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deutschen Le urban in Dein Matze zu stützen. Daß er sicher vor Dem Zusammenbruch bewahrt wer­den föirn«. Für Die Landwirtschaft seien durch die Erleichterung der Südfruchteinfuhr neue Gefahren entstanden. Der überwiegende Lei! der Deutsch- natioi alen wird das Provisorium ablehnen.

Abg. Kerp (3.): Der gewesene Reichsernäh- rungöminister Graf K a n i h hat mit seinen vorjährigen Erklärungen leider Rocht behalten, das) das Deutsch-spanische Handelsabkommen sich für den deutschen Weinbau als katastrophal und ruinös auswirken wird. Das jetzt vorliegende neue Provisorium bringt aber eine wesentliche Verbesserung für Die deutschen Winzer, trotzdem stehen iwch viele Mitglieder Der Zen- trumsfraklion Dem Provisorium ablehnend gegen­über. Wird bei Dem bald zu erwartenden Desini- kivum noch unter Die mit Italien vereinbarten Lätze heruntergegangen, so ist die Katastrophe für den Weinbau da.

Abg. Dr. Schneider - Dresden (St. Vp) spricht sich namens der großen Mehrheit seiner SraTtion für die Annahme des spanischen Han- delspr<et»isoriums aus. Bei Betrachtung Der Vor­lage sollte man neben den Interessen des Wein­baues nicht die der G es am twirt s ch a f t ver­gessen.

Abg. Meyer- Berlin (Dem.) erklärt die Zustimmung der Mehrheit seiner Freunde zu der Vorlage.

Abg. Rauch München ('Bayr Dv.) be­tont, die Mehrheit seiner Freunde werde dem Provisorium zustiinmen. Beim Abschluß des end­gültigen Handelsvertrages müßten Die Inter­essen der Winzer energisch geschützt werden.

Das Provisorium wird Dann in zweiter und dritter Beratung angenommen, ebenso der Zusatzantrag zum deutsch-niederländischen Han­delsvertrag.

Lin italienischer Geheimerlatz.

Gerade im gegenwärtigen Augenblick des Duells Mussolini Strescmann ist dieTägliche Rundschau' in der Lage, alle Meldungen über die Unterdrückung des deutschen Unter­richts in Südtirol und die Verfolgung der Lehrer durch die Veröffentlichung eines Dokuments )u erhärten, dos ebenso wie die deutschen Zeitungs­berichte als ..dumme Lüge" hinzustellen dem italie­nischen Ministerpräsidenten doch wohl recht schwer werden dürfte. Ls handelt sich hier um einen G e - heimerlatz vom 21. November 1925 an sämt­liche Tiroler Präfekturen, in dem diese aufgefordert werden, mit der größten Entschieden­heit den deutschen pcivatschulunter- richt niederzuschlagen, evtl, die Hilfe der f a s z t st i s ch e n Miliz in Anspruch zu nehmen, die Lehrer zur Anzeige zu bringen, unter Aufsicht zu stellen, auszuweiscn und abzuschieben. Kurzum: Dir haben es hier mit einem Befehl zu hin, der verlangt, daß mit dem Mittel der Gewalt gegen den deutschen Unterricht vorzu­gehen ist. und der durch Beseitigung des Lehrper­sonals ihn für immer unmöglich machen will. Wir und mit uns das gesamte objektiv urteilende Aus­land nennen das eine der unerhörtesten Vergewalti­gungen, die um so grausamer ist, wenn man sich vor Augen hält, daß hier 40 Millionen Italiener gegen ganze 230 000 Deutsche in Kampfstellung gebracht werden.

Nordtirol gegen Mussolinis Kriegsdrohung.

