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i'ordfig gehcmdelt. da e» ftMUft fei, bte Verab­schiedung der alten und die Einführung der neuen Mitglieder gleichzeitig vorzimebmen. (Un- fcr Berichterstatter bemerkt hierzu, daß er dem­gegenüber mit seiner Feststellung im Recht sei, denn es war früher in Wieset und auch überall in anderen Orten. D. Red so üblich, wie eS heute nod> überall ist. 3*n seiner letzten Sitzung wird der a l t e Gemeinderat verabschiedet, während der n e u e Demeinderat in seiner ersten Sitzung eingeführt wirb. Wenn von dieser all­gemein gültigen Regel abgeaangen werben sollte, so Hütte genügt, dem alten Gemeinderat in seiner letzten Sitzung die Mitteilung zu machen, daß die Verabschiedung in der erstem Sitzung des neuen DemeinderatS erfolgt. Auch dies geschah ificht, die Wahlperiode wurde ohne jedwedes überleitende Wort geschlossen. Dies war eine im parlamentarischen Sieben sehr auffällige Grschei- mmg, die erwähnt wurde.) Zu der am Donners­tag stattgefundenMi Sitzung tvaren die sieben ^nr-geschiedenen Gcoreindevatsmitglieder geladen, von denen sechs der Ginladung keine Folge leisteten. 5Pn seinen Ausführungen zollte der Bürgermeister der Arbeit deS alten Gemeinderats volle Anerkennung, und hofft von den Ausgeschiedenen. daß sie auch In Zukunft ihre gesammelten Erfahrmrgen dem Allgemeinwohl zu­gute kommen lassen. Die Verpflichtung der neuen Mitglieder geschah in der üblichen Weise durch Handschlag, wobei der Bürgermeister auf die gegenwärtig besonders schwierigen Verhältnisse hinwies. Auch der neue (Gemeinberat wird in Zukunft nicht um die Rotwendigkeit herumkom­men, dem Gemeindehaushalt die erforderlichen Steuern zu bewilligen. Rach den nunmehr vor- «nommenen Wahlen setzen sich die einzelnen Kommissionen wie folgt zusammen: Kontrol­leur: Karl Lang: Finanzkommissivn: Benner. Kümmel, Lang, Schmidt, Weller: Bau- t o m m i s s i o n: Laudon, Grb, Stein, Scherer, Kümmel: Wasserkommission: Schäfer, Werner. Hildebrand, Schmidt, Scherer: Armen- k o m m i s s i o n. Kreiling, Hildebrand, Röster, Rodenhauscn, Weller: Landwirtschaftliche Kommission: Rodenhausen. Weller. Werner. Kreiling. Schäfer: Wohnungskommission: Stein. Hildebrand, Weller, Kreiling, Kümmel: Fürsorgeausschuh: von den Arbeitgebern Kreiling. Schmidt IV., Fr. Deibel III., von den Arbeitnehmern: Grb. Minna Schäfer, Benner, Schulvorstand: vom Gemeinderat. Bremer, Stein, Hildebrand, von den Eltern Karl 'Wel­ler VI.. Karl Rodenhausen, PH. H. Mank: für den Autobetrieb wurde als Betriebs­kommission gewählt: Benner, Bremer, Sei­bert, Aug. Schmidt. Grb, Kreiling, Werner, Otto Kling. 3n Bedarfsfällen kann sowohl in der Fi- ncmzlommisfion wie auch im Betriebs auS Ich uh der Gemeinderechner MöbuS zugezogen werden.

e Heuchelheim, 8. San. Am Mittwoch wurde den Mitgliedern der hiesigen Frei­willigen Feuerwehr Wilhelm Krei­ling III. und Ludwig Freitag III. die ihnen von der Regierung verliehenen Ghrenzeichen für 40jährige Dienstzeit durch KreiS- 'euerwehrinspektor D i ck o r 6 überreicht.

