Die tolle Herzogin.
Roman von Ernst Klein.
Copyright by Carl Duncker, Verlag, Berlin.
38. Fortsetzung. Nachdruck verboten.
„Sobald Frau Herzogin wünschen. Lord Neville ist zwar Untersuchungsgefangener, doch ich glaube in Anbetracht der bedeutsamen Umstände befürworten zu können, daß eine Ausnahme von der Regel gemacht werde. Würde es Ihnen passen, im Laufe des morgigen Vormittags, Frau Herzogin? Ja? Ausgezeichnet, dann werde ich mir die Freiheit nehmen. Sie morgen um elf Uhr von Burnham House abzuholen."
Sie Walter ließ es sich auch nicht nehmen, die Damen nach Hause zu begleiten. Dann raste er zu seinem Onkel.
„Ich habe den verfluchten Faden--ich habe
ihn! Aber der Knäuel ist viel großer, als ich angenommen habe."
Er war mit seinem Tagewerk überaus zufrieden. Telephonierte der reizenden Minnie Knox und führte sie in Prince's Restaurant, wo sie das vor zehn Tagen unterbrochene Souper fortsetzten und in fröhlichster Stimmung beendigten.
2 4. Kapitel.
Als die Schwestern nach Hause kamen, meldete Mutter Anne, es habe bereits zweimal eine fremde Dame angerufen und nach der Frau Herzogin gefragt.
Hat sie keinen Namen genannt?"
„Nein. Die Stimme war auch ganz und gar unbekannt. Sie sagte, sie werde wieder anrufen, denn ihre Angelegenheit sei äußerst dringend.
„Wer kann das sein?" fragte Grace, die immer geneigt war, in Unruhe zu geraten.
Gloria zuckte die Achseln.
„Wozu sich unnütz den Kopf zerbrechen! Ich halte cs für besser, jetzt erst einmal etwas zu essen. Wer weiß," fügte sie mit bitterem Lächeln hinzu, „ob das nicht die letzte Mahlzeit ist, die ich in meines Vaters Haus einnehme!"
„Gloria--!"
..Nun ja — einmal muß es doch geschehen, nicht wahr? Wie lange soll Harald noch für mich leiden?"
Grace wußte nichts darauf zu erwidern. Mit
gesenktem Kopf saß sie da. Kämpfte mit sich. Mit ihrer Feigheit, ihrer Angst. Gloria läutete und bat Mutter Sinne, für ein ausgiebiges Essen zu sorgen.
„Ich werde morgen mit ihm sprechen--*Y
„Du willst ihm alles sagen--?"
Gloria maß die Schwester mit sonderbarem Blick.
„Ich — ich habe es mir überlegt. Ich muß mich doch nun einmal als Mörderin dem Gericht stellen, warum soll ich nicht auch die Sache mit den Briefen auf mich nehmen? Was macht das noch aus? Wozu dem Vater doppelten Schmerz bereiten?"
Furchtsam, niedergedrückt von ihrer Scham glitt Grace auf sie zu. Kniete vor ihr nieder und legte weinend den Kopf in ihren Schoß.
„Nicht weich werden", sagte Gloria. „Trachte vor allem, mit deinem Manne ins Reine zu kommen. Werde ihm die Frau, die er verdient!"
„O — es ist so feige von mir, so schmählich! Gloria — höre, nimm mich mit zu Harald! Ihm will ich die Wahrheit sagen! Ich muß es! Ich will nicht mein neues Leben mit einer Lüge beginnen! Er wird verzeihen und begreifen. Und dann — Gloria — — wenn man dich vor Gericht stellt, wird man dich ganz anders beurteilen, wenn man weiß, daß du den Mann getöteft hast, um die Ehre deiner Schwester zu verteidigen! Du wirst sehen, man wird dich sogar freisprechen!"
„Ich weiß nicht, Grace!"
Doch diese umUammerte sie fester und fester!
„Du darfst dich nicht für mich opfern! Ich fühle es, ich weiß es, ich könnte die Schmach nie und nimmer tragen. Wenn du bereit bist, für das zu büßen, was du meinetwegen getan hast, warum soll ich nicht büßen für meine eigene Schuld. Der Vater liebt dich — Gloria! Der Kummer über dich würde ihn töten! Und Gloria--du hast nie davon ge
sprochen, aber ich weiß, du hast immer und immer daran gedacht. Gloria, was soll mit deinem Kinde geschehen?"
Da fuhr Gloria auf. Wild stieß sie die Schwester von sich. Schrie in der Not der verzweifelten Mutter:
„Warum sprichst du davon? Wenn ich nicht einmal wage, daran zu denken!"
Mutter Anne kam herein.
..Ich habe im blauen Zimmer anrichten lassen! Kommt, Kinder, ehe es kalt wird!"
