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Erhöhung wie auch gegen dos Fortbestehen der Hauszins st euer in ihrer gegenwärtigen Form und im Zusammenhang damit der Wohnungs- zwangswirtjckast im allgemeinen eingehend begrün­dete wirtscyaftlicheBedenken erhoben wer­den. Die Umwandlung der Hauszinssteuer in eine ablösbare Reallast wird abgelehnt. Weiterhin wird gefordert, daß die Heranziehung der Erträg­nisse aus dieser Sondersteuer zur Deckung des allge­meinen Finanzbedarfs zeitlich befristet wird. Eine Umänderung der Steuer und Befreiung der ge­werblich benutzten Gebäude und Gebäudeteile sei unerläßlich.

Erne Kundgebung des Deutschen Gewerkschaftsbundes.

Essen, 7. Dez. (TU.) Das Brzirtskartell der Christlichen Gewerkschaften für Eisen und Umgebung nahm in einer großen Kundgebung zu 'der Ärbeitszeitfrage Stellung. Der Geschäftsführer des Gesamtveröandes Ehristlicher Gewerkschaften, Daltrusch, erklärte, eine scharfe Kontrolle der Preisgestaltung wäre un­bedingt notwendig. Er wa irdte sich im weiteren scharf gegen das Lleberhandnehmen der Heber- stunden. Ferner setzte er sich für einen besseren Schuh der älteren Arbeiter unb den Ausbau des Kündigungsschutzes ein. Die Forde­rungen des Drwerkschaftsbundes wurden in einer Entschließung besonders unterstrichen.

Ausbreitung des Dortmunder Schulstreiks.

Dortmund, 7. Dez. (Wolff.) Die evan- gelische Elternschaft in Bochum hat, nachdem sie auf ein an den Minister für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung abgefandles Telegramm mit der Aufforderung auf Entfernung des dissidentischen Schulrat s keine Antwort erhalten hat, beschlossen, am Donnerstag, den 9. Dezember ebenfalls in de n Streif zu treten. Auch Herne, Gelsenkirchen, Wanne-Eickel und Wattenscheid haben sich bereits für den Schulstreik ausgesprochen.

Vie deutsch-englischen Industriellenverhandlungen.

London, 7. Dez. (LU.) Die Hauptergeb- nisse der seht abgeschlos enen Konferenz zwischen den Vertretern der deutschen und der britischen Aeichsverbände der Industrie Lassen sich wie folgt zusammenfassen:

1. Man ist übereingekommen, daß die berber­seitigen Reichsverbände bis zum nächsten Zu­sammentreffen ein Formular zum Zwecke der Unterbreitung an die Regierung entwerfen sollen, in dem für die B e s e i t i g u n g d e r b e stie h e n- ben Doppelbesteuerung der Staatsange» hörigen durch die Steuerbehörden des anderen Landes eingetreten wird. Auf deutscher Seite hofft man, daß ein englisch-deutscher Vertrag zuslandekommt, analog demjenigen, den Deutsch» and mit Italien, Ungarn und Oesterreich abge- chlossen hat. Die Doppelbesteuerung soll ver- chwrnden.

2. Weniger präzise waren die Verhandlungen in der Frage der Schutzzölle. Die deutschen Delegierten schnitten dieses Thema an. doch war man auf englischer Seite an die Regierungs- Politik gebunden.

3. Es wurde beschlossen, daß die beider­seitigen Organisationen eine genaue Unter­suchung der Frage der Regierungssubsi- dien cinleilen, so daß die Unterlagen für die nächste Tagung vorliegen. Die Frage der Export­kredite wurde gesondert besprochen.

4. Die Delegierten beschlossen, einen syste­matischen Austausch von Informationen über Messen und Statistiken herbeizuführen, um 5u e'.n.'r gemeinsamen PrlitU in diesen Fragen zu kommen.

Das deutsche Eigentum in Amerika.

Die Äorrgretzbotschaft des Präsidenten Coolidge.