: Beuern, 8. San. Am gestrigen Don- neretag hielt der Gemeinderat in seiner neuen Zusammensetzung seine erste Sitzung im alten Schulsaale ab. Bürgermeister Linden- st r u t h - führte den Vorsitz und verrslicktete die neugewählten Gemeinderatsmitglieder für ihr Amt. Es wurden eingeführt Ludwig Stein II., Johann Funk, Heinrich Krämer und Landwirt Karl Damm. Die beiden anderen neugewählten Ge- meinderäte Wilhelm Konrad W i ß n r und Job. Karl Bellos waren in der vorletzten Amtszeit schon einmal Mitglieder des Gememderats. Von den drei wiedergewählten Mitgliedern gehören Daniel Ludwig Sommerlab bereits seit 1907, also bald 20 Jahre, Philipp Arnold seit 1910 und Philipp Wilhelm Sommerlab seit 1923 dem Gemeinderat als Mitglieder an. Anschließend wurde beraten über Wegebauten und Zuwei- lang eines Bauplatzes an den Taglöhner Konrad K eh r. Dieser benötigt etwa 200 Quadratmeter, die oom hiesigen Schulgut am Bersröder Weg ab geschnitten werden sollen. Infolge der Wasser- mengen der letzten Wochen und der damit zu­sammenhängenden Erdfeuchtigkeit drückte vom Kir- chenplatz her das Wasser in unsere Gemeinde- v t e h w a g e und setze die Anlage, die ziemlich tief in der Erde montiert liegt, unter Wasser. Durch cingelegte Kanalrohre ist nun das liebel behoben worden, so daß das Wasser jetzt abziehen, und die

Wage wieder in Benutzung genommen werden kann.

J) L i ch, 8. Jan. In dem nahen Nieder- Bessingen verursachte ein noch jugend­licher Einwohner in der Silvesternacht durch Abgabe von ca. 15 scharfen Schüssen aus einem Revolver einen Defekt in der elek­trischen Lichtleitung, der sich dahin au8- wirkte, daß ein Teil der Einwohner 2 Tage ohne Licht sein muhte. Gin gehöriger Denk­zettel in Gestalt eines Strafbefehls wäre sehr am Platze.

* Lich, 8. San. Man schreibt uns: Die Be­strebungen und die Tätigkeit des von Bürger­meister' Völker ins Leben gerufene Ver­kehrs- und Verschönerungsvereins, worüber der .Gieß. Anz." schon wiederholt be­richtet hat, finden hier allseits die verdiente An­erkennung. Der- Blumen Wettbewerb und der vor Weihnachten erfolgte Schaufenster­wettbewerb waren etwas Reues für unsere Stadt und haben viel Anregung geboten. Doch sei hier bei aller verdienten Anerkennung deS Geleisteten auch einer Anregung für die Zukunft Ausdruck gegeben, hast beim Schau­fensterwettbewerb, an dem doch die verschieden­sten Geschäftsbranchen beteiligt waren, die Preise von einer einzigen Kommission festgesetzt worden sind, wurde nicht überall mit Zustimmung vermerkt, weil es eben nicht jedem Mann möglich ist, alle- unanfechtbar zu be­urteilen. Der gute Wille und der Gerechtigkeits­sinn der Preisrichter soll damit durchaus nicht angezweiselt werden. SS dürste sich bei einer Wiederholung deS Wettbewerbs aber doch wohl empfehlen, nach dem Beispiel anderer Städte eine auswärtige Kommission non Fachleuten als Preisrichter hercmzuzichen. unserer Provinzialhauptstadt dürften sich gewiß Herren der verschiedensten Branchen für eine solche ehrenamtlichee Tätigkeit au8 den Kreisen der dortigen Geschäftsleute finden, die an einem Rachmittag im Interesse ihres Berufes gern sich der Mühe der Preisbewertung unterziehen wür­den. Es wird sich bei solchen Wettbewerben ja wohl kaum gänzlich nermeiben lassen, daß sich bei eine ober andere der beteiligten Kon­kurrenten benachteiligt oder zurückgesetzt fühlt. Dem Urteil auswärtiger Fachleute wird man sich im allgemeinen aber doch wohl leichter fügen als dem einer einheimischen Kommission, selbst wenn diese, wie jetzt hier, auch nur das Beste im Auge hatte.

