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1803

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findet die Verpflichtung und

rung des neuen Bürger- m e i st e r s in sein Amt durch den Kreisdirrktor aus Schotten statt, lieber ein Jahr dauerten die

Oberhessen.

Das Unwetter im Kreise (Ziehen.

bs. Ober-Widdersheim, 8. Juli. Seit Menschengedenken ist eine solche Wasserflut wie heute hier nicht dagewesen. In der ganzen vergan­genen stacht wetterte es, und da mehrere Gewitter am Harbhang nicht weiterziehen konnten, ging ein mehrstündiger, wolkenbruchartiger Regen nieder, der solche Wassermassen über die Gemarkungen Borsdorf und Ober«Widdersheim schüttete, daß sich die Flut durch den niedrig gele­genen Teil des Ortes einen Weg bahnte. Da teilweise die Wegeunterführungen das Wasser nicht abnehmen konnten, ergoß sich am Ortsausgang nach Borsdorf zu der Wasserstrom über den Bahndamm, so daß das Geleise stellenweise f a st einen halben Meter überflutet wurde und der erste Zug nach Nidda gestellt werden mußte. Die Ver­bindung mit der Bahnstation .Häuserhof war unter­brochen, und nur auf weiten Umwegen konnten die Arbeitsleute zur Station gelangen. Viel stärkere Regenmassen fielen auf dem jenseitigen Abhang nach den Dörfern Rodheim, Steinheim, Raberts­hausen und Ulfa. So schnell wie sie gekommen mar, verschwand die Wasserflut auch wieder. Am Nach­mittag hatten die Wasseradern ihren normalen Stand fast wieder, nur das Horlofftal von Trais-Horloff bis nach Echzell hin bildete einen See.

oo Rodheim a. d. Horloff, 8. Juli. Unser Dorf hat in dieser Woche ein nie Dagewefenes er­lebt: Hochwasser von einer Höhe, die die ältesten Leute nicht gesehen haben. Auch Archiv oder Chronik wissen von ähnlicher Niederschlagsmenge nichts zu melden. Da wir an keinem Bachlauf wohnen, nur ein harmloser Flutgraben das Dorf berührt, kam das Hochwasser von wolkenbruchartigem Regen. Schon am Montag gingen im oberen Teil unseres schmalen Tales solche Wassermassen nieder, daß die Hauptstraße überflutet wurde. Aber gefähr- licher wurde es durch die gewaltigen Niederschläge der Donnerstagfrühe. Gegen *5 Uhr strömten die Wasser von den waldigen Hängen zu Tal und ins

Diehmarkt oder Viehhof in Gießen?

Das Bestreben der Städte, durch werbende Einrichtungen der verschiedensten Art dem hei­mischen Wirtschaftsleben eine Kräftigung von außen her zuzuführen, ist bereits in den Dor­kriegsjahren recht stark gewesen. In der neueren Zeit sind diese Bemühungen auf den mannig' fachsten Gebieten unseres Wirtschaftslebens noch mehr in Erscheinung getreten. Große Städte schufen Messen, bauten gewaltige Sportanlagen, begünstigten die Errichtung von Flughäfen, zogen weithin wirkende Ausstellungen, -künstlerische Er­eignisse, Tagungen großer Verbände und dergl. mehr an sich. Mittlere und kleinere Städte suchten in mancherlei Hinsicht und oft auch mit dem er­hofften Erfolg den Spuren der großen Kommunen zu folgen, vornehmlich aber waren sic bestrebt, t-urch die Auswertung ihrer wirtschaftlichen, gei­stigen und Verkehrs-Möglichkeiten unter An­passung an die Eigenart und die Bedürfnisse des Heimatbezirks sich zu dessen Mittelpunkt zu machen. Ein beliebtes und oft auch erfolgreiches Mittel zur Erreichung dieses Zieles war und ist bis heute noch die Schaffung von Märkten, insbesondere von Viehmärkten, denen mit Recht :inc besondere wirtschaftliche Bedeutung beige­messen wird.