Washington, 7. Dez. (WTD.) In der Iahresbotschaft des Präsidenten, die heute dem Kong: ) zugegangen ist, heißt es über die Frage der Rückgabe des beschlagnahmten Eigentums in Amerika u. a.: Die moralische Verpflichtung zur Rückgabe bestehe in allen Fällen. Der Kongreß möge in dieser Session ein Gesetz zur ge­rechten Regelung der Frage annehmen. Der Oberste Gerichtshof hat zwar entschieden, daß der Kongreß das Recht hat, über das be­schlagnahmte Eigentum nach Gutdünken zu verfügen. Ein solches Vorgehen aber entspricht nicht dem amerikanischen Ideal der Heilig­keit des Privateigentums. Eine kluge amerikanische Politik wird der Verwendung des Eigentums deutscher Staatsangehöriger zur Be­gleichung der Schulden der deutschen Regierung a b l e h n^c n t> gegenüberstehen. Dies ist der erste Grundsatz. Der zweite Grundsatz ist folgender: Die Koste n für ein solches Vorgehen muh daS gesamte Volk tragen und nicht nur ein Bruchteil, nämlich diejenigen Amerikaner, die einen Anspruch gegenüber Deutschland haben. Das fremde Eigentum aber dient als Sicherheit für die Befriedigung der amerikanischen An­sprüche. Die Vereinigten Staaten können den amerikanischen ForderungSberechtigLen nur dann diese Sicherheit vorenthälten, wenn sie s e l b st die Sicherheit dafür übernehmen, daß die ameri­kanischen Ansprüche schließlich befriedigt werden.

Der Präsident führte u. a. noch aus: Amerika fürchte niemanden und niemand fürchte Amerika, denn alle Welt wisse, daß Amerika seinen ganzen Einfluß gegen den Krieg und für den Frieden, für Verhandlungen und Schieds­gerichte als Mittel der Beilegung internatio­naler Streitigkeiten einsehe. Heber die Phi­lippinen heißt es, trotz der Fortschritte der eingeborenen Bevölkerung auf dem Wege zur Sribstregierung. könne der Zeitpunkt nicht an­gegeben werden, wo Amerika nicht die Verant- wortung für die Verwaltung der Inseln tragen müsse. Amerika müsse eine der Gröhe des Landes und seiner Rolls in der Welt entsprechende Armee und Marine unterhalt n. Wenn Amerika jetzt und in Zukunft bewaffnet ble'be, so bedeute das keine Drohung. Amerika- An­gebot, Verträge über die Beschränkung aller KrieasschiffStvpen nach der Formel von Washington abzuschließm. laufe noch. Die Botschaft spricht sich weiter für eine voll- smnbigs Aufrechterhaltung dec Pro-

Hibitionsgesehe aus und lehnt den Ge­danken einer Herabsetzung der Zolltarife nachdrücklichst ab. 65 Prvz. der gesamten Einfuhr seien abgabenfrei auf den amerikanischen Markt gelangt. Die Vereinigten S.aalen gewährten also zollfreie Einfuhr in einem Umfang, der größer fei. als in jedem anderen Land.

poincare zur Hrankenhausse.

Die Stabilisierung aus eigener Kraft.