Kreis Friedberg. (' ", .

sf. Friedberg, 8. Jan. Gestern fand die erste Sitzung der n e u g e tn ä I) 11 c n Stabt; verordneten Versammlung unter Vorsitz des Bürgermeisters Dr. Send statt. Sämtliche Stadtverordneten und Beigeordneten waren anwe. send. Der Bürgermeister eröffnete die Sitzung mit einer Ansprache, in welcher er betonte, daß das Amt eines Stadtverordneten heute viel mehr als früher große Anforderungen an Zeit und Arbeit bean° ipruche. Die wirtschaftliche Depression, die großen Ausgaben und die kleinen Einkünfte schafften oft eine mißliche Lage, und es sei unmöglich, allen ge­stellten Ansorüchen gerecht zu werden, oft scheitere der gute Wille an der verminderten Leistungsfähig­keit der Stabt. Der Stadtverordnete sei deiner Partei Rechenschaft über sein« Abstimmung schul­dig, sondern habe lediglich nach seiner Ueberzeugung und unbeirrt von der öffentlichen Meinung zu hon- dein, auf Dank habe er nicht zu rechnen, er solle unbedenklich seine ganze Kraft für das Wohl der Stadt einsetzen. Nach dieser Ansorache fand die Verpflichtung der sechs neugewühlten Mitglieder statt. Zur Beratung kam sodann ein Antrag der deuischnationalen Fraktion, nach roeb chem in Zukunft die Beigeordneten In den Ausschüssen zwar zugelassen, aber nicht mehr stimmberechtigt fein sollen. Der An­trag wurde von dem Beig. Dr. Leuchtgens begründet. Nachdem sich eine »Anzahl Stadtoerord- ncte und die übrigen drei Beigeordneten gegen den Antrag ausgesprochen hatten, wurde er mit mit großer Mehrheit abgelehnt. Ein weiterer Antrag ging darauf hin, außer dem B a u a u s - ichuß noch eine Baudeputation zu wählen, her besonders die Vergebung der Arbeiten über­tragen werden solle. Dieser Antrag rief eine längere Aussprache hervor, anerkannt wurde von allen Seiten, daß die in letzter Zeit oft vorgekommenen Mißstände dringend eine Beseitigung erheischen, icdoch wurde der Wunsch geäußert, daß man erst in anderen Städten Erkundigungen über die dort ge­

Franziska.

Roman von LieSdet Dill.

39. Fortsetzung. Nachdruck verboten.

®r stand ihr gegenüber, kalt, mit seinen flammenden Augen, seiner eckigen Stirn, die mageren Hände auf den Tisch gestützt.Ich frage dich nicht mehr. warum du den dort," er wies nach dem Tisch, »erwartest, und wer cs ist, denn du würdest mich ja doch belügen, wie du mich immer belogen hast"

»Das ist nicht wahr," rief sie. »belogen hab' ich dick nur einmal, damals hott ich Furcht vor dir

Einmal ober hundertmal belogen, gilt mir gleich", fuhr er mit mühsam gedämpfter Stimme fort in der der Hatz flackerte. .Es interessiert mich nicht, wie er heißt, eS ist ein Rame mehr ober weniger. Schwein!"

Die hatte sich erhoben, taumelnd stand sie da, mit verwirrtem Haar, mit einem zerknit­terten Rocksaum und heftig atmender Brust. Sie nestelte an der Rose und schleuderte sie endlich inS Zimmer, ba sie sich an der RadÄ geritzt. Sie nahm das Taschentuch und wickelte es um die Hand.

