hervorheben. Sie betonen, daß Hindenburg die Frage der Fürstenabfindung von der ^moralischen Seite betrachte und weisen darauf hin, daß auch Hindenburg der Ansicht sei. eine Enteignung der Fürstenhäuser bedrohe den Wellkredit Deutschlands.
Deutscher Reichstag.
Berlin. 8. 3uni. 2 Mr mittags. Die zweite Beratung der Novelle des R e i ch s - knappschaftsgesetzes wird fortgesetzt.
Abg. Imbusch (3cntr.) wendet sich gegen die Ausführungen des deutschnationalen Abg. Leopold. Wenn das Aeichslnappschaftsgefeh den sozialen Frieden nicht gefördert hat, so sei das nicht die Schuld des Gesetzes, sondern die der Unternehmer im Bergbau, die das Gesetz nicht durchführten und durch diesen Widerspruch erst die jetzige Novelle notwendig gemacht haben. Die Berechnungen der Arbeitgeber über die übermäßig hohe Belastung durch die Knappschaft und durch die jetzige Novelle seien auf falschen Grundlagen aufgebaut. Die sozialen Abgaben und der Lohn zusammen seien im deutschen Bergbau nicht so hoch, wie allein der Lohn im englischen Bergbau.
Neichsarbeitsministcr Dr. Brauns bezeichnet die von Arbeitgeberseite verbreitete Schätzung der Neubelastung durch die Novelle zum Neichsknappschaftsgeseh als eine Privatarbeit. Die höhere Schätzung der Lasten, zu der die Arbeitge.e^ im Gc>-ersatz zum Arbeitsministerium kommen, stütze sich^auf nicht stichhaltige Gründe. Die Arbeitgeber berechnen z. B. schon Beitragserhöhungen, die später beschlossen werden könnten. Hm solche ungelegten Eier sollte man sich doch nicht kümmern. (Sehr richtig! links.) Weiter werden Lasten für Rücklagen berechnet, obwohl diese Rücklagen nach den bisherigen garnicht nötig sind. Dem Abgeordneten Ianschek gegenüber betont der Minister, daß die Novelle den Arbeitnehmern eine durchaus angemessene Vertretung in den Selbstverwaltungskörpern der Knappschaftsversicherung verschaffe. Das Arbeitsministerium sei immer für die Durchführung der Familienhilfe eingetreten.
Abg. Schwan (Komm.) erklärt, die Novelle sei nicht geeignet, die berechtigten Ansprüche der Bergarbeiter zu befriedigen. Er erinnert an den Generalstreik der englischen Bergarbeiter und meint, die deutschen Bergarbeiter wurden bald dem Beispiel ihrer englischen Kameraden'folgen.
Abg. Schneider-Berlin (Dem.) weist die Kostenberechnungen der Unternehmerverbände als unzutreffend zurück. Tatsächlich bringe die Novelle nur eine Mehrbelastung von vier Millionen. Das Unrecht, das von den Arbeitgebern durch die Aufhebung oder Nichteinführung der Familienhilfe begangen wurde, müsse jetzt gutgemacht werden durch die gesetzliche Festsetzung der Familienhilfe in der Novelle. Die Demokraten würden der Novelle zustimmen. um so den Bergarbeitern die Beruhigung zu geben, auf die sie Anspruch haben.
Abg. Schirmer (Bayr. 23p.) bezeichnet die Novelle in der Ausschuhfassung als einen gesunden Ausgleich zwischen den extremen Forderungen der Unternehmer und der Kommunisten. Bon einer übermäßigen Belastung der Unternehmer könne man nicht reden, andererseits bringe die Novelle aber wesentliche soziale Fortschritte für die Arbeitnehmer im Bergbau.
Abg. Stöhr (Völk.) tritt für die Novelle ein. Sie bedeute für die Arbeitnehmerschaft im Bergbau einen sozialpolitischen Fortschritt und sei für den Bergbau in seiner jetzigen kritischen Lage tragbar.
Damit schließt die allgemeine Aussprache. Die Emzelberatung wird um 6 Uhr auf Mittwoch ver- . tagt. Auf der Tagesordnung der Mittwochsitzung, die um 3 Uhr nachmittags beginnt, stehen außerdem l der deutsch-schwedische Handelsvertrag und die erste Beratung des Gesetzentwurfs über die Auseinander- F fetzung mit den Fürstenhäusern.
