Wirtschaft.
Börse und Geldmarkt.
Aach den ersten Dorsentagen des neuen Jahres zu urteilen, hatte es zunächst den Anschein, als wenn im neuen Jahre die Börsen- schwäche des alten ihren Fortgang nehmen würde, und es war ein besonders bedenkliches Zeichen, daß wiederum diese Schwäche durch häßliche Börsenmanöver genährt wurde. Die unsinnigsten Gerüchte, für die deutsche Wirischafts- führer herhalten mußten und die eine.3 Übelen politischen Beigeschmacks nicht entbehrten, führten zu Liefkursen. Umfo plötzlicher wirkte der Umschlag in der neuen Woche, und zwar waren es wieder haltlose Gerüchte, die ihn bewirkten. Sie kamen aber diesmal aus Amerika, und den Eingeweihten war es bald klar, daß es sich bei den amerikanischen Meldungen um Zweckmeldungen bandelte, die ober in ihrer Auswirkung auf die Dauer den deutschen Börsen kräftigen Rückhalt zu geben versprechen. Man beabsichtigt augenscheinlich, drüben das Interesse für deutsche Aktien zu wecken. Man sucht den amerikanischen Lesern die größeren deutschen Werte geläufig zu machen, darum behandelt man in der Presse die einzelnen Werke und den im Werden begriffenen Mvntantrust in ausführlicher und dem tatsächlichen Gang der Dinge vorgreifender Weise. Es ist auch nicht unbekannt geblieben, daß von feiten eines großen deutschen Bankinstitutes in den letzten Wochen unter der Hand große Posten deutscher Bank- und Montanaktien aufgekauft und nach Amerika weitergegeben worden sind. Einen besonderen Stimulans bietet aber die eben bekanntgewordene Gründung einer deutsch- amerikanischen Dank, die den Hauptzweck bat. deutsche Werte aufzunehmen und in Amerika zu vertreiben, nachdem erst vor kurzem ein ähnliches Institut mit amerikan.-schwedischem Gelde gegründet worden ist, wobei ebenfalls als eine der Ausgaben die Investierung von Kapitalien in deutschen Werten genannt worden ist. Es scheint also nunmehr das im 'en begriffen zu fein, was man schon längst als eine Hauptnotwendigkeit für eine Besserung ^er deutschen Bör- senverhältnisse erkannt hat, und man darf auch wohl sagen, daß die Reise des Reichsb rkdireltors Schacht sicherlich mittelbar dieser Bewegung den Boden geebnet hat. Die nächsten Auswirkungen an der Börse waren recht kräftige Kurserholungen auf der ganzen Linie unter Führung von Montanwerten, die seit dem ersten Börsentage des Jahres 10 Prozent und mehr gewinnen tonnten. Diese Besserung ist umso höher anzu- schlagen, als in der derzeitigen Wirtschaftslage sich noch keinerlei Besserung bemerkbar macht. 3m Gegent'il, die bekanntgewordenen Arbeitslosen- Ziffern zu Ende des Jahres, das außerordentliche Anwachsen der Geschäftszusammenbrüche lassen die ganze Größe der derzeitigen Wirtschaftskrise ermessen. Hinzu kommt, daß die Optimisten in der Beurteilung der Freigabefrage des deutschen Eigentums in Amerika wieder einmal gründlich enttäuscht worden sind, da nach den letzten Meldungen eine Erledigung dieser Angelegenheit in den nächsten Monaten noch nicht zu erwarten ist. Diese Tatsache hat aber nicht einmal vermocht, die Kurse berjenigen Werte, die in erster Linie von der Freigabe profitiert hätten, wesentlich zu drücken. Da sogar feit längerer Zeit wieder so etwas wie Pümi- tumskäufe festzuftellen waren, zeigt die Gesamtbörse zur Zeit eine Lebhaftigkeit, wie man sie seit Monaten nicht getonnt hat.
