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tst allerdings noch sehr im Rückstand. Loeschcke hat auch in den Töpferwerkstätten Triers ge­graben und überraschend schöne und sichere Resul­tate gewonnen. In seinem Dortrag wird er nicht ausschließlich über Trierer Erzeugnisse s -rechen sondern zugleich auch an Hand in Trier be ind- licher Gefäße im allgemeinen auf die Zusammen­hänge zwischen Bronze-, Glas- und Tongesäßen eingehen. Insbesondere wird er die eigenartigste Gruppe der Trierer Tonindustrie behandeln. Da Loeschcke selber seit Jahren an der wissenschaft­lichen Ergründung der römischen Glas- und Ton- Industrie aktiv mitarbeitet, werden seine Aus­führungen dem Fachmann, wie dem Laien man­cherlei Reues bieten.

Im zweiten Dortrage der Tagung wird der kunsthistorische Fachvertreter unserer Universi­tät. Prof. Dr. Christian Rauch, einen Einblick geben in die reichen Aufgaben, die das hessische und mittelrheinische Gebiet der Kunstgeschichte stellt, und wird von den Arbeiten berichten, die daS kunstwissenschaftliche Institut diesem sei­nem eigensten Arbeitsgebiete, in dessen Mittel­punkte es steht, gewidmet hat und widmet. Das Land Hessen und bei Rhein ist das Herzstück des ältesten und reichsten westdeutschen Kultur- und Kunstgebietes. Hier stoßen die Dölker und Stämme zusammen und sehen sich auch in der Kunst auseinander, hier dringen zu Zeiten fremde Einflüsse zuerst herein, um auch zuerst wieder in eigenes bodenständiges Gut verwandelt zu werden. Ein Bild von gewaltiger Fülle wogen­den künstlerischen Geschehens und seiner Meiste­rung durch den künstlerischen Genius tut sich vor dem Suchenden und dem Genießenden in diesen gesegneten Landen auf. Der Blick reicht von der gewaltigen Schöpfung der Kaiserpfalz Karls des Drohen zu Ingelheim bis zu dem lebendigen Schaffen der Moderne. Untergrund und Erweite­rung deS im Rahmen des Dortrages nur anzu- deutenden unendlichen Themas soll die A u's - stellu ng des Kunstwissenschaftlichen I n st i t u t e s in der Universität geben. Mese Ausstellung freilich kann auch nur weiter eine Anregung und Anreizung bieten. Das Kunst- wissenschaftliche Institut in lächerlich kleinen und unwürdigen Räumen eingepfercht, kann seine Schätze und seine Arbeit nicht, wie es will und sollte, ständig der Bildung und dem Genüsse weiterer Kreise darbieten. Solange nicht, bis endlich diese notwendigen Räume dafür erzwun­gen sind.

Der Zutritt zu den Dorträgen und der Ausstellung ist für jedermann frei.

Oberhessischer Kunstverein.

Der Oberhessische Kun st verein er­öffnet morgen Sonntag, 11. Juli, eine neue Aus­stellung, in welcher Oelgemälde des am 15. Februar l. Is. verstorbenen Kasseler Malers Friedrich Sennel und Aquarelle des Dresdener Künstlers Josef Hegenbarth zur Schau gebracht werden. Zur Einführung in diese Ausstellung sei furj das Folgende bemerkt:

FriedrichSennelist Vertreter der deut­schen Heimatkunst und gehört dem Kreise an, zu dem Danher, Thielmann, ülbbelohde zählen. Er ist am 12. August 1872 in Wehlheiden geboren und begann seine Laufbahn als Glas­maler, später bezog er die Akademie in Kassel und wurde Schüler von Kolih und Dürmeburg. Dort hat er auch bis zu seinem Tode gewirkt. Einem ihm von Carl Danher gewidmeten Rach- ruf entnehmen wir folgende Aeuherung über seine Kunst:Wie alle Hessen, durchdrungen von größter Heimatliebe, fand er sein höchstes Glück darin, mit voller Hingabe sie zu verherrlichen. Alle seine Werke zeigen die gleiche Liebe und Treue, Aufrichtigkeit, Schlichtheit und Gewissen­haftigkeit der Schilderung. Ebensofern wie dem Menschen Eitelkeit im Auftreten, lag auch dem Künstler jede Eitelkeit der Darstellung völlig fern. Richt durch Aeuherlichkeiten, sondern durch Gediegenheit haben Sennels Werke einen großen Kreis von Verehrern in und außerhalb Hessens gefunden. Außer durch seine Landschaftsgemälde ist Sennel auch bekannt geworden durch figürliche

Darstellungen um) sactuge cui.^e.^,.iu.uye.l. ihn der Feldzug nach Frankreich führte, hat er dort auch als Soldat eine Reihe vortrefflicher, lichtvoller Gemälde geschaffen. Der Hingang eines durch hervorragende und seltene Eigenschaften ausgezeichneten Menschen und Künstlers bedeutet einen großen schmerzlichen Derlust nicht nur für den Räherstehendrn, sondern auch für die All- gemeinheit."