Hessischer Landtag.
D a r m st a d t, 8. Juni. Präsident Adelung eröffnet die Sitzung um 10’ 5 Ahr und teilt mit, daß der Landtag in dieser Woche tagen und voraussichtlich auch noch einige Sitzungen in der nächsten Woche abhalten wird.
Abg. Blank (Ztr.) richtet an die Regierung nachstehende Anfrage: Laut Bericht des Lehrerinnenseminars und der Frauenschule Mainz über das Schuljahr 1925/26 ist die Lehrerin Frl. % Maria Lehne auf lanoesamtliches Gehriß zu
Wandervorträgen im Dienste der Allohol- abwehrbewegung beurlaubt. Mit der Vertretung von Frl. Maria Lehne im Schuldienst ist eine besondere Kraft betraut. 1. Seit wann ist Frl. Lehne auf landesamtliches Geheiß in der Alkoholabwehrbewegung tätig? 2. Will das Landesamt für das Drldungswesen dadurch, daß es ihm unterstellte Kräfte an bte Alkoholabwehrbewegung abkommandrert, dokumentieren, daß es offiziell auf dem Boden dieser Bewegung steht? 3. Ist das Landesamt für das Dildungswesen bereit, Frl. Lehne aus der Alloholabwrhrbewe- gung sofort zurückzuziehen und ihrem eigenen Beruf zuzuführen?
Ministerialdirektor Urstadt erklärt, das Landesbildungsamt betrachte es als seine Aufgabe, die Jugend über die Gefahren des Alkoholmißbrauchs aufzuklären. Eine Abberufung der Lehrerin lehne . er ab.
Hierauf wird in die Tagesordnung eingetreten.
Eine Regierungsvorlage über die Umänderung und den Ausbau der Dampfkessel-Warmwasserversorgungs- und Heizanlage in der Landes-Heil- und Pflegeanstalt „Philippshospital" bei Goddelau wird ohne Debatte genehmigt.
Ein Antrag der Abg. Dr. Werner und Genossen wegen Neuherausgabe eines hessischen Bürgerbuches wird in llebereinftimmung mit dem Ausschuß für erledigt erklärt und an die Regierung das Ersuchen gerichtet, die Herausgabe des Buches zu beschleunigen.
2(uf der Tagesordnung steht weiter die erste Beratung der Regierungsvorlage: Hessisches Gesetz zur Ausführung des N e i ch s v i e h s e n ch e n g e s e t- zes vom 26.Juni 1909 und das Gesetz über die Entschädigung für »Verluste infolge Tierseuchen. Es cntspinnt sich über verschiedene rechtliche Fragen und über den Auszahiungsmodus eine längere Debatte.
Die beiden Gesetze werden schließlich nach den Mehrheitsanträgen des Gesetzgebungsaiisschusses angenommen.
Die Beratung wendei fid) sodann dem Entwurf eianes Gesetzes zur Ausführung der Reichsverordnung über die Fürsorgepflicht vom 13. Febr. 1924 zu: in Verbindung damit stehen zwei kommunistische Anträge. Der Entwurf enthält zahlreiche Bestimmungen. Abg. Recht bien berichtet über die Ausschußberatungen und Beschlüsse.
Abg. Dr. Leuchtgens (Bbd.) erklärt im Namen seiner Partei, daß diese die Regierungsvorlage ablehne, weil die Fassung nicht glücklich sei, und weil bei den gegenwärtigen wirtschaftlichen Schwierigkeiten die Durchführung zu kostspielig sei.
Abg. Frau Roth (Komm.) befürwortet die Anträge ihrer Partei.
Abg. Kindt (Dnl.) spricht für die Fürsorge- pslicht und weist darauf hin, daß die Stadt Darmstadt völlig unzureichende Unterstützungen an Kleinrentner zahlt. Auch andere Fälle führt der Redner an, in denen das Verfahren des Wohlfahrtsamtes der Stadt Darmstadt kritisiert wird. Wenn nicht das Ministerium für Arbeit und Wirtschaft eingreife, so würden viele Unterstützungsbedürftige die hohe Sondersteuer für den unbebauten Grundbesitz bezahlen müssen.