Die Entwicklung am Geldmarkt läßt daraus schließen, daß die Reichskank gewillt 3ft, ihr wiederholt gegebenes Versprechen, zu De» fiinn des neuen Jahres der Frage einer Disko n t e rm ä h i g u n g näherzutreten, schon recht Bald einzulösen. Die denkbar leichte ckleberwin- dung des Ultimo ist ihr hierbei behilflich. Ob aber allerdings, wenn die Belebung der Börse anhält, sich dies nicht am Geldmarkt infolge Absorbtion für Dörsenzwecke nach der Richtung einer Versteifung hin bemerkbar machen wird, bleibt noch abzuwarten. Doch ist ja schließlich die Ent- toidlung des Marktes für tägliches Geld nicht ohne weiteres maßgebend für die Bewegung der Kapitalzinsfühe. Der verhältnismäßig niedrige Satz von 8 Prozent für bankgirierte Warenwechsel läßt viel eher darauf schließen, daß eine Diskontermäßigung sehr wohl möglich ist. Der Status der Reichsbant zu Ende des Jahres zeigt
einen etwa um eine Milliarde Höheren Geldmittelumlauf, als zu Ende des Vorjahres. Es ist anzunehmen, daß die Reichsbank zunächst abwarten wird, in welchem Ausmaße die nächsten Wochen Rückflüsse bringen werden und inwieweit die Lockerung der Krediteinschrüntungen eine höhere Inanspruchnahme der Reichsbant mit sich bringt. Man darf daher wohl damit rechnen, daß die Reichsbank frühestens gegen Ende des Monats der Frage der Diskontermähigung naher tritt.
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* Wiederbelebung des deutschen Automobilmarktes. Von den Opelwerlen wird uns mitgeteilt: Die immer um die Jahreswende eintretenöe Geschäftsstille, die sich dieses Jahr infolge der allgemeinen Wirtschaftskrise noch stärker bemerkbar machte, haben die Opel- toerfe Rüsselsheim dazu benutzt, ihren Angestellten den ihnen zusteyenden Jahresurlaub jetzt schon zu gewähren, um die Fabrikation vorübergehend stillzulegen. Nachdem inzwischen größere Aufträge, vor allen Dingen aus dem Auslands, eingelaufen sind, werden die Opelwerke am kommenden Montag ihre Erzeugung wieder auf- nehmen. Natürlich wird der gewaltige Rüsselsheimer Fabrikapparat vorerst nicht wieder voll betätigt werden, da die inzwischen weiter durchgeführte Umstellung auf Massenfabrikation der Firma Opel jetzt schon eine Tagesleistung von über 200 Kraftwagen ermöglicht. Außerdem scheint die Depression auf dem Automobilmarkt nunmehr wieder abzuflauen und einer erfreulichen Wiederbelebung Platz zu machen.
' Sine Wein messe in Koblenz? Der Weinversteigerungsring der Untermosel steht mit der Stadt Koblenz in Verhandlungen wegen Errichtung einer Weinmesse. Auch die Frühjahrs- und Herbstversteigerungen sollen trotz der augenblicklich schlechten Verhältnisse beibehalten werden.
' Die Preußische Central-Boden« kredit-Aktiengesellschaft bietet Lproz. Gold-Pfandbriese und 8proz. Gold-Kommunal- Schuldverschreibungen an, die durch erste Fein- gold-Hyvotheken bzw. durch Feingold-Darlehne gedeckt find und bereits an der Börse amtlich notiert werden. Letzthin war der Kurs 84V» Prozent für die Pfandbriefe und 80 Prozent für die Schuldverschreibungen. Die Lieferung der Stücke, die mit Januar—Juli-Zinsscheinen versehen sind, erfolgt sofort. Eine Kündigung ist bis 1930 ausgeschlossen. Näheres in der heutigen Anzeige.
Berliner Börse.
(Eigener Drahtbericht des „Gießener Anzeigers".)
Berlin, 9. Jan. An der heutigen Börse setzte sich die Aufwärtsbewegung der letzten Tage zunächst nicht fort. Bei Beginn nahm die Spekulation vielmehr Gewinnrealisationen vor. die eine leichte Abschwächung des Kursniveaus zur Folge hatten. Allerdings blieben die Rückgänge in sehr engen Grenzen und standen in keinem Verhältnis zu den voraus- gegangenen Steigerungen der letzten Tage. Der Markt nn sich blieb durchaus freundlich gestimmt. Der neue starke Rückgang des französischen Frankens verstimmte etwas (Paris senkte sich gegen London auf 127), auf der anderen Seite stimulierte aber die Meldung, daß das Aktienkapital der amerikanischen 3 n - vestierungsgesellschaft sofort nach der Auflegung überzeichnet wurde. Auch die Erwartung einer Diskontermähigung von 1 Proz. für die nächste Woche rief einen günstigen Eindruck hervor. Der Geldmarkt ist weiter ftüssig. Tagesgeld 61 ? bis 8’.2 Proz. reicUich angeboten. Monatsgeld 81 bis 10' \ Proz. 2lm Devisenmarkt waren keine wesentlichen Veränderungen zu verzeichnen.