Die Gießener Diehmärkte gehören zu den Einrichtungen, denen unsere Stadt im Hinblick aus den überwiegend landwirtschaftlichen Charakter der Provinz Oberhessen und der be­nachbarten preußischen Kreise stets aufmerksame Förderung angedeihen ließ. Diese Einrichtung immer weiter auszubauen, wird und muß ein Zielpunkt unseres Strebens sein: denn auf diesen Märkten verkauft ja nicht nur der Landmann oder der Händler sein Vieh und zieht nach erledigtem Geschäft mit dem Gewinn von dannen, sondern die Verkäufer benutzen die Ein­nahme zum Teil sogleich, um Einkäufe oder Bestellungen bei der hiesigen Geschäftswelt zu machen, die von großer wirtschaftlicher Bedeu­tung sind. Daß diesen Märkten eine aufwärts­strebende Tendenz innewohnt, die uns veranlassen muß. zur weiteren Ausgestaltung dieses Teiles unserer Kommunalarbeit nach besten Kräften bei­zutragen, zeigen die folgenden Auftriebsziffern der letzten drei Fahre. Es kamen auf den hiesigen Märkten zum Verkauf.

hört, und ferner wies man darauf hin auch im Hinblick auf städtebauliche Zittvntts-- crfordern'.sse der Viehmarit an dieser Stelle keinen Platz haben könne. Beiden Gründen stimmen wii durchaus zu. Man rann den in der Rühe der Eiscnbahnwcrkstättc wob- ncnden Mitbürgern eine solche 'Nachbarschaft nicht zumuten, und ebenso wenig darf man die Eisen- bahnwertstätte für Einrichtungen verwenden, die derart beschaffen siird, daß dadurch die ersehnte Hinausverlegung der gesamten Eisenbahnanlagen der oberhessischen Strecken aus dem Stadtbereich erschwert wird. Die Stadtverwaltung muß sich das Eisenbahnwerkftättenobjckt zwar sichern, aber sie darf es nur in einer Weise benutzen, die ver­einbar ist mit den berechtigten Ansprüchen der Rachbarn und der Erfüllung kommunaler Zu­kunftsaufgaben in dieser Gegend. Aus diesen Er­wägungen heraus, die wir mit Anerkennung be­grüßen, ist der Gedanke, die Eisenbahnwerkstatte für Viehmarktzwecke herzurichten, ebenfalls auf- g'egeben werden.

