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Ein Roman.
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(Neuauflage mit (Silbern von Earl Dantzer und einer Einführung von Will Scheller.
Ganzleinenbanb 6 Mark. (Vorzugspreis bis zum 31. Ofr * tober 1926 4.80 Mk.
AlfreÜ Sock
Die Pariser
Ur. 264 Dritter Blatt
Ein chinesischer Roman
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Aus dem Schrifttum fremder Völker.
— Arthur Rimbaud, Gedichte. Ucbertragungen von Franz v. Rexroth. 109 6. ®r 8". Dioskuren-Derlag, Wiesbaden. — Arthur Rimbaud (1854 bis 1891) gehört in die ®ruppe der Symbolisten wie Verlaine und Mallarme. Wie bei Verlaine ist Leben und Dichten bei ihm untrennbar, man kann sein glühendes, abenteuerliches von wilder Tatkraft erfülltes Leben aus seinen Gedichten erstehen lassen. Anders als Ver- laine, dem nur vom Gesühl Vestimmten, beherrscht ihn Gefühl und Verstand. Das durchaus Sn» rellektuelle seiner Gedichte neben dem hmreryen- den Schwung der Leidenschaft macht chn so französisch, mehr als Verlaine, der, ihm zwei Jahre eng verbunden, immer wieder zum Vergleich herangezogen werden muh. Rimbaud erinnert an Dehmel in der Art, wie die durchaus Der- standesmähig erfaßte Sdee neben dem Gestammel der Leidenschaft steht, manchmal packend, meist -verletzend. Er beginnt, noch im Gymnasium, ganz klassizistisch mit Gedichten in balladesker Form: in Paris, wohin er aus Elternhaus und Schule entflieht, findet er sein eigenes Wesen. Rimbaud ist Impressionist, seine schönsten Gedichte, die den reinsten Eindruck hinterlassen, wo nicht der krasse Schluß das ganze verzerrt, sind meislerhast gefaßte Bilder, mit wenig Strichen farbig hmge- haucht, so „Der Schalk", „Die verblüfften Kinder , „Der Schläfer im Tal". Die künstlerische Entwicklung führt ihn von diesen impressionistischen Gedichten — Wiedergabe eines Augeneindrucks zu expressionistischen Gebilden, in denen eine reiche Phantasie um Ausdruck ringt. Unter ihnen sind „Das trunkene Schiff" — es gab dem Drama eine^> deutschen Dichters, der Rimbauds Lebensschicksal gestaltete, seinen (Hamen — „Die Läuse- suche.innen" und „Vo'.ale" die bedeutendsten. Hier isi die Wortkunst Rimbauds von vollendeter Meisterschaft, und von diesen Gedichten geht wohl der große Einfluß aus, den Rimbaud auf die ganze kommende Generation gehabt hat und noch hat. Die Meberitagung Rerroths ist zum größten Teile gelungen. Bisweilen bringt der Original- text in Sahbau und Wortwahl störend durch. Die meisten Gedichte aber sind wirklich deutsche Gedichte geworden, soweit ein absolut französischer Dichter in unsere Sprache übertragen werden kann. 469
— Marcel Prevost: Seine Gesiebte und ich. Uebersetzung aus dem Fran-
Di« chinesische Literatur kennt „zehn Metster- vücher', die die eigentlichen klassischen Werke dieses uralten Schrifttums sind. Es smd terls Romane, teils Dramen, und imtet ihnen nt be- »onberv anziehend eine ErzMung, die noch heute von vielen Millionen in China eifrig gelesen wird. Es ist das vermutlich aus dem 17. JaDr- hun ert stammende „Hao kiu tschuan , das seinen Tsiel dem ersten Vers des berühmtesten chinesi» fajen Liederbuches, des Schilin^ entnimmt und wörtlich „Geschichte cim>r glücklichen Gattemwahl be eutet. Der überaus schwierigen Ausgabe, die- kn etwa 100 000 Schristzeichen umfassenden chi- ne f