»Du hast mich wenigstens gelehrt," fuhr er lwhnvoll fort, mit einem harten Blick und einem Lächeln, ba» sie rasend machte, »daß man einem Weib nichts glauben ban. Wem dein Gesang vorhin galt, ba» hab' tch ja endlich auch verstanden, Rarr, der ich war." Gr schlug sich gegen die Stirn, daß e» klang, als schlüge er gegen ein Stück Hotz. Ss sah schrechlich auS, wie er im Zimmer auf und ab rannte, gegen die Möbel st test ohne sie zu sehen, wie ein Tier, ba» sich Den Kovs einrennen will, und plötzlich sah sie die Waffe tn seiner Hand.

Es durchgitterte sie schwach Sie beugte sich vor,, die beiden Hände nach ihm ausgestreckt, nach dem Lauf der Waffe, die funkelnd nach ihr sah...

Ihr Atem stand still, wie ihr Herz inne- z uh alten schien. Sie war wie gelähmt, unfähig, Sv noch etwas anderes zu denken als: Cs ist das NepEnde. Aber alle Furcht von vorhin war von -- gewichen. Sie frngfHgte sich nicht mehr. Ge­

gen diesen Menschen famt ich mich nicht wehren. (Sv würde mich zu finden wissen und wenn ich mich in einen tiefen Turm sperren wollte.

»Ich schwöre dir," sprach sie zitternd,daß »wischen mir und Mariot noch Irin Wort ge- wechsÄt worden ist, da» unrecht war, und toenn du daraufhin zu ihm gehen würdest, wie ihr Stephansberger damals die Wohnung gestürmt habt, bann könnt' er dir in» Gesicht lachen ober dir vom Gericht die Beleidigungsklage zu- geheri lassen."

»Ist das wahr?" stieß Hasse heraus. Gr glaubte nicht daran, aber irgend etwa» sagte ihm, daß sie diesmal die Wahrheit sprach.

»Ja", nickte sie mit blitzenden Augen.Roch ist nichts zwischen unS vorgefallen, das Essen beut' bedeutet nichts, als baß sein Geburtstag ist und ich mit ihm die Salomeaufführung be­sprechen wollte"

»Das tarnt man im Theater", warf er ein.

Rein, daS kann man eben nicht dort, wo jeder Vorhang ein Loch hat, hinter dem sie einem zugucken. Eine jede ist ja eifersüchtig auf mich seit er mich die großen Partien fingen läßt und seit ich das Publikum für mich hab'. Und seine Frau rast vor Wut, weil sie mir nicht» anhaben kann bi» dahin."

»DiS dahin?" warf er rasch ein, sein Blick spannte sich feine Augen schillerten.

Sie wartete einen Moment, bann, als ob sie alles fallen ließe, wo» sie wie ein Schleier noch eben verhüllt, schloß sie brüsk:Was kom­men wird, weiß ich nicht und kann eS nicht wissen .. Dich kann man nicht betrügen, ich inill ehr­lich mit dir auseinandergehen .. gib mich frei!" Sie zog den Ring ab und legte ihn auf den Tisch

Hasse» Gesicht war bei den letzten Worten fahl geworden. Gs ging wie ein Ruck durch seinen Körper. Alles, was er hörte, war an ihm ^wrübergerauscht, hatte ihn geschmerzt, aber laum berührt: doch diese» letzte Wort schürte in ihm eine tierische Wut. Sie hätte ihm gestehen können, ich habe dich betrogen, er würde sie zu sich genommen haben, befleckt von der Um­armung eines anderen, er hätte ihr verziehen, I aber daß sie ihm i,rS Gesicht schleuderte:Gib I mich frei I machte ihn rasend

