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Verbände nicht festgelegt worden sind! dies hätte mir ohne Zweifel zwei Einwände erspart.

Erstens ist esn ich t ausgedehnt genug. Wir hätten gerne alle Stahl produzierenden Ander, auch die mit weniger bedeutender Ton­nage, darin eingeschlossen gesehen. Die Schöpfer des Kartells geben darauf zur Antwort, dah die Türe offen bleibt und diese Länder jederzeit eintreten können. Das ist richtig, aber mit welcher Quote? Aach welchen Grundsätzen? Wer gibt den Ausschlag, wenn über die auf die Produktion dieses oder jenes Landes bezügliche Tonnage eine Diskussion entsteht? Hier zeigt sich deutlich die Rotwendigkeit einer übergeordneten Organisa­tion, einer Art von Wirtschaftsgerichts­hof, vor den die Frage gegebenenfalls gebracht werden könnte, eines Versöhnungsgerichtshofes natürlich, der zu einer Art von Schiedsspruch gelangt.

Der zweite Einwand geht dahin, daß, obwohl in diesem Kartell von einer Festsetzung der Preise nicht die Rede ist. die bloße Tatsache, daß die Verhältniszahlen der Pro­duktion festgelegt sind, auf den inneren Märk­ten die Konkurrenz zwischen den verschiedenen beteiligten Rationen ausschaltet. Was soll dabei aus dem Verbraucher werden? Wenn die \ Leiter des Kartells nicht sehr vernünftig sind, könnten sie sich nicht vielleicht aus übertriebener Gewinnabsicht zu einer Heber st eigerung der Preise verleiten lassen? Einige von ihnen kenne ich persönlich und habe das Vertrauen, dah sie nicht in diesen Fehler verfallen werden. Aber das ist doch nur eine Hoffnung, und damit derartige Uebereinkommen nicht Zorn erregen und keine Opposition in der öffentlichen Meinung Hervorrufen, müssen Garantien dafür ge­geben werden, dah die Verbraucher nicht der Willkür eines Menschen oder eines nur aus Produzenten zusammengesetzten Komitees aus­geliefert sind. Indessen begrühe ich diese erste Verwirklichung mit Freuden. Besser etwas als gar nichts: es wäre durchaus falsch, denen, die durch ihr Beispiel den Weg gewiesen haben, Vorwürfe zu machen. Wir müssen auf diesem Wege weitergehen, allerdings nicht ohne die ge­wissen Sicherungen, von denen ich gesprochen habe. ____ __

Oberhesien.

Landkreis Gietzcn

Klein-Linden, 9. Nov. Mit der Er­richtung eines Ehrenmals für die im Weltkrieg gefallenen Söhne unserer Ge­meinde befaßte sich eine Bürgerversammlung in der neuen Schule, zu der sich der Bürgermeister, der Pfarrer und die Vorstände von etwa 20 hiesigen Vereinen eingefunden hatten. Es wurde ein Denk- malsausschuh gewählt, dem als 1. Vorsitzender Ar. Schimmel, als Schriftführer Jul. I u n g , als Rechner W. Germer, ferner Bürgermeister Jung, Pfarrer Ackermann, Hch, L u h u. a. m. angehören. Regierungsbaumeister Schneider vom Kreisbauamt Gießen wurde mit der Herstellung eines Modells betraut, das in Kürze hier ausgestellt werden soll?Das Ehrenmal soll in Granit ausge- führt werden; es wird etwa 68000 Mk. kosten. Als Standort hat man u, a. den alten Friedhof an der Wetzlarer Straße ausersehen. Die Kosten sollen größtenteils durch freiwillige Spenden in Ortssamm­lungen aufgebracht werden. Auch erwartet man, daß die Gemeinde einen Zuschuß zur Unterstützung dieser guten Sache gibt. Ein gutes Vorbild hat der Raiffeisen-Verein Klein-Linden ge­geben, indem er bereits im Frühjahr auf seiner Generalversammlung eine namhafte Summe zur Er­richtung des Denkmals zur Verfügung stellte. Die Grundsteinlegung des Ehrenmals soll im kommen­den Frühjahr erfolgen. Der hiesige Gesang­vereinEintracht" hielt am Sonntag eine Generalversammlung ab. Es wurde u. a. beschlossen, eine neue Vereinssatzung anzufertigen, die jedem Mitglied ausaehändigt werden soll. Der 1. Vorsitzende Hch. Luh warb für die Errichtung des Ehrenmals und erwartet von allen Der- einsmitgliedern, daß sie sich bei der Ortssammlung so beteiligen, wie sie es bereits vor mehreren Jahren bei der Vereins-Ehrentafel bewiesen hätten.

