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Nr. 7 Drittes Blatt

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Litauische Bilder.

Don unserem ?-Korrespondenten.

(Nachdruck verboten.)

Kowno-Kaunas, Anfang Januar.

Don Königsberg geht es durch die doppelte Paß- und Zollrevision von Eydtkuhnen und Wir- ballen nach Litauen hinein, das genau wie die beiden anderen baltischen Randstaaten Lettland und Estland dem Zusammenbruch zweier Weltreiche Deutschland und Rußland seine staatliche Selb­ständigkeit verdankt. Das heutige Litauen oder wie es litauisch heißt, Lietuwa, ist eine demo­kratische Volksrepublik, die fast 75 OOO Quadratkilometer groß ist und etwas über zwei Millionen Einwohner zählt. Die ersten Jahre der jungen Republik waren von Kriegen mit Rußland und Polen erfüllt und drohten mehrfach die neu­erworbene Selbständigkeit des Landes zu gefähr­den. Auch die häufigen kommunistischen Aufstände sowie der Streit mit Polen um die alte litauische Hauptstadt Wilna trugen ein starkes Moment der Unruhe ins Land, um so mehr als Polen an ein* Rückgabe Wilnas nicht denkt.

So ist K o w n o, oder wie es litauisch heißt, Kaum.as heute die provisorische Hauptstadt der Republik Litauen. Wer Kowno-Kaunas aus der Zeit der deutschen Besetzung kennt, wird es heute kaum wieder erkennen. Aus der alten russischen Gouvernementsstadt, in der während des Krieges das Oberkommando Ost lag, ist heute die Metro­pole eines neuen Staates geworden, die in vielem ein völlig verändertes Stadtbild zeigt. Wohl ist die malerische Umgebung Kownos an den Ufern der Memel ebenso geblieben wie der allseitig als Pro­menade geschätzte Ditautaspark, sonst aber sind bedeutende Veränderungen eingetreten, die durch die Erhebung Kownos zur Landeshauptstadt nötig wurden. Das Straßenbild ist eine Mischung zwi­schen West- und Osteuropa bei deutlichem deutschen Einfluß, und entspricht durchaus dem Charakter Li­tauens als Durchgangsland. Die alten russischen Droschken besorgen noch imer den Hauptteil des Verkehrs, nur ist ihnen neuerdings in dem Auto- omnibus eine gefährliche Konkurrenz erwachsen, die aber noch stark von den schlechten Wegeverhält­nissen in ihrer Entwicklung gehemmt wird. Das Leben in Kowno ist ein durchaus modernes, es gibt gute Gasthäuser, Theater, Kinos und sogar ein Kabarett, in dem man entsprechend der Vielsprachig­keit des Landes deutsche, russische und litauische Lie­der und Witze zu hören bekommt. Erstaunlich schnell ist in Litauen alles Russische abgestreift wor­den. Besonders die litauische Sprache, die unter der russischen Herrschaft verboten war, hat einen gewal­tigen Aufschwung genommen und ist heute die all­gemeine Amts- und Verkehrssprache, die auch auf allen Firmenschildern zu finden ist, so daß das Russische so gut wie ganz ausgemerzt ist. Auch der größte Teil der Presse, so daß offizielle Regierungs­blattLietuwa" ist litauisch geschrieben. Auch in den Schulen und der litauischen Landesuniversität Kowno wird ausschließlich in litauischer Sprache gelesen. Für den Ausländer ist Litauisch sehr schwer zu erlernen und auch durchaus nicht nötig, da man mit Deutsch und Russisch allgemein durchkommen kann, trotzdem litauische Sprachkenntnisse beim Verkehr mit offiziellen Stellen sehr erwünscht sind.

Der deutsche Einfluß ist in Litauen be­sonders auf kulturellem Gebiet sehr deutlich zu verspüren, man merkt häufig, daß Königs­berg nur ein paar Stunden entfernt ist. Die Zahl der in Litauen lebenden Deutschen wird auf zirka 30 000 geschätzt, wobei Kowno selbst eine deutsche Kolonie von über 2500 Seelen aufzuweisen hat. Im Gegensatz zum deutschen Element in Lettland und Estland, das die kulturell höchststehende Oberschicht des Landes darstellt, sind die Deutschen Litauens zu­meist Nachkommen von Gewerbetreibenden, Kauf­leuten und Arbeitern aus Ostpreußen. Die in Kowno-Kaunas in deutscher Sprache erscheinende Litauische Rundschau" ist eine der wesentlichsten Stützen des Deutschtums in Litauen und hat sich bedeutende Verdienste um die Erhaltung des Deutschtums erworben.

