirgends fehlenden Denunzianten lenkten die Aufmerksamteit der Italiener auf diese Katakombenschulen und die Folge war, daß die Beherberget dieser Schulen, die Eltern und Lehrer, beschimpft, bestraft, zum Teil aus- gewiesen und die Schulen geschlossen wurden. Jeden Hund läßt man in seiner eigenen Sprach« bellen-, um dos Tier zu erziehen, läßt der Mensch sich herab, sich dem Wesen des TiereS anzupalsen, weil dadurch ein Erfolg gewährleistet wird. Di- Italiener aber verlangen, daß deutsche Äiuhcr in einer ihrem innersten Wesen fremden Welt erzogen werden! Dies ist ein ungeheuerliches Verbrechen am Kinde und am Menschen, und es ist umso schlimmer, als dies in einer Feit geschieht, in der gerade das Erziehen von innen heraus im Mittelpunkt des Interesses steht. Es handelt sich hier nicht um ein politisches Ereignis — nein! Es handelt sich hier um die Zertreinng der Menschenwürde, um die Grdro'selung des Selbstbestimmungsrechtes der Völker. Es handelt sich hier um ein Ereignis, daS jeden wahren Menschen jeder Rasse, jeder Richtung, jeder parteipolitischen Einstellung im tiefsten erschüttern muß."
Oberhessen.
LauvkrerÄ Gicszen.
• G r ü über g. 9. Ian. Der Bezirk Grün- berg deS Hess. Land-Iugenobundes veranstaltete im Gasthaus ..Zum Rappen" seine diesjährige Weihnachtsfeier, die sich eines starken Besuches erfreute. Der 1. Bezirks-Vor- litzende, Wilh. Seipp- Geilshausen, richtete nach dem üblichen Groffnungsmarsch herzliche Worte der Begrüßung an die Erschienenen, ganz besonders gedachte er dabei der Ortsgruppe Stein- Heim. die sich freiwillig dem Bezirk Grünberg mit der Aufführung des historischen Theaterstückes ..Andreas Hofer" zur Verfügung gestellt hatte Es folgte dann ein Gedichtvortrag von Willi L r i n k a u s -Grünberg, dem sich eine längere Ansprache des 1. Vorsitzenden des H. L. I. B., Robert Schmidt-Steinheim, an» schloß. Hierauf kam daS Stück ..Andreas Hofer" zur Aufführung. Das vorzügliche Spiel aller Mitwirkenden ernetete brausenden Beifall. Danach ergriff Dr. R o h b e r g - Gießen das Wort zu einigen Erläuterungen und Ergänzungen im Anschluß an das Theaterstück, und dann folgte daS Deutschlandlied. Die Bescherung (Verlosung) unter dem brennenden Weihnachtsbaum wurde durch das Lieb „Stille Rocht, heilige Rächt" eingeleitet. Den Schluß bildete Tanz.
H. Harbach, 9 .Ion. Im Gegensatz ^ur geradezu beängstigenden Zunahme der Arbeitslosigkeit in Stadt und Land haben wir in unserem Dorfe nur 3 Arbeitslose. 15 Leute von hier geben Tag für lag nach Wieseck zu Drainage- arbeiten. Dort ist eben die Feldbereinigung im Gange, und es sind umfangreiche Drainagearbeiten notwendig. Der Unternehmer Schäfer- Wieseck hat einen größeren Teil davon an die Harbocyer abgegeben. Aber es ist ein saures Stück Brot, das sich die Leute verdienen: denn abgesehen von der dauernden Nässe und dem Wasser in den Gräben haben sie jeden Morgen einen fast grundlosen Weg nach Saasen vor sich. Don Station Rödgen fino es bann noch | Stunden nach der Arbeitsstelle.
<5 Harb ach. 10. Ian. Rachvem die Dür- germei st erwähl am 12. Juli 1925 vom KreiSarrsschuß für ungültig erklärt wurde, sand reute Reuwahl statt. GS erhielten: Dltbür- Lgermeistcr M ü n ch 96 Stimmen, der neugewählte XanMbat Wilhelm Schvmbe r 2, Landwirt, '139 Stimmen. Zwei Stimmen waren zersplittert. _Im ersten Wahlgang erhielt Altbürgermeister 'Münch HZ Stimmen, Wilhelm Schomber 2 135 Stimmen. Der Wahlgang verlief sehr ruhig.