Innsbruck. 9. Febr. (WTB.» Zum Be­ginn des Landtags gab Landeshauptmann Dr. Stumpf folgende Erklärung ab: Eine tief* gehenDe Erregung geht durch ba8_ ganze Land Tirol. Schon feit geraumer Zeit hören wir von Wünschen. Bedrohungen, Die Die durch Den Staats­vertrag von St. Germain uns aufottroteerten Grenzen noch weiterhin zu unseren älngunftcn z u verschieben. Waren bisher Die diesbezüglichen Rachrichten auf J)ic Aeutze- rungen einzelner unverantwortlicher Faktoren zu- rückzuführen. so hat sich nunmehr Die Sachlage von Grund aus verändert, indem jetzt Der Chef der Regierung des benachbarten Königreichs Italien selbst mit einer, keinen Zweifel lassenden Deutlichkeit eine Ver­schiebung Der Grenzen nach Horben als in Den Bereich Der Möglichkeit gelegen er­klärt. Angesichts dieser offenkundigen Erklärung st es unmöglich, fernerhin ruhig zttznsehen und die Hände in Den Schoß zu legen. Ich werde a l s Landeshauptmann Tirols in pflicht­gemäßer Wahrung Der Rechte des Landes an die Bundesregierung als dem nach der Ver­fassung berufenen Faktor mit der Aufforderung herantreten, ungesäumt zu prüsen, ob nicht die Voraussetzungen dafür gegeben sind, diese Frage Dem Völkerbund vorzulegen, dessen Mitglieder Oesterreich und Italien sind. Sollte diese Prüfung ein positives Ergebnis zeitigen. Dann rechne ich zuversichtlich darauf, daß unsere Bundesregierung in dem eben angedeu- teten ©inne weitere Schritte unterneh­men wird. Ich ersuche Den hohen Landtag um Die Zustimmung zu meinen weiteren Schritten. Die Abgeordneten aller Parteien drückten durch Erheben von den Sitzen ihre Zustimmung zu Der Erllärung aus.

Berliner Presfestimmen.

Sämtliche Blätter ohne Unterschied der Par­teirichtung stellen in ihren Kommentaren Die ein­mütige Abwehr fest, zu der sich gestern im Reichstag das deutsche Volk gegen Mussolinis Drohungen zusammengefunden haben. Wenn auch Oie Deutschnationalen Zeitungen an Einzelheiten Der Abwehraktion Kritik üben, so erklärt doch DieDeutsche Tageszeitung", daß im großen und ganzen ein Ton getroffen worden ist. der unter Berücksichtigung der Gesamtlage Deutschlands als würdig und wirksam be­zeichnet werden kann. Das genannte Blatt be­grüßt es ferner, daß der deutschnationale Red­ner sich auch durch Die von Mussolini provozierte gegenwärtige Verstimmung Den Blick nicht Dafür trüben lieh, daß die großen Linien Der deutschen und Der italienischen Politik zusammen- la u f en müffen, sofern beide Staaten ihr wahres Interesse erkennen.

Aehnlich Der Lokalanzeiger, Der seine Ausführungen mit Den Worten schließt: Das Ergebnis der gestrigen ReichStagssihung ist. daß das deutsche Volk einmütig an Dem Zusammen­hang mit feinen Brudern jenseits Der Grenzen festhält, daß weiter niemand in Deutschland Feindschaft mit Dem italienischen Volk wünscht - Auch Die Tägl. Rundschau betont, daß Die gestrige Kundgebung des Reichstages gezeigt Hai daß Die Drohrede Mussolinis gegen Deutsch­

land das elementare Mitempfinden des deutschen Volkes mit Den Deutschen in Südtirol nur n o ch v e r st ä r k t hat. Auch die anschließende Debatte habe eine Einheitsfront einmütiger Abwehr ge­zeigt.

-Dütf ,,'B c r l i n e r T agel> lai t" hebt hervor, daß Dr. Stresemann bei oratorifchcn Hemmungs­losigkeit Mussolinis die klare einfache Sprache der Tatsachen entgegensetzte. Denn so, wie Dr. Stresemann die Dinge schilderte, liegen sie in Wirk­lichkeit. DerD o r m ä r i s" nennt die Rede des Reichsaußenministers klug und geschickt und sagt: Der parlamentarische Außenminister Deutschlands hot sich gestern dem faszistischen Diktator moralisch und intellektuell überlegen gezeigt. Das Platt schließt seine Aussührungen mit den Worten: Deutschland tämpst gegen Mussolini, ober für Italien und für den Frieden einen guten Kampf, und es hat Aus­sicht zu gewinnen.

(Bitt italienisches Dementi.