Die Hauptstraße Kownos ist die heute sog. L a i s s > A l e j a , d. h. Freiheitsallee auf der nach der neusten Mode gekleidete Eleganz, die in keiner Weise hinter Westeuropa zurücksteht, ihre Nachmittagspromenade macht, umzu sehen und gesehen zu werden". Die heutige Freiheitsallee ist eine jener unglücklichen Straßen, die unter den wechselnden Launen der Politik mehrfach ihren Namen haben ändern müssen. Zur Zeit der deut­schen Besetzung hieß sie Kaiser-Wilhelm-Allee und ist unter diesem Namen jedem deutschen Sonaten, der Kowno kannte, in angenehmer Erinnerung. Auch dieser Name war kein ursprünglicher; zur Russenzeit hieß sie Nikolajewski-Prospekt.

Die Volkswirtschaft ß i t a u e n 5 Jft da­durch charakterisiert, daß der wirtschaftliche Schwer­punkt auf dem flachen Lande liegt: Litauen ist Üeber die Bedeutung der kurzen Wellen

für die drahtlose Telegraphie und Telephonie.

Nach einem Dortrage

von Dr. Ludwig Bergmann, Marburg, gehalten im Physikalischen Institut der Universität.

Die Tatsache, daß es unter Benutzung von kur­zen elektrischen Wellen mit einem Energieaufwand von wenigen Watt (etwa dem Verbrauch einer ge­wöhnlichen elektrischen Birne) gelingt, die Entfer­nung EuropaAmerika, ja EuropaAustralien zu überbrücken, diese Tatsache rechtfertigt allein schon den Dortrag, muß es doch jeden gebildeten Men­schen, ganz besonders natürlich jeden Funkfreund, auf das höchste interessieren, Näheres darüber zu hören, wie das auf den ersten Blick unmöglich Scheinende zu erklären ist.

Werden doch von unseren drahtlosen Sender­stationen, z. B. Nauen, zu einem betriebssicheren kommerziellen Verkehr mit Uebersee bis zu 500 Kilowatt benötigt, eine Energiemenge, die mehr als 10 OOOmül so groß ist als die, mit der von ameri­kanischen Funkfreunden zum erstenmal der Ozean überbrückt werde.

Die kurzen Wellen und ihre ganz unwahrschein­lichen Erfolge sind ein gerade klassisches Beispiel dafür, wie ein gewaltiger Ruck nach vorwärts in der Entwicklung irgendeiner Technik nicht durch irgendeine ausgefallene und vollständig neue Idee, sondern gerade dadurch hervorgerufen wird, daß man unter dem Druck einer zwingenden Notwendig­keit auf etwas zurückgreift, das längst als überholt galt, und dem jeder Fachmann auch nicht die ge-

Gießener Anzeiger (General-

in vorwiegend agrarisch e i n g e st e 11 - les Land, dessen Bevölkerung zu fast 70 Proz. auf dem flachen Lande lebt. Hier liegen auch die Hauptstützen des Litauertums, da die Landbevölke­rung meist litauisch ist und nur Adel und Grund­besitz polnisch waren. Durch das Agrarreformgesetz, das die Aufteilung aller Besitzungen über 80 Proz. anordnet, ist diese Oberschicht ihrer Stellung be­raubt, so daß sich heute über die Hälfte des Landes in kleinbäuerlichem Besitz befindet. Hier auf dem Lande ruhen die Hauptstützen des neuen Staates. Gme eigene Indu st r i e ist trotz der Bemühun­gen der Regierung, eine solche zu schaffen nur in fel)r bescheidenem Umfange vorhanden und da Mi­neralschätze fast völlig fehlen, sind auch die indu- ftnellen Aussichten Litauens nur unbedeutend Desto g ü n ft i g e r sind die Handelsaussich- t e n, die schon durch die günstige geographische Lage Litauens zwischen Mittel- und Osteuropa eine starke natürliche Förderung erhalten. Bei geschicktem und klugen Ausbau dieser seiner günstigen Handels­lage könnte Litauen berufen fein, das Bindeglied zwischen Deutschland und Rußland zu werden, denen unter den gegenwärtigen Verhältnissen eine gemeinsame Landesgrenze fehlt. Da aber Litauen durch den bekannten Handstreich des polnischen Generals Zeligowski seine alte historische Hauptstadt Wilna verloren hat, ist es einstweilen von einem direkten Verkehr mit Rpß- land über die eigenen Landesgrenzen abqeschnit- ten; der Transithandel geht daher über Lettland nach Rußland.