ischen Text mit seiner blumenreichen und feierlich getragenen Ausorucksweise in ein gutes Deut'ch umzugiehen, hat sich der Sinologe Tsranz Kuhn unterzogen und die erste deutsche Ori- ainalwiedergabe eines klassischen chinesischen Wertes im Insel-Verlag (343 E. 8-, Leipzig 1926) unter dem Titel „Eis Herz und Edel- iaspis" veröffentlicht. Die Verdeutschung der reichlich eingestreuten Verse wurde von bem Dichter Albrecht Schaeffer anmutig durch- geführt. Der Held der Geschichte, der junge Gelehrte, der den Rainen „Edeljaspis" führt, ist ein Wann von ebenso großem Wissen wie Muk und Entschlossenheit: als ein wahrer Weiser ist et ein Beschützer dec Armen und Wehrlosen, während er die gewalttätigen und betrügerischen Großen zur Rechenschaft zieht und über sie triumphiert. Ein mächtiger Beamter, der sich der Unterstützung anderer Würdenträger erfreut, will die schöne und kluge „EiSherz" gewinnen, aber „Edelsaspis" weiß alle die Intrigen und Verbrechen der Feinde zu durchkreuzen und^gewinnt schließlich nach vielen Gefahren und Aden- teuern seine Geliebte. Diese aber zeigt ihre Seelengröße und Charakterstärke, indem sie sich über die Schicklichkeit hinwegseht und den um ihretwillen beinahe vergifteten Edeljaspis in das Ennach ihres abwesenden Vaters bringen laßt, wo sie ihn aufopfernd pflegt. Damit bringt sie sich in schlechten Rus. denn sie hat etwas getan, was fein anständiges chinesisches Mädchen tun darf, aber ihre Reinheit siegt über alle Verleumdung, und so ist dieser Roman zugleich em Zeugnis der ersten Frauenemanzipation, die die Sitte um der wahren Sittlichkeit willen überwindet. Das Buch bietet ein getreues Abbild des chinesischen Lebens, wie es auch heute noch trotz aller Steuerungen in dem uns so wenig bekannten inneren China herrscht, und gewährt nach einem Wort des Geschichtsschreibers der ch nesischen Literatur Wilhelm Grube „die lehr- reichsten Einblicke in die nationale Eigenart und Kultur dieses merkwürdigen Volkes". Aber über das Chinesische hinaus vermittelt die Erzählung auch rein menschliche Eindrücke, wie fi$ schon Goethe im chinesischen Roman fand, als er chn in einer unzulänglichen französischen Bearbeitung eines solchen Werkes kennenlernte. Eckermann fagle zu ihm. ein solcher chinesischer Roman müsse wohl sehr fremdartig aussehen. „Richt so sehr, als man glauben sollte," erwiderte Goethe, .du Menschen denken, handeln und empfinden fast ebenso wie wir, und man fühlt sich sehr bald ihresgleichen, nur dcch bei. ihnen alles Ilarcr, reinlicher und sittlicher zugeht." — Die Ausstattung des Buches ist mustergültig.
Roman stellt sich als ein Kulturbild von packender Wahrhastigkeit und Schönheit dar. Land und Leute erstehen vor dcm Leser in ihrer ganzen Ursprünglichkeit. Handlung recht sich an Handlung in lebendiger Entwicklung. Sprache und Zwiesprache stießt, offener Mutterwitz sprüht. Run gesellt sich Meister Bantzer hinzu, das Buch mit seiner Kunst zu schmücken. Man weiß, M) er m der ganzen Welt als großer Künstler geleiert wird. Der hessische Dichter und der hessische Maler haben sich zu schönem, vielsagenden Bündnis vereint. In allen Gießener Buchhandlungen vorrätig.
Deutsche Landbuchhandlung G. m. b. H., (Berlin SW 11.
Gietzenrr Anzeiger (General-Anzeiger siir Oberhessen)Mittwoch, 10. November 1926
(654)
Seele. (Preis geb. 3,80 und 5 Mk.)