M üncheu. 9. Febr. (WTB.) Das italienische Generalkonsulat in München teilt mii- Die Münchner Blätter bringen die Nachricht, daß in Bozen bereits $ 4 Ausweisungen ver­fügt worden seien. Diese Meldung entbehrt jeder Grundlage. Die Verordnung über Den Aufenthalt fremder Staatsangehöriger in Bozen und den übri gen Teilen des unteren Etschgebietes hat n o ch gar feine Anwendung gesunden.

Rußland und die Abrüstungskonferenz.

Moskau, 10. Febr. (WTB. Funkspruch.) Beim Volkskommissariat für auswärtige An­gelegenheiten ist ein Telegramm des Gene­ralsekretärs des Völkerbundes ein- gegangen, worin Der Bund der fünf Mächte die Verschiebung Der Einberufung Der vorberei­tenden Abrüstungskonferenz mitgeteilt und das Volkskommissariat um seine diesbezüglichen Vor­schläge befragt. In seinem Antworttelegramm weist Tschitscherin auf Die bereits ausge- drückte Bereitschaft Der Sowjetunion zur Teilnahme an Der Abrüstungskommission hin. Der vor geschlagenem Zusammensetzung Der Abrüstungs- kvmmiffion stimmt Die Sowjetunion zu. Sie hält an Der Tagung außerhalb der Schweiz fest und schlägt vor. sie möge in einem Lande statifinden. das Diplomatische Beziehungen zur Sowjetunion unterhält.

Der Schweizerische Bundesrat ver­öffentlicht gleichzeitig über die Beziehungen zwi­schen der Schweiz und SvwjetrußlanD eine Mittei­lung, in der es heißt: ..ÄachDem Der Bundesrat von Der an Die Union der sozialistischen Sowjet­republiken gerichteten Einladung des Völker- bundsrates zur Teilnahme an Der vorbereitenden Kommission für die Abrüstungskonferenz Kennt­nis erhalten hatte, bestätigte er Dem ®cncral« fetcetariat des Völkerbundes. Daß Die SowjetDele- gierten sich in Genf Der gleichen Erleich­terungen und Vorrechte erfreuen würden tote Die Abordnungen aller anderen an Der Konferenz teilnehmenden Staaten Der Bundesrat ist bereit, zu erklären. Daß er den an Worowfli begangenen Mord nach wie vor verurteilt. Er lehnt aber jede Anerkennung einer Verantwortlichkeit von seiner Seite ab. Er erklärt sich außcrDcm geneigt, Der Tochter WorowMs eine finanzielle Beihilfe zu gewahren.

9er Kampf um die Ratssitze.

Die Gefahr einer Mehrheit gegen Deutschland.

L o tt Don, 10. Febr. (TU.) DerManchester Guardian" beschäftigt sich noch einmal mit dem Wunsche Polens, Spaniens und Brasi­liens nach einem ständigen Sitz im Völkerbunds­rat. Spanien drohe sogar, gegen die Aufnahme Deutschlands in den Völkerbund zu stimmen, falls fein Wunsch nicht erfüllt würde. Wenn Spanien auf seinem Willen bestehe, dann würde mit Deutsch­lands Zustimmung Deutschlands Aufnahme bis zur Septembertagung des Völkerbundes verschoben tind Spanien nicht wieder zum Mitglied des Rots gewählt werden. Dos Vlatt betont, wenn Spanien durch Die Schwächlichkeit des Völkerbundsrats einen ständigen Sih erhalte, so würde das Die Ansprüche Brasiliens und Polens stärken, vor allem aber den gesamten Charakter des Dölkerbundsrats andern. Deutschland sei sehr wohl berechtigt, gegen eine Politik zu protestieren, die im Dölkerbundsrat eine Mehrheit gegen Deut sch land schaffe. Es sei sogar damit zu rechnen, daß Deutschland unter solchen Umständen feinen Antrag zurück- zöge, da es mit der gleichzeitigen Aufnahme Der genannten Mächte auf Die Stufe einer Macht zweiten Ranges zurückgeDrängt würde.

DieSchwarze Reichswehr".

