^oIMrtotratCH im Prinzip dem Vorschlag der Reichsregierung zu, die Umsatzsteuer herabzusetzen. Die Ermäßigung der Vermögenssteuer lehnten sie aber ab.
Reichsfinanzminifter Dr. Reinhold:
Das Gesetz über die Steuersenkungen hält sich sedr eng an den Anhalt meiner Etatrede. Eine Abweichung besteht nur darin, daß wir uns jetzt entschlvsfen haben, die Luxussteuer vollständig a u f z u h e b e n. weil auch ihre teilweise Aufrechterhaltung eine 'Besteuerung deutscher Qualitätsarbeit bedeuten würde. (Beifall.) Die Steuersenkungen dürfen nicht isoliert betrachtet toerben, sondern sie sind ein Leit des Programms der Regierung für die Wiederbelebung der Wirtschaft nach der schweren Krise. 'Dazu gehört in erster Linie die Hebung und Förderung des Apparats, dazu gehören weiter .Maßnahmen zur Kredithilfe, dazu gehört vor allem die Wiederbelebung der Bautätigkeit. Wir haben den Ländern und Gemeinden schon die Möglichkeit zur Her- gäbe billiger zweiter Hypotheken gegeben und wir wollen jetzt auch bei ter Beschaffung er ft er Hypotheken helfend vorgehen. zunächst durch einen gewissen Zwischen- tredit aus Aeichsmitteln. Die Steuersenkungen sind nur durchführbar, wenn wir gleichzeitig Sparsamkeilsmaßnahmen durchführen durch Arbeitsvereinfachung und Verwalt um g s r e f v r m. Die Steuersenckungsvor- schlage sind nicht, wie der Abg. Hergt zuerst sagte, ein „Sprung ins Dunkle". Es ist ja auch das poli- tische Wunder eingetreteir, daß die Deutschnationalen selbst jetzt die Sache nicht mehr als einen Sprung ins Dunkle betrachten. (Widerspruch rechts.), Sonst wäre es nicht.zu erklären, daß die Deutschnationalen nach der Hergtrede ©teuer- senkungsanträge eingebracht haben, die in ihrer Wirkung weit über die Regierungsvorschläge hinausgehen. (Hörti Hört! links.)
Eine weitere Voraussetzung für die Steuersenkungen ist. daß wir die Ausgaben des außerordentlichen Etats, die für die Zukunft bestimmten Ausgaben, nicht mehr aus laufenden Einnahmen, sondern aus Anleihen bestreiten. Die Möglichkeit dazu besteht, denn die deutschen Spareinlagen vermehren sich dauernd in beträchtlichem Matze.
Die Anträge auf Senkung anderer Steuern werden sich nicht durchführen lassen. Wir machen unsere Vorschläge immer von dem Gesichtspunkt aus, daß damit eine Entlastung und Belebung der Wirtschaft erreicht werden soll. Das ist von der an sich wünschenswerten Herabsetzung mancher anderer Verbrauchssteuern nicht zu erwarten. Die Steuermilderungsvorlage ist die Konsequenz, die die Reichsregierung aus der augenblicklichen wirtschaftlichen Rvtlage ziehen muh. Es ist eine Rotmaßnahme, zu der uns die Entwicklung der letzten Zeit gezwungen hat. Ich wäre nicht in der Lage gewesen, solche steuerliche Milderungen vorzuschlagen, wenn nicht hievor- sichtige Steuerpolitik des letzten Sommers es dahin gebracht hätte, daß wir in die Rotzeit mit Lleberschüssen hineingegangen sind. (Beifall.)
Abg. Oberfvhren (Dn.) weift auf den riesigen Deamtenapvarat der Reichsfinanzverwaltung hin. Eine Vereinfachung in der Verwalturcgsvrganisation sei dringend notwendig. In der denwkratischen Presse sei jetzt die Parr^e ausgegeben worden: Richt Personen, sondern Aemter sollen abgebaut werden! Sine Reuorganisation der Landesfinanzämter sei vielleicht zu erwägen, aber man sollte auch den .landsmannschaftlichen Charakter nicht ganz verleugnen. Die Verwaltungsreform müßte das Ziel - haben, daß die Finanzbeamten sich nicht als Gegner, sondern als Freunde und Be° e rater des Publikums fühlen.
