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Seit am stärksten beunruhigt hat, find die Vor­gänge, die zur

Entlassung des Generalobersten von Seecki geführt haben. Die Entlassung dieses, um das Wohl des Staates in Krieg und Frieden hoch­verdienten ManneS sehen wir als einen über­aus schmerzlichen Verlust des deutschen I Volkes an. Wir bedauern es tief, daß der Reichs- toehrminister durch seine Starrheit diese Entlassung herbeigeführt hat. Unser Vertrauen zum Wehr- ministec ist dadurch weitgehend erschüttert worden. Wir erwarten von dem neuen Chef der Heeres­leitung, dem hochverdienten General Heye, daß j er im gleichen Sinne wie sein Vorgänger von f Seeckt arbeiten, und daß er sich dabei nicht stören lassen wird durch parteipolitische Quer­treibereien. (Rufe bei den Kommunisten:Durch die Schwade Reichswehr") Sn der deutschen Öffentlichkeit wird jetzt ein wohlorgani­sierter Feldzug gegen unsere Reichs­wehr geführt. Der Abg. L ö b e hat die Republi- kanisierung der Reichswehr gefordert. Ob man die Reichswehr republikanisch oder monarchistisch , beeinflußt, in jedem Falle bedeutet eine solche Politisierung eine schwere Schädigung der Reichswehr. Wir haben gegenüber dem törichten Gerede von unserer verantwortungslosen Oppo­sition erklärt, daß wir jederzeit bereit sind, die Verantwortung für das zu tragen, was wir Vorschlägen. Die übrigen Parteien haben aus unserer Dereitwillrgkeitserklärung keine Konsequenzen gezogen. Die Mittelparteien mögen nun sehen, wie sie ein Mindestmaß von Liebereinstimmung finden zwischen der Theorie und Praxis dieses Parlamentarismus. Wir for­dern die unbedingte Sicherung eines be­rufsfreudigen De r uf sb e a mt e ntums. Die Art, wie der Reichssinanzmrnister den Um» bau seiner Verwaltung vorgenommen hat, scheint uns mit der Verfassung nicht vereinbar zu sein. Wir bedauern auch außerordentlich die Art, wie der preußische Ministerpräsident vor kurzem das Derufsbeamtentum verunglimpft hat. Ebenso be­dauerlich sind die Angriffe gegen

die Unparteilichkeit der Rechtspflege, wie sie sich aus Anlaß des Landsberger Feme­mordprozesses gezeigt haben. Man sollte doch etwas Verständnis zeigen für die Tragik der An­geklagten dort, dieser jungen Menschen, denen das Kriegsende all« Hoffnungen zerschlug und die aus dem Kriege in ein Vaterland kamen, das mit ihnen nichts anzufangen wußte. (Lebhafte Zustimmung rechts.) Diese Offiziere, diese Leute haben damals den Staat gerettet. Das sollte man am Geburtstag der Republik nicht vergessen. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen rechts.) Wir wünschen dringend, daß die Ju­gend wieder auf den richtigen Weg geführt wird. Der Abgeordnete Raedel bezeich­nete vorhin den 9. Rovember als Geburtstag der Demagogie. Man möchte fast sagen: Kinder und Rarren sagen die Wahrheit! (Lärm bei den Kommunisten und Rufe: Lump, unverschämter ßügner!) Was am 9. Rovember erreicht wurde, das ist nicht die wahre Freiheit. Wir denken zurück an den Geist der Freiheit, der unser Volk im August 1914 beseelte. 3n diesem Geiste können wir uns vereinigen auf dem Wege zu dem Ziele, «in wahrhaft freies Volk in freiem Vaterlande zu sein. (Lebhafter Beifall rechts.)

