nämlich Fontane in dem Gedicht „Die Brück' am Tay" und der Ingenieur-Dichter Max E y t h in seiner Novelle „Berufstragik" schildern. In Dundee befindet sich das mebiziniscye Nniversity-College.
Und von hier in wiederum einer ^-chnellzug- ftunde nach 'Norden an dem Ufer der Nordsee oder, wie die Schotten es nennen, des Deutschen Meeres entlang, ist man in Aberdeen, dieser eigenartigen Stadt, die ganz aus Granit gebaut ist. Die alte Universität, aus dem 14. Jahrhundert, hat heute noch malerische Gebäude, die aus dieser <jeit stammen. Modern ist das Naturwissenschaftliche Institut, ein Riesenbauwerk in dem hellschimmernden Grau des Granits mit durchbrochenem Giebel, der sich wie Spitzenhandarbeit von dem Himmel abhebt. In dem Unioersitätsviertel, nahe dem Botanischen Garten, befindet sich die alte St. Machariuskathedrale, die die einzige bestehende christliche Kirche aus Granit ist.
Um alle diese vier Hochschulen liegen, wie überall in ganz Großbritannien, Sportplätze für Golf und Tennis; es ist ein ästhetisch schönes Bild, soviel junge und gesunde Menschen sich da tummeln zu sehen.
Aber einmal im Jahre herrscht regelmäßig an den Universitäten ein anderes Tummeln, nämlich in Form wütester Krawalle; dies ist am Tage der Rektoratswahl. Die Einrichtung des Rektorenamtes ist dort anders als bei uns. Die eigentliche Berwal- tungsarbeit, die der Tätigkeit unserer Rektoren entspricht, leistet der Vizekanzler oder Vizerektor, den das Professorenkollegium aus seiner Mitte wählt. Dieses wählt jedoch an erster Stelle den Lordrektor oder Lordlanzler, der ein um das Land oder um die Menschheit verdienter Mann sein muß. An der Universität St. Andrews war bis jetzt Lord E e c i l Rektor; fein Nachfolger wurde Fridtjof Nansen wegen seiner aufopfernden und erfolgreichen Bemühungen um die Behebung der Hungersnot in Rußland. Besonders stürmisch verlaufen alljährlich die Wahlen an Edinburgh und Glasgow, wo stets ausgesprochene Politiker das Amt des Rektors bekleiden. So bewerfen sich Studenten und Studentinnen der verschiedenen Parteien an diesem Tage mit faulen Eiern, Kartoffeln, Aepfeln und anderen Naturerzeugnissen; oft bleiben Verletzte bei einer derartigen Auseinandersetzung auf der „Wahlstatt". Nur von 12 bis 1 Uhr wird ein Waffenstillstand abgehalten, in welcher Zeit die Professoren wählen. Man sollte einem so kühlen und leidenschaftslosen Volke, wie es die Engländer und ganz besonders die Schotten sind, derartige impulsive Methoden nicht zutrauen, die eigentlich mehr der Wesensart einer südlichen Raste entsprechen. In Edinburgh wurden jetzt der Premier Baldwin und in Glasgow der Außenminister Chamberlain Universitätsrektoren.
Diese turbulenten Ereignisse vermögen aber der Beliebtheit der vier schottischen Universitäten keinen Abbruch zu tun. Sie sind, wie erwähnt, nicht nur im übrigen Großbritannien sehr geschätzt, sondern auch in den Dominions, die ihre studierende Jugend von Kanada, Australien, Neuseeland und Indien nach Schottland entsenden. Doch begegnet man auch vielen japanischen und chinesischen Studenten, besonders an den medizinischen Fakultäten Edinburghs und Glasgows.
Indien und der erwachende Osten.
Von George P o p o f f.
