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trainiert, und war nach drei Tagen absichtlich den Gendarmen des Dörfchens in der Lüneburger Heide in die Arme gelaufen. Der Baran selbst be­fand sich indessen auf freiem Fuß und lachte seiner Verfolger.

Man hatte es unnötig gesunden, den aufs neue Eingelieierten mit der Statistik des Signalements zu vergleichen. Jeder glaubte ihn zu erkennen, die Sträflingskleidung, die als diejenige Racofzys fest- gestellt wurde, bewies es zum Ueberfluß. Kleine Entstellungen schrieb man den Entbehrungen der dreitägigen Flucht zu, die ihn abgezehrt und krank gemacht hatten.

Nach schnellem Telegrammwechsel mit der 'Ber­liner Staatsanwaltschaft drängte es Brentheim, wieder nach Hause zu kommen.

Als sie den Zug bestiegen, schrien die Zeitungs­verkäufer auf den Bahnsteigen aus:

Racoszy seit einem halben Jahr in Freiheit!"

VI.

Brentheim schloß während der Fahrt kein Auge und sprach kein Wort.

Er atmete auf, als sie in Bonn die Tram nach Godesberg bestiegen.

An der Abfahrtstelle begrüßte sie ein eleganter Herr mit dunklen Haaren und Augen und vernarb­ten Wangen.

Wer ist bas?"

Sandberg, ein Architekt aus Bonn. Bewohnt augenblicklich ein Sommerhäuschen oberhalb Fries­dorf, welches dem Weinhändler Esser gehört."

Als sie im Wagen saßen, gesellte sich Sandberg zu ihnen und machte sich in korrekter Form mit Kramer bekannt.

,So früh in Bonn gewesen?" fragte er.Haben Sie denn heut nacht nicht daheim geschlafen?"

Nein, wir waren zwei Tage verreist!" gab der Kommisiar zur Antwort.

Ich beneide Sie nicht um die Fahrt bei solcher Hitze."

Ich mußte geschäftlich fort."

Was kümmern Sie heute noch Geschäfte? Ich möchte, ich hätte es so gut wie Sie!" Er lächelte, Zustimmung heischend, zu Kramer hinüber.

Brentheim sagte grimmig lächelnd:Ich habe jemandem einen Besuch machen wollen, den ich leider nicht zu Hause antraf."

berholung biefer Fahrt, die aber schwerlich vor Ende August oder Anfang September burchge- führt werden kann, da bis dahin alle Sonntage mit Gesellschaftsfahrten belegt sind. Die Vor- arbeiten für das am 3., 4. und 5. Juli hier stattfindende Bezirks fest der Arbeiter­sportler sind im lebhaftesten Gange. In der ganzen Gemeinde findet die in großem Rahmen vorgesehene sportliche Veranstaltung ungeteiltes Interesse. Aber auch in den Bezirksvereinen be­gegnet man an dem Turnfest einer starken An­teilnahme. sodaß mit sehr großer Beteiligung zu rechnen ist. Die Hauptschwierigkeit schien an­fänglich die Unterbringung der großen Zahl von Wetturnern zu sein. Aber Dank der opfer­freudigen Bereitwilligkeit der gesamten Sinwoh- nerschast, die damit ihrer schon oft bewährten Gastfreundschaft alle Ehre macht, scheint diese Schwierigkeit gelöst werden zu können, sodaß die Möglichkeit vorhanden ist, die Wetturner und Wetturnerinnen in Bürgerquartieren unter­bringen. Die bisherigen Anmeldungen zur Bereitstellung von Quartieren sind sehr zufriedenstellend, in lobenswerter Weise be­teiligt sich hieran die gesamte Einwohner­schaft ohne Unterschied. Dis Freitag lagen bereits die Meldungen von etwa 400 Wett- turnem vor, täglich treffen neue Meldungen ein, ein Teil der Vereine steht noch aus. Die vor­gesehenen Darbietungen bringen außer den Wett­kämpfen ganz hervorragende Leistungen aus dem gesamten Gebiet der Leibesübungen in einer Fülle, 'daß alle Zweige und Arten reichlich zu Wort kommen.

