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Samstag, 10. April 1926

176. Jahrgang

!k. 83 Erstes Blatt

Friedensverhandlungen mit

k

Ahmed

werden

2.

3.

lobt den Ent-

sein: 1.

Stämme, Si Mohammed hitui und Si Scheddi.

Die französisch-spanischen Unterhändler

Atzjchluß eines militärischen Waffen- stillstandes nach Vesehung von bestimmten Stellungen;

unverzüglicher Austausch der Kriegs­gefangenen;

Neutralisierung einer bestimmten Zone bis zur Verständigung über die Berichtigung der strittigen Grenzlinien;

sich zu Vorbesprechungen in Paris treffen, um die Friedensbedingnngen für Abd et Krim aufzustellen. Sie werden dann gemeinsam nach Oudjda reifen.

Nach einer havasmeldung dürsten unter den progvammpunften für die Verhandlungen zwischen Vertretern der Rifleute und Vertretern Frankreichs und Spaniens die folgenden zu finden

4. E n t s e r n u n g der für die Erhebung ver­antwortlichen Führer.

Erst nach Einigung über diese Vorbedingungen könnten die eigentlichen Friedensoerhand- langen auf der Grundlage der Madrider Ab­machungen beginnen. Durch die Abmachungen von Madrid seien im übrigen die wesentlichen Grund­lagen für die eigentlichen Friedensverhandlungen wie folgt festgesetzt worden: Regelung der R i f g t e n j e am Uergha; Gewährung einer Verwaltungs- Autonomie unter der Souveränität des Sultans an die Rifstämme sowie endlich Entwaffnung der

onttolle über sie.

Der Rücktritt Malvys.

Das Kabinett Briand vor neuen Schwierigkeiten.

Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher.

Preis für 1 mm höhe fit Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Re- Klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20% mehr.

Chefredakteur:

Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr. H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein; für den An­zeigenteil 5 ans Füstel, sämtlich in Bietzen.

Was die Hauptsache ist, die Wirtschaft muh sich Auslandkredite verschaffen, um die Steuern und Lasten, wie die Reichsbahntarife bezahlen zu können, die wieder die Voraus« sehungen für die Sachleistungen und so werter auf Grund des Dawesplanes sind. Diese Sach­leistungen beruhen überdies auf unwirt­schaftlichen Erwägungen. Deutschland wird gezwungen, Waren und Dienste in den inter­nationalen Wirtschastsprozeh ohne Gegenleistung überzuführen, was an sich schon zu einer Sto­rung der internationalen Wirtschaftsbeziehungen führen muh. Der Währungsverfall vieler euro­päischer Länder ist ja in Wirklichkeit nur eine Folge jener törichten Bestimmungen des Ver­sailler Vertrages, die wirtschaftliche Leistungen ohne Gegenleistungen zum Hebel der internationalen Wirtschaft machen wollen. UnD das ist auch die Krise des Dawesplanes.

Rentner-Tagung in Kassel.

3n Kassel begann tie Ae i chs t a g u n g d e s Deutschen Rentner-Bundes, zu der Vertreter sämtlicher 28 Landesverbände, die 13bO Ortsgruppen mit über 350 000 Mitgliedern um­fassen, erschienen waren. Rach Begrühungsworten

lich von besonderer Bedeutung. Wie könne in einem ßano das Vertrauen wieder aufkommen, wenn das Echo einer heftigen Rede des Führers des Kartells noch im Lande widerhalle, und wenn ein im Kamps stehender Linkskarteilist damit beauftragt sei. die innere Politik zu leiten. Der neue Innenminister gehöre auch zur kar» tellistischen Richtung, aber nicht zu jenen Mit­gliedern der ultrakartellistischeu Sekte, die das Land ihren Leidenschaften opfert.

