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lernen, die Wahrheit zu lesen, wie sie mit glanv menschrift im Buche der Weltgeschichte verzeichnet steht. Eines der abstoßendsten, fluchwürdigsten Ver­brechen aller Zeiten lind Völker hat den Weltkrieg verursacht. Mitten im Frieden, beim Einzuge in eine Stadt seines !steiches, wurde der österreichische Thronfolger und seine Gemahlin aus dem Hinter­halt niedergeschossen, lieber dieses abscheuliche Ver­brechen, den Meuchelmord an einem edelgesinnten Fürsten und seiner Gemahlin, Mutter von drei Kindern, haben damals Rußland und Frankreich schützend die Hände gebreitet. Um serbische Blutinen- schen zu decken, sind Russen und Franzosen ins Feld gezogen. Blut klebt an den Händen des Zaren, als er den Mobilmachungsbefehl, damit sein eigenes Todesurteil, unterschrieb. Richt das deutsche Volk ist einVerbrechervolk", sondern die Entente hat sich an die Mörder verdungen und zu Teilhabern des scheußlichsten Verbrechens gemacht. Die Sache des ehemaligen Feindbundes ist rot von jenem ver- drecherisch vergossenen Blut Die erzwungene Un­terschrift eines niedergetretenen und verzweifelten Volkes hat dieses Blut nicht abzuwischen vermocht. Das ist die nackte Wahrheit. Jedem Ausländer soll sie ins Gesicht geschleudert werden, wenn er die Kriegsschuldlüge wiederholt. Die Schuld am Welt­kriege ist die Blutschuld von Serajewo. Dav Atten­tat von Serajewo ist die Ursache des Weltkrieges.

,< Oberheffen.

- * Landkreis Gießen

=.= Watzenborn-Steinberg, 8. März. Einen recht unterhaltsamen Abend bof der G c - sangvereinGermania" seinen zahlreichen Gästen gestern anläßlich der Feier seines diesjähri­gen Stiftungsfestes. Die unter Leitung seines be­währten Dirigenten Georg Harnisch vorgetrage­nen Chöre ließen in schönster Weise erkennen, wie der Verein eifrig und mit Erfolg gearbeitet hat. Eine flott gespielte Volksoperette fand ungeteilten Beifall. Orchestervorträge umrahmten die Feier in stimmungsvollster Weise.

Dg. G roßen - Bus eck. 9. März. Der- messungsrat Hanauer aus Gießen hielt hier im Saale des Gastwirts Wagner einen Vortrag über die Feldbereinigung und die Vor­teile, die sie dem Landwirt bietet. Der guta Besuch der Versammlung legte Zeugnis ab von dem allgemeinen Interesse, das man dieser Frage entgegenbringt. In der Aussprache wurden lediglich Dufklärungsfragen gestellt. Die Stim­mung nach diesem Vortrage kann man wohl dahin kennzeichnen, daß die Landwirte von den Vorzügen einer Bereinigung überzeugt sind, daß aber doch noch eine Reihe Bedenken bestehen, wie sie wohl bei jeder derartigen Aeuerung auftreten, besonders aber solche finanzieller Art. Dabei fragt man sich besonders, wer ist, da doch die Hauptkosten auS demMasscngelände" be­stritten werden sollen, bei der heutigen Finanz­lage imstande, solches Massengelände zu stei- gern, und wie sollen die Gelder, wenn infolge­dessen die Gebote zu niedrig bleiben, aufgebracht werden.

: Beuern, S. März. Die Zahl der Er­werbslosen hat hier ihren Höchststand er­reicht und sinkt langsam. Währmd noch vor acht Tagen an 64 Leute die gesetzliche Unter­stützung ausbezahlt wurde, ist deren Zahl bereits auf 58 gefallen und wird im Laufe dieser Woche noch auf _5O heruntergehen.