Die Engländer stehen im Rufe, die besten Kolonisatoren und besten Kenner der Psychologie der farbigen Völker zu sein. Es genügt jedoch, einige ihrer 1 Ueberseebesitzungen kennen zu lernen, um sich von y der Tatsache zu überzeugen, daß es selbst ihnen nicht gelungen ist, das Kardinalproblem unseres Verhält- v nistes zur farbigen Welt zu lösen, d. h. neben dem unbedingten Einstehen für die eigene Rasse und eigene Kultur — eine gerechtere, den heutigen Umständen entsprechende Einstellung den Farbigen gegenüber zu finden. Bewundernswert sind sie im ersten: Hier im Osten, wo die politisch zersplitterten Masten nur dadurch groß sind, daß sie in ihren Religionen jenes höhere Etwas besitzen, welches uns Europäern heute abgeht, und welches ein deutscher Dichter treffend „das selbstvergessene Gefühl der Zugehörigkeit zu einer ideellen Gemeinschaft" nannte, — gelten diesen Völkern nur die Engländer mit ihrem außerordentlichen Nationalgefühl und ihrer strengen Pflege der eigenen Raste als gleichberechtigte und kampffähige Partner in jenem großen Völkerringen, das heute in der Welt vor sich geht und sicher nicht so bald zu Ende sein wird.
Weniger gewachsen haben sie sich indessen jener Ausgabe gezeigt, die bann, als logische Konsequenz ihrer Rassepolitik, vor ihnen entstanden ist: ihre Behandlung der Farbigen, wenngleich in vielem achtsamer, als diejenige seitens der übrigen europäischen Kolonisatoren, trug seit jeher den Stempel einer überheblichen Suprematie und ist heute, da sie im allgemeinen dieselbe, wie vor dem Weltkriege geblieben ist, den von Grund auf veränderten Verhältnissen kaum mehr angepaßt. Einige Beispiele aus dem Alltag mögen dieses versinnbildlichen: Jene zahlreichen Inder, welche England studienhalber
Gießener Konzertverein.
Werrdlrn.i-QnarteLt.
Unter den musikalischen Klangkörpern stellt das Streichquartett das Sublimierteste dar. Dadurch, daß es von allen Hemmungen der akustischen Reinheit frei ist, die sonst erst durch aktive Mitarbeit der Psyche überwunden werden müssen, läßt es den musikalischen Gehalt sich voll und ganz erschließen.
Der sinnliche Klang ist als Träger der musikali- schen Idee notwendig; aber er kann sich zuweilen so vordrängen, daß er das Geistige überdeckt, so daß oft nur die physiologisch-akustische Auswirkung verbleibt. Und scheint es nicht io, daß manche, namentlich der Moderne, die sinnllch-starke Aeußerung bevorzugen und den geiftigen Gehalt zurücktreten lassen, oder vielleicht besser, daß sie durch den Pomp der sinnlichen Aufmachung die Leerheit dessen verbergen wollen, was sie zu sagen haben bzw. nicht zu sagen vermögen.
Im Streichquartett tritt der physikalische Klang nur soweit in Erscheinung, als er Träger des Gedankens wird, doch auch da mehr als eine Abstraktion, als ein geistiges Symbol. Und in dieser vergeistigten Form des Mittels wird der Inhalt des Geäußerten in unmittelbarer Weise geoffenbart. Und so wird das Quartett zum Prüfftein für die geistige cenbung des Schaffenden und für seine Fähigkeit, seine Gedanken in reinster, klarster Form darzu- bieten.
Jede Art der Aeußerung für ein Einzelinstrument verleitet zum Improvisieren, und diese Art des Schassens hat durchaus oft seinen Gewinn gebracht, ja den Weg für neue Stilmöglichkeiten er
I aufsuchen, und welche England allen Grund hätte, gut zu behandeln, begegnen nirgends als Gleichberechtigte, höchstens als „coloured gentlemen" einer mehr ober weniger herablassenden Geltung. Aehn- liches erlebt man auf der Ueberfahrt auf den großen P.° und O.-Dampfern, welche während der Herbstmonate Tausende von indischen Studenten, Kaufleuten, Gelehrten nsw. heimwärts befördern — gleichzeitig mit Tausenden zu ihren Arbeitsstätten zurückkehrenden englischen Urlaubern. Eine strengere Scheidung, als die hierbei geübte, läßt sich nicht denken. Kaurn spricht jemand mit den ..coloured', keine der Damen tanzt mit ihnen, zu den Mahlzeiten werden ihnen besondere Tische angewiesen ujw. Noch strenger ist die Scheidung in Indien selbst. Hier haben die Engländer zwischen sick) und den Einheimischen so hohe soziale, gesellschaftliche und kulturelle Schranken erdichtet, daß eine Heber- brürfung derselben fein Farbiger wagen könnte. Um ein Beispiel von Tausenden zu nennen: Ein Klub Bombays verweigert selbst den Fürsten Indiens, als Farbigen, den Zutritt zu seinen Räumen. Nur geschäftliche Rücksichten gelten als selbstverständliche Ausnahmen (da kommen alle Regeln der „farbigen Etikette" automatisch in Fortfall — busineß is Busineß), aber außerhalb des Geschäftes, des Dienstes und der Politik, im Verkehr von Mensch zu Mensch, stehen die Engländer heute noch den Farbigen wie die Bewohner eines anderen Planeten gegenüber — verständnislos, kalt und abweisend.