Minister Raab meint, man müsse die ganze Materie vom Standpunkt des Staates und des Staatsbürgers aus betrachten. Wenn das Für- sorgegeseh allein von ihm gemacht worden wäre, hätte es grundsätzlich ein anderes Aussehen erhalten. Die Grundlage bilde ein Reichsgesetz, das unnötigerweise verschiedene Kategorien von Unterstützungsbedürftigen aufgestellt habe. Der Minister geht dann auf Einzelheiten der vorliegenden Ausführung^bestimmungen ein und erläutert sie: er erörtere namentlich auch die finanzielle Seite der hier sich bietenden Probleme.
Abg. Recht hi en (Soz.) weist aus verschiedene Bestimmungen hin, die günstiger auszulegen seien als dies Abg. Kindt tat.
Abg. Galm (Komm.) erklärt, es sei ein Widerspruch im Verhalten des Ministers Raab, daß er einen Gesetzentwurf nicht für gut halte, ihn aber doch dem Landtag vorlege. Der Minister habe hier Wünschen der Koalitionsparteien nachgegeben. Weiter wendet sich der Redner gegen die Abgeordneten der bürgerlichen Parteien, der Sozialdemokratie, die zur Vorlage gesprochen haben.
Abg. Frau Balser (Dem.) entgegnet auf die Angriffe des Abg. Kindt gegen das Wohlfahrtsamt der Stadt Darmstadt und geht näher auf die einzelnen Fälle ein, die vorgebracht wurden.
Abg. Zinn kann (Soz.) fordert u. a. Mindestsätze für die allgemeine Fürsorge. Er bringt ebenfalls mehrere Fälle zur Sprache, in denen, nach seiner Meinung, die Wohlfahrtsämter zu älnrecht entschieden hätten.
Abg. Felder (Ztr.) gibt die Erklärung ab, daß die Zentrumsfraktion der Vorlage zustimmt. In der gegenwärtigen Notzeit sei die Fürsorge besonders notwendig. Es komme nicht so sehr auf den Wortlaut des Gesetzes wie auf dessen Geist an. auf die Auslegung und auf die wirksame Hilfe.
In der weiteren Debatte ergreift Abg. Frl. Birnbaum (D. Dp.) das Wort, stimmt einigen Ausführungen des Ministers zu, vertritt aber ihm gegenüber den Standpunkt, daß die Kleinrentner eine Sonderstellung entnehmen. Sie hatten in erster Linie em Recht auf Entschädigung, mehr noch als Anspruch auf Fürsorge. Zur Sondersteuer bemerkt die Rednerin u> a.. daß es unrecht fei, wenn die Kleutrentner immer wieder ihre wirtfchaftlichen Verhältnisse barlegen mühten. Die Forderung, daß bei einer Besserung der Verhältnisse eines Kleinrentners die Steuern nachzuzahlen seien, wäre eine ungerechte Bestimmung. Es mühte dafür gesorgt werden, daß die Altanleihebesitzer bald in den Genuß der Rente kämen.
ilm 1,45 ilfjr wird die Aussprache geschlossen.
Preußischer Landtag.
Berlin, 8. Juni. Vor Eintritt in die Tagesordnung begründet
Abg. S t e i n h o f f (Dn.) einen Antrag seiner Fraktion, der Auskunft darüber verlangt, warum der verantwortliche Redakteur der deutschnationalen Wochenschrift „Preußische Landeszeitung", Major a. D. Lyons, heute früh verhaftet worden sei. Lyons hatte zwar ein Strafverfahren bezüglich des Außenministers Dr. Stresemann. Er hat sich aber in dieser Sache, in der übrigens gestern im Auswärtigen Amt ein Vergleich zustande kam. immer zur Verfügung gehalten. Der deutsch- nationale Antrag wird mit der Iustizberatung verbunden.
