spi-elt im Wesenlanden unter den Wirren des Dreißigjährigen Krieges, während d'.e zweite das erste Eindringen der Reformation in Holland schildert. Das Gewissen eines jungen Kaplans wird durch das grausame Schicksal einer schönen jungen Ketzerin geweckt, so daß er mit Familie und Kirche bricht und zum Anhänger der neuen Lehre wird. Kraft, die sich zügeln weiß, ist das Kennzeichen dieses Buches, dessen Persönlichkeiten in balladenhast eindringlichem Stil gezeichnet sind. Dieses Buch bereitet dem fein empfindenden Leser köstliche Feierstunden. 213
— Das Fräulein und der Levantiner. Don F. v. Zobeltitz. (Llllstein-Derlag. Berlin.) — Ein wundersames und wechseldvlles Schicksal, das in dieser Erzählung ein deutsches Mädchen in der Rot der Rachkriegszeit mit einem Griechen aus Konstantinopel zusammenbringt und lange -Zeit beisammenhält. Re'zvvll hat Zobeltitz mit aller Meisterschaft die Handlung geformt, prächtig die Personentypen ge^ichnet. wunderbar die Mil euschtlderungrn herausgearbeitet. Kurz: Dieser Roman ist ein neuer guter Zobeltitz voll höchster Spannung. Das Buch empfiehlt sich selber.
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— Diel Lärm um Liebe. Roman von QL M. Frey. (Drei Masken-Derlag, München.) — Eine phantastische Erzählung, an der man sein Ergötzen hat: die „Abenteuer" einer Königskrone im Hutkoffer. -Zum Teil voll feinen Spottes, daneben aber auch durch'lutet von frisch pulsieren-- dem, echten Menschentum. F:sselnd bis zum letzten Augenblick, wo die mit ständig steigender Spannung verfolgte Schürzung des Knotens ihre hübsch gestaltete Lösung findet. Dieser Roman dürfte sich viele Freunde erwerben 383
— Hans Richter: van Utrechts romantische Reise. (Verlag Dr. P. Langenscheidt, Berlin W 57.) — Der bekannte und gern gelesene Verfasser der vortrefflichen Jndustrie- romane „Der Hüttenkonig", „Tradition" u. a. hat uns in diesem neuen Q5krf wieder eine köstliche Gabe geschenkt. Der Roman spielt in der internationalen Diplomatie und Hochfinanz: Berlin, Konstantinope.', Re York, Rotterdam, Haag. Tiflis, Baku sind die Orte dec Handlung. Die Brennpunkte des Geschehens liegen in T.flis und Baku in der Zeit der staatlichen Reuorientierung nach dem Kriege. Fein gezeichnet sind die Dolkstypen, die hier als Handelnde auf der Schaubühne erscheinen, meisterhaft sind die M lieuschilderungen. Reben dem Holländer steht ein deutsches Ge- schwisterpaar im Vordergründe des Gestehens. Hochstrebender, staatsbildrnder Kaufmannsgeist ringt mit der Kleinlichkeit von Krämerseelen, mit diplomatischen Intrigen, die an dem Genfer Völkerbund ihre Stütze haben, und erliegt schließlich an Ort und Stelle, bleibt aber dennoch herrschend für den weiteren Entwicklungsgang des neuen Staatswesens. Die Packend gestaltete Handlung hält den Leser bis zum Schluß in stärkster Spannung. Dem Buch gebührt ein bevorzugter Platz in dem Bücherschrank jedes Gebildeten. 343
— Der Ritt in dieSonne. Roman von Paul R o s e n h a y n. Drei Masken^Verlag, München.) — In feiner Gestaltungskunst versteht der Dichter seine Leser immer ftärter in den Dann der Erzählung zu ziehen. Dis zuletzt hält die hohe Spannung an, mit der nuttn den Geschehnissen folgt. Ein köstliches Buch, das viel Freude bereitet. 380
— Der Glücksfilm. Roman von Monica Ewer. (Drei Masken-Verlag, München.) — Eine fröhliche Geschichte: reich an tollen Einfällen und köstlichen Verwicklungen. Schauplatz: London. Hairdelnde: Glücksritter vom Film einerseits, ein junger Lord andererseits. Mit Recht sagt der Verlag: Hier ist er, der' lustige Filmroman unserer Zeit! Das sehr unterhaltsame Buch wird vielen gefallen. 381
