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Nr. 237 Erstes Blatt
176. Jahrgang
Samstag, 9. Oktober 1926
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Seeckt.
Sie unverhohlene Genugtuung, die aus den Pariser Blättern aller Schattierungen über den Rücktritt des Generalobersten von Seeckt spricht, macht den schweren Verlust, den das deutsche Voll erlttten hat, deutlicher, als alle deutschen Pressekommentare es vermögen. Der Mann, dessen Beseitigung unsere ehemaligen Feinde seit Jahr und Lag immer vergebens anstrebten, wurde das Opfer innerdeutscher Rankünen. Der Mann, der in den verworrensten Jahren der Rachkriegszeit, unbeirrt von der Parteien Haß und Gunst, den graben Weg der Pflicht ging, der nicht rechts noch links schaute bei der E^üllung seiner Aufgabe, dem Reiche ein neues Heer zu schaffen, der Mann, in dessen Hände Reichspräsident Ebert die ganze Macht diktatorischer Gewalt legte, als Putschgefahren von links und rechts die junge Republik bedrohten, dieser selbe stolpert über eine belang- ■ lose Kleinigkeit, die ein einziges Wort, zur rechten Zeit gesprochen, hätte ungeschehen lassen können. Denn eine Lappalie ist diese Soldatenspielerei des Hohenzollernprinzen doch trotz allem dräuendem Gegacker ängstlicher Kapitolswächter.
Beim 9. Infanterie-Regiment in Potsdam, das d'e Traditionen des alten 1. Garde-Regiments zu Fuß fortführt, trat der älteste Sohn des ehemaligen Kronprinzen ein, um während der Manöverzeit Dienst zu tun. Generaloberst von Seeckt hat von dieser Tatsache gewußt, ohne den Reichswehrminister Dr. Getzler davon unterrichtet z.u haben. Die Anwesenheit des Prinzen in der Reichswehr blieb nicht lange verborgen. Die Linkspresse bemächtigte sich des „Falls", um ihn zu einem Vorstoß gegen den verhaßten Reichswehrminister weidlich auszubeuten. Dr. Gehler selbst erfuhr erst durch diese Angriffe in der Presse von dem ganzen Vorfall. Rach seiner Rückkehr vom Urlaub erklärte er dem Chef der Heeresleitung, daß er für diese Vorgänge weder dem Kabinett noch dem Parlament gegenüber ferne Deckung übernehmen könne. Generaloberst von Seeckt reichte daraufhin fein Rücktritt sgesuch ein, das vom Reichspräsidenten nach eingehender Rücksprache mit dem Reichskanzler und den beiden Beteiligten am Freitagnachmittag schweren Herzens bewilligt wurde.
Es erhebt sich nun die Frage, wie gerade Seeckt, die Sphinx unter den Generalen, der stets Kühle, immer Zurückhaltende, sich niemals Festlegende, der Mann, der in Kreisen der radikalen Rechten wegen seiner unwandelbaren Festtgkeit gegenüber allen Verlockungen nicht übenttäßig beliebt war, sich zu einem Schritt verleiten lassen konnte, dessen Folgen ihm bei der Rervosität der berufenen Gralshüter der Republik unbedingt bekannt sein muhten. Erfreut sich doch gerade die Reichswehr von jeher der stärksten Deargwöhnung der Linken. „Ein Hohen- zollernprinz als Reichswehrsoldat", das konnte unmöglich ohne Preßhetze und Parlaments stürme vorübergehen. Bei der ganzen Einstellung des Generals von Seeckt zu den Kreisen, die dem Hohenzvllernhause nahestehen, ist es aus- aeschlossen, daß der General sich im Augenblick der Tragweite seiner Handlung bewußt gewesen ist. Es scheint vielmehr, daß man die Gutmüttg- keit des Herrn von Seeckt mißbraucht hat, und daß er, wie auch der deutschnationale „Berliner Lokalanzeiger" ausdrücklich betont, seine Genehmigung zur Dienstleistung des Prinzen Wilhelm ursprünglich in einem