Berlin, 10. Febr. Im Haushaltsausschuß des Reichstages führte Reichswehrminister Dr. Gehler über Die sogenannte Schwarze Reichs­wehr aus. Daß er selbst und mit ihm Der Chef Der Heeresleitung ein absoluter Gegner Der Bildung von Formationen gewesen seien. Dte Bezeichnung ..Schwarze Reichswehr" stamme aus Deutschvölkischen Kreisen. Im Iahrc 1923 habe General LudenDorff beim General Seeckt vorgesprochen unD Den Vorschlag zur Bildung einer schwarzen Reichswehr gemacht. General Seeckt habe Diesen GeDanken aufs schroffste abgelehnt. Später habe Dann Der Abg. v. Graefe versucht, zu General Seeckt zu gelangen. Aber Dieser habe ihn gar nicht empfangen. Trotzdem habe sich besonders nach Dem verhängnisvollen Empfang Des Ober­leutnants Roßbach durch den Reichskanzler Cutio Dann in Der öffentlichen Meinung Das Gerücht gebittet, als feien offizielle oder offi­ziöse Fäden gesponnen zwischen der richtigen und Der Schwarzen Reichswehr. Für das Reich habe später nur Die mißliche unD schwierige Aufgabe bestanden. Den bewaffneten Selbstschutz in Ruhe a u f z u l ö s c n. In Verbindung Damit ergab sich Dann Die RotwenDigkeff, Die Waffen des Selbst­schutzes zu zerstören. Erst zu Diesem Zwecke wurden von Der Regierung Arbeitskommandos eingerichtet, die aber nicht mehr als etwa 135 Rkann betragen haben. Der Minister versicherte weiter, Daß jede Verbindung von Reichswehr- angehörigen mit Den vaterländischen Verbänden überhaupt verboten sei. Auch sei verboten, Zeitfreiwillige in Der Reichswehr aus­zubilden.

Das Berufsbeamtentum bei der Reichsbahn.

Berlin, 9. Febr. (WTB.f Von zuständiger Seite erfahren wir: Immer wieher taucht in der Oeffcntlichkeit und im Reichstag die Behauptung auf, die Reichsbahngesellschaft beabsichtige, das Berufs beomtentmn zu beseitigen, und immer wieder sieht sich hie Reichsbahngefellschaft genötigt, dieser Behauptung entgegen,zutreten. Schon hie Tatsache, haß es bei her Durchführung hes Dawesplanes ge­lungen ist, anstelle von Angestellten hen Rcichs- b a H n b e a in t c n zu schaffen, folltc genügen, um hicje Behauptungen zu entkräften. Nunmehr imro hie Absicht der Reichsbahngefellschaft, hie hinsichtlich her Kündbarkeit und Unkündbarkeil bei den ehemaligen Länderbahnen bestehenden Verschiedenheiten durch eine für die gesamte Reichsbahn einheitliche e g e l it n g zu ersetzen, erneut zum Vorwand für eine Wiederholung der gleichen Behauptung aufge­griffen. Mit dieser Absicht ist indessen eine Entrech­tung der Beamten keineswegs verbunden. Sie bezieht sich ausschließlich auf neu o n z u st e l - lende Beamte und tastet also die bestehenden Rechte auch nicht eines einzigen der bereits im Dienst befindlichen Reichsbahnbeamten in irgend­einer Weise an. Den vorhonhenen Beamten wird nichts genommen werden. Jin Gegenteil, Taufende von Beamten würden durch die beabsichtigte Neu­regelung besser g e st e l l t als bisher.

Preußischer Landtag.

Berlin, 9. Febr Rachdem ohne Aus­sprache ein sozialdemokratischer Antrag Dem Hauptausschuß überwiesen worden war. wonach bereits jetzt ein namhafter Teil Der im Haus­haltsplan für das Iahr 1926 vorgesehenen Mittel für öffentliche Bauten zur Verfügung gestellt werDen foU, ging Das Haus zur zweiten Beratung Des Gesetzentwurfs über die Um ge­rn e i n D u n g im rheinisch-westfälischen Industriegebiet über. In Der Aussprache erklärte Der Abg. Schmid- Düsseldorf (D. Vpt.) daß sich die große Mehrheit des Ausschusses auf den Boden der Regierungsvorlage gesteUt habe. Die Frage, ob es angängig sei, nach Dem Vorbild von Berlin im Ruhrgebiet eine solche Ei nh eitsgerneinde zu schaffen, sei ver­neint worden. Die Vorlage wurde endgültig angenommen.