Dir wünschen eine organische Reform der Steuergesetzgebung mit dem Blick aufs Ganze. (Beifall rechts.) Die Dranirtweinmonopolverwal- tung sollte von der Reichsfinanzverwaltung getrennt und kaufmännisch selbständig, ähnlich wie die Reichsbahnverwaltung, gestaltet werden. Wir wünschen die Aufhebung der Luxussteuer und die Milderung der Fusionsfteuer. Statt der Senkung der älmsahsteuer hätte man lieber den Anteil der Hauszins steuer abbauen sollen, der den Ländern und Gemeinden zufließt. Die Hauszinssteuer ist eine unsoziale, ja geradezu eine gemeingefährliche Steuer. Rotwendlg wäre auch eine Ermäßigung der direkten Steuern im Interesse der Wirtschaft. Die Weinsteuer und die Realsteuern der Länder und Gemeinden sollten aus Gründen der Gerechtigkeit schnell ermäßigt werden.
Reichsfinanzminister Dr. Reinhold: Wenn der Vorredner eine organische Steuerreform mit ccm Blick aufs Ganze verlangt, so muß ich ihm sagen, daß dazu im vorigen Sommer Zeit war. Ich habe ein fertiges Werk übernommen und konnte nur die Rot Maßnahmen Vorschlägen, die die Rotlage erforderte. Es kann doch nicht bestritten werden, daß die Senkung der Um« sah ft euer ganz sicher der Wirtschaft und den Konsumenten 500 Millionen erhält, die sonst in die Kassen der öffentlichen Hand flössen. Wenn nach der Meinung der Deutschnativnalen die bisherigen Senkungen der Umsatzsteuer bis auf ein Prozent richtig und gut waren, so ist nicht einzusehen, warum nun auf einmal die weitere Senkung auf 0,6 Prozent schlecht sein soll. Ein deutschnationales Parteimitglied hat mir in einem Artikel parteipolitische Finanzpolitik vorgeworfen. Aus dieser und anderen Stimmen ergibt sich nur, daß es der Rechten unangenehm ist, daß der jetzige Finanzminister dem Volke Erleichterungen bringt. Wenn man die Fmanz- volittk vom Parteistandpunkt aus betrachtet so dient man damit dem Volke nicht. (Beifall links.)
Abg. Dr. Brüning (Zentr.): Der Minister hat zwar verschiedene Bedenken zerstreut die zuerst gegen seine Pläne bei uns bestanden,'aber restlos sind diese Bedenken nicht oeschwunden Er sagt selbst, daß es sich um Versuche handelt' Die Stellung des Zentrums zu den Finanzfragen bangt davon ab, daß, falls wir feine innere Anleihe erhalten,
das Reichsbankgesetz
so abgeändert wird, daß wir von der Reichsbank Summen erhalten, die uns nach der jetzigen Bankverfasfung nicht zur Verfügung stehen. Dann kommt noch die Schwierigkeit hinzu, daß Ländern und Gemeinden 450 Millionen aus der Umsatzsteuer garantiert sind. Durch die Erklärungen des Ministers über die Kredite für Landwirtschaft und Wohnungsbau ist ein Teil unserer Bedenken gegen die Senkung der Umsatz- steuer beseitigt. Die Angriffe gegen die Finanzpolitik des vorigen Sommer» haben sich als
unberechtigt erwiesen. Andererseits erklären sich auch viele Angriffe der Deutschnationalen gegen den jetzigen Finanzminister nur daraus, daß sie nicht mehr in der Regierung sitzen. (Beifall im Zentrum und links.)