Abg. Abel (Komm.) verlangt, daß heute als erster Punkt ein Antrag seiner Partei beraten wird, der sich dagegen wendet, daß die Polizeibehörden in Niedersachsen mit Unterstützung des Oberpräsidenten Noske Sammlungen zur Durchführung des Volksentscheides auf Grund einer Polizeiverordnung von 1844 verboten habe. Da von keiner Seite des Hauses Widerspruch erhoben wird, ist der kommunistische Antrag angenommen.
In der Besprechung des kommunistischen Antrages polemisiert Abg. Abel (Komm.) gegen den sozialdemokratischen Oberpräsidenten Äoske, der durch das Verbot der kommunistischen Geldsammlungen für den Volksentscheid sich offen In die Reihe der Fürstenfreunde gestellt habe.
Abg. Leinert (S.) (von den Kommunisten empfangen mit den Rufen „Noskeretter" usw.) erklärt, Oberpräsident Noske habe sich bei seinem Vorgehen gegen die kommunistischen Geldsammlungen als Staatsbeamter selbstverständlich an die bestehenden Gesetze halten müssen. Daß man Noske wegen der Ausführung der bestehenden Gesetze noch angreift, ist ein Skandal, den sich nur die kommunistische Fraktion im preußischen Landtage erlauben kann.
Der kommunistische Antrag wird dann dem Rechtsausschuh überwiesen und das Haus seht die zweite Beratung des Iustizhaushalts fort.
Aog. Eichhoff (D. Vp.) lehnt die Art und Weise ab. wie von der Sozialdemokratie auch in diesem Jahre wieder die Etatsberatung zum Tummelplatz von Anschuldigungen und Behauptungen von Mißgriffen der Justiz gemacht worden sei. Es wäre wichtig, das Material dem Justizministerium zur Prüfung einzusenden. «Sehr richtig rechts.) Die Behauptung, daß der preußische Richterverein aus Feindschaft gegen die Demokratie zu seinem Beschluß gekommen fei. eine Doppel-Mitgliedschaft nicht zuzulassen, inüsse nachdrücklichst zurückgewiesen werden. Wir wiederholen unsere Bitte aus dem Hauptausschuß, daß der Ministerpräsident in der Öffentlichkeit nun endlich eine restlose Klarstellung vornimmt. (Zustimmung rechts.) Der Redner verteidigt noch gegenüber dem Bedenken des Ministeriums den Antrag auf Wiederheraufsetzung der Altersgrenzen der Richter von 45 auf 48 Jahre und verlangt zu der Frage der mittleren Beamten, daß die Gerichtsorganisationen nachdrücklich den Ausbau der Iustizreform und die Vermehrung der Rechtspflegestellen fördern.
Abg. O b u ch (Komm.) meint, die 6000 vorhandenen Richter seien insgesamt Klafsenrichter, dazu komme vielfach gewollte und bewußte Rechtsbeugung bei Verfolgung politischer Gegner.
Das Haus unterbricht die Aussprache zum Justizhaushalt zur Vornahme von Abstimmungen. Zunächst werden die reftierenben Abstimmungen zur zweiten Beratung des Entwurfs über die Bestimmung von Mitgliedern des Reichsrats in die Provinzialverwaltung vorgenommen. Zuerst wird namentlich abgestimmt über den Antrag der Deutschen Volkspartei, der Sozialdemokraten und des Zentrums, wonach in der Vollsitzung die Stimmen gemäß des Vorschlags des Staatsministeriums einheitlich durch ein oörrt Staatsministerium bestimmtes Mitglied abgegeben werden sollten. Abgegeben werden nur 208 Karten. Das Haus ist also beschluß- unfähig. Der Präsident beruft auch sofort eine neue Sitzung ein, da die Vorlage über die Reichsratsstimmen nicht mehr zur Erledigung steht. Das Haus nimmt die Abstimmungen zur zweiten Beratung der Hauszinssteuer vor. Namentlich abgestimmt wird über den deutschnationalen Antrag Winckler, wonach die Steuer nicht 1000 Prozent, sondern 900 Prozent der Grundvermögenssteuer betragen soll. Der Antrag wird mit 215 gegen 185 Stimmen abgelehnt. Das Gesetz wird in zweiter Sitzung nach den Ausschußbeschlüssen a n g e n o m - m e n. Es folgen die Abstimmungen zum Haushalt des Finanzministeriums.