ganz anderen Sinne erteilt und gemeint hatte, als dann von ihr Gebrauch gemacht worden ist. Eine Ber- • Mischung gesellschaftlicher und amtlicher Aeuße- 1 rungen des Generals haben vermuttich zu dieser verhängnisvollen Verwicklung geführt. Es darf dabei nicht unausgesprochen bleiben, daß man • von den in Betracht kommenden Mitgliedern oder Beauftragten des Hohenzollernhauses gegenüber den maßgebenden Stellen der Reichswehr soviel Zurückhaltung und politisches Finger- spitzeng^ühl hätte erwarten müssen, um einen so peinlichen Zwischenfall von vornherein zu vermeiden. Denn es handelte sich bei der Dienstleistung des Prinzen Wilhelm nicht um den regulären Eintritt eines deutschen Staatsbürgers in die Reichswehr, sondern lediglich um einen zeitweiligen Aufenthalt bei einem Reichswehrtruppenkörper, der sich weder mit dem Dienstreglement, noch mit den Artikeln 174 und 175 des Versailler Vertrages vereinbaren ließ. Man hat also den Chef der Heeresleitung in eine unhaltbare Situatton hineinmanovriert, über die er oder der Reichswehrminister stürzen mußte, sobald diese Vorgänge von der Opposition aufgegriffen und propagandistisch ausgeschlachtet wurden.
In einigen Organen der Reichshauptstadt greift man nun Aeußerungen auf. die Sauerwein im „Mcrtin" zum Fall Seeckt getan hat. Der französische Journalist glaubt, daß der Rücktritt des Generalobersten, gerade in diesem Augenblick der Anbahnung einer deutsch-französischen Verständigung, dem deutschen Auswärtigen Amt nicht ganz ungelegen gekommen sei. In deutschen Dlüttepn wird die Vermutung daran geknüpft, daß die Angelegenheit des Hohen- zollernprinzen nur ein willkommener Vorwand zur Beseitigung Seeckts gewesen fei, daß im Grunde genommen aber, eine Forderung der Dotschafterkonferenz dahinter gestanden habe, der man in der Wilhelmstrahs im Interesse einer günstigen Fortführung der Polittk von Thoiry nachgekonrmen wäre. Abgesehen davon, daß die Stellung des Chefs der Heeresleitung in den Verhandlungen mit der
Lord d'Abernons Abschied von Beilin.
Empfang beim Reichspräsidenten.
Berlin, 8.Oft. (Sil.) Der Reich sprä- sident empfing heute in Gegenwart des Reichs- ministers des Auswärttgen Dr. Etresemann den Staatssekretär von Schubert, den neu ernannten bolivianischen außerordentlichen Gesandten unD bevollmächtigten Minister Villanueva zur Entgegennahme seines Beglaubigungsschreibens. Anschtteßend empfing der Reichspräsident den neu ernannten japanischen Botschafter Ragaokazur Entgegennahme seines Beglaubigungsschreibens und des 2lbberufungsschreioens des bisherigen Botschafters Honda. Der Reichspräsident cnnp- fing sodann den scheidenden königlich großbritannischen Dotschaster Viscount D'Abernon zur Entgegennahme seines Abberufungsschreibens. In seiner Ansprache führte
Lord d'Abernon
u. a. aus: Mit aufrichtiger Bewegung überreiche ich Ew. Exzellenz heute das Schreiben meines erhabenen Herrschers, der meiner Mission in Berlin ein Ende setzt. Wenigen Botschaftern ist es vergönnt gewesen, in dem Land, in dem ie beglaubigt waren, Zeuge derartiger Umwälzungen zu sein, wie sie während der sechs Jahre meines hiesigen Aufenthaltes sich hier zugetragen haben. In dieser kurzen Zeit habe ich in bezug auf die wirtschaftliche Lage gesehen, wie die deutsche Währung befestigt worden ist, nachdem sie eine in der Geschichte einzig dastehende Krise überwunden hatte. Ich habe beobachtet, wie das Deutsche Reich durch finanziellen Chaos zu