Göbelnrod. 10. März. Der Zug, der um 8 Llhr in Gießen an kommt, hielt heute früh auf offener Strecke zwischen Grünberg und dem Bahnwärterhaus vor unserem Dorfe, weil der Lokomotivführer einen Menschen auf dem Geleise liegen sah. Es handelte sich !um einen bereits erkalteten, anscheinend dem Arbeiterstand angehörigen Mann, der dort in der letzten Rächt von einem Zuge über­fahren worden toaf. Der Körper lag zwischen den Geleisen, der Kops daneben. Aach Feststel­lung der Tatsache fuhr der Zug weiter. Die Personalien des Mannes waren bei der Aieder- schrift dieser Zeilen noch unbekannt. Kurz vor Aedaktionsschluß hören wir noch, daß es sich bei dem Toten um einen jungen Mann im Alter von etwa 18 Jahren handelt. Ausweispapiere wurden bei dem Verschiedener nicht gefunden.

f- Grünberg, 8. März. Heute fand die erste H o l z o e r st e i g e r u n g des in den st a a t l i ch e n Waldungen der Obcrförsterei Grünberg geschla- Die tolle Herzogin.

Roman von E r n st Klein.

Copyright by Carl Duncker, Verlag, Berlin. 12. Fortsetzung. Nachdruck verboten.

Spotten Sie nicht, Mylady! Meine Vorfahren waren entweder Mönche oder Seeräuber. Auf jeden Fall haben sie die Frauen geliebt als echte Por­tugiesen geliebt. Wild, leidenschaftlich, nicht lange auf das Ja oder Nein lauernd. Bei uns sagt ein altes Sprichwort: Wer auf den Kuß wartet, be­kommt ihn nicht!"

Meine Vorfahren nein, Mönche waren be­stimmt nicht unter ihnen, nicht einmal ein Erzbischof haben die Seefahrt mehr nach gesetzlichen Grund­sätzen betrieben. Ich habe von ihnen die Achtung vor dem Gesetz geerbt und das Gesetz verbietet mir als einer verheirateten Frau, solche Worte an­zuhören, wie Sie jetzt zu mir sprechen."

Las Valdas packte sie am Handgelenk.

Grace, spielen Sie nicht mit mir! Ich bin ferner Ayrer angelsächsischen Salonlöwen, die sich das Fell krauen lassen, und zärtlich dazu miau sagen. Als ich Sie zum ersten Male in London sah, schrie es wild in mir auf. Dieses Weib muh dein werden, )wor ich mir. Und Sie werden mein werden, Grace!"

Sie war erschreckt durch seine zügellose Wildheit. Das ging ihrem kühlen Blute denn doch zu rasch. Ein Flirt in solchem Tempo war auch nicht nach dem Geschmack ihres Stolzes. Sie wollte nicht im Sturm genommen fein. Werben mußte man um fie. Sie anbeten. Feurig, sehr feurig oh ja! Aber nicht so! Sie wollte sich gnäbigst geben. Sich ge­wahren. Nicht sich nehmen lassen. Ihre Gunst war Gnade, nicht Unterwürfigkeit. Das war die Britin in ihr, die sich bei den letzten Worten des Portu­giesen zur Wehr setzte.

Las Valdas mochte einsehen, daß er den Bogen überspannte. Gerade bei so oberflächlichen und eitlen Frauen ist es gefährlich, ihrem Stolze zu nahe zu kommen. Einen unverschämten Kuß verzeihen sie, aber nicht ein unüberlegtes Wort.

Er ließ sich vor ihr auf ein Knie nieder und küßte demütig den Saum ihres Rockes. So theaira- lisch diese Gebärde war, so gefiel sie ihr doch unge­mein. Nicht einmal Harry Rutherwall, dem sie doch wahrlich den Kopf ausgiebig genug nerbreht hatte, war je auf solch entzückenden Einfall gekommen.

Automobilverkehr und Städtebau.

Von Stadtrat Dr. D ä h n e , Berlin.

Der immer mehr anwachsende Automobil­verkehr mit seinen Gefahren und Hemmnissen für den übrigen Verkehr zwingt dazu, nach Mitteln und Wegen zu suchen, wie man einer­seits, besonders in den Städten, all die mit ihm verbundenen Vorzüge ausnutzen, ander­seits die ihn begleitenden Unannehmlichkeiten möglichst vermindern und ihn in solche Bah­nen leiten kann, daß er den Städten in städte­baulicher Beziehung nicht Abbruch tut.