— „D e r grüne S) u t", Roman von Michael Arien (Verlag Ullstein, Berlin). Die eigentümliche Schönheit dieses Romans liegt in der Kunst, mit der in einer Folge reizvoller Zwischenfälle die Spannung gesteigert wird, die sich erst am Schlüsse mit dramatischer Kraft entlädt. Eine schöne Frau kämpft gegen die Vorurteile der englischen Gesellschaft mit der Freimütigkeit der gleichen Rasse. Sie hat den Mut, ihr eigenes Leben zu leben, die Kraft, eine große Liebe zu wahren, den Stolz, sich selbst zu Wisern. Ebenso wie die Heldin sind eine Reihe von Charakteren fein und eindringlich gezeichnet. (466) y — D i e Prinzessin von BabeL Roman von Oskar G l u t h. (Verlag L. Staack- nrann, Leipzig.) — Der Dichter macht uns mit dem reichen Leben einer jungen Deutschamerikane- rin, der Erbin unfaßbaren Reichtums und Besitzerin selten hoher Geistesgaben,bekannt. Das Buch ist ein reizvoller Roman für die Frauen, der diese in hohem Maße fesseln wird. Starker sittlicher Gehalt ist ein weiterer Vorzug des empfehlenswerten Buches. 247
Aus Po itik und Geschichte
— Fritz Vigener: Drei Gestalten aus dem modernen Katholizismus. Verlag von R. Oldenbourg, 1926. — Am 2. Mai 1924 ist Fritz Vigener, Ordinarius für Geschichte an der Landesuniversität, seinem Leiden erlegen: noch bis zum 6. April hatte er an diesem seinem letzten Werk gearbeitet. So blieb die letzte der drei „Gestalten" unvollendet. Mit feinem Takt hat die kongeniale Gefährtin seines Lebens darauf verzichtet, das Fehlende zu ergänzen, offensichtlich geleitet durch Goethes tiefe Erkenntnis: „Ein Kunstwerk ist in jedem Stadium fertig." Denn wie in Digeners Lebenswerk, dem monumentalen „Ketteler" — dessen Bedeutung die seinen hochgesinnten Schöpfer verblüffende Wut der „Gegner" ebenso bewies wie die Anerkennung der Unbefangenen — handelt es sich hier nicht um eine jener rein wissenschaftlichen Leistungen im gewöhnlichen Sinn, die mit Gelehrsamkeit, Verstand und Fleiß zu erledigen sind, — wie wohl jede Großtat des Geistes und namentlich jedes wertvolle Geschichtswerk sind die „Drei Gestalten" letzten Endes ein Ergebnis kunstver- Wan Mer Eingebung und Gestaltung. Methodische Menschen haben sich gewundert, daß Vigener immer wieder Kirchcnmänner der Reuzeit „zum Stoss wählte": denn fein offizieller Leisten war .mittlere Geschichte" (auf deren Gebiet er übrigens ebenfalls Vortreffliches geleistet hat). Diese ordentlichen Menschen wissen nicht, was der große Flaubert gewußt hat: „On ccrit des chefs- d’oeuvre sous le coup d’une inexorable fatalit6.“ Ohne Paradoxie kann man sagen: der wahre Schriftsteller wählt nicht feinen Stoff, der Stofs wählt ihn, und nur der kleine Rormalschreiber, der aus Ehrgeiz oder Gewinnsucht nach der Feder greift, „sucht Stoff". So kam Fritz Vigener, dieser tiefe und charaktervolle Mann, der sein Leben lang mit religiösen und kirchlichen Problemen rang wie Jakob mit dem Engel, zu
den drei Gestalten aus dem modernen Katholizismus Möhler, Diepenbrock und Döllinger — dessen von Denkarbeit und Leid zerwühltes Gesicht Lenbach so ergreifend dargestellt hat —, und er hat sie nicht von außen gesehen und abgemalt, sie sind von innen erfaßt und mit Blut und Leben erfüllt. Auch von diesem letzten Werk des Fünfundvierzigjährigen, der auf der Höhe seiner Entwicklung dahingemuht hat, gilt, was an dieser Stelle von seinem „Ketteler" gesagt wurde: es ist ein Denkmal deutscher Forscherfreude, deutscher Hingebung, deutscher Ehrfurcht. 630 Dr. G. E.