Reclam, Leipzig. (Llniversal-Bibl. Rr. 6695.) — Wir haben an dieser Stelle bereits vor einiger Zeit auf den Dramatiker Robert Walter auf- mcrlsam gemacht als auf einen nicht gebührend beachteten Können in unserem modernen Schrifttum. Wir empfahlen damals die Tragikomödie
— Herbert Eul »nberg läßt bei Bruno Cassirer in Berlin W 35 einen neuen Band Schattenbilder unter dem Titel .Sterblich iln»
Bühnenleiter sollten sich dies dankbare, übrigens mehrfach gespielte Werk nicht entgehen lassen.
637
— Lulu von Strauß und Torney: Der Hof am Drink — Das Meer- minnete. Zwei Geschichten. (Verlag von Engen Diederichs. Jena. Brosch. 5,50 Mk., Leinen 8 Mk.) — Beide (Novellen führen den Leser ins Mittelalter zurück, in die Zeit der großen Glaubenskriege. Die erste Rovelle. in deren Mittelpunkt ein aufrechter, hartköpfiger Dauer steht,
vom „Saturnischen Liebhaber", dje sich nicht unwürdig neben gewisse romantische Werke Eulenbergs stellt: wir freuen uns, heute in dem vorliegenden Drama, das durchaus das Zeug zu einer guten und echten Komödie in sich hat, den ersten Eindruck bestätigt zu sehen. In straffer Komposition und geistig-funkelnder S'.'nenfüh- rung rundet sich hier ein Spiel mit Menschen
schwächste (Banö einer Romantrilogie. Der Kampf mit den Elementen, der die beiden ersten Dände beherrschte, tritt zurück hinter dem Kampf um das Geld. Spekulanten- und Schieberckypen voll krassen Egoismus' sind die „Helden" des Buches. Unsere Zeit kennt eigentlich diese Sorte Mensch zu gut. um sie in den hier gezeichneten Schemata als wahr und echt empfinden zu können. 543
— Sie und Ich. Roman von Jerome K.
Jerome. (Llllstein-Verlag. Berlin.) -- Ein hübsches Anterhaltungsbuch, dem man einige angenehme Stunden verdankt. Als Reiselektüre bestens zu empfehlen, aber auch daheim an den langen Winterabenden ist es willkommen. 232
Schöne Literatur.
durch Arbeiten vertreten. Don dann an entwickelte sich zwischen beiden und bald auch mit Goethe ein reger Briefwechsel, der das ganze literarische Schaffen der vier in seinen Kreis zog und uns retrospektiv wichtige und interessante Ausschlüsse vermittelt. 499
— Die köstlichsten dichterischen Werke G o 11 - Helfs sind jene volkstümlichen kürzeren Erzählungen, von denen über ein halbes Hundert vorhanden sind. Davon sind nun die schönsten, anderthalb Dutzend etwa, in einer 1300 Seiten umfassenden mustergültigen Ausgabe im E u g e n Rentsch Verlag, Münck;en, erschienen, zwei Bände vor Jahresfrist und jetzt der dritte Band. Dieser Band ist zweifellos der schönste. Wir finden da neben dem Erddeeri Mareili, vielleicht der meistgeliebten Erzählung Gotlhelfs, die herrlichste Idylle deutscher Sprache, „Der Sonntag des Großvaters", in der mit unerhörter Konzentration ein ganzes Leben mit
Für den Büchertrsch
Reisen und Abenteuer.