Paris, 7. Dez. (WTD.) In der Kammer crgrifs Ministerpräsident Poincare in seiner Eigenschaft als Finanzministec das Wort. Er betonte, daß zur Entwertung des Franken, zur Lebensmittelteuerung und zur Bedrohung des Dudgetg leichgrwichts Ec .ne Tatsache mehr bci- getragea habe, als die verschiedenen aufe.nanber gefolgten Inflationen, d e vorzunehmen die einzelnen Regierungen sich gezwungen geglaubt hätten und die er für seinen Teil stets miß­billigt habe. Alsdann entwickelte Poincare ein Programm, wonach eine in zwölf Iahren amorttsierbare Anleihe es ermöglichen würde, die kurzfristigen Bonds vom Iahre 1922 im Be­trage von 3 Milliarden, von d.nen die Rückzahlung von 1400 Mill, beantragt worden sei. e nzulösen. Dis zu einer Stabilisierung sei man noch nicht gekommen. Heute vormittag hat man mich ge­fragt, so fuhr PoincarS fort, ob ich einen Plan hatte und ob ich nicht etwa ein Mechaniker sei, der seine Maschine nicht mehr aufhalten könne, oder ein Reiter, dem das Pferd durchzegangen sei. IedeSmal, wenn ich auch noch so diskret auf Fragen geantwortet habe, dir mir gestellt wur- ben, hat sich die Spekulation meiner Worte bemächtigt. Ich habe keine Lust, die Spekulation zu begünstigen. Gewiß kann die Rrvalorisierung einer Währung eine Wirtschaftskrise Her­vorrufen und Arbeitslosigkeit zur Folge haben. Aber es gab keine Stabilisierung, die nicht 0 ungünstige Folgen hatte. Wer eine ende Währung in eine gesunde umwandeln will, muh es berfteben, einen Abgrund z u überschreiten. Man beschwert sich über die Hausse des Fra nken. Das Hebel des Stei­gens der Währung ist aber weniger groß als das liebel, das die Pessimisten angekündigt haben. Die Regierung hat sich niemals der Illusion hin- gegeben, daß eins Finanz- und Währungs'efvrm ohne Opfer und ohne Leiden durchgeführt werden kann. Die Regierung hat ein D.'sastre verhindert und der Inflation ein Ende bereitet. Sie hat schließlich ernstlich damit begonnen, die Amorti­sierung der schwebenden Schuld zu organisieren. Auch die Preissteigerungen hat sie aufgehalten und schließlich, was das wichtigste sei, Frankreich hat aus eigener Kraft seins finanzielle Wieder­erhebung durchgeführt, ohne seine Freiheit auf- zugeben und ohne irgenbetnc Bedingung des Auslandes erfülll zu haben.

Eine italienisch-albanisch- jugoslawische Triple-Allianz?

Belgrad, 8. Dez. (TU.) DiePolitika" berichtet, daß zugleich mit dem italienisch- albanischen Freundschaftspakt eine geheime Militärkonvention unterzeichnet worden sei, in der sich Italien verpflichte, Ach­med Zogu Truppen zur Verfügung zu stellen, wenn fein Regime bedroht sei. Muisplini habe Jugoslawien vorgeschlagen, mit Albanien ein dem italienisch-albanischen Vertrag gleich­lautendes Abkommen abzuschliehen. Diese Der- träge würden ein organisches Ganzes bilden und den Ramen Triple-Allianz erhalten. DaS Blatt meldet, daß die jugoslawische Regierung hiermit einverstanden sei.

Die Mächte und China.

London, S. Dez. (WTD. Funispruch.) Aus einer Versammlung von etwa, 100 konservativen Parlamentsmitgliedern forderte der Vorsitzende der China-Vereinigung, Großbrttanniien solle in China Die Führung übernehmen und der Kan­ton-Regierung mit teilen, daß sie. wenn sie Frieden und Ordnung in dem von ihr be­herrschten Gebiet wieder herstelle und jeden Boy­kott und alle Streiks gegen die Ausländer be­ende, unverzüglich von den Mächten an­erkannt werde. Auch in amtlichen Kreisen Amerikas wird die kritische Lage in China aufmerksam verfolgt. An maßgebender Stelle wird ertläct, daß die Vereinigten Staaten unter keinen Umständen an der Seite Englands in China eingreifen würden. Das Staatsdeparte­ment wolle sich mit der Rolle eines Beob­achters der chinesischen Angelegenheiten be­gnügen.

Kleine politische Nachrichten.

In Den letzten Tagen hoben neue Besuche d e r Militärkontrollko in Mission im Osten Deutschlands staitgesunden, und zwar wurden die Festungen Königsberg und Lätzen in­spiziert.