— Hessische Agra rges chichte im 17. und 18. Jahrhundert insonderheit des Kreises Hersfeld, mit 2 Kartenskizzen von Dr. Lerch-Schenklengsfeld. Preis 5 Mk. Verlag Hans Ott-Verlag, Hersseld. — So lautet der Titel des neuesten Werkes der hessischen Heimatgeschichte. Es ist bis jetzt die erste und einzige Arbeit ihrer Art und schildert vor allem das Leben des Landvolkes im alten Kurhessen, ihre Sitten und Gebräuche in den vergangenen Jahrhunderten. Der Verfasser, durch Herkommen und Beruf aufs innigste mit den Verhältnissen vertraut, hat es geschickt verstanden, die Geschichte der Vergangenheit lebendig zu machen. Aus seinem einfachen Stil spricht neben strenger Sachlichkeit eine tiefe Heimatliebe. Ob er von den Meiereien, Leib-, Laß- und Landsiedelgütem, von Grundzinsen, Zehnten und Frondiensten, von Forst- und Fischerei, von Leinen- und Bier- und Dranntweinbereitung usw. handelt, überall geschieht es mit größtem Interesse, überall findet man ganz Reues. 643
— G. B. Volz: Das Sanssouci Friedrichs des Großen mit einem Anhang: Das Sanssouci von heute (mit 21 Textabbildungen und 76 Tafeln, Ganzleinen 15 Mk.). Verlag K. F. Koehler, Berlin W 9. — Einer der besten Kenner der Geschichte des großen Preußenkönigs spricht hier an Hand eines ausgezeichnet ausgewählten und ebenso gut wiedergegebenen reichhaltigen Bildermat?rials über Fr edrichs Lieblingsschloß, feine persönlichste Schöpfung, dem wunderbarsten Zeugnisse seines Wesens, des Menschen und Künstlers Friedrich. Wir verfolgen an Hand der zeitgenössischen Schriftstücke die Dau- geschichte des Schlosses, das Werden des Parks als Spiegelbild von des Königs Entwicklung. Ein besonderer Reiz liegt uoer diesem Bande, der uns Friedrichs Persönlichkeit in einer seiner Schöpfungen nahebringt. 567
Rechtsliteratur.