Reinhardshain, 11. Ian. Bei der gestern auf dem Wirberg vorgenommenen C r» gänzungswahl zum Kirchenvorstand wurden gewählt Bürgermeister Heinrich Gieß. Landwirt Wilhelm S e ip und Landwirt Friedrich G-r ü n. Für die beiden lehtgenannten, die seither Mitglieder der Kirchengemeindevertretung waren, treten als neue Mitglieder in die Kirchengemeindevertretung die seitherigen Grsahmänner 'J3eter Jacob und Landwirt Scheich ein.
2) Lich, 9. Jan. An der jüngsten Abendsitzung des neuen Stadtvorstandes nahmen außer dem Bürgermeister und dem Beigeordneten samt-
Franziska.
Roman von L i e s b e t Dill.
40. Fortsetzung. Nachdruck verboten.
So oft Hasse einen Mustkalienladen, eine Buchhandlung betrat oder den Kasten eines Photographe!-. streifte, sah er „sie" halbnackt in ihren falschen Juwelen, den Perlenschnüren, dem weichen, fließenden blonden Haar, alles überbietend, was eine Hoftheatersängerin jemals gewagt. Es war zum erstenmal einer Künstlerin gelungen, dieses weibliche Enigma menschlich verständlich zu machen und ihre letzte Tat begreiflich.
Diese Salome wurde Mode. Dank ihrer weichen Bewegungen, dem weißen, leuchtenden Fleisch ihrer Haut, deut fließenden Haar, den matten, verschleierten Augen schien sie geschaffen dazu. Man drängte sich um ihre neuesten Aufnahmen, die an der Ecke der Königsstraße unter einem Glaskasten ausgestellt waren. Die Photographen erwarteten sie auf der Straße, vor dem Theater, wenn ihr Wagen hielt. Die Reporter tarnen von auswärts, Näheres über ihre Lebensweise und Charakter zu erfahren. Man sah sie in einem offenen Wagen in Begleitung der Sentimentalen, die eine feuerrote Jacke trug, den Pinscher zu ihren Füßen, und auf dem Rücksitz lag ein großes kunstvolles Bu- !ett. Man engagierte fte nach auswärts zu F.-stvorstellungen. Ihr Ruhm verbreitete sich rasch.
Der scharfe Doktor machte einen Ausfall gegen he, er warnte vor Hebertreibungen, denn das Repertoire von Franziska war immerhin Hein. Bis jetzt hatte sie nur bewiesen, daß ihr die „ausgefallenen“ Rollen, die Gventuab rollen lagen, die an den meisten Bühnen nicht lest besetzt sind und nur nothilsSweise von den Damen vom anderen Fach gegeben werden.
Es war ganz unmöglich, vom Theater zu sprechen, ohne die Rott zu erwähnen. Franziska bcgnüatc sich nicht mehr mit vereinzelten Rollen, sondern sie begehrte auch die großen Rollen, die Kameliendame, einst die beste Rolle der AssSkY, zu singen. Zu dem Abend kam die Schwedin ans Wiesbaden herübergesahren
lichc 12 Stadtoorstandsmitglicder, von denen drei neugewählt waren, teil. Zu der Sitzung hatten sich eine größere Anzahl Zuhörer eingefunden. Der Bürgermeister eröffnete die Sitzung mit herzlichen Begrüßungsworten und brachte dann die wichtigsten gesetzlichen Bestimmungen der Landgemeindeordnung zur Kenntnis. Sodann führte er die neu ein» getretenen Stadtvorstandsmitglieder Hch. Marie, Vanbmin. Karl Drechsler, Straßenwärter und Jakob Schmidt, Bürgermeistereiajststent, in ihr Amt ein und ließ sie das Handgelöbnis ablegen, das Amt eines Stadtoorstandsmitgliedes mit Eifer, Treue und Gewissenhaftigkeit und unter Beachtung der gesetzlichen Vorschriften zu führen. Anschließend hieran wuroe die Wahl der Finanzkommissiou vor» genommen und diese Kommission gleichzeitig damit beauftragt, in der nächsten Sitzung Vorschläge für die Besetzung der übrigen Kommissionen zu unterbreiten. Zum Kontrolleur wurde das Stadtvorstandsmitglied Ludwig Wolf II., Landwirt und als Auffichtsperson des städtischen Faselstalles Mitglied .Heinrich Marke, Landwirt, gewählt. — Ein hiesiger Metzgermeister kehrte vor einigen Tagen mit seinem Fuhrwerk vom Ileberlandfahren zurück und erlitt auf der Straße Lich—Hungen in der Nahe des Wegekreuzes nach Birklar einen Unfall, der leicht schlimme Folgen hätte haben können. Er sowohl wie ein ihm entgegenkommender Krafrwaaen waren bei bereits eingetretener Dunkelheit ohne Beleuchtung, und so konnte es gar nicht aus« bleiben, daß em Zusammenstoß stattfinden mußte. Der Fuhrmann wurde vom Wagen geworfen und erlitt nicht unerhebliche Prellungen. Der Wagen fiel um, die Schere brach ab und das Pferd, frei geworden, stürmte feinem heimatlichen Stalle zu. Das Kraftfahrzeug soll roenirg beschädigt davongekommen sein.