Aunmehr wird eine Lösung angestrebt. Die uns vorteilhaft erscheint. Wenn auch nicht zu übersehen ist. daß einige Bedenken eine gewisse Berechtigung haben, so darf man doch nicht außer Acht lassen, daß die Möglichkeit einer durch­greifenden. befriedigenden Dauerregelung wich­tiger ist als ein Teilgebiet von Bedenken. Man hat in dem Bestreben, etwas zeitgemäß Voll­kommenes und für unsere Stadt recht Zukunfts­reiches zu schaffen, die Frage jetzt so formuliert: Viehmarkt oder Viehhof?", und man ist dabei zu dem Ergebnis gekommen, daß die Schaffung eines neuzeitlichen Viehhofes die kom­munalwirtschaftlich zukunftsreichste und auch für die Händlerschaft beste Art der Lösung des Pro­blems sein wird. Als Platz für diesen Viehhof wird an die Rachbarschaft der M a r g a - rethen Hütte gedacht. Dort besitzt die Stadt genügendes Gelände zur Schaffung einer der­artigen Anlage, die erforderlichen Gleisanschlüsse könnten mit Leichtigkeit hcrgesteslt werden, und der Anmarschweg für das Vieh wäre nur etwa 500 Meter länger als jetzt. Wohnviertel wurden nicht beeinträchtigt werden, veterinärpolizeiliche Bedenken dürften u. E. wohl auch nicht geltend zu machen sein. Ratierlich würde die Errichtung einer solchen Anlage eine gewisse finanzielle An­strengung der Stadt bedeuten. Man darf dabei aber nicht übersehen, daß unser Gemeinwesen dann um eine gute werbende Anlage bereichert werden würde. Die außerordentlich günstige ver­kehrsgeographische Lage unserer Stadt kann bei richtiger Auswertung der Möglichkeiten den Vor­teil bringen, daß hier ein Mittelpunkt für den gesamten Viehhandel Oberhessens, des Lahn- und Dilltales, des Westerwaldes und bis weit nördlich von Marburg erstünde. Die gegenwär­tigen Einkaufsreisen beispielsweise von Dillen­burg, Weilburg. Treysa, Marburg nach Frankfurt und der Transport des Viehes von dorther könnten bei dem Bestehen eines gut geleiteten Diehhofes in Gießen und bei dem Einkauf an dieser Stelle um die Hälfte abgekürzt werden, was ansehnliche Geldersparnis und beträchtlichen Zeitgewinn bedeuten würde. Das sind Dinge, die für jeden Käufer von Wichtigkeit sind. Auf der andern Seite würden für unsere Stadt regel­mäßige Besucher gewonnen, deren Kaufkraft zwei­fellos nicht nur in der Viehhofkasse zu bemerken toärcti, sorchern auch manchem hiesigen Geschäfts­inhaber und Gastwirt zugute käme, ilnD auch der Stadtsäckel könnte sich durch diese Einrichtung in Gestalt höherer Gebuhrenerträge eine Mehr­einnahme von Dauer erschließen. Aus all diesen Erwägungen möchten auch wir die FrageVieh­märkte oder Viehhof?" mit einer Beja­hung für den letzteren beantworten, und wünschen, daß die Verwirklichung dieses Ge­dankens alsbald mit Tatkraft in die Wege ge­leitet wird, damit wir nicht erst dann mit dem Projektieren anfangen, wenn etwa eine Rachbar- stadt uns den Rang abgelaufen hat.

Verhandlungen, und cs mußten drei Verwal- tungsgerichte entscheiden, bis endlich auch unferc Gemeinde ihren rechtmäßigen Bürgermeister hat. Landwirt Wilhelm Kunkel siegte bei der letzten Wahl mit einer Stimme Mehrheit. Hoffentlich kehrt jetzt auch die Ruhe in unserer Gemeinde wieder ein.

Rheinhessen.

WSR. Mainz. 9. Juli. Eine Frau war wegen ehelicher Zwistigkeiten einigeT'age von ihrem Manne nach Frankfurt gegangen. Als sie zurückkehrte, um ihre Sachen zu holen, muhte sie mit Gewalt die Türe offnen lassen, wo fig beim Betreten zu ihrem Entsetzen feststellte, daß der Mann sich am Fensterrahmen er­hängt hatte. Die Polizei lieh nach Feststellung des Sachverhaltes die Leiche nach Dem Friedhof bringen.

Zm vorigen Jahre brachte ein Markttag sogar einen Austrieb von über 1000 Stück Vieh. Wenn diese Ziffer auch noch weit entfernt ist von Der Austriebsziffer von 1800 bis 2000 Stück an einem Markttage in der Vorkriegszeit, so geht aber doch aus den vorstehenden zahlenmäßigen An­gaben über die letzten Jahre hervor, daß unsere Viehmärkte in Der Gesamtrichtung aufwärts- streben. Diese Entwicklung wird sich in der Zu­kunft noch viel deutlicher ausprägen, wenn unsere Stadt Den Wünschen des Viehhandels. Der ja das Hauptkontingent Der Marktbesucher stellt, nach besten Kräften entspricht.