In den Großstädten ist man in letzter Zeit vielfach dazu übergegangen, sog. Einbahn­straßen einzurichten, d. h. bestimmte Straßen nur für den Verkehr in einer Richtung und eine nahegelegene Parallelstraße für den Ver­kehr in entgegengesetzter Richtung freizugeben. Auch wird häufig der Gedanke erwogen, durch einen großzügigen Straßendurchbruch einer besonders stark überlasteten Straße in einer neuen parallellaufenden Straße Entlastung zu bringen. Die Schwierigkeiten liegen im letz­ten §alk darin, daß man natürlich vermeiden will, das Straßen- und Stadtbild durch diese Aenderungen zu beeinträchtigen. Einem sol­chen Plane stehen aber auch mancherlei Hem­mungen im Wege. Es ist oft Rücksicht zu neh­men auf historische Stätten und Denkmäler, Gesichtspunkte künstlerischer Art sind zu be­rücksichtigen. So entsteht mancher Gegensatz zwischen praktischer Umgestaltung und Be­wahrung städtebaulicher Eigentümlichkeiten. Dies Beginnen ist also in den Großstädten oft schwer durchzuführen.

Um so mehr sollte bei mittleren und kleineren Städten von vornherein bei der städtebaulichen Planung auf einen sich evtl, stark entwickelnden Verkehr Rücksicht ge­nommen werden. Von den Aufgaben, die sich hier für die Städte in verkehrstechnischer und städtebaulicher Beziehung ergeben, stellt Ge­heimrat Brix von der Technischen Hochschule Berlin, ein bekannter Fachmann auf diesem Gebiete, die im folgenden behandelten in den Vordergrund. Das mögliche Wachstum eines Ortes muß von vornherein in die Rechnung eingestellt werden. Man muß in städtebau­licher Beziehung wenigstens in großen Linien eine gewisse Aufteilung bestimmter Bezirke vornehmen und die verkehrstechnische Verbun­

denheit der einzelnen Orte dieses Bezirkes ge­nau bedenken. Es wird bann zu entscheiden sein, ob die durch eine Ortschaft gehenden Straßen den gfteigerten Automobiloerkehr so­wohl in bezug auf Straßenbefeftigung, wie auf Breite, Sicht u. dgl. befriedigen können, ob durch Einrichtung der bereits erwähnten Einbahnstraßen Abhilfe geschaffen werden kann, oder ob nicht besser an ihrer Stelle eine neue Verkehrsstraße als Ilmführungs- st r a ß e einzurichten ist, die in bestimmter Entfernung die Stadt umlaufend, zugleich Ge­legenheit gibt, das dazwischenliegende Gelände zur Erweiterung der Stadt auszu­nutzen. Alle diese Fragen sind schon jetzt außerordentlich brennend. Bei den Fracht­sätzen der Reichsbahn entspinnt sich im Ueber- landtransport mehr und mehr ein scharfer Konkurrenzkampf zwischen Auto und Eisen­bahn. Es ist klar, daß die schweren Lastkraft­wagen die Straßen und Chausseen stark mit- nehmen. Hier spielt auch die Frage einer evtl. Herabsetzung der Kraftverkehrssteuer eine Rolle. Von diesem Gesichtspunkte aus ist auch die Anregung des Deutschen Städtetages zu betrachten, in diesem Zähre an 21 auf das Jahr verteilten Doppeltagen und an sieben Rächten eine Lerkehrszählung in den deut­schen Städten stattfinden zu lassen, deren Er­gebnisse in erster Linie als Material für eine Neuregelung des Aufkommens aus der Kraft­fahrzeugsteuer dienen sollen.

Eine Umführungsstraße, wie sie oben vor­geschlagen wurde, böte auch die beste Ge­legenheit zu einer zusammenhängenden Ein­richtung der für einen starken Automobilver­kehr nötigen Anlagen, als da sind: Benzin­tankstellen, Reparaturwerkstätten, Garagen u. a. in. Natürlich mutz für den Kraftwagen­verkehr gute Verbindung mit dem Mittel­punkt des Ortes, sowie bei vorhandenem oder einzurichtendem Gütertransport eine solche mit dem Güterbahnhos vorhanden sein.