Abg. Reubauer (Komm.) wendet sich gegen den Abg. Sänger, dessen Gouvernanten- rede nicht darüber hinweggetäuscht habe, daß die Sozialdemokratie in der Behandlung der ehe­maligen Fürsten, vor allem bei dem Hohen- z-ollernvergleiche, das Volk falsch beraten habe. Die Schwarze Reichswehr habe in Thüringen und Sachsen unerhörte Bestialitäten verübt. Der Hauptschuldige daran sei der Reichswehrminister Dr. Getzler. Um eine Antwort auf die schweren Vorwürfe werde Gehler nicht dauernd herum- komrnen. Es dürften nicht nur die kleinen Ver­brecher bestraft werden. Der Redner begründet dann die kommunistischen Anträge auf Aus­weisung und Enteignung der ehemals regierenden Fürsten.

Weiterberatung Mittwoch

Dee neuen Sätze .in der Errverbslosenfürsorge.

Berlin, 9. Rov. (WB.) Amtlich. Die Sähe der Lrwerbslosensürforge sind durch Anordnung des Reichsarbeitsministers vom 9. Rovember 1926 nach Benehmen mit dem Verwaltungsrat des Reichsamis für Arbeitsvermittlung mit Wirkung vom 8. Rovember 1 92 6 heraufgeseht worden. Die Erhöhung beträgt für Erwerbslose, die keine 3a- milienzuschläge beziehen, und nicht dem haushalt eines anderen angehören, 15 v. £) für alle übrigen haupiunterstühungsempfänger 10 v. h. Ferner ist die obere Grenze für die Erwerbslofenunterslühung in der Weise erweitert worden, dast auch für das vierte Kind (den fünften Familienange­hörigen) der Familienzufchlag voll gezahlt wird. Die Anordnung gilt bis zum 31. März 1927.

Der neue englische Botschafter.

Sir Ronald Lrudsay beim Reichspräsidenten.

Derlin, 9. Rov. (Wolff.) Der Reichs­präsident hat heute den neuernannten König­lich Großbritannischen Dotschafter Sir Ronald Linds ah zur Entgegennahme seines Deglaubi- gungsschreibens empfangen. Rach dem Empfange nahmen außer den Herren der -Umgebung des Reichspräsidenten der Reichsminister des Aus­wärtigen Dr. Stresemann und der Staatssekretär des Auswärtigen Amtes Schulart teil. Auf eine Ansprache des Dotschafters erwiderte der Reichspräsident u.a.:Herr Dotschafter! 3ch habe die Ehre, ans den Händen Euerer Exzellenz das Schreiben entgegenzunehmen, durch das König Georg V. Sie als Königlich Groß­britannischen außerordentlichen bevollmächtigten Dotschafter bei mir beglaubigt. Ich bitte Sie, der Dolmetsch meines aufrichtigen Dankes für die freundlichen Wünsche zu sein, die Seine Majestät für das Gedeihen Deutschlands in seinem Handschreiben auszusprechen die Güte hatte, und Shrem hohen Souverän zu versichern, daß ich diese Wünsche aufrichtig erwidere.

Eine große Aufgabe, die der Lösung immer noch harrt, ist der Wiederaufbau und die dau­ernde Sicherung des Friedens Europas. Ich hoffe mit Ihnen, daß die Verträge von Locarno und Deutschlands Eintritt in den Völkerbund, dessen Sie soeben gedachten. Etappen auf dem Wege zu diesem Ziele sein mögen, und daß Ihre Erwartung auf einen neuen Abschnitt in der Geschichte der Völker sich erfüllen werde. Die Zusicherung Ihrer persönlichen Mitarbeit an die­sem Werk nehme ich dankbar entgegen. Zu­

gleich gebe ich der Hoffnung Ausdruck, daß alle Mächte auf politischem und wirtschaftlichem Ge­biet verständnisvoll zusammenarbeiten, geleitet von dem Geiste des Entgegenkommens und der Rücksichtnahme auf die Erfordernisse des na­tionalen und wirtschaftlichen Lebens der ein­zelnen Völker.

Die Not des besetzten Gebiets.