machten Erfahrungen einziehen und auch nähere Mitteilungen über die Zusammensetzung unb Ve fugnisse derselben mache. Bei der folgcnbea Ab­stimmung wurde mit 1H gegen !' Stimmen die An gelegenheit bis zur näheren Erkundigung z u r ü ch geste 11 -. Es lag sodann noch ein dringliche-- Antrag des kommunistischen Mitglieds Beutel vor, den von dem Landtage vor kurzem angenom­mene Beschluß, jedem Erwerbslosen 4<i Mk. auszuzahlen, sofort auszusuhren. (Der Zuschauer- raum war dicht gefüllt mit Erwerbslosen.» Beig. Dr. L e u ch t g e n s betonte, daß die sofortige Aus­führung dieses Beschlusses und die Veranstaltung von Notstandsarbeiten unmöglich iei, vielmehr erst einer gewissen Vorbereitung bedürfe, auch laute der Beschluß des Landtags nicht auf sofortige AnszaH- hing, sondern auf eine auf -1 Monate verteilte Aus­zahlung von je 10 Mk. Nach einer längeren Aus­sprache wurde die Dringlichkeit des Antrages abgelehnt, es soll jedoch schon am anderen Tage der erweiterte Finanzausschuß zusammen- treten, um sich mit der Angelegenheit zu befassen, Der Bmaermeister verlas sodann noch die vor­bereitete Zusammensetzung der verschiedenen Aue- schüsse, die mit einigen kleineren Aenderungen ge­nehmigt wurde.

*** G ambach , 8. Ian. Durch den Sturm in den letzten Tagen des alten Jahres wurde in unserem Walde recht erhebliches An heil angerichtel. Gegenwärtig sind die Holzmacher damit beschäftigt, au retten, was noch zu retten ist und den Windfall zu beseitigen. Inr ganzen sind es zirka 150 Festmeter Windfall, die in den gesamten Etat von 1437 Festmetern, die im Garnbacher Wald zu schlagen sind, ein­gerechnet werden. - Dieser Tage beobachtete man einen Sperber, der, bei der Verfolgung eines Vogels jegliche Vorsicht auheracht lassend, in ein Hühnerhaus hineinflog. wo er dann ge­fangen wurde. Seine Llnachtsamkett mußte der kleine Räuber mit dem Leben büßen, um anis- gestvpft dann das Zirnnter zu zieren.

WÄR. Ober-Mörlen, 8. Ian. Eine große Anzahl hiesiger Einwohner ist anscheinend das Opfer eines raffiniert arbeitenden Schwindlers geworden. Dieser sprach vor einigen Monaten bet den Hinterbliebenen der im Weltkriege Gefallenen vor und wußte sich unter dem Vorwande, er wolle die Errichtung eines Gefallenenehrenmals vornehmen, Photo­graphien der für das Denkmal in Frage kommenden Personen sowie die Hälfte eines von den Angehörigen zu zahlenden Beittages in Höhe von drei Mark zu erschwindeln. Rachdem man längere Zeit von der Sache nichts mehr gehört: hatte, erschien dieser Tage der Briefträger mit etwa hundert Nachnahmebriefen aus München, die das versprochene Ehrenmal in Gestalt einer Photographie enthielten, auf der die Bilder sämtlicher Gefallener der hiesigen Gemeinde vereinigt waren. Während ein Teil der Beteiligten, unter denen natürlich große Ent­rüstung herrscht, die Nachnahme für einen wei­teren Betrag von drei Mark einlöste, verwei­gerten andere die Annahme in der Erkenntnis, daß sie anscheinend dem raffinierten Geschäfts­trick eines in seinem Fach besonders tüchtigen! Photographen zum Opfer gefallen sind

Kreis Schotten.