Was also bei derartigen Veränderungen und Anlagen erreicht werden soll, ist die Schaffung einer städtebaulichen (Ein­heit. Hier Fehler vermeiden zu helfen, sollen die angeführten Ueberlegungen und Vor­schläge dienen.

genen Brennholzes statt. Die Oberförsterei Grün­berg umfaßt die großen Waldungen zwischen dem Lumdatal und dem Buseckcrtal, aus denen alle um­liegenden Ortschaften ihren Brennstoffbedarf decken. Hauptsächlich sind es die bäuerlichen Bevölkerungs­treise mit eigenem Fuhrwerk, die hier als Steigerer auftreten, während die Einwohner ohne Fuhrwerk in den näher gelegenen Gemeindewaldungen ihr Brennholz steigern, dafür aber erhöhte Preise bezah­len. Trotzdem waren die Preise bei dieser ersten Versteigerung sehr hoch. Es kosteten je 4 Raum­meter Buchenscheiter 65 bis 70 Mk., Buchenknüppel 4550 Mk., Buchenstöcke 2632 Mk., Buchenreisig 20 Mk. Man wundert sich allgemein, daß trotz der Geldknappheit und trotz Preisabbau die Summen bezahlt werden, zumal auch Brennholz genug ge­schlagen worden ist.

t Grünberg. 9. März. Die Deutsche Volkspartei veranstaltete in Beltershainund Geilshausen gut besuchte Versammlungen, in denen der Provinzialgeschäftsführer Weiser- Gießen über die aktuellen politischen Fragen in Hessen und im Reiche sprach. Seine Darlegungen fanden überall den lebhaften Beifall der aufmerk­sam lauschenden Zuhörer. Der Gemeinde- r a t beschloß in seiner gestrigen Sitzung, an­gesichts der hohen Kosten vorläufig aus die Reu- aufstellung des Braudlatasters zu verzichten. Zur Durchführung der Zeppelin-Cctener-Spende wird sich die Bürgermeisterei mit den Vereinen nuferer Stadt ins Benehmen setzen. Die Gießener Militärkapelle unter der

Vergeben Sie mir, Grace!" flehte er.

Sie ließ ihn ruhig einige Augenblicke in dieser Stellung. Kostete ihren eingebildeten Triumph voll aus. Aber sie gestattete, daß er ihre Hand ergriff und einen seiner feurigsten Küsse darauf preßte.

Dann zog sie ihn gnädig empor.

Und nun wollen wir als brave, vernünftige Leute nach Hause reiten."

Brav? Vernünftig? An Ihrer Seite? Allein mit Ihnen auf diesem herrlichen Fleck Erde--!

Grace, was verlangen Sie nicht alles von einem Las Valdas?"

Ich verlange vor allein von ihm, daß er mir jetzt in den Sattel hilft!" gebot sie.

Im Schlosse angekommen, Hörle sie vom Butler, daß ihr Vater mit dem Auto nach Dover gefahren war, um den Ostender Bootstrain nach London zu nehmen. Seine Lordschaft werde am Abend tele­phonieren, j)enn es sei möglich, daß er auch noch am folgenden Tage in der Stadt zurückgehalten werde.

Las Valdas stand neben ihr, als ihr die Mel­dung erstattet wurde.

Das erinnert mich," sagte er,an meine eigenen Pflichten. Ich bin gestern eigentlich ohne Erlaubnis meines Chefs aus London durchgebrannt. Ich muß ihn wenigstens jetzt fragen, ob er mir die Erlaub­nis nachträglich erteilt. Darf ich einen Augenblick das Telephon benützen?"

Unter der Bedingung, daß Sie sich nicht ab= kommandieren lassen", geruhte Grace zu scherzen.

Er bohrte einen tiefen Blick in ihre Augen. Stumm, aber doch so unendlich beredt. Sie errötete unter diesem Blick.