Die Berliner Stadtverordnetenversammlung nahm einen Antraa auf Auflegung einer 150* Mtllionen-An leihe zum Wohnungs­bau an. Mit diesen Mitteln werden für Berlin 30 500 Wohnungen gebaut werden, und 80 000 Ar­beiter für die Dauer von sechs Monaten Arbeit er­halten können. Ferner wurde auch der Vorlage auf Aufnahme einer 20--Millionen.Dollar- Anleihe für die Berliner städtischen Elektrizitäts­werks zugestimmt.

Der Leiter des Internationalen Arbeitsamts, Al­bert Thomas, trifft am 15. Dezember in Ber - l i n ein, um hier in mehrtägigen Besprechungen mit den zuständigen Regierungsstellen die Frage der Neubesetzungen und Berteilung von Stellen im In­ternationalen Arbeitsamt zu klären.

Kunst und Wissenschaft.

Ein Sommer der Musik In Frankfurt.

In Frankfurt a. M. bringt der Sommer 1927 eine große internationale AusstellungDie Mu- sik im Leben der Völker". Neben reich be. schickten musikhistorischen Abteilungen werden in umfassenden Gruppen aus allen Ländern und von allen Völkern Musikinstrumente gezeigt, auf denen nach Möglichkeit musiziert werden soll. So wird es sich vor allem um einetönenbe Ausstellung" Han- dein. Der Reichsverband Deutscher Tonkünstler und Musiklehrer hat beschloßen, seine für 1927 in Aus- sicht genommene vierte Musikfachauostellung (die dritte fand 1922 in Berlin statt) im Rahmen der

AusstellungMusik ün Leben der Voller" in Frank­furt a. M. durchzuführen. In Verbindung mit der Ausstellung werden große von Prof. Clemens Krauß geleitete und von Oberregisseur Dr. Lothar W a l l e r st e i n inszenierte Festaufführungen der Frankfurter Over stehen. Jur Wiedergabe Gelangen BeethovensF i d e l i o", der völlig neuinszenierte R i n g" von Richard Wagner und in Anwesenheit des Komponisten in einer Festwoche Werte von Richard Strauß. Ferner sind Verhandlungen im Gange, führende internationale Dirigenten für Fest­konzerte in Frankfurt a. M. zu gewinnen. Bekannt­lich findet auch das Musikfest der Inter­nationalen Gesellschaft für neue Musik 1927 zum ersten Male in Deutschland, und zwar in Frankfurt a. M., statt. Endlich wird die Reaer- Gesellschaft ihr Musiksest im nächsten Jahre gleichfalls in Frankfurt a. M. oeranstallen. So steht im Sommer 1927 Frankfurt ganz im Zeichen der Musik.

Aus aller Welt.

Das Elfeubahnbauuuglück bei Salzburg.

Zu dem Unglüd an Der Glanbrücke erfahren wir noch: Dienstag nacht veranlaßte die Dahn- inspektion der Deutschen Reichsbahn die Ein­fügung einer verstärkten Eisenkon­struktion an der Drücke. Zu diesem Zwecke wurde ein Kranwagen nebst Lotomotive an das Bauobjekt herangebracht. Der Kran wurde, um die Drückenkonstruktion zu heben, in einem Winkel von ungefähr 45 Grad geschwenkt. Gl ich darauf zeigte sich das Gegengewicht als zu leicht und rollte ab. Im nächlten Augenblick be­gann der Kran nebst Wagen in die Tiefe zu sinken und fiel schließlich ins Dachbett. Zwei Arbeiter wurden auf der Stelle getötet, elf verletzt. Da tie Kuppelung zwischmr dem Kran­wagen und der Lokomotive zerriß, kam die letztere knapp vor dem Abgrund zum Stehen.

Lawinenunglück am Großen St. Bernhard.

Am Dieitstag wurden etwa zehn 'Mönche und Rovizen des Hospizes auf dem Großen St. Dernhard von einer Lawine überrascht. Fünf Rovizen wurden mügerihen. Zwei konnten ge­rettet werden, während drei umS Leben kamen.