Die Lage des litauischen Außenhan­dels entspricht der vorwiegend agrarischen Einstel­lung des Landes, indem die hauptsächlichsten Aus­fuhrartikel landwirtschaftlichen Charakters sind, so Getreide und sonstige Nahrungsmittel, die fast 50 Prozent des Exportes ansmachen. Den eigentlichen Reichtum des Landes bilden die ausgedehnten Wäl­der, die 20 Proz. der Gesamtfläche Litauens aus­machen und schon seit altersher im Holzhandel und der Holzindustrie eine bedeutende Erwerbsquelle des Landes geschaffen haben. Die wichtigsten Aus­fuhrartikel sind demnach neben den landwirtschaft­lichen Erzeugnissen wie Getreide, Flachs, Sprit, vor allem Holz und Felle. In der litauischen Ausfuhr steht Deutschland mit fast 50 Proz. an c rft e r Stelle der ausländischen Abnehmer Litauens. In den Ziffern des Waren­imports kommt diese wirtschaftliche Ver­bundenheit beider Länder noch wesent­lich deutlicher zum Ausdruck, indem 7080 Proz. des litauischen Imports aus Deutschland stammt. Diese wirtschaftlichen Beziehungen Deutschlands und Litauens haben auch auf politischem Gebiet ihre Wirkungen nicht verfehlt, indem Litauen, das nach Beendigung des Weltkrieges durchaus entente- freundlich war und feine Handelsbeziehungen vor­wiegend nach dieser Richtung zu erweitern strebte, mittlerweile eine Schwenkung vorgenommen hat und mit Deutschland in ein vernünftiges und ruhiges Verhältnis zu kommen wünscht, um so mehr als der Streit um Wilna eine tiefe Kluft zwischen dem ententefreundlichen Polen und Li­tauen heroorgerufen hat, der nicht eher zur Ruhe kommen wird bis die alte litauische Residenzstadt Wilna wieder litauisch geworden sein wird.

Hieraus erklärt sich die gegenwärtige politische Stellung Litauens in Osteuropa, die durch den Gegensatz zu Polen eine Annäherung an Deutschland und Rußland gebracht hat. Aus diesem Grunde hat sich Litauen auch gegenüber der Bil­dung eines baltischen Randstaatenbun- d e s, wie ihn Polen mit der Spitze gegen Deutsch­land und Rußland erstrebt, bisher ablehnend verhalten. Wie mir von führender politischer Seite mitgeteilt wird, würde diese Stellungnahme Litauens auch nach einer etwa erfolgten Rückgabe des ge­raubten Wilnas von Seiten Polens keine Aende- rung erfahren, da Litauen nicht geneigt ist, die un­mögliche Ostgrenze Polens gegenüber Rußland zu garantieren ober gar zu verteidigen, was als Grundlage eines baltischen Staatenbundes unter Polens Leitung anzusehen wäre. Man ist hier viel­mehr der Ansicht, Litauen zu dem natürlichen V e r b i n d u n g s l a n d e zwischen Deutsch­land und Rußland zu mach- ., anstatt sich zu polnisch-französischen Zielen einer baltischen Ein­heitsfront gegen Rußland und Deutschland miß­brauchen zu lassen. Der russische Außenminister Tschitscherin hat, als er am 23. Dezember auf feiner Heimreise aus Deutschland auch Kowno berührte, Rußlands Stellung zu einem derartigen Zusammenschluß der Randstaaten erläutert, indem er sagte:Dem Verband baltischer Staaten steht Rußland nur bann freunblich gegenüber, wenn er die friedliche, ökonomische und politische Entwick­lung der baltischen Staaten bezweckt". Weiterhin äußerte er gelegentlich des Presseempfanges in Kowno:Ich bin sehr zufrieden, daß ich als erster Vertreter der Regierung, die die russische Föderation geschaffen hat, die Möglichkeit habe, den litauischen Staat zu begrüßen und ich versichere Litauen un­sere' unbedingten Freundschaft."

ringste praktische. Bedeutung mehr zugesprochen hätte.

