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i>te Ratifizierung des ettglrfch-französischen und des mnerikanisch-französischep DHuldenfundie- rungsabkommens zu verschieben, werde in zuständigen Kreisen Londons für äußerst bedauer­lich angesehen. Pertinax meldet demDaily Tele­graph" aus Parts, Clemenceau habe den Brief an Coolidge augenscheinlich zu dein Zweck ver­öffentlicht, die Entscheidung des heutigen fran­zösischen Ministerrats über die intcraUiterten Schulden zu beeinflussen. Die Wirkung des Schreibens werde wahrscheinlich sein, das) das Kabinett bestimmt würde, die gesamte Frage bis zum Herbst zu verschieben. Die einzige Frage sei, ob die frarIösischr Währung im kom­menden Monat der Belastungsprobe amerikani­scher (Erregung widerstehen könne. Sn zuständigen Kreisen hoffe man auf keine Aenderung der äleßercinfunft durch Verhandlungen mit Wa- fhington. Allgemein glaube man, das) die sofortige Ratifizierung des Londoner Abkommens in Amerika übelgrnommen werden würde.

HranMche LparmatznahMN.

Paris. 9. Aug. (Wolss.) Heute vormittag fand im Elhsee unter de in Borst tz des Präsidenten der Republik Doumer- gue ein Ministerrat statt, in dessen Verlauf, wie der amtliche Bericht sagt, die zu ergreifenden Ersparnis mast nahmen geprüft wurden. Es wurden zwei Komitees innerhalb der Regie­rung geschaffen und zwar eines, das sich be­sonders mit der Prüfung der Sparmaßnahmen bei der Verwaltung beschäftigen soll und das Poineare, Tardieu und Louis Marin bilden wird, und ein anderes, das die Mastnahmen zur Betämpfung der L e b e n s t e u e r u ng prüfen soll und das aus Louis Darthou, Boka- ncwsti, Aueuille und Sarraut besteht. Der Han- delsminister wurde beauftragt, dringlich die Ver­treter der Handels- und Sndustrie-Organisation-en einzuberufen, sowie die Ein- und Verkaufsver- bände des Lebensmittel-Handels, um über die Herabsetzung der Preise im Verhält- nis zur Besserung des Franken zu verhandeln. Der Minister für öffentliche Ar- bcucn, Tardieu, erstattete Bericht über die Mast­nahmen, die zur Behebung des durch das An- Lauern des englischen Dergarbeiterstreiks ent­standenen Kohlen mangels getroffen wor­den sind.

Em ftamo- rmmnisches Bündnis.

Briands Da!!?crnpo!iLrtz.

Paris. 10. August. (WTB. Funkspruch.) Ein hier feit langem kursierendes Gerücht über den Ab- fast'.i. eines französisch-rumänischen Bündnisses scheu' i) nunmehr zu bestätigen.Journal" glaubt miü. .. zu können, daß die Verständigung einen Areundschaftsvertrag, einenRichlangrisfs- cciivag und ein Schiedsabkommen zur Regelung dc- zwischen beiden Ländern etwa entstehenden Streitigkeiten umfasse. Es handle sich nicht eigent­lich um ein Deoensivbündnis. Rian dürfe nicht ver- aess-u, dast die französische Regierung die 23 e - setzuug Bessarabiens ausdrücklich an­erkannt habe. Das gleiche gelte nicht für Ita­lien, das seine Beziehungen zu Moskau mit denen zu Bukarest zu vereinen suche. Frankreich habe alles Jr.teresse daran, dah das italienische Vorgehen in Osteuropa sich mit demjenigen Frankreichs decke. Echo de Paris" erklärt, in einem Zusatzvertrag be­kunde die rumänische Regierung ihre Absicht. Ihren sämtlichen Nachbarn Richtangrisssvertcäge anzu- bieien. Der Korrespondent desMakin" in Buka­rest behauptet, dah Drland im Begriffe sei, einen Dertrag der gleichen Art mit Jugoslawien ab- zuschllehen.

Dsr Kulturfampf in Mexiko.