Die einzelnen Kapitel und Positionen werden nach dem Beschluß des Hauptausschusses angenommen, dazu eine Reihe von Entschließungs- anträgen. Danach soll u. a. eine Angleichung der Aufsteigverhältnisse der preußischen Beamten an die der Reichsbeamten erfolgen.
Damit war die zweite Beratung des Haushalts des Justizministeriums erledigt. Es schließen sich an die Abstimmungen zum Haushalt der Seehandlung.
Abgelehnt wird der Antrag der Deutsch- völkischen, der von den Deutschnationalen unterstützt wird, und der eine Anweisung an die Seehandlung fordert, den nach dem 1. April 1914 zugewanderten Ostjuden jeglichen Kredit zu verweigern.
Das Haus setzte dann die zweite Beratung zum Iustizhaushalt fort.
Staatssekretär Fritze äußert sich zu dem deutschnationalen Antrag wegen der Verhaftung des verantwortlichen Redakteurs Lyons. Wenn die Kommunisten verlangten, daß Ehrhardt verhaftet werde, so vertrage sich das nicht mit ihrem neuerlichen Antrag auf Straffreiheit für sämtliche politische Gefangene.
Abg. Grhimek (Dem.) betont, die Justiz müsse sich den Eingriffen der politischen Instanzen entziehen. Der Preußische Richterverein habe die Klagen deutlich ausgesprochen. Die Weimarer Verfassung piufj als oberstes Gesetz des deutschen Volkes in Sinn und Wort durch die Gerichtsbarkeit noch gestärkt werden. Der Redner empfiehlt modernen Geist beim Strafvollzug und Säuberung der Staatsanwaltschaft von solchen Elementen, die ihre Pflicht als politische Beamte nicht erfüllen und nicht im Sinne der Weimarer Verfassung wirken.
Abg. Haase- Äegnitz (Wirtsch. Vgg.) verlangt eine letzte Instanz für Aufwertungsfragen, die eine einheitliche Rechtssprechung gewährleisten, und die Wiederherstellung der alten Schwurgerichte mit stärkerer Heranziehung des Laienelementes. Dann wird die Weiterberatung unterbrochen.
Bei Festsetzung der Tagesordnung für die morgige Sitzung wird mit den Stimmen der Deutschnationalen und der Deutschen Volkspartei die dorn Abg. Bartels-Krefeld (Korn.) beantragte morgige Besprechung eines kommunistischen Antrages abgelehnt, der sich mit dem Hindenburgbrief zum Volksentscheid über die Fürstenabfindung beschäftigt.
-Um V26 Tlhr vertagt das Haus die Weiterberatung des Iustizhaushalts auf Mittwoch.
Kunst und Wissenschaft.
Hochschulnachrichten.
sch. Marburg, 8. Juni. Der ordentliche Professor und Direktor des Physiologischen Instituts der Universität Berlin, Geh. Med.-Rat Pros. Dr. med. Franz Hofmann ist hier am Sonntag geftorben. Der Verstorbene, geboren im Jahre 1869 in Skalka in Böhmen, gehörte der preußischen Akademie der Wissenschaften und vom 1. Mai 1916 bis zum 1. August 1922 dem Marburger akademischen Lehrkörper an, außerdem war er Direktor des Physiologischen Instituts. Von Marburg ging Professor Hofmann nach Bonn und Berlin. Der Verstorbene wird in Marburg beigesetzt.
Aus aller Wett.
Feuer im unterirdischen Reuyock.
Oeldurchtrünkte Holzteile, welche am Man- hattan-älfer den Hudson abwärts trieben, gerieten bei der 125. Straße, anscheinend durch Selbstentzündung in Brand. Das Feuer drang in die Kanalisationsröhren ein und verursachte in den Gullys eine Reihe von Explosionen, wodurch eine Anzahl Personen verletzt und der Straßenverkehr unterbrochen wurde. Die Gully-Explosionen pflanzten sich bis zum Broadway fort. Automobile wurden durch den Luftdruck umgeworfen und unter den flüchtenden Strahenpassanten entstand eine Panik, wobei viele Personen verletzt wurden.
Politische Schlägerei.