Aus aller Wett.

Interessante Funde aus der Goethezeit.

Professor Dr. E. v. Bamberg in Darm­stadt hat soeben die bisher verschollen geglaubten Memoiren Der Caroline Iagemann, der bedeutendsten Weimarer Schauspielerin aus der Goethezeit und Geliebten des Herzogs Karl August, Der sie später zur Freifrau von Hehgen- dorfs ernannte, im Besitze eines Urenkels Der Künstlerin gefunden. Er wird sie denmächst durch den Sybillen-Verlag in Dresden veröffentlichen lassen. Die kulturgeschichtlich hochinteressanten Erinnerungen enthalten auch eine Reihe bisher unbekannter Briese und sonstiger Äußerungen be­rühmter Zeitgenossen, Darunter Goethe, Herzog Karl August, Herder, Wieland, E. T. A. Hoff - mannn, Devrfent, Iffland u. a.

Der Reichskanzler zum Tode Der Gräfin Rar.yau.

Der Reichskanzler hat aus Anlaß des Ablebens der Gräfin Rantzau an hen Reichstagsabgeordneten Furft Bismarck folgendes Beileibstelegramm gerichtet: Soeben erreicht mich die Nachrichl von hem Ableben her Gräfin Rantzau. Mit ihr ist das letzte Kiuh des großen Grünhers unseres Reichs, hes Fürsten Bismarck, hahingeschieden. Dem fiaufe Bismarck meine herzliche Anteilnahme auszuspre­chen. ist mir aufrichtiges Behiirfnis.

Lin vermögen in Kupfer- und Rickelgelb.

In Koblenz wurde eine alte Frau von achtzig Iahren, die in einem kleinen Häuschen unter dürf­tigen Umständen ihr Leben fristete, um sie vor Ver­wahrlosung zu schützen, in das städtische Altersheim cingelicfert Bei Feststellung des Mobiliars mürbe hie übcrrafchenbe Entdeckung gemach!, baß bk alte gebrechliche Frau, hie als arm galt, über einen ganz erheblichen Schatz verfügte. In oerfchiebenen Verstecken würben mehrere tausend Mark in Kupfermünzen gcfun= ben, ferner nahezu zwei Zentner Nickel­gelb unb etwa 6 0 Pfund Silbergeld. Außerdem würben große Mengen von Fünf- unb Zehnmarkscheinen aus her Vorkriegszeit ge­funden.

Tödlicher Anfall von Streckenarbeitern

Oberhof, 10. Febr. (WTB. Funkspruch.) Heute früh gegen :1 45 Uhr fuhr im Tunnel bei Oberhof ein Arbeiterzug in etwa 80 mit Gleis- arbeiten beschäftigte Arbeiter, Die das Heran­nahen des Zuges infolge Dee starken Rebels nicht wahrnehmen konnten. 6 Arbeiter wurden getötet, eine Anzahl mehr oder weniger schwer verletzt.

Fahrlässigkeit.

Nachts entstand in einem Hause der Kronen- straße in Karlsruhe dadurch ein Brand, daß das Dienstmädchen vergessen hatte, das elek­trische Bügeleisen nach Gebrauch aus- zuschalten. Das glühend gewordene Bügel­eisen siel durch ein eingebranntes Loch des Tisches in den mit Wasche gefüllten Wäschekorb, steckte die Wäschestücke in Brand und brannte außer­dem noch ein Loch in den Fußboden. Das Feuer wurde so rechtzeitig entdeckt, Daß es von einer Hausbewohnerin gelöscht werden konnte.

Vier Knaben in einer Kiesgrube begraben.

Im Kölner Vorort Ossendorf sind vier Kna­ben beim Spiel in einer Kiesgrube von einstür­zenden Kiesmassen begraben worden. Die Leichen wurden heute morgen aufgefunben.

Wettervoraussage.

Wechselnd bewölkt, östliche bis südliche Winde, kälter, stellenweise Frost, nur geringe Riederschlagsneigung. doch Rebel- oder Reif­bildung.