Mexiko, 10. Aug. <WTB. Funkspruch.) Laut einer Verfügung des Ministeriums des Snnern werden alle in katholischem kirchlichen Besitz befindlichen Wertobjekte und alles Kirchen-, zubehör im ganzen Lande bis zur Beilegung des Konfliktes unter Siegel gelegt mit Aus­nahme der Andachlsstätten. Die unter dem Ver­dacht eines Anschlages auf das Leben des Präsi- den.cn Calles Festgenommenen sind wieder frei­gelassen worden. Wie die Polizei erklärt, konnten- keine Tatsachen festgestellt werden, die ein Ver­fahren gegen die Betreffenden gerechtfertigt hätten. Von erzbischöflicher Seite wurde eine neue Erklärung veröffentlicht, in der es heißt, man respektiere die mexikanischen Gesetze wie die Verfassung mit Ausnahine derjenigen, die die Richtlinien der Kirche verketzern. Sn der Erklärung wird ferner die Hoffnung ausgesprochen, dah die vorgeschlagene gesetzliche Festlegung der neuen Regelung der kirchlichen Angelegenheiten drrrch den mexikanische Kongreh sich in liberalem Geiste vollziehen und nicht ein neues Hindernis für eine Beilegung des Konfliktes darstellen werde. Die beiden protestantischen Kirchen der Hauptstadt konnten am Sonntag ohne Störung den üblichen Gottesdienst abhalten. Die katholi­schen Kirchen wurden, obwohl in ihnen ksinePriester mehr amtieren, von einer großen Anzahl Glau- bigcr aufgesucht, die dort beteten. Sm ganzen Land herrscht Ruhe. Die Bevölkerung scheint geduldig die weitere Entwicklung abzuwarten. Snzwischen schränken viele infolge des wirtschaftlichen Boy­kotts ihre Ausgaben ein. Die Regierung lieh mitteilen, dah sie die protestantischen Pfarrer auffordern wird, sich in amtliche Listen einzutra­gen und den Kommunalbehörden eine Aufstellung des gesamten kirchlichen Vermögens zu über­geben. Die Regierung beabsichtigt jedoch, allen Kirchengemeinden die Benutzung dieses Eigen­tums auch in Zukunft zu gestatten.

Gespanntes Verhältnis zu Amerika.

Loudon, 10. Aug. (W. T. B. Funtspruch.) Daily Chronicle" berichtet aus Reuhork. dah die Beziehungen zwischen den Vereinigten Staa­ten und Mexiko ihren schlimmsten Stand erreicht hätten, seit Wilson den General Pershing über die mexikanische Grenze sandte, um den Rebellen­führer Villa gefangen zu nehmen. Wenn Präsi­dent Coolidge keine Genugtuung für seine letzte sehr eindeutige Protestnote wegen der Verhaf­tung von Amerikanern und keine Entschädigung für die Beschlagnahme amerikanischen Eigentums erhalte, so sei er entschlossen, für Schritte ein» zujreten, die zwar keine militärische Aktion be­deuten, aber doch zeigen würden, dah die Ver­einigten Staaten den Dingen nicht weiter ihren Lauf lassen würden- Coolidge bezeichnet die Be­ziehungen zwischen den beiden Ländern als kri­tisch. Es verlautet, tast die Abberufung des amerikanischen Botschafters aus Mexiko kurz bevorsteht.

Londoner Brief.

Von unserem l-Korrespondenten-

London, August 1926.

Das Parlament hat seine Pforten bis zum 9. Rovember geschlossen und seine abgekämpften Mitglieder können sich, wenn sie nicht Ende August zusammengetrommelt werden, um sich bei einer Fortdauer deS Streiks erneut mit den Not- standsnwßnahmen zu befassen, drei Monate lang ungestört dem melancholischen Gedanken hrngeben, daß alle Versuche des von seiner Qliiffion durch­drungenen Parlaments, eine Regelung des jetzt lOOtägigcn Kohlen st rciks herbeizuführen, kläglich gescheitert und daß alle Wogen klassischer Beredsamkeit am harten Felsen des Wirtschafts­krieges zwischen Zechenbesihern und Grubenarbei­tern abgeprallt sind. Der Krieg geht weiter! Auch die Annahme des Kirchenmemorandums durch die Dergwerksdistrilte kann die Lage nicht ändern, da das Memorandum für die Regierung unannehmbar ist. Snzwischen bauern Cooks Reisen im Lande fort. Mit viel schönen Reden deckt er den Rückzug. Wann indes die erschöpften Kassen die Bergarbeiter auf die Knie zwingen werden, ist unbekannt. Premierminister Baldwin verbleibt jedenfalls während der Parlaments­ferien in höchster Alarmbereitschaft in der Rahe von London, statt wie alljährlich im Ruhelager von Aix les Bains neue Kräfte für fein dornen­volles Amt zu sammeln.