Abg. Keinath (Dtsch. Vp.) weist darauf hin. daß heute viele Betriebe deshalb nicht, produzieren können, weil ihnen das nötige Betriebskapital fehlt. Mit Krediten sei da nicht zu helfen. Hier könne eine Besserung nur geschaffen werden durch die Möglichkeit der Wiederbeschaffung des Eigenkapitals. Die Befreiung der Wirtschaft von übermäßigen Steuerlasten fei die Voraussetzung dazu. Die Volkspartei stimme dem Grundgedanken des Regierungsentwurfes zu. habe aber Bedenken gegen manche Einzelheiten Die völlige Beseitigung der Luxussteuer sei zu begrüßen, müsse aber rückwirkende Kraft haben. Auch der Senkung der Fusionssteuer werde die Volks- Partei zustimmen.
Bei der Vermögenssteuer sollten weitere Erleichterung eintreten.
Mindestens sollten die A u f w e r t u n g s l a st e n bei der Vermögenssteuer in Anrechnung gebracht werden. Die Tarifstufen für die Einfommen- steuer müßten bei den mittleren Einkommen mehr auseinandergezogen werden. Die Beseitigung der Weinsteuer sei notwendig.
Abg. Dr. Fischer (Dem.) wünscht eine Reugestaltung des ReichsfincmzetätS bis zur dritten Lesung unter weitgehender Verminderung der Forderungen für Personal und Reubauten. Wir müßten jetzt vier bis fünf Prozent der Steuereingänge auf deren Erhebung und Verwaltung aufwenden, während England mit 1 v2 bis l3/4 Prozent auskomme. Eine vorsorgliche Finanzpolitik müsse durch pflegliche Behandlung der Steuerquellen für deren dauerndes, gleichmäßiges Fließen sorgen. Darum begrüßen wir die in dem Regierungsgesetzentwurf zum Ausdruck kommende Abkehr von der Tendenz, die Wirtschaft unerträglich zu belasten, um nur den Steuerfäckel möglichst stark zu füllen. Wenn int Reichsrat die Ländervertreter erklärten, die Länder würden den durch die Vorlage bedingten Ausfall an Steueranteilen nicht einsparen können, so müsse demgegenüber betont werden, daß wir mit dem neuen Finanzausgleich für Länder und Gemeinden^ weit größere Einsparungen erreichen können. Die demokratische Fraktion wird gerne dem Appell der Regierung folgen und sich der Rotgemeinschaft anschliehen, mit der die Heberwinbung der gegenwärtigen schweren Wirtschaftskrise versucht werden soll.
„Großhessen".
Der Finairzminifter zu einer Entschließung der Reichsarbeitsgemein- schaft deutscher Föderalisten.
WSN. Frankfurt a.M., 8.März. Zur hes- stl'chen Frage hat die Reichsarbeitsge- meinschaft deutscher Föderal! st en auf ihrer Tagung in Frankfurt a. M. am Sonntag fol- genbe Entschließung gefaßt: „Angesichts des Planes, infolge schwieriger Finanzlage, herbeigeführt durch den großpreußischen Zentralismus, die Eigenstaatlichkeit Hessens preiszugeben, fördert die Reichsarbeitsgemeinschaft deutscher Föderalisten erneut die alsbaldige Ausführung des Art. 18 der Reichs Verfassung (Reu- glieberung der Reichs). Zur Erzielung wirtschaftlicher und kulturellen Höchstleistung verlangt sie die Errichtung eines grohhessifchen Landes, welches das neu sich bildende Rhein- Mainische Wirtschaftsgebiet um Frankfurt a. M. als Mittelpunkt umfassen und den Beruf des hessischen Stammes als Eckpfeiler des deutschen Staatsgefüges und Bindeglied zwischen Rord und Süd, zwischen niederdeutschem und oberdeutschem Volkstum, erfüllen soll."