— Stein-Ionas: Die Zivilprozeßordnung für das Deutsche Reich (12. und 13. Auflage 1925 und 1926, Tübingen, Verlag von 9. C. B. Mohr sPaul Siebecks). Der große zweibändige Kommentar, der seit geraumer Zeit in Lieferungen in 12. Auflage erschienen ist, und an dieser Stelle schon einmal besprochen wurde, liegt nunmehr vollständig vor. Wie sehr diese Auslage einem allgemeinen Bedürfnisse entsprach, beweist die Tatsache, daß, während die Herausgabe der 12. Auflage noch nicht beendigt war, bereits eine 13. Auflage notwendig wurde. Der heutige Verfasser hat es in hervorragender Weise verstanden sich in den Geist seines großen Vorgängers einzufühlen. Auch in den neuen Teilen des Kommentars tritt die aus den alten Auflagen bekannte Klarheit Disposition und Trennung des Wichtigen vom Unbedeutenden hervor. Das benutzte Material ist wissenschaftlich und systematisch durchgearbeitet und damit das An- sammeln und Aneinanderreihen wahllos gesammelter Zitate, wie es aus anderen Kommentaren zur Genüge bekannt ist, vermieden worden. Sehr zu begrüßen ist die weitere Ausbildung der den einzelnen Abschnitten vorausgestellten längeren Vormerkungen: sie führen das Werk übe- das rein Kommentarmäßige hinaus zu systematischer Darstellung. Um so anerkennenswerter ist dies, als es fast vollständig an Lehrbüchern oder dgl. neueren Datums im Zivilprozeßrecht fehlt. Auch erleichtern diese Vorbemerkungen sehr das Auffinden der Darstellung grundlegender Fragen. Ob das Verteilen der Entlastungsverordnung an die jeweils geeignete Stelle im Gesamtkommentar ein glücklicher Griff war, mag dahingestellt bleiben: es erschwert doch sehr das Finden der fraglichen Gesetzesstellen. In Besprechung von einzelnen Abschnitten einzutreten, verbietet der Raum. Das Buch, das sich schon längst den ersten Platz unter den Kommentaren gesichert hat, ausdrücklich zu empfehlen, erübrigt sich." (570)
— Heinsheimer: Hebungen im bürgerlichen Recht (4. Auflage 1926, Berlin, Otto Liebmann). Heinsheimers Fälle sind weder für die Dozenten noch für die Studenten eine Neuigkeit. Sie erfreuen sich schon längst allgemeiner Beliebtheit und werden viel in Hebungen und in Stunden der Examensvorbereitung benutzt. Nunmehr sind sie in neuer Auflage erschienen. Es sind 170 Fälle, die uns durch die verschiedensten Gebiete des Bürgerlichen Rechtes führen. Möge das Büchlein auch dieses Mal den Erfolg herbeiführen, dem es sein Verfasser zugedacht hat, dem Studenten das Grundsätzliche und Bleibende in der flüssigen Rechtsmaterie nahezubringen! Daß die Fälle frei von Aufwertungsfragen sind, ist sehr begrüßenswert, da es für den angehenden Juristen nichts Bedenklicheres gibt, als gerade diese mit den Regeln von Treu und Glauben übermäßig gesättigten Streitfragen aus diesem Gebiet. Die streng systematische Auslegung muß dem Anfänger nahegebracht werden, die freiere Auslegung im Sinne der Regeln von Treu und Glauben muß späterer Zeit vorbehalten bleiben. (562)
Naturwissenschaften.
— Im Dienste des heimatlichen Naturschutzes und der hessischen Vogelkunde erscheint soeben im Verlag H. Robert in Grünberg, Hessen ein neues Werk: Karl Rudolf Fischer „Das Vogelbuch von Vogelsberg, Wetterau und Rhön" mit vielen, aus Künstlerhand stammenden Abbildungen. Autotypien nach Lichtbildaufnahmen, und einem Geleitwort des bekannten deutschen Naturforschers und Schriftstellers Dr. Curt Flocricke. Zum ersten Male wird in dem vorliegenden Heimatbuche der Versuch gemacht, eine einheitliche Grundlage zum Studium der Wohngebiete und der Verbreitung unserer hessischen Vogelwelt zu schaffen. Dem Werk liegen außer einem reichen Beobachtungsschatz des Verfassers die Beiträge eines großen Mitarbeiterkreises und die Angaben eines umfangreichen Schrifttumes als Material zugrunde. Es ent- hält eine umfassende Zusammenstellung aller in dem Beobachtungsgebiet vorkommenden Stand-, Zug- und Durchzugsoögel. Eine besonders günstige Möglichkeit zum Kennenlernen der Vögel bietet das Werk dem Laien dadurd), daß der Verfasser im Gegensatz zu der seither in der zoologischen Literatur üblichen systematischen, wissenschaftlich überaus trockenen Behandlungsweise einen neuen Weg ein