ck. Heuchelheim, 9. Nov. Am Sonntag- t abend hielt der hiesige GesangvereinLie­de r k r a n z" unter Leitung seines Dirigenten F(9 örlach - Gießen in der Turnhalle sein erstes Konzert ab. Der etwa 800 Personen fassende '* Saal war bis auf den letzten Platz besetzt. Die Vor­tragsfolge wickelte sich unter Mitwirkung der Ka-

Da$ große Würfelspiel.

(lUartina Vilemar.)

Roman von Franz lauer Kappus.

38 Fortsetzung. Nachdruck verboten.

Heddsnhausen fiel zurück.Ja, warum?" Er rundete die Augen, als wundere er sich selbst.Das ist ja die Geschichte. Vielleicht reitet mich der Teufel. Vielleicht bin ich manchmal nicht recht bei Sinnen. Jetzt zum Beispiel, wenn ich da sitze und Sie an- starre: auf einmal habe ich kein Mark in den Knochen, der reine Jammerlappen. Machen Sie den Mund auf und verlangen Sie etwas; ich tue es. Fordern Sic, daß ich stehe, in bin dabei. Sagen Sie ein Wort: ich schmeiße alles hin und wandere nach Australien aus. Alles, was Sie wollen, ge­schieht." Hcddenhausen ballte die Faust auf dem Tisch.Ich bin Ihr Knecht geworden, Fräulein Wile- mar." Er lächelte.Ihr armer, hilfloser Knecht."

Sie sind doch so stark, Herr Heddenhausen", sagte Martina und verstand, was in dem Manne vorging. Hart bedrängt fühlte sie sich plötzlich.

Was soll man da tun?" fragte Heddenhausen und ließ die Blicke kreisen.Die verfluchte Zeit, in der wir leben! Lauter Barrieren riegsum, lauter Gitter. Wäre es eine andere Zeit: Himmel, ich wüßte mir zu helfen!" Seine Augen blitzten drohend.

.Herr Heddenhausen!" rief Martina, aufs äußerste beunruhigt.

Er lachte wild.Müssen Sie den Burschen hei­raten? Ausgerechnet diesen Windbeutel? Könnte es nicht -in anderer sein?"

Martina senkte die Stirne.Ich muß Benno heiraten", sprach sie leise.

Müssen? Wer muß?"

Ich muß, Herr Heddenhausen", nickte Martina entschlossen.Es ist gar nicht anders möglich, als dah ich Benno heirate."

Im selben Augenblick trat Kreuth durch die Tür. In seiner braunroten Lederjoppe und in den gelben Gamaschen kam er direkt vom Kursus. Die Reste der Kriegsausrüstung taten jetzt gute Dienste.

Sofort sprudelte Kreuth los. Wie ein Tier habe er den ganzen Tag in der Werkstätte geschuftet.

pelle Topp aus Gießen vortrefflich ab. In sehr gefälliger Weise wurden Lieder von Mozart, Kämpf, Hansen, Schnuß, Wohlgemuch usw. zu Gehör ge­bracht. Die Herren Kehrmann (Flöte) und Topp (Piston) erfreuten durch prächtige Solovor­träge. Den Schluß bildete der mit Blasorchester vor­getragene ChorWieland der Schmied" von Host- mann. Reicher Beifall belohnte die Sänger und ihren feinsinnigen Chormeister, sowie die Kapelle.