Erdbeben In Südafrika.

In Johannesburg wurde eine Reihe von Erdstößen verspürt. Im Wolhuter Gold­bergwerk barsten tn einer Tiefe von 2700 Fuß die Felsen, wodurch ein Europäer und drei ein­geborene Bergleute getötet und sieben Ein­geborene schwer verletzt wurden.

Lebendig verbrannt.

In Muhbach bet Ludwigshafen benutzte die Frau des Lehrers Eschmann beim Reinigen des Ofens mit Benzin getränktes Stroh. Plötzlich schlugen die Hellen Flammen daraus hervor. Die Frau trug so schwere Ver­letzungen davon, daß sie bald nach ihrer Ein­lieferung im Krankenhaus verstarb.

Auszeichnung eines Wohltäter».

Dem Präsidenten der Niederländschen Am- bulance, Ionkher Lodolf van Revervoorden tot Oldeneule in Amsterdam ist in dank­barer Würdigkeit seiner Verdienste um die För­derung des Liebeswerkes zugunsten Frankfurter Altstadtkinder vom Magistrat die Silberne Plakette der Stadt Frankfurt tu M. verliehen worden.

Jubiläum der Internationalen Schlaswogen- Gesellschaft.

Die Internationale Schlafwagen»Gesellschaft konnte kürzlich das Jubiläum ihres 50jährigen Bestehens feiern. Sie wurde im Dezember 1876 von dem belgischen Bankier Ragelmakers gegründet unö verfügte anfang 1926 über 912 Schlafwagen, 625 Speise-, 26 Salon-, 10 Pull­mann- und 166 Güterwagen. Die im Krieg ge­gründeteMitropa" versieht lediglich inner­deutschen Dienst.

Start Mittelholzers zum Afrikaflug.

Der Schwe.zcr Flieger Mittelholzer ist nach monatelangen Vorbereitungen mit seinem Dor­nier-WalSwitzerland" zu einem Afrika- Expeditionsflug von Zürich aus gestartet.

fiapitäne mit gefälschtem Patent.

Dem Letter der Mustcr-ngsjtelle für Seeleute m Finkenwärder wurde nachgewicsen, daß er Iahre hindurch jungen Seeleuten, die noch nicht die Se e f o h r t s H u le besucht hatten, gefälschte Patente ausgestellt hat, für die er sich gut bezahlen ließ. Richt weniger als 45 Einzelfälle konnte^ ermittelt wer­ben. Der Letter her Musterungsstelle und ein 80 Iahre alter Schiffer sowie 44 Seeleute hatten sich wegen Urkundenfälschung und Bestechung vor Gericht zu verantworten. Erschwerend kam hinzu, bau infolge unkundiger Führung eines Schifssführers mit gefälschtem Patent ein Fisch- dampfer mit elf Mann in der Nord­see gesunken ist und eine schwere Kolli­sion auf der Elbe verschuldet wurde. Der Haupt­angeklagte wurde zu zwei Iahren Gefängnis, sein Mithelfer zu zwei Monaten Gefängnis ver­urteilt. Ein Teil der Seeleute wurde aus jurifti- schen Gründen freigesprochen, bei dem anderen Teil das Verfahren wegen Beamtenbestechung abgetrennt

Neun Jahre Zuchthaus wegen Raubüberfalls auf ein Postamt.

In Braunschweig verhandelte das große Schöffengericht gegen Paul G ö r i s ch , der im Ianuar dS. Is. mit einigen Genossen den Ueber- sall auf das Postamt in 3 e r f b c i m auÄ- geführt Hot, wobei ihnen Wertsachen im Be­trage von etwa 30 000 Mark in die Hände fielen, außerdem wurden Görisch eintne andere Straf­taten zur Last ge'egt. DaS Urteil laute« wegen schwerer Diebstähle und schweren Raubes auf 9 Iahre Zuchthaus.

Doppelroudmord.