Frankfurter Börse.
(Eigener Drahtbericht des „Gießener Anzeiger-".)
Fran für t a.M., 9. 3an. Tendenz: Fest, dann leicht abgeschwächt. — Die heutige Wittagsbörse verkehrte bei Wochenschluh in nicht so fester Haltung wie an den Vortagen. Die Kurse gaben infolge von Realisationen durchschnittlich um 0,25 bis 0,50 Prozent nach. Die Umsahtätigkeit ist nach wie vor äußerst rege, der Grundton fest. Am Terminmarkt gingen Montanpapiere etwas zurück, ckuch Bankaktien brodelten leicht ab. Dagegen tonnten
Chemiewerte ihren gestrigen Stand behaupten und teilweise sogar noch um 0,5 bis 1 Prozent anziehen. Für Elektrowerte ist die Lage unverändert und die Kurse bewegten sich auf dem Niveau der geftrigen Abend- börfe, teilweise lagen sie eine Kleinigkeit fester. Ziemlich freundlich war die Haltung am Anleihemarkt, wo 5pro° zentige Rcichsanleihe mit 0,203 umgingen. Das Geschäft in Freiverkehrsaktien war, abgesehen von einigen Spezialwerten, für die etwas größere Nachfrage bestand, ruhig. Man hörte: Beckerstahl mit 25 Prozent, Deckeriohle 37 Proz., Growag 37 Proz.. Krügershall 65 Proz., Ufa 44,75 Proz., Unterfranken 51,5 Proz. Für Industrie-Aktien war die Lage ähnlich wie für Mvntan-Altien. 3m weiteren Verlaufe trat die zu Wochenende übliche Realisationsneigung stärker hervor und führte zu geringen Kurseinbußen«. Die Lage im internationalen Devisenverkehr ist unverändert. Am Geldmarkt hält das stärkere Angebot weiter an. Tagesgeld 6'/._> bis 8Vs Prozent. Monatsgeld 9 bis 11 Prozent je nach Adressen. Bankdiskonten 63/8 Prozent, Industrie-Akzepte 3,75 Prozent.
Börsenkurse.
(Ohne Gewähr.)
Frankfurt a.T?.
Berlin
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1-Uhr.
Schluß. ।
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_
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—
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Berliner Handelsgesellschaft
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--
Lommerz- und Privat-Bank
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Tarmst. und Nauonalbank
108,5
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Deutsche Bant. .....
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Deutsche BcrcinSbaiik ....
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—
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106.5*
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Mitteldeutsche Kreditbank
94 75’
—
94.7.3*
—
Testerreichilche Kreditanstalt
6.9*
—-
6,12
6.5
Weltbank ......
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—
—
—
Rod)inner Guß .......
70.5*
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68.5*
Buderus .........
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4 4
34 25*
Caro ...........
38,5
38.75*
38.5
Deutsch Luxemburg......
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68 75'
'»8.6*
67 9*
Gelsenkirchener Bergwerke.
73.25*
—
73.4*
71,75*
Harpencr Bergbau . .
Kaliwerke Aschersleben....
96..V
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9.) 75
98
99 25
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2 .5
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28.75
Laorabüttc . .......
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Phönix Bergbau . ......
Rheimtabl .......
66 75* -4.5*
65.9* 5i*
68*
54.76*
66.<5* 56*
74
45
72.5
TelluS Bergbau. .....
Hamburg-Amerika Paket. . .
Norddeutscher Llovd . . .
95.5*
95,5*
96,25*
95.5*
16.62*
96,5*
97 5*
Ckeramische Werke Albin . .
—
Zementwerk Heidelberg . .
I 68
i 67,5
—
—
Philipp Holzmann ....