finanziellem Gleichgewicht schritt und ich konnte feststellen, wie der Wiederaufbau der deutschen Industrie und des deutschen Handels auf einer Grundlage sich vollzog, die eine tiefe Vorbedeutung für das zukünfttge wirtschaftliche Gedeihen dieses großen Landes ist Ich verlasse ein Deutschland, das in Frieden mit seinen Rachbarn lebt, dessen Sicherheit durch den Vertrag von Locarno verbürgt und dessen Platz unter Nn Völlecn durch einmütige Zustimmung in Genf begründet ist. Dieses Werk ist ebensosehr den unbezwingbaren Eigenschaften des deutschen Volkes wie der weisen staatsmännischen Führung derer zu verdanken, denen es diese Leitung anvertraut hat. Es ist ihnen vergönnt gewesen, Herr Reichspräsident, beim Abschluß dieser historischen Entwickelung an der Spitze des Deutschen Reiches zu stehen und zu den Auszeichnungen ihrer langen Laufbahn den unvergänglichen Ruhm hinzuzufügen, die Sache des Friedens gefördert zu haben. Ich werde stets eine lebhafte Erinnerung an Berlin bewahren. an die zahlreichen Freunde, die ich hier habe und an die nie versagende Liebenswürdigkeit und Aufrichtigkeit der zahlreichen Minister und hohen Beamten, mit denen zu verhandeln ich das Vergnügen hatte. Ich kann nur wünschen, daß mein Rachfolger die gleiche Rücksichtnahme
Kontrollkommission bereits feit langem völlig geklärt war, enthalten die nun vorgebrachten Argumente so absurde und unerhörte Verdächtigungen des Auswärtigen Amts, daß es überflüssig erscheint, sie zur Debatte zu stellen. Der Fall liegt ja auch tatsächlich so klar, daß eä keiner derartig gekünstelten Motivierung bedarf. Die Organe der Linken sind natürlich über das Ergebnis ihrer Campagne auf das äußerste betroffen. denn auch sie sind sich bewußt, daß Deutschland in der Person Seeckts einen seiner Besten verloren hat, und daß sie mit der Beseitigung Seeckts den französischen Militärkreisen, wenn auch gewiß ungewollt, nur zu sehr in die Hände gearbeitet haben.
Die 41 Dienstjahre des nun auf der Höhe des Lebens aus seiner Tätigkeit gerissenen Armee- chess sind eine Kette ununterbrochener militärischer Erfolge. Seeckt ist ein Sohn der Rord° mark. Schon sein Vater war General der Infanterie. er selbst begann seine militärische Laufbahn beim altberühmten Kaiser-Alexander-Garde- Grenadierregiment und kam schon 1897 erstmals in den Generalstab. Rach kurzen Frontkommandos als Kompagniechef und Datalllonskommandeur in Düsseldorf und Karlsruhe wurde er 1913 Chef des Stabes beim 3. brandenburgischen Armee-Korps in Berlin. Als solcher rückte er unter General von Lochow im August 1914 ins Feld. Rach dem Abbruch der Marneschlacht und dem Rückzug an die Ais ne, war er es, der die erste große Gegenoffensive bei Soissons im Januar 1915 vorbereitete, die ein großer deutscher Erfolg wurde. Bald darauf wurde er als Oberst Generalstabschef der Heeresgruppe Mackensen. Die große Durchbruchsschlacht bei Gorlice-Tarnow und der Feldzug in Galizien waren im wesentlichen sein Werk. Der Pour le merite und die Beförderung zum Generalmajor waren die Anerkennung für die geniale Anlage der Operationen. Dann ging es mit dem Feldmarschall Mackensen an die Riederwerfung Serbiens, die nach dem berühmten Donauübergang bei Semen- dria in einem beispiellosen Siegeszug gelang. Als Chef des Generalstabes der türkischen Armee wurde er dann nach Konstantinopel berufen, leider erst in einem Augenblick, wo die Kriegslage dort unten bereits hoffnungslos geworden war.