(Berlin, 9- Rov. (VDZ.) Der Ausschuß für die besetzten Gebiete erörterte am Dienstag die Hilfsmaßnahmen für di« westlichen Grenz­gebiete, besonders für die Arbeiterschaft und den Mittelstand. Minister Dr. Dell erklärter In seinen Besprechungen im besetzten Gebiet sei ins­besondere die gemeinsame Rot hervorgehoben worden, die sich ergebe aus dem Vorhanden­sein der Desahungstruppen, der da­mit verbundenen Wohnungsnot, dem Or- donnanzenshstem, dem Gendarmeriewesen, dem Pahwesen und den wirtschaftlichen Verhältnissen. Die Wirtschaft des unbesetzten Gebiets sollte mehr wie bisher bei Auftragserteilung die Wirtschaft des besetzten Gebiets berücksich­tigen. Der Minister stellte fest, daß bei allen Besprechungen sich der Grundton der vollkom­menen Beseitigung der Besatzung ge­zeigt habe. Mit derselben Einmütigkeit fei aber auch verlangt worden, daß die Befreiung ohne jede wirtschaftlichen und finanziel­len Opfer des deutschen Volkes erfolge. Staatssekretär Schmid besprach die jüngsten Zwischenfälle und stellte fest, daß von der Gegen­seite das Befriedungsabkommen loyal durch­geführt worden sei. Es befänden sich noch 113 Gefangene, die wegen gemeiner Delikte ver­urteilt worden seien, in den Gefängnissen der Alliierten. Das Reichsministerium sei bemüht, hier mindestens'Strafmilderung zu erreichen.

Dr. BoeUtz in Spanien.

Berlin, 9. Rov. (Priv.-Tel.) Der ehe­malige preußische Kultusminister Dr. Boelitz, der der Deutschen Volkspartei angehört, unter­zieht in besonderem Auftrag d i e deutschen Schulen Spaniens und Portugals einer eingehenden Besichtigung und ist allent­halben, wohin er gekommen ist, Gegenstand höch­ster Beachtung von feiten der wissenschaftlichen Kreise Spaniens geworden. Von besonderer Wärme war fein Empfang in Bilbao, wo die Tageszeitungen Bilder des ehemaligen preußi­schen Kultusministers gebracht haben und in einer Reihe von Aussätzen das Werk feiner Re­form des Dildungswesens eingehend gewürdigt haben. In Barcelona und Madrid, wo sich heute deutsche Kolonien von je 5000 bis 6000 Deutschen befinden, hat man den feit - lan­gem dort bekannten Pädagogen besonders herz­lich begrüßt. Dr. Doelitz befindet sich zur Zeit in Sevilla, von wo er sich nach Malaga und später nach Portugal begeben wird. Die Zahl der deutschen Schulen in Spanien und Portugal beläuft sich heute auf 11, unter denen die Deutschen Oberrealschulen in Barcelona und Madrid jede etwa 400 Schüler und Schülerinnen aufweisen. Der Besuch Dr. Boelitz' in Spanien dient in hervorragendem Maße der Kräftigung der Beziehungen des Auslanddeutschtums auf den Iberischen Halbinseln zu dem Deutschtum in der Heimat.

Die deutschen Schulen in der Tschechoslowakei.

Prag, 9. Rov. (WB.) Im Dudgetausschuh des Abgeordnetenhauses versprach LInterrichts- minifter Hodca, daß es zu keiner Ein­schränkung im S ch ulw e s e n komme. Der Minister forderte einen gesunden Rationalismus, der keineswegs Haß gegen andere Rationen be­deute. In der Schulfrage dürfen nicht politische Tendenzen zur Geltung gebracht werden. Ein Zwang, von welcher Seite er auch komme, fei in rechtlicher Hinsicht strafbar und in moralischer verwerflich. Der Minister trat für internationale Beziehungen auf kulturellem Gebiet ein. Es ist kein Verrat und fein Vergehen gegen den natio­nalen Stolz, sagte er, wenn wir intellek­tuelle Deziehungen mit der großen Kulturnation der Deutschen auf der Grundlage der Gleichberechtigung pflegen. Das deutsche Mittelschulwesen in der Tschechoslowakei sei keineswegs benachteiligt, sondern weise ein Plus von zwei Prozent zu Gunsten der Deutschen auf. In der Frage der Reform der Selbstverwaltung auf dem Gebiete des Schulwesens würden alle Forderungen erfüllt, die es den Deutschen ermöglichten zu sagen, daß sie eine Schulautonomie' besitzen.