geschlagen hat und die Dogelwelt von Vogelsberg, Wetterau und Rhön nach ihrem Standort und Vorkommen, also nach biologischen Gesichtspunkten geordnet, aufzählt, so daß jeder sofort weiß, wo er die betreffende Vogelart zu suchen hat. Aus dieser Grundlage entwickelt der Verfasser die innigen Beziehungen, die zwischen Landschaft und Dogelwelt bestehen, die bedingt sind durch die Eigenart von Untergrunö und Aufbau des Bodens, vom Klima des Landes, von feiner Flora, und somit siedlungsgeschichtliche Bedeutung haben. So ergibt es sich von selbst, daß in diesem Zusammenhang auch die noch kaum behandelten Gebiete der Ausbreitungs- und Besiedlungskunde zum Gegenstand der Betrachtung gemacht werden und somit auch die Tierpsychologie, der Vogelzug und Vogelschutz eingehende Berücksichtigung finden. Die Stärke des neuen Heimatbuches bilden die im Anschluß an die wissenschaftliche Aufzählung der einzelnen Arten gebrachten, in Form von Naturschilderungen gehaltenen Aufsätze über Volk und Vogelwelt. Gerade dadurch, daß der Verfasier die rein wissenschaftlichen Abschnitte des Buches trotz feines Aufbaues auf gediegen wissenschaftlicher Grundlage auf das ge- ringft notwendige Maß beschränkte, und, unterstützt durch gemeinverständliche, unterhaltende Darstellungsweise, durch anschauliche Form und Lebendigkeit der Sprache der volkstümlichen Seite des Vogelbuches einen starken Raum ließ, wird es geeignet sein, unserer seither so überaus stiefmütterlich behandelten hessischen Vogelwelt zu ihrer weiteren Erforschung uzt) immer größerem Schutz viele Freunde zu werben.
— Das Aerztliche Volksbuch Gemeinverständliche Gesundheitspflege. Herausgegeben von Dr. med. Heinrich Mena. Stuttgart, unter Mitwirkung von Dr. med. Paul Federn, Wien und Dr. med. Karl August Fiehler, Berlin und Mitarbeit von über 40 Aerzten und Raturforschern. 1650 Seiten Gcoßoktav, und 110 teils farbige Tafeln. Hippokrates-Berlag. G. m. b. H., Stuttgart-Berlin. — Es handelt sich hier um einen zwar umfangreichen, aber notwendigen Ge- fundheits-Schatzbewahrer, der uns erst theoretisch dann praktisch nach allen Richtungen mit unserem Recht und unserer Pflicht gesund zu sein, vertraut macht. Im ersten Bande wird Bau und Funktion des menschlichen Körpers und die Gesunderhaltung an Körper und Seele in Wort und Bild dargetan. Ohne daß der Gegenstand verflacht wurde, werden die schwierigsten Dinge mit schöner Klarheit leicht faßlich gemacht. Man lernt die ungezählten Bestandteile unserer Lebensmaschine kennen, sie wird vor unserem Auge auseinandergenommen. wie der Mechaniker ein Automobil zerlegt, um es wieder zusammenzusetzen. Dec zweite Band lehrt uns, wie wir leben sollen, was geschehen muß, wenn die Gesundheit in Unordnung geraten ist. Beruhigend für den aufmerksamen Laien ist dabei, daß er fühlt, daß das Werk keiner ärztlichen Schule untertan ist, daß es unparteiisch ist, die Allopathie, wie die offizielle in Universitäten und Kliniken gelehrte Medizin genannt wird, nicht bevorzugt, sondern auch die Homöopathie und die Raturheillehre zu Worth kommen läßt. Auch die allerneuesten Richtungen in der Heilkunde, die verlangen, daß der seelische Faktor bei Behandlung des Körpers mitbestimmend sein muß, werden eingehend geschildert, und der Laie kann sich in allen diesen bis ins Unendliche verzweigten Fragen viel guten Rat holen. Erfreulich ist, daß die Heilkunde nicht in ihrem jetzigen Stande als etwas Endgültiges dargetan wird, daß umstrittene Fragen als solche geschildert werden, und dem Patienten das Recht, fein eigenes Empfinden, was ihm bekömmlich sei und was nicht, darzutun, ausdrücklich bestätigt wird. Damit wird dem Arzt auch die Pflicht auf» erlegt, nicht nach Schema F vorzugehen, sondern jeden einzelnen Fall für sich zu beobachten und zu behandeln. Herausgeber des verdienstvollen! Weckes ist Dr. Meng. Es würde zu weit führen, alle Mitarbeiter aufzuzählen, aber es sei mit Befriedigung festgestellt, daß viele Ramen von Klang darunter sind. Das Werk sei warm empfohlen. 519
Buntes Allerlei.