I! Daubringen. 8 Juni. An dem hier am Sonntag stattgehabten Wertungssingen des LumdatalsängerbundeS nahmen alle 11 Dereine des Bundes teil. Der Pslichtchor,Am Bächlein", von Wachler. stellte an unsere meist kleinen Landvereine starke Anforderungen. Den­noch sprachen sich die beiden Preisrichter, Ober­reallehrer G e l l e r - Gießen und Lehrer Platz- Klcin-Llnden. In ihrer Kritik im einzelnen und im allgemeinen sehr anerkennend über die Lei­stungen aus. Außer dem Pflichtchor fang jeder Verein noch ein selbstgewähltes Lied. Auch hier­bei standen Auswahl, Auffassung und Vortrag bei den meisten auf einer anerkennenswerten Höhe. Verbunden mit diesem Wertungssingen feierte derGesangverein Daubringen" (Dirigent Lehrer C b e r l e - Treis) sein 53. Stiftungsfest. RachmittagS bewegte sich trotz ftrömenöeh Regens ein stattlicher Festzug, an dem 23 Vereine sich beteiligten, durch unser abwechslungsvoll ge­schmücktes Dors. In einer mit Begeisterung aus­genommen en, spontan in das Deutschlandlied aus- klingenden Festrede eröffnete Dr Balser den Festakt. Die Festdame Überreichte dem Derein eine von den Frauen und Jungfrauen des Der- eins gestiftete Zahnenschleife. Mit dem zweiten Festtag am Montag wurde das Jugendfeft un­serer Schule verbunden. Rachdem wieder ein Festzug durch das Dorf marschiert war, begrüßte aus dem Festplah Bürgermeister Preis Jugend und Festteilnehmer. Dr. Balser toanbte sich bann in seiner Ansprache mit ernsten und humor­vollen Worten an Eltern, Jugendliche und Kin­der. Bei Gesängen und munteren Spielen ver­gingen auch die ötunben des zweiten Festtages allzu schnell.

z. A 11 e n b o r f a. b. Lda., 8. Juni. Der L u m = batalfängerbunb hielt am Sonntag in Daubringen "sein diesjähriges Wertungssingen ab. Der hiesige Männergesangoerein Eintracht bot unter d> r Leitung seines Dirigenten, Musiklehrer Kasten- Gießen, eine vorzügliche Leistung. Mit 154 Punkten stand der Verein an erster Stelle.

v. Londorf, 8. Juni. Je näher der Tag des Lahntalsängerbundesfestes rückt, desto eifriger sind alle Ausschüsse an der Arbeit, um den Sängern und Gästen schöne Stunden und Tage zu bereiten. Die feststehende Halle, in welcher die B mdesvereine singen, wird so hergerichtet, daß eine genaue Beurteilung des Gesanges möglich ist. Auch das Festbuch wird reichlich ausgestattet sein.

Rödgen, 8. Juni. Die wegen Kanalisa­tionsarbeiten angeorbnete Sperrung ber Kreis st rahenortsburchfahrt Röd gen ist von heute ab toieber aufgehoben worden.

+ (Brünberg, 8. Juni. In ber gestrigen Gemeinderatssitzung wurde ein Schreiben des Kreisamts betreffend Aenderung der Steuersätze in dem Voranschlag für 1926 verlesen und dement­sprechend u. a. beschlossen, daß pro 100 Mk. Steuer­wert für Sondergebäudesteuer 537/io Pf. erhoben werden gleich einem Gesamtbeträge von 20 400 Mk.,

für Grundsteuer ber Gebäude und Bauplätze 20 Pf. gleich 8000 Mk., für land- und forstwirtschaftlich ge­nügten Grundbesitz 48 Pf. gleich 16 275 Mk., für Gewerbesteuer für land- und forstwirtschaftliche ge­werbliche Anlagen 12s) Pf. (9890 Mk), auf Gewerbe­ertragssteuersoll des Rj. 1925 200 Pf. (10 400 Mk. Weiterhin ist auf Anregung des Kreisamts die Gebühr für die Feldgeschworenen bei einer Beschäs- ligungszeit von über 4 Stunden auf 4,50 Mk., von 2 bis 4 Stunden auf die Hälfte, unter 2 Stunden auf ein Viertel festgesetzt. Nach Mitteilung sind der Schriftverkehr, Sie Pläne sowie die Wünsche der Stadt Grünberg betr. Neubau des hiesigen Finanz- amts dem Reichssinanzamt vorgelegt, welches jedoch in baulicher Hinsicht einige Vorbehalte macht. Zu- geftimmt roirS dem Wunsch des Kreisamts, daß demnächst die Bausluchtlinie zwischen neuer Straße und altem Steinweg festgelegt wirb. Dem Obst- und Gartenbauverein wird auf Antrag ein Betrag, den früheren Jahren entsprechend, überwiesen.