Das italienische staatsschntzgesetz

Annahme in der Kammer.

Rom, 9. Rov. (WTD.) Die Kammer hat ihre Arbeiten wieder aufgenommen. Am Regie- rungstisch sahen alle Minister und Unter ft aate- fefretäre. Mussolinis Platz war mit Lorbeer und Rosen geschmückt. Die Abgeordneten, die fast alle in schwarzen Hemden erschienen waren, be­reiteten Mussolini eine stürmische Ovation. Das Parlament ging dann zur Abstimmung über das von dem Minister Rocco ausgearbeitete Gesetz zum Schutze des Staates über. Weiter wurde über den Dringlichkeitsantrag des Gene­ralsekretärs der faszistischen Partei, Turati, der den Verfall der Mandate für die A b- ge ordneten der Aventin-Oppo­sition und der Kommunisten beantragt hatte, abgestimmt. Die Kammer nahm den Ge­setzentwurf mit 341 gegen 12 Stimmen an. Es folgte eine geheime Abstimmung, die 318 Stim­men für und 6 gegen den Entwurf ergab. Auch der Antrag Turatis, der die Abgeordneten der Opposition und die Kommunisten rhres Mandats verlustig erklärt, wurde angenommen.

Gegen das Staatssicherheitsgeseh stimmte der liberale Abgeordnete S o l e r i, der Vertrauens­mann Gi olittis, der selbst der Sitzung nicht beiwohnte, und die meisten Abgeordneten der liberalen Opposition. Salandra hatte vor der Abstimmung unter Gelächter den Saal verlassen Mussolini rief bei seinem Ramensausruf: Alles für den Faszismus. Die Kammer jubelte ihm stürmisch au. Der Abgeordnete Lazzi wurde durch Tätlichkeiten gehindert, an der Kammer- sitzung teilzunehmen. Der frühere Llnterstaats- sekretär Calo, der auf der Tribüne der Sitzung beiwohnen wollte, wurde gezwungen, den Saal zu verlassen. Der Abgeordnete Scotti der gegen den Ausschluß der Aoentin-Opposition gestimmt hatte, wurde in den Wandelgängen r>on einem faszistischen Abgeordneten g 2 ohr-

f e i g t. Zwei Abgeordnete, darunter ein An­hänger Rittis, wollten die Sitzung vor der Ab­stimmung verlassen. Faszistische Abgeordnete hin­derten sie daran und beide stimmten dann m i t j a. Die zwölf Abgeordneten, die mit Rein stimmten, waren teils Anhänger Giolittis, teils Kriegsteilnehmer. Der Abgeordnete Gasparoto, der auch zu ihnen gehörte, demissionierte nach Schluß der Sitzung als Vizepräsident.

Die franzöfifch-ttalienifche Spannung.

Ausweisung Garibaldis?

Paris, 10. Rov. (TLI.) Der französisch- italienisch Rotenwechsel über die unerquicklichen Vorfälle der letzten Zeit hat die erhoffte Ent­spannung noch nicht gebracht. Mussolini hat der französischen Regierung mitteilen lassen, daß er zwei Offiziere und zwei Fasziften, die für die Ereignisse in Tripo lis verantwortlich find, vor Gericht gestellt habe. Von französi­scher Seit« war weiter gefordert worden, daß für die Beschädigung des französischen Konsulats in Tripolis Entschädigung geleistet und der französischen Fahne auf dem Konsulat mili­tärische Ehren erwiesen werden müßten. Man wird es den Italienern nachfühlen können, wenn es ihnen schwer fällt, diese Forderung zu erfüllen. Baron Avezzana, der italienische Botschafter in Paris, ist daher bei seiner Re­gierung um neue Instruktionen vorstellig ge­worden. Der Zwischenfall in D e n g h a s i gilt dagegen als erledigt, da die italienischen Er­klärungen befriedigten. Ebenso der Zwischenfall in Ventimiglia, nachdem durch neue Grenz- abmachungen die eine Seite des Bahnhofes für exterritorial erklärt worden ist, um hierdurch fein Betreten durch italienische Polizisten zu ver­hindern. Weiter hat sich die französische Re­gierung entschlossen, Garibaldi auszuwei­se n. Sie glaubt hierdurch der Rotwendigkeit enthoben zu sein, in gerichtlichen Verhandlungen politische Zwischenfälle aufrollen zu müssen, deren öffentliche Behandlung böses Blut machen würde. Briand hat am Dienstag den Ministerrat in diesem Sinne über die gesamten italienisch-fran­zösischen Zwischenfälle unterrichtet.