.Finanzminister Henrich
auf dessen Aeußerungen im Landtag diese Entschließung zurückzuführen ist, äußert sich dem Wolffbureau gegenüber dazu persönlich wie folgt: „In meiner Zuschrift an die „Wormser Zeitung" vom 24. Februar und in meiner Rede vom 5. März habe ich mich ausdrücklich dahin ausgesprochen, daß ich grundsätzlich auf dem Boden des deutschen Einheitsstaa tes stehe, daß ich aber, solange ich den Weg dafür nicht frei sehe, in dem Anschluß Hessens an einen anderen Staat keine Forderung des Einheitsgedankens erblicken kann. Aus allgemeinen politischen Gründen, gerade auch im Reichsinteresse, ist heute eine Aenderung in der Staatlichkeit Hessens, das von vier Ländern umgrenzt und zu 40 Prozent besetzt ist, höchst bedenklich. Meine Aeußerung im Finanzexpose vom 13. Ia- nuav war darum eine Warnun g an die Reichs- regienmg, es durch etwaige Richtbeachtung der durch die Besetzung entstandenen wirtschaftlichen Schädigungen des Hessenlandes es nicht dahin kommen zu lassen, daß das Land gezwungen ist, vorzeitig feine staatliche Selbständig- keit auszugeben. Einen solchen Zwang erachte ich auch schon dann als vorliegend, wenn das Land infolge seiner finanziellen Lage gezwungen werden sollte, lebenswichtige lulturelle Einrichtungen zu beseitigen, deren Existerrz in anderen Ländern des Reiches nicht gefährdet wird. Die Idee von Groß-Hessen bat im ganzen Lande wenig Anhänger. Ich halte auch diesen Gedanken höchstens im Rahmen eines provinziell gegliederten Einheitsstaates für diskutabel."
Kleine politische Nachrichten.
Der Herr Reichspräsident hat dein General der Heilsarmee in London zu seinem 7 0. Geburtstage des nachstehende Glückwunschschreiben zugehen lassen: „Zu Ihrem 70. Geburtstage spreche ich Ihnen meine innigsten Glückwünsche aus. In dankbarer Anerkennung der zahlreichen Wohltaten, die Angehörige der Heilsarmee notleidenden Schichten des deutschen Volkes, insbesondere seiner Großstädte, haben zuteil werden lassen. Möge es Ihnen vergönnt fein, noch viele Iahre an der Spitze Ihrer Organisation zum Wohle der Menschheit zu wirken, gez. v. Hindenburg.“
2üif Grund des Gesetzes zum Schutze des Staa- les find 12 im Auslande lebende bulgarische Führer der renolnvanären Organisation der „Einheitsfront" in Abwesenheit zum Tode verurteilt morden. Der ehemalige Minister Zanka Bakalofs ilr srer gesprochen worden.
Die Volkszählung in China hat ergeben, daß das Land 436 09,5 000 Einwohner zählt. Davon entfallen auf Peking 4 Millionen und auf Schanghai 5,5 Millionen.
*
Nach einer Meldung aus Beirut haben die Angreifer in der Gegend von Damaskus 156 Tote und 103 Verwundete gehabt. Sultan A tr a s ch. der Führer der "Angreifer, fei durch eine Fliegerbombe v e rw u n d e t worden.
Aus aller Well.
Englische LustpoMik.
L o n d o n, 8. März. (WB.) 3in Unterhaus erklärte bei der heutigen Wiederaufnahme der Erörterungen über das Luftfahrtwesen der Konservative Hells, im Bau von Flugzeugen hätten die Ausländer England überflügelt. lu-ziiglich der G a n z m e t a l l f l n g - zeuge insbesoadsre die Iunkers gesell- schäft: hinsichtlich der Motore stehe jedoch das Ausland England nach. Harry Brittain bedauerte, das Fehlen einer Reichsluftpvli- ti f. Garro-Iones sagte, der Direktor der Imperial Airways Co. habe damit geprahlt, daß die Gesellschaft in einem Iahre 100 000 Meilen geflogen und 11000 Passagiere befördert habe. Der deutsche L u f t k v n z e r n sei dagegen 21/3 Millionen Meilen in sechs Monaten oder achtmal soviel geflogen und habe 38 000 Passagiere in sechs Monaten befördert, d. h. zehnmal so viel wie die englische Gesellschaft.
Die Zeppelin-Eckener-Spende.
Von den insgesamt erforderlichen rund vier Millionen sind bereits 2 300 000 Mk. durch das bisherige Ergebnis der Sammlung gesichert. Die Sammlung wird mit allerEnergie fortgesetzt. Es wurde beschlossen, der Luftschiffbau Zeppelin G. m. b. H. Friedrichshafen, die bereits mit dem Bau begonnen hat, 500 000 Mk. als erste Baurate zu überweisen.