Lich, 8. Juni. Zur Ueberroinbung der ersten Not, die infolge ber Lungenseuche unter den Beständen der Landwirte und Viehzüchter un­serer Stadt entstanden ist, sand auf Anregung des Landwirtschaftskammerausschusses für Oberhessen eine Versammlung der hiesigen Landwirte statt. Da an der furchtbaren Lungenseuche bis heute nahezu 2s)0 Stück Milchkühe abgeschlachtet werden mußten, so ist die Beschaffung von Ersatz nach Ansicht samt- licher Versammlungsteilnehmer eine dringende Not­wendigkeit. Es wurde beschlossen, die Landwirt­schaftskammer aufzufordern, durch ihre Viehvermitt­lungsstelle den hiesigen Diehbesihem bei Beschaf­fung von Milchvieh behilflich zu sein. Don einer Einführung aus Oberbaden wurde vorläufig Ab­stand genommen, weil bis fetzt nur Nutzvieh be­nötigt wird. Die Diehbesitzer im Kreise Alsfeld und Lauterbach sollen zur Beschickung ber Prämien­märkte zu Alsfeld und Ulrichstein aufgefordert wer­den, damit die Licher Landwirte ihren Bedarf decken können.

Kreis Friedberg.

sf. Friedberg, 8. Juni. In dem Be­richte über die letzte Stadtverordneten­versammlung ist ein Druckfehler unterlaufen. Der städtische Voranschlag schließt in Einnahme und Ausgabe nicht mit 393 733 Mark, sondern mit eine Million 396 733 Mark ab. Das von dem Friedberger Schühenverein veranstaltete Schützenfest nahm einen durchaus zufrieden­stellenden Verlauf. Schon der Vorabend brachte einen starken Besuch des Festplatzes, am Sonn­tag bewegte sich ein stattlicher, durch vielerlei Gruppen belebter Festzug durch die Straßen nach der Seewiese, woselbst nach Eintreffen des Zuges Bürgermeister Dr. Seyd die Festrede hielt. Bereits um 8 ilhr vormittags hatte in der Schiehhalle des Vereins das Preisschießen be­gonnen. Die Preisverteilung fand abends statt. Der Festplah war von einer großen Volks­menge belebt.

0 Gambach. 8. Juni. Allenthalben sucht man nach Mitteln, um die in unserem Vaterlande herrschende Wohnungsnot zu beseitigen. Auch die deutsche Dau- und Siedlungsgemein­schaft sucht an dieser Aufgabe mitzuhelfen. Heber deren Bestrebungen und den Wohnungsbau mit zinslosem Gel de sprach am Freitagabend Herr Essinger-Butzbach. Redner verbreitete sich zu­nächst über die verschiedensten Gründe der Woh­nungsnot. zeigte bann auch die so überaus schäd­lichen Auswirkungen des Wohnungselends und sprach dann in längeren Ausführungen über die Ziele der Dau- und Siedlungsgemeinschaft. An die Ausführungen des Redners schloß sich eine äußerst lebhafte Aussprache an, wo noch manche Frage aufgeworfen und geklärt wurde. Das Er­gebnis des Abends war die Gründung einer Ortsgruppe, der sofort 11 Mitglieder beitraten.

Kreis Büdingen.

/ Ortenberg, 8. Juni. Das dies­jährige Hauptschießen des hiesigen Schützen­vereins nahm unter freudigster Anteilnahme der Bevölkerung einen schönen Verlaus. Es wurde am Samstagabend durch einen Fackelzug ein- geleltet. der sich durch die festlich geschmückten Straßen bis zum Schloß bewegte, wo sich S. D. Prinz Ernst in den Zug einre hte. Anschließend sand im Mauergarten ein Kommers statt, in dessen Verlauf Schühenmeister Schmidt die Gäste be­grüßte. Konzertvorträge und Gesangsvorträge umrahmten den Abend. Am andern Morgen fand gemeinsamer Kirchgang statt. Ein stattlicher Fest- zug unter CDorantritt der Dereinssahnen zog am Mittag nach dem Festplah. Inzwischen waren

Der dritte Schuh.

Kriminalroman von Ole Stefani.