Die kurzen Wellen sind nämlich nicht erst eine Errungenschaft der letzten Jahre, sondern sie stan- -den bereits an der Wiege der Funktechnik; sie waren es, mit denen zuerst Versuche gemacht wurden, jene berühmten Hertzschen Versuche, auf die letzten En­des alle unsere Fortschritte in der drahtlosen Nach­richtenübermittlung zurückgehen.

Damals waren jedoch die kurzen Wellen für die Zwecke der Nachrichtenübermittlung nicht zu ge­brauchen. Die Entwicklung, die stets größere Reich­weiten anstrebte, brachte zwangsläufig immer län­gere Wellen, bis sich der ganze Verkehr, besonders der Ueberseeverkehr, auf Wellen von vielen Kilo­metern Länge abspielte. Erst die immer größere Sta­tionsdichte, die immer mehr wachsende Zahl von Rundfunksendern nötigte wieder zu Versuchen mit kurzen Wellen, um die Störungen der dicht bei­einanderliegenden Sender zu vermindern.

Dabei standen natürlich ganz andere Hilfsmittel sowohl in der Sende- als auch in der Empfangs­technik zur Verfügung als von 30 Jahren, so daß es jetzt möglich war, Erfolge zu erzielen, die zuerst nur ein ungläubiges Kopsschutteln aller Fachleute hervorriefen

Diese Erfolge der Kurzwellentechnik haben meh­rere Ursachen. Einmal wird die vom Sender auf die Sendeantenne geschickte Energiemende bei den kur­zen Wellen ganz anders ausgenützt, d. h., es wird hierbei ein viel höherer Prozentsatz der aufge- wandten Primärenergie wirtlich ausgestrahlt, als es bei den im Ueberseeverkehr seither üblichen Wellen von 10 bis 20 Kilometer Länge möglich war. An­dererseits spielt die Art der Ausbreitung der Wellen eine ausschlaggebende Rolle. Die langen Wellen

Anzeiger für Oberhessen)

Will man über die innen- und außenpolitische Lage Litauens ein Urteil abgeben, so kann man agen, datz die politischen und sozialen Derhältniffe de: weitem die lonfolibicrtcftcn unter allen balli- loicn Randstaaten sind. Nur hinsichtlich des S t r e "v- tes um Wilna, in dem Lilauen uner - bitterlich auf seinem R e ch t b e st e h t, stnd außenpolitische Difserenzer., an denen Deutsch- lanö aber nur inbirett interessiert sein kann, uoi- banben. Die Neuorientierung der litauischen Außen­politik hinsichtlich eines freundschaftlichen Verhält- mflen zu Rußland und Deutschland entspricht durch- aus den Lebensnotwendigkeilen des Landes, dessen politisch-wirtschaftliche Aufgabe vornehmlich darin ^" suchen ist, nicht trennend zwischen Deutschland unö ^!^ond zu treten, sondern die Beziehungen "och Möglichkeit zu erleichtern und zu intensivieren.

Ueber die Aussichten der wirtschast- chs "Lage kursieren hier sehr pessimistische Urteile, tue aber wohl nur zum geringsten Teile 311 treff en. Tatsache ist, daß die diesjährige Ernte Litauens für den Eigenbedarf nicht ausreicht und man nicht unbeträchtlich^ Mengen an Hafer unö Kartoffeln einführen muß. Die durch diese Lage drohende Passivität der Handels­bilanz dürfte kaum durch die sich sonst gut ent­wickelnde Ausfuhr von Butter und sonstigen land­wirtschaftlichen Produkten ausgeglichen werden. Die Regierung hat angesichts dieser drohenden Passi­vität des Außenhandels zu Krediterschwerungen für den Import und zu besonderen Begünstigungs­maßnahmen den Export gegriffen, ohne daß diese Maßnahmen von bedeutendem Erfolge gewesen sind. Alles in allem ist die allgemeine Wirt­schaftslage hier durchaus schwierig, rechtfertigt aber in keiner Weise irgendwelche Be­fürchtungen, so daß von einer Wirtschaftskrise bei weitem nicht gesprochen werden kann.