In Poßnitz (Mähren) fand eine von der Legionär-Gemeinde und den Fortschrittlichen Parteien einberufene Versammlung statt. Die Faszisten hatten eine Gegenkundgebung in das Gewerbe- hnus einberufen. Rach Beendigung der antif aszisti- scheu Versammlung marschierte ein Zug von etwa 3000 Teilnehmern nach dem Gewerbehaus und drang in die Faszistenversammlung ein. Es entstand eine wüste Schlägerei, die durch das Eingreifen der am Tage vorher verstärkten Gendarmerie beendet wurde. Bei dem Zusammenstoß wurden acht Personen leicht und eine schwer verletzt.
Das Hochwasser der Donau.
Die katastrophale Auswirkung des Donau- Hochwassers reicht nunmehr bis nach Ingolstadt. Der Scheitel der Donau-Hauptwelle hat gestern nachmittag mit einem bisher noch nie beobachteten Höchststand von 388 Ztm., nämlich 22 Ztm. über dem Hochwasser von Juni- August 1924 Donauwörth durchlaufen. Die Isar hatte gestern nachmittag den Höchststand von 265 Ztm. Trotz eines leichten Rückganges kann die Gefahr noch nicht als beseitigt betrachtet werden, da heute neue Regenfälle eingesetzt haben.
Aus der Provinzialhauptstadt.
Gießen, den 9. Juni 1926.
gur Sondergebäudesteuer.
Vom Presseamt beim hessischen Staatsministerium wird mitgeteilt:
In Ergänzung der bereits früher getroffenen Bestimmungen über Erleichterungen bei der Sonde rgebäude st euer hat der Finanzminister die nachstehenden weiteren Erleichterungen angeordnet:
1. Verzugszuschläge werden erst erhoben, wenn Zahlung nach dem 1. September If. 38. erfolgt.
2. Die Zwangsbeitreibung beginnt für die ersten zwei Steuerziele erst am 1. August 1926.
3. Die Einspruchsfrist wird allgemein bis zum 15. Juli If. Is. erstreckt.
4. Steuerermäßigung tritt auf Antrag des Steuerpflichtigen auch ein,
a) wenn die Bruttorente mehr als 4 Prozent, aber weniger als 5 Prozent des (Steuer- Werts beträgt,
b) für gewerblich genutzte Gebäude oder Gebäudeteile, deren Räume durch Betriebseinschränkungen oder ungünstigen Geschäftsgang gegenüber der Vorkriegszeit erheblich geringer ausgenuht werden. Voraussetzung dabei ist stets, daß eine geringere Ausnutzung der vor dem 1. Juli 1918 hergestellten gewerblichen Räume stattfindet. Falls ein Betrieb in der Inflationszeit Neubauten vorgenommen hat, die jetzt wieder stillgelegt worden sind, so genügt dies für einen Erlaß der Steuer nicht.
5. Auf Antrag des Steuerpflichtigen ist die Steuerschuld in Höhe der auf die vermietetem Räume entfallenden Steuern zu erlassen, wenn die Einziehung der Forderung an Miete gegen den Besitzer der Räume dem Eigentümer nach Lage der Sache nicht möglich ist und die Tlnmög- lichkeit glaubhaft gemacht wird.
Diese Erleichterungen wurden mit einer von dem Verband der Hausbesitzer entsandten Kommission besprochen und von dieser gutgeheißen.
Die Mitglieder der Kommission erklärten sich bereit, in den Hausbesihervereinen daraus hinzu- wirken, daß die Hausbesitzer die stark überlasteten Finanzämter nicht mit unerfüllbaren Forderungen in Anspruch nehmen, sondern ihre etwaigen Gesuche im Rahmen der oben erwähnten und der bereits früher zugestandenen Erleichterungen halten.
Bei dieser Gelegenheit wird erwähnt, daß Erleichterungen, wie sie unter Ziffer 4a vorgesehen sind, auch für die nach 1918 erbauten Siedlungshäuser gelten. Sofern deren Bewertung entgegen den gesetzlichen Bestimmungen nach den tatsächlichen Gestehungskosten vorgenommen worden sein sollte, kann im Rechtsmittelverfahren Richttgstellung beantragt werden. Auch hier läuft die Rechtsmittelfrist bis 15. Juli lfd. Jahres.