— Kurt Hielsch er: Jugoslawien (Slowenien, Kroatien, Dalmatien, Montenegro, Herzegowina. Bosnien, Serbien). Verlag Ern t Wasmuch, Berlin W 8. — 3n dem großen Sammelwerk „Orbis terrarum“ saßt als neuesten Band der Künstler der Kamera, Hietschrr, dem wir schon so manches Meisterwerk auf oie-em Gebiet verdanken — erinnert fei nur an .Das unbekannte Spanien", das vor Jahren leinen Ruhm begründete, an „Deutschland" und die beiden ItalienbÄide — all das V eUaltige an Landschaft Volksleben und Baukunst zusammen, was der moderne Staat Jugoslawien, die Groß' macht des Daltans. in sich schließt. Die verschiedensten Völker, die verfch ebensten Kuckuren schneiden sich hier und leben auch heute noch hier nebeneinander, Orient und Okzident, haben hier zusammen gewirkt, um eine Mischkultur von eigenartigem Reiz her- Donubringen, wie wir sie auf europäischem Boden kaum ein zweites Mal in dieser seltsam cinbntd- lieben Prägung beobachten können. Griechen. Römer, Germanen, Slawen, das alte römische Reich deutscher Ration mit seinem ungarischen Ausläuser, Venedig in der Blüte feiner Macht, die Osmanen und schließlich, die verschiedenen südslawischen Völker selber, sie alle haben hier in - herrlichen Bauten Doku.nente ihrer eigenartigen Kultur zurückgelassen. Vielfältig wie die künstlerischen Ausdrucks ormen ist die Landschaft. Sie dalmatinische Küste, schroff und bizarr, ihr vorgelagert eine pittoresk zerklüftet« Inselwelt, mit der üppigen Vegetation des Mittelmeers, an Resz keinem andern südlichen Gestade nachstehend. Das Hinterland von durchaus alpinem Charakter, mit tiefen Taleinschnitten, mit herrlichen Wäldern und Seen. Im Rordwesten, nach Mitteleuropa aus vorgestreckt, das rauhe, wasserarme Karstgebirge, großartig in seiner nackten, trostlosen Einsamkeit, berühmt durch die Grotten und unterirdischen Flüsse, ilnb nach Süden zu, die malerische Landschaft um äckesrüb und Prileb mit vielen alten befestigten Städtchen, seinen Klöstern und Stiften, das .Herz" Serbiens, von wo bic Sürlenbcfreiung und der Aufbau der modernen jugoslawischen Macht begann. So spricht eine reiche Geschichte aus diesen Bildern, noch mehr eine Landschaft und ein — durch besonders zahlreiche Ausnahmen ausgezeichnet dargestelltes Volksleben zu uns, die des A.ischauens und des gründlichen Studiums wert sind. Keinen besseren Führer gibt es dazu als Hielscher und seine Billter. 440
— A. Radclyssc Dugmore: Frieden im Sudan. Mit der Filmkamera auf dem Anstand. 46 Abb., 2 Karten, 283 S. 8". F. A. Brockhaus, Leipzig 1926. — Unter ägyptischem und türkischem Joch, dann und wann in oyn- mächtigem Zorn der Verzweiflung sich auflehnend, nur um in noch tiefere Abhängigkeit gepreßt zu werden, versklavt, entrechtet und gefesselt, waren die Stämme des Sudan jahrhundertelang aller Willkür preisgegeben. Sie hatten verlernt darauf zu hoffen, die Leitung ihrer Geschicke je selbst wieder in die Hand zu nehmen. Auch heute hat die Stunde der Selbstbestimmung für diese Völler noch nicht geschlagen. Doch seit mit der blutigen
Riederlage des Mahdi und der Derwische der letzte verzweifelte Ausstand der Sudanesen zu- ammenbrach, übt der Engländer die Aegierungs- gewalt im Lande aus. wenn auch dem Hamen nach mit ägyptischer Assistenz. Und der Engländer versteht zu kolonisieren. Durch großzügige Eisenbahnbauten und durch die Anlage des neuen großen Rildammes bei Sennar versucht England die lange zurückgehaltene Entwicklung des zutunstreicheu Gebietes zu fördern. So ist in den letzten 40 Jahren in dem lange von blutigen Ausständen heiingesuchten Lande Frieden eingezogen, die Bevölkerung beginnt sich zu erholen und auf ein Leben produktiver Arbeit eiitoufteilen. Das etwa ist in groben Umrissen der Kern des neuen kleinen Reisewerks von A. R.