Nach wenigen Minuten kam er zurück. Aerger- lich, mit gerunzelter Stirn.

Ich habe e sja geahnt", rief er.Ah daß man nicht frei, nicht Herr seines Willens sein kann! Ich muß sofort zurück. Es sind wichtige Depeschen angekommen, die noch heute erledigt werden müssen. Grace, darf ich wiederkommen?"

Sie müssen!" lachte sie und lief die Treppe empor.

Eine Vierielstunde später jagte ein Wagen burd) das alte Gittertor ouf die Chaussee hinaus.

Am Abend telephonierte Lord Burnham, er werde mindestens noch zwei Tage in London bleiben.

Leitung des Obermusitmeisters Löber gab am Sonntag in der hiesigen Turnhalle ein Konzert, das vor ausverkauftem Hause ftattfanh. Die aus­gezeichneten Darbietungen der Kapelle fanden stärksten Beifall. Das Konzert war für unsere Stadt ein Erlebnis.

Hungen, 8. März. Ain Eamstag fanb hier imSolmser Hof" eine Versammlung des Bezirkslehrervereins Hungen statt. Lehrer Silh - Znheiden hielt einen Vortrag über Familienforschung und Schule. Er wies besonders darauf hin, daß eine richtig be­triebene Familienforschung, abgesehen von ihrer historischen Bedeutung, von großem Wert für die Heranwachsende. Generation, aber auch für den Erzieher sei. 3n der Frage der Schul­zeugnisse einigte man sich auf ein bestimm­tes Muster. Weiterhin nahm man Stellung zu den geplanten Schulabbaumaßnahmen. Da auf der diesjährigen Hauptversammlung in Worms auch die Neuwahl' eines Schrift­leiters desSchul boten" stattfinden soll, wurde zum Schluß auch die Bewerberfrage er­örtert.

Kreis Friedberg.

' Bad-Rauheim, 9. März. 3m An­schluß an einen sehr lehrreichen Vortrag, den Oberrechnungsrat K r a tz - Darmstadt, der Ge­schäftsführer des hessischen Tierschuhvereins, hielt, wurde hier eine Ortsgruppe des T i e r s ch u tz v e re i n s für Hessen ge­gründet, die unter Leitung des seitherigen Orts-

Unb am Morgen kam ein Brief des Grafen:

.Mylady!

Ich kann noch nicht zurückkommeu. Immer habe ich die Politik gehaßt, aber nie so wie jetzt, da sie mich von Ihnen sernhält. Denn jetzt, da ich nicht bei Ihnen fein kann, fühle ich erst mit voller und schmerzhafter Deutlichkeit, wie sehr Sie Be­sitz von mir, meinem ganzen Wesen genommen haben. Bei Ihnen zu fern, ist gefährlich: nicht bei Ihnen zu sein, unerträglich.

Ich fühle nichts, ich denke nichts als Sie! Diese Stunde im chinesischen Kabinett, als ich Sie im Arm halten durfte, in einem wahnsinnigen Kusse die Süße Ihrer Lippen trank, brennt in mir.

Grace, ich bin ein Wahnsinniger! Ich liebe Sie, ich liebe Sie!

Ich weiß, es ist ein unerhörtes Verlangen, kühner noch als meine Worte dort auf der Klipps aber ich flehe Sie an,_fd)reiben Sir mir ein paar Zeilen! Schreiben Sie mir, daß Sie mir nicht zürnen! Daß Sie an mich denken! Gehen Sie heute abend in jenes Kabinett bleiben Sie eine Minute dort allein! Ich werde bei Ihnen sein!

Ihr Fernando Graf Las Valdas."

Sie las diesen Brief, las ihn und las ihn. Mein Gott, war es möglich? War das wirkliche Leiden- chaft? Am Ende Liebe? Sie meinte ihn die Worte prechen zu hören, die er schrieb! So kühn, so wild, o rücksichtslos heifck-end! Nein nein sie durfte ihm nicht schreiben. Sie durfte nicht--

In der Nacht setzte sie sich in ihrem Zimmer hin und schrieb:

Mein lieber Graf!