l. Hungen, 8 Ian. Heule hielt hier der Verein der ober des ft scheu Schäfer, wie im verflossenen Jahre, wiederum feinen Appell ab. Eine recht stattliche Zahl Kollegen und Freunde der Schafzucht waren teils zu Fuß, teils mit den Frühzügen angekommen und marschierte unter den Klängen einer Musikkapelle nach dem Versammlungslokal, Darmstädter Hof, wo namenS der Landwii tfchaftskammer, deren zweiter Vorsitzender Bär Begrüß ungSworte sprach und Professor Dr. Kncll-Gietzen einen sehr interessanten und lehrreichen Lichtbildervortrag hielt. Oekonvmierat Dr. Wagner von dem LandwirtschastskammerauSschuß für über» Hessen sprach über die Zuchtrichtung, wie sie sich nach den gemachten örfabrungen am besten für die hiesige Gegend eignet. Hiernach mar* ichierten die Hirten nach dem Marttplay „Die Psamre", wo der 1. Dorsiyende deS Verein-, Schäfer Müller- Stangenrod nach Begrüßung der ^Anwesenden eine kernige Ansprache hielt und der Gesangverein „Eintracht^ dckS Hirtenkied „Dies ist Der Tag des Herrn" zum Vortrag brachte. Gin Hirtenlaufen der Schäfer und Schäfer sf rauen, bei dem der Sieger Hil-tenkönig und die Siegerin König wurde, und außerdem ein Mutterschaf mit Lamm und ein Hammel zu gewinnen waren, brachte recht spannende Momente. Hierauf wurde in der Lindenallee der Fest - zug auf gesellt, um unter den Klängen Der Kapellen durch die Stadt zu ziehen. Den Zug eröffneten fünf Vorreiter, an die sich in Wagen und einem Automobil die int Dienste ergrauten Schäfer, die Wind und Wetter so oftmals getrotzt, anschloffen. Der älteste derselben, eine kernige kräftige Schäscrgestalt, ritt seinen Kollegen auf einem Maultier voran. Sin schöner Festwagen, eine hessische Spinnst u b e darstellend, die Hirten mit Bandelier und Schippe machten einen würdigen Eindruck. Die übrigen Festteilnehmer beschlossen den stattlichen Zug. Im Versammlungslokale begrüßte Bürgermeister Fendt namen8 der Stadl Hungen die Hirten, und Anwesenden und brachte ein Hoch auf den Hirtenstand und den oberhesflfchcn Schä- serverband aus. worauf Reichstagsadgeordneter Prof. Dr. Werner eine Airfprache hielt und mit einem Hoch auf DaS Blühen, Wachsen und (Anleihen unseres Vaterlandes schloß. Die Ver» samnUung fang hieraus unter Mitwirkung der Musikkapelle daS Deutschlandlied. Rach Verspielen eines Hammels und an Der en Gegenständen, war der Rachmittag dem gemütlichen Beisammensein gewidmet.
. uIphc, 9. Ian. Mit Beginn des neuen Jahres hat her neugewählte Gemeinderat seine Tätigkeit aufgenommen. An die Stelle der beiden ausscheideuden Mitglieder Stork und Gr meinderechner Schäfer sind nun Landwirt Wilh.
