Nr. 281 Dritte; Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)
Mittwoch, 8. Dezember 1926
Aus dem Reiche der Frau.
Venn es Weihnacht wird . ..
Don Margarl Lenne.
„Bon drauh' vorn Walde komm ich her. ich muh euch lagen, es weihnachtet sehr! Allüberall aus den Tannenspihen sah ich goldene Lichtlein sitzen:
und droben aus dem Himmelstor u
sah mit großen Augen das Christkind hervor
Mit solchen und ähnlichen Worten trat Unecht Rupprecht zu mir ins warme, vom Brat® ipfeldust durchzogene Stübchen, da ich ein Kind -och war. und heute, nach 30 Jahren, bringt er dieselbe Dotschast meinem Aesthäkchen. Ls ist ein Unterschied zwischen damals und jetzt: der Alte vom Walde kommt als leibhaftiger. fleisch» rewordener Bote aus dem Märchenland in die Kinderstube, die kleinen Herzen schlagen, die Augen hängen gläubig an dem Werhnachtsbvten: Das Himmelsivr ist aufgetan."
Und es schließt sich nicht, auch wenn der Alte nieder hinausgepollert ist und seinen vollen Sack iu Füßen der Kleinen ausgeschüttet hat. Dann ?rft sängt das selige Weihnachtswunder so recht ;u blühen an. einer köstlichen Blume gleich, die ich im Kinderherzen von Lag zu Tag mehr mtsaltet: Da ist das Adventsbäumchen, das jeden Sonntag ein Lichtlein mehr bekommt: da huscht '»es Abends geheimnisvoll Christkink lein oder Frau Holle am Fenster vorbei, klopft leise an und legt dem braven Kind ein Zuckerstückchen oder eine goldene Ruß aufs Fenstersims. da kommt die große Stunde, wo Kindlein mit glü- tzenden Bäachen sein „Wrchnachtsbrieschen" malt oder es'der Mutter gewichtig vorsagt und abends voll banger Erwartung vors Fenster legt. Welch jubelnde Freude, wenn es dann am nächsten Morgen vom Weihnachtsmann geholt ist! —
Und endlich naht — v wie lange mußte man doch wartenI — der allerseligste Augenblick, da die Türen zur verschlossenen Weihnachtsstube aus. [pringen und der Weihnachtsbaum mit Lichtern md Gaben als holdester Marchentraum vor HindleinS strahlend-gläubigem Auge steht, heilige Erfüllung alles kindlichen Sehnens!
Wer je ein Kind dieses weihnachtliche Mär- chenreich In seiner ganzen Innigkeit durchleben 'ah, wie könnte der auf den törichten Gedanken iommen, hier „ausklären" zu wollen! Wir ist, als könnte ein Mensch, der dies Wunder in seiner Kindheit nicht leibhaftig und solchergestalt erfahren hat. gar nicht ein Dollmensch werden, als habe er eine Stufe in seiner seelischen Gut» Wicklung übersprungen, die für ihn leben»not* wendig gewesen wäre. Ist sein Gemütsleben nicht verarmt zugunsten „rationalen Denkens" ?
Und dennoch gibt eS in unserer ausklärungs- lüchligen Zeit Bestrebungen, die neben dem Oster. Hasen und dem (allerdings bedenklicheren) Klap. perstorch — bedenklich wegen der Gefahr un- fauberer Aufklärung — auch dies zarteste und zugleich stärkste Erlebnis der Weihnacht aus der Kinderstube verbannen wollen, — um der Wahrheit" willen Gewiß, Baum und Geschenke sollen ja bestehen bleiben, aber alles übernatür- bdje Beiwerk müsse als „Lüge" fallen.
Toren, die nicht wissen, daß eben dies „Bei. werk" für das wundergläubige Kinderherz Leben bedeutet, daß das Kind als unmittelbare Wahrheit empfindet, was uns Großen nur Symbol sein kann. Wir haben die gedankliche Ueber. tragung im Gleichnis nötig, dem glücklichen Kinde ist das Gleichnis ursprünglichste Wirklichkeit. Die Jahre der Kindheit. in denen Ge- nnit und Phantasie von solch schöpferischer Stärke sind, daß Märchen Wirklichkeit wird, sind gezählt, sie dauern kaum länger als das erste Jahrzehnt. Gönnen wir unfern Kindern diese kurze Spanne Zeit, dies erste und nie wiederkehrende Paradies!