Vollshalle und verkehrsMrbung

Wer sich die Konsequenzen des Volkshallebaues in gründlicher Lleber- legung vergegenwärtigt, wird zu dem Ergebnis kommen, daß dieses Unternehmen weitgehenden bestimmenden Cinsluh auf die Verkehrs­werbearbeit unserer Stadt ausüben m u ß. Der Vau ist trotz der großen privaten Anteilscheinzeichnungeii doch nur durch die tat- frohe und auch materiell sehr großzügige Mit­wirkung der Stadt erstanden. Es war be­kanntlich nicht einfach, die Beteiligung der Stadt an diesem -Unternehmen gegen den Widerstand eines erheblichen Teiles der Bürgerschaft zu er­reichen. Daß die städtischen Körperschaften von 1925 dennoch sich entschlossen, bei der Umsetzung des großen Gedankens in die Tat weitgehend mitzuwirken, bleibt ihr Verdienst auch dann, wenn uns die Volkshcrlle noch einige kommunal­politische Kopfschmerzen verursachen sollte. Denn diese Tat ist nicht aus dem Gedanken von heute auf morgen geboren, sondern aus Erwägungen entstanden, die der Entwicklung unserer Stadt um Jahrzehnte vorausschreiten. Von diesen Ueber-- legungen geleitet, haben wir den Dau nachdrück­lich befürwortet, uiü> wir werden seine Weiter- entwicklüng auch fernerhin zu fördern suchen, weil wir der Ansicht sind, daß eine aufwärts­strebende Stadt den Mut haben muß, selbst in trüben Zeiten kühne Ideen und energisch zu­packende Entschlußkraft nicht unter enge Ge­sichtspunkte verschütten zu lassen.

Runmehr ist die Pflicht zu erfüllen, für die Rentabilität dieses Baues zu sorgen. Wenn es sich bei der Volkshalle um ein privates Unter­nehmen handelte, könnte man dem Volkshalle- verein die Sorge für die Wirtschaftlichkeit der Schöpfung allein überlassen, da aber die Stadt die Seele des ganzen Vereins ist und sie unter allen Bedingungen für die Halle eintreten muh, ist ,es Aufgabe der Kommunalpolitik und der öffentlichen Kritik, über Mittel und Wege zum Gedeihen des Volkshalleunternehmens nachzu­denken und alle Vorschläge nach dieser Richtung hin sorgfältig zu prüfen. Gelegentlich hört man in der Bürgerschaft die Meinung, der Dolkshalle- bau werde ein Schmerzenskind für'bie Stadt wer­den. Wir haben in unserem ArtikelGießen an der Jahreswende 1925/26 in der Silvester­nummer vom 31. Dezember v. I. den Sah ge­schrieben:Der Volkshallebau wird unseren Stadthaushalt belasten, wenn wenig oder gar nichts geschieht in der Werbung zu seiner häu­figen Benutzung, er wird aber sicherlich keine Last werben, wenn es durch energische Werbearbeit gelingt, alljährlich öfter große Veranstaltungen aus dem Reiche h'erher zu bringen. 3n diesen Worten ist kurz formuliert, was unsere Stadt braucht: großzügige Verkehrswer­bung. Wird diese zur Tat, dann besteht zwe 'el- los gute Aussicht, daß die Dolkshalle kein Schmerzenskind wirb und daß auch unsere Ge­schäftswelt in der Herbeiziehung auswärtiger

pflanzen sich vorzugsweise nur längs der Erdober­fläche fort und werden dabei sehr stark geschwächt, so daß bei größeren Entfernungen zwischen Sender und Empfänger nur bei sehr großem Energieauf­wand noch eine Ausnahme stattfindet. Die ganz kurzen Wellen werden vorzugsweise in den Raum hinaus ausgestrahlt. Ihre Fortpflanzungsrichtung bildet also einen mehr oder minder steilen Winkel mit der Erdoberfläche. Bei den Wellen des Rund­funkgebietes dagegen finden sich nach der jetzt meist vertretenen Anschauung beide Arten der Aus­strahlung. /