£ Wieseck, 9. Nov. Durch die nunmehr ab­geschlossene Feldbereinigung machte sich eine Neuverpachtung des Gemeinde- und Kirchengeländes notwendig, die am Samstag an Ort und Stelle vorgenommen wurde. Wie zu erwarten war, hatten sich hierzu außer­ordentlich zahlreiche Interessenten eingefunden. Die erzielten P a ch t p r e i s e sind wesentlich höher als bei früheren Verpachtungen. Diese Er­scheinung ist aus den Umstand zurückzuführen, daß sämtliche Grundbesitzer gelegentlich der Feldbereini­gung einen 7prozentigen Abzug an ihrem Grund­besitz erhielten, der zur Erschließung des neuange­legten Wegenetzes erforderlich war. Dadurch wurde der einzelne Grundbesitzer in seinem Anbaugelände geschmälert, der Ausfall mußte also durch Pachtge­lände ausgeglichen werden. Für weiter entfernt ge­legene Grundstücke, so bei der Badenburg, in der Heide usw. wurde ein Pachtpreis von 1 Pf. pro Quadratmeter erzielt, hingegen erzielten Grundstücke in der Nähe des Ortes Pachtpreise von 3 Pf. und mehr pro Quadratmeter. Besonders günstige Aecker, bei denen von vornherein mit einem guten Ertrag zu rechnen ist, waren heiß umstrittene Objekte. Die Gemeindekasse kann diese Mehreinnahme bei den mannigfachen Anforderungen sehr gut gebrauchen. Eine Verpachtung des sehr ausgedehnten Wiesen- g e l ä n d e s fand nicht statt, hierbei wird an der seitherigen Hebung festgehalten und die G r as- nutz u n g alljährlich bei der Heu- und Grummet­ernte versteigert. Auch hier dürfte, bei der sich immer mehr bessernden Beschaffenheit der Wiesen, mit einer erklecklichen Mehreinnahme gerechnet werden.

be. Mainzlar, 9. Nov. Hier konnten in den letzten Tagen wieder drei Neubauten unter Dach gebracht werden, von denen zwei noch dieses Jahr bezogen werden sollen. Die Bauten wurden ermöglicht durch Darlehen der Gemeinde und des Staates. Voriges Jahr erstanden in unserem Orte sogar fünf neue Häuser. Damals konnten Darlehen nur in kleinerem Maße gewährt werden, wodurch die Bauherren gezwungen waren, sich die Bausteine selbst herzustellen und auch manche Handwerker­arbeiten selber zu machen. In diesem Jahre kam auch unsere Gemeinde zu einem Sport­platz. Er befindet sich an der Hachborner Straße und wurde von Arbeitslosen angelegt. Schon ver­schiedene Wettspiele wurden im Laufe des Som­mers auf ihm ausgetragen.

's Treis a. d. Lda., 9. Nov. Bei einer gestern in der Försterei Treis abgehaltenen Treibjagd wurden 3 Rehe, 3 Hasen und 1 Fuchs zur Strecke gebracht. Um dem durch die Feldbereinigung entstandene Mangel an Ob st bäumen (es wurde damals eine Unmenge von Apfel- und Zwetschenbäumen unnötigerweise entfernt) wieder auszugleichen, beziehen die hiesigen Landwirte all­jährlich größere Sendungen junger Bäume durch die Vermittlung der Landwirt- schaftskammer. Auch in diesem Herbst sind schon viele Bäumchen gepflanzt worden. Bekanntlich ist der Herbst die beste Zeit für diese Arbeit. Am Sonntagabend gab der Gesangverein Lje­de r k ra n z in Wills Saal einen Konzert- und Theaterabend. Unter Leitung seines Diri­genten Konrad Ni ckolai - Großen-Buseck brachte der Verein eine große Auswahl trefflich eingeübter Männerchöre zu Gehör, die von fleißiger Vereins­arbeit und gutem musikalischen Verständnis zeug­ten. Den musikalischen Teil hatten einige Herren von der Kapelle Topp übernommen, die eben­falls Vortreffliches leisteten. Nach dem Konzert kam ein von Dereinsmitgliedern und ihren Damen fein und sinnig gespieltes Theaterstück zur Aufführung. Mit einer kleiner Tanzunterhaltung fand der schön verlaufene Abend seinen Abschluß.

z. A l l e n d o r f a. d. Lda., 9. Rov. Vor kur­zem wurde hier ein Hundezüchterverein gegründet. 3m Anschluß hieran fand am Sonntag hier eine Propagandavorführung des Hundezüchtervereins Lollar statt. Es wurden Führungen mit und ohne Leine, Springen, sowie als interessantester Teil die Mitwirkung des Hundes zur Aufdeckung von Verbrechen gezeigt. Die Vorführung wurde von den zahlreichen Zu­schauern äußerst beifällig ausgenommen.

In jeder Beziehung sei er bereits auf dem Damm. Niemand könne ihm mehr etwas vormachen. Frei­lich, das wichtigste folge noch: die Prüfung vor der Hauptverkehrsstelle des Polizeipräsidiums.Komme ich durch, dann kann es losgehen."