Wie soll man ichenken?
Don G. 3 f o l a n i.
Wie soll man schenken? Das ist die Frage, die zum Weihnachtsfest eine große Bedeutung hat.
Man könnte kurz antworten mit dem Goethe- schen Wort: „Leget Anmut in das Geben!"
Aber das wird der nur verstehen, der Anmut besitzt. Die meisten Menschen glauben, daß das Schenken darin besteht, daß sie einen Gegenstand kaufen — oder womöglich nicht einmal bas sondern nur das Geld nehmen — und das Geschenk dem. den sie damit erfreuen wollen, übergeben, womöglich noch gute Lehren daran knüpfen und Bedingungen stellen.
Wer etwas schenken will, muß vor allem eines im Auge haben: den Wunsch, eine Freude zu bereiten.
P ppen.
Don Clara P r i e ß.
Run kommt schon wieder die Zeil, wo die Puppen unser besonderes Interesse in Anspruch nehmen. Sie sind im allgemeinen rascher verbraucht als wir Menschenkinder und benötigen dringend, mindestens einmal im Jahre Auffrischung und Nachwuchs. Für diese Neuerung und Dcrmehrui» arbeiten das ganze Jahr la.ig viele fleißige Hand«, besonders in der Thüringer Hausindustrie. Sn der Dorweihnachtszeit kommt barm die „Puppensaison", und jede Mutter freut sich, eintaufen oder bekleiden zu können.
Es ist uralter Brauch, uralte Kunst, den Kindern Puppen zu bilden und anzukleiden. Alles mögliche Material ist dafür angewendet worden, Ho^. Ton. auch kostbares Elfenbein.
Schon in den vorhistorischen Gräbern finden sich Neste von Puppen, mit Gewebteilen bekleidet. Aus Ton sind auch die Puppen der ältesten ägyptischen Grabstätten geformt. Bei - deutschen Ausgrabungen in Aegypten fand man das Grab der kleinen Sängerin Tadzu. Dort lagen ihr Berufswerkzeua, eine Lyra, ihr Schmuck, Spangen. Toilettegegenstände ufto. Sm Sarge fand man die Mumie des etwa zehn Sahre alten Mädchens, eng an ihre Brust gepreßt eine Hvlzpuppe. buntbemalt, mit beweglichen Gelenken. und ehre schöne Glsenbempuppe in semster Arbeit.
An der Geschichte der Puppe läßt sich ein gut Stück Kultur- und Trachtengeschichte lernen. Sede Mode wurde von ihnen mitgemacht. und da man bis in das vorige Sahrhundert hinein feine besondere Kindertracht tarnte, sondern dar-
Ehc man laust, soll man lange nachsinneu. was erfreuen könnte und beim Kauf sich in das Innere gleichsam desjenigen zu mfct.en suchen den man beschenk en will.
Sn vielen Familien ist eS z. B Sitte, den Kindern auf den Weihnachtstisch die Bücher und Hefte zu legen, die man ihnen, wenn man sie nicht zum Wechnachtsseft gäbe, eine Woche später doch laufen müßte. Dom Kinde zu verlangen. daß es sich freuen soll über etwas, das es sowieso erhalten muß, für das es womöglich, wenn das Kind es nicht erhalten würde, in der Schule eine Strafe bekäme, ist eine Hartherzig- feit Man erzähl Kinder geradezu zu Lügnern und Heuchlern durch derartige Gefchenle: denn die Kinder fühlen sich bewogen. Freude zu heucheln über derartige Gaben.
Besitzt man nicht so viel, den Kindern außer ganz nützlichen Gegenständen, die man sowieso kaufen muh, etwas zu schenken, so kaufe man ihnen eine Kleinigkeit für wenige Pfennige, und man wird eine aufrichtige, wahre Freude erzielen.
Natürlich gibt es auch Abstufungen.