Eine ftöndige Feppelinverbindung Amerika—Europa.
Rach Agenturmeldungen werden unter Beteiligung bedeutender amerikanischer Kapitalisten Pläne für eine dauernde Zeppelin-Verbindung zwischen Amerika und Europa geprüft, il. a. sollen Ford, Guggenheim und Rockesel l e r an dem Plan interessiert fein. Es verlautet, daß man sich auch in Washingtoner amtlichen Kreiseir stark für diesen Plan interessiert.
Bei einem Brand ums Leben gekommen.
In der Riegerschen Pappe, f ab rif in Trostberg (Oberbayern) enstand Großfeuer, das sich mit großer Schnelligkeit ausbreitete, es hat das Trocknereigebäude erfaßt und fand in den dort eingelagerten 2000 Zentner Pappe reichliche Nahrung. Insgesamt fielen dem Brande vier Menschen zum Opfer. Aus den Trümmern konnte bisher nur die vollständig verkohlte Leiche einer Frau ausgegraben werden.
Vereiteltes Attentat auf den Berlin-Münchener Schnellzug.
. Die Reichsbahndirektion München teilt mit: In der Nacht vorn 7. auf den 8. Mörz zwischen 10.45 und 11.15 wurde südlich der Station München- Moosbach, etwa 10 Meter vor dem Einfahrtssignal der Hartmannshofener Ueberfahrt, von ruchloser Hand zwei Eisenbahnschwellen quer über das Gleis gelegt. Der um diese Zeit fällige Schnellzug D 25 kam dabei glücklicherweise nicht zur Entgleisung. Für die Ergreifung des Täters wird eine Belohnung von 1000 Reichsmark ausgesetzt.
Erdrutsch infolge Regens.
Infolge der anhaltenden Regengüsse in den letzten Wochen haben sich in ganz Südwestdcutsch- land zahlreiche Bergrutsche und Dammrutsche ereignet. Reuerdings ist nun auch bei Siershahn im Westerwald eine Tongrube elügest ü r z f. Ferner kam bei Grossendorf infolge der Rässe wiederum ein Bahndamm ins Rutschen, über den eine Grubenbahn führte. Dabei stürzte eine Lokomotive mitsamt den an» hängenden Wagen in einen Weiher. Auf dem Hunsrück sind bei Dörrebach in einem Stein- bruch große Felsmassen abgestürzt und weitere Abstürze werden noch befürchtet.
Großseuer.
In N e u ft e 11 i n (Westpreußen) entstand ein großer Brand in der Pension Laasen, wobei der Dachstuhl des Hauses eingeäschert wurde. Es gelang, die vierköpsige Familie mit einer großen Feuerwehrleiter zu retten, während ein 23jähriges Mädchen, das in der Pension kochen lernte, nur als Leiche geborgen werden konnte.
Kunst und Wissenschaft.
Riddi Impekoven in Frankfurt.
Riddi Impekoven war mit ihrem zweiten Gast spieli m Opernhaus ein außerordentlicher Erfolg bcschieden. Der Abend lieferte wieder den Beweis, daß ihre Stärke in den Tänzen begründet ist, die seinerzeit ihren Ruhm begründet haben. Der Reiz, der von ihrem Münchener Kaffeewärmer und ihrer Erna - Pinner - Puppe ausgeht, war auch heute wieder unwiderstehlich. Der musikalische Teil lag bei Hanns Avril in ben besten Händen, und so formte er sich mit Aecht in den stürmischen Beifall teilen, der nach Schluß der Vorstellung Riddi Impekoven immer und immer wieder vor die Rampe tief.
Eine Rationalerziehungstagung ber Fichte- gesellschaft.