Der Anlaß wird natürlich gefeiert", sagte Hed­denhausen freundlich. Wieder hatte er sich vollkom­men in der Gewalt.Ein kleines Abendessen zu dritt: Sie werden doch nichts dagegen haben, Fräu­lein Wilemar?"

Sehr verbunden", sprach Kreuth an ihrer Stelle und verbeugte sich leicht. Erst hinterher sagte Martina still:Gerne, Herr Heddenhausen/

Eine Weile schaute Heddenhausen schweigend zum Fenster hinaus. Dann empfahl er sich förmlich.

Auch Kreuth und Martina gingen bald.

Wie hast du Heddenhausen eigentlich kennen- gelernt?" fragte Kreuth, als man in der Untergrund­bahn saß.

Kurz berichtete Martina von der ersten Be­gegnung.

Und weiter?"

Das habe ich dir doch schon erzählt, Benno."

Alles?" Kreuch zog die Mundwinkel herab und senkte das linke Augenlid leicht.Alles hast du mir erzählt? Also harmlos, durchaus harmlos?"

Martina haßte diesen Gesichtsausdruck.Wie kannst du nur fragen, Benno?"

Kreuth lächelte mokant.Im Grunde rührend diese Selbstlosigkeit!" Rasch fügte er hinzu:Ich würde ihm auch nicht raten, weniger selbstlos zu sein."

In Martina klaffte etwas schmerzlich. Seit Benno wieder da war, standen solche Fragen und Anspie­lungen auf der Tagesordnung. Schon der Ton ver­letzte. Eine abgefeimte Ueberlegenheit lauerte hinter den leicht hingesprochenen Worten. Konnte Benno so etwas überhaupt in den Bereich der Möglichkeit ziehen? War nicht jede Silbe eine Beleidigung?

Ich dulde das nicht länger", sagte Martina, als Kreuth wieder einmal dergleichen gesprochen hatte. So kannst du mit anderen reden, aber mit mir nicht!"

Im Augenblick duckte sich Kreuth.

Verzeih, Liebes: so war es nicht gemeint." Alles Fremde schwand aus seinem Antlitz. Demütig

wn. Weickartshain. 9. Noo. Die Ge­werkschaft Luise, die ihren Bergwerksbetrieb feit 1. Oktober o. I. stillgelegt hat, beabsichtigt jetzt, ihn in beschränktem Umfange wieder z u er­öffnen. In der Vorkriegszeit wurden im Durchschnitt täglich 150160 Tonnen gewaschenes Eisenerz produziert und mit der Eisenbahn oer» fruchtet. Während des Krieges erhöhte sich diese Zahl auf 200220 Tonnen durch Verlängerung der Arbeitsschichten.

ri. Cid), 9. Nov. Arn Sonntagnachmittag ver­sammelte sich in der Marienstiftskirche die Jugend unserer Stadt zu einem besonderen Jugendgot­te s d i e n st, den Stiftsdechant Lenz unter Mit­wirkung des Posaunenchors und des Frauenchors hielt und der einen tiefen Eindruck auf die zahl­reich erschienene Gemeinde machte.

ri. Nieder-Bess innen, 9. Nov. Während des Krieges entstand hier einAlicefrauenverein, der unter der Leitung der Lehrerfamilie Graulich stand und eifrig für unsere Soldaten arbeitete und sammelte. Da uns Lehrer Graulich vor einem Jahr durch den Tod entrissen wurde und seine Familie letzt von hier weggezogen ist, war es nötig, den Ver­ein neu zu gestalten. Zu diesem Zweck versammelten sich am Sonntag alle Frauen unserer Gemeinde. Pfarrer Schorlemmer von Lich hielt einen Vortrag über die Aufgaben und Arbeiten der Frauenoereine. Man beschloß, im Winter jeden Mo­nat einmal an einem Abend im Schulsaal, der zu diesem Zweck freundlicherweise von dem Gemeinde- rat zur Verfügung gestellt wurde, zusammenzukom- men, um edle Geselligkeit und geistige Unterhaltung zu pflegen und dabei Handarbeiten für wohltätige Zwecke anzufertigen. Der Vorsitz wurde auf einstim­migen Wunsch Frau Prinzessin Ludwig zu Solms-Hohensolms-Lich auf Hof Mühl« sachsen übertragen, die auch die hiesige Mädchen­vereinigung leitet. Die Verbindung mit dem hsssi- .schen Roten Kreuz soll auch fernerhin aufrecht er­halten werden.