Die katalanische Verschwörung.

Paris, 9. Rov. (Wolff.) Der Sonder­berichterstatter desPetit Parisien" meldet aus Perpignan, daß in der gestrigen Vernehmung der frühere saszistische General B e l g r a n i, der mit dem Obersten Macia zusammen fest- genommen wurde, im Beisein von Maria auseinandergeseht habe, wie die verhafteten Italiener für das katalanische Llnternehmen an« geworben wurden. Alle hätten sie Wort gehalten bis aus den aus der Assaire Garibaldi bekannten S c i v 01 i. Dieser sei über den vollständigen Plan des Llniernehmens auf dem laufenden ge­wesen. Durch ihn habe Garibaldi davon Kenntnis haben müssen. Maria habe diese Erklärung Bel- granis bestätigt. Macia selbst fei folgende Er­klärung Garibaldis vorgelesen worden: Ich habe Kenntnis von der spanischen Verschwörung ge­habt. Die Geldmittel hierzu sollten durch den Diebstahl des Kirchenschatzes von Rot re Dame beschafft werden, dessen sich die spanischen Anarchisten und Separatisten be­mächtigen sollten." Maria habe aufs neue pro­testiert und erklärt:Wann werde ich nach Paris kommen, damit die Wahrheit ans Licht kommt?" Garibaldi sei nicht der Ur­heber des katalanischen Unternehmens, sondern er, Maria, selbst. Es sei seit mehr als zwei Jahren beschlossen gewesen. Garibaldi habe er erst jüngst kennen gelernt.

Das syrische Mandat.

Deutschlands und Italiens Kolouialansprüche.

Gens, 10. Rov. (TU.) Zu der vor einiger Zeit von der englischen Presse gebrachten Mel­dung über eine Uefoertragung des fran­zösischen Mandats über Syrien an Italien bringt in einer scheinbar inspirierten Darstellung dasJournal de Geneve" einige bemerkenswerte Mitteilungen, wobei eine Lieber- tragung des syrischen Mandats an' Italien mit den deutschen Forderungen auf Zutei­lung eines Mandatsgebietes in Zusammenhang gebracht wird. Das Blatt erklärt, die deutschen Forderungen nach einem Mandatsgebiet als Folge des Paktes von Locarno sowie des Ein­tritts Deutschlands in den Völkerbund haben in London und Paris offizielle Ablehnung er­fahren. Man müsse aber damit rechnen, daß die deutsche Regierung eines Tages offiziell in Gens die Forderung auf Liebertragung eines Mandats­gebiets stellen werde. Demgegenüber beständen jedoch zwei große Schwierigkeiten, erstens sei keine der gegenwärtigen Mandatsmächte ge­neigt, ein Mandatsgebiet an Deutschland ab- 8U tret en. Die zweite große Schwierigkeit fei dagegen die, daß Italien im Falle des Freiwerdens eines bisherigen Mandatsgebiets oder bei Schaffung eines neuen Mandatsgebiets unbedingt seine bevorrechtigte Forde­rung darauf geltend machen werde. DasJour­nal de Geneve" teilt nun mit, daß in Frankreich tatsächlich bei sämtlichen Parteien Geneigtheit bestehe, die sehr kostspielige und politisch und militärisch schwierige Verwaltung Syriens auf» zugeben. Die Erklärung des Italien.schen Bot­schafters bei seinem letzten Besuch bei Briand, Italien sei bereit, das Mandat von Syrien zu übernehmen, falls Frankreich es ausgeben wolle, habe in der französischen Presse keineswegs eine Ablehnung gefunden. Frankreich könne jetzt durch die Abtretung Syriens sich die italienische Freundschaft auf lange Zeit hinaus sichern. Die deutschen Aussichten auf Erlangung eines Ko­lonialgebiets seien wenig günstig.