Der neue Anzug und das neue Kleidchen erfreut jedes Kind, wenn auch die Eltern es ohne das Weihnachtsfest anschasfen müßten, weil ein Kind meist es nicht so emfcfi.ibet, wenn jene Gegenstände der Erneuerung bedürfen und des- hall> das neue Kleid als einen neuen Schmuck gleichsam mit Freuden begrüßt.
Der Gattin den Braten zu schenken, den wir zum Feste kaufen müssen, ist ein Unsinn, aber ihr eine Näscherei zu laufen, die sie besonders liebt, aber sich nicht gönnt, ist ihr eine Freude.
Aber auch durch die Art und Weise der Hebergabe eines Geschenkes kann man zur Erhöhung der Freude beitragen, wie andererseits die Freude verringern und stören.
Seber hat an sich und anderen im Leben gewiß schon die (Erfahrung gemacht, dah die Heberraschung. die ein Geschenk Hervorrufen soll, vermindert wird, wenn vorher allzu viel davon gesprochen ward, wie sie andererseits erhöht wird, wenn das Geschenk ganz unerwartet kommt.
Es ist daher sehr ungeschickt, vorher Darüber au sprechen, womöglich denjenigen, den wir beschenken wollen, raten zu lassen, was mir scheuten. Negen wir doch dadurch die Phantasie des Empfängers an, sich großartige Vorstellungen zu machen vor. dem Geschenk, das er zu ertoarten hat. und die Phantasie geht leicht hoher hinaus, als die Wirllichteil zu folgen vermag.
(Sine andere Hngefchicklichkeit ist es. den Geschenkempfänger bei der Hebergabe des Gescheutes in irgendeiner Weise über den Wert des Geschenkes auszuiläeen. „Ich habe die beste Ware crusgesuchl, die ich bekam!" oder „Es Hal mir viele Mühe gemacht, gerade dies Stück zu finden!"
Das sind eigentliche Dinge, die selbstverständlich sind. Wenn auch nicht die beste Ware, aber gute soll der Geber wählen, er soll sich Mühe geben bei dein Einkauf und nicht das erfte Beste kaufen, das ihm in die Hand fällt.
Der Sugend gegenüber sind Derartige Aeden erst recht unangebracht und völlig unpädagkmisch, denn das Kind soll jedes Geschenk gleich achten: es soll keine Hnterschiede machen und soll sich über die Kleinigkeit ebenso zu freuen lernen, wie über die Kostbarkeit.
Wer dem Kinde bei der Gefchenkü bet gäbe sagt: „Dieser Gegenstand ist besonders teuer; den mußt du mit besonderer Srrgsalt hüten!" der sagt ihm dadurch zugleich: „Minder kostbare Geschenke kannst du mißachten!" Gin Kind merkt dergleichen mehr, als Erwachsene oft benfen.
Aber auch Erwachsenen gegenüber ist es unzart und unschön, von der Kostbarkeit, von der besonderen Mühewaltung b:i der Auswahl des Geschenkes zu sprechen. Wie man dies auch ein- kleiden mag, der Gesch enkem psänger hort immer nur heraus, daß er Dem Geber zu besonders großem Danke verpflichtet fein soll. Empfindet er das nicht durch das Gesck>enk selbst so wird der Abstand zwischen der Scheingroße des Geschenkes in der Rede des Gebers und der eigentlichen Im Empfinden des Empfängers nur um so größer.
Natürlich ist beim Schenken auch in Betrag zu ziehen, wem man etwas schenkt. Man schenkt einem Angestellten, einem Dienstboten, dem das Weihnachtsgeschenk gleichsam ein Teil des Gehalts oder Lohnes ist das sie zu erwarten berechtigt sind, natürlich in. anderer Weise, als solchen Personen, denen wir ohne irgendeine Verpflichtung eine Aufmerksamkeit erweisen wollen.
Von jenen haben wir kein Gegengeschenk zu erwarten, und, wenn es auch wie erwähnt, unschön und urtflug ist das Geschenk, das wir üjiien
nach strebte, die Kleinen der höheren Stände die große Mode mitmachen zu lassen, so haben auch jene Puppen die feierliche und umständliche Gewandung. Rnsrock imb Toumüre, Perücken. Empire- und Diederme erkleider.