Es ist den eingeweihten Kreisen schon lange klar, daß die jetzigen Verhältnisse auf unserem Viehmarktplah nicht mehr den berechtigten An- sprücheu vollkommen Genüge leisten können, und es ist auch bekannt, daß man in Händlerkreisen darüber klagt. Mancherlei Projekte zur Schaf­fung befriedigender Einrichtungen sind in den letzten Zähren erwogen worden. U. a. tauchte der Gedanke auf. den Diehmarkt auf das rechte Lahnufer hinter den Schlachthof in Die Rühe des Elektrizitätswerkes zu verlegen. Dieser Vorschlag konnte nicht zur Verwirklichung kommen. Das fragliche Gelände liegt im Hochwassergebiet der Lahn, ferner kann aus veterinärpolizeilichen Gründen im Hinblick auf die Seuchcngefahren (Maul- und Klauenseuche) nicht gestattet wer­den, daß Rutzvteh und Schlachthofvieh denselben Weg über die Lahnbrücke im Zuge der Rod- Heimer Straße gehen müssen: man hätte also eine neue Lahnbrücke, mindestens aber einen aus­reichend tragfähigen Steg über die Lahn unter­halb des Elektrizitätswerkes bauen müssen, Den man Dann auch noch in das Hochwassergebiet ge­legt hätte. Endlich Darf nicht unbeachtet bleiben, daß dieses Terrain bei Der künftigen Kanali­sierung der Lahn und bei Der geplanten Anlage eines städtischen Wasserkraftwerks zur Elettrizi- tätsgewinnung eine sehr bedeutsame Rolle spie­len wird. Das sind Gründe, Die mit ihrer (tar­iert Stichhaltigkeit Das Lahnuserprojekt von vorn­herein zum Scheitern verurteilten. Vor einigen Wochen trat Dann ein anDerer Gedanke in Den Vordergrund. Man zog Die stillgelegte Eisen- bahnwerkstätte m Den Kreis Der Betrachtungen Manche besonDers Hellhörige in der Bürgerschaft verbreiten jetzt Die Kunde. Die Eisenbahnwerk­statte sei für Die Zwecke des Viehmarktes fest bestimmt worden. Diese Erzählungen entspre­chen nicht Den Tatsachen. Richtig ist. daß eine Inaugenscheinnahme des Objekts im Hinblick auf die erforderliche Lösung der Viehmarktfrage durch die maßgebenden städtischen Stellen stattgefunden hat._ Dabei hat sich aber herausgestellt, daß das Gelände für die Diehmarkterfordernisse zu klein .st und außerdem so weitreichende bauliche Ver­änderungen (Beseitigung Der gesamten Schienen­anlagen, Entfernung von schweren Unterbauten u. Dgl.) erforderlich wären, daß Der Kostenauf­wand nicht im rechten Verhältnis zu Dem Raum- unD Terraingewinn stänDe. Außerdem wurde geltend gemacht, daß eine derartige Einrichtung mcht in eine Gegend verlegt werden Dürfe die heute schon zu Den Wohnbezirken

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Kleinvieh «Kälber) 932

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nehmen Folgen davon zu spüren. Die Eisenbahn­verwaltung hat jetzt auf der Nebenbahn Hun. g e n R ii p p e r t s b u r g . Die seither zu den ren- tabelsten Strecken gehörte. Die Züge ab Hungen 3.28 Uhr und ab Ruppertsburg 4.56 Uhr nachmittaas bis auf weiteres Ausfallen lassen. Ein Gesuch um Beibehaltung der vier auf dieser Strecke ver, kehrenden Züge hatte leider keinen Erfola. Unser auf steilem Berge links der Horloff liegendes Dorf vergrößert sich auch in diesem Jahre wieder. Da auf dem Berge selbst kein Raum mehr für neue Hofreiten ist, so entsteht auf dein rechten Ufer unseres Flusses allmählich ein ganz neuer Dorf teil, im ValksmiindeSachsenhausen" genannt. Zu Den bereits im Vorjahre gebauten cif Häusern kam- men jetzt wieder drei neue.

)( Gonterskirchen, 9. Juli. Die früherer Lehrer und Fortbildungsschullehrer im Hauptamte, Herr Maxtor, der seit Ostern als (Sc­hilfe des erkrankten Rektors Döll in Laubach tätig mar, wurde ab 1. Juli an die Volksschule zu Duden­hofen im Kreis Offenbach versetzt, da Herr Döll seine Schularbeit wieder übernommen hat. Man sieht den beliebten Lehrer nur sehr ungern von hier ziehen. Der Männergesangverein Gonterskirchen und dieHarmonie" ßaubad) verlieren in ihm ihren begabten Dirigenten, der SängerbundHorloff-Met- lcrtal" seinen ersten Vorsitzenden.