Die zweite Ratioiralerziehungstagung der Fichtegesellschaft wurde in Halle von einer zahlreichen Festversammlung in der Aula der Uni» verfität durch den Rektor Professor Dr. Fleischmann eröffnet. Pfarrer Karl Bernhard R i 11 e r - Marburg sprach in einem einleitenden Vortrag über „das Verhältnis von Christentum und Rativnalerziehung". Er bezeichnete als Ausgabe der Tagung, zu untersuchen, wie es möglich sei, das Evangelium als lebens- fpendende Botschaft zu verkünden und damit das deutsche Volk zur Treue seiner völkischen Aufgabe gegenüber zu befähigen. Am Rachmittag sprach der Landesgeschäftsführer des Volksvereins für das katholische Deutschland in Württemberg, Dr. G e tz e n y ((Stuttgart), über das Dhema „Katholizismus und Rationalerziehung". Professor Althorst (Rostocks besprach die Stellung des deutschen Protestantismus zu den Fragen der Rationalerziehung.
2lu$ der Provinzialhauptstadt.
Gießen, den 9. März 1926.
Notstandsarbeiten und Wohnungsbau.
In Beantwortung einer Kleinen Anfrage im Preußischen Landtag erklärte der preußische W o h l f a h r t o m i n i st e r , das; die geltenden Bestimmungen über die produktive Erwerbs- lofenfürforge in gewissen Umfange eine U n - t e r ft ü 1; u n g des Wohnungsbaues zulasten. Sowohl die Erschließung non Siedlungsgelände wie die Herstellung van Baustoffen und Bauteilen für den gemeinnützigen Wohnungsbau werden, sofern sie durch ein gemeinnütziges 'Siedkungswesen erfolgt, als Not- ftandsarbeit durchgeführt und mit Reichs- und Staatsmitteln gefördert werden können. Ferner erklärte sich der R e i ch s a r b e i t s m i n i sie r damit einverstanden, daß bis einschließlich 30. April für die Beschäftigung erwerbsloser B a u I; a n d w e r k e r bei Wohnüngsbauten eine Grundförderung in Höhe der einfachen ersparten Erwerbslosenunterstützung als Darlehen gewährt werden kann.
Gießener Wochenmarktpreise.
Es kostete auf dem heutigen Wochenmarlt das Pfund: Butter 180 bis 190 Pfennig, Matte 30 bis 35, Käse 60 bis 140. Wirsing 30, Weißkraut 25, Rotkraut 30, gelbe Ruben 20, rote Rüben 20, Spinat 40, Unterkohlrabi 10 bis 12, Grünkohl 30, Rosenkohl 40 bis 60, Feldsalat 80 bis 120, Zwiebeln 20, Meerrettich 40 bis 80. Schwarzwurzeln 50 bis 70, Kartoffeln 4 bis 5, Aepsel 15 bis 25, Honig 50, Rüsse 60, junge Hahnen 120 bis 130, Suppenhühner 120 bis 130. Endivien 80 bis 100; das Stück: Blumenkohl 60 bis 140. Salat 45, Oberkohlrabi 10 bis 15, Lauch 10 bis 20, Sellerie 20 bis 40.
Bornotizen.
— Tageskalender für Dienstag: Stadttheater: 6.45 Uhr Opern-Gaftspiel „Margarethe" (Ende 10 Uhr). — Zentralverband der Hausangestellten: 8.30 Uhr, Gewerkschaftshaus, Versammlung. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: Die eiserne Braut".
Wettervoraussage.
Meist bedeckt, westliche Winde, Temperaturen wenig geändert, stellenweise noch leichte Rieder- schläge.
Das Tiefdruckgebiet mit feinem Kern über bem Rordmeer rückt langsam nach Osten weiter. Mitteleuropa liegt unter dem Einfluß westlicher Luftströmung, die zunächst noch weitere Feuchtigkeit ostwärts transportieren dürfte, die aber mangels größerer Temperatur-Gegensätze nicht zu stärkeren Riederschlägen führen wird. Teilweise kann sogar leichtes Aufklaren eintreten.
Gestrige Lagestemperaturen: Maximum.12,4 Grad, Minimum 7,6 Grad Celsius. Riederschläge 0.4 Mm. Heutige Morgentemperatur 8,2 Grad Celsius.