Laubach, 8. Jan. ®te wir seinerzeit mit- teilten, wurden die Bildhauer Scholl in Darm­stadt und Arnold in Beuern bet Gießen zu einem Wettbewerb um das Denkmal zu Ehren der im Weltkrieg gebliebenen Söhne unserer Stadt ein­geladen. Bildhauer Arnold ist an Grippe erkrankt und war noch nicht imstande, seinen Entwurf eln- zureichen. Dagegen sind von Bildhauer 6 (ho 11 zwei Modelle der hiefigen Bürgermeisterei über­sandt worden, welche der Ide« unb ihrer Ausfüh­rung noch volle Anerkennung verdienen. Das Mo­dell 1 «tat, auf einem mit fünf. Schriftplatten be­legten, kräftigen Unterbau stehend, einen jugendlichen Krieger, der zum letzten Ehrengruh dle Fahne über den Sarkophag her Kameraden lenkt. Auf dem Sar­kophag lesen wir:Treue um treue. Die mittlere der fünf Platten zeigt ba« Stadtwaopen in gotischer Form (den Solmser Löwen) zwischen den Jahres­zahlen 1914 unb 1918; darunter Zieht: ,-Unseren Helden in Dankbarkeit gewidmet. Auf die vier an­deren Schildplatten sollen die Namen der Gebliebe- nen elnaegraben werden. Die gesamte Höhe dieses Denkmals ist auf etwa vier Meter vorgesehen. Das Modell 2 stellt eine Gruft dar in Form einer Pyra­mide mit breitem Unterbau. Vor der Gruft steht ein nackter Krieger, di« beiden Anne vor feiner Brust

I uuf ein gewaltiges Schwert stützend. Der Sockel bei Denkmals zeigt in der Mitte dos Stadtwappen, 1 sowie dieselbe Widmung wie bas Modell 1. Die ge­samte Höhe dieses Entwurfes ist auf 41 Meter vor­gesehen. Als Baustoff für die Entwürfe des Bild­hauers Scholl ist Ochsenfurter Muschelkalkstein, der als hervorragend wetterbeständig gilt, vorgeschlagen worden. Als Platz des Denkmals ist end­gültig die Westseite des Schloßgartens zwischen Jnselteich und Unterpforte bestimmt. Nach­dem der Entwurf des Bildhauers Arnold, auf öen man sehr gespannt ist. eingegangen ist, wird eine öffentliche Ausstellung der Entwürfe ver­anstaltet werden, und hierauf wird die Entscheidung fallen, welches Modell zur Ausführung kommen soll. Unsere Stadt hatte im Jahre 1925 eine Gesamt- bevölkerimg von 2083 Bewohnern. Es wurden ver­zeichnet 4t Geburten, 35 Todesfälle, 14 Trauungen. Hm Jahre 1924 zählte man 38 Geburten, 84 Toves- fälle, 11 Trauungen. Danach ist eine kleine Zunahme der Bevölkerung feftzustellen.

wo. G ehern, 8. Jan. Die außergewöhnlich milde Witterung hat schon Frühlingsboten hervorgelockt. So wurden bereits blühende Gänseblümchen im Pfarrgarten beobachtet. Im Schloßpark treiben die ZiersttLucher schon die ersten grünen Knospen. Wer weiß aber, wie lanae diese VorfrühllnaSHerrlichkeit dauern wird und ob nicht doch noch der gestrenge Winter seine Macht fühlen läßt!

Ig. Gedern, 7. Ian. Nachdem gestern in der Turnhalle zu Schotten Landtagsabgeord­neter Dr. M ü 11 e r » Darmstadt in einer KreiS- versammlung des $ ef f. Landbundes über die wirtschaftliche Rot Deutschlands und insbesondere der bäuerlichen Bevölke­rung gesprochen patte, fand am heutigen Dige im Gasthause .Zum Löwen" eine weitere, von hier und den Orten der Umgebung stark besuchte Versammlung des Hess. Landbundes statt. In welcher Lanotagsabgeordneter Wvis - Effolder­bach über dasselbe Thema sprach. Der Redner erstattete ein ausführliches Referat über die der­zeitige schwierige wirtschaftliche Lage des Bauern­standes. Gr forderte energische Sparmaßnahmen auf allen Gebieten des öffentlichen Ledens, in»- besondere auch auf dem Gebiete de- Schul- und Fortbildungsschulwesens. Landtagsabgeordnetev Jost- Bermuthshain ergänzte die Au-sührungen de- Vorredners in mehrfacher Hinsicht. Hieran schloß sich eine rege Diskussion, die ihren Rieder- schlag sand in einer einstimmig angenom­men «'n Resolution, die größte Sparsamkeit fordert in Reich. Land. Provinz, Kreis und Gemeinde, sowie Herabsetzung der Steuern und sonstigen Lasten auf ein erträgliches Maß Da es der Landwirtschaft schlechterdings unmöglich sei. allen aus ihr lastenden finanziellen Ver­pflichtungen gerecht zu werden, verlangt sie ferner Niederschlagung der steuerlichen Rückstände aus dem Rotjahr 1024'25, andernfalls die Or° ganisatton glaubt, jede Verantwortung ablehnen zu inftffen.