Es versteht sich, daß diese Taktik, die sich überall im politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Leben Indiens unangenehm bemerkbar macht, wenig dazu beiträgt, die Friedfertigkeit der farbigen Massen zu fördern. Doch während es vor Jahren noch mehr ober weniger statthaft scheinen konnte, diese Stimmungen und Verstimmungen zu ignorieren, dürste dies heute kaum mehr möglich sein. Das Schreckgespenst des Weltkrieges ist inzwischen über das Antlitz der Erde hinweggeschritten und hat im Osten derartige Umwälzungen gezeitigt, daß man hier an Ort und Stelle, mehr noch als von Europa aus, über die Tatsache staunt, die Stellung und Geltung der Weißen in der außereuropäischen Welt nicht noch nachdrücklicher vernichtet zu sehen; als es tatsächlich der Fall ist. Man braucht zur Wahrnehmung dieser Tatsache kaum weiter als über Indien vorzudringen. Unschwer läßt es sich ober öOrfteUen, zu welch schreckhafter Offenbarung diese Erkenntnis erst in China, Japan und hn übrigen Fernen Osten anwachsen muß, wo alles, was über Indien gesagt werden kann, in tausendfacher Potenz gilt und droht.
Die Achtung vor dem (Europäertum, von der weißen Rasse ist hin! Die Zeiten sind hin, da der Eingeborene in Indien dem Weißen überall Achtung zollte, einem „Sahib" begegnend — vorn Bürgersteig hecobging und sich tief vor ihm verbeugte. Wenn irgend möglich, wird jeder Inder heute versuchen, den ihm gegenübertretenden Europäer in buchstäblichem und übertragenem Sinne des Wortes — anzurempeln. Der Krieg hat eben den Indern, wie allen farbigen Völkern, Dinge offenbare, die sie bester nicht hätten sehen und wissen sollen. Die Internierung und unwürdige Behandlung der Deutschen war natürlich die erste zum Nachdenken zwingende „Neuerscheinung" im Leben der zur Selbstbesinnung gekommenen Farbigen. In den Gefangenenlagern sind die Deutschen nicht (eilen von farbigen Soldaten bewacht worden, die zuvor die bezahlten und sklavisch-unterwürfigen Diener dieser weißen Herren gewesen waren . . . Dann sandte Indien eine Million farbiger Truppen nach (Europa, um sie zu Zeugen jenes Schauspiels der Vernichtung Weißer durch Weiße xu machen und sie gar zur Teilnahme am Bruderkampf der europäischen Nationen zu ermuntern. In den Mußestunden erhielten sie, wohl zur Belohnung für ihre Braverie, weihe Mädchen zum Zeitvertreib serviert, diesen verächtlichen Farbigen, die daheim, sollten sie sich erdreisten, eine weihe Frau zu berühren, einst mit dem Tode bestraft wurden . . . England hat viel weniger farbige Truppen verwandt als Frankreich, aber diese 400—500 000 Inder, die dann heimkehrten, genügten, um die Gesinnung eines Millionenvolkes zu wandeln und zu revoltieren. Diese Völker haben gewisse, uns unzulängliche Wege der Mitteilsamkeit, Wege, ihrer Ansicht über das wahre Antlitz des europäischen Imperialismus und den inneren Wert der weißen Zwingherren blitzartig über ganze Kontinente zu verbreiten, die erst näher ergründet, uns die plötzliche Aenderung ihrer Haltung begreiflich machen würden . . .