Die Raumstrahlung ist ausgezeichnet durch außer­ordentliche geringe Verluste im Medium zwischen Sender und Empfänger. Nur erscheint es etwas merkwürdig, wie nun diese in den Raum hinaus ausgestrahlten Wellenzüge ihren Weg zu einem Empfänger finden sollen, der vielleicht auf der an­deren Seite der Erdkugel, am Gegenpol, aufgestellt ist, wissen wir doch von den Lichtstrahlen, mit denen die elektrischen Wellen ja durchaus wesensgleich sind, daß sie sich nur geradlinig ausbreifen. Zur Erklä­rung der den allgemeinen Anschauungen von der gradlinigen Fortpflanzung widersprechenden Er­scheinungen nimmt man in großer Hohe eine elek­trisch leitende Luftschicht an, die die elektrischen Wel­len, ähnlich wie ein Spiegel die Lichtstrahlen, reflek­tieren soll. So ist es natürlich denkbar, wenn nötig unter Zuhilfenahme wiederholter Reflexionen, daß die Wellen rund um die Erde gelangen tonnen. Da­mit stimmt auch gut die Tatsache überein, daß in der Nähe eines Kurzwellensenders die Leuchtstärke meist geringer ist als in größerer Entfernung, weil in der Nähe eine ganz geringe Oberslächenleitung vorhanden ist, und die reflektierte Raumwelle erst in einiger Entfernung die Erdoberfläche treffen ituui.

9. Januar 1926 nwtmit iiim in n> ij

Kaufkraft Vorteile findet, die sich bann für die Stadt selbst wieder in den Steuerregistern be­merkbar machen dürsten.

Im Laufe des vergangenen Halbjahres haben wir in mehreren Artikeln u. -a. zum Ausdruck gebracht, daß die erfolgversprechende E.le igung einer großzügigen Derkehrswerbearbeit rächt nebenberuflich und ehrenamtlich von Vorstands- mitgliebcm d"s VerkehrsvereinZ besorgt werden kann. Heute liegen die Dinge so, daß die Fülle der Kleinarbeit vom Vorstand des Ver­kehrsvereins nur unter größten Anstrengungen knapp bewältigt werden kann, daß besonders mit dieser Arbeit belastete Herren stark amts­müde sind und sich mit Rücktrittsabsichten tragen, weiteste nach der beruflichen Inanspruchnahme des Tages in den Abend- u;tj Rächt stunden nicjt auch noch diese Ausgaben so glitt und pünlstlich erledigen können, wie die eoache es erfordert, chnd daß große Werbepläne von dem Ver­ein u b e r h a u p t nicht d u r ch g e f ü h r t wer­den können. Das sind Zustände, die einfach un­haltbar sind. Deshalb Haden wir auch schon frü­her gefordert, die S t a d t selbst solle die Er­füllung dieser Aufgabe übernehmen, und zwar durch ein städtisches Verkehrsamt, das diese Arbeit hauptamtlich zu leisten hat. Reben diesem Amt könnte, ja müßte der Verkehrs- Verein für andere Verkehrsausgabrn weiter- b-e stehen, und aus seinen Kreisen, ebenso aber auch aus der Geschäftswelt und selbstredend dem Stadtparlament wäre dem städtischen Verrehrs- amt ein Beirat zur Seite zu geben, der das Amt mit den Erfahrungen und Wünschen des wirtschaftlichen Lebens betannt zu machen hätte, der in gemeinsamer Aeberlegung mit dem Amt dahin wirken mühte, daß in unserer Stadt immer neue Anziehungspunkte für den Fremdenverkehr geschaffen werden. Zur Beruhigung ängstlicher Gemüter sei hier ausdrücklich betont, daß wir für dieses Amt nicht etwa neue Be­amt enpo st en fordern, vielmehr sind wir der Ansicht, daß zu dieser Arbeit die geeigneten Kräfte aus dem jetzigen Beamtenstab heraus­gezogen werden können, so daß also nur eine andere Arbeitsverteilung in Betracht käme. Und ferner sei zur Vermeidung von Mißverständ­nissen gleich von vornherein gesagt, daß wir bei der Schaffung dieser Anziehungspunkte nicht etwa an Tanzseste, Schönheitswettbewerbe und ähnliche Oberflächlichkeiten und gehaltlose Kinker­litzchen denken; aber wissenschaftliche Ta'' en, Parteitage, große kulturelle Wochen, Sa t- versammlungen von Wirtschaftsverbänden," ^.ns- fteüungen mit weitreichender Bedeutung, (Sänger­tagungen, größere sportliche Veranstaltungen und dergleichen werden hier stets zu willkommenen Veranstaltungen gehören. Die Vorbedingungen dazu sind ja gegeben: sehr gute Cisenbahnverkehrs- tage, hochstehendes geistiges Leben durch unsere, älnivecsität, die vielseitigsten interessanten Ein­richtungen der Hochschule, eine vortreffliche Sportplatzanlage und die Dolkshalle, durch die auch die Raumfrage für große Veranstaltungen zufriedenstellend gelöst ist, dazu eine landschaft­lich reizvolle Umgebung. Die Quartierfrage wäre durch geschicktes Zusammenarbeiten des Ver­kehrsamtes mit den Hotel- und Gasthausbesitzern und den. Inhabern der Pensionate sicherlich eben­falls befriedigend zu lösen. Was jetzt noch fehlt ist nur der energische Wille zur T a t! Bei einem Blick auf andere Städte sehen wir, daß dort die Stadtverwaltungen mit den Verkehrsinteressenten kräftig in einer gemeinsamen Werbefront tä­tig sind. Denken wir nur an Frankfurr, Wetz­lar, Alsfeld und Marburg! Das gleiche ge­meinsame Arbeiten zur Hebung des Fremden­verkehrs möchten wir heute erneut auch für unsere Stadt wünschen.