ri. Cangsborf, 9. Nov. Unser Ortsgeistlicher, Pfarrer Klingelhösfer, verläßt demnächst un­sere Gemeinde, in der er seit Herbst 1915, allerdings mit einer Unterbrechung durch Kriegsdienst, tätig war. Er verläßt seine oberhessische Heimat und tritt in den Dienst der Braunschweiger Landes­kirche über.

bs. Rodheim b. Hungen, 9. Rov.2Iuf Ver­anlassung des Bürgermeisters Hofmann fand hier eine Vorführung von Pflügen der führenden deutschen Pflugfabriken statt. Man hatte dazu die am schwersten zu bearbeitende FlurAm Theresia" gewählt. Wüt über 200 Bauersleute» aus den umliegenden Ortschaften Langd. Raberts­hausen, Steinheim und Antr.'-W.ddersherm hatten sich eingefunden, um die Leistung der neuesten Pflüge zu beurteilen. Auch die Fortbildungs- schulen der Umgegend waren anwesend. Rach- einander wurden in Doppelgespannen oder bei Zweischarpflügen vierspännig die einzelnen Pflüge in der Arbeit gezeigt. Man war erstaunt, wie leicht dieser allerschwerste Tonboden mit diesen Spezialmarken zu bearbeiten war.

Kreis Friedberg.

B. R o d h e i m v. d. Höhe, 9. Noo Gelegentlich einer Besuchsreise bei den Kinderpflegestationen der hiesigen Gegend hielt in unserer Kinderschule die Reiseschwester Lydia Roth vom Diakonissen­mutterhause Nonnenweier hier einen Vortrag vor Frauen und Mädchen der Gemeinde über die Geschichte und die Arbeit des Diakonissen- hauses Nonnenweier, das feit Jahrzehnten die hiesige Station mit Schwestern versorgt hat.

Kreis Büdingen.

T Ridda, 9. Rov. Wohl aus der Einsicht heraus, daß nur sachverständige Bewirtschaftung des Bodens geeignet ist, die landwirtschaftliche Produktion zu steigern, weisen die Besuchs - ziffern der landwirtschaftlichen Schulen in diesem Jahre erfreulichen Zu­wachs auf. Die hiesige Schule konnte im ersten Jahre ihres Bestehens über 30 Schüler in die Unterklasse aufnehmen. Bübingen hat eine Schülerzahl von über 80 in zwei Klassen. In Schotten, wo schlechte Verkehrsverhaltnisse und der harte Winter des Vogelsbergs die Besucher­zahl beeinträchtigen, kann auch der letzte Lehr­gang für die Obrrklasse in diesem Winter nicht mehr stattfinden, da nur ein kleiner Teil der im Vorjahre Aufgenommenen sich zum Weiterbesuch entschließen konnte. Somit ist schon in diesem Herbst die landwirtschaftliche Schule daselbst auf­gelöst.

schaute er Martina an.Dieses Hundeleben da unten," murmelte er,halb verkommen ist man da­bei." Er griff nach ihrer Hand und umklammerte sie fest.So ifts gut. Immer hätte es so sein müssen." Fast sitbenweise fügte er hinzu:Bald wird es ja endgültig so sein." Dazu lächelte er eigen.

Spitze Nadeln drangen Martina ins Herz.

War das das Glück? Lächelte das Glück mit solchen Lippen: halb freudig, halb wehmütig? Und klang aus ihr nicht selbst der gleiche Widerhall? Frohlockte das Glück vielleicht in chr?

Länger als ein Jahr hatte man sich gebangt. Bis zum Rande war jede Stunde voll Pein und Sehnsucht gewesen. Und das Wiedersehen kam und es war ein Tag wie jeder andere. Die Welt sprang nicht aus den Fugen, der blaue Himmel barst nicht. Gleichgültig liefen die Wochen weiter, gleichgültig reihten sich die Dinge.

Immer aufmerksamer horchte Mattina in sich hinein.

Wo blieb der jauchzende Ton, auf den sie wartete? Wie ein dunkler Waldsee breitete sich ihre Seele. Kein Sturm und keine Sonne ging darüber. Der liebe Gott wußte, wo das Leben indessen brauste und weiße Funken aus Menschenherzen schlug. So weit war man alldem, so unendlich fern. Nichts als Ruhe war das ganze Dasein. Was manch­mal aufschäumen wollte, verebbte rasch. Die Be­stürmung über Heddenhausen, die Zweifel an Benno, die beschwingten Stunden im Krankenhaus: wie ein Stein versank alles, wenn der Anlaß vorüber war. Ring legte sich an Ring, bis der letzte kaum noch fühlbar an das Ufer des Bewußtseins stieß.