Rach Kriegsende war Seeckt einer der wenigen hohen Offiziere, die sofort ein neues Korn-
und das gleiche Entgegenkommen finden möge, das ich selbst gefunden habe.
Der Reichspräsident erwiderte u_ a. mit folgenden Worten: Herr Botschafter! Ich danle Ew. Exzellenz aufrichtig für Die liebenswürdigen Wrr e. die Sie in dieser Stunde, in der Ihre hohe Mission in diesem Lande ihr Ende erreicht hat, an mich zu richten die Güte hatten. Sie haben sich nicht nur damit begnügt, die offiziellen Beziehungen zwischen Ihrer hohen Regierung und der ReichS- regicrung wieder auf Den Stand des gegenseitigen Vertrauens zurückzuführen, sondern haben sich auch bemüht, sich in die Lage des deutschen Volkes hineinzudenken und die unerhört schwierigen Verhältnisse Deutschlands zu verstehen. insbesondere auch in wirtschaftlichen Fragen. sowie Ihre reichen Kenntnisse und Erfahrungen zur Verfügung gestellt. Ihre Mission endet mit einem bedeutungsvollen Abschnitt in der europäischen Rachlriegsgefchichte. Mit dein Inkrafttreten der Locarno-Verträge und mtt Dem Eintritt Deutschlands in den Völkerbund hat die auf einen dauerhaften europäischen Srieben hinzielende Politik einen wichtigen Schritt vorwärts getan. In dieser Gestaltung haben Sie maßgebenden Anteil genommen, der Ihnen nicht vergessen werden wird. Wenn Sie nunmehr Ihrem Wunsche folgend in Ihr Vaterland zurücklehren, so fehen wir Sie. das können Sie, Herr Botschafter, versichert fein, mit aufrichtigem Bedauern scheiden. Dieses Bedauern erstreckt sich auch auf Lady d'Abernon, die es verstand, in den Jahren chres Hierseins die Botschaft in der Wilhelmstratze zu einem gesellschaftlichen Mittelpunkt zu machen und damit die Tradition fortzusetzen, die dem englischen Dotschasterpalais von jeher das Gepräge aufdrückten. Ich freue mich aufrichtig, aus Ew. Exzellenz Worten zu entnehmen, daß Sie sich gerne Ihrer Berliner Amtstätigkeit und Ihrer Berliner Beziehungen erinnern werden. und kann Ihnen meinerseits versichern, daß alle, die mit Ihnen in amtliche und gesellschaftliche Beziehungen zu treten das Vergnügen hatten, hieran mit Genugtuung zurückdenken werden.
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Der Reichspräsident aab heute abend zu Ehren Lord d'Abernons ein Abschied s e s sen , an dem außer der Umgebung des Reichspräsidenten und verschiedener Persönlichkeiten aus seinem Bekanntenkreise der Botschaftsrat der englischen Botschaft, Addison, Reichskanzler Dr. Marx, Ministerpräsident Braun, die Reichsminister Dr. S t r e s e m a n n , Dr. C u r t i u s und Staatssekretär v. Schubert mit ihren Damen, ferner die Botschafter Dr. Sols und Gras v. Brockdorff- Rantzau sowie der Präsident des Roten Kreuzes, v. Winterfeldt, teilnahmen.