seiner vielgestalten Umgebung in die knappe Zeit weniger Stunden zusammengedrängt ist. Dann den Besenbindcr von Rychiswyl. in solidem Holz aus dem Leben geschnitten, und als Gegenstück die markante Prachtiigur Barthlis des Korbers mit feinem eifersüchtig behüteten schönen Töchterlein. Hart und eine Zeitlang recht bedrohlich geraten in „Oberamt mann unb Amtsrichter- Adelsstolz und Bauerntrotz aneinander, bis schließlich der Konflikt mit feinem Humor einer harmlos friedlichen Lösung zugeführt wird. Tief ins menschliche Gemüt schaut Gotthclf im ,,'^fuch" und in der rührenden Geschichte von der 5rau Pfarrerin, dem letzten Werk Gotlhelfs. — Ls find Juwelen deutscher Erzähliingskunst, die in diesen drei Bänden geboten werden. Sie stehen über der Mode, aber sie verraten eine ungeheure Kenntnis des Lebens und zeigen dem heutigen Menschen von neuem das Bild seines Wesens und feiner
zöfifchen von R. Leder und M. Fuchs. Internationale Bibliothek G. m. b. H. Berlin W 66. — Prevosts neuer Roman ist der typische, gute, französische Unterhalttmgsroman. Der Held seziert rückschauend alle Phasen einer großen Leidenschaft mit beinahe medizinischer Genauigkeit. Er tut das so genau und peinlich, daß man kühl dabei bleibt und eben diese Leidenschaft nicht miterleben kann. Aber das und die Ich- Form, dazu die unaufdringliche Mahnung, daß andere, Jüngere klüger handeln sollen, begegnet in französischen Romanen ähnlichen Genres oft. Prevost ist ein guter Erzähler, er fesselt von Anfang an, wenn man die etwas mühsame Einleitung überwunden hat. Reu ist die Konstellation der nordisch-kühlen Frau zwischen den romanischen Männern: dem einen gehört sie durch das Recht einer geistigen Freundschaft, der andere gewinnt sie kraft des Rechtes der alles besiegenden Zusammengehörigkeit des Blutes und der Seele. Das Titelbild erweckt falsche Vorstellungen: das Buch ist ein durchaus ernsthaft gemeinter Eheroman, kein Reiher. 514
— Knut Hamsun, Der wilde Cho Einbandentwurf von Rafaelo Busoni. (In Pon- genette gebunden, mit Goldschnitt und Kassette 5 Mk. Verlag I. M Spaeth.) In einem Nachwort zu dieser Ausgabe spricht Hamsun über das Zustandekommen seiner Verse und feiner Prosa. Er zählt sich nicht zu den großen Lyrikern, die im Augenblick der Inspiration unmittelbar ein Gedicht in vollendeter Form hervorbringen. Das zeugt von seiner großen Bescheidenheit. Seine Gedichte find nicht aufwühlend modern, sondern schlicht und oft herkömmlich in der Form, aber sie sind immer beseelt und von einem tiefen Gefühl beschwingt. Neben volkstümlichen Motiven findet sich Liebe in allen Spielarten, neckisches Liebesspiel und romantische Schwärmerei, erstes schamhaftes Erwachen des Gefühls und die große Leidenschaft mit ihrer verzückten Hingerissenheit und tiefen Verzweiflung. Als Grund- ton aber durchzieht das Buch das beseligende Einsgefühl mit dem All, das berauschende Mitklingen der Seele im „wilden Chor" der großen Natur. In der lauten Zwiesprache seines Herzens findet er sich selbst wieder und die Freude an allen, auch den kleinsten Dingen. Und er sticht über das Gezappel der Menschen unb sticht zuletzt über sich selbst und die närrische Rolle, die er unter ihnen gespielt hat. (552)
— Ernst Diding: Spekulanten, Roman. (Verlag Georg Westermann in Braunschweig.) Er ist der dritte, leider aber auch der