Bald stellen sich dann weitere luxuriöse Be- dürsnisse dieser kle.nen Damen ein. Man baute ihnen köstliche Puppenhäuser, von denen sich manche in Museen erhalten haben. Man scheint dabei auch nwralische Bestrebungen gehabt zu haben. Don einem derartigen Kunstwerk der Nürnbergerin Anna Köserlin heißt es:
„Sv schaut nun an das Kinderhaus, ihr Kinder, inn' und außen.
Schaut's an und lernet bevor aus. wie ihr c n- mal sollt Hausen."
Die Liebhaberei für diese kostbare Spielerei ist auch heute den Erwachsenen noch nicht verloren gegangen. So hat die König.n von England sich ein wunderschönes Puppenbaus bauen lassen, an dem nicht weniger als 1600 Menschen gearbeitet haben. Zwei Sahre lang bastelte man an dem Schlößchen, das mit alten Errungenschaften der modernen Technik ausgestaltet ist, Autogarage und Warmwasserheizung, Gemälde berühmter Maler und eine Dibl.othek voll winziger. in rotes und grünes Leder gebundener Werke der berübmtcften Schriftsteller enthält.
Auch die reifrockigen. eleganten Teepuppen und die überschlanken, kapriziösen Lotte-Fr. tzel- Puppen verdanken solchen Liebhabereien ihre Beliebtheit.
Für die Kinder sind heute im allgemeinen die Puppen einfacher und kindlicher geworden. Da ist befr ders Frau Käthe Kruse, die es verstanden hat, echte Kinderpuppen, kleine Wun-
gebe.i, durch untere Rede zu vergrößern, so ist es ebenso unnötig und unklug, von einer bescheidenen oder geringen Gabe zu sprechen.
Denn der Angestellte oder Dienftbvle. Dem wir sagen würden: „Ich habe 3duck nur eine kleine, bescheidene Gabe zum Weihnachtsfest geschenkt!" würde mit Rechr annehmen daß wir mit ihm unzufrieden seien. Er soll unsere Zu- sriedenheit mit seine.: Leistungen auch aus dem Werte des Geschenkes edennen, und wenn wir ihm auch nicht sagen: „Mein Geschenk hat diesen Wert!". Io kann man ihm doch wohl sagen: ..Sch hosje. daß Sie aus meinem ©eichen! er- fchen. daß ich mit Sbuen zufrieden bin!"
Dagegen wirkt es recht unschön, an die Hebergabe de» Geschenkes - sowohl bei Angestellten wie bei Kindern — Bedingungen, pädagogische Lehren, Ermahnungen und dergleichen zu knüpfen. wie z. D: .Sch hoffe. Eie nehmen sich nun weiter zusammen!" oder .Sch schenke Ihnen das aber nur unter Der DeDingung, daß ich weiter mit Ihnen zufrieden sein kann!" Oder zum Kinde gar: „Aber, wenn Du nicht Heiliger oder aitiger bist dann nehme ich dir das Geschenk wieder fort!"
Man setzt den Wert einer Gabe leicht herab, indem man zu wenig feierlich bei der Hebergabe verfährt. Nicht selten geschieht das Dienstboten oder Angestellten gegenüber. Ein Handwerksmeister, der einem Lehrling während der Arbeit zurust: „Gustav, ich muß dir auch noch dein Ehristgeschenk geben!" und Damit aus dem Portemonnaie neun einzelne Markstücke und zehn Zehnpsennipstücke zu lamm en sucht, raubt feiner Gabe jede" Wert. Der Gelcheniernpfänger fühlt dabei, daß dem Meister das Geschelck weiter nichts ist. als ein Teil feines Lohnes, den er womöglich widerwillig gibt.
Ebenso unschön ist es, roeiui die Hausfrau dem in der Küche rackernden Mädchen das Geschenk herausbringt mit den Worten: „Hier, Auguste, ist auch Ihr Weihnachten! Hoffentlich sind Sie zufrieden Damit! Halten Sie sich aber jetzt nicht damit zu sehr auf! Sie Kimen sich die Sachen nachher, wenn Sie fertig find, anfehen!"