7. Fortsetzung. Nachdruck verboten.

Brentheim mußte um bas Bett herum zum Fenster gehen, um ihm in bas Gesicht zu sehen.

Um zu sehen, daß richtig war, was er gefürchtet halte. Bleich stand er da und glaubte sein Herz mit hörbaren Rucken schlagen zu fühlen.

Auch Kramer war fassungslos an die Wand gewichen.

Der Mann im Bett war nicht Racoszy!

V.

Er tjate eine große Ähnlichkeit mit ihm, gewiß. Aber die Züge waren gröber, unintelligenter, keine Spur der kleinen Kopfnarbe, die Racoszy aus dem Kampf im Berliner List baoongetragen hatte bas Einmalige unb Unvergleichliche, bas jebes Menschenantlitz von dem anderen unterscheibet, be­zeugte, baß ber Gefangene nicht ber war, für den man ihn hielt.

Sie brachten ihn zum Sprechen.

Sind Sie Racoszy?" fragte ihn Kramer ge­radezu.

Der Mann blies gelangweilt den Rauch feiner Zigarette in die Luft.Aber nein doch!" sagte er.

Brentheim erkannte mit erschreckender Gewiß­heit: die Stimme war ihm ganz fremd.

Das sagt er oft!" flüsterte der Direktor, der die Situation immer noch nicht begriff.Er hat heute nacht wieder einen schrecklichen Nervenansall gehabt. Danach redet er stundenlang irre. Der Dok­tor hat ihm darum auch eine < Zigarette gestattet, weil ihn das am meisten beruhigt."

Ich glaube," sagte Brentheim schmerzlich lächelnd,ich glaube, diese Sache wird Ihnen sehr schaden, Direktor Röder."

Es war Tatsache ber Vergleich mit ber Meß karte im Ausnahmearchiv bezeugte es: Racoszy hatte es verstauben, einen anberen Mann an seiner Statt unterzuschieben.

Unb allmählich erkannte Kramer ben Zusammen­hang. Zur Zeit ber rätselhaften Flucht Racoszys aus dem Zuchthaus hatte ber Fremde schon bereit­gestanden, unterstützt von Ähnlichkeiten des Ge- iichts und Körperbaus, bis ins letzte auf Identität

auch bte Vertreter einer Auzcchl auswärtiger Schützenvereine etngetroffen. Rach Eintritt ber Dunkelheit würbe ein gut gelungenes Feuerwerk abgebrannt. Der Festmontag war neben den Schützen vor allen Dingen der Jugend ge­widmet. Unter Dorantritt der Musik zogen die Schulkinder um 2 Uhr zum Festplatz. Rach Eröff- Tiung der Feier hielt Lehrer Earl eine sehr beifällig aus genommene Ansprache. Dann wechsel­ten Lieder. Gedichtvorträge und Reigen in bunter Reihenfolge miteinander ab. Den Höhepunkt der Darbietungen bildeten zwei Theateraufführungen auf einer Raturbühne. Jn-w!schen ging das Schießen weiter, aus dem Wilhelm Dillemuth als Ritter und Schützenkönig hervorging. Eine große Anzahl schöner Prelle konnten die besten Schützen mit nach Hause nehmen.

le. Bleichenbach. 8. Juni. Wie schon berichtet, waren hier bei den Verpachtungen der Gemeinde- und Kirchengüter im Jahre 1925 ungeheure und untragbare Pachtsummen erzielt worden. Den Bemühungen der Beteiligten ist es gelungen, für die Pachtsummen der Kirchen­güter eine Herabsetzung von 40 Prozent für 1925 und von 50 Prozent für 1926 zu erzielen; für die Gemeindegüter soll das gleiche in Aussicht stehen.

Kreis Schotten.

Schotten. 8. Juni. Unter der Führung des Landwirtschaftsrats Wenzel unternahmen 18 ehemalige Schüler der hiesigen landwirtschaft­lichen Schule einen dreitägigen Lehrausflug an den Rhein. Das Weingebiet von Rüdes» heim, Atzmannshausen und- Bingen bot reichlich Gelegenheit, die Anlage der Weinberge, ihre Düngung, sowie die verschiedensten Arbeiten im Laufe des Jahres kennen zu lernen. Der Besuch einer Kellerei in Bingen zeigte die Maschinen und Geräte, die bei der Weinbereitung und weiteren Behandlung bis zur Flaschenreise Ver­wendung finden, außerdem die sachgemäße Lage­rung der Weine.