2n Himmelkartha (Sachsen) wurde die Fabrik­arbeiterehefrau D u l i e s, deren Ehemann fick in Amerika aushält, und ihr Zjsähriges Söhnchen gestern abend in ihrer Wohnung von dem 19jähngen Wirtschaftsgehilfen Stopp durch Schläge mit einem Meißel auf den Kopf getötet. Der Mörder raubte 60 Mark aus einer Kommode und flüchtete. Er ist jedoch bereite verhaftet und geständig.

Wettervoraussage.

Wieder etwas kälter, Rachttrmper-aturen nahe um null Grad, tagsüber wenig auftlarenb. nur vereinzelt Niederschläge, Im allgemeinen trocken. Gestrige TageStemprraturrn: Maximum 0,9 Grad Celsius, Minimum minus 0,4 Grad Celsius. Heu­tige Morgentemperatur: 0,2 Grad Celsius.

Aus der Provinzialhauptstadt.

Gießen, den 8. Dezember 1926.

Fahrradmarder.

Das Fahrrad ist von jeher ein beliebtes Ob­jekt für die Landfinger gewesen. Richt allein, i daß es bei der regen Nachfrage nach Fahrrädern I leicht abzusetzen ist, einen erheblichen Wert Mr- stSllt und beim Abtransport nicht sonderlich auf­fällt, begünstigt es den Langfinger dadurch, daß es ihm die Hand zur Flucht reicht Aus dem Rücken des gestohlenen Stahlrosses reitet her Dieb von bannen und der auf Schusters Rappen angewiesene Verfolger vermag das Tempo des Fliehenden nicht zu halten.

Nun wäre es schlimm um die Radfahrer bestellt, wenn nur der Sieb mit der Zett gehen und stets das entwenden würde, für das er Ab­satz bei den Hehlern findet. Auch die Technik, die Polizei und der Kaufmann gehen mit der Zeit unö so ist es zu einem schweren Kampfe zwischen den drei Safloren und denen gekommen, die vom Diebstahl leben wollen. Schon in der ersten Zett des Radsports gab es Fahrradhieb­stähle, aber dieHochkonjunktur" brach in her Mitte der neunziger Iahre des vergangenen Iahrhunderts heran, als der Besitz eines Fahr­rades zum guten Ton gehörte und nicht ein jeder In der Lage war, den damals hohen Betrag für ein Fahrrad zu erlegen. Die Technik erschien als erster Widersacher her Fahrradhiebe auf dem Plan. Mit Ketten und Schlössern suchte man Me Fahrräder gegen Diebstähle zu schützen, aber die Langfinger zogen sofort gleidt Sie kon­struierten SdjneiteTangen und erst aQ die Tech­niker Stahlverschlüsse schufen, mußten die Diebe auf die Kneifzange verzichten. Wit her Stahl- fäge zu, arbeiten, verursachte Mühe unö Geräusch, kostete Zett und erregte Aufsehen. Sie Dache war also schon schwieriger aeworden und fie wurde noch komplizierter, als man Fahrrad- schlosser auf den Marti brachte, die ohne Kennt­nis der zur O»Urning bestimmten Zahl nicht zu öffnen waren. Das Forttragen der Fahrräder mit dem Verschluß war zu gefährlich. Das Moment der Fluchtbegünstigung durch daS Fahrrad ent­fiel bet diesem Schloß und dasHanhwert* der Diebe gestaltete sich um so schwieriger. alS die Technik immer neue DiebstahlSsicherun- gen erfand und die Radfahrer selbst über solche Sicherungen nachdachten. So konstruierte ein Mechaniker einen auf einer Feder sitzenden Dorn, der unter hem Sattel angebracht, in die Höhe schnellte, sobald ein Unbefugter in den Sattel sich setzte. Ein anderer Erslnder stellte einen Apparat her, der wie ein Kind zu schreien be­gann, sobald ein Unbefugter das Fahrrad be­nutzen wollte. Die Technik brachte abnehmbare Lenkstangen, herausnehmbare Vorderräder, fest­stellbare Steuerschäste, feststellbare Achsen unb Naben und abnehmbare Sättel. Die Diebe batten es immer schwerer und es tarn bald soweit, daß sie nur noch an ungesicherte Fahrräder sich heranwagten, Die Beute wurde gering und man hätte mit dem Grsolge im Kampse gegen den Fahrradmarder zusrieben sein können, wenn die Oertlichkeit öffentlicher Gebäude, Danken, Ge­schäftshäuser usw. nicht oft so ungünstig für das Abstellen eines Rades gewesen wäre, daß der Diebstahl geradezu herausgefordert wird. Es hat sich herausgestellt, daß Diebe einen Rad­fahrer vier Treppen hoch nachgestiegen sind, um das Rad zu stehlen, aber diese Diebe waren darum weniger gefährlich, als sie mit der Deute das Haus verlassen mußten unö habet gesehen werden konnten. Viel gefährlicher waren die .Hausdiebe", h. h. jene, die im Hause wohnend, die Fahrräder von der Treppe in die Wohnung holten und den Radfahrer auf her Straße nach dem Diebe suchen ließen. Diese ,Wohnungshiebe" nahmen die Fahrräder meist sogleich auseinander, verwechselten die Teile mit anderen Beutestücken und machten daS Rad selbst für Öen Besitzer un­kenntlich. Aber auch gegen öiefe Umwandlungen hat die Technik einen Schutz gefunden. Sie hat die Sabrifnummem so tief eingeschlagen, daß ein HerauSfeilen oder Auslöten zwecklos ist und der Besitzer an her Nummer stets fest stellen kann, - ob das verwandelte Rad sein Eigentum ist.