Weine Freunde - die Menschenfresser.
„Bei meinen Fahrten und Wanderungen durch die Inseln der Südsee habe ich öfters Menschen- freffer angetroffen, die sehr nette Menschen waren und mit denen ich F- .'undschatt schloß/ erzählt der bekanntcaustralischeF crschungsreisendeZackMcLaren in einer englischen Zeitschrift. „In einem Dorf in dem unerforschten Westen von Reuguinea wurde ich von einem schweren Malaria-Antals überfallen und gcuoß dabei die aufopfernde Pflege von einer Anzahl Wilder, deren Ohrläppchen entzweigeschnitten und zu bis auf dieSchultem herabhängenden Ringen ausgezogen waren. Diese Leute trugen auf ihrer Brust Einschnitte, durch die die Zahl der Menschen angezeigt wurde, die sie getötet und oer- speist hatten, und sie trennten sich nie von ihren Keulen und Speeren. Sie verstanden zwar nicht viel von der Krankenpflege, aber sie taten das Menschenmögliche, um mir zu helfen, versorgten mich mit ihren Heilmitteln, veranlaßten den Dorfzauberer, seine Künste an mir zu versuchen, und ließen von ihren Flauen die besten Leckerbissen für mich bereiten. Schließlich weigerten sie sich, die Geschenke anzunehmen, die ich ihnen anbot. Sie erklären, sie hätten nicht dec Bezahlung wegen sich um mich gekümmert, sondern nur, weil sie Mitleid mit mir gehabt hätten. Dabei hat dieses Dorf einen besonders furchtbaren Auf, die schlimmsten Mörder und Menschenfresser zu beherbergen. Auf der Insel Malaita. dec wildesten in dec ganzen Salomo-Gruppe, lebt ein Häuptling, der sein ganzes Leben hindurch Menschenfresser gewesen ist und m diesem Lande, in dem die Wildheit zu Hause ist, für den wildesten der Wilden gilt. Vielleicht liegt es nur daran, daß ich ihn niemals in seiner schlimmen Laune angetroffen habe, aber jeden'alls weiß ich soviel, daß er sich mir gegenüber innrer als der anständigste Mensch von der Welt zeigte, freundlich und ede.mutig, ohne jeden Falsch, als ein leuchtende: ! Beispiel öafüi, daß die Wilden doch „dessen Menschen" sind Manchmal ist die Fceundscha die man bei primitiven Volksstämmen sindet, nU > so selbstlos In dem unzugänglichen Gebirgslani des inneren Rcuguinea wurde ich von einem ganzen Dorf mit der größten Auszeichnung begrüßt. Die Frauen häuften Mengen von Bananen und anderen Früchten als Geschenke zu Füßen meiner Träger auf. Die Häupt'inge überreichten mir Amana-Rüsse, das Zeichen der Blutsbrüderschaft, sie veranstalteten Tänze zu meinen Ehren und erzählten mir, was für ein großartig r Mensch ich wäre. Das machte mich etwas argwöhnisch, und der Verlauf der Dinge gab mir recht. Man hatte mich nur deshalb so mit Guttaten überhäuft, weil der Stamm einen Krieg gegen einen anderen stärkeren Stamm plante und sich dabei der Hilfe meiner Gewehre bedienen
wollte. Sie waren äußerst gekränkt, als ich ablehnte, und sagten, ich hätte sie betrogen, indem ich ihre Gastfreundschaft annahm und sie nicht erwidere. Da dieser Vorwurf sich in recht bedenklichen Formen äußerle, so machte ich schnell, daß ich fortkam."