Ganz anders geartet ist die Kunst Josef Hegenbarth s. Er ist am 15. Juni 1884 in Kamnih geboren und entstammt einer deutsch- böhmischen Künstlerfamilie. Auch er ging nach Verlassen der Schule zur Kunst über und bildete sich auf der Dresdener Akademie, insbe­sondere bei seinem Detter Emanuel Hegenbarth, auch bei Pro'essor Danher arbeitete ec einige Isit. Zum ersten Male 1914 und seitdem regel­mäßig stellte er in Dresden mit der dortigen Künstlervercinigung aus unb fiel bald durch phantastisch«, tiefsinnige D'lder auf. Er ist ein Künstler moderner Richtung, und in der kommen­den Ausstellung mit 25 Aquarellen vertreten, welche figürliche Darstellungen, insbesondere Zir­kusszenen und Bilder aus dem Gesellschaftsleben zmn Gegenstarck) haben.

Die Ausstellung ist wieder Sonntags, Mon­tags, Mittwochs und Freitags von 11 bis 1 llfjr, Mittwochs auch von 3 bis 5 Uhr geöffnet, und dürfte das Interesse des Publikums verdienen.

Dre Vorgärten in Giesten.

Eine Besichtigung der Dorgärten unserer Stadt wurde im Laufe dieser und der vergangenen Woche durch den Verkehrs- verein vorgenommen. Diese Besichtigung soll im August wiederholt und dann vorwiegend auf die Beurteilung des Fenster- und Dalkon- schmucks ausgedehnt werden. Man ging von dem Gedanken aus, daß die Zeit der Rosen-, Relken- und Staudenblüte zur Bewertung für spätere Prämiierung, besonders geeignet sei- Cs ergab sich, daß Straßenzüge, wo jeder Besitzer mit den andern in der geschmackvollen Ausstattung und Unterhaltung der Vorgärten wetteifert, wie das in der Hofmann- und Moltkestraße zutage tritt, nur selten sind. Vielfach fehlt noch das Verständnis dafür, daß die Vorgärten der Verschönerung des Stadtbildes dienen sollen. Selbst in den gepflegteren Stadt­teilen finden sich abschreckende Beispiele dafür, wie es nicht gemacht werden sollte. So ist auch in diesem Jahre der freie Platz vor der Alten Klinik in einem Zustande, daß man wünschen möchte, einer der vielen Arbeitslosen, die dort täglich verkehren, würde ein mensch­liches Rühren empfinden, das ihn treibt, ein paar Hände voll linkroutmittelEx" vor dem Gebäude auszustreuen, das dem Andenken Lie­bigs gewidmet ist, oder die verwilderte Duchs- baumhecke zu scheren, die den Hauptweg um­säumt. Im übrigen sind die Vorgärten der Liebig st raße, soweit sie für den Haupt­verkehr vom Bahnhof in Betracht kommt, bei weitem besser gehalten wie im Vorjahre. Auch sonst sind erfreuliche Besserungen festzustellen, selbst in Straßen, die unter der llngunst dichter Daumpflanzungen leiden, wie beispielsweise die We st anlag e. die verlängerte Liebig- strahe, wo breitkronige lllmen, Linden und Ahorne auf 7 Meter Entfernung gepflanzt, jeden Sonnenstrahl auffangen, und die Kaiserallee. In solchen dumpfen Gärten finden nur noch Hortensien. Fuchsien, Funkien, Dachwedel oder Geisblattspierstauden, Efeu und Waldfarne ihr Gedeihen. Die Gemüsezucht ist mit verschwin­denden Ausnahmen überall zurückgetreten. Auffallend häufig finden sich Dahlien angepflanzt, die einen reichen Herbstflor versprechen, und sehr viel junger Rasen ist gesät worden, dessen llnter- haltung, was rechtzeitigen Schnitt betrifft, noch viel zu wünschen übrig läßt. Mancher Vorgarten, aus dem der Rosenflor in reichem Farbenspiel leuchtete, konnte bei der Dewertung keine Derück- sichtigung finden, weil die Pflege des Ra­sens, ein erstes Erfordernis für einen Vor-

machung der schönsten Gärten wird später er­folgen. R.