Die Wirkungen des englischen Kohlenstreiks.

5m Unterhaus erklärte der Präsident des 5)an« delsamtes Sir Philipp Cunliffe Lister in Beant­wortung einer Anfrage über die infolge des Koh­lenstreiks und des Stilliegens der Kohlenbergwerke im Mai für England entstandenen Verluste, man schätze den Produktionsausfall auf ca. 250 bis 300 Millionen Pfund Sterling. Die wirtschaftlichen Verluste, die dabei noch durch die Störung des Wirtschaftsverkehrs, die Nichterfüllung von Kontrakten und die Rückgängigmachung von nicV bindend erteilten Aufträgen entstanden seien, fciei.- in dieser Summe nicht miteinbegriffen, und es sei unmöglich, ihren Wert abzuschätzen.

Der Sekretär des Bergamts Lane Fox tritt mit. daß die britischen Bergwerke seit Anfang Mai rund 10,5 Millionen Tonnen Kohle gefordert hätten. Un­gefähr 15,5 Millionen Tonnen Auslandkohle feien während dieser Zeit in den brittschen Häfen ein­getroffen.

Der Scheldevertrag.

Die Konkurrenz Antwerpens für Rotterdam.

Amsterdam, 10. Rov. (TLI.) In den Deo- Handlungen der Zweiten Kammer des holländi­schen Parlaments hat sich die Stimmung gegen das Projekt auch durch die Empfehlung deS Ministers nicht geändert. Die einzelnen Redner hielten an ihren Einwänden fest. Das Haupt­hindernis sieht man nach wie vor in dem Zux geständnis zum Dau eines neuen großen Kanals zwischen Antwerpen und dem Rhein über holländisches Gebiet. Rotterdam ist, wie man hier sagt, einarmer Hafen", der sich zum größten Teil auf Deutschland stützt. Während Antwerpen.1925 schter seine Vorkriegs­stellung erreicht hatte, führte Rotterdam 1924 noch vier Millionen Tonnen weniger aus als im Jahre 1913. Die Konkurrenz der beiden Häfen hinsichtlich des Seeverkehrs und in be^ug »auf ihren Anteil «an dem deutschen Export bilder den Kernpunkt der Verhandlungen.

Die polnisck-e Staatstirifis.

W a r f chau, 10. Noo. (TU.) Am Dienstag ist den Präsidenten des Sejm und des Senats die amtliche Mitteilung zugegangen, daß der Staatspra- fident die Eröffnung dieser beiden Körperschaf­ten auf den 13. November, 2 Uhr nachmkMgs i m Königlichen Schluß festgesetzt hat, und zwar wird diese Sitzung eine gemeinsame von Sejm und Senat sein. Die sozialistische Partei Po- lens teilte darauf dem Sejmpräsidenten mit, daß ihre Abgeordneten zu diestr Sitzung nicht erscheinen werden. Auch die übrigen Parteien sind äußerst unzufrieden. Sie sind der Ansicht, daß diese Sitzung ein Bruch der Verfassung ist, da die Ver­fassung eine gemeinsame Sitzung des SVjnu und des Senats als Nationalversammlung betrau­tet und eine solche nur für die Wahl eines Staats­präsidenten einberufen werden darf.

Aus aller Wett.

Polarforscher in Berlin.

