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Donnerstag, 10. Jprt 1926
176. Jahrgang
Ht. 155 Erstes Blatt
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Chefredakteur
Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr. H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein; für den An« zeigenteil Hans Füstel, sämttich m Dietzen.
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infolge höherer Gewalt. "
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$,anÄ0rtai‘m0atiH636. vni« Mil»Verlag: vrühl'sch« Unioerfitäts.Bii*. und stftni>räderet R. lange in Siegen. Schriftlettnng und SelchästrfteSe' Schulftrage 7.
Die franzöfifche Kabinettsfrife.
P6ret bleibt vorläufig im Amt.
Paris, 9. 3uni. (TU.) Die Gerüchte, die heute vormittag über die Kabinettsbildung im Umlauf waren, erwiesen sich, wie aus dem im Laufe deS ÄlinistcrrateS veröffentlichten Kommunique hervorgeht, zunächst als unbegründet. Das Kommunique schließt zwar nicht ausdrücklich diese Möglichkeit aus. ES enthält aber die Feststellung, daß verschiedene von Finanz- minister P e r e t vorgeschlagene Maßnahmen einstimmig beschlossen wurden. Die wichtigsten der Mahnahmen sind folgende' 1. Einstellung der Ausgabe von Conponsheftem 2.Bevorstehende Aufhebung des Gesetzes über die Kapitalflucht durch ein besonderes Dekret. 3. Streichung der Loucheur- Steuern (vom 4. Dezember 1925) in Höhe von vier Milliarden für das kommende Steuerjahr. Es wird mitgeteilt, daß die Einrichtung der Amortisationskasse definitiv auf den 16. d. MtS. festgesetzt ist. Das allgemeine Interesse konzentriert sich noch immer auf die ministerielle Lage. Es besteht kein Zweifel darüber, daß P 6 ret gestern und heute wiederholt feine Demission angeboten und wieder zurückgezogen hat. Don einem Teil der Presse wird der Finanzminister wegen seines Verhaltens heftig angegriffen. Die Presse bespricht im übrigen die Möglichkeit eines Kabinettes der nationalen Einigung. Es wirb behauptet, dah Verhandlungen Zwischen den Gruppenführern bereits im Gange int). Als Ministerpräsident des neuen Kabinetts wird D r i a n d genannt. Daneben taucht auch heute der Dame D a r t h o u auf. Außerdem wird gemeldet, dah der Gcneralgouverneur von Marokko, von Steeg, sich nach Frankreich begeben habe. Der gegenwärttge Generalgouverneur hat noch nie eine Krise vorübergehen lassen, ohne sich dem Präsidenten der Republik für die Reubildung einer Regierung zur Verfügung zu stellen. Peret über die Finanzlage
Paris, 9. Juni. (TU.) Der Finanzminister Psret wurde heute nachmittag von der Finanzkommission des Senats über folgende Fragen gehört: 1. Lage des Schatzamts, 2. Währungskrise, 3. Zurückschasfung der Kapitalien aus dem Ausland. Der Finanzminister bewnte eingangs erneut die Absicht der Regierung, die Inflation zu bekämpfen. Die Einnahmen und Verpflichtungen des Schatzamtes könnten ins Gleichgewicht gebracht werden. Der Finanzminister gab im übrigen die Erklärung ab, daß das kommende Budget ausgeglichen fein würde, ohne dah die Rotwendigkeit bestehe, neue Steuern^ aus- zuschreiben. „Es darf weiterhin nicht mehr der Fall sein," so fuhr der Minister nach dem halb- amtllchen Bericht fort, „dah die Währung eines fv großen Staates wie Frankreich tagtäglich willkürlichen Schwankungen ausgesetzt ist. Die Regierung habe einen zusammenhängenden Plan zur Stützung des Franken ausgearbeitet." Der Minister versicherte im übrigen erneut, daß der Goldbestand der Bank von Frankreich nicht angetastet wurde und daß er auch nicht zu Stühungsoperationen herangezogen werden soll. Was die Morgan- Anleihe anbelange, so sei man weit davon entfernt, sie völlig aufgebraucht zu haben. Rach den Ausführungen des Finanzministers entspann sich eine lebhafte Debatte, an der die früheren Finanzminister Caillaux, Marsal und D o u m e r teilnahmen.
Lebhafte Äammerdebatten.