Vornotizen.

Tageskalender für Samstag. Deutschnaticnaler Hand unasgehilftnverband: 8* 2 Uhr im Kaufmann schen Dereinshaus Monats- versammlunm Wassersport vereinHellas", 81/. Uhr, Bootshaus, Monatsversammlung. Marine-Verein: 9 Uhr. Dereinslokal, General­versammlung. Lichtspielhaus Bahnhofstraße: Grüß' mir das blonde Kind am Rhein". Astona-Lichtspiele:Par.fette".

Tageskalender für Sonntag. Gießener Hochschulgesellschaft: 10.45 Uhr, Reue Aula der Universität, Hauptversammlung und Festsitzung mit Lichtbilder-Dorträgen von Prof. Dr. Loeschcke (Trier) und Prof. Dr. Rauch (Gießen). Kreismeisterschaften des südwest- beutfden Hochschuikreises in Leichtach'estk: vorm. 10 Uhr und nachm. 4 Uhr auf dem akadem. Turn- und Spielplatz am Schützenhaus. Mar­kus-Gemeinde: nachmittags Gemeindese.er auf der Hardt. Gewerkschaft Deutscher Eisenbahn- Fahrbeamten und Anwärter: 2.30 Uhr nachm., Eisenbahnholel Hupfeld, Versammlung. V. f. B. Jugend: vorm. 10 Uhr: Gasthaus Germania, Pflichttraining. Lichtspieltheater wie Samstag.

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DerSiebenbrüdertag. Der 10. Juli ist der Siebenbrüdertag. Er wird in der Ueber- lieferung mit verschiedenen Ramen wiedrrgegeben und ist nach den als Heilige verehrten sieben Brüdern benannt, die der Sage nach im Jahre 251 n. Ehr. in einer Höhle, in der sie Zuflucht vor dem Wetter gesucht hatten, einschliesen unö erst nach 200 Icchren wieder erwachten. Auch an diesen Tag knüpft der Landmann eine Wetter­prophezeiung:Die Sieben Brüder machen das Wetter, weinen oder lachen." Im Grunde ge­nommen dürfte der Einfluß dieses Tages auf die Witterung ebensowenig von Bedeutung sein, wie der der vielen übrigen Lostage, mit denen nach alter Ueberlieferung Wetterregeln oerbunben sind. Immerhin ist aber zu wünschen, daß der Siebenbrüdertag ein freundliches Gesicht zeigt und daß nach den vielen regenreichen Tagen endlich für längere Zeit wieder warmes und trockenes Sommerwetter eintritt.

** Gegen dummes Gerede über das Gießener Krematorium wendet sich die Stadtverwaltung mit der nachstehenden Zuschrift an uns:Zur Zeit wird in Gießen das Gerücht ver­breitet, eine im Krematorium vorgenommene Lei­chenoerbrennung fei nur unvollkommen gelungen, so daß die Leiche zur restlosen Verbrennung in das Krematorium nach Friedberg hätte überführt und der Ofen hätte umgebaut werden müssen. Diese Er­zählung ist völlig unzutreffend. Es wurden bis jetzt zwei Leichen verbrannt. In beiden Fällen konnte das vollkommen einwandfreie Arbeiten des Ofens nach jeder Richtung hin (restlose Einäscherung, rasches Hochheizen usw.) festgestellt werden, so daß anschließend mit dem Einbau der mechanischen Sarg­senkvorrichtung in der Friedhofskapelle begonnen werden konnte. Die Arbeiten sind soweit fortgeschrit­ten, daß das Krematorium etwa Ende Juli eröffnet werden kann." Es ist doch unglaublich, wie leicht­fertig Geschwätz in die Welt gesetzt wird, das nur die Stadt als Ganzes schädigen kann, und wie leicht sol­cher Unsinn seine Abnehmer findet. Hoffentlich halten die verantwortungslosen Schwätzer nun ihr Mund­werk. D. Red.

* Sperrung des Selterswegs für den Fährverkehr. Das Polizeiamt teilt uns mit: Wegen Instandsetzungsarbeiten am Straßenbahngleis wird der Seltersweg zwischen Westanlage und Goethestrahe in Abschnitten für jeden Fährverkehr die Straßenbahn aus­genommen bis auf weiteres mit sofortiger Wirkung gesperrt. Radfahrer haben abzusteigen. Ansammlungen von Zuschauern an den Arbeits­stellen sind verboten. Die gesperrten Abschnitte werden jeweils durch Sperrtafeln gekennzeichnet.