Sack und Heinrich Hirz in gor getreten. — Die Hundesteuer wurde hier oeim alten Satze belassen, weshalb denn auch die Anzahl der gehaltenen Hunde sich nur um einen vermindert hat, — In letzter Zeit mußte eine beträchtliche Anzahl von Wasferleitungsanschlüssen erneuert werden. Es soll dies darauf zurückzuführen sein, daß die Erde, in die die Zuleitungsrohre gebettet sind, stark eisenhaltig ist und auf chemischem Wege die Rohrrvnndung zerfrißt, so daß diese bann dem starken Wasserdruck nicht mehr ftandhält. Inwieweit auch Fehler bei Der Herstellung der Wasserleitung, die im Jahre 1906 erfolgte, mttspielen, muh dahin gestellt bleiben. Jedenfalls bedeutet die Häufigkeit der Reparaturen, während deren Dauer das Wasser abgestellt wird, nicht nur eine finanzielle Schädigung, sondern auch eine unliebsame Störung des Haushalts. — Bei der letzten Viehzählung wurden hier feftgeftellt 108 (100) Pferde, 434 (438) Stück Rindvieh, 4 (12) Schafe, 529 (583) Schweine, 68 (69) Ziegen, 163 ( 265) Gänse, 2 (20) Enten, 1402 (1312) Hühner, 55 Kaninchen und 5 Bienen- Völker. Die in Klammer gesetzten Zahlen stellen das Ergebnis der vorjährigen Zählung dar. Einen wejentlichen Anteil an diesen Zahlen hat natürlich das hiesige Hofgut.
:/; Au s dem Horlofftal, 10.Jan. Allmählich beginnt nun auch die Horloff, die von Trais ab in breiter Fläche das ganze Tal bis zu ihrer Mündung überschwemmt harte, wieder in ihr Bett zurückgetreten. Während des Höchststandes konnte man von S t e i n h e i m aus vorübergehend die Station Trais-Horloff nur auf dem hohen Bahndamm erreichen. Die Verbindung zwischen Unter - Widdersheim und Utphe war ganz unterbrochen. Trotzdem versuchten manche Fuhrwerke durch Orientierung nach den Telegraphenstangen sich den Weg dürch die Flut zu bahnen. Solche starte Ueberschwemmungen sind jetzt aerweise infolge der Flußregulierungen eine ine, kehrten aber in früheren Zeiten alljährlich besonders zur Zeit der Schneefchmelze wieder, io daß das Horlofftal sehr sympfreich war. Aus dieser Tatsache erklärt sich ja auch ihr Name, der mit deni althochdeutschen Worte horo (Sumpf) zuscmr- menhängt.Der gleiche Bestandteil findet sich ja auch in vielen Ortsnamen wie Hornau, Hornbach. Harbach sowie in dem bekannten Haarlein. Durch die regelmäßig wiederkehrenden Ueberschwemmungen und die dadurch verursachte Versumpfung des Horloffgrundes wird auch die Tatfache verständlich, daß im Gegensatz zu anderen Flüssen hier die menschlichen Siedlungen nicht unmittelbar am Flußlauf selbst entstanden, sondern unterhalb Trais sich in entsprechendem Abstand davon halten.
Kreis Friedberg.