Paris, 9. Juni. (TU.) 3in Verlauf der gestrigen Kammerdcbatte hat der Abgeordnete Guilhaumon auf die Rotwendigkeit der Bildung eines französischen Luft- fahrtkomitees hingewiesen mit der Begründung, dah Frankreich sich nicht von Deutschland überholen lassen dürfe. Deutschland verstärke unaufhörlich fein Luftgeschwader (!) und beherrsche bereits 5 0 Prozent des Weltluft- sahrtnehes. Zu Eingang der Sitzung kam es zu einem heftigen Wortwechsel zwischen Abgeordneten der Rechten und der Linken. Erstere erllärten, dah, toemx sie am Dienstag anwesend gewesen wären, sie ebenfalls gegen die Erhöhung der Abgeordnetenbezüge gestimmt hätten. Aus der Linken fielen heftige Zwischenrufe. Erst die Drohung des Präsidenten, die Sitzung aufzuheben, besänfttgte die Gemüter. 3n den Wandelgängen der Kammer wurde sehr eifrig die Ungewißheit der inner- politischen Lage erörtert. Man spricht davon, dah ein Mißtraueirsantrag gegen das Kabinett vorbcreftet werde, das zu Fall gebracht werden IdU,- damit endlich zur Bildung eines Kabinetts der nationalen Einigung ge- schrftten werden könne.
Die Erhöhung der Abgeordneten- bezüge von 27 000 auf 42 000 Franken wurde nach einer bewegten Debatte in der Rachtsihung der Kammer kurz nach 1 Uhr mit 150 gegen 128 Stimmen abgelehnt.
Die deutsch-französischen Verhandlungen.
«Berlin, 10.Juni. (TU.) Da die deutsch, französischen W i r t f ch a f t s v e r h a n d - lungen vor den Reichstagsferien nicht beendigt werden können, wurde ein neues Prooifo - rium vorgeschlagen. Ein Teil der deutschen Dele-
Die Bolkerbundratssitzung.
Konflikt in der Saarkommiffion. - Aufhebung der Kontrolle über Oesterreich.
Am Donnertag wird sich der Völkerbunds- r a t wieder einmal mit der Saarfrage zu befassen haben. Veranlassung dazu gibt der Konflikt, der in der S a a r k o m m i s s i o n über die Zurück- Ziehung der französischen Truppen aus dem Saargebiet entstanden ist und seinen Niederschlag in drei Gutachten an den Völkerbundsrat gefunden hat. Dabei zeigt sich der Vorteil, daß die französische Führung in der Saar- kommission durch die Wahl des Kanadiers Steffens zum Präsidenten der Regierungskommission endgültig ausgeschaltet ist, denn bei dem ganzen Konflikt handelt es sich um nichts anderes, als um den französischen Versuch, die Entscheidung des Dölkerbundsrates, nach der das französische Militär allmählich restlos aus dem Saar- gebiet zurückgezogen werden soll, zu hinter- treiben. Während Steffens und mit ihm das saarländische Mitglied der Regierungskommission K o ß m a n n die Ansicht vertreten, daß ein w e i - terer Aufenthalt französischer Truppen im Saargebiet dem Gei st und dem Buch ft oben des Versailler Vertrages widerspricht, stellen sich die französischen, belgischen und tschechischen Mitglieder auf einen entgegengesetzten Standpunkt. Sie verlangen, daß ein rein militärisch französischer Eisenbahnausschuß gewählt werden soll, dem zum Schutze des Streckennetzes des Saargebietes zwei französische Bataillone zur Verfügung stehen sollen, die auf das gesamte Streckennetz verteilt werden. Sie vertreten die Auffassung, daß diese Truppen notwendig sind, um französische Truppen- transporte aus dem besetzten Gebiet aus Frankreich sicherzustellen. Die Begründung ist recht faden- scheimg, da ja das Saargebiet nicht unbedingt als Durchgangsgebiet für französische Truppentransporte erforderlich ist. Es gibt genug Verbindungsstrecken, die außerhalb des Saargebiets liegen. Der Präsident Steffens hat vollkommen die französischen Absichten durchschaut, die darauf hinauslaufen, die Möglichkeit zu schaffen, die beiden französischen Bataillone dauernd im Saargebiet zu behalten und so die Forderung des Dölkerbundsrates vom Januar zu umgehen. Steffens verlangt, daß die Bataillone außerhalb des Saargebietes stationiert werden, wo sie dem Eisenbahnausschuß zur Verfügung stehen. Sollte ihr Einsatz wirklich einmal nötig werden, dann könnten sie ja sehr leicht an Ort und Stelle geschafft werden. Es ist kaum daran zu zweifeln, daß der Völkerbundsrat die Forderung des Präsidenten der Regierungskommission, die vollkommen den Wünschen der Saarbeoölkerung entspricht, anerkennen und demgemäß auch eine Entscheidung treffen wird. Außerdem kann er nicht selbst eine früher von ihm getroffene Entscheidung rückgängig machen, bloß, weil' ein Teil der Regierungskommis, fion aus rein politischen Gründen eine andere Auffassung vertritt, deren Begründung zudem sehr unwahrscheinlich ist und den tatsächlichen Verhältnisien durchaus nicht entspricht.