Anmittelbar vor dem Auseinandergehen des Unterhauses gab es nach alter Gewohnheit noch Aufgewärmtes" aufgetischt. Der Außenminister Chamberlain ergriff die ihm gebotene Gelegenheit, um für die Aufrechterhaltung der eng­lisch-amerikanischen Freundschaft zu plädieren und zu bemerken, es sei unter der Würde Großbritanniens, mit vorgehaltener Mütze um eine Ermäßigung der cingegangenen Verpflichtungen zu wimmern. Die Schwierigkeit ist nur, daß Amerika selbst von Zeit zu Zeit den Hut vorstreckt und beispielsweise jetzt im Begriff steht, Dlockadeansprüche ameri­kanischer Untertanen gegenüber Großbritannien geltend zu machen, was nicht gerade zur Beruhi­gung der in Finanzfragen sehr empfindlichen öffentlichen Meinung beiträgt. Während Cham­berlain die Verteidigung des mit den Vereinig­ten Staaten abgeschlossenen Schulbenfundierungs- abkommens ganz gut gelang, finden seine Dar­legungen über das englisch-italienische Abessinien-Abkommen bei der Oppo­sition, der das Abkommen mit Stätten zu sehr nach Vorkriegsdiplomatie schmeckt, weniger An­klang. Die Frage ist jetzt auf das Völkerbundgleise geschoben und schon richten sich fragende Augen auf Deutschland, um zu ergründen, wem es nach seinem Eintritt in den Völkerbund das Wasser des Tsana-Sees mehr gönnen wird, den abessi­nischen Mönchen oder den Baumwollpflanzern des Sudan.

Lieber die Aussichten der Aufnahme Deutschlands in den Völkerbund im September herrscht noch einige Unklarheit und die Tatsache, daß noch keine Quartiermacher der deutschen Delegation in Genf eingetroffen sind, wird mit Recht auf die geringe Reigung der deutschen Regierung zurückgeführt, das Risiko einer neuen Zurückweisung zu übernahmen. Die Lieberzeugung, daß diesmal Frankreich nach besten Kräften mitarbeitet, etwaige für die Aufnahme Deutschlands noch bestehenden Hindernisse aus dem Weg zu räumen, ist durch Drjands Erklä­rungen gegenüber einem österreichischen Sour- nalisten noch verstärtt worden. Der Frage einer deutsch-französischen Annäherung wird hier naturgemäß das größte Snteresfe zu­gewandt und in dem in Paris abgeschlossenen vorläufigen Wirtschaftsabkommen wird der erste Schritt zur Verwirklichung dieses Zieles gesehen. Dor allem wird begrüßt, daß sich Poin- core mit anscheinend so großem Erfolg aus­schließlich seinem Franc widmet und die Außen­politik Briand. der hier einen großen Stein im Brett hat, überläßt.

Ein Dementi.

London, 9. August. (Wolff.) Die Meldung von der angeblichen Ausfindung des Grabes Lord Kitcheners an der norwegischen Küste wird von der Regierung als unzutreffend bezeichnet. Es handele sich bei den zu den Gerüchten Veronlassuirg geben­den Auffindungen nicht um Gräber der Besatzung des im Jahre 1916 untergegangenen Kreuzers Hampshire", an dessen Bord sich Kitchener befand, sondern um Gräber englischer Marine- angehöriger, die an der Skagerak- schlacht teilgenommen haben. In der amtlichen Veröffentlichung über den Untergang des Kreuzers Hampshire" während des Krieges wird erklärt, daß kein Toter, der als zur Besatzung des Schiffes gehörig festgestellt wurde, an der skan­dinavischen Küste begraben wurde. Es bestünden sogar triftige Gründe dafür, es für außer­ordentlich unwahrscheinlich zu halten, daß das Meer sie dorthin getrieben hat. lieber die Ur­sache des Unterganges und die verschiedenen daran geknüpften Geriichte über die Tätigkeit von Spionen wird ausgesührt, daß die späteren Aussagen von den Ueberlebenden deutlich auf Minen, und zwar wohl eher verankerte Minen als auf Treibminen als Ursache des Untergangs hinwiesen. Die Ange­legenheit sei so gut wie unzweifelhaft geklärt durch den Umstand, das; in der Nähe der Stelle, an der der Kreuzer zuletzt gesichtet wurde, ein deut­sches Minenfeld entdeckt wurde. Außerdem habe man seit Kriegsende von deutscher Seite be­stätigende Angaben erhalten.