X1X Burkhard s. 9. Zuli. Am nächsten

überflutet. Zn der Mitt- des Dorfes stand das Wasser etwa einen Meter ho ch. Mit gro­ßer Mühe wurde dos Vieh aus den iiberfdjmrmmten Ställen gerettet. Trotzdem ist größerer Scha­den nicht zu beklagen. Freilich hat es viel Lager frucht gegeben, so daß die Ernte mühsam sein' wird. Aber im allgemeinen ist unsere Hoch- wasserkatastrophe gnädig abgegangen. Um die Mit­tagszeit hatte das nasse Element sich verlaufen.

Das Gauturnfest in Mddo.

* Nidda, 9. Juli. Das 53. ©auturnfeft d e s Gaues Hessen der D. T. in Nidda vom 10. bis 12. Juli wird in vollem Umfang ab­gehalten, aud) bei schlechtem Wetter, (fs ist dafür Sorge getragen, daß bei ungünstiger Witte­rung sämtliche Wettkämpfe an geeigneten Plätzen durchgesührt werden können.

Landkreis Gießen,

!' Dau bringen, 8. Juli. Am Dienstag wurde hier unter der Führung von Landwirtschaft-.- rat Bocher- Grünberg ein G e m a r k u n g s - rundgang unternommen, woran sich abends ein Vortrag des Leiters über das Gesehene anschloß.

Aus Dem mittleren Horlofital, 9. Juli. Zufolge Der feuchtwarmen Witterung weisen Die kaum abgeernteten Wiesengr u-n D e unseres Tales bereits wieder einen ganz unge­wöhnlich starken Wachstumsansatz auf, so daß man mit einer vorzüglichen G r u in m e t e r n t c wird rechnen Dürfen. Atter- Dings stehen zur Zeit weite Flächen infolge Der wolkenbruchartigen Regensätte Der letzten Tage unter Wasser. Sv günstig die Witterung Den Wiesen war, so schädlich hat sie sich Den Ge - treideäckern erwiesen, indem zum großen Teil die Frucht sich gelagert hat. Auch befürchten Die Landwirte, daß sich nach Diesen heftigen Platzregen bei Hein Eintritt heißerer Witterung wieder eine starke Verkrustung des Bodens be­merkbar machen wird.

Kreis Schotten.

Schotten, 9. Juli. Im Anschluß an den gestrigen Bericht über Das wieder aufgehobene Verbot des Viehbütens an den Sonn­tagvormittagen sei noch bemerkt: Man darf nicht annehmen, daß das Viehhüten am Sonntag eine Unsitte sei, die die neue Zeit heraufbe­schworen. Schon seit Jahrhunderten kämpft die Kirche vergeblich gegen den Weidegang am Sonntag. Anläßlich der Generalkirchenvisi­tation in Hessen 1628, zu einer Zeit, wo infolge Der Unfreiheit der Bauern das Kirchenregiment strenger war und sein konnte, wurden vielerorts im Vogelsberg Klagen der Pfarrer laut, ihre Pfarrkin- Der hüteten am Sonntag das Vieh und blieben der Kirche fern. Vermahnungen und Warnworte fruch­teten wenig. Der Weidgang blieb. Das Festhalten an Dem Viehhüten am Sonntag darf auch nicht auf Starrköpfigkeit oder Mangel an kirchlichem Sinn zurückgeführt werden. Die großen Hutweiden im Vogelsberg veranlassen die Landwirte, sich einen größeren Viehbestand zu halten, als es ihr Eigen­besitz an Wiesen erlauben würde. Um Die Winter­vorräte an Futter nicht unnötigerweise zu schmä­lern und das Durchhalten ihres Viehes nicht in Frage zu stellen, glauben sie, auf den sonntäglichen Weidegang nicht verzichten zu können.

