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besonderer Wert darauf gelegt, daß die Anlage der neuzeitlichen Betriebsführung entspricht und vor allem auch K r a f t st r o m für den Gutsbetrieb er­zeugt, da sich hierdurch die Anlage wesentlich ren­tabler stellt. Ferner ist in gewissem Umfange eine Erweiterungsmöglichkeit der Anlage oorzusehen. Der Anschluß an ein Ueberlandwerk soll im allgemeinen die Regel, die Herstellung einer eige­nen Anlage die Ausnahme sein.

Präsident Loolidge über Welt­schiedsgericht und Abrüstung.

Washington, 9. April. (WTB.) Bei der Grundsteinlegung zu dem neuen Heim des Natio­nalen PresseÜubs hielt Präsident Coolidge eine Rede, in der er nach einem Hinweis auf die Verantwortlichkeit der Presse für die Aufrecht­erhaltung harmonischer internationaler Beziehun­gen ausführte: Es ist nutzlos, das Recht pflegen zu wollen, wenn wir nicht Gerichtshöfe vorsehen. Unter Land trug diesem wichtigen Grundsatz kürzlich dadurch Rechnung, daß es seinen Entschluß bekundete, die internationale Rechtspflege durch seinen Anschluß an den Weltgerichtshof zu fördern. Dies geschah Hinter Vorbehalten, die die amerikanischen Rechte in angemessener Weise wahren und auch darauf hinzielen, die Unabhängigkeit des Gerichtshofes zu stärken. Llnsere Regierung hat diesen Schritt unternommen, weil sie glaubte, daß er die praktischste Methode darstellt, ihren großen Einfluß bei der Aufrichtung des Grund­satzes der Herrschaft des internatio­nalen Rechts, wodurch Streitigkeiten und Meinungsverschiedenheiten nicht im Wege der Gewalt, sondern durch die Vernunft geregelt werden können, auszuüben. Wir sollten zu der Annahme bereit sein, daß andere Länder, wenn sie eS auf sich nehmen, dieselbe Verpflichtung zu erfüllen, von denselben Grundsätzen beseelt sind, wie es die Grundsätze sind, von denen wir selbst durchdrungen sind.

Heber den

Aeder den Völkerbund sagte Coolidge, die Vereinigten Staaten hätten es abgelehnt, sich ihm anzuschliehen, weil sie sich vor jeder Verwicklung in Angelegenheiten anderer fernzuhalten wünschten. Es wird, sagte Coolidge^ weiter von großem Ruhen sein, wenn die Devöllerung davon unterrichtet werden kann, daß wir an der internationalen Rechtsprechung teilnehmen, weil sie uns selbst berührt. Wir wollen aber nicht in politische Streitig­keiten anderer Länder hineingezogen werden, weil sie uns nichts angehen.

3n der Abrüstungsfrage trat Coolidge für ein besseres Verständnis unter den Böllern im Interesse des Friedens ein. Wir suchen, erklärte er. die Methode, die augen­blicklich allein von pratttschem Ruhen sein kann, um die internationalen Rüstungsbeschränkungen zu fördern. Wir sprachen oft aus, daß, bevor die Land- und Seestreitkräfte herabgesetzt werden können, die geistige und moralischeAb- r ü st u n g vvrangehen muh. Solange gegen- fertige Feindschaft in der Gesinnung der Böller vorhanden ist, ist es zwecklos, eine Abrüstung zu erwarten. Zum Schllrß empfahl Coolidge der Presse, sich bei den Deröffentlichungen von Ehrfurcht vor der Religion leiten zu lassen und erklärte, daß die Einrichtungen Ame- rllas auf dieser Grundlage weiter bestehen blei­ben würden und daß die Presse diesem Geiste Rechnung tragen solle.

Amerika und der Völkerbund.

Houghtons Rückkehr nach Europa.