DasJournal des Debats" schluh Malvys. Die Umstände feien heute we­niger tragisch als während des Krieges, denn die Deutschen stünden nicht mehr in Royon, aber man stehe Schwierigkeiten gegenüber, die ge­bieterisch die vertrauensvolle Zusam­menarbeit aller fordern, wenn man siegen wolle. An dem Tage, an dem man das Komi­tee für nationale Einigkeit schaffen wolle, das dazu bestimmt f^i, die Verteidi­gung des Franken durch freiwillige Opfer zu organisieren unter Ausschluß jeder Parteirück­sicht, sei es vorzuziehen, daß der Innenminister nicht ein Mann sei, dessen Rame Uneinigkeit! schasse, anstatt die Annäherung zu fördern.

denn nach den bestehenden Internat. Tanger- Verträgen untersteht das Rif-Gebiet eigent­lich der Oberhoheit Spaniens und Spanien bleibt im Grunde genommen allein verant­wortlich für die Liquidierung des Rif-Krieges.

Aus der anderen Seite will Frankreich natür­lich durch diesen Friedansschlust sein Gebiet in Rordasrika erweitern. Daher verlautet offt- ziös am Quai d'Orsay, Frankreich verhandle nicht allein mit Abd el Krim, sondern mit sämt­lichen Rifstämmen zugleich. Hierdurch möchte sich die französische Regierung in konse­quenter Durchführung ihrer ganzen nordasrikani- schen Politik alle Möglichkeiten offen- halten. Wie weit aber gerade Spanien sich damit einverstanden erflären kann, bleibt abzu­warten.

Den französischen Rationalisten erscheinen diese Friedensbedingungen natürlich überhaupt indiskutabel. DerGaulois" bezeichnet sie als geradezu verrückt edelmütig". Aber trotzdem wird es noch schwer genug halten, auf dieser Grundlage mit Abd el Krim zu einer Verstän­digung zu gelangen.

Die Unterhändler.

Paris, 9. April. (TU.) Nach dem heutigen ftabineftsrat teilte painleoe mit, bafj die offi- zlellen Friedensverhandlungen mit Vertretern Abd el krlms in den nächsten lagen inOudjda, einem Orte an der algerisch-marokkanischen Grenze am 15. April eröffnet werden. 2lls französischer Bevoll­mächtigte werden daran General Simon, der bis­herige Kommandant des Frontabschnittes von Taza, ferner Duclos, Generalsekretär In Rabat, p o u - sat, llnterdirektor für afrikanische Angelegenheiten am Quai d'Orsay, teilnehmen. Die spanische De I e g a 11 o n seht sich zusammen aus dem Direktor für die Abteilung Marokko Im spanischen Minister- präfidium Lope; B o 11 o a s, Major Aguilar, Leiter des Aufklärungsdienstes in Ajdir und Haupt­mann Don Miguel. Die Rifdelegation be­steht aus Si Mohammed Azerkan, dem Austen- Minister Abd el Krims, und den Vertretern der

Abd el Krim.

Gegend und Auslegung einer militärischen

Die Kn je des Dawes=Plans.

Es sind immerhin berufene Sachverständig«, nt durchaus nicht unvermittelt in den Vereinigten Staaten sich mit der Problematik des Dawes- planes beschäftigen. Wenn die Handelskammer t Washington sich von der U. S.-Abteilung der internationalen Handelskammer über die Dawes- Lasten Deutschlands in Gegenwart und Zukunft 1 Berichten läßt, so müssen dafür ganz besondere Hrunde vorliegen. Sie können vielleicht auf die 1 öorge um die Sicherheit der in Deutschland rrtergebrachten Kredite zurückgehen, sie können ich aber auch aus der Furcht vor dem wachsenden ätschen Wettbewerb auf den auhenlandi- 'Hen Märkten herleiten lassen. Dafür spricht, dast n dem Bericht der U. S.-Abteilung der Inter­nationalen Handelskammer die Auffassung ver­raten wird, die Zahlungsverpflichtungen oes Zweiten Dawesjahres erreichten die Grenzen *>er deu tschen Leistungsfähigkeit.