s Hartmannshain, 8. 3uni. Der hiesige Steinbruchbetrieb liegt noch immer still. Der Unternehmer, eine Firma aus Gießen, hatte schon mit beginnendem Frühjahr die Wie­deraufnahme der Arbeiten in Aussicht gestellt. Die Ursachen der Betriebsruhe sollen in Absatz­schwierigkeiten zu suchen sein. Im Interesse der Arbeitslosen, deren Zahl durch die jetzt erfolgte Einstellung der Ausarbeitung des durch Wind- und Schneebruches verursachten Waldschadens, besonders im benachbarten Herchenhain, eine be­trächtliche Steigerung erfahren ^>at, wäre es zu begrüßen, wenn eine baldige 'Inangriffnahme des Äeinbruchbetriebes erfolgen könnte.

s Herchenhain, 8. Juni. Das am Himmelfahrttage eingcweihte Jugendheim kann immer noch nicht seiner Bestimmung über­geben werden. Die Fertigstellung der Jnnen- räume muß von Tag zu Tag hinausgeschoben! werden, da das feuchte Frühjahrswetter die Trocknung sehr verzögert hat. Der Verwalter des Jugendheims ist trotzdem mit seiner Familie vor einigen Tagen eingezogen, um für Lüftung und Heizung regelmäßig sorgen zu können. Man will auf diese Weise die Trocknung beschleunigest, damit die noch notwendigen Jnnenarbeiten bal­digst ausgeführt werden können. Man hofft be­stimmt, das Jugendheim spätesten- zu Anfang Juli, dem Beginn der Hauptferienzeit, dem Ver­kehr übergeben zu können.

Breungeshain, 8. Juni. Der Wetter­gott des Vogelbergs achtet weder auf gute Meldun­gen der Wettervorherfager, noch auf fromme Wünsche der Festgeber. So war es auch am ver­gangenen Sonntag, als der hiesige Gesangverein bas Fest seiner Fahnenweihe feierte. Während in der Ebene kaum ein paar Regenspritzer nieder­gingen, riefelte hier unbarmherzig der Regen nieder und störte ungemein die Festfolge. Etwa 16 Ver­eine waren am Morgen eingetroffen. Allein schon bei ber Aufstellung bes Festzuges goß cs, so baß zunächst bie Weihe ber Fahne verschoben würbe, weil man auf ein Nachlassen bes Regens hoffte. Als bieses aber nicht eintrat, entschloß man sich zur Vornahme ber Fahnenweihe. Da bie Ungunst ber Witterung entferntere Vereine zu frühem Ausbruch zwang, konnte nur ein Teil ber erschienenen Bun- bes- unb Gastvereine sich gesanglich betätigen.

j( Ruppertsburg, 8. Juni. In diesem Frühjahre mehrt sich auch in unserer Gegend bie Zahl ber umherziehenden Zigeuner, Korbmacher unb anberer fahrender Leute. Wenn sie schon burch ihre Bettelei lästig werben, so hat der Natursreunb

Kramer warf ihm einen mamenben Blick zu unb sie sprachen von anberen Dingen.

In Friesdorf stieg ber Architekt aus. Die Freunbe schauten ihm burchs Fenster nach.

Trägt er eine Perücke?" fragte Kramer plötz­lich, inbem er sich vorbeugte.

.Bist bu wahnsinnig?" Brentheim sah ihn mit aufgeriffenen Augen an.

Der Anwalt blickte scharf auf ben Nacken bes sich Entfernenben. An ber Schranke roanbte sich Sand- berg um unb rointte lächelnd zurück.

Kramer hatte ein seltsames Gefühl in seiner Kehle. In diesem Augenblick schwor er sich: von allen Nachforschungen, bie er über bie Menschen in bieser Gegenb anfteUen bürste, würben bie nach Sanbberg bie ersten sein.

Zu Hause fanben sie zu ihrer Erleichterung alles ruhig. Es hatte sich nichts ereignet. Lachner war zum Unterricht nach Bonn gefahren unb Grete saß mit Oelscher in ber Laube.

Der Professor blieb über Tisch bei ihnen. Nach­mittags versammelte sich mieber viel junges Volk im ©arten. Molinski war nicht babeu Neu waren bem Rechtsanwalt zwei Referenbare aus Bonn, bie sich durch Veranstaltung von Gesellschafsspielen beson bers beliebt machten.