1 17
1 -
46.75
—
Anglo Lont--Guano ....
—
72 25
Badische Anilin .......
Chemische Maver Alaptn . .
111.13
112.4
113,8*
—
Goldschmidt ......
56.5
56 63
56 5
ÄrieS etmer Electron ....
111.2
112*
Höchster Yardwerke......
Holzverkoblung........
111 2*
44
112 2*
112 1*
112 6*
Nülgersnnrke.........
55.5
—
55.75
_
__
Allg. Elektrizitäts-Gesellschaft
85.9*
—•
90*
89,25*
Bergmann .........
Mamkrartwerke .......
70’
71.5*
—
19.5
—
_
Schlickert .........
61.5*
_
64*
64,25* 77*
Siemen» <k HalSke ......
77 75*
—
78*
Ndlcrwerke Kieyer ......
27.5
28
17
27.25
Daimler Motoren. ......
24.5
24.5
25
—
Hryligenstaedk . ......
14,75
—
—
Meguin. . . . ..... Motorenwerke Mannheim
21
—
28
—
—
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—
—
Frankfurter Unnaturen . .
Konservenfabrik Braun • .
18
—
—
—
—
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Metallaesell'chaft Frankfurt.
Pet. Union N.-ltz.....
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50,75
—
51
—
Echulllabrik «er;......
20
—
—
—
Sichel . .........
1.9
—
1.5
—
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86 5
Zuckerfabrik Frankenthal . .
Zuckerfabrik Waghäusel . . .
41 75
45
_
44
—
Berliner Produktenbörse.
Berlin, 8. Jan. Im Einklang mit dem Weltmarktpreis zeigten auch die Berliner Produktenpreise für Brotgetreide s chwächere Tendenz. Die Nachfrage der Exporteure und Mühlen bleibt bestehen. Das Mehlgeschäft ist recht still. Im Zeit-
Pelzmärtel.
Ein Nürnberger Spielzeugroman.
Nach dem Italienischen der Teresah erzählt von Gustav W. Eberlein.
Copyright 1925 bh A. Scherl G. m.b.H., Berlin. 34. Fortsetzung. Nachdruck verboten.
Müden Flügelschlages flog er zu Bringglück. Die alte Störchin stützte sich schwer auf ihren lahmen Flügel und weinte. Was konnte man tun? Nichts ohne Pelzmärlel, rein nichts.
„Dann muh man eben diesen Pelzmärtel aufsuchen und es ihm einmal gehörig stecken", trotzte Blaublau auf.
„Such' ihn doch und steck' es ihm", lächelte Bringglück zwischen Weh und Spott. „Uebri- gens", setzte sie nach einer Weile ernst hinzu, „hättest du heule vielleicht Aussicht, ihn zu finden. An Weihnachten kann er nicht fern von Nürnberg sein. Er hat doch seine Verpflichtungen! An den Festtagen muß er in der Stadt sein, das verlangt fein Beruf."
Das hören und losfliegen, war für Blaublau eins. Er hatte ja schon, um der Gummckahe den Rang abzulaufen, dies und jenes auf eigene Faust versucht, aber nichts war ihm geglückt. Jetzt zeigte sich ein Ausweg, eine bestimmte Aufgabe lag vor ihm, jetzt hieß es alles daransetzen. Jede Sekunde war kostbar. Zunächst flog er dreimal um den 2ltauergürtel der Stadt, jeden Turmknauf beäugend, dann schlug er den Weg nach Süden ein, auf dem er Lu und Li gefunden hatte. Die weite, schneebedeckte Ebene erlaubte einen ungehinderten Rundblick, jeder Gegenstand hob sich scharf ab, schwarz auf weih. Nicht so sehr weit von der Pegnitz entfernt, vernahm er ein sonderbares Hundegebell. Zuerst schlug ein großer Hund an, ein Bernhardiner wohl, und dann antworteten klägliche bellende Laute, die nicht viel anders klangen als Fifis eingerostete Stimme. Neugierig hinzufliegend, sah Blaublau am Rande einer Wiese ein kleines Männchen sitzen, das einen Pelzmantel trug und ein Tannenbäumchen im Arm hotte. Neben ihm stand dec Bernhardiner, aber andere Hunde waren weit und breit nicht zu sehen.