Stand die Zeit still, flog sie vorbei?

Aber es kam der Tag, an dem Benno so weit war. Mit vorzüglichem Erfolg hatte er feine Prü­fung bestanden. Der Fahrtausweis lag am Polizei­präsidium zum Abholen bereit.

Ungezwungen gratulierte Heddenhaufen. Im Adlon hatte er ein Souper auffahren lassen, das seiner Routine zur Ehre gereichte. Immer wieder stieß er mit Martina und Kreuth an

Aus eure Zukunft, meine Lieben!" Merkwür­dig flackernd sprangen seine Augen umher. Jedes­mal nippte er nur an seinem Glas. Lange Minuten saß er bann schweigenb ba, bie ausgestreckte Hand auf dem Tisch.

Nidda, 9. Noo. Die Kapelle des Reichswehr-Inf. - Regt s. Nr. 15 aus Gießen gab am Sonntag tn der neuen Turnhalle hier ein Konzert, das von Obermusikmeister Löb er persönlich geleitet wurde. Das nachmittags ausgeführte Blasmusikkonzert wies einen befriedi­genden Besuch von Nidda und Umgebung auf. Daß aber viele Musikliebhaber in einem geschlossenen Raume die Streichmusik der Blasmusik oorziehen, bewies der bedeutend stärkere Besuch des Konzerts am Abend, bei dem die Streichinstrumente aus­schließlich zur Geltung kamen. Das sehr geschickt ausgewählte Programm wurde nadjmittags und abends in vorzüglicher Weife durchgeführt. Die einzelnen Musikstücke riefen oft stürmischen Bei­fall der Zuhörer hervor. Dem Abendkonzert folgte Tanz. Für den Turnverein war das finan- zielle Ergebnis der ganzen Veranstaltung befrie­digend. Bei der vor acht Tagen vorgenommenen Verlosung der Geldlotterie des Turnverems hatte man ganz außerordentliches Glück, indem der Hauptgewinn von 1200 Mk. auf ein Los fiel, das der Turnverein selbst spielte. Eben­so fiel auch bie Prämie dem Turnverein mit 150 Marp zu.

bs. Ober-Widdersheim, 9. Rov. Die Erweiterungsbauten des Hartbasalt­werkes I. Rrckel sind nun beendet. Gegen­wärtig wird das letzte Stück der Straßenüber­führung tn Eisenbeton vollendet. Zur Behebung der hier herrschenden Wohnungsnot laßt die Firma ein Doppelwohnhaus errichten, das noch vor Winter in Rohbau zu stehen kommen soll. Infolge der Rachfrage nach Bascrltsteinen sind die beiden hiesigen Dasaltwerke vollauf be­schäftigt. Erwerbslose gibt es hier nicht,

Kreis Schotten. ~ .

=.== Aus bem Kreise Schotten, 9. Noo. In nächster Zeit werden in den Schu - len des Kreises Schotten mit Unterstützung des Kreisschulamts Vorträge über unsere ehe­maligen Kolonien durch einen guten Kenner derselben, den Gouoernementssekretär Dietz aus Darmstadt, gehalten werden.

Kreis Alsfeld.

er. Homberg a. b. Ohm, 9. Noo. Die wäh- renb der Inflationszeit erbaute Stabtha11e ölrb jetzt immer mehr in das Stadtbilb eingefügt. Da bie Jahre vorher ber Zugangsweg in schlechtem Zu­stande und häufig sehr schmutzig war, wurde er In diesem Sommer neu hergerichtet und mit Gossen versehen. Längs ber Häuserreihe würbe ein Fuß­steig angelegt. Jetzt ist man daran, zwischen dieser Zugangsstraße und der höher gelegenen Hauptstraße eine stattliche Mauer zu errichten, und beide, dem Postamt gegenüber, noch durch eine Treppe zu ver­binden. Da man schon stets darauf bedacht war, den vor der StabtaUee gelegenen Turnplatz burch Anfahren von (Erbe, Schutt u. bgl. z u oer» großem, hat man jetzt auch auf dieser Seite mit ber Errichtung einer stabilen Mauer begonnen, bie aber noch nicht ganz uoUenbet ist. Der Platz wirb bann so groß, baß sämtliche Märkte, Zirkus, Turnaus- sührungen, Juxplätze usw. bnrt genügend Raum finden. Leider ist die Stadthalle äußerlich noch nicht verputzt, was aber wohl auch nur eine Frage der Zeit sein dürfte. Das Werk Neuhaus der Firma (Sehr. Himmelsbach, das in feiner Blütezeit etwa 100 Arbeiter beschäftigte, steht leider noch i m m e r ft i 11, so daß die hiesige 21 r b e 11 s- (ofigfeit noch keine Verminderung er­fahren hat.