London, 9. April. (TU.) Morgen wird - der amerikanische Botschafter H o u g h t o n von seiner Amerikareise in London zurückerwartet. Verschiedene Blätter schreiben hierzu, daß man in politischen Kreisen Londons der zukünftigen Politll der Bereinigten Staaten in europäischen Singen äuhrft pessimistisch gegenüber- stehe. Man glaubt, daß die pessimistische Auf- sassung Houghtons über die europäische Lage großen Eindruck auf den Präsidenten Coo- l i d g e gemacht hat und den Präsidenten weiter in seiner Ansicht gestärkt hat, daß Amerika Nch von dem Bölkerbund und der europäischen Politik fern halten müsse. Auch die Absage Rußlands an den Bölkerbund und die Ab­rüstungskonferenz soll Coolidge neuen Anlaß ge­geben haben, der Dölkerbundpolitik fern zu bleiben, da man in Amerika der Anficht ist, daß das Fernbleiben Rußlands vom Böller­bund die ganze Organisation zur völligen Ohnmacht verurteile. Rußlands Rachbar­staaten würden auf keinen Fall ihre Rüstungen ernschränken, solange Rußland voll bewaffnet bleibe und damit eine ständige Kriegsgefahr für diese Staaten darstelle.

DerUampsimenglischen Bergbau

Die Entscheidung der Bergarbeiter-

Exelutive verschoben.

TU London. 9. April. Auf der heuti­gen Delegiertenkonferenz der englischen Bergar- befter wurde beschlossen, die endgültige Ent- fo/eibung über die strittigen Punkte zu ver- tagen. Das Exekutivkomitee der Bergarbeiter hat beschlossen, den Minenbesitzern eine Ein­ladung zu neuen Verhandlungen für ben Anfang der nächsten Woche zugehen zu las­sen. Die Tagung nahm einstimmig einen Ent­schluß an, in dem folgende Punkte zur Annahme empfohlen werden:

1. eine Erhöhung der Arbeitszeit je nach Lage der einzelnen Bergwerke kann nicht be- milligi werden:

2. ein Angleich der Löhne an einen bestimmten Minimallahn muß herbeigeführi werden,-

3. jede Herabsetzung der Löhne muh auf das sir.kteste abgelehnt werden.

Rach Kenntnisnahme der noch ausstehenden B:'chlüsse verscdiedener B?rgwerksdiftri.te wird ein endgültiger Entschluß auf einer anderen Dele- gicd?nft? nferen5 herbei geführt werden.

NiiAkehr des E Kronprinzen nach Rumänien?

Dudape st, 9. April. (WTD.) Die Blätter melden unter Borbehalt: Exkronprinz Carol ist gestern abend aus Nizza lommend in Buda- t>cft ein getroffen in Begleitung seines Se- tretars und dessen Frau und ließ sich als Pri­vatier Belin al Radu änmelden. Heute 10 übt vormittag verlieh Oer Extronprinz mit Begleitung

die Hauptstadt und setzte seinen Weg nach der Grenz st ation Löhöfhaza fort. In Bukarest, finden die Budapester Blätter- Meldungen über eine Rückkehr des Exkronprinzen nach Rumänien keinen Glauben. Bon einem Einvernehmen zwischen dem König und seinem Sohne ist nichts bekannt. Auch die dein Ex- kronprinzen nahestehenden Politller sind von den Budapester Rachrichten überrascht. Wenn Carol um 9.30 ilfjr Budapest im Auto ver­lassen hätte, so hätte er spätestens in den ersten Rachmittagsstunden die Grenze nach Rumänien überschritten. Hierüber liegt aber bisher feine Rachricht in Bukarest vor.

Mussolinis Tripolis-Reise.