Die Psychologie der Farbigen muß uns notgedrungen stets ein Rätsel bleiben. Gleiches Denken und gleiches Fühlen wird kaum je zu erzielen fein, kann nicht einmal als erstrebenswertes Ziel auf- gefaßt werden. Was die gegenwärtige Weltlage in- besten gebieterisch erheischt, ist eine Neuregelung unseres Verhältnisses zur Welt der Farbigen, welche es verhindern würde, diese Volksmassen immer ausgesprochener zu unseren Feinden werden zu lassen. Besseren Kennern des Orients, als Schreiber dieser Zeilen, muß es überlasten bleiben, die Grundlagen dieser kommenden Regelung zu erörtern. Pflicht des Berichterstatters ist es lediglich, auf diese Notwendigkeit hinzuweisen und, wenn auch nur I flüchtig, die Maßnahmen zu streifen, welche, nach
schlossen und besonders dem Werdenden genützt. Aber wer ein Streichquartett schreibt, der muß schon ein in sich Gefestigter sein, der weiß, was er will; der imstande ist, die vier sich vereinigenden, aber jede ihren Willen für sich tragenden Stimmen in einen einheitlichen geistigen Kreis des Erlebens zu bannen. Denn die durchsichtige Struktur des Satzes im Quartett offenbart rücksichtslos alle Schwächen, lägt aber auch das wirklich oorhandene Geistige um so stärker hervortreten und erkennen.
Weil man den organischen Ausbau des Werkes, das Architektonische, in der Form (im engsten Sinne) erkannte, hat man oft die Form als das Wesenseigentümlichste angesehen und geglaubt, mit der Formgestaltung bereits ein Streichquartett geschaffen zu haben, ohne dabei zu berücksichtigen, daß die Form doch nut eine Art der persönlichen Erleb- nisäußerung darstellt, die mannigfaltige Abwandlungen zuläht. Da diese Kunst eine ganz besondere Art der persönlichen Kundgabe darstellt, so war sie urfprünglidj für einen bestimmten erlesenen Horer- kreis gedacht — als Kammermusik.
Persönliches Erleben, persönliche Eigenart prägen sich auch im Stil aus, und Jo eröffnet gerade das Streichquartett in seiner durchsichtigen Art den Blick für die Geistesstruktur des Schaffenden.
B e e t b o v e n s ?-Moll-Quartett fällt in eine Zeit, wo fein Inneres aufs tiefste erregt war. Ein ernster Heiratsplan mit Therese von Malsotti, der Tochter eines Arztes, in dessen Hanse Beethoven verkehrte, war gescheitert. Das Autograph trägt die Bezeichnung „Quartetto serioso' ; ein Titel, der bei der Drucklegung fortfiel; vielleicht sollte er mehr ein persönliches Bekenntnis feinem Freunde gegenüber bedeuten, dem er das Werk zueignete: Nik. Zmeskal
Ansicht der an Ort nnb Stelle Ansässigen und daher am nächsten Interessierten, zur Abwehr der kommenden Ereignisse ergriffen werden sollten. Der Krieg ist zu Ende, aber die „Gewitterwolken im Osten" verziehen sich nicht und werden immer finsterer. Die sogenannte Befriedigung Europas macht, trotz der in letzter Zeit erzielten erfreulichen Resultate, immerhin noch viel zu langsame Fortschritte, als daß sie sich irgendwie merkbar in der Haltung der Mächte auswirken könnte, zumal von einer Koordinierung ihrer Politik auf außereuropäischen Gebieten noch sehr wenig die Rede ist. England hat die hier drohenden Gefahren am deutlichsten erkannt, kann sich aber, infolge innerer Hemmungen, die im Wesen seines Nationalcharakters liegen, noch nicht entschieden genug zu einer Reoision seiner Kolonialpolitik durchringen. Frankreich, das einerseits in den Millionen farbiger Truppen die Hauptstütze seiner Militärmacht sieht, begeht andererseits politische Torheiten, meld)e — wie die letzten Vorgänge in Damaskus — leicht angetan sein konnten, das von England durch den Lausanner Vertrag mühsam zustande gebrachte Werk der teilweisen Pazifizierung des nahen Orients mit Leichtigkeit wieder ins Gegenteil zu verwandeln. Deutschland, bisher von der Entente hartnäckig bedrängt, kommt logisckerweise erst in letzter Reihe als Förderin jener „ideellen Gemeinschaft der weißen Rasse" in Betracht, die der Krieg so frevelhaft vernichtet hat. Während aber im Kreise der europäischen Nationen solcherart über das große Problem ihrer gemeinsamen Weltstellung noch recht wenig Einigkeit und Zielstd)erheit besteht — arbeiten die Sowjetrussen offen und ohne eine Spur von Geheimtuerei beharrlich aus jenen gigantischen Aufruhr des „farbigen Weltsklaven- tums" bin, von dem sie nun nach ihren europäischen Fehlschlägen das Auflodern des großen proletarischen Weltenbrandes erhoffen.