Die Lage ist seit gestern nut wenig ver­ändert. Das Tiefdruckgebiet dürste sich noch weiter nach Westen zurüchziehen. während das Kalt- hiftgebiet in Mitteldeutschland langsam an Raum gewinnt.

Gestrige Lagestemperaturen: Maximum 3,1 Grad, Minimum: 0,8 Grad Celsius. Riederschläge 2,8 Mm. Heutige Morgentemperatur 1,9 Grad Celsius,

Aus -er ProvmMhauptstadt.

Gießen, den 10. Februar 1926. .

OberheMcher Geschichtsverein.

Wenn Der Oberhof fische Geschichtsverein auch in erster Linie hie Geschichte her engeren Heimat pflegt. |o lehnt er bei gegebener Gelegenheil doch fremde Stoffe nichl ab. So behandelte her Vortrag des Herrn Pros. S t r o t h m a n n am letzten Don­nerstag hen Vorderen Orient zur Zeit des Mon­golensturms im 13. Jahrhundert. Der Vortragende erinnerte zunächst in einem Ueberblick an die wich­tigsten Mongolenführer wie Dschingischan und Hu- lagu unb zeigte an ihnen den enlscheibenhen Wert her Persönlichkeit im Völkerleben. Ganz tnapp würbe her äußere Verlauf her großen Kata­strophe geschilbert, her alte Kulturzentren wie Sa- martanb unb Buchara, Merw unb Hama ha n (Ecba tana), hie Länher bis Syrien, unb 1258 Baghah unb das Kalifat her Abbafsihen zum Opfer fielen. Der alles zerstörende Eroberungszug her Mongolen kam nach Kiews Untergang erst in Schlösserstlnm Stehen, wo Heinrich her Fromme sich ihnen bei Liegnitz ent gcgenftelltc. Obwohl her Herzog fiel unb fein Heer geschlagen mürbe, zogen bic mitten Horben offenbar weil sie bic Aussichtslosigkeit her Beren- nung her festen Stabte unb Burgen ein sahen poch Ungarn ab. Als Hauptthema mar gestellt hie Herausarbeitung her inneren Grunde bes Zusam­menbruchs: hie religiösen Gegensätze. Der Isla m mar in sich gespalten: auch hie sunnitische Mehrheit hatte kein Solibaritätsgesiihl unb bas Kalifat war unter ben später schwachen Nachfolgern Harun al Raschids in Kleinasien zerfallen. Die Schiiten, die in religiösem Jnkarnations- unb Passionsglau- ben nur bic Märtyrer aus dem Blute Muhammeds als bic wahren Häupter anerkannten, lebten in her apokalyptischen Erwartung her Wicherkehr des Zwölften bieferImane" als Mahhi-Messias und sahen in Halagu bic Gottesgeißel, durch die sie bas abbassibifche Kalifat wegen seines Raubes an Mu- hammebs Haus vernichten könnten. Die Ismat- liten wollten nicht warten. Ihr Stifter gab sich als die Erscheinung bes Mahbi aus. Auf unzugäng­lichen Felsennestern straff religiös organisiert arbei­teten sie mit Meuchelmorb gegen bic Staatsgewalt. Als die unheilvollen Boten desAlten vom Serge* pnb dieseAssassinen" auch ben Kreuzfahrern be­kannt geworben. Die bamals noch stattliche orien­töl i s ch c C h r i st e n h e i t gliederte sich schon fett ben Konzilen her alten Kirche in Nestorianer unb Jakpbiten. 3n den Städten saß seit 1800 Jahren eine einflußreiche Iudenschaft, der Hu- lagus Nachfolger einen Finanzdiktator zu entneh­men sich genötigt sah. Während vom Osten her der Buddhismus die Mongolen zu gewinnen trach­tete, waren im vorderen Orient die Schiiten unb hie Nestorianer am regsten. Ein Führer des ersteren mar her bedeutendste Astronom des Mittelalters, Nasircbbin von Tus. Er spielte zunächst hie Assas- smenburgen dem Hulagu in bic Hanbe, unb, be­gleitete unb beriet diesen als Hofastrolog bei Bag­dads Eroberung. Die Bemühungen her Nesto­rianer, bic einen getauften Mongolen zum Katho- likos wählten, mürben von her europäischen Ehriftenheit unterstützt mit hem Plane, zwi- schen einer asiatisch-mongolischen und her europäi­schen Christenheit Den Islam zu erbriitfen. Aber die Mongolenmacht zersetzte sich, unterlag im Offen dem chinesischen Einfluß unb erschöpfte sich im Westen durch bas Aufgehen in ben uneinheitlichen Islam. Interessant -ist bas Hineinspielen her euro­päischen Politik Papst, Englanb, Frankreich, während Deutschland mit sich selbst beschäftigt bei Seite stand in diese religiös-konfessionellen An­gelegenheiten Asiens.