Run sollen die Lasten des zweiten Dawes- IcihreS insgesamt ei.re Höhe von 1220 Millionen Hart erreichen. Davon hat die Reichs b a h n mittelbar und unmittelbar fast 1100 Millionen Btarf aufzubringen, während der Rest von 125 Mllionen Mark aus dem Zinsendienst für die Industrie-Obligationen stammt. Das redeutet, daß Deutschland auf Grund des TranSfer-Mechanismus überhaupt keine Zah- 'ungen zu leisten hat. Bleibt es bei der tech- -nfchen Anordnung des zweiten Dawesjahres, so iviid es im wesentlichen die deutsche Wirt- 'chaft sein, die sich mit den Lasten und Zah­lungsverpflichtungen in Form hoher Eisen- b Q h n t a r i f e auseinanderfetzen muh. Indessen ritt schon im dritten Jahr, schärfer noch tm werten Jahr, eine Wandlung ein. Und im «Ünften Jahr, das schon als Rormaljahr anzu» lprechen ist, sollen die Lasten insgesamt 2,5 Mil- liarden Mark ausmachen, wenn, was allerdings ganz unwahrscheinlich ist, nicht auf Grund des .Wohlstandsindex" noch höhere Lasten hin- utlommen.

Wie sich der Transfer-Mechanismus aus- tt/irtcn wird. Ist heute noch völlig ungewiß. Aber j c Entwicklung läßt sich ausdenken, dast es gerade die Vereinigten Staaten sein werden, ilm die der zweifelhafteSegen" der Dawes- kiftungen nahezu unbegrenzt abströmt. Dafür sorgt zunächst das Schuldenabkommen der Ver- 'büiwetsn unter- und miteinander. Wenn England, Frankreich. Italien und Belgien schließlich nur nach Maßgabe der deutschen Leistungen zahlen tooHen, wird die Union freiwillig oder unfrei­willig zu dem Clearinghaus, in das alle Zahlungen zusammenströmen. Indessen hat die Union noch auf andere Leistungen und Zah­lungen aus Deutschland zu rechnen. Diese werden sich im Rahmen der Verzinsung unb Rück­zahlung der aufgenommenen Kredite voll­ziehen, wobei es technisch von untergeordneter Bedeutung ist, ob die neuen Kredite oder die Diederherstellungsverpflichtungen den Vorrang haben. _ ,

Was geschieht, wenn dieser Segen Jahr für Jahr in die Union abströmt? Sehr wahrscheinlich wird sofort das Transfer-Komitee eingreifen, um durch eine Senkung der Sachlieferungen die Bedrohung der deutschen Währung zu verhin­dern. Der Abgleich der Verpflichtungen ist ja so gedacht, daß die Varzahlungen aus den üeberschüssen des deutschen Außenhandels geleistet werden, da das System der Zahlungs­bilanz die Uebertragung so großer Summen von Land zu Land nicht verträgt. Würde sich alles s» abwickeln, wie der Dawesplan reichlich phan- tastisch vorsieht, so mühte die Union jedes Jahr erhebliche Summen hereinnehmen. Das liegt an sich nicht im Jweresse der Union, so daß als Ausweg nur die verstärkte Ausfuhr von Rohstoffen nach Deutschland bliebe. Dann aber würde das eintreten, ton§ alle wirk­lich Sachverständigen von der Auswirkung des Dawesplanes vorausgesagt haben. In dem Maße als Deutschland auf Grund seiner Verpflichtungen ars dem Dawesplan Rohstoffe hereinnimmt, muß cs diese mit verdreifachter Energie unter äuher- sler Senkung der Gestehungskosten als Fertig­waren auf die ausländi scheu Märkte werfen. Wenn Deutschland aus dem Dawesplan und aus dem Zinsendienst für die Kredite jähr­lich zwei Milliarden Mark und mehr nach der Union zahlen muß, so werden diese sicher wie­der in Rohstoffkredite für Deutschland umge- lvandest werden müssen. Geschieht es nicht, so schaltet sich der Dawesplan selbst aus.