Rom, 10. April. (TU.) Die italienische Presse legt Mussolinis Tripolis-Reise größte Bedeutung bei. Sie sieht darin einen Beweis für den neuen von Mussolini eingeleiteten Volkswillen zur kolo­nialen Ausdehnung. Für Italien mit seinem Volksreichtum sei diese Ausdehnung eine Natur­notwendigkeit, anders wie für Frankreich, das zur Kolonisation der Heimat und der nordafri- kanischen Kolonien schon auf fremde Arbeitskräfte zurückgreifen müsse. Dem Mißtrauen der französi­schen Presse setztGiornale d'Jtalia" die Aufforde­rung an die anderen Staaten gegenüber, über diese italienischen Forderungen nachzudenken, da der euro­päische Frieden nur durch gerechte Würdigung dieser italienischen Forderungen gewährleistet sei. Nach dem Messagero" will Mussolini mit der Reise in feier­licher Weise vor aller Welt dasJnteresseJta- liens am Mittelmeer feststellen, das immer die Basis italienischer Größe gewesen sei. Wenn Italien das Mittelmeer auch nicht als Mare italicum betrachten wolle, so könne es doch njcht zugeben, daß irgendeine Macht am Mittelmeer die Vorherrschaft beanspruche oder die Freizügigkeit im Mittelmeer behindere. Aehnlich spricht sich der Unterstaatssekretär des Kolonialministeriums, Abge­ordneter Cantalupo, aus. Er schreibt: Mussolinis Programm umfaßt nicht nur die Kolonialpolitik im Sinne einer notwendigen Expansion, sondern auch die Erziehung des ganzen Volkes zum kolonialen Gedanken. Italien ist zur Kolo­nialpolitik in Afrika um so mehr befähigt, da es stets volles Verständnis für die religiöse und kulturelle Bedeuttmg des Islams gezeigt habe.

Das Attentat der Miß Gibson.

Rom, 8. April. (WTB.) Im Mittelpunkt des öffentlichen Intercfses steht nach wie vor das mißlungene Attentat auf Mussolini. Die Tribuna" meldet, daß Miß Gibson häufig in Arbeitervorvrten von Rom weilte, Al­mosen austeilte und Klagen sozialistischer Cle­mente anhörte, was sie mit dem Haß gegen Mussolini erfüllt zu haben scheine. DasGiornale d'Italia" berichtet, daß Miß Gibson bei ihrer Vernehmung erklärte, feine Kommunistin zu sein, aber viel Sympathie für den Bolschewismus zu haben. DerImpero" stellt die Hypothese auf, daß Miß Gibson religiösen Wahnsinn simuliert habe, um sich unauffällig auf ihre Tat vorzu­bereiten, und daß ihr angeblicher Selbstmord­versuch im Februar vorigen Jahres nur ein Unfall bei der Einübung mit der Waffe ge­wesen sei, oder daß sie wirklich geisteskrank sei, und sich jemand ihrer bedient habe, um das Attentat durch sie ausführen zu lallen. Bei der Durchsuchung der Wohnung Miß Gibsvns wurden außer vielen religiösen Gegenständen mehrere faszistische Blätter gefunden, worin An­gaben über die tägliche Arbeit und den Aufent­halt Mussolinis, seine Teilnahme an Versamm­lungen usw. mit Bleistift angestrichen waren.

Der Arzt des Sanatoriums, in welches Violet Gibson nach ihrem Selbstmordversuch 1925 zwei Monate lang in Behandlung blieb, erklärte den Zeitungen, seine Pattentin hätte niemals mit ihm über politische Fragen gesprochen, sie hätte aber mehrere Male behauptet, einer revo­lutionären Familie z u entstammen. Im Parihotel, wo sie letzten Dezember wohnte, machte sie den Eindruck einer sehr nervö­sen, religiösen Wahnsinnigen, die oft unter Hallunziationen litt. Sie ging unter Hyp­nose mit steifem Körper und erhobenem Ge­sicht. Ihre Augen blickten starr in die Leere. Ihre Arme hingen wie leblos herunter. Wie die Zeitungen berichten, hat der Abgeordnete Cassinelli, der von Amts wegen zu ihrem Ver­teidiger ernannt wurde, den Auftrag ange­nommen.

Meuterer in Saloniki.