Kriegsgräberfürsorge in Frankreich.

Ein Vertreter des Bundesvorstandes des Voltsbundeö Deutsche Kriegsgräbersürsorge, e. V. hat in Paris mit dem Chef der französischen Kriegsgräbersürsorge über eine würdige Aus­gestaltung der deutschen Kriegerfriedhöfe in Frankreich verhandelt. Während die von deut­schen Truppen im Kriege angelegten und am Orte belassenen Friedhöfe in ihrem ursprünglichen Zu­stande erhalten sind und einstweilen keiner be­sonderen Fürsorge bedürfen, sind die neuen durch Llmbettungen und Zusammenlegungen entstan­denen Sammelfriedhöfe zur Zeit noch fast gänz­lich kahl unö schmucklos. Die französische Be­hörde hat auf Wunsch des Volksbundes darin eingewilligt, daß diese Anlagen unter Beachtung gewisser von ihr für die Pflege der Militär­friedhöfe gegebenen Vorschriften dem Empfinden unseres Volkes entsprechend ausgestaltet werden. Der Volksbund wird seine Ausbesserungsvor­schläge durch besonders geeignete Künstler an Ort und Stelle ausarbeiten lassen und sie nachdem

sie die Billigung der zuständigen deutschen Be­hörde gefunden haben der französischen Be­hörde zwecks Erteilung des Einverständnisses auf amtlichem Wege übermitteln lassen. Auf diese Weise ist eine Gewähr dafür vorhanden, daß alle durch den Volksbund ausgesührten Arbeiten und verausgabten Mittel ihren Zweck erreichen. Dem großen Umfang der auszuführenden Ar­beiten entsprechend wird der oberste Gesichts­punkt bei der Ausarbeitung der Ausgestaltungs­pläne sein:Schlicht und bescheiden, aber würdig." Nachdem die französischen Behörden bereits aus den meisten Friedhöfen Hecken angepflanzt und die Bepflanzung der Reihengrabstätten mit Efeu oder ähnlichen beständigen Pflanzen in Aussicht gestellt haben, werden die ergänzenden Arbeiten des Volksbundes, die sich insbesondere auf die Behandlung der Wege, auf das Pflanzen von Bäumen und die Snstandsetzung der großen Sammelgräber erstrecken sollen, unseren Fried­höfen in Frankreich bald ein würdigeres Aus­sehen verleihen. Das deutsche Volk wird diese beruhigende Nachricht mit tiefem Dank an den Volksbund aufnehmen. Die im soeben erschie­nenen Augustheft der ZeitschriftKriegsgräber­sürsorge" veröffentlichten Ergebnisse der Ver­handlungen werden alle Angehörigen unserer in Frankreich Gefallenen interessieren. Die gleiche Arbeit des Volksbundes in Polen hat bereits begonnen; ein Vorschlag für die künftige Aus- aestaltung eines deutschen Kriegerfriedhoses in Polen, der im Augustheft derKriegsgräber­sürsorge" abgebildet ist, läßt deutlich die Wege erkennen, die der Dolksbund einzuschlagen beab­sichtigt. Zu beziehen ist dieKriegsgräber- fürsorge" durch die Bundesgeschäftsstelle des Volksbundes Deutsche Kriegsgräbersürsorge, e. D. Berlin W. 15, Brandenburgische Straße 27 oder eine Verbände und Ortsgruppen.

Aus aller Welt.

hundert Jahre Rordseebad Helgoland.