| Rieder-Florstadt, S. Jan. Der (6 t n- spru ch gegen die Gemeinderatswahl wurde beute vor dem Kreisausfchuß in Friedberg v er handelt. Die Gründe, die zur Anfechtung der Wahl führten, wurden nicht für stichhaltig genug erkannt, und die Wahl für gültig erklärt. Da aber Formfehler Vorlagen, eine Beeinflussung des Resultats jedoch nicht nachgewiesen tfl. wurde Die Gemeinde zum Tragen der Kosten verurteilt. Wert des Gegenstandes 1000 Marl. — Eine Versammlung, die einen Ginblick in die Entwicklung, Wirkung und Versuche zur Bekämpfung der Wo h - nungSnot und In Den Gedanken Der Bau - sparkvnten gab, war leider nicht so stark besucht, wie man bei Dem allgemeinen Interesse an der Materie erwartet hatte. GS waren meistens solche Leute erschienen, die bald bauen wollen. Abg. L u x gab einen Ueberblicf über die Entstehung der Wohnungsnot schon zu Beginn des Krieges und ihre Auswirkung nach dem Kriege. Dann schilderte er Die Versuche, die .zu ihrer Linderung unternommen wurden l Zwangseinmietungen. Baukostenzuschüsse. Bau- hilsedarlehen, Tätigkeit der Wohnung» sürsorge- gesellfchasr und der ihr airgeschlofsenen gemein- nützigen Baugenossenschaften). Zu den neu errichteten Bausparkonten müssen möglichst alle heitre! cn. Damit Gelder für den Bcuimarkt frei werden. Rach kurzer Erläuterung der beiden Bausparsysteme kam er zu dem Schluß, daß viele die Gelder aufbringen können und mit diesem Plan die Wohnungsnot allmählich behoben werden kann. Lehrer Heller zeigte an Hand von Zahlen, wie stark der Wohrrirgsbarr hinter den Anforderungen zurückgeblieben ist. wie sich die Ausbringung der Gelder in den Jahren 1924 und 25 für den Bauherrn gestaltete, wie sie 1926 sein wird und welche Vorteile ein Bausparkonto
und faß in ihrer Loge, verschmintt, bleich vor Verachtung, und fie Iachte im dritten Alt, als Franziska zu sterben begann. „DaS ist nicht anzufehen". sagte sie laut. Daß es alle Um« sitzeirden hören fonnten. Dennoch hatte Franziska ungemessenen Beifall. Ihre Stimme ohne Grenzen, von dem Professor zu einer fast unglaublichen Höhe heraufgebro.f't, ihre Schönheit siegte Über ihr Spiel.
Worth urteilte nachher auf Halles Zimmer über Die Vorstellung. „Die Rott, parhon, daß ich sie so nenne, ist zur „Äantelienbame“ einfach zu gesund Im ersten Alt mit Dem 65am° pagnerkelch in der Hand gelang ihr die Arie entzückend, in einer Toilette, rot mit Silber unö grauem Chisson." Worth beschrieb die Toiletten immer genau, er hatte Sinn dafür. „Aber nachher, wo sie in Spitzen stirbt, da ist sic mir einfach zu deutsch."
Hasse rauchte urti> horte lächelnd zu. Er war jetzt ruhig geworden, jene Tage lagen weit hinter ihnr, als ob ein Rebel feine Empfindungen bedeckte.
Er hatte feine Versuche ivieder auf genommen und sich einen Orang-ilttm angefchafft, den er impfte und beobachtete
Das Tier fror in feiner Ecke Wenn das Effen gebracht wurde, rieb er sich Die Häirde, erfreut wie ein Mensch. Gr amüsierte sich tagsüber mit einem kleinen Handspiegel, in Dem er sich immerzu betrachtete. Sobald er Hasse sah, versteckte er Den Spiegel Hasse nahm ihn ihm ab, da er fürchtete, er tonnte ihn anfnabbern, • Darüber wurde der Affe wütend und warf ihm ein paar Hände Sand nach. Hasse las auf Dem kleinen Taschenspiegel die Inschrist„kc>r ever". Gr fragte den Diener danach, und der Mann antwortete: Ich fand Den Spiegel auf Ihrem Sofa, Herr Doktor."
Hasse ließ Den runden Spiegel in seine Tasche gleiten, der .Mann lächelte hinter ihm her. er wußte sicher ebensogut, von wem er kam, dieser verräterische Spiegel, in welchem „sie" sich betrachtete, Die Haar ordnete auf der Chaiselongue, ehe fte ging.
Sie wußten es alle, obwohl er nie von Franziska gesprochen, doch eS war ihm gleich
gültig. was man Darüber dachte. Er sagte zu Worth, die Sach? sei erledigt.
„Hat sie sich Don selbst erledigt?"
„Sie hat sich aufgelöst."
Das war dein Glück, dachte Worth, aber er begnügte fich, es zu denken.
„Was gedenken sie Dagegen zu tun, lieber Fremrd?"
„Ich habe mir einen Affen angeschasst, mit dem ich mich in meiner freien Zeit vortrefflich unterhalte, ich entdecke jeden Tag neue Aebnlich- feiten zwischen Mensch und Tier, es ist wirklich amüsant."
„Ich verstehe," entgegnete Worth, „aber ich bin enrpsiirdllch gegen Gerüche in meinen Wohn- räumen —"
„Das stumpft sich alles ab", sagte Hasse.