*
** Goldenes Doktorjubilcium. Der ordentliche Professor Geh. Medizinalrat Dr. med. et Dr. med. vet. h. c. Eugen Bostroem begeht morgen fein goldenes Doktorjubiläum als Doktor der Medizin.
** D i e Steuer-Prote ft Versammlung der wirtschaftlichen Verbände von Gießen und Umgegend morgen nachmittag in der Volkshalle auf dem Trieb beginnt um 3 Uhr. Redner sind bekanntlich die Landtagsabgeordneten Haury, Dr. Leuchtgens und Dingeldey. Die steuerliche Not der Zeit wird der Versammlung zweifellos einen sehr starken Besuch bringen.
** DieLandwirtschaftskammer veranstaltet am kommenden Donnerstag in Gießen einen Vortragskursus für die Landwirte der Provinz Oberhessen. Vormittags sinden Vorträge der Professoren Dr. Schmidt-Göttingen. Dr. Kra einer-Gießen und des Generalsekretärs Dr. R o t b e r t - Darmstadt statt. Für den Rachmittag ist eine Filmvorführung der Hess, landwirtschaftlichen Versuchsstation Darmstadt vorgesehen.
** Eine Achtzigjährige. Unsere Mitbürgerin Frau Katharine Schulze Wwe., Wie- secker Weg 19 wohnhaft, begeht morgen in körperlicher und geistiger Frische ihren 80. Geburtstag.
*’'* Die Ortsgruppe Gießen des Bundes für christlich - evangelische Erziehung in Haus und Schule hielt ihre Monatsverfammlung am Donnerstagabend im Iohannessaal ab. Sie hatte in Pfarrer Marhvld -- Frankfurt a. M. einen vortrefflichen Redner gewonnen, der über »Die Ethik der Ehrfurcht vor dem Leben" sprach, ©inleitenö erklärte er den Begriff Ethik im allgemeinen als Sittenlehre, besser Lebeirslehre. Auf die Frage: Was ist die Ethik der Ehrfurcht vor dem Leben? ließ er den elsässischen Doktor der Theologie und jetzigen Missionsarzt Albert Schweitzer in seinem Buche „Kultur und Ethik" die Antwort geben. Dieser geht von dem Satze aus: Ieder Mensch hat das Bedürfnis zu leben, er soll Ehrfurcht vor seinem Leben haben. Wenn er nun diese Ehrfurcht auch auf fremdes Leben auf das gesamte in der Ratur (Mensch, Tier, Pflanze) übertragt, so entsteht ,die Ethik der Ehr furcht vor dem Leben". Gut ist alles, was Leben fördert, bös, was Leben zerstört. Die Ehrfurcht vor dem Leben ist dann ein Sichveranttoortlichfühlen gegenüber dem eigenen und fremden Leben. Diese Ehrfurcht führt zu mancherlei Konflikten, beispielsweise in der Frage: Wieweit darf ich zur Erhaltung meines Lebens in der Zerstörung fremden Lebens gehen? Die gewöhnliche Ethik sucht hier einen Ausgleich, indem sie sagt: „Bis zu einem gewissen Grad." Schweitzer empfindet alles Zerstören fremden Lebens schlechthin als Schuld, die uns immer wieder antreiben soll, zu prüfen, wieweit wir in der Vernichtung fremden Lebens gehen dürfen. So wird diese Ethik ein Gefühl der Tlnruhe in uns auslösen, doch wir werden gewissenhafter toerben gegenüber allem Leben, und unser Derantwörtungsgefühl wird geschärft werden. Zahlreiche Beispiele dienten zur Erläuterung des intereffanten Vortrages unb machten die Ausführungen gemeinverständlich.
. —•— Der Verejn ehemaliger H e s s i - scher Leid-Dragoner des Kreises Gic- s; e n beging am Sonntagnachmittag in der Turn- naUe am Oswaldsgarten fein fünfjähriges Stiftung-- feil da > bei sehr starker Beteiligung einen recht schönen Verlauf nahm. Als Gäste nahmen die Vertreter rast sämtlicher Gießener Regiments- und Mi-
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