Komisch, dachte Blaublau, was hat das zu bedeuten? Er hüpfte näher und — — wäre vor Freude, Schreck und Ehrfurcht beinahe umgefallen: Pelzmärtel!
„Was tust du denn da?" fuhr ihn Seine Mächtigkeit unwirsch an.
„Ich — ich weih nicht —", stammelte Bläublau.
Pelzmärtel lachte ein hilfloses Lachen. Er fühlte sich dem Zwitschervogel nichts weniger als überlegen, er kam sich so dumm und unbeholfen vor wie ein Mensch. Am liebsten hätte er den Nürnberger Trichter gebeten, sich ein bißchen seiner anzunehmen ...
„Da, seh' dich her zu mir" sagte er bescheiden und fing an, fein Herz auszufchütten.
„Ich bin am Ende meiner Weisheit. Monatelang habe ich gesucht, die Kreuz und Quer, nach dem Zauberbuch, nach der verdammten Hexe Alcina. nach dem Zauberkreis, es war alles vergebens. Der Siebenschelm, dieser Lausebengel, wußte die Stelle nicht mehr. Ich habe ihn mit Prügel davongejagt, ich habe sogar die Dummheit begangen, der Fata Morgana den Krieg -zu erklären, nur, um sie andern Tags demütig um Frieden zu bitten, weil sie ja doch viel weniger schuld an allem ist als" — hier biß sich Pelzmärtel kräftig auf die Zunge — „Endlich, endlich finde ich gestern abend die verzauberte Stelle —■"
„Wo ist sie?" fiel Blaublau in atemloser Spannung ein.
„Hier", sagte Pelzmärtel und deutete auf die Wiese, an deren Rand sie sahen. „Mein Bernhardiner — ich muh mich verbessern — hat sie aufgespürt."
Als ob er es verstanden hätte, wedelte der Hund stolz mit dem Schwanz und sprang bellend an seinem Herrn hinauf. Sofort antworteten klägliche feine Hundestimmen.
„Hörst du's? Das sind die drei Hunde, die Alcina zu verhexen vergaß. Sie können noch Laut geben, wollen aber ihre Herren nicht verlassen. Nun bin ich unglücklicher als zuvor: denn ich weih jetzt zwar ungefähr, wo die armen Kinder und ihre Gefährten sind, kenne aber das Zauberwort nicht, um sie zu erlösen. Wenn ich bis heute abend nicht, tote ich cs versprochen
habe, die Kreuzfahrer zurückbringe, bin ich ein verlorener Mann."
„Nur nicht verzweifeln," sagte Blaublau, „ich habe einen Gedanken."
„Der wird danach sein!"
„Er ist mir beim Fliegen gekommen, als ich die Entfernung vom Lorenzex Kirchturm zu den Hügeln dort drüben abmah. Ich wohne nämlich beim Türmer droben, muht du wissen, dicht bei den Glocken. Hinter der berühmten Silberglocke, der Jahrhundertglocke, der Jubelglocke Lachund- fing.“
„Du hast gut lachen", brummte Pelzmärtel, der nicht recht zugehört hatte, zerstreut.
Blaublau lieh sich nicht aus der Fassung bringen.
„Pelzmärtel," Hub er wieder an, „wie weit können eigentlich Glocken klingen? Arg weit?"
„Mitunter", antwortete Pelzmärtel. in Gedanken verloren. „Die Heimatglocken klingen über Meere hinweg."
„Es muh ein eigener Zauber in ihnen liegen.“ „Der Heimatzauber ist der stärkste Zauber." „Dann — bann,“ stieh Dlaublau hervor, der vor Aufregung zerbrechen zu müssen glaubte wie Porllan, „dann ist er also auch stärker als —“
„Als----"
Pelzmärtel fiel es wie Schuppen von den Augen. Er schlug sich mit der flachen Hand vor die Stirne, daß es klatschte, schnellte auf, warf seine Pelzmütze in die Luft und drehte sich unter ihr wie ein Kreisel, bevor er sie auffing.
„Ich hab's, ich hab's!"
Blaublau war verdutzt. Er war doch auf den Gedanken gekommen, nicht der Pelzmärtel. Aber das war jetzt nebensächlich, jetzt galt es zu handeln.