L a u b a ch, 8. Juli. Die hiesigeUntere Lang- gasse" zeigt eine Anzahl von architektonisch bemerkenswerten Häusern. In der Mehr­zahl gehören sie noch dem 17. und 18. Jahrhundert an. Daß das Haus des Beigeordneten Kaufmann Diehl auch zu den älteren gehört, zeigt die in einem Balken des zweiten Stockwerks eingegrabene Inschrift, die durch die Tünche verdeckt war und jetzt bei der Erneuerung des Anstrichs wieder zutage trat. Es zeigt die Jahreszahl 1 6 8 6. Demselben Jahrhundert gehört das Haus des Metzgermeisters R e i d t (1622) sowie das S ch m i d t - V ö ch e r s ch e Haus an. Vielleicht noch älter sind die Häuser des Bäckermeisters P i tz und des Metzgermeisters "Diehl. Letzteres hatte früher einen zierlich geschnitzten, sehr schönen Erker, der leider um das Jahr 1860, trotzdem er noch wohl­erhalten war, vom vorigen Besitzer abgerissen wurde. Die ältesten mit einer Inschrift versehenen Häuser der Stadt Laubach stammen beide aus Dem 16. Jahrhundert. Sie zeigen beide die Jahres- zahl 1593. Das eine architektonisch hervorragende Haus, das sog.Draudtsche Haus" in derOberen Langgasse" ist mit einem schönen Erker versehen und steht unter Denkmalschutz. Das andere Haus, das ebenfalls aus dem Jahre 1593 stammt, ist auch typisch in seiner Bauart und architektonisch be­achtenswert, obwohl bescheidener in seiner Anlage. Es verdient auch, unter Denkmalschutz zu kommen. Heber seinen Erbauer sind wir nach Urkunden des Reichsgräfl. Solms-Laubachschen Archivs genauer unterrichtet. Das Haus, Nr. 2 in DerPlanke", neben Buchbinder Göbel, wurde er­baut von dem Rektor der (1555 vom Reichsgrafen Friedrich Magnus zu Solms begründeten Laubacher Lateinschule, Magister Philippus P i st o r i u s (Philipp Becker). Nach den Schulprotokollen erscheint er beim Frühjahsexamen 1577 als Schüler der 4. Klasse. Im Frühjahr 1586 erscheint er unter den Schulern Der 1. Klasse und hält Diegratiarum actio (Akttisrede). Im Frühjahr 1591mürbe er als zweiter Lehrer der Lateinschule angestellt. Laut Bestallungsbries vom 9. April 1592 wurde er Rektor der Schule und blieb in dieser Stellung bm 24. Juni 1599, wo er Pfarrherr in Trai« - Horloff wurde. 1602 wurde er zweiter Diakon in Vattbad). 1609 ging er als Feldprediger bc« Grasen Albrecht Otto, bei Ausbruch des Iu 11 ch - C 1 e v i s chc n Erbsolgekricg^ aus den Kriegsschauplatz. Nachdem Graf Albrecht'Otto bei Bredenbend am 2. März 1610 gefallen war kehrte er nach Laubach zurück. 1613 wurde er Super intenöent und starb als solcher am 26. Januar 1616 Inf Den Tod des Grafen Albrecht Otto, eines -Schwagers des reg. Landgrafen Ludwig V de« ^-"uen non Hessen-Darmstadt, bezieht sich das treffliche Oelgemalde im Schiff der Kirche zu Laubach

^Muppertsburg, 9. Juli. Noch immer ruht Der Betrieb der chemischen Fabrik Friedrichs Hütte, so daß viele Arbeiter der

Preußen.