Aus Anlaß der Sahrhundertfeier des Nord- eebades Helgoland fand am Sonntag auf Helgo­land ein Begrühungsabend statt. Der Bürger­meister hieß die zahlreichen Gäste, darunter Ver­treter der Reichs- und Staatsregierung und des Hamburger Senats willkommen. Er betonte, daß vor hundert Fahren Sakob Andresen Siemens den Grundstein zu Helgolands Wirtschaft und Entwicklung gelegt habe. Die Snsel Helgoland ei untrennbar mit dem deutschen Mutterland verbunden. Sie werde es auch für alle Zeiten bleiben. Montag vormittag fand am Museums- .>lah die feierliche Einweihung des S. A. Siemens-Denkmals statt. Gleichzeitig wurde ein Siemens-Fonds gegründet, der dazu dienen soll, alten Helgomndern ihren Leoensabend zu erleichtern.

Rresenbetriigereien.

Die Leipziger Kriminalpolizei nahm den Kaufmann Paul Voigt, Snhaber des seit fünf­zig Jahren bestehenden, hoch angesehenen Papier- und Schreibwarengeschäfts Max Äoske Nachf., und den Prokuristen dieser Firma, Rudlos f, est. Veranlaßt durch den schlechten Geschäfts­gang hatte Voigt Darlehen aufgenom- m e n und dafür die Geschäftseinrichtung und die Lagerbestände der Firma verpfändet. Das war in 50 Fällen geschehen und es wurden je­weils auch von sechs Leipziger Bankhäusern Dar­lehen in Höhe von 10 000 Wk. gegeben. So waren schließlich Einrichtung und Lager für zusammen 4 0 0 0 0 0 Mk. verpfän­det, während ihr wirklicher Wert sich au höchstens 160 000 Mk beläuft. Die Darlehens­geber sind um mindestens 240 000 Mk. geschädigt. Der Betrug kam dadurch heraus, daß zwei Dar­lehensgeber sich im Geschäft trafen, wo ihnen z u gleicher Zeit d i e Einrichtung ver­pfändet werden sollte.

Die gefährliche Rekke.

Ein pensionierter Finanzbeamter, der den Schnellzug Eger-Karlsbad benutzte, nahm in einem Abteil Platz, in dem bereits zwei Herren und eine elegant gekleidete Dame saßen, die sich in einer fremden Sprache unterhielten. Die Dame steckte im Verlause des Gespräches dem Beamten eine Nelke ins Knopfloch, worauf dieser in einen f e st e n Schlaf verfiel, auä dem er erst auf der Station Falkenau erwachte. Er entdeckte jetzt, daß seine Mitreisenden verschwun­den waren und daß ihm aus der Brust lasche ein aut 16 000 Kronen lautendes Sparkassen­buch und 2000 Kronen in bar entwendet worden waren. Die Nelke war mit einem Narkotikum getränkt.

Ein Schwindler auf der Reichsbank.

Einem jungen Mädchen, das bei der Berliner Reichsbank einen Scheck über 5000 Mark ein­zulösen hatte, näherte sich, während es auf die Abfertigung wartete, ein Mann, der sich als Reichsbantbeamter ausgab unb von ihr die am Schalter erhaltene Kennummer abforderte. Der Scheck sei ungedeckt, und die Lleberbringerin werde einen Bries ausgehändigt bekommen. Nach­dem längere Zeit verstrichen war, ohne dah das Mädchen den Brief erhalten, hatte, wendete es sich an einen Beamten, der feststellte, dah der Scheck mittels der von dem Mädchen an den an­geblichen Beamten übergebenen Nummer eingelöst worden sei. Der Betrüger entkam.

Raubüberfall in Berlin.

Sn einem Hause in Berlin-Westend wurde die allein anwesende Haustochter von einem etwa 25jährigen Manne überfallen, der ihr einen Revolver vorhielt, sie an den Händen fesselte, ihr einen Knebel in den Mund steckte und alsdann sämtliche Behältnisse nach Schmuck» und Wert­sache durchsuchte. Durch das Hinzukommen einer Hausbewohnerin wurde der Räuber, ohne Beute gemacht zu haben, verscheucht.