Aufhebung der österreichischen Kontrolle.
Gens, 9. 3uni. (Sil.) Die -weite öffentliche Sitzung des Völkerbundsrates begann heute vormittag 10.45 ilhr. Sämtliche Ratsmitglieder waren anwesend. Das Ereignis des Tages war, daß heute der Ratsplatz von Brasilien nicht leer blieb. Mello Franco erschien in Begleitung seines Gesandtschaftsrates. Zu Beginn der Sitzung erklärte der Vorsitzende Guani, daß man sich in den gestrigen Verhandlungen der Ratsmitglieder dahin geeinigt habe, die Entscheidung über die Abberufung der alliierten Truppen aus dem Saargebiet auf die Vollversammlung des Völkerbundes im September zu vertagen, um Deutschland Gelegenheit zu geben, bei dieser Frage mitzusttmmen, da es sich hierbei um eine Deutschland direkt interessierende Frage handele. Auf der
Tagesordnung der heutigen Sitzung stand als erster Punkt der Bericht über die Aufhebung der österreichischen Dölkerbunds- kont rolle. Die Sitzung gestaltete sich zu einer feierlichen Kundgebung für Oesterreich Sämtliche Ratsmitglieder beglückwünschten der Reihe nach die österreichische Regierung und das österreichische Volk zu der nunmehr endgültigen Aufhebung der österreichischen Dölkerbundskon- trolle.
Als Berichterstatter ergriff zuerst der englische Außenminister Chamberlain das Wort. Er wies darauf hin, daß die Lage Oesterreichs nach dem Zusammenbruch völlig hoffnungslos gewesen fei. Wenn man heute Oesterreich zu der Aufhebung der Völker-bundskontrolle beglückwünschen könne, so sei dies in erster Linie der Arbeit des Völkerbundes zu danken. Oesterreich sei jetzt in der Lage, seine Angelegenheiten selbst wieder in die Hand zu nehmen. Er verlas darauf einen Antrag, in dem die Funktion des Völkerbundkommissars in Anbetracht der Stabilisierung der österreichischen Finanzen am 30.3uni d. 3. endigt und in dem dem Dölker- bundskommissar der Dank für seine Mühe aus- gedrückt wird. Dieser Entschluß wurde vom Völkerbundsrat einstimmig angenommen.
Nach Chamberlain drückte der Vertreter Italiens, S c i a I o j a , dem österreichischen Bundes- kanzler Ramek die Glückwünsche der italienischen Regierung aus. Es sprach ferner der tschechoslowa- kische Außenminister Dr. Benesch, der die Sympathie seiner Regierung für bas österreichische Volk ausdrückte. Er betonte bas ersprießliche Zusammenarbeiten zwischen beiben Völkern, bas in Den oerschiebenen vertraglichen Vereinbarungen ber letzten Zeit zum Ausbruck gekommen sei. Bunbeskanzler Ramek ergriff barauf selbst bas Wort unb bankte im Namen Oesterreichs sämtlichen Natsmitgliebern für bie ihm ausgedrückten Glückwünsche. Der heutige Tag, an dem die Völkerbundskontrolle endgültig aufgehoben werde, sei für das österreichische Volk von geschichtlicher Bedeutung. Er habe bas Bedürfnis, dem Völkerbund unb insbefonbere bem Völkerbunbskommifsar Zimmermann den Dank ber österreichischen Regierung für bie Mithilfe aus- zubrücken. Nach ihm verlas ber Völkerbunbskom- miffar Zimmermann einen Bericht über bie gegenwärtige Finanzlage Oesterreichs unb erklärte, baß er heute zum letztenmal als Völkerbunbskom- miffar vor dem Rat erschienen sei.