Das Weihnachtsgeschenk soll ein Weihnachtsgeschenk sein.
Zur Deihnachtsbeschcrung soll man sich Zeit lassei:. sie nicht geschäftsmäßig zwischen Tür unb Angel abfertigen. Sie soll eine Feier fein.
Die Freude des Schenkens und Beschenkt- werdens ist um so größer, je enger bei Kreis ist. in dem Geber und Beschentte siH befinden. Daher sind auch die Massen beschrrungeu, die von men- d>er. Vereinen veranstaltet zu werden pflegen, nicht sonderlich schon, ebensowenig die öffentlichen Bescherungen von Armen.
Wei Hnachts-Bäckereien.
Zu Den vielen Sorgen für den Weihnachts- nsch gehört auch das Weihnachtsgebäck. Am schnellsten ist diese Frage erledigt, wenn man im nächsten Geschäft die Sachen einfach tauft Aber wie viel Freude uracht es. wenn man am Abend selbst den Kochlöffel rührt unb die kleinen Finger der Schulpflichtigen emsig sich mühen, schöne Figuren auszustechen. ja es kommt sogar vor. daß Iungmönner, die sonst nicht gerne mvt dem Kochlössel Freundschaft schließen, ganz gerne Mithelfern damit das „Christkind" für sie auch etwas „verliert".
Honigplahchen 250 Gramm Honig in einer Schüssel am warmen Herde zergehen lassen, 125 Gramm Zucker, sowie ein ganzes Ei hinzurühren, hernach einen gehäuften Kaffeelöffel gestoßenen Zimt, halb sovie. Nelkengewürz. ein Päckchen Anis, 2 Gramm Kardamom. 1 Gramm gestoßene Muskatblüte, etwas feingewiegte Zitronenschale, 50 Gramm Orangeat und 500 Gvamm Weizenmehl, abwechselnd mit sechs Eßlöffel Milch und eineinhalb Päckchen Backpulver hinzugemengt. Der Teig wird am gutgemehlten Brett verarbeitet, nachdem er eine Stunde geruht hat, nochmals durchgeknetet, einen halben Zentimeter dick auegerollt und Plätzchen, Herzchen und Leokuchen ausgestocheu. Die letzteren mit halbierten, abgezogenen Mandeln verziert und mit verdünntem Eigelb bestrichen, sehen besonders einladend aus. Auf gut ge- toachsteln Blech werden die Honigplätzchen in einer halben Stunde bei Mittelhitze gebacken. Alle Honiggebäcke find gleich vom Blech zu nehmen. da sie erkaltet ankleben und gerne brechen. Derartige Bäckereien find stets einige Zeit vvr dem Feste herzustellen und in Blechbüchfen kühl iunt> trocken aufzubewahren.
Teeplätzchen Auf das Backbrett schüttet man 400 Gramm Weizenmehl. 120 Gramm
öt^maiöuuirganne. 160 Gramm gestoßenen Zucker, zwei Eigelb sowie ein Päckchen 'Vanillezucker, ein Päckchen Backpulver und eine Messerspitze Ola:i’on und verarbeitet alles mit ungefähr fechS EHloffcl Milch zu einem glatten Teig. Gut Messerrückenausgerollt, werden kleine Run» . . und goldgelb in 15 bis 20 Minuten gebacken. Nach Dem Erkalten wird die Boden.Ieu.- mit Marmelade bestrichen unb ein zweites Planche:: ebenfalls mit Der Bodenseile darauf gedruckt, der Rand wird iu Grießzucker gewälz. Das Gebäck, welches sich in Blechdosen wochenlang Irlich hält, schmeck: vorzüglich und gereicht jedem Weibnachtsteller oder Lettisch zur Zierde
Gute billige Keks. 70 Gramm Butter werden mit 2 Eiern. 250 Gramm Zucker, 1 Päckchen Vanillezucker schaumig gerührt, sodann eine halbe Lasse Milch u;i? <50 Gramm Weizenmehl mit 2 Päckchen Backpulver vermischt, dazu- gcgeben und zu einen: zarten Teig am Brett« verarbeitet, einen halben Zentimeter dick auS- gecollt und in verschieder.eu Farmen ausgestochen. Mit etwas mit Miick verdünntem Eigelb bestrichen und goldgelb gebacken, bilden diese guten leichtvertaulick^" Keks ein wohlschmeckendes Hausgebäck Die Backbleche sind am besten mit Palmin zu bekt reichen.