In Europa pflegt man die im nahen und fernen Osten anwachsenden Gefahren mit einer gewissen Neugier des Outsiders zu folgen und betrachtet sie als kommende Dinge einer noch recht fernen Zukunft, denen man keineswegs eine größere als bis- her gezollte Beachtung schuldig zu sein glaubt. Wie weit diese Haltung berechtigt ist, soll hier nicht untersucht werden. Es sei aber festgestellt, daß diese uns so fern scheinenden Gefahren dem im Osten lebenden Europäer bereits an der Tür seines Bungalows pochen und er der Ruhe und Befchau-
von Domanovetz, der in seine persönlichen Pläne eingeweiht war.
Es ist ein Bekenntns stärksten, innersten Ringens. Das Anfangsthema im unisono wird zur Kampfansage; das Aufgeregte durchzieht den ganzen ersten Satz, unterbrochen durch bas weihevolle zweite Thema in Oes-Dur; und zum Schluffe des Satzes erscheint es, als unterliege der Kämpfende im Abklingen, im Picmissimo. — Wie aus einer anderen Welt erhebt sich der Anfang des zweiten. Satzes in O-Dur; getragene, religiöse Klänge. Ein Fugato eines* klagenden Themas erinnert an die Kämpfe des ersten Satzes, es schwillt an, breitet sich aus in Entführungen, Gegenbewegungen, verklingt und verliert sich — und wieder ersteht das erste Themcy verklärt und geweitet, noch klingt das Fu- gatothema an, aber es ist überwunden durch die gefundene Tröstung. — Die Lebenskraft will wieder erwachen; ein verminderter Septakkord führt in einen fcherzoartigen Satz. Aber das ist noch keine Freudigkeit, das ist Sarkasmus; zwar klingt es besänftigend im Mittelsatz durch, aber noch ist der Kämpfende nicht frei. Wieder erhebt sich die Klage in der ßarghettoeinleitung zum letzten Satz; immer stärker wird die Kraft, immer gespannter die Energie, aber noch muß gekämpft werden, der Entscheidungskampf in Wildheit, Aufgeregtheit. Da ein Abebben, ein Besänftigen — ein klarer, reiner k'-Dur-Akkord, er gibt die Lösung; jetzt ist der Weg gefunden; der Wille zum Leben, ein höherer Standpunkt läßt jetzt das Leben in anderem Lichte erscheinen, von dec hohen Warte des Ueberwinders.
Dem um Probleme ringenden Beethoven mit feiner stell anstrebenden Architektur reihte sich Schubert mit feinem V-Moll-Quartett an. Hier
lichkeit seiner Landsleute daheim kaum zustimmen kann. Mit größter Besorgnis registriert er alle Anzeichen des kommenden Organs und bezeugt für alle auf eine eventuelle Abwendung dieser Sturmflut gerichteten Maßnahmen ein ausschließliches Interesse. So war es — nebenbei bemerkt — recht kennzeichnend, daß die vielleicht etwas übertriebenen Aeußerungen über die „gelbe Gefahr" und den Bolschewismus, welche der ehemalige deutsche Kaiser kürzlich in einer Unterredung mit dem Korrespondenten des „Observer" tat, in Indien eine viel größere Beachtung, als in Europa fanden: alle Blätter gaben diese Meldung in großer Ausmachung wieder, und die daran geknüpften Kommentare ließen keinen Zweifel übrig, daß die in jenem Interview berührten Probleme hier als brennendste Fragen des Tages aufgefaßt werden. Nur daß es sich für den hier lebenden und arbeitenden Europäer weniger um ein Differenzieren zwischen roten, gelben, schwarzen ober andersfarbigen Gefahren, als ganz allgemein um die Erkenntnis handelt, daß der gesamte, bisher lässige Strom des Ostens in Bewegung geraten ist, daß er die nationalen Kräfte sammelt, die alten morschen Ibrftarreicfje zu neuem Leben zu entfachen gewillt ist, und daß, falls 'es nicht einem rechtzeitigem bedachtsamen Einlenken Europas gelingen sollte, diesen immer weiter anschwellenden Strom in Bahnen einer natürlichen Entwicklung zu lenken, er notgedrungen eines Tages zu einer Flut anwachsen muß, welche den weißen Mann zu einem Nichts zermalmen wird.