mando übernahmen: anfangs beim Grenzschutz im Osten als Generalstabschef des Generals von Quast, dann als Chef des Allgemeinen Truppenamts im Reichswehrministerium. Rach dem Kapp-Putsch wurde er im März 1920 an Stelle des Generals von yüttwih Chef der Heeresleitung. Was er an dieser Stelle in ununterbrochener Tätigkeit Hand in Hand mit dem Reichswehrminister Dr. Geßler geleistet hat, farm nicht besser gewürdigt werden, als mit den Worten eines englischen Blattes, des „Daily Telegraph", der in diesen Tagen schrieb: „Die Schuld des Reiches gegenüber dem General ist sicher unermeßlich. Dieser überzeugte Monarchist hat aus militärischer Pflichterfüllung heraus das Reich, die deutsche Republik. Weimar gerettet gegen die extremen Reaktionäre, sogar gegen General Ludendorf und die Kommunisten in Sachsen. Kein anderer deutscher General erfreut sich eines ähnlichen Ansehens und Vertrauens in der nationalen Meinung Deutschlands. Er hat aus der Reichswehr das be st- trainierte 100 000-Mann-Heer in Europa gemacht, eine Armee aus ebensoviel Leuten, die auch Offiziere und Unteroffiziere fein könnten. General von Seeckt hat den alten Korpsgeist und die Regimentstraditionen aufrechterhalten, aber trotzdem das Heer modernisiert und demokratisiert und besonders ein neues intimes Vertrauensverhältnis zwischen Offizieren und Mannschaften geschaffen."
Diesem bewundernden Urteil aus Feindesmund ist nichts hinzuzufügen. An dem Echo, das Seeckts Rücktritt überall in der weiten Welt gesunden hat, dem Jubel in Paris, dem ungläubigen Staunen ob soviel Torheit in London, Rom und sonstwo, können wir erst ermessen, was Deutschland an dem Manne verloren hat, der nun gehen muß. Und wie leicht hätte es den Männern, die jeden Tratsch über die Reichswehr zur Freude des Auslandes an die große Glocke hängen, bei ihren parteipolitischen Beziehungen zum Reichswehrminister doch sein müssen, durch direkte Vorstellungen Mißstände in der Reichswehr abzustellen, von denen sie Kenntnis erhalten hatten, und damit einen Konflikt vermeiden zu helfen, der so unermeßlichen Schaden anrichten »nutzte.
Seeckts Abschiedsgesuch genehmigt.
(§in Schreiben des Reichspräsidenten.
Berlin, 8. Olt. (TU.) Amtlich. Der Herr Reichspräsident hat das Abschiedsgesuch des Generalobersten v. Seeckt unter wärmster Anerkennung der von ihm im Krieg und Frieden dem VaterlanD und dem Heer geleiteten hervorragendsten Verdienste genehmigt. Der Herr Reichspräsident hat Hern, Gcne.ao.c.t v. Seeckt heute empfangen und ihm seine Anerkennung und seinen Dank ^persönlich zum Ausdruck gebracht. Jener i at er an den Generalobersten nachfolgendes H a n d- schreiben gerichtet:
„Sehr verehrter Herr Generaloberst! Ihiem Antrag um Entlassung aus dem Heeresdienst habe ich in der anliegenden Urkunde entsprochen. Ich sehe Sie mit große rn Bedauern au 5 Dem Heeresdienst scheiden, und es ist mir e.n aufrichtiges Bedürfnis, Ihnen in dieser Stunde namens des Reiches und im eigenen Ran.en von Herzen zu danken, für alles, was Sie im Krieg und im Frieden für das Heer und für unser Vaterland getan haben. Ihr Raine ist mit zahlreichen Ruhmestaten unseres Heeres im We.t- friege verbrrnden und wird in der Kriegsgeschich:e unvergänglich weiterleben, ebenso die stille und entsagungsvolle Arbeit, in der Sie in der hinter uns liegenden Rachkriegszeit die neue Reichswehr ausgebaut und ausgebildet haben und ebenso groß find Die Verdienste, die Sie sich in Den hinter uns liegenden Jahren der Erschütterung des Reiches um bie Erhaltung der Ordnung und der Autorität des Staates erworben haben. Alles dieses wird Ihnen unvergeßlich b.eiben.