Oelscher unb Esser bemühten sich um Grete, beren Fröhlichkeit erzwungen schien.

Kramer zog ben dicken Weinhänbler in ein Ge­spräch unb verstaub es, im Verlauf desselben nach Sanbberg zu fragen.

Ein großartiger Mensch!" sagte Esser schnau- fenb. ..Er hat einen Auftrag über eine neue Bahn­überführung bekommen unb arbeitet Tag unb Nacht. Warum ertunbigen Sie sich nach ihm?" fragte er plötzlich, Kramer mit einem schlauen Blick ins Auge faffenb.

Nur so!" sagte der Anwalt etwas überrascht. Mich interessiert bas Gesicht."

So ich dachte. Sie wollten mit ihm Geschäfte machen. Die Freunde aus Düsseldorf, die ihn mir empfahlen, sind absolut zuverlässig für jede Summe, Herr Rechtsanwalt."

Sanbberg bewohnt hier ein Sommerhäuschen, bas Ihnen gehört, nicht wahr?"

Ja. Kennen Sie es? Sie müssen ihn unbebingt mal besuchen. Nur zwei Zimmer, wissen Sie! Ein transportables Holzkistchcn. Aber bezaubernb einge-

oft genug Gelegenheit zu flogen über ben Schaden, ben sie in Felb und Wald anrichten. Kürzlich mür­be n Zigeuner beim Wilborn ertappt, ein andermal ah man sie unberechtigterweise fischen. Ganz beson- bers eifrig streben sie ben Igeln nach. Mit Hilfe eines auf ben Igelfang dressierten Hunde» gelang es ihnen, innerhalb einer Stunde zwei Igel zu fangen. 2denn diesem Unwesen nicht gesteuert wird, dürften diese Tiere, die jetzt schon selten geworden find, bald gänzlich ausgeroltet sein. Dies ist gerade im Interesse ber Landwirtschaft sehr zu bedauern, be­steht doch die Hauptnahrung bes Igels aus allerlei schädlichen Insekten, Nacktschnecken, Feld- und Wald­mäusen.

ck. Dom unteren Vogelsberg, 8. Juni. Die Gewerkschaft Luise in Nieber-Ohmcn will auf Grube Hedwig bei Nieder-Ohmen, welche seit­her still lag, die Arbeit wieder beginnen. Es ist dies in Anbetracht der großen Anzahl der Erwerbslosen mit Freuden zu begrüßen. Vorerst soll mit einer, geringen Zahl Arbeiter die Grube, welche durch die Witterungsverhaltnisie während dem Stilliegen gelitten hat, betriebsfähig gemacht werden. In etwa 14 Tagen soll mit einer größe­ren Anzahl Arbeiter begonnen werden.

8 Dom oberen Vogelsberg, 8. Juni. Infolge des ungetoötynltd) nassen und kalten Frühjahrswetters klagen bie Landwirte des oberen Dogeisberges über Mangel an Grünfutter. Die Kleesaaten sind restlos ausgewintert, so daß das Zufutter für den Stall nach dem Wcidegang fehlt. Der Grasbestand der Diehweiden ist in derart schlechter Derfassung. daß das Vieh unbedingt noch des ZufutterS be­darf. Der Landwirt ist gezwungen, schon jetzt auf solchen Wiesen Gras zu holen, die ihm in normalen Jahren daS Wintersutter lieferten. Auch der Saatenstand läßt viel au wün­schen übrig. Die Sommersaaten sind sehr zurück und stehen im Wachstum fast still, zum großen Vorteil der vielen Ackerunkräuter, die sich in er­schreckendem Maße zeigen. Besonders gift dies von dem mit Recht so sehr gefürchteten Hederich, der in verheerender Weise auftritt. Die Winter­frucht soweit sie nicht ausgewintert ist, zeigt auch wenig befriedigenden Stand. Sie ist noch sehr kurz. Die Kartoffeln zeigen auf den Aeckern die ersten Spitzen.

Kreis Alsfeld.