Ermordung eines Deutschen in Tsingtau.

S« Tsingtau wurde der.. deutsche Suwelier Karl Fischer durch bewaffnete Räuber ermordet. Ein Diener, der die Hilferufe des Uebcrfallenen hörte, lies zur Polizei. Die Räuber flohen und schossen auf die Polizei, wobei sie einen Chauffeur verwundeten. Es gelang ihnen, zu entkommen. Seit 15 Fahren ist dies die erste Ermordung eines Ausländers.

(Brafjfeuer in einem heeresproviautamt.

Aus bisher unaufgeklärter Ursache brach im Proviantgebäude des Heeresverpflegungsamts in Feuerbach bei Stuttgart am Montag­nachmittag ein Brand aus. Gegen 4 Llhr war fast der gesamte Snhalt von eta>a 6000 Zentnern Futtervorräten ein Raub der Flammen geworden oder durch Wasser und Schutt unbrauchbar ge­macht. Das Gebäude ist samt Einrichtung bis auf die Umfassungsmauern niedergebrannt.

Alugzeuglandung in einer Hamburger Strohe.

Hamburg, 10. Aug. (WTD.-Funkspruch) Ein mit zwei Passagieren besetztes Flugzeug, das einen Rundflug ausführte, muhte, da der Motor plötzlich aussetzte, mitten in Hamburg landen. Der Flugzeugführer ' brachte nach kurzem Gleitsluge daS Flugzeug unbeschädigt zu Boden.

Absturz eines Zopfakrobaten.

Sm Zirkus Darum in Hannover ereignete ich ein schweres Unglück. Zwei Mitglieder der Chinesentruppe Lio Hoi Tsehn schwebten an ihren Zöpfen hängend frei über der Manege, als sich plötzlich die Desesttgung des Seiles unter der Zirkuskuppel löste, wobei ein Zopf- atrobat in die Tiefe stürzte und so unglücklich auf seinen'Vater fiel, daß sich dieser das Rück­grat brach und sofort ins Krankenhaus über- ührt werden mußte. Man zweifelt an seinem Aufkommen. Der Sohn blieb wie durch ein Wun­der unverletzt.

Absturz von der Zugspitze.

Don der Srmerscharte ist der Kaufmann Otto Nauenstein aus München abgestürzt unb von einer nachfolgenden Lawine verschüttet worden. Die Suche nach dem Toten wird dürch Neuschnee erschwert.

Schwerer Autounfall.

Am Sonntagnachmittag gegen 4 Uhr fuhr ein von Weener kommendes Auto mit voller Kraft gegen die zur Emssühre führende Schranke, wobei der Sperrhaken der Schranke sich löste und der Wagen kopfüber in die Ems stürzte. Während einer der Snsassen des Autos aus der Ems gerettet werden konnte, konnten der Wagen­führer sowie sein Enkelkind und der fünf Sahre alte Sohn des Geretteten nur als Leichen geborgen werden.

Ein englisches 11-Boot gesunken.

Ein englisches Unterseeboot ist bei Repara­turarbeiten im Hafen von Devonport gesunken. Das Boot war gerade von einer Probefahrt zurückgekommen und hatte am Bollwerk fest- gemacht, als es sich plötzlich zu neigen begann und unterging. Sechs der an Bord befindlichen Leute warfen sich sofort ins Wasser, wo sie auf- gefischt wurden. Man befürchtet, daß die übrigen an Bord befindlichen Personen ertrunken sind, da wahrscheinlich im Augenblick des Unter­gangs die Luken des Bootes offenstanden. Hun­derte von Dockarbeiter strömten an der Unglücks­stelle zusammen.

Das Bein abgeguelschk.

Ein schwerer Unfall ereignete sich in Äel­fte r b a cf) beim Anlegen eines beladenen Kahnes aus Köln. Der 54jährige Schiffsführer Martin Krüger aus Köln geriet mit dem rechten Fuß zwischen ein Drahtseil und den Schiffsblock in dem Augenblick, als sich das Seil anfbannte. Dabei wurde dem Bedauerns­werten der Fuß vollständig abgeguetscht.

Seeffürme in Italien.