Athen, 9. April. (WTD.) Rach einem Bericht des Kriegsministeriums haben in der vergangenen Rächt in Saloniki drei Offiziere Teile der Garnison von Saloniki aus gewie­gelt und sind nach der Ortschaft Allatini mar­schiert. Der Beweggrund zur Meuterei ist ma­terielle! Art. Eine Division umzingelte schnell die Meuterer, die erklärten, die Bewegung richte sich nur gegen ihre Vorgesetzten und sie würden sich ergeben, wenn ihnen versprochen würde, daß diese Vorgesetzten durch andere er­setzt werden würden. Die Regierung stellte den Meuterern zur bedingungslosen ilebergabe eine Frist. Die Flotte begab sich nach Saloniki. Die Führer der Meuterei und ungefähr 200 Soldaten, die sich ihnen angeschlosfen hatten, haben sich dem Kommandeur des Armeekorps von Saloniki bedingungslos ergeben. Die Rädels­führer werden vor ein Kriegsgericht aestellt werden.

Kleine politische Nachrichten.

Rach den bis jetzt vorliegenden Berichten der Arbeitsämter wird für die zweite Hälfte des TNärz mit einem Rückgang der Arbeitslosigkeit um etwa vier Prozent gerechnet. Einzelne ländliche Bezirke bezeichnen einen Rückgang von über zehn Prozent, während in einzelnen Es'idlen noch ein Anwüchse n der Arbeitslosig­keit zu beobachten ist.

Der päpstliche Runtius in Berlin, Mon° swnore Pacelli, ist in Rom eingetroffen. Arn Bahnhof waren mehrere Vertreter des Dcttttans sowie namens der deutschen Botschaft Prälat Monsignore Sleinmann zugegen. Runtius Paceltt, der seit einigen Iahren nicht in Rom gewesen ist, wird etwa 14 Tage hier bleiben. Besondere politische Anlässe sind mit dem Besuch nicht verbunden.

Der Präsident der französischen Republll Dournergue wird die Pfingstfeiertage in De- gle-.tung Marschall Ioffres in Metz üer

bringen. Zu den geplanten Veranstaltungen ge­hört u. <l eine große Hebung der Organisation für die militärische Vorbildung der Iugend.

Die seit längerer Zeit zutage getretenen Be­strebungen für den Abschluß eines Locarno- Vertrags für den Osten haben nunmehr zu dem gemeinsamen Angebot eines Sicherheits­vertrages durch die baltischen Staaten Estland, Lettland und Litauen an Rußland geführt. Es liegt noch keine Mitteilung darüber vor, wie dieser Schritt durch die Sowjetregierung ausge­nommen werden dürste.

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Die Moskauer G. P. U. (Tscheka) hat unter den Offizieren der Militäraviatik und den Ingenieuren bei den Flugzeugfabriken mehrere Verhaftungen vorgenommen. Unter den Verhafteten befinden sich sehr angesehene Persönlichkeiten. Man nimmt eine politische Verschwörung an.

Aus Peking wird gemeldet, daß mit der Abreise Fengybusiangsaus China die alte Feindschaft zwischen Wupeifu und Tschangsolin wieder aufgelebt sei. Durch diese Tatsache verändere sich die Lage vollkommen. Einstweilen seien zwischen allen Parteien Verhandlungen im Gange, deren Ergebnis vollkommen unsicher fei. Die militärischen Operatio­nen ruhen.

Kunst und Wissenschaft.

von der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie

3n der Generalversammlung der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie wurde Prof. Kütt- ner-Breslau zum ersten Vorsitzenden für das 3a.hr 1927 gewählt. Zum Ehrenmitglied ist Prof. Wilhelm Müller- Rostock gewählt worden.

Ehrung des Malers Mackensen (Worpswede).

Der bekannte Kunstmaler Professor Dr. Fritz Mackensen, der seit mehr als 40 Jahren in Worpswede wohnt und dort die Künstlerver- e i n i g u n g gründete, feierte feinen 60. Geburtstag. Der preußische Kultusminister hat ihm anläßlich feines Ehrentages den Auftrag zur Herstellung eines Gemäldes für den Sitzungssaal des Regierungs­gebäudes in Stade erteilt.

Deutsche Duchgemeinschaft gegen Börsenverein.