Am Dienstagabend gab die Wissenschaftlich« Gesellschaft für Luftfahrt Im Flugverbandshause einen Begrühungsabend für« internationalen Wissenschaftler, die zu der Tagung der Stu­diengesellschaft zur Erforschung der Arktis mit dem Luftschiff etngetroffen sind. Reben Professor Raufen sah man die prominentesten Vertreter von Deutschland, Ror- wegen, Dänemark, England, Rußland, Spanien, Estland usw. Geheimrat Schütte, der Präsideitt der Wissenschaftlichen Gesellschaft für Luftfahrt, begrüßte die Gäste: Die Gesellschaft zähle 180 Mitglieder aus 19 verschiedenen Staaten. ES sei ihm eine besondere Freude gewesen, als Präsident der Wissenschaftlichen Gesellschaft für Luftfahrt und als alter Luftschiffbauer die Mitglieder der internationalen Studiengesellschaft, insbesondere aber den Präsidenten Raufen begrüßen zu dürfen. Anschließend dankte Ransen für die Gäste. Wir sind dankbar unb stolz, so fuhr Ransen fort, daß die erst« Tagung der Studiengesellschaft tu Berlin stattfindet.

Sturmkatastropße in Nordamerika.

Washington, 10.Noo. (WTB. Funkspruch.) Die Umgebung von Washington wurde am Dienstagnachmittag von einem heftigen Orkan heim- gesucht, der in La Plata ein Schulgebäude unb ver­schiedene Prioatwohnungen zerstörte. Die An­gaben über die Zahl der Toten und Verwundeten sind widerspruchsvoll. Bei Ausbruch des Sturmes waren 75 Kinder in dem Schulhaufe an- wesen, das nach Angaben von Augenzeugen w i e ein Stück Papier zerknittert wurde. 14 Personen sollen nach den letzten Meldungen getötet worden sein, darunter 12 Kinder.

Entdeckung eines Raubmordes nach zehn Monaten.

Bei einer Treibjagd unweit des Bahnhofs Laage (Mecklenburg-Schwerin) wurde eine ver­scharrte Leiche aufgefunden. Der zweifel­los Ermordete wurde als ein polnischer Vor­arbeiter festgestellt: dem mutmaßlichen Raub­mörder ist die Polizei bereits auf der Spur.

Ein englischer Arbeiterführer Ehrendoktor von Oxford.

Die Llniversität Oxforo hat gestern dem Arbeiterführer Thomas die Würde eines Doktor jur. honoris causa verliehen.

Ein Prager Spionagenest.

Die Polizeidirektion hat den in der lithographi­schen Abteilung der tschechischen Militärdruckerei be­schäftigten Invaliden Josef Simunef, der mili­tärische Dokumente entwendet und einem Mitglied der Vertretung eines fremden Staates verkauft hat, verhaftet. Infolge feines Geständnisses wurden als Mitschuldige sieben Personen, darunter die Frau eines kommunistischen Redakteurs und ein russischer Student, verhaftet.

Lebendig verbrannt

In Mülheim (Ruhr) gerieten beim Zurück- schieben eines Kessels vorn 5)erb die Kleider einer 81 Jahre alten Frau in Brand. Die Frau erlitt derartige schwere Brandwunden, daß sie als- bald starb.

Ein Flugzeug in die Nordsee gestürzt

Am Sonntagabend ist nordwestlich von Ymui- den (Holland) «in aus nördlicher Richtung kommen- des Flugzeug in die Nordsee gestürzt. Schleppdamp- fer trafen eine halbe Stunde später an der Unfall- stelle ein, konnten sedoch weder von dem Flugzeug, noch von den Insassen eine Spur entdecken.

3n heimatlicher Erde beigeseht

Die Leiche des im Herost 1914 m Rordfrank- reich gefallenen P rinzenMaxvonHessen- Homburg, die mittels Sonderzugs am Sams­tag in Kronberg i. T. eingetroffen ist, wurde abends in Gegenwart einer außerordentlich star­ken Trauergesellschaft in der fürstlichen Familien­gruft in feierlicher Weise beigesetzt.

WetLerve

Die Aussichten auf eine stabil« Wetterlage sind noch gering. Unter dem Zuströmen von etwas küh­lerer Luft ist zwar Barometeranstieg und Aufbesse­rung eingetreten, es liegt jedoch über den britischen Inseln ein Regengebiet, das ostwärts vordringen und auch unserem Gebiete vorübergehend wieder Verschlechterung bringen kann.

Gestrige Tagestemperaturen: Maximum: 11,2 Grad Celsius. Minimum: 5,2 Grad Celsius. Heutige Morgentemperatur: 6,5 Grad Celsius.