5 e: n c Da nillehörnchen. 200 Gramm Mehl. 50 Gramm Mondamin 200 ©ramm Dutt er. 125 Gramm Mandeln. 1 Eigelb, 100 Gramm Zucker Die Masse wird auf dein Brett verarbeitet. sehr kleine Hörnchen davon geformt (je kleiner, desto netter sehen sie aus) und sofort hellgelb gebacken. Noch uxinn wendet man sie in seinem Zucker, dem etwas Vanille zu- gesetzt ift, um.
Einfaches Duttergedack. 4 (Sier, 125 ©ramm Datier, 1 Pfund Zucker werden schaumig gerührt, nach und nach gibt man eine große Lasse Nahm dazu: Mehl, soviel der Leig an» nimmt, bis er geschmeidig ist. ein halbes Päckchen Morrdamin-Dackpulver uird 15 Gramm Zimt Der Leig wird auf dein Dackbrett fertig- gemacht, ausgerollt, beliebige Figuren davon aus- gestochen. mit Eigelb, das mit Wasser verdünnt! wurde, gepinselt und duirkelgelb gebacken.
Amerikanisches Konfekt. Die Kerne von 1 Psund Walnüssen werden klein geschnitten, mit P/4 Psund Puderzucker und dein Saft von 5 bis 6 Apfelsinen gut geknetet, kleine Drote von der Blasse geformt, die man über Nacht kalt stellt und am anderen Tag in Würfel schneidet
Wiener Zuckerle von Hagebutten. 150 Gramm geriebene Nüffe oder Mandeln werden mit 150 Gramm Puderzucker und 150 Gramm Hagebrttenmarmelade verknetet, nach Debars noch soviel Puderzucker dazugewirtt, bis sich die Masse tünn aus rollen läßt. Das ganze wird mit Zuckerguß bestrichen und in beliebige Formen geschnitten.
Australische Nüsse. 1 Pfund Puderzucker, 1 Eiweiß, Saft und Schale einer halben Apfelsine wird solange geknetet, bis sich kleine Bällchen daraus formen lassen, auf die man von beiden Seiten Nußhälsten drückt, und dann an der Duft trocknen läßt. (30 Stück.)
Winterliche Gerichte.
Grünkohl mit Speck. Nachdem der Kohl von den Nippen gestreift, mehrmals gewaschen unb in starkem Solz was er abg kocht worden ist. frischt man ihn kalt ab. drückt ihn aas unb schneidet ihn fein. Ein Eßlöffel Zwiebelstückchen wird in Fett gelb geröstet, d.e Kohlmenge. etwas Salz und geriebene Muskatnuß 6*lgcg ben, unb einige Minuten gedämpft. Duiui stäubt man e neu Löffel Mehl Darüber, verrührt den Kohl mit frischer oder künstlich bereit ?ter Fleischbrühe unb läßt ihn dann noch einige Aigenblicke cullkochen. Kleine rohe Kartoffeln 'merben in ger ebenem Drot gewälzt unb tn reichlichem Fett braun gebacken. währe -d man gleichzeitig Speckwürfel mit- rösten läßt. Hiermit w rd der Grünkohl garniert Gepökelte ober geräucherte Zunge kocht man in folgender Weise: Die PöPlzunge wird gewaschen, in 2 Liter kaltem Wasser mit Gewürz, S. ppengrün und Zwi bei währub drei Stunden in fest verschlossenem Tops langsam gekocht. Sobald 'ich die Spitze des Z:mgenfleischeS weich sticht, ift tie Zunge gar. Sie wird herausgenommen. Die Haut abgezogen unb die Tunke besonders fertiggemacht. Die geräucherte Zunge wird ebenso b.-hOildelt, nachden: man sie vorher eine Nacht über in Wasser hat liegen lassen.