= Ober-Ohmen, 9. Rov. In ber jüngsten Gemeinderatssitzung wurde eine Er­höhung der elektrischen Licht- und Kraftstrompreise beschlossen. Seither stellte sich die Kilowattstunde auf 40 Pf. bei Licht und 35 Pf. bei Kraftstrom. Der Umbau von Holz­masten auf Dachständer und die Durchführung anderweitiger Verbesserungen brachten es mit fichi, dah eine Erhöhung auf 45 und 40 Pf. eintreten muhte. Um dem seither beobachteten Anschluhunfug mancher Kreise wirksam zu begegnen unsere Gemeinde ist Großabnehmer des Heberlandwerkes, die Stromversorgung stellt einen eigenen kaufmännischen Betrieb dar, wurde die Mindestabnahme von Kraft­strom auf 80 KUvwatt-Stunden pro Jahr fest­gesetzt, ferner wurde die Mindestabnahme von Licht auf 12 Kilowatt-Stunden pro Jahr festgelegt. Bezüglich des Voranschlags des Kirch» s p i e l s Ober-Ohmcn, Ruppertenrod, ilnter- feibertenrod für das Rechnungsjahr 1926 wurde die Gemeinde Ober-Ohmen aufgefordert,

Schon nach bem Beluga-Kaviar unb ben Austern war Kreuth in Stimmung. Mit allen Sinnen sog er bie Atmosphäre bes vornehmen Raumes ein. Das viele Licht, bas blitzende Silber, bie festlich geklei­deten Menschen: alles rebellierte sein Blut. Mit bem Finger markierte er bie Synkopen bes Jazz-Or- chesters. Lange war es her, baß man so eine Luft geatmet hatte. Heute hatte man ein Recht bazu. Schweres war erlebigt. Silles weitere würbe ein Kinberspiel sein.

Martina. Siebling!" Lachend wandte Kreuth ihr bas Antlitz zu. Nie war Martina ihm schöner erschienen als in biesem Augenblick.Trink doch auch einen Tropfen!"

Martina ließ sich nicht bitten. In einem Zuge leerte sie ben schweren Wein. Doch ber Erfolg blieb aus. Nicht um einen Grab würbe ihr wärmer ums Herz. Alles in ihr sehnte sich fort von hier. ?

Heddenhausen sah von seinen Hamburger Kücken auf.

Liebes Fräulein Wilemar: so geht bas nicht!" Er lächelte in seinen Teller.Ober sind wir bei einem Leichenschmaus?"

Leichenschmaus ist glänzend", stellte Kreuth fest. Noch einmal bat er von bem Salat Lorette. Gleich­zeitig begann er mit einer Geschichte, bie in Zermatt spielte unb von einem überaus gefräßigen Englän­der handelte.Ganze Berge Salat schlang ber Mensch in sich hinein!" Wieder griff er nach seinem Glas.Unb ber Arzt hatte ihm boch gerabe Salat verboten. Aber so find die Menschen. Immer schmecken die verbotenen Früchte am besten." Mit der Hartnäckigkeit bes Leichtbenebelten spann Kreuth bas Thema fort.

Groß mahnten Martinas Augen.Benno!" rief sie leise. Aber er hörte sie nicht. Wieder trug er die verhaßte Miene zur Schau. Seine Blicke streiften umher. Ganz fühlte er sich in feinem Milieu. Jeden Moment lächelte er ohne Veranlassung.

Auf einmal fragte Heddenhausen:Unb die Woh­nungsfrage? Haben Sie über bie Wohnungsfrage schon nachgedacht, Fräulein Wilemar?"

Daheim ist Platz", sagte Martina kurz.

Unb ber Berus Ihren Berus werden Sie doch aufgeben?"

(Fortsetzung folgt.)