Das Ungarntomitee des Völkerbundsrates trat heute nachmittag zu einer kurzen Sitzung zusammen, um über die Modalitäten der Aufhebung der ungarischen Finanzkontrolle zu beraten. Auf Grund der bereits gefaßten Beschlüsse wurde heute festgesetzt, daß der Generalkommissar des Völkerbundes Ende d. M. seinen Posten auf geben soll, ohne daß ein Rach- folger für ihn ernannt wird. Zur Kontrolle der für den Zinsendienst der Völkerbundanleihe verpfändeten Staatseinnahmen, sowie der Restbestände der noch nicht freigegebenen Anleihen werden zwei Treuhänder des Völkerbundes eingesetzt. Diese haben ihren Sih nicht in Budapest, sondern werden durch einen gemeinsamen Beauftragten dort vertreten werden. Die Beschlüsse des Ungarn-Komitees werden nun der morgigen öffentlichen Ratssitzung zur formellen Beschlußfassung vorgelegt, doch ist an ihrer Annahme nicht mehr zu zweifeln.
Brasilien tritt nicht aus.
Genf, 9.3uni. (TU.) Brasilien wird, wie nun bestimmt verlautet, zu der Septembertagung des Völkerbundes keinen Vertreter entsenden und sich bis dahin in der Frage der Ratserweiterung volle Zurückhaltung auferlegen. Die Entscheidung über die Aufnahme Deutschlands in den Völlerbund wird also im September ohne die Teilnahme Brasiliens fallen, jedoch wird Brasilien einen nichtständigen wiederwählbaren
Ratssih zuerteilt erhallen. Durch diese Lösung ist der in den letzten Tagen allgemein erörterte Austritt Brasiliens aus dem Völkerbund vermieden und ein Teil der Hindernisse, die dem Eintritt Deutschlands tn den Völkerbund bisher entgegenstanden, ist beseitigt. Spanien bleibt hartnäckig.
Berlin, 10 3unl Wie die Morgenblätter aus London melden, erklärte General P r i m o de Rivera in einem Telegramm an die British ilniteb Preß, Spanien werde voraus- sicytlich aus dem Völkerbund austreten, wenn seine Ansprüche auf einen ständigen Rats- s i h nicht erfüllt würden. Das spanische Kabinett hat beschlossen, an seinen Genfer Forderungen auf einen ständigen Ratssih für Spanien fest- zuhalten.
Der Genfer Berichterstatter der „Morning Post" erfährt von gut unterrichteter Seite, daß Quinones de Leon, so weit Madrid in Betracht komme, ausgeschaltet sei und wahrscheinlich als Botschafter in Paris und als Vertreter beim Völkerbund zurücktreten werde. Quer Boule sei auf direkte Intervention des spanischen Königs angewiesen worden, an den Ratssitzungen teilzunehmen, statt den Sih offen zu lassen, tote es Primo de Rivera gefordert habe.
Die Mandatskommission.
G e n f, 9. Juni. (WB.) Die ständige Manbats- kommission bes Völkerbunbes lieh sich von leitenben Beamten bes australischen Kolonialministeriums über die Verwaltung des Mandatsgebietes von Reu-Guinea mündlich Bericht erstatten und verlangte dann ergänzende Auskünfte über das ehemalige deutsche Eigentum , das bisher von der Enteignungskommissivn verwaltet wurde und nunmehr vorwiegend Australiern, die im Weltkriege Heeresdienste leisteten, zum Kauf angeboten werden soll. Außerdem wurde der Referent um genauere Angaben über die Arbeitsbedingungen und auch über langfristige Arbeitsverttäge ersucht. 3n diesem Zusammenhang fei erwähnt, daß der VölkerbundSrat den von dem schwedischen Vertreter S j o e b o r g ausgearbeiteten Bericht über die ehemaligen staatlichen deutschen Plantagen und über die Rekrutierung von Eingeborenen zu militärischen Zwei» ken angenommen und durch eine Entschließung die Auffassung der ständigen Mandatskommission des Völkerbundes gutqeheißen hat, wonach die Mandatsmächte tn feinem Teil deS ihnen anvertrauten Mandatsgebiets andere als Der- waltungsrechte besitzen.
Aus dem Bericht Sjoeborgs geht hervor, daß sämtliche Mandatsmächte dieser Auffassung grundsätzlich zusttmmen, dah sie aber nur von der englischen und französischen Regierung vorbehaltlos angenommen wurde. Zur Frage der Rekrutterung der Eingeborenen sprach sich die Mandatskommission dahin aus, dah sie nur zur Verwendung im Polizeidienst ober zum Heeresdienst innerhalb des eigenen Territoriums zugelassen sein sollen. Auch hierzu liegen, nach dem Bericht Sjoeborgs, nunmehr nach drei 3ahren die Antworten der verschiedenen Ratsmächte vor, die dieser Auffassung grundsätzlich zusttmmen, wobei England seine ursprüngliche Haltung vollkommen aufgegeben hat. 3mmerhin macht die französische Regierung für die Mandate in Togo und Kamerun den Vorbehalt, daß diese Auffassung int Falle des allgemeinen Krieges nicht gelten soll. Auch die südafrikanische Regierung erklärte, nicht darauf verzichten zu können, in außergewöhnlichen Fällen alle freiwillig sich meldenden Personen zu rekrutteren, obwohl die Politik keiner südafrikanischen Regierung jemals darauf gerichtet gewesen sei, Eingeborene bei einem Konslitt zwischen europäischen Staaten in den Kampf zu schicken.