Der Hunger Glorias war verflogen. Stumm faß sie der Schwester gegenüber und stocherte auf dem
Teller herum, den ihr die 2Ut« hinstellte. Ihre Gedanken waren weit draußen — dort droben in Sainsbury Castle--bei ihrem Jungen--
Sie beschloß, Mutter Anne hinaufzuschicken und ihn nach London bringen zu lassen. Man würde ihr ja gestatten, ihn zu sehen--Auch später —
sicher von Zeit zu Zeit! Jetzt, da die Schwester an diese Stelle gegriffen hatte, schmerzte und quälte sie mehr als alle anderen Sorgen.
Ihr Kind--!
Ein Lakai erschien und flüsterte Mutter Anne einige Worte zu. Diese kam zu Gloria.
„John meldet, die Dame von vorhin ist wieder am Telephon."
Müde erhob sich Gloria und ging in das Empfangszimmer, wohin die Leitung umgestellt worden war. Die Glieder waren ihr schwer. Ihr Geist, ihr Mut,--hoffnungslos auf einmal--Ob sie
nicht mit dem Besuch bei Harald wartete, bis sie ihr Kind gesehen hatte?
„Hier spricht die Herzogin von Sainsbury", sagte sie gleichgültig, als sie den Apparat aufnahm.
Die Stimme einer jungen Frau antwortete. Englisch sprach sie, aber mit einem fremden Akzent.
„Ist dort ganz bestimmt die Herzogin Sainsbury? Herzogin Gloriq? Die Angelegenheit ist nur für sie bestimmt."
„Ja — ja--ich bin es. Wer sind Sie?"
„Das kann ich nicht sagen. Ich habe nur eine Botschaft zu übermitteln."
„Eine Botschaft? Von wem?"
„Auch das kann ich nicht am Telephon Mitteilen. Meine Botschaft lautet: Wenn die Herzogin von Sainsbuy die gewissen Papiere, die sie sucht, zurück- I)aben will, möge sie morgen abend um neun Uhr im Saal der Ambassadeurs im Kursaal zu Ostende soupieren."
ßtoria schwankte. Mußte sich an der Tischkante festyalten.
„Ich — ich — morgen —?" stammelte sie.
„Morgen abend um neun Uhr im Saal der Ambassadeurs."
Ein kleiner scharfer Klicks — die Fremde hatte angehängt.
2 5. Kapitel.
Punkt elf Uhr fuhr am nächsten Vormittag Sir Wolter vor Burnham House vor, machte aber ein I
sehr betroffenes Gesicht, als ihm statt Glorta Lady Grace entgeaentrat.
„Ich dachte, Me Frau Herzogin wollte felbft kommen?"
„Sie läßt um Entschuldigung bitten, Sir Walter, — sie kann den versprochenen Besuch heute nicht machen. Sie wurde gestern abend dringend von London abberufen."
„Mylady gestatten, daß ich etwas verblüfft drein- schaue! Und was soll nun aus dem Besuche bei Lord Neville werden?"
„Ich werde Sie bitten, Sir Walter, mich anstatt meiner Schwester hinzusühren."
Sir Walter verbeugte sich und Lady Grace eilte davon, um sich zum Ausgange bereit zu machen.
Ihm ging die plötzliche, überhastete Abreise Glorias durch den Kopf. Je länger er darüber nachdachte, desto mysteriöser schien sie ihm. Mußte für sie nicht das erste und wichtigste Erfordernis fein, Harald zu sprecyen? Der Grund, der sie davon abhielt, war also gewiß ein noch gewichtigerer, einer, dem sie sich unbedingt unterordnete. Hm —
Lady Grace trat ein. Bleich, sichtlich bemüht, ihre Aufregung niederzukämpfen. War sie doch im Begriff, den schwersten Gang ihres Lebens anzutreten.
„Einen Moment, Mylady," sagte Sir Walter, „dürfte ich, da die Damen mich nun doch wohl endlich in ihr Vertrauen ziehen, fragen, wohin die Herzogin berufen wurde?"
Grace zauderte, und dieses Zaudern sagte ihm genug.
„Man hat sie irgendwohin gerufern-um ihr den Vertrag zu geben. Ist es so ober nicht, Lady Grace?"
Sir Walter war kein großer, kein stattlicher, kein imponierender Mann. Frauen gegenüber schon gar nicht — zu seinem größten Leidwesen. Aber in feiner Frage klirrte jetzt eine so verbissene Energie, daß sich Grace ganz erschrocken unter ihr duckte. Sie war ja keine Kämpferin. Und dann — hatte Gloria nicht beschlossen, Sir Walter die volle Wahrheit zu sagen?
„Gestern abend telephonierte eine fremde Dame, Gloria möchte sich heute abend in Ostende — ich glaube, im Kursaal — die Papiere abholen--*
„Die Papiere?" Wie Lanzetten stachen seine Augen in die der ängstlichen Frau.
(Fortsetzung folgt.)
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