In der Klage der Deutschen Duchgemeinschaft gegen den Dörsenverein deutscher Buchhändler wurde der Dörsenverein vom Landgericht I Ber­lin verurteilt, der Deutschen Duchgemeinschaft den Schaden zu ersehen, der ihr durch bie Veröffentlichung im Börsenblatt für den deutschen Buchhandel und insbesondere durch b'e Boykotterklärung entstanden ist und entstehen wird. Ferner wurde dem Dörsenverein aufgegeben, die an Zeitungen und Verleger. Buchdruckereien usw. ergangene Warnung vor dem Geschäftsverkehr mit der Klägerin durch Veröffentlichung im Buchhändler-Börsenblatt an leitender Stelle des redaktionellen Teiles zu widerrufen und die Klägerin von der schwarzen Liste abzuseheen.'

Aus aller Wett.

Das Reich um eine Million betrogen.

Beamten der Zollstslle Famburg-Freihafen ist es gelungen, umfangreichen Zuckersteuer- p i ii t e r o i e b u n g e n auf die Spur zu kommsn, die bis vor kurzem von einem Hamburger Schwin- dellmizern verübt worden sind. Es sicht schon letzt fest, daß das Reich um etwa eine Million Mark geschädigt worden ist. In die Angelegen­heit sind ungefähr 30 Kaufleute verwickelt.

Ein Hungerkünstler wegen Betrugs verhaftet.

Der Hungerkünstler Harry Relson. der seit dem 19. März im Leipziger Kri­sta l l p a l a st hungert, ist mit feinem Impresario wegen fortgesetzten Betrugs ve.rhaftet wor­den. Cs bat sich herausgestellt, daß Relson von außen durch einen Gummischlauch mit Fleisch- or ü h e und Bio malz ernährt worden ist. Relson mußte ins Krankenhaus gebracht werden.

(ßaffenmorb.

3rt Friedrichsthal bei Saarbrücken ereignete sich ein scheußlicher Gattenmord. Der als trunk­süchtig bekannte etwa 40jährige Bahnarbeiter Leber hatte wiederum mit seiner Frau eine ehe­lich« Auseinandersetzung. Er begab sich dann nach der Küche, nahm ein Küchenmesser zur Hand und schärfte es, worauf er sich wieder entfernte. Gegen neben Ahr kam er wieder zurück und beobachtete seine Frau. Als diese in den Keller ging, folgte er der ahnungslosen Frau, packte sie, durchschnitt ihr den Hals und stach auf sie ein. Die sofort herbeigceilte Tochter fand ihre Mutter in ihrem Blute schwimmend als Leiche vor. Der Mörder begab sich dann seelenruhig in eine Wirtschaft, wo er sich noch der scheußlichen Tat rühmte Die Polizei konnte den Mörder noch am selben Abend verhaften, der sich im Haftlokal zweimal, aller- dings ohne Erfolg, zu erhängen suchte.

Entgleisung des Schnellzugs Bukarest Lemberg Wien.

Sreitag nacht entgleiste infolge Los­losung emes Schienenpaares in der Rahe von Krakau der Schnellzug BukarestLemberg- Wien. Die Lokomotive, der Kohlenwagen und die ersten beiden Wagen.stürzten vom Eisenbahn­damm hinab, während die übrigen aus dem Ge­leise sprangen. Es handelt sich wahrscheinlich um einen verbrecherischen Anschlag. ©;n Arbeitsloser, der Gepäck der Reisenden zu stehlen versuchte, wurde unter dem Verdacht der Täterschaft verhaftet. Verletzt wurden insgesamt 25 Personen, darunter vier schwer. Getötet wurde niemand. Reichsdeutsche befinden sich nicht unter den Verletzten.

Hochwasser des Tigris.

Die Stobt Bagdad ist durch Hochwasser des Tigris ernstlich gefährdet. Die Deiche sind in der Röhe des Königspalastes durchbrochen worden. Das Palais ist geräumt und vollständig vom Wasser ein- geschlossen. Tausende arbeiten fieberhaft daran, die Mauern ihrer Hauser zu befeftigen, um vor den Ueberschwemmuiigen «chug zu finden. Hunderte von Flüchtlingen lagern im Freien, da ihre Hütten von den Wasscrmassen weggerissen worden sind.

Vulkanausbruch auf Samlschlaka.