. Alsfeld, 8. Juni. Die Landwirtschafts­kammer veranstaltete in Verbindung mit dem Kreis- pferbezuchtoerein eine Pferde- und Fohlen- prämiierung. Der hessische Warmblutzüchtet verband hatte drei goldene Plaketten gestiftet, die an die Züchter Raab-Alsfeld, Kalbfleifch-Billerts Hausen und Pfefser-Damrneshof verteilt wurden Dcfonomierat Korest und Landstallmeister Schocke Darmstadt sprachen ihre Anerkennung für die züch­terischen Leistungen aus. Sie warnten vor einer Aufgabe bet Fohlenzucht, ba in 2 bis 3 Jahren die Nachfrage nach guten Fohlen größer würde. Es erhielten 1. Preise: Korell-Schwabenrod, Hch. Naab-Alsscld, Karl Fink-Leusel, Korell-Schwaben rod: 2. Preise: Friedrich-Erbenhausen, Junker- Grebenau, Kalbfleisch-Billertshausen. Die Ueber reichung der drei goldenen Plaketten des Warm blutzüchterverbandes nahm Baron von Riedesel vor.

Kreis Lauterbach.

* S ch l i h, 8. Juni. Rur noch wenige Wochen trennen uns von dem Jubiläum des 7 0 j ä h r i - gen Bestehens des hiesigen Männerge­sangvereinsHarmonisches Kränz- ch e tv. Die für die Vorbereitung bestimmten Ausschüsse sind eifrig an der Arbeit. Das Pro­gramm ist in großen Zügen sestgelegt. Es sind namhafte Geldbeträge und schöne Werkpreise gestiftet worden, sodaß es dem Derein möglich ist. im Klassensingen jedem Derein einen wert­vollen Ehrenpreis zu überreichen. Als Preis­richter sind anerkannte Fachleute gewonnen wor­den. Beim Festzug wirken drei Kapellen mit. Festwagen, Trachtengruppen, Reiterabteilungen usw. werden ihm ein buntes und abwechslungs­reiches Aussehen verleihen.

richtet, mit Telephon und allem Komfort und ganz einsam gelegen!"

Kramer ging langsam um den Garten herum. Er fühlte, daß sich ein Unwetter über diesem Hause zusammenzog und kam sich wie gefesselt an Hän­den unb Füßen vor. Da Racoszy in Freiheit war, so war das Schlimmste für ben Kommissar zu be­fürchten. Die ersten zwei Schüsse bewiesen es. Gibt es benn keine andere Möglichkeit, Brentheim zu retten, als die, ihn auf eine einsame Insel zu bringen? dachte er und lächelte bitter.

Er trat hinter den Zaun zurück. Auf der Straße war Lachner sichtbar geworden, den unvermeidlichen Violinkasten unter dem Arme, ermüdet und staub­bedeckt. Er winkte wegaufwärts jemandem abschied­nehmend zu. Kramer reckte den Hals, sah aber nur den Schatten eines Mannes, der sich entfernte.

Lachner ging langsam durch den Garten und betrachtete die Gruppen der Gesellschaft. Dann wandte er sich seitwärts und ging die Hauswand entlang und um die Ecke herum.

Kramer folgte ihm unwillkürlich.

Ging ebenfalls um die Ecke herum und blieb ver­blüfft stehen.

Der Musiklehrer war verschwunden. Wie von der Erde gefegt.

Hier lag der Gemüsegarten mit niedrig wach­senden Pflanzen: keine Möglichkeit zum Verbergen.

Andererseits befand sich in dieser Wand der Villa keine Tür.

Kramer schritt langsam die Seitenfront entlang und bog um die nächste Ecke. Auf den Stufen des ftintereingangs faß Maria und schälte Kartoffeln. Bei ihr kauerte Franz und nahm einen Schluck aus einer Flasche, bie er beim Nahen des Anwalts schleunigst in seine Rocktasche praktizierte. Sein ge­rötetes Gesicht bewies, daß die Flasche nicht mehr ganz voll sein konnte.

,,Ist hier eben jemand oorbeigegangen?"

Maria schüttelte den Kopf und Franz sagte mit eiroas verwirrten Augen:Nee, kein Mensch, Herr Rechtsanwalt!"

Kramer stand eine Weile da und sah auf die beiden herab. Dann beschloß er zurückzugehen. Zwei Parterrefenster standen auf der Seitenfront der ein­stöckigen Villa offen: bas eine zum Zimmer Brent- Heims, das andere zu dem feiner Pflegetochter.

(Fortsetzung folgt.)

Starkenburg.

WSR. Darmstadt. 8. Juni. Die Feier des 100jährigen Bestehens des Darm­städter Realgymnasiums in diesem Jahre wird in größeiem Rahmen begangen wer­den. An alle ehemaligen «Schüler werden Ein­ladungen zu der Feier ergehen.