Ich hoffe zuversichtlich, daß Ihr vielseiti-es Wissen und Können, Ihre Tatkraft und rew e Erfahrung auch künftig unserem Vaterland n utz bar fein werden und bin in dieser Erwartung
mit kameradschaftlichen Grüßen
Ihr ergebener gez.: v. H i n D c n b u r g.“ |
Um die Nachfolge Seetfts.
Berlin, 8. Oft. (VDZ.) Die Ernennung des Rachfolgers für den zurückgetretenen Chef der Heeresleitung Generaloberst von Seeckt toirD nicht überstürzt werden. Die Annahme, daß die Entscheidung im Laufe des Samstag fallen müsse, ist ebenfalls irrig Als mutmaßliche Rach- folger des Generals v. Seeckt werden verschiedene Persönlichkeiten genannt. An erster Stelle, nach Ansicht eingeweihter Kreise, Generalleutnant Heye, der Kommandeur Der in Königsberg stehenden Reichswehrdivision. Heye war Mitglied der Obersten Heeresleitung unter Hindenburg und hat in den Tagen des Zusammenbruchs jene denkwürdige Kommandeurversammlung einberufen, die Dem Kaiser seinen Rücktritt nahelegte. Später war er im Reichswehrministerium tätig und hat während des Kapp-Putsches das Rcichs- wehrministerium in Berlin geleitet. Er soll es auch gewesen fein, Der General v. Lüttwih zur Abdankung veranlaßt hatte Außer General Heye unb neben dem General Reinhard wird noch General Hasse als Rachfolger v. Seeckts genannt Hier handelt es sich aber um Den Berliner Divisionskommandeur, nicht aber um den gleichnamigen Stuttgarter Divisionär. Laut „Lokalanzeiger" wird in politischen Kreisen angenom- men, daß in erster Linie mit den Generalleutnants Heye und Hasse Verhandlungen über Die Berufung eines der beiden Generäle auf Den Posten Seeckts geführt werden sollen. „Chef der Heeresleitung" wird jedenfalls Der Rachfolger Seeckts nicht werden, da es feit Deut' Sommer 1925 einen solchen nicht mehr gibt, was bisher praktisch nicht in Erscheinung getreten war. Dem Blatt zufolge bleibt noch die Frage offen, ob Der neue militärische Berater des' Reichswehrministers die Stellung eines Staatssekretärs im Reichswehrministerium erhalten soll.
Kundgebung des Deutschen Deamlendundes.
Eine Nede des Reichskanzlers.
D e r l i n, 8. Oft. (WÄsf.) Die heutige Sitzung des fünften Beamtentages des Deutschen Beam- tenbundes brachte eine eindrucksvolle Kundgebung zu Dem Zusammenschluß des Deutschen Deamten- bundes und des GesamtverbanDes Der Deutschen Beamtengewerkschaften. Bundesvorsitzender Rektor Flügel führte u. a. aus, der neue Beamte n- bunD sei staats bejahend, staatserhaltend und staatsfördernD und werde keine Bestrebungen dulden, Die auf eine Zerteilung Des Staates hin- ausführten. Der neue Bund sei parteipolitisch und konfessionell neutral. Der neue Bund sei, wie bisher, bereit, mit allen Spihenverbänden Der Arbeiter und Angestellten ohne Unterschied Der Richtung in allen Fragen unD in Der Sozialpolitik praktisch zusammen- zuarbeiten. Der Vorsitzende des Grsanttverbandes Der Deutschen Deamtengewerkschaften, Fritz G u t s ch e, stellte fest, daß Der von ihm geführte Verband sich mit Den programmatischen Erklärungen des Vorsitzenden Des Deutschen Be- amtenbundes vollkommen einöerftanDen erkläre. Damit wurde ein Antrag. Der Den Zusammenschluß anerkennt, angenommen.
Bundesvorsitzender Flügel begrüßte Darauf im Ramen des neuen Bundes Den Reichskanzler