gation ist schon nach Berlin abgereist, ber Rest, ebenso wie ber Delegationsführer Posse, bleiben in Potts, lieber bie Grünbe, bie zu ber neuen Unterbrechung ber Verhandlungen geführt haben, glaubt bie „Voss. Ztg." mitteilen zu können, baß bie Feststellung der Sätze bes künftigen Zolltarifs, über bie seit Wochen verhanbelt wirb, infolge ber burch das ftänbige Sinken bes Franken geschaffenen Unsicherheit auf zur Zeit unüberwinbliche Schwierigkeiten gestoßen ist, unb baß man sich deshalb geeinigt hat, die Besprechungen darüber bis zur Klärung der Situation zu vertagen.
Der englische Kohlenstreil.
Unterstützung
durch die Sowjetregierung.
London, 9.3unL (TTl.) Heute fand eine Sitzung des K o h l e n k o m i t e e s des englischen Kabinettes statt, um die durch den völligen Abbruch der Verhandlungen im Kohlenbergbau geschaffenen Lage zu beraten. 3n Regierungskreisen wird die Lage als sehr ernst betrachtet. Wie ver- I lautet, trägt man sich in Kreisen des Kabinettes mit dem Gedanken einer Abstimmung in den Grubenbezirken.
„Daily Mail" veröffentlicht in sensationeller Form einen Bericht, in dem es heißt, das Kabinett habe sich gestern mehr sehr ernsten Fragen infolge der Unterstützung der englischen Bergarbeiterverbände durch die Sowjetregierung beschäftigt. Das Kabinett verfüge über genügend Deweismatettal, um die Ausweisung aller Sowjet- a g e n t e n aus England zu rechtfertigen. Der Premierminister sei gestern abend selbst nach London zurückgekehrt, da der Wortlaut der Erklärung festgelegt werden soll, die im Parlament verlesen wird.
Die englisch-rufstfchen Beziehungen.
London, 9. 3unL (WTD.). Die „Daily Retos" berichtet, daß das Problem der britischen Beziehungen zu Rußland in allernächster Zell akut zu werden drohe, und dah sich die Regierung infolge der scharfen Spaltung der Ansichten unter ihren Anhängern bereits in einem Dilemma befinde. Auf der einen Seite ständen die gemäßigten Konservativen, die der Ansicht sind, daß eine neue Anstrengung gemacht werden solle, um eine englisch-russische Regelung zu erreichen. Auf der andern Seite
stände die Gruppe der extremen Konservativen. Es seien bereits Anzeichen vorhanden, dah die zweite Gruppe einen starken Druck auf die Regierung ausüben wolle. Es könne jedoch mitgetedt werden, dah die offizielle Ansicht gegen hysterische Mtionen, wie sie diese Seite fordere, sei. Dies bedeute jedoch nicht, dah sich die Regierung gegenüber der Tätigkeit, die die Sowjetregierung seit einiger Zeit entfalte, untätig verhalte. Die britische Regierung habe im Gegenteil dauernd Beto e i s m ater i a l aufgehäuft und habe sich besonders eingehend mit der Rolle befahl, die Rußland und die russische Agitation bei den britischen Arbei- terschtoierigkeiten gespielt habe. Aber welche Aktion die btttische Regierung auch zu unternehmen beschliehen werde, den Bruch mit der Sowjetregierung halte sie in Anbetracht der allgemeinen internationalen Lage für eine Politik des Wahnsinns und sie habe sich davon überzeugt, dah die Ansicht der City in immer größerem Maße der Regierung hierin folge. Zu der Blättermeldung, daß Tschitscherin und KMnin eine Reihe wichtiger Besuche in Rom, Paris und Berlin abftatten würden, erklärt das Blatt, es dürfe nicht erwartet werden, daß die britische Regierung sowell gehen werde, daß sie die Sowjetregierung einlade. Aber es könne zuverlässig mitgeteilt werden, dah sie sehr