— Einen wertvollen Beitrag für die Beziehungen der Klassiker zur frühen Romantik bietet der soeben im Insel-Verlag zu Leipzig erschienene Briefwechsel der Brüder Schlegel mit Schiller und Goethe. Sämtliche vorhandenen Briefe hat der im Kriege gefallene junge Dresdener Literarhistoriker Dr. Ernst Wieneke gesammelt. Josef Körner hat ihnen einen sehr eingehenden, wertvolleit kritischen Apparat beigefügt. Hm 1795 herum traten die Brüder Schlegel — Friedrich Schlegel ist allerdings nur mit einigen wenigen Briefen vertreten — in Beziehungen zu den Weimaranern. August Wilhelm hatte über Schillers „Künstler" eine größere Abhandlung erscheinen lassen und Schiller forderte nun seinerseits den jungen Literaten zur Mitarbeit an seiner Zeitschrift „Reue Thalia" , ------- -~-r ,
auf In den späteren -Horen" war er dann bald unserer Zett. Im ^bema der Munchhausenfabel
- — ~ 1 1 jener Tragikomödie nicht ganz unähnlich, gestaltet
die Hahnenkomödie das ebenso alte, wie immer junge Motiv Vater und Sohn (das Motiv jeder jungen Generation) im Spiegel eines ober- slächensernen, nach innen gekehrten und sehr inenschlich empsundenen Humors, bei dem einem die klassische Formulierung einfällt: Humor ist. wenn man trotzdem lacht. - Spürsinnige
Dugmore. Der Autor, englischer Afrikareisender uno Tierphotograph, war mit der Absicht, auch an den Ufern des Äils Vogel- und Tieraus- ________ _
nahmen zu machen, in den Sudan getomme-n; I sterbliche" erscheinen (Preis geh. 5 Mk.), der doch der Weidmann, auch der mit dem Objektiv, mit vollen Händen in d'.e Iahrhund rtc der ist von den Launen des Zufalls nur allzu ab- Menschheitsgeschichte hineingreift und Porträts hängig, und so verdarb auch hier ein ungünstiges I hervoryolt. die es wert sind, angeschaut zu n>er- Geschick dem Filmmann den Plan. Aber man den. Mit seiner packenden, frischen, unvermittelten weih nicht, ob man das bedauern soll, denn so Art. Charaktere zu zeichnen, indem ihr ganzes hatte Dugmore Muße, sich mit Land und Leuten Milieu vor uns entsteht, hat Eulenberg auch h er dieses auch uns Deutschen sehr wenig bekannten wieder eine ganze Reche ausgezeichneter, scharf ge- Gebietes eingehend zu befassen und uns ein le- febener Skizzen geschaffen. Von größter Feinheit, bendiges Bild ihrer Schicksale zu vermitteln, von subtilster Empfindsamkeit das Porträt Paula Trotzdem spielt auch das Wild eine (Rolle: wir Rlodersohns, famos frisch Franz Hals, sehr g'.ud- erleben ausregende Elesantenjagden und schwi- lich auch Leopardi, wc.ter die Muster Derlioz, rige Vogelausnahmen mit, und die zahlreichen Liszt, Gluck, Händel, die Dichter Pascal, Balzac, gut wiedergegebenen Abbildungen, die das Buch I Goldoni. Milton, Klopstock, Stifter und Anzen- schmücken. geben ein anschauliches Bild von dem gruber, die beiden 'Dänen Andersen und Jacobsen, photographischen Können des Verfassers, wie auch I die Maler Eanaletto, Reyno.ds, Friedrich, Leibi, von den Gegenständen und Personen, die sein um nur einig«? aus dem reichen, anregenden Buch Interesse fesselten. Das in geographischer, politi- zu nennen. 536
scher und zoologischer Hinsicht gleich interessante — Zwischenzwer Frauen. Eine Sch lck- Buch wird bei dem heute so regen Interesse an salsgeschichtc von Herbert Eulen berg. 198 Q. Aegypten und dem Sudan viele Freunde finden. 8°. Ganzleinen 5 Mark. 3. Engelhorns Rachf., 572 Stuttgart 1926. — Das alte Thenra vom Grasen »on Gleichen, das immer aufs neue zum Künstler- , ~ "d^run gen rrn Q ue ens land cr[e£)ni5 wird, Gestaltung fordert und wohl me