Diese Katastrophe ist indessen keineswegs, wie fajt allgemein angenommen wird, unabwendbar: ein Osten, dessen nationalem Erwachen jene vielgenannte ideelle Gemeinschaft der europäischen Völker, die uns leider heute noch fehlt, entgegengesetzt werden könnte, und dem, durch gerechtes und menschliches Verstehen der farbigen Völkerschaften, durch Förderung ihrer eigenen Kulturen und durch Verzicht auf die bisherige Politik der wirtschaftlichen Ausbeutung jeder Grund zu weiterem Mißmut, weiterer Auflehnung und weiterem Haß genommen wäre, muh und wird aufhören jener ewige Unruheherd, jener gefahrdrohende Vulkan, jener beängstigend anschwellende Lavastrom zu sein, der er heute ist und — bleiben wird, solange nicht seitens der Mächte diese der veränderten Weltlage Rechnung tragenden Maßnahmen erfolgen werden, die untere eigene Sicherheit und die Zukunft Europas gerne- terisch verlangen.
Aufwärtsringen, aktives Streiten, ein Tatenmensch — dort auch das Düster-Dämonische, aber mit einem Zug zum Elegischen. Im Mittelpunkt die Variationen über ein Thema, das Schubert seinem Liede„Dsr Tod und das Mädchen" entnommen bat, nleidüam eine Ahnung des sick) ihm halb erfüUenben Schicksals. Das ganze Werk enthält etwas Schweres, Bedrücktes, — alle Sätze, außer dem Trio des Scherzos in Moll. Bei Beethoven ein Durchsiegen, hier wohl ein starkes Aufwallen, aber kein Durchringen. Zwei einander naheliegende Welten — aber ein so verschiedenes Auseinanbersetzen damit.
Bei Dvorak Ledenssreube --- Sonnenschein — eine ganz anbere Welt. Kein Ringen mit Problemen, keine büfteren Ahnungen, ein primitives, naturhastes Erleben, cm Gefallen am Sinnlichen, am Klana; gewiß nicht ahne den Einschlag bes Verhaltenen, wie im zweiten Satz. Aber die Lebensbejahung fin- bet ihre Höhe im Taumel bes letzten Satzes mit feinen slawischen Tanzrhythmen, zwar gedämpft durch gehaltene Mittelsätze, bann aber mit um so stärker burchbrechenbern Lebensgefühl.
Und diese Welten finden ihre ideale Verkörperung durch das Wendling- Quartett. Wir haben nur fehr wenige Quartettoereinigungen, die ihm an künstlerischer Höhe gleichkommen; in seinem impulsiven Mitgehen und Miterleben steht es einzig da. Es hieße längst bekannte, feststehende Tatsachen wiederholen, wollte man auf Einzelheiten eingehen; was dieses Quartett anpackt, das gewinnt Leben und Gestalt, weil tiefgegründete, intuitive Musikalität ihm die Richtung weisen und alles verstandesmäßig Gewollte bes Ausdrucks femtleibt. Solch reiches Leben mußte auch bei den Hörern zünden, und Begeisterung durchwogte das Haus. -h*
Metzens Zukunft als Verkehrszentrum.
Der (Biebener hielt am Montagabe.ro im Gasthaus „Hindenburg" feine diesjährige ordentliche Generalversammlung unter der Leitung des 1 Vorsitzenden Stadtv. Winn. Die Tagung war sehr gut besucht; sie kann als die bestbesuchte und interessanteste des Derkehrsvereins in den letzten Fahren bezeichnet werden.
Stadtv. Winn eröffnete mit begrüßenden Worten an die Versammlung, insbesondere bewillkommnete er die Vertreter der Stadtverwaltung, die Beigeordneten Dr. Selb und Dr. Hamm, ferner den Vertreter der Luftverkehrs- Ä.-D. Oberhessen Regierungsassessor Schmidt. Den im abgelaufenen VereinSjahr verstorbenen Mitgliedern, Bürgermeister Krenzien und Iustizrat Grünewald, wurde von der Versammlung die übliche Ehrung erwiesen.