** Landsturmtagung in Gießen. Die Kameradschaftliche Vereinigung ehemaliger Angehö-

t.tier ois ua. zu hall am Sonn­

tag. 18. Juli, ihre diesjährige Tagung in Gießen ab (siehe Anzeige).

' Das Adonnementskonzert un­serer Reichswehrkapelle unter der Leitung von Obermusikmeister L ö b e r, das am Donnerstagabend aus derLiebigshöhe" statt- sand, gelangte als S t r e i ch - K o n z e r t zur 'Durchführung und brachte damit eine dankbar begrüßte Abwechslung in die bisherige Konzert­weise. Das gut zusammengestellte Programm wurde in treff.icher Weise zum Vortrag gebracht und von den überaus zahlreichen Besuchern mit starkem Beifall aufgenommen. Besondere An­erkennung fanden das FlötensoloGute Rächt du mein herziges Kind" (Herr Mayer): das 9. Konzert für Violine" von Ehr. de B^riot (Herr Wan i heck), ferner die großen Fanta­sien aus den Opern ..2o5engrinr undHän'el und Gretel". 3m ganzen bot der Abend wieder einige Stunden recht angenehmer Unterhaltung. Auch die Kapelle dürfte mit dem ihr bekundeten Interesse (der Saal war überfüllt) zufrieden gewesen sein und hieraus einen Ansporn für ihre weitere Konzerttät'gkeit schöpfen.

' Irn Lichtspielhaus Bahnhof­straße kommt gegenwärtig ein neuer Rheinsi m zur Vorführung. Das Werk zeichnet sich durch eine gute Ausstattung aus und bringt u. a. vor­zügliche Tiit er eines Grol kampfMges im QTc.cn mit Tankangriff, fo nie Bilder aus den 'e- freiungsMpen des Rtzeinlandes (Räumung . n Köln und Bonn). D e Hauptrollen liegen in den Händen prominenter Darsteller, die vorzügli e Leistungen bieten. Der Film hält sich im ganzen auf gutem Riveau. -z.

Der 5aaCenf1anb in Preußen Anfang Juli.

Auf die Entwicklung und das Gedeihen der Feldfrüchte, sowie auf den Ausfall des Ernte­ertrages übt bekanntlich die Iuniwitterung einen großen Einfluß aus. Durch die Lleberschwem- mungen sind viele Acker- und Wiese n- bestände vernichtet, durch die schweren Regengüsse ist viel Getreide gelagert worden Andererseits ist die nahkühle Juni- Witterung den meisten Feldfrüchten sehr günstig gewesen. Die Durchschnittsziffem für die ein­zelnen Fruchtarten sind in den Regierungsbezir­ken, außer Ostpreußen, ziemlich gleichmäßig, nur bei den Hackfrüchten zeigen sich merkliche Ab­weichungen. die zum Teil auf zu spätes Bestel­len und den hohen Grad der Verunkrautung zurückzusühren sind. Sämtliche Getreidearten. Hülsensrüchte. Flachs, Luzerne und Wiesen wer­den mit 2,5 bis 2,9, also besser als Mittel be­wertet: sie haben sich im Staatsdurchschnitt ge­gen den Vormonat fast durchweg um 0,1 bis 0,2 Punkte gebessert, Luzerne und Wiesen sogar um je 0,3 Punkte. Die Rote 3,0 weisen Kar­toffeln und Zuckerrüben, 3,1 Futterrüben, Raps und Klee auf. Gegen das Vorjahr ist der Stand des Wintergetreides etwas zurück, und zwar bei Weizen und Gerste um je 0,2, bei Rog­gen um 0,4 Punkte, doch ist zu berücksichtigen, daß 1925 ein überaus guter Stand des Winter­getreides vorhanden war, der zu einer der be­sten Ernten führte. Alle Sommerhalm­früchte sind jedoch gegen das Vorjahr um 0,2 bis 0,5, Hafer sogar um 0,6 Punfte besser. Die Entwicklung dec Halmfrüchte ist fast durch­weg recht befriedigend. Es wird mit einer leid- l i ch guten Ernte gerechnet, besonders an Stroh. Von den Hackfrüchten befinden sich die Frühkartoffeln in voller Blüte und werden vielfach schon geerntet. Auch die Spätkar - toffeln haben sich gut herausgemacht, doch wurden sie durch die naßkalte Witterung, so­wie durch Schäden infolge Auftretens von Draht­würmern und der Kräusellrankheit nachteilig beeinflußt. Das Wachstum der Rübenarten wird durch die Rässe gehemmt. An H e u und Gras sind große Mengen durch Regen und Hoch­wasser verfault. Der Schaden läßt sich noch nicht vollständig übersehen.

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