In der Nacht zum Montag brach ein heftiger Sturm im Hafen von Neapel aus. Verschiedene Straßen wurden überschwemmt. Mehrere Finanz- beamte kamen dabei ums Leben. Livorno hatte unter Sturm und wolkenbruchartigem Regen zu leiden. Von den Dächern fielen die Ziegel, unb im Hafen rissen sich viele Barken los. Auch in Flo­renz und Pistoja gingen schwere Unwetter nieder.

Aur der provinzralhauptstadt.

Gießen, den 10. August 1926.

Gießener Wochenmarktpreise.

Es kostete auf dem heutigen Wochenmarkt das Pfund: Butter 180 bis 190 Pfennig, Matte 30, Käse (10 Stück) 60 bis 80, Wirsing 12, Weißkraut 10 bis 15, Rotkraut 25, gelbe Rühen 10 bis 15, rote Rüben 15, Spinat 30, Römisch- kohl 5 bis 10, Bohnen (grüne) 20 bis 30, Bohnen (gelbe) 30, Erbsen 15 bis 25, Mischgemüse 10, Tomaten 20 bis 40, Zwiebeln 20, Rhabarber 20, Pilze 25, Kartoffeln 5, Falläpsel 7 bis 8, Früh­äpfel 20 bis 25, Dirnen 25 bis 35, Heidelbeeren 40, Preißelbeeren 60, Sohannisbeeren 30, Pflau­men 30, Mirabellen 45 bis 50, Reineclauden 40, Honig 50, junge Hahnen 80 bis 100, Suppen­hühner 100 bis 120; das Stück: Eier 12 bis 13, Blumenkohl 80 bis 120, Salat 5 bis 10, Salat­gurken 20 bis 50, Einmachgurken 1 bis 5, Ober­kohlrabi 5 bis 15, Rettich 10 bis 20; das Bund: Radieschen 10 Pfennig.

Bornotizen.

Tageskalender für Dienstag. Bauerscher Gesangverein: Vereinslokal, Zusam­menkunft. Sungdeutscher Orden: Konvent.

Wettervoraussage.

Nach Aufkommen einer stärkeren Bewölkung langsames Einsetzen von Negenfällen mit nachfol­gender Abkühlung.

Die erwartete Störung der Schönwetterlage ver­zögerte sich etwas, da das die Wetterlage beherr­schende Hochdruckgebiet über Deutschland bisher nicht abgeschwächt wurde. Stärkerer Druckfall über Frankreich deutet jedoch darauf hin, daß ein über den britischen Inseln liegender Wirbel jetzt schneller östlich vorrückt.

Gestrige Tagestemperaturen: Maximum: 22,6 Grad Celsius; Minimum: 9,8 Grad Celsius. Heutige Morgentemperatur: 15,1 Grad Celsius.

* * Verfass ungsfeisr. Von zuständiger Stelle wird bekanntgegeben, daß sämtliche Karten für die morgige Verfcrssungsfeier ausgegeben sind. Aus Anlaß dos Derfassungstages wer­den mittags von 12 bis 12'/i älhr die Glocken der hiesigen Kirchen geläutet.

* * Gesellen Prüfungen. Die Anmel­dungen zu den im Herbst stattfindenden Gesellen­prüfungen werden am Mittwoch, 11. August, und Samstag, 14. Aug., im Gewerbehaus, Zimmer 13, von 3 bis 6 Uhr angenommen. Vorzulegen ist der Lehrvertrag; die Prüfungsgebühren betragen 7 Mark. (vgl. die heutige Anzeige.)

* Ausgehobene Straßensperun- gen. Das Polizeiamt teilt mit: Die Rohrver­legungsarbeiten im Wetzlarer Weg zwischen Klinik- und Glaubrecht st raße sind in­zwischen beendet. Die unterrn 4. Mai erlassene Sperrung des Wetzlarer Weges wird hiermit wieder aufgehoben. Ebenso wird die unterrn 17. Suni angeordnete Sperrung des Driller- -aäßchcns hiermit wieder aufgehoben, da die Aufbruchsarbeiten beendet sind.

O Strahenbefestigung. Sm Wetzlarer Weg, wo ein tiefes Mauerwerk das Eisenbahn- gelände von der Straße trennt, ist vor einigen Tagen ein Teil des Strahengeländes