Moskau, 10. April. (WTB. Funkspruch. Der große Ausbruch des 30 Kilometer von Petropaw- lowfk (Kamtschatka) entfernten Awatschlinsky Vulkans, öer am 28. März einsetzte, erreichte gestern seinen Höhepunkt. Glühende Lava bedeckt die Abhänge des Vulkans. Aus dem Krater schießen Flammenberge. Das ausgeworfene »ulkaiusche Gestein und die Asche bedeckt die Umgebung bis auf etwa 90 Kilometer Entfernung. Der Ausbruch ist von unterirdischem Grollen und Erderschütterungeii begleitet. Opfer an Menschenleben sind bisher nicht zu beklagen.

Aus der Provinzialhauptstadt.

Gießen, den 10. April 1926.

Jur Beachtung für Radfahrer.

Da die Vorschriften über das Verhalten der Rad­fahrer auf der Straße vor allem in engen und belebten Derkehrsstraßen von vielen Radfahrern immer noch nicht beachtet werden, gibt das Polizei­amt in einer Zuschrift an uns die wichtigsten Be- ftimmungen der Verordnung über den Radfahrver- kehr vom 6. Mai 1907 und 28. Oktober 1919 zu ge­nauer Beachtung erneut bekannt.

Die Polizeibeamten sind angewiesen, gegen Zu­widerhandlungen unnachsichtlich einzuschreiten. (Wir verweisen noch besonders auf unsere Erläute­rungen zu Ziffer 1 und Ziffer 8):

1. Jedes Fahrrad muß mit einer sicher wirkenden Hemmvorrichtung, mit einer helltönenden Glocke zum Abgeben von Warnungszeichen und wäh­rend der Dunkelheit, sowie bei starkem Nebel mit einer hellbrennenden Laterne mit farblosen Gläsern versehen fein, die den Lichtschein nach vorn auf hie Fahrbahn wirst. (Jedes Rad muß mit einer Laterne versehen sein. Es genügt nicht, wenn der vorderste Donunj^reren Rad­fahrern eine brennende Laterne an seinem Rad hat.)

2. Jeder Radfahrer ist zur gehörigen Vorsicht bei der Leitung seines Fahrrades verpflichtet. Die Fahrgeschwindigkeit ist jedenfalls so einzurichten, daß Unfälle und Verkehrsstörun­gen vermieden werden. Innerhalb geschlossener Ortsteile darf nur mit mäßiger Geschwindigkeit gefahren werden. Auf unübersichtlichen Wegen, insbesondere nach Eintritt der Dunkelheit oder bei starkem Nebel, beim Einbiegen aus einer . Straße in die andere, bei Straßenkreuzungen, bei scharfen Straßenkrümmungen, bei der Aus- fahrt aus Grundstücken, die an öffentlichen Wegen liegen, und bei der Einfahrt in foldje Grundstücke, ferner beim Passieren enger Brücken und Tore, sowie schmaler oder abschüs­siger Wege, sowie da, wo die Wirksamkeit der Hemmvorrichtung durch die Schlüpfrig­keit des Weges in Frage gestellt ist, endlich überall da, wo ein lebhafter Verkehr stattfindet, muh langsam und vorsichtig gefahren werden, so daß das Fahrrad nötigenfalls auf der Stelle zum Halten gebracht werden kann. In allen diesen Fällen, sowie bei jedem Bergabfahren ist es verboten, beide Hände gleichzeitig von der Lenkstange, oder die Füße von den Pe­dalen zu nehmen.

3. Der Radfahrer hat entgegenkommende, zu über­holende, in der Fahrtrichtung stehende oder die Fahrtrichtung kreuzende Menschen, insbesondere die Führer von Fuhrwerken, Reiter, Viehtreiber usw. durch deutlich hörbares Glocken« zeichen rechtzeitig auf das Nahen des Fahr­rades aufmerksam zu machen. Auch an unüber­sichtlichen Stellen ist das Glockenzeichen zu geben. Das Abgeben der Glockenzeichen ist fofort einzustellen, wenn die Tiere dadurch unruhig und scheu werden. Zweckloses unh belästigendes Klingeln ist zu unterlassen. Der Gebrauch von Signalpfeifen, Hupen und beständig tönenden Glocken (Schlittenglocken u. dgl.) sowie von sog. Radlaufglocken ist untersagt. Merkt der Radsah- rer, daß ein Tier vor dem Fahrrade scheut, oder daß sonst durch das Dorbeifahren mit dem üahrrade Menschen oder Tiere in Gefahr ge­bracht werden, so hat er langsam zu fahren und erforderlichenfalls sofort abzusteigen.