Hochzeits-Zaungäste.
Warum gibt es so viele Frauen, die nichts lieber sehen, als eine Hochzeit? Warum sammelt sich immer eine Menge höchst teilnahmvoller Zuschauerinnen, wenn die Wagenreihe mit den galonierten Dienern vor einer Kirche hält? Diese Frage, die sich schon mancher Mann vorgelegt hat, sucht ein Psychologe zu beantworten und führt drei Gründe an, warum die Zahl der „Hochzeits-Zaungäste" fast immer weiblichen Geschlechts ist. Zunächst einmal wollen sie die Braut sehen und ihre Toilette; dann erregen auch die Gäste ihre Anteilnahme, die Zahl der Brautjungfern, das Aussehen des 'Bräutigams usw. Aber das wichtigste ist der dritte Grund, ist ein romantisches Gefühl, das tief im Hnbewußten schlummert. „Ich habe oft versucht, herauszubekommen," schreibt der Verfasser, „ob mehr verheiratete oder unverheiratete Frauen bei den Hochzeiten zusehen. Aber es gibt da keinen Unterschied: beide kommen auf ihre Rechnung. Die Verheiratete sieht in der lächelnden und aufgeregten Braut ihr eigenes Bild und versenkt sich in dieses größte Ereignis ihres Lebens vor vielen, vielen Jahren . . . Das junge Mädchen aber schaut im Anblick der Braut in Die Zukunft, träumt sich selbst an ihre Stelle, lächelt dem Bräutigam zu, wie wenn es ihr eigener wäre, und findet ein Stückchen Märchenland in der rauhen Wirklichkeit. So ist e sbie ewige Liebe zur Romantik, die auch in der modernsten Frau noch lebt, die den oorübereilenben Damen unwiderstehlich Halt gebietet, wenn sie einen Hochzeitszug sehen. Es ist ein Stück Poesie mitten im Alltag. Und aus diesem Grunde müssen manche Frauew trtt allen Hochzeiten dabei sein, ziehen dieses Schauspiel jeder anderen Vergnügung vor und sind „Stammgäste" bei den Trauungen. Die Braut aber möchte auch diese „Zaungäste" nicht missen, denn diese so neugierig auf sie gerichteten Blicke scheinen sie einen Augenblick in den Mittelpunkt der Oefesntlichkeit zu rücken: sie empfindet einen Abglanz des Ruhmes, kommt sich vor wie eine Filmdiva und denkt noch lange, lange an diese Blicke zurück . . .
Gerichtssaal.
Der Raubüberfall im Zuge Kassel—Warburg.