Nehrücken auf deutsche Art. Man legt den Rehrücken zwei Tage lan; in eine ab- ge kochte Marinade mit Warzeltverk. Gewürz unb
der von Amnut und Haltbarkeit, zu schäften. Wan mochte jedem Mädel gleich so ein: Puppe bescheren . die in köstlicher Auswahl vorhanden sind.
Die vielen Mütter aber, denen cs nicht möglich ist. in diesen Zeiten so Schones und Kostbares zu laufen, mögen sich damit trösten, daß die Liebe des Kindes auch hier nicht nach Schönheit -unb Kostbarkeit geht. Die alte Puppe wirb im neuen Kleid aufs neue geliebt werden, und geschickte M tlcrhände werden mit wenigen Kosten g rode hier Schönes zu erfinden, zu basteln w ff en. Man muß auch der Phantasie, der Geschicklichkeit der Kleinen freien Laus lassen und nicht zu viel zu Fertiges schenken.
Wer zu stricken versteht, der arbeite dem Puppe lind die übliche bunte W nterausstattung mit wollener Jacke, Gamaschen Schal und Mühe. Denn auch die Puppenkinder stehen im Zeichen des Sports unb bringen oft einen auf den Rücken gekannten Rodelschlitten gleich mit auf die Welt.
Im übrigen geht es den Puppenkindern wie unS Müttern. Je mehr man für ein Kind sorgt um so mehr liebt man es. Wünschen wir vieler. Kindern und vielen Eltern biete Freude für die nahende Festzeit.
Die Weihnachtstrompele.
Don Max SungnideL
Wenn man 65 Pfennige hat und einen kleinen Jungen dazu, 'o muß man für die 65 Pfennige eine blecherne Trompete tatien Die blecherne Trompete muß man dem kleinen Jungen schenken. Wenn man bas getan hat. bann sangen alle Himmel an zu tönen; selbst die Erde
fchüttect und jubelt unter dem heiseren, hell» schnappenden Ton dieses blechernen SnstrumeniS.
Man wird erleben, daß die Trompete mit dem kleinen Jungen ganz zusammenwächst. Heber- all. wohin er gcf)t unb nn er steht, überall quarrt und stöhnt, tri .seit u .d f£meliert tie Trompete mit Sie macht Feiertag. Jahrmarkt, Kirmes. Rattenfängerzauberei und Schmerzensmufik. Die Trompete kriecht sogar in die Träume des kleinen Jungen. Sic legt sich taiizmüde in fein BetL Plötzlich, im Traum, greisen die Hande ded tteinen Jungen nach :hr. Hnd mitten in der Nacht, im tiefsten Schlaf, quarrt und springt das irrsinnige Ding auf, läßt das Herz stillstehen. reißt einem stier die Äugen auf wie die Trompete des Süngften Gerichts. Sie zerrt an den Nerven herum, als wären sie Schissstaue.
Zu guter Letzt wartet man nur aus den Qlugenölid. wo der kleine Sungc die Trompete beiseite legt, damit man das Folterwerkzeug zer» treten oder zerschmettern kam: Aber das geschieht nickt. Die Trmnpete bläst vielmehr in das Herz des kleinen Jungen ein wahnsinnige- Kräftebewuhtsein hinein, einen Elefantenatem. Sn zwei Tagei: schon ist sie ein Teil von ihm geworden. Sa, sie wird immer frecher, immer fürchterlicher. Sie lagt einen aus der warmen Stube. Man wird heimatlos. Man verflucht sich felbst. daß es einmal eine Zeit gab, die einem 65 Pfennig erübrigen ließ. Damit man sich an dem Latz einen Srrfinnsläfig bauen konnte. Sin Strafgericht, eine Henkerslaune ist die Lrompefe geworden.
Wann, wann kommt endlich der groß« Augenblick, wo ein Lastwagen Darüber fährt unb das verrückte Ding groschenplatt drückt? Wann?