Indessen wird «s wohl zu dieser Selbstaus­schaltung nicht kommen. Und zwar deshalb nicht, weil die Lasten des Rormaljahres über die Gren­zen der deutschen Zahlungs- und Leistungsfähig- teit hrnausgehen. Das ist auch der Tenor des Berichtes der U. S.-Abteilung der Internatio­nalen' Handelskammer Rach der Auffassung des Berichtes, der sich auf gründliches Studium der wirtschaftlichen Energien Deutschlands sowie der ausländischen Marktverhältnisse stützt, erreichen die Verpflichtungen des zweiten Dawes-Jahres die Grenzen der deutschen Leistungsfähigkeit. Es wird sich noch ausweisen, daß auch drese Auf­fassung nicht haltbar ist. _.

Wenn die Rcichsregierung die Wirtschaft durch Krediteankurbeln" muß, wie den für die Reichsbahn, so ist das ein Beweis dafür, daß die volkswirtschaftliche Lastenverteilung un­tragbar geworden ist. Das Reich, das nicht über eigene Mittel verfügt, verschafft sich die Summen für die Ankurbelung durch eine un­verhältnismäßige Besteuerung d er Wirt­schaft. WaS dieser in FormvonSteu er n an Betriebsmitteln entzogen wird, wird ihr im Kreisumlauf als mit Zinsen belasteter Kredit wieder zugefuhrt.

Erscheint täglich, anher Sonntags und Feiertags.

Beilagen:

Lietzener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle.

Honat$»Be;ug$preis:

2 Reichsmark und 20 Reichspfennig für Träger­lohn, auch bei Richter- Icheinen einzelnerRummern infolge höherer Gewalt. Fernfprechanfchlüffe: Schriftleitung 112, Ver­lag und Geschäftsstelle 51. Anschrift für Drahtnach­richten: Anzeiger Stehen.

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TU Paris, 10. April. Die Blätter be- schäftigen sich ausführlich mit dem Rücktritt Malvys, dem man große Bedeutung beimißt. Man glaubt zu wissen, daß Briand Malvy gc- opfert habe, um dadurch die Stimmen einiger Rechtsparteien für die Finanzlage zu gewinnen. Rur so habe er die Steuerreform durchbringen können. Wie nicht anders zu erwarten war, ist die Stimmung der Partei Malvys, der Ra - dikalsozialisten, sehr erregt. Man hat nicht den Eindruck, daß die Wahl Durands zum Rachfolger des fortschrittlichen Malvy als Innenminister die. Gemüter beschwichtigen wird. Durand ist Mitglled der linksdemokratischen Se­natsgruppe, die in ihrer politischen Richtung ungefähr den Radikalsozialisten der Kammer ent­spricht, aber etwas mehr nach rechts orientiert ist. Das Anziehen der ausländischen Devisenkurse wird mit der ungünstigen po­litischen Lage in Zusammenhang gebracht. In den Wandrlgängen der Kammer wurde am ö'rei* tag nachmittag von verschiedenen Seiten der Ver- inutung Ausdruck gegeben, daß

das Kabinett Briand bei der Abstimmung über die Mahlreform unterliegen

werde. Man erörtert bereits die Möglichkeit eines Kabinetts Pöret. In dem Cntlaffungs- gesuch Malvys, das am Freitagabend bekannt- gegeben wurde, heißt es: Er habe aufrichtig ge­glaubt, daß es ihm möglich sein werde, an der Seite Briands eine Politik der Loy ali - t ä t, des Zusammenschlusses und der Einigung in einer Stunde der ernsten Sorgen, die die öffentliche Meinung in Frankreich bedrücken, zu betreiben. Wenn es. sich nur um seine Person handeln würde, würde dieser Ausfluß der Leiden­schaften wenig Bedeutung haben, denn die demo­kratische öffentliche Meinung habe ihm, .Malvy, gezeigt, daß das Land keinen Augenblick über den Sinn und die Bedeutung der gegen ihn ge­richteten Angriffe im Zweifel sei. Aber man müsse mit denen rechnen, die durch seine An­wesenheit im Ministerium s ich vonBriand entfernen könnten und deren Beistand viel­leicht unerläßlich für die Durchführung sei­nes Programms sein werde. Aus diesem Grund ersuche er Briand, ihn von seinem Amt zu ent­binden. damit Briand seine volle Handlungs- freiheit habe, wie er auch die seinige zurück- erlangen wolle.