Ich tveiß nicht, welche Schwäche mich dazu treibt, Ihnen zu antworten. Aber Ihr Brief läßt mich nicht los! Er hat mich, so wie Sie es ver­langt haben, in jenes Kavinett getrieben. Dort habe ich gesessen, allein während nebenan die anderen tanzten und lachten. Waren Sie wirklich bei mir in dieser Minute?

Aber bitte bitte, schreiben Sie mir nicht mehr! Kommen Sie lieber selbst so bald wie mög­lich schon mit Rücksicht auf das allabendliche Tanzvergnügen. Grace Neville."

Doch die Politik hielt ihn fest. Er konnte nicht kommen, aber er mußte doch diese Frage beant­worten, mit der sie ihren Brief geschlossen hatte. Also schrieb er ihr, noch wilder, noch leidenschaft- ftcher, als das erste Mal. Wieder fache fie sich- Ich

Vertreters, Lehrer D o m m e r s h e i m, steht. Die Ortsgruppe will die etwa 100 hiesigen Tier- schutzfreunde, die seither schon dem hessischen Landesverein angehörten, enger zusammen­schließen, vor allem durch Versammlungen und Verträge den Tierschutzgedanken in immer weitere Kreise der Bevölkerung tragen. Man will sich darüber hinaus aber auch den Vogelschutz sowie den gesamten Ratur- und Heimat- schütz angelegen sein lassen. -- Der frühere Flottenverein hat sich vor Jahresfrist als See­verein wieder neu belebt. Er zählt bereits wieder 100 Mitglieder. Durch Vorträge, deren erster in den nächsten Tagen stattfindet, will der Seeverein aufklärend für die deutsche See­geltung tätig sein.

y. Aus der mittleren Wette ra u, 9. März. Hier kann man allenthalben feststellen, daß beide Kälteperioden dieses Winters der Win­tersaat keinen Schaden zugefügt haben, daß vielmehr nach Angabe gut unterrichteter Land­wirte Weizen und Korn einen guten bis vorzüg­lichen Stand haben. Auch der deutsche und ewige .Klee sind gut überwintert. 9lur da, wo im Herbst der Mäusefraß stark auftraf, gewahrt man noch stellenweise Fehlplätze.

Kreis Schotten.

lg. Gedern, 9. März. Am Sonntagabend hielt die Evangelische Volksgemein­schaft hier eine öffentliche Versammlung ab, in der Pfarer Weidner (Ober-Lais) überWesen und Ziele der Evangelischen Volksgemeinschaft" sprach. Im Anschluß an den Vortrag wurde eine Ortsgruppe gegründet, der 20 Mitglieder beitraten. Am Donnerstagabend sprach Pfarrer Weidner in Jlsteshausen über das gleiche Thema, und auch dort kam es zur Gründung einer Ortsgruppe. Forstwart Ziegler von hier gelang es, einen Edelmarder zu fangen.

I Ober-Lais, 9. HAärz. Im November 1923 wurden im WalddistriktEichholz", der damals zu Siedlungszwecken abgeholzt wurde, unter Leitung von Dr. Kunkel zwei Hügel­gräber ausgegraben. 3n einem dieser Gräber fanden sich bei der Amrodung dieser Tage Scherben von vorgeschichtlichen Ur­nen. Dieser Fund wurde Anlaß zu einer Rach- arabung am tk März unter Leitung von Prof. Helmke-Gießen, die jedoch kein Ergebnis mehr lieferte. Dagegen wurde ein Hügel in der benachbarten GruppeAm Buchtopf" geöffnet, der bronzezeitliche Gegenstände ent­hielt. Auch diesmal hatten sich, wie bereits 1923, freiwillige Helfer gefunden, die sich ohne Aus­sicht auf Entlohnung um der Sache willen zur Verfügung stellten. Diese Tat der Ober-Laiser und Fauerbacher Helfer ist um so höher zu werten, als die ganze Arbeit bei übelster Witterung aus­geführt werden muhte. 3m Vogelsberger Höhenklub Ober-Lais sprach am Sonn­tag Professor Helmke überDie Römer in Deutschland" und lieh diese längst vergangene Desahungszeit unseres Landes vor den Zuhörern wieder lebendig werden.

x!x Burkhards. 9. März. Gegen das Llrteil des Provinzialausschusses der Provinz Oberhessen in Sachen Bürger- m e i st e r w a h l Burkhards hat die unter­legene Partei das Rechtsmittel der Revision an den Verwaltungsgerichtshof ein­gelegt.