Als er das erstemal Franziska begegnete, ging sie mit einer Schar Kolleginnen zum Bahnhof, sie trugen Blumen im Gürtel und begrüßten einander ausgelassen wie Leute, Die einen gemeinsamen Ausflug unternehmen. Gs gelang ihm, unbemerft an ihr vorbeizukommen, und er batte Die Empfindung einer Trockenheit im Halse, einer plötzlich aufsteigenden Scham. — Gin anderes Mal frühstückte er in Dem zu ebener Erde gelegenen Speisesaal des großen Hotels Europa am Bahnhof mit Worth, als er Franziska im Pelzmantel mit einem stattlichen Herrn im Zylinder, der das Aussehen eines Impresario hatte, eintret en sah. Sie gingen, vom Kellner gefolgt, an feinem Tisch vorüber, ohne daß Franziska ihn zu bemerken schien. Sie sprach so eifrig mit dein großen Herrn im Zylinder, daß ihre Augen ihn nicht streiften. Sie fanden ihren bereits gedeckten Tisch an einer Ecke gegenüber einem Pfeiler und nahmen Dort Platz. „Das ist der „Hans Sachs" von gestern abenb. Ein Bariton aus Stockholm", erklärte Worth.
Hasse blieb zerstreut, er hatte bemerkt, daß Franziska, Me ihm Den Rücken zukehrte, einem Spiegel gegenüber sah, durch welchen sie ihn beobachten konnte. Das war ihm unerträglich. Schließlich stand er auf, fte wollten Den Kaffee
nach System 1 gerade für die Aufbringung Des Zusatzdarlehen bietet. Während dieses System' dem sofortigen Wohnungsbedürfnir: abhelfen soll und noch mit staatlichen Baudarlehen arbeitet, ist das System 2 so eingerichtet, daß auch bet geringer Sparmöglichkeit doch allmählich durch wöchentliche Einzahlungen eine Bausumme erreicht wird. Es wird 1928 ein setzen und Dann die Bauherrn durchs Los bestimmen, aber auch Den nachhaltigsten Sparer berücksichtigen. Genaue Zinsberechnungen gaben ein 'Bild der Schwierigkeiten, die zur überwinden sind, unb warnten vor überstürztem Bau. In der Aussprache gab eä noch wichtige Anregungen, die auf einer Versammlung in Friedberg ihre Klärung finden werden.
Kreis Schotten.
>g. Gedern, 9. Jan. Infolge eines Herzschlages verschied in Darmstadt ein Sohn unterer Gemeinde, Rechnungsrat Heinrich Franz, tätig am Ministerium, int besten ManneSalter. Der Verstorbene, der sich durch persönliche Tüchtigkeit zu dieser geachteten Siel' lung empvrgearbeitet hatte, war ein*lre*er Verehrer feiner oberhefsifchen Berge, und groß ist Die Zcchl Derer, denen er die Schönheiten des Vogelsverges erschlofsen hat. Roch vor wenigen Tagen ehrte ihn der Darmstädter Zweigverein des V. H.-C. durch Verleihung Des goldenen Wanderabzeichens.
)—( Gonterskirchen , 9. Jan. Der B e - zi rk Cauba d) hat nunmehr auch seinen Fort- bildungsschullehrer im Hauptamte in der Person unseres seitherigen zweiten Lehrers Karl M o x t e r. Sein künftiger Amtssitz ist Laubach. Herr Morter hat am 4. d. M. seine Tätigkeit be- gönnen. Zu seinem Bezirke gehören die Orte Lau- ach, Freienseen, Gonterskirchen, Ruppertsburg und Wetterfeld. Da jetzt mehrere hundert Lehrer stellen« los sind, so konnte auch für unsere zweite Schulklasse bereits als Nachfolger Moxters der Schulvenvalter Hoffmann bestimmt werden.
Starkenburg.
WSR. Darmstadt, 10. Ian. "Re gier irrig* rat Dr. Roo fener vo-m Kreis amt in Büdingen, zur Zeit hessisches Mitglied Der Reichs- entschädigungssteile für Aus gewiesene von Rhein und Rühr in Würzburg, ist unter 150 Bewerbern zum ersten Synk»ikus der Industrie- und Handelskammer Darmstadt gewählt worden.