Der Jahresbericht lS 2 5. den der Vorsitzende Winn erstattete, gab einen Tleberblick über die vielseitige Tätigkeit des Vorstandes im abgelaufenen Geschäftsjahr. Als besonders hervorragende Erfolgspunkte des Vereins werden ht dem Bericht genannt: gedeihliche Aufwärtsentwicklung der Lesehalle, die jetzt vorübergehend wegen Llmzugs geschlossen werden mußte und nun ein neues Heim bekommt, tatkräftige Mitarbeit bei der Schaffung der V o l k s h a l l e und des Flughafens, die beide auf die Vorarbeit des Vereins zurückgeführt werden, Blumenschmuckwettbewerb, Förderung der Märkte. Ausbau der Vereinsorganisation. -Nebenher ging eine rege Werbetätigkeit für unsere Stadt, außerdem war noch eine Unmenge Kleinarbeit zu bewältigen. Der aufschlußreiche Bericht wurde debattelos, einstimmig genehmigt. — Der Kassebericht zeigte, kmh die Finanzen des Vereins sich in bester Verfassung befinden. Das Gesamtvermögen des Vereins beziftert sich auf über 3400 Mk. Dem Kassierer wurde Entlastung erteilt.
Die vom Vorstand betonte und von einigen Sprechern begründete Notwendigkeit der Einrichtung einer Geschäftsstelle wurde einhellig anerkannt. — Der neue Vorstand wurde ermächtigt, diese Geschäfts st ekle zu errichten und die entsprechenden finanziellem Festsetzungen nach den bekanntgegebenen Richtlinien zu treffen.
In einen Ausschuß zur Bearbeitung einer wichtigen kommunalen Biebertalbahnangelegenheit wurden Beigeorbneter Dr. Ham m und Amtsgerichtsrat Gros gewählt.
Beigeorbneter Dr. Hamm machte anschließend einige Mitteilungen über den gegenwärtigen Stanb
Berkehrsverein
der Verhandlung betr. die Postkraftwagen-' Verbindung mit dem Kleebachtal.
Bei der anschließenden Ausschuß- (Vorstands-) Wahl bat der Vorsitzende, Stadtverordneter Winn, unter Hinweis auf sein hohes Alter, von seiner Wiederwahl abzusehen. Da er zu einer Aenderung dieses Entschlusses nicht zu bewegen war, wurde er in dankbarer Anerkenmmg seiner Verdienste um die Sache des Derkehrsvereins einstimmig zum Ehrenvorsitzenden ernannt Diese Ehrung des stets tatfrohen Mannes wurde von der Versammlung mit lebhaftem Beifall begleitet Die übrigen Vorstandsmitglieder wurden sämtlich wiedergerÄlhlt, einige weitere Herren mürben neu in die verelnsleituna entsandt, da es notwendig erschien, den Ausschuß tm Hinblick auf die erweiterten Ausgaben zu vergrößern. Der Ausschuß wird aus seiner Mitte einen Herrn xum Vorsitzenden wählen, jedoch wird auch der Ehrenvorsitzende Winn weiterhin der Arbeit bes Ausschusses förderlich fein.
Hieraus kam man zu dem Höhepunkt der Veranstaltung, zu einer Aussprache über das wichtige Thema:
Gießens Zukunft als Verkehrszentrum.
Geh. Medizinalrat Professor Dr. Sommer leitete die Erörteruna mit einem etwa einftünbigen, fesselnden Vortrag em, in dem er großzügige Zu- kunftswege wies. Aus dem weitschichtigen Aufgaben- und Fragenkomplex griff der Redner vor allem acht heraus:
1. Ausbau der elektrischen Straßenbahn nach Klein-Linden, damit auch die Klinik etn gutes Verkehrsmittel erhalle, ferner durch die Wil- helmstrahe, Ludwigstraße, Ludwigsplatz und weiter nach Osten, damit auch das Gebiet Gießen-Ost erschlossen werde. Unter Hinweis auf frühere Vorgänge, die bis in die Zeit des früheren Oberbürgermeisters Mecum zurückreichen, bedauerte der Redner, daß die Straßenbahn Verbindung mit W i e s e ck bis zum heutigen Tage noch nicht zustande gekommen ist. Er betonte die Wichtigkeit bes Strahenbahnverkehrsmittels auch in dieser Richtung.
2. Schaffung weiterer cahnübergänge durch Brückenneubauten s) im Zuge der Ederftraße (diese Brücke hochgelegt, damit der Wassersport- betrieb nicht beeinträchtigt wird) und b) als Fortsetzung der Eisenbahnüberführung in der verlängerten Klinikstraße.