„Dring' deine Silberglocke zum Läuten, deine Heimatglocke! Sie werden sie hören, sie müssen sie hören, sie werden erwachen!"
Damit zog Pelzmärtel einen riesigen Schlüssel aus der Tasche seines Pelzmantels und pfiff daraus. Es war der Schlüssel zu dem unterirdischen (Sang, und auf den Pfiff kam der Bernhardiner, der auf der Wiese nach seinen unsichtbaren Genossen suchte, herbeigesprungen.
„Läute du, ich muh die Spielsachen aufwecken. Jede Sekunde ist kostbar!"
gcschäfi verloren im Jrühjahrsmonare: Weizen je 3 Mart, Roggen per März 3 Mark schwächer, per Mai nur 0,50 Mark niedriger. Hafer und Gerste niedriger, Futterartikel meist schwächer. Es wurden notiert: Weizen, märkischer, 248 bis 254, Weizen, pommerscher, 248 bis 254, März 273,5 bis 274, Mai 278,5 bis 279; Roggen, märkischer, 147 bis 154, Roggen, pommerscher, 146 bis 153, März 177,5 bis 179, Mai 188 bis 189,5; Gerste, märkische 187 bis 214; Futtergerste 156 bis 170; Hafer, märkischer, 162 bis 173, März 184, Mai 189; Weizenmehl 33 bis 36,5; Noggenmehl 22,25 bis 24,50; Weizenkleie 11,30 bis 11,50; Roggenkleie 9,75 bis 10,25; Raps 340 bis 350; Viktoriaerbsen 26 bis 33; kleine Speiseerbsen 22 bis 25; Futtererbsen 20 bis 22; Peluschken 18 bis 19; Ackerbohnen 20 bis 22; Wicken 20 bis 23; Lupinen, blau, 12 bis 12,5; Lupinen, gelb, 14 bis 15; Serradelle 17 bis 19; Rapskuchen 15,25 bis 15,5; Leinkuchen 23,60 bis 23,80; Trockenschnitzel 8,10 bis 8,30; Torfmelasse 8,20 bis 8,40; Kartoffelflocken 14,90 bis 15,40; Soyaschrot 20,60 bis 20,70 Mk.
Devisenmarkt Berlin—Frankfurt a. M. Telegraphische Ausza h^u^g. (Ohne Gewähr.)
Banknoten.
(Ohne Gewahr.)
8 Jan.
9. Jan.
Amtliche 'Jtoti rung
Amtliche Notierung
b'elb
Briet
Geld
Brief
Amtt.-lliou
I68.6i
169,08
168.6'
169,08
Guen.-Aires
1.7.47
1,741
1.738
1.42
19.00
Brss.-Antw
19 035
19,075
19,02
Christiania.
85.51
85,73
85,43
85,62
Kopenhagen
lu-1.51
104.67
104,4'4
101,68
Stockholm
«12,39
112,67
112, 6
112,54
Helllngfors
10 65
10,59
lO.fiati
10,696
Italien. .
16.945
16,985
16,935
16,975
London.
W.349
40.391
20,351
xO.401
Vceunort .
4.195
4,205
4,195
4,205
Paris. . .
16 19
it.23
16,01
16,05
Schwei; .
81 04
81.24
81.02
81,22
Spanien ■
59.28
69,42
59,43
69.57
Japan . . .
1.827
1,831
.830
1,814
'Tiio be Ian Wien inD.-
i) 617
-.619
0.614
0,616
Ceft. abgest
59.10
59,24
59.07
59,21
Prag ....
12,418
12,458
12.4)5
12.455
Belgrad . .
7.425
7,445
7.42
7.44
Budapest. .
1.871
o,891
5,871
5,891
Bull arten
2,975
2.985
2.9.5
7.976
Lissabon
41 305
21,355
80.90
2,245
21.305
21,855
Danna • Konst, ntin.
80 70
2,235
80,65
i,23
80.86
2.24
Athen
5 59
5.61
5.59
5.f>l
Kanada. .
4 19
4,20
4-19
4,20
Uruguay . .
4.305
4.315
4,305
4,315
Berlin, 8 Jan
(Selb
Brie'
Amerikanische Vioiei.....
.196
4.216
Belgische Noten .......