Bornotizen.
— Tageskalender für Mittwoch. Gießener Flugtag: ab 6 Ufjr im Flughafen. — Hausbesitzer-Verein: SV« älhr, Katholisches Der- einshaus, Mitgliederversammlung. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Rosen aus dem Süden".
— Iugendgruppe des V. D. A. Korn- inenden Frettagabend Vortragsabend in der Dergschenke (Bericht über Hirschberg). Man beachte die heutige Anzeige.
— Der Goethe-Bund veranstaltet vom 11. bis 13. Juni fein Iahresfest. Am Freitag, dem ersten Abend, wird Herr Professor Dr. G l o tz l aus Wetzlar einen Vortrag halten über „Goethe in Wetzlar". Der Redner wird Goethes Aufenthalt in Wetzlar schildern und namentlich auf fein Verhältnis zum Reichskammergericht und zu Lotte eingehen und ausführen, welche Bedeutung der Wetzlarer Zeit des Dichters beizulegen ist. Zu dem Festabend am Samstag ist u. a. der Konzertsänger Franz Har res aus Darmstadt gewonnen worden, der in Gesang, Mundart und Hochdeutsch aus Goethes Darmstädter Tagen berichten wird. Die Veranstaltungen finden im Kaufmännischen Vereinshaus statt. Zum Abschluß des Festes findet am Sonntag ein Ausflug nach Wetzlar statt, wo die Goethestätten unter Führung von Prof. Gloel besichtigt werden sollen. (Siehe heutige Anzeige.)
*
** Veränderungen im Gießener Kreistag. Die am 15. November v. I. gewählten Kreistagsmitglieder Georg Beckmann, Angestellter. Gießen, Paul Hornberger, Rechtsanwalt, Gießen, Friedrich Bommers- h eim, Landwirt, Langsdorf, Wilhelm Fenchel, Landwirt, Ober-Hörgern, Dr. Otto Lenz, Studienrat, Gießen, haben, nachdem sie in den Kreisausschuh gewählt worden sind, ihr Amt als Kreistagsmitglieder niedergelegt. An ihre Stelle wurden in den Kreistag berufen: Friedrich Herber, Lagerhalter, Großen-Buseck, Albert Benner, Sekretär der Kriegsbeschädigten, Heuchelheim, Hermann S ch i e f e r ft e i n, Fabrikant, Cid), Richard Schäfer, Landwirt, Hungen, Jakob Gerhard 5„ Sparkassenrechner, Steinbach.
** Straßenerneuerung. Die Schottstraße, der hintere Asterweg und die Ederstraße, die schon lange in sehr verbesserungsbedürftigem Zustande waren, werden gegenwärtig einer Reparatur unterzogen. Die Fährbahn dieser Straßen wird mit Kleinschlag versehen und mit der Danipfwalze eingewalzt. Eine recht baldige Reu- herrichtung wäre auch dem vorderen Asterweg und der Schillerstrabe zu wünschen. Ebenso würde man es begrüßen, wenn in all den genannten Straßen auch der Bürgersteig in einen besseren Zustand verseht würde.
** Zum Flugtag in Gießen. Nachdem am Monaynachmittag zwei weitere Maschinen hier gelandet sind, zeigten sich wiederholt Flugzeuge über der Stadt. Besonders fiel die schwarze Maschine D 858 auf. Die Maschine, die den Namen „Teufel" führt, wird von dem Chefpiloten E r i ch H a a l gesteuert, der neuerdings in Berlin und einer Anzahl anderer deutschen Städte durch seine hervorragenden Leistungen im Kunstflug Aufsehen erregte. Herr Haal wird uns heute die „hohe Schule des Fliegens" in höchster Vollendung zeigen. Man besuche den Flugplatz, und man wird hochbefriedigt nach Hause gehen.
0 -ö u m Schu tz e des hessischen Gewerbes. Wie wir hören, hat das hessische Staatsministerium durch Rundschreiben an die unterstellten Behörden ungeordnet, daß fortab kleinere Preisunterschiede bei gleicher Qualität für die Wahl zwischen hessischen und außerhessiscyen Firmen nicht maßgebend sein sollen.
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