DerTemps" schreibt: Malvy trete zuruck, nachdem er symbolisch im Ministerium des Innern wieder aufgetreten fei.

Sein Rücktritt werde die Atmosphäre reinigen, wenn er einen politischen Wechsel anbeute.

Die Stelle des Innenministers sei augenblick-

(Don unserem Pariser V/. 8.-Korrespondenten.) Paris 9. April 1926.

Frankreich muß den Krieg in Marokko jct)t baldmöglichst beendigen, wenn anders ihm durch dieses Marokko-Abenteuer nicht inner- und außenpolitische Schwierigkeiten schlimmster Art entstehen sollen. Der Marokko-Feldzug dauert zu lange und kostet viel zu große Opfer an Menschen und Geld. Das Parlament wird unwillig, das Volk verurteilt den Krieg auf das Allerentschiedenste. Die Regierung des Linkskartells hat daher das allergrößte Interesse daran, allein aus Prcftigerücksichten. so rasch wie möglich mit dem Marokko-Feldzug Schluh zu machen, zumal jetzt die Gefahr nicht mehr von der Hand zu weisen ist. daß hierdurch auch außenpolitische Komplikationen besonders mit Spanien und England, ferner aber auch mit Italien und anderen Staaten entstehen können.

Die Regierung Driand-Painleve ergreift da­her jede sich bietende Gelegenheit, um auf di­plomatischem Wege dein Marokko-Kriege ein Ende zu bereiten, da es mit Waffengewalt in abs^barer Zeit nicht mehr möglich^ zu sein cheint. Die französische Regierung möchte sich auf keinen Fall dem gleichen Odium aussetzen wie Poincarö, dem es heute noch schwer verdacht wird, daß er eine sehr günstige Gelegenheit, Frieden mit Abd el Krim zu schließen, dadurch verpaßt hat, daß er sich weigerte, Abgesandte und .Unterhändler Abd el Krims überhaupt zu emp­fangen. Bekanntlich hat sich Pvincars in der fran­zösischen Kammer späterhin ins Gesicht sagen lassen müssen, ec habe wissentlich die Unwahrheit gesagt, als er als Ministerpräsident _ auf der Kammertribüne kaltblütig leugnete, überhaupt etwas davon zu wissen, daß Abgesandte Abd el Krims in Paris gewesen seien. Poincare mußte damals bekanntlich zugeben, daß diese Abge­sandten sogar im Gebäude des französischen Außenministeriums geweilt hatten, aber von ihm nicht empfangen wurden.

In den letzten Monaten sind erneute Verhandlungen mit Abd el Krim aus­genommen worden. Ein französischer Bevollmäch­tigter ist zweimal wie jetzt offiziell zugegeben wird im Hauptquartier Abd el Krims gewesen, um mit ihm selbst zu verhandeln. Die erste Reise war offiziös, die zweite aber offiziell. Die er­neuten entscheidenden Besprechungen haben am 27. März in Targuist, dem Hauptquartier Abd el Krims, zwischen den beiderseitigen Bevollmäch­tigten stattgefunden, um zu versuchen, die Grund­lagen für die Friedensverhandlungen festzulegen. Die Friedensbedingungen, Frankreichs und Spa­niens werden zwar strengstens geheimgehalten. Immerhin verlautet so viel, daß sie sick) in den wichtigsten Punkten in folgendem Rahmen be­wegen werden:

1. Verwaltungstechnische und wirtschaftliche Autonomie der Rif-Stämme.

2. Formelle Anerkennung des von Frankreich eingesetzten Sultans von QKaroEfo durch Abd el Krim.

3. Uebertragung der polizeilichen Exekutive im Rif an Frankreich und Spanien.

4. Allgemeine Waffenabgabe der Rifleute bis auf die für den Polizeidienst notwendigen Waffen.

In Paris und Madrid zweifelt man gewiß selbst daran um dies gleich vorwegzunehmen, daß Abd el Krim die letzte Bedingung wird an­nehmen können: jedenfalls wird sie praktisch kaum durchführbar fein, da die Araber und Rifleute bekanntlich stets mit ihren Waffen zusammen- leben, die sie gewissermaßen von der Geburt bis zum Tode begleiten.

Zwei Tatsachen sind es nun, die die augen­blicklichen Verhandlungen erschweren. Auf der einen Seite haben sich Paris und Madrid ver­pflichtet, nur gemeinsam also nicht ein­zeln oder getrennt mit Abd el Krim zu ver­handeln. Heber die Bedingungen selbst aber haben sich Paris und.Madrid bisher noch n ich t verständigen können. Dies ist jedoch unerläßlich,

des Kasseler Oberbürgermeisters berichtete ein Vertreter der Dundesleitung über die im ver­gangenen Jahr geleistete Aroeit. Mit alten Kräf­ten soll versucht werden, eine Verbesserung der Aufwertungsgesetze zu erreichen. Ferner erhofft man vom Reichstag die Annahme eines besonderen Rentnerfürforgege- setzes, außerdem sei eine Entschddigungsklage gegen das Reich eingeleitet worden, die vor dem Berliner Landgericht in einer der nächsten Wochen zur Verhandlung kommen werde.

Ein neues Duellgesetz.

Berlin, 9. April. (WB.) Angesichts der Be­denken gegen die vom Reichstag und Reichsrat an­genommene Aenderung des Militärstraf- gefetzbuches, wonach Offiziere, die sich am Zweikampf beteiligen, aus dem Heere entlassen wer­den sollen, beabsichtigt man in den Kreisen der Reichsregierung, einen neuen Gesetzentwurf vorzu­legen, in dem die Mußvorschrift in eine Sonn» Vorschrift umgewcmdelt wird und in dem d i e Beamten und Offiziere gleichgestellt werden. Der Gesetzentwurf wird dem Reichstage voraussichtlich bereits bei feinem nächsten Zusam- mentreten vorliegen.

Die Entscheidung über die Fürstenabfindung.

Berlin, 9. April. DasBerliner Tageblatt" teilt mit, daß das R e i ch s k a b i n e t t in der kom­menden Woche über die Frage der Fürstenabfindung beschließen werde, lieber die Erledigung der beiden Gesetzentwürfe, nämlich des Kompromiß» gcsetzentwurfs und des zum Volksentscheid zu stellenden Entwurfs, sollen Anfang nächster Woche interfraktionelle Besprechungen zwi­schen den Regierungsparteien stattfinden, denen sich Beratungen der Reichsregierung mit den Führern dieser Parteien anschließen werden.

Elektrifizierung der preußischen Domänendelriebe.

Berlin, 9. April. (Wolff.) In einem Rund- erlaß des preußischen Landwirtschaftsministers wer­den die Regierungen ersucht, die Eelektrifizierung der Domänenbetriebe tatkräftig zu fördern. Die K o ft c n einschließlich etwaiger an die Ueberlandwerke zu entrichtenden Entschädigungen übernimmt der Domcinenfiskus. Der Domänenpächter bat sie mit jährlich 7 Prozent zu verzinsen und zu tilgen. 3n den dem Erlaß beiocaebenen Ricktl.n.-n >"*

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Gietzemr Anzeiger

General-Anzeiger für Gberhefsen

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