Die Möglichkeit, ein städtisches Verkehrsamt in den Arbeitsbereich unserer Stadtverwaltung einzugliedern, erscheint uns gegenwärtig gege­ben. Die Verwaltung geht jetzt daran, den Haushaltsplan für das kommende CtatSjahr auf­zustellen. Bei dieser Gelegeicheit könnte das erstrebte Amt in die Rechnung der Stadt ein­gefügt werden. Die Aufwendungen könnten u. E. nur einige tausend Mark für die rein sach­lichen Werbeunkosten betragen, wenn man die Arbeitskräfte dieses Amtes aus an­deren Derwaltungsabteilungen herausziehen würde. Diese paar tausend Mark wären aber selbst in der heutigen Zeit des Sparsamkeits- zwanges aufzubringen und auch gut angelegt. Den Vorteil von dieser Ausgabe hätte das gesamte Wirtschaftsleben unserer Stadt, nicht zuletzt aber auch die Volkshalle, die im Falle der Unterlassung einer großzügigen Verkehrs­werbung sicherlich weit fühlbarer werden wird als die Mittel der Verkehrspropaganda. Hof­fentlich wird das neue Stadtparlament recht bald in die Lage kommen, sich mit dieser Angelegenheit in aufbauender Arbeit zu be­schäftigen.

So ist hier mit einer Röhre Amerikaempfang auf Wellen von 40 bis 60 Meter ohne Antenne möglich, den Kurzwellensender von Marburg da­gegen hört man hier verhältnimäßig leise, während derselbe auch von Herrn Dr. Bergmann erbaute Sender in Berlin im vorigen Jahre in Innsbruck ebenfalls ohne Antenne und Erde mit großer Laut­stärke gehört wurde.

Die außekordentlichen Erfolge der kurzen Wellen lassen für die Zukunft noch die denkbar größten Umwälzungen auf dem Geibete der Funktechnik erwarten. Doch sei dies nur ganz kurz angebeutet. Schnelltelegraphie und Bildübertragung werden wohl zuerst daraus Nutzen ziehen, da mit Hilfe der kurzen Wellen die Telegraphiergeschwindigkeit fast beliebig erhöht werden kann. Es sind allerdings noch manche Schwierigkeiten zu überwinden, die in der Notwendigkeit liegen, die Wellenlängen absolut kon­stant zu halten. Wenn es aber einmal gelingt, Wel­lenlängen von wenigen Zentimetern auf Bruchteile von Millimetern genau einzuhalten, wenn wir ein­mal gelernt haben, derartige Sender und Empfän­ger einwandfrei herzustetten und zu bedienen, dann dürfte auch die Zeit nicht mehr fern fein, da jeder seinen drahtlosen Sender und Empfänger in der Tasche mit sich führt, um jederzeit davon Gebrauch machen zu können, wächst doch mit abnehmender Wellenlänge die Zahl der Stationen, die ungestört nebeneinander arbeiten können, ganz ungeheuer

So wenig jemand vor 15 Jahren die heurige Entwicklung des Rundfunks für möglich gehalten hätte, so wenig können mir heute sagen, was in 15 Jahren auf dem Gebiete der Funktechnik sein ober nicht sein wird. Dr. H. M.