-Zum Schluß wies der Vortragende hin auf die religionsnolitischen Nachwirkungen der mongolischen Sturmzeit unb auf verwandte^ Verhältnisse nn den heutigen Brennpunkten afiatii^er Politik in Syrien, Mesopotamien unb her Mongolei. Reicher Beifall bankte hem Rehner für seine Ausführungen unb bewies damit das Interesse her Zuhörer an diesen so wenig bekannten weltbeweaenben Ereignissen.

Dr. W.

Boriwtizen.

Tageskale über für Mittwoch: ^tabttheater: 7.30 Uhr:Der wahre Jakob" (Ende 9.45 Uhr). Akabemisches HaUensportfeft: 8.15 Uhr Turnhalle des Realgymnasiums, Wettkampf und fporlliche Vorführungen. Lichtspielhaus, Bahn­hofstraße: , Die Verrufenen".

Deutsche Volkspartei. Morgen, Doönnerstag, abend intS)inDenburg (Dvgesen- 3immer) VortragDie Grundlagen des ^Libe­ralismus". Näheres in der heutigen Anzeige.

Deutscher Bund für christlich- evang. Erziehung in Haus und Schule. Freitag, 12. Febr., Familienabeitd mit Vortrag. (Siehe heutige Anzeige.)

Hessischer Vaterländischer Bl o ck. Kommenden Sonntagabend int Großen Hörsaal der Tlniversität Lichtbilbervortrag über den Flugsport. Der Redner. Oberleutnant a. D. von Fichte, war als Kampfflieger im Westen und im Orient an der Front. (Siehe Anzeige.)

*

* Beiträge zur Zeppelin-Ecke­ner-Spende in Gießen werden weiterhin von den Banken, der Bezirkssparkasse unD Der Stadtkasse entgegengenommen. Wir empfehlen Das nationale Werk Der opferfreudigen Unter* ftühung Durch unsere Mitbürger. Man beachte die heutige Anzeige.

* Die Benutzung der Straßen­bahn-Zeitkarten betrifft eine Bekannt­machung Der Straßenbahndirrition in unserem heutigen Anzeigenteil. Interessenten feien be­sonders darauf hingewtesen.

* Städtische Holzversteigerung. Bei der gestern nngcEiuttigten Versteigerung im Stadtwald am nächsten Freitag kommen Stamm* reifer zum Ausgebot.

Ö i c Maul- unb Klauenseuche hat in Muschenheim weiter um sich gegeriffen. Ort und Ge- mariung Muschenheim sinh" deshalb zum Sperr­gebiet erklärt morden. In Bubesheim, Kloppenheim, Wolzhausen, Schmalheim, Melbach, Nieber-Florftabl, Weckesheun, Hochelheim und Niederkleen ist bic Seuche ausgebrochen, in Höchst a. b. Nibber, Ech- unb Burgsolms ist sie erloschen.

RDV. Die Reichsbahn unb hie Stabt- f Vnr- Fahrpreisermäßigung zur vorüber­gehenden Unterbringung hilfsbedürftiger Stahtkin- ber auf hem Lande unb int Auslanoe wirb in hie- fem Jahre vorerst nach ben bisherigen Tarifbestim­mungen weiter gemährt. Zahlreiche int Vor­jahr wieher zutage getretene Mißbräuche geben Ver­anlassung, auf hie Innehaltung her bestehenhen Vorschriften Hinzurneisen. Für Kinher, bic nicht zum Landaufenthalt, sondern in andere Städte entsandt rnerhen, Die weher als Kurorte noch als Stähle mit ländlichem Charakter angesprochen werben können.