KreiH Wetzlar.

p Aus dem K1 eebachtal. 9. Juli. Die fast täglichen starken R e g c n f ä 11 c haben in den Feldern großen Schaden angerichtet. Viele Getreidefelder liegen wie gewalzt darnieder. Bei der außerordentlich gut stehenden Sommerfrucht werden sich die Lagerschäden besonders emp­findlich bemerkbar machen, da eine Bestäubung und Körnerbildung der am Boden liegenden Aehren nicht mehr erfolgen kann. In niedrig gelegenen Kar­toffeläckern steht das Wasser in den Fur­chen: das mit Feuchtigkeit übersättigte Erdreich vermag das viele Wasser nicht mehr auszune'hmen. Stellenweise macht sich bei den Kartofselstöcken schon ein Zurückbleiben im W a ck) s t u m bemerk­bar. In den D i ck w u r z - und M a i s ä ck e r n hat eine starke Verunkrautung eingesetzt, nament­lich in letzteren hat das Unkraut vielfach bic noch kleinen Pflänzchen völlig überwuchert. Die Bearbei- hing dieser Aecker kann wegen des aufgeweichten Erdbodens nicht erfolgen. Mit Sorgen denken unsere Landwirte schon an die kommende Ernte.

Kreis Marburg.

sch. Marburg, 9. Juli. Die Lage des Ar­beitsmarktes im Kreise Marburg hat sich in ber letzten Woche wieder verschlechtert. Die Zahl der Arbeitsuchenden betrug 1990 (Vorwoche 1912) . Erwerbslosenunterstützung bezogen 886 Per- fönen (Vorwoche 873).

sch- Marburg, 9. Jätti. Die Lahn hat gestern wieder ein Opfer gefordert. Der 25- jährige Sohn des Bäckermeisters H. Karger in Weiden Hausen fuhr mit einem Kame­raden in einem Falt boot auf Dem durch einen wolkenbruchartigen Regen stark a n g c fchwoNenen Fluß. Das Boot f enterte durch Die starke Strömung und der des S ch w i m- mens unkundige Karger versank in den Fluten, nachdem Rettungsversuche ohne Er­folg geblieben waren. Der zweite Insasse konnte sich in Sicherheit bringen. Die Leiche des jungen Mannes konnte bis jetzt noch nicht geborgen werden.

Kreis Biedenkopf.

sch. B i e d e n k o p f, 9. Juli. Abgebrannt sind hier das Wohnhaus und die Scheune des Landwirts Müller mit allem Mobiliar und Vorräten. Menschenleben sind nicht zu beklagen.

XX Gladenbach, 9. Juli. Unser schmuckes Hinterlandstädtchen ist im Sommer das Ziel vieler Sommerfrischler und Touristen. Die Umgebung der Stadt ist gebirgig, entbehrt aber nicht schöner bewal­deter Höhen. Der Ort samt Gericht war ehedem im Besitz der Grafen von Gleiberg und ging später erb­lick; an die Herren von Merenberg über. Vom Jahre 1313 ab kam Gladenbach in den Besitz der hessischen Landgrafen. Unter Philipp Dem Groß­mütigen wird der bedeutende Bergbau auf Silber­erze erwähnt, seine höchste Entwicklung erlangte dieser Betrieb aber unter Landgraf Ludwig von Marburg, ber auch eine Münze erbauen ließ. Im Jahre 1558 wurden die ersten Gladenbacher Taler aus dem hier gewonnenen Silber geschlagen. Die Münze trug die Inschrift:Ich getraue Gott in aller Not." Gladenbach hat mehrere bedeutende Männer hervoraebracht, so den berühmten Forstmann Gg. Ldw. Hartwig, geboren am 2. September 1764. Rach einer glänzenden Laufbahn wurde er 1811 Oberlandforstmeister in Berlin. Damals bewahrte er Den Staat in den Zeiten größter Finanznot vor der Veräußerung eines großen Teiles der preußischen Staatsforsten. Er starb am 2. Februar 1837 in Ber­lin. Ein anderer Sobn Gladenbachs war Dr. Aug.

wissenschaftliche Diels Butterbirne benannt.

gen, amerikanische Schuldenarrangements mit euro­päischen Staaten, amerikanische Anleihen berein- kommen, und, nicht zu vergessen, was Damit zusam- menhängt und davon berührt wird: Die Revi­sion des Dawes-Planes, für die die Zeit allmählich nun auch heranrückt!