18 9.5
19 05
Dänische Noten .......
10.1,71
10,21
Englische Noten........
20,312
20,412
Framösische Noten ......
16,11
tb 19
Holländische Noten ....
168.28
164.12
Italienische Noten ......
16 9
17 03
Norwegische Noten . ...
85.06
85 48
Demsch-Ocsterr-, ä ioo Kronen
A8.9.5
59.25
Rumänische Noten......
—
Schwedische Noten......
112,11
11X.7O
Schweizer Noten.......
81,00
81.40 .
Spanische Noten ......
5'1.03
59 33
ItocMorooiiäc Noten ..
13.392
12 452
Ungarische Noten.......
5,83
5,87
Aus dem Amtsverkündigungsblatt.
** Das Amtsoerkündigungsblatt 'Jl r. 3 vom 8. Januar enthält: Die karnevalistischen Veranstaltungen. — Bildung einer Wassergenossenschaft in der Gemirkung Burkhardsfelden. — Benutzung von Leichen zu wissenschaftlichen Zwecken. — Sprungregister. — Maul- und Klauenseuche in Lich, Allendorf a. d. Lda. und Friedelhausen. — Beitreibung der Gemeindegefälle. — Arbeiten der Historischen Kommission. — „Einfache Buchführung in gewerblichen Fortbildungsschulen. — Dienstnachrichten.
Sonntagsdienst d.Aerzte u.Apotheken am 10.1/26 &rL Dr. Gürtler. Dr- Wolf. Engelapoiheke. Zahnarzt: Dr. Wertheim. ’D
Neuavottolifckic Gemeinde, Ederstrake 13.
Gottesoienste: Sonnina nachm. 3'> nbb8.81/» U6r, Mittwoch abixSUbr. - Gäste herzt, willkommen.
Wtirum frankierst Du nicht mit
Wohlfahrtsbriefmarken
für die Deutsche Nothilfe. *7ss
Er nahm sich, gar nicht erst die Mühe, den Schlitten anzuspannen, sondern schwang sich auf den Bernhardiner und galoppierte davon.
„Läuten hat er gesagt, aber nicht w i e!" brummte Blaublau etwas geringschätzig hinter ihm her. Doch es war keine Zeit zu verlieren, der Weihnachtsabend stand vor der Türe, es würde sich schon eine Möglichkeit finden.
Sein erster Flug war zu Fifi, die sich ihm ohne weiteres zur Verfügung stellte. Dann weckte er Lu und Li, die schon bei dem Gedanken, der böse Zauber könne durch einen stärkeren gebrochen werden, ihre Kräfte zurückkehren fühlten und ihr möglichstes zu tun versprachen, wenn ihnen auch das Aufrütteln der Silberglocke bange machte, und zuletzt unterbreitete er feinen Plan Bringglück. Wenn alle fünf sich an den Glockenschwengel hingen und ihn mit aller Kraft her- unterdrückten, dann würde die Jahrhundertglocke zu läuten anheben, dann würden alle anderen Nürnberger Glocken einfallen, dann würde es weit hinausdröhnen ins Land ...
Ja, so würde es gehen.
Mit einem Heroismus ohnegleichen schleppte sich Dringglück über die Dächer, und ein gütiger Himmel hatte Erbarmen, so daß sie auch die Höhe des Kirchturms erreichen konnte. Halb im Freien hängend, drückte sie auf das äußerste Ende des Glockenschwengels, und nur ihrem Gewicht war es zu verdanken, wenn sich die Glocke bewegte und der Klöppel anschlug:
Bimmm —
Jetzt ließen alle gleichzeitig los, die Glocke pendelte zurück:
Bammm —
Unb nun: Bim — bam, bim — bam, — bim — bam ...
Einmal in Bewegung, läutete die Glocke von selber sort, läutete Sturm. Sie war ja keine Sturmglocke, sie war dazu ausersehen, die 2tten» schen zum Feste zu rufen, aber nun, außerhalb der Zeit angezogen, noch ehe das Jahrhundert um war, begriff sie, daß es heute Größeres galt, daß sie Lärm schlagen, das Volk in Scharen herbeiziehen und eine Mission erfüllen muhte, wie sie noch selten einer Glocke beschieden war.
(Fortsetzung folgt.)