Kreis Alsfeld.

ck. Rieder-Ohmen, 9. März. Zum großen Bedauern der Einwohner von Rieder- Ohmen und Burg-Gemünden besteht zwischen diesen beiden Gemeinden bis jetzt noch immer keine direkte Strahenverbindung, Wer jetzt von dem einen Orte zum andern will, muh den IVJtünöigeir. ümtoeg über Berns­feld machen, eine äMannehmlichkeit und große Zeitverschwendung zugleich. Cs ist dringend wünschenswert, dem jetzigen älebelstand durch alsbaldige Inangriffnahme eines Straßenbaues zwischen Rieder-Ohmen und Burg-Gemünden ein Ende zu machen. Man könnte dabei auch den zahlreichen Erwerbslosen beider Gemeinden Ar­beitsgelegenheit bieten. Jedenfalls dürften wohl auch die Gemeinden zu einer finanziellen Bei­hilfe bereit fein.

* Brauerschwend, 9. März. Am Sonntag hielt die Sänger VereinigungSchwalm- A n t r i f t - F e l d a" hier ihren töertretertag ab. Außer den Vertretern waren noch eine große An­

darf nicht antworten. Und wieder antwortete sie.

Am vierten Tage kam ein Brief, der ein einziger heißer Aufschrei war.

Grace! Geliebte!

Ich bin mit meiner Arbeit fertig. Ich könnte zu Ihnen kommen, nach der mein Herz, meine Sinne lechzen. Aber ich komme nicht, wenn Sie mir nicht versprechen, daß ich Sie lieben darf. So lieben, wie man in meiner Heimat liebt."

Ihre Antwort bestand aus zwei Worten:

Kommen Sie! Grace,"

Nach Erhalt dieser Botschaft begab sich Graf Las Valdas ins Hotel Ritz, wo Herr St. Aubain aus Paris wohnte.

Ich glaube, unsere Sache ist auf dem besten Wege", berichtete er diesem Herrn.Die Briefe der Lady sind unschätzbar. Zum Glück ist sie außerdem sehr hübsch, so daß man bei der Arbeit auch noch auf die Kosten kommt. Ich hoffe. Ihnen bald Definitives berichten zu können."

Dann reichte er Herrn St. Aubain die Hand und ging.

Herr St. Aubain aber stürzte in fein Badezimmer und wusch fick die Hand, die der Graf für eine Mi­nute in der (einigen gehabt hatte.

Eines Tages erschien imMatin" unter dem TitelDie Reisen des Herrn Karaschin" der fol­gende Artikel:

Herr Karaschin, der Leiter des Volkskommissariats für wirtschaftliche Angelegenheiten in Moskau, be­findet sich wieder einmal auf Reisen. Zunächst be­ehrte er England mit seinem Besuche, wo er mit Uorb Burnham auf dessen Landsitz Burnham Tower eme Besprechung hatte. Lord Burnham gilt als der Besitzer der vollständigsten Gainsborough- und Rey- nc-lds-Sammlung In den Vereinigten Königreichen, aber es ist wohl kaum anzunehmen, daß Herr Ser­gej Karaschin sich besonders für diese berühmten eng­lischen Aialer interessierte. Lord Burnham ist neben feiner Eigenschaft als Kunstsammler Präsident der Imperial Anglo-dutch Oil Company! Man hat da­her Grund zur Annahme, daß der Gast aus So- wjelrußland sich mit ihm weniger über Kunst als über Petroleum unterhalten hat. Rußland will feine Delfelbcr in Sachalin, Kaukasien und am Kaspischen Meere verkaufen, und der angelsächsische Trust mel­det sich natürlich sofort als Käufer.

(Fortsetzung folgt.)