sch. Marburg, 9. Nov. Wegen versuchten Raubmordes stand heute der 25 Jahre alte Kaufmann Karl Reichardt aus Salzgitter vor dem hiesigen Schwurgericht. Er hatte bekanntlich im März d. I. in einem beschleunigten Personenzug der Strecke Kassel—Frankfurt einen R a u b ü b c r = fall aus einen Eisenbahnbeamten verübt, um sich in den Besitz von Geld zu setzen. Die erste Verhandlung im März war vertagt worden, weil der Angeklagte zuerst auf seinen Geisteszustand untersucht werden sollte. Die ärztliche Untersuchung ergab, daß Reichardt nicht geisteskrank, sondern geistig minderwertig ist. In der heutigen Verhandlung wurde der Fall noch einmal aufgerollt. Reichacdt, dec in seinem Berufe wiederholt Schiffbruch erlitten und zuletzt durch eine Schwindelfirma das wenige Baroermögen verloren hatte, kam am 8. März nach Kassel. Zunächst trug er sich hier mit Selbstmordgedanken, dann beschloß er, durch einen Raubüberfall sich in den Besitz von Geld zu setzen. Zu diesem Zwecke fuhr er wiederholt nach Hannoversch- Münden, versah sich dort mit einem Hammer und einem Revolvers und gab bann Postanweisungen an seine eigene Adresse auf. Hierdurch wollte er erreichen, daß ein Geldbriefträger ihn in seiner Wohnung besuchen sollte, den er dann seiner Barschaft berauben wollte. Von diesem Plan nahm er aber Abstand und löste dann am 12. März eine Fahrkarte 2. Klasse von Kassel nach ©unterlaufen. In demselben Abteil saß der Maschineninspektor Erich Dettmer aus Treysa. Zwischen Wabern und Zimmersroda zog Reichardt plötzlich seinen Revolver und schoß zweimal auf Dettmer, dem die eine Kugel in die linke Kieferseite, die zweite ober- halb des Herzens in die Brust drang. Trotz dieser schweren Verletzungen gelang es Dettmer, die Notbremse zu ziehen und den Zug zum Stehen zu bringen. Reichardt, der nach der Tat vollkommen zusammengebrochen war, wurde darauf festgenommen. Das Urteil lautete wegen versuchten Raubmordes und unbefugten Waffenbesitzes auf sechs Jahre Zuchthaus, 30 Mark Geldstrafe und Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von 10 Jahren. Sieben Monate Zuchthaus und die Geldstrafe sind durch die Untersuchungshaft verbüßt.
]( Marburg, 8. Rov. Am 3. Dezember vorigen Jahres kam es in der Rühe von Rosenthal zu einem Zusammenstoß zwischen dem Chauffeur eines P o st a u t o s und den Insassen eines dörflichen Schlittens, dec dem Auto nicht ausweichen wollte. Bei dieser Gelegenheit wurde der Chauffeur von den Schlitten-' fahrern verprügelt. Ec fuhr nun nach Rosenthal zurück, wo zufällig aus irgendeinem Grunde viele Menschen versammelt waren. Die Folge war, daß eine Anzahl von diesen dem Schlitten entgegengingen und die Insassen zwangen, zwecks Feststellung der Ramen mit nach Rosenthal zu gehen. Dabei soll es Prügel für die letzteren abgesetzt haben. Heute beschäftigte sich das Gericht zum drittenmal mit Dem Vorkommnis. In den ersten beiden Verhandlungen waren die Insassen des Schlittens die Angeklagten, die auch mit mehr oder weniger Geldstrafen bedacht wurden. Heute erschien die Gegenseite, und zwar 13 Angeklagte aus Rosenthal, gegen die Anklage wegen Landfriedensbruch gestellt war. Die Verhandlung, bei der eine Menge Zeugen zur Vernehmung gelangten, zog sich stundenlang hin. Sie endete damit, daß die Angeklagten zu Gefängnisstrafen von drei bis sieben Monaten verurteilt wurden. Bei Zahlung von je 160, 80 und 40 Mark tritt Bewährungsfrist ein. Ein Angeklagter erzielte Freisprechung. — Ferner wurde ein Mann, der schon 23 zum Teil recht bedeutende Vorstrafen hinter sich hatte, wegen eines in Amöneburg begangenen Lederdiebstahls zu 2 Jahren Zuchthaus, 5 Jahren Ehrverlust und Polizeiaufsicht verurteilt. Außerdem wurde er wegen Landstreichens der Landespolizei überwie'en. Als er das gestohlene Leder damals zur Rachtzeit verkaufen wollte, nahmen ihn die Landjäger von Schweinsberg und R.-Holzhausen, Die „zufällig" in Dem Hause waren, zu seiner großen ilefcer- raschung in Empfang.
* 'S a r m ft a D t, 9. Rov. Wegen Uhter- schlagung von Krank enkassengelDern im Betrage von 8500 Mark wurde der Beigeordnete Schnell von Raunheim bei Groß-Gerau vom Bezirksschöfsengerid)t zu vier Monaten Gefängnis verurteilt.