busch. Von W. L. Vuxley lVerlag Kurt ^^$5^ werden mag. Die schillernde Pro-
V ow r ncke l, Dsrlu^Grunewald. Prns 7 Mk). blcmalit bie vielfältigen Möglichkeiten des
- Ern auherordentllch seffelndrs Rmsebuchdas Motivs scheinen sich bereits in den beiden Faß
den Leser u^lpan^nver Werse mit der^unber ?upgen bcr Voetheschen „Stella" durchsichtig ge-
Welt der australischen Landschaft bekannt macht. nu» symbolisiert zu haben. Eulenberg ruckt das
Puxley erwerst sich dannals ern rerzvoller $rei ftirn feiner sehr sein umrissenen Haupt-
Erzahler, dem man mit großem Genuß folgt. galten ins tragische Wetterleuchten eines Schrck- Vrele vortrefflrche Dckddrucke bereichern1 dre Text- s^romans. Die versöhnlich mögliche Fassung
schrlderung in bester Weise. ®.m Vr ch sei di nur siimmungsbckdhaftes Bor-
warme Empfehlung mitgegeben. 1 sp^l. Der Mann zerbricht an seiner Doppelliebe
— Berühmte Weltfahrer. Von A und steht am Ende vereinsamt, da er beide Frauen
v. Ezibulka. (Drei Maslen-Verlag. München.) verlor, zwischen zwei Toten (die freilich in ihren
— Ein sehr wertvolles Buch. Von Marco Polo Kindern, seltsam vertauscht, wieder au^zuerstehen
über Brehm, Barth, Livingstone. Stanley, Shack- ober seelenverwandelt weiterzuleben scheinen). Das
leton Ämundsen bis Sven Hedin: aus den reichen jst natürlich so möglich, oder anders: im inneren
Erlebnissen dieser Männer auf ihren großen ®esüge des vom Dichter Erzählten muh es not-
Forschungsreisen, von ihren packenden Aben- wendig und unabweisbar „so" sein, und man folgt
teuern erfahren wir hier. Diese WirklichkeitS» diesem Roman willig, miterlebenb, ergriffen bis
schilderungen sind spannender als alle erdichteten ans Ende. Dabei denkt man wohl zuweilen
Erlebnisse in phantastischen Romanen. Weit und ans „Gänsemännchen" und ans „Zweite Gesicht":
vezaubernd schön tut sich hier die Welt vor uns aber dennoch ist Eulenberg immer ein Eigener,
auf. Dieses Buch birgt in sich selbst die allerbeste gand er selbst, in seiner psychologischen Feinsühlig-
Empfehlung. Man behalte es für den Weih- teit, seiner flackernden Leidenschaftlichkeit, seinem
nachtstisch im 2^uge. 382 ganz behutsam und zart atzentuierenden Stil. 523
— Hans Knobloch, Die Liebeschronik Seiner Durchlaucht. Roman aus dem achtzehnten Jahrhundert. 379 Seiten. (Ganzleinen 6 Mk. Verlag der I. G. Eottaschen Buchhandlung Nachfolger, Stuttgart.) Held des farbenreichen Werkes ist der Herzog Joachim Georg, eine Kraftnatur aus fernen, versunkenen Tagen. Wie er zur Welt kommt, an dein Tag, an dem seine Mutter stirbt, wie er, ein junger Wildfang, heranwächst und als Vier- zehnjähriger verlobt wird, als Sechzehnjähriger die ersten Liebensabenteuer besteht und wie dann seine Liebcschronik von der kleinen Schusterstochter zur Venezianerin und Kolombine über die große Liebeskünstlerin in Paris und über die mannweidijche Sennerin in die Ehe mit der ihm einst Verlobten führt, wie damit der Reigen seiner Liebesabenteuer nicht schließen kann, sondern neu anhebt und sich weiterspinnt bis an sein Lebensende, das ist der Inhalt dieses Buches. (667)
— Die Hahnenkomödie. In drei Akten. Von Robert Walter. 80 S. Klein 8°. Philipp