* Ulfa, 8. Jan. Die Feldbereini- aung unserer Gemarkung ist beendet: tm Herbst wurden die Grunbftücke den neuen- Be- fUwm übergeben, unb dte Wogen der Erregung haben sich bereit» geglättet. Eine sehr wichtige Dach« ist allerdings noch zubereinigen", die entstandenen Unfofttn tn HüHe von 220 000 Marl sind noch zu bezahlen. Die zur Deckung der Devettttgungskosten bereitgestellten 190 Morgen Wass«raÄäiÄ>e würden in uuferen geldknappen Tagen selbst zu geringen Preisen nur sehr schwer Käufer finden. ES soll daher zunächst nur eine Verpachtung der Masse- gründ stücke stotttinden unb ihr Verkauf auf eine besser« Zeit verschoben werden.

* Sichelodorf, 8. 8an. Wer im Sommer unsere Vogelsberger Bäch« und Flüßchen sieht, wenn im weiten Bett nur ein schmales Rinnpil Wasser führt, der kann nicht ahnen, wie schnell der Zwerg zum Riesen werden kann, der alles, was tym erreichbar ist, tn den Strudel der Wasser hinein- zieht. Als tm Oktober 1923 Esche! und Nidda Hoch­wasser sühtten, daß die Dorfsttaßen beiderseits der Eichel stellenweise 90 Zentimeter unter Wasser ftan- den, mußten zwar im Unterdorf die Ställe geräumt werben, aber größerer Schaden wurde nicht an» gerichtet. Zwei Stellen hatte man damals als be- sonders gefährdet erkannt, und die Gemeinde sckrktt im Sommer 1924 zur Regulierung der Eichel und Nidda. Wo die Eichel mit starkem Gefalle ins Dorf fließt, hatte der Bach fein Bett immer weiter tn die hohe Uferwand hineingegra- ben, so daß zuletzt eine dort stehende Scheuer in

Es packte ibn «ine solche wütende Ver­achtung, daß er sie zu Boden riß.

Hast du denn keine Ehre mehr in dir? Glaubst du, daß du mit mir machen kannst, was du willst? Denkst du, wenn ein Mann seine Karriere aufgibt, ändert, umsattelt, um einem Weib eine Zukunft zu schuffcn, läßt er sich fortschicken, weil ihr ein anderer in den Weg läuft? Hast du nicht damals gehört, was ich dir sagte? Trugst du feinen Ring von mir, hast du mir nicht von Treue gesprochen?" Er packte sie beim Hcuck>gelenk unb schüttelt« sie. Du willst dein Wort nicht halten?"

Auf den Knien vor ihm, sah er, daß ihre weiße Brust sich heftig hob. kaum verchüllt von diesem weißen Streifen Tüll.

Ich kann nur dem treu sein, den ich liebe", Tagte sie.

Är zischte ihr schäumend ein Wort inS Ge­sicht, daS sie erniedrigte.Und auf euch baut man sein Leben auf, für euch will man sich relnbalten, euch vertraut man sein Haus, seine Kinder, ach, von dir hab' ich mir ein Kind gewünscht, von so einer ..