4. Das Einbiegen in eine andere Straße hat nach rechts in kurzer Wendung, nach links in weitern Bogen zu erfolgen.

5. Der Radfahrer hat bei der Fahrt die rechte Seite der Fahrbahn einzuhalten und entgegenkommenden Fuhrwerken, Kraftfahrzeu­gen, Reitern, Radfahrern, Fußgängern, Vieh­transporten ober dergleichen rechtzeitig ober ge= nügenb nach rechts auszuweichen ober, falls dies die Umstände oder die Oertlichkeit nicht ge­statten, solange abzusteigen, bis die Bahn frei ist.

6. Das Lorbeifahren an eingeholten Fuhr­werken, Kraftfahrzeugen, Reitern, Radfahrern, Fußgängern, Viehtransporten ober dergleichen hat auf der linke n Seite zu erfolgen. An u n - übersichtlichen Stellen sowie überall, wo die Fahrbahn durch Fuhrwerke, Kraftfahrzeuge usw. verengt ist, ist das U e b e r h o l e n ver­boten.

7. Das Radfahren ist, außer auf den für den Rad- fahrverkehr eingerichteten besonderen Wegen (Radfahrwegen) nur auf den für Fuhrwerke bestimmten Wegen und Plätzen gestattet. Außer- halb der geschlossenen Ortschaften darf das Fah. ren mit Zweirädern auch auf den neben den Fahrwegen hinführenden nicht erhöhten Ban­ketten stattfinden.

Das Radfahren auf solchen Fußwegen, die das Ausweichen gestatten, ist außerhalb der Ortschaft unter der Voraussetzung zulässig, daß die Radfahrer stets den Fußgängern in ange­messener Entfernung ausweichen, den Fußweg freilassen und nötigenfalls absteigen.

8. Das U m f elfen von Fuhrwerken, Menschen und Tieren und ähnliche Bewegungen, die ge­eignet sind, Menschen ober Eigentum zu gefähr­den. ben Verkehr zu stören ober Tiere scheu zu machen, finb verboten. (Als solche Radfahrer- beroegungen werden z. B. in engen ober be­lebten ober abschüssigen Verkehrsstraßen insbe­sondere angesehen: Unnnötiges Hin- und Her- fahren, wie es besonders häufig im Seltersweg vorkommt, das Mitnehmen einer zweiten Person (nicht kleiner Kinder) auf einem Fahrrad, wo­durch das Lenken, Ausweichen und Anhalten erschwert wird, das Fahren unmittelbar hinter ober neben einem Straßenbahnwagen ober an­deren Fahrzeugen unb bergt)

9. Auf den Ha11eruf ober das Hallezeichen eines als solchen kenntlichen Polizeibeamten hat jeder Radfahrer sofort anzuhaltem

10. Zuwiderhanblungen gegen biefe Vorschriften werben gemäß § 366 Ziffer 10 des Reichsstraf- gesetzbuches bestraft.

Wetterbeobachtungen in Hessen 1925.

Im jüngsten Heft derMitteilungen der Hessischen Zentralstelle für die Landesstatistik" werden die Wetterbeobachtungen in Hessen wäh­rend des Iahres 1925 veröffentlicht: Wir ent­nehmen der Zufamenstellung die folgenden An­gaben:

Die Iahresmittel des Luftdrucks liegen 0,5 Millimeter unter den 22jährigen Mitteln (1901 bis 1920). älngewöhnlich hoch war der Luftdruck im Ianuar (+ Z Millimeter), hoch auch nn März und Onni; tief mit Ausnahme von August und Oktober in allen übrigen Olionaten, besonders tief im Februar ( 3,5 Millimeter).