WSN. Groß-Gerau, 9. Ian. Die Zigeu* n e r p l a g e wird hier von Tag zu Tag stärker fühlbar. An der Mörfelder Chaussee ist ein ständiges Lager der braunen Gesellen Abgesehen von dem lästigen und unverschämten Betteln sind es die sich mehrenden Falle von frechen Diebstählen und Betrügereien, die gebieterische Maßnaymen gegen diese Landplage fordern. So fand ein hiesiger G a st w i r t bei seiner Rückkehr von einem Aus- gang einen Zigeuner in seinem Kartoffelkeller, der sich angeblich verirrt hatte. Eine gehörige Tracht Prügel wies Ihn schnell auf den rechten Weg, mit dem Messer, das recht schnell zur Hand war, konnte der Zigeuner nur wenig gegen den energischen Herrn ausrichten. — Im Kreise Groß-Gerau find gegenwättlg 7 200 E r - w e r b s l o s e mit 7140 Angehörigen vorhanden, d. h. etwa ein Fünftel der Kreiseinwohner. In den lebten 14 Tagen hat sich die Ziffer um annähernd 3000 Erwerbslose gesteigert.
WSR. Heppenheim a.0.B., 10. Ian. In einem in der Gemarkung Sonderbach gelegenen, einer Heppenheimer Firma gehörigen Steinbruch wurden Dieser Tage mit einer SchwarzpulverlaDung von ungefähr 21/l Zentner große Mafsen Granitma terial losgelöst. Darunter ein massiver Block von über 300 Kubikmeter, zu dessen Transport 60 Eisenbahnwaggons benötigt werden.
Rheinhessen.
WSR. Blain z, 10. Jan Heute nacht zwischen ein und zwei Tlhr ist in einem auf Der Zitadelle gelegenen großen französischen Automobilschuppen Feuer ausgebrochen. das nahezu zwei StunDen anhielt und Durch Den gewaltigen Feuerschein und Die hohe Lage der Brandstelle weithin sichtbar war. Das Gebäude mit Inhalt brannte völlig nieder. Die Feuerwehr hatte vollauf zu tun, um daS -liebergreifen das Brandes auf Die Dabei liegende Kaserne zu verhüten.
im Saal nebenan trinken, schlug er vor. »Schade," meinte Worth, „eS war doch so gemütlich fiter* Das Dritte Mal traf er fie In Den Kolonnaden, sie stand unter Den Säulen und schien aus jemand zu warten. Er zog den Hut und Franziska Danfte, indem sie sich verfärbte.
Von da ab nahm er sich vor, fie einfach zu grüßen, wenn sie sich begegneten. Aber sie begegneten sich nicht mehr.
Im Frühjahr verließ Franziska die Stadt. Sie hatte einen Kontrakt mit einer Wiener Truppe abgeschlossen, welche von Stadt zu Stadt reiste unb nur „Salom e" gab.
Der Strom Der großen Welt nafwn fte auf.
An einem Abend im Herbst traf Hasse auf einem der Diners, Die sein Chef g<ib. Elisabeth Eine Begegnung, die er gern vermieden hätte, der er aber nicht ausweichen konnte.
Sie trug das schöne Haar straff zurück- getämmt und einen Zug von Selbstbewußtsein um den Mund und begrüßte ihn falt wie einen Fremden. Dann wandte sie sich, nachdem sie ihm die Hand gereicht, an ihren Rachbar, einen kleinen, scheu blickenden dicken Herrn im Frack, der die Hände vor Verlegenheit auf dem Rücken hielt und zu Elisabeths witzigen Bemerkungen, mit denen sic ihn fast übeisprühte, nut ein Lächeln aufbrachte. Es war eine "Nervosität in ihren Bewegungen, ihre absichtliche Heiterkeit wirkte unnatürlich wie die fliegende Röte, Die zuweilen ihre blasse Haut überflog. Ihre Augen schienen großer und klarer, aber Diese Augen hatten kein Lächeln mehr, keine Güte, keine Weichheit, sie blickten scharf und klar, unD was sie an diesem Abend sprach war klug, gereift und hart.
Wie bat sie sich verändert, dachte Hasse, und er betrachtete ihre schmalen Schultern, von denen das rosa Ballkleid fast deruntcrzusinken drohte. Ihr Vater hatte recht, sie nicht studieren zu lassen, dachte Hasse, wenn sie eine Gemütsbewegung derartig angreift.
(Fortse' -ifl folgt.)