Sie sprang auf. DaS Haar glitt ihr herunter, ihre Füße verwickelten sich in die Schleppe, und sie fiel auf ben Teppich zurück, in ihrem Racken fühlte sie feine Hand, etwas Kaltes setzte sich ihr auf die Brust. Sie bog sich zurück, als fläche sie ein Reptil, unb sie ergriff ben Lauf bet kleinen Pistole. Die schloß schan- beruh die Augen. Es ging ein wildes Ringen zwischen ihnen los. Franziska fiel mit einem Auf stöhnen in die Knie. Gr keuchte, daß ihm bet Schweiß in Tropfen von der Stirn rann. Ich danke dir," sagte er,daß du die Wahrheit getagt, zum erstenmal In deinem Leben hast du nicht gelogen."

Er hielt sie auf den Knien fest. Und mit einmal durchzuckte sie die Erinnerung an die Wahrsagung bet alten Zigeunerin. DaS also war ihr Schicksal, so zu sterben auf einem rosen­bestreuten Teppich unter einem gemalten Him­mel von Amoretten, zu bem sie aufschaute, wäh° renb sie vergebens ihre Hände zu befreien suchte. Sie wand sich unter diesem eisernen Druck. Das Schicksal! Dagegen konnte sich niemand auf- lehnen. Gin verzweifelter Mut kam über sie.

Gut", sagte sie entschlossen, während fk ihr Haar über die nackte Schulter zurückwars- Mach's kurz." Ihr Blick wurde starr, er ver­änderte ihr Gesicht, sie schloß die Augen. Ein Gebet fiel ihr ein, sie sprach es rasch und leise im Gedächtnis nach.

Doch sie iDartetc vergebens. Als kehre ihm das Bewußtsein dessen zurück, was er tun wollte, oder als habe ihm ber Teufel einen anderen Gedanken etngegeben, schleuderte er plötzlich ihre Hände fort intb sagte mit fremder Stimme .Geb ...wohin du willst. Du bist frei!" Er schob die Waffe in seine Rocktasche unb verließ, ohne sich umzusehen, ba» Zimmer.

Franziska richtete sich auf unb schaute vev- stört um sich Das Zimmer war feer. Sie strich sich baS verwirrte Haar zurück, auf her Treppe klangen feine festen Schritte, bann fiel eine Tür inS Schloß. Aus, dachte sie. Aber sie Ver- mochte nichts dabei zu fühlen, sie wußte nicht- mehr alsich lebe noch", und sie fühlte nichts wie das wahnsinnige Klopfen ihre- Herzens.

*

Das Leben ging weiter. DaS Theater gab Vorstellungen, die Wagen fuhren, die Wasser sprangen auf dem KönigSPlatz zur Mittags­stunde, in den Kliniken wurden die Kranken herein- und berauSgetragen, unb des Mittags gingen die Assistenten in ihren weißen An­zügen in dem alten Park tn der Sonne spa­zieren.

DieSalome" hatte einen ungeheuren Er­folg, sie wurde wocheirlang bei ausverkauftem Hause gegeben. Franziska wurde von der Kritik und dem Publikum einheitlich al» die beste deut­sch« Salome anerkannt, man überschüttete sie mit Blumen unb Kränzen. Studenten und DM- lerinnen liefen ihr die Wohnung ein, um ihtt Beweise ihrer Verehrung zu bringen, die Zei­tungen brachten spaltenlange Artikel über i&ren Lebensweg, ihre Kunstmethode, ihre Fähigkei­ten. CS hatte die Menschen wie ein Rausch gepackt.Salome! die Rott!" man sprach fast von nichts anbevem, und wie das brutsche ®ret* chen immer gern eineEarmen" sieht unb bec Zigeunerin zujubelt, so hatten nun bie Sonne-, berget ihre Salome, bie sich alle Abende itnb ht allen Schaufenstern zeigte, (Fortsetzung folgt)