Im Kamps gegen den Fahrradmarder ist man aber noch weiter gegangen. Man hat Aufbe­wahrungsstellen geschaffen, in denen die Fahr­räder gegen ein geringes Entgelt diebes-, wette» " und feuersicher aufbetoafort werden und diese in vielen deutschen Städten zur Einführung ge­kommenen Ausbewahrungssteilen Haden die Fah» a vaddiebstahle stark vermindert. Völlig werden I sie sich nicht auSrvtten lassen, aber daran sind 1 weniger die von der Technik ersonnenen Mittel oder gar eine Unzulänglichkeit her Aufbewah­rungsstellen als vielmehr hie Sorglosigkeit vieler Radfahrer schulh. Ein ohne Aussicht stehen- gelassenes Fahrrab forbert zum Diebstahl he» aus und mancher, her nie an einen Fahrrad- diebstahl gedacht hat, ist durch die Gelegenheit zum Diebstahl zum Diebe geworden. Degen hie Behauptung, die Radfahrer lassen ihre Räder leichtsinnig stehen, könnten die Radfahrer alle» dings einwenden, daß man gegen niemand so unfreundlich ist, wie gerade gegen sie. Der Portier setzt meist eine Ehre darin, dem Rad­fahrer Schwierigkeiten zu bereiten und an vielen Stellen liest man Schilder, die auf ein Verbot des MitbrlngenS von Fahrrädern Hinweisen. Kann man auch begreifen, daß viele Haus­besitzer eine Beschädigung ihrer Häuser be­fürchten, wenn ein Auto dagegen fährt, so ist das Fahrrad doch zu leicht und zu klein und selbst zu empfindlich, als daß man mit ihm Löcher in die QBaucm rennen könnte. Heute, wo II Millionen von Menschen das Fahrrad zum De- rufe benutzen, sollte man sich daran gewöhnen. H daß eS eine Daseinsberechtigung hat und daß II der Radfahrer fein LuxuSerzeugnis unseres Der» II kehrS ist. Man soll nicht von ihm verlangen, daß II er ein Wertobjekt ohne Aufsicht läßt unö man H soll nicht öenen öas Hanöwerk erleichtern, hie II von der Entwendung fremden GgteS leben. Die 1 FahrradaufbewahrungSsteilen, die auch In vielen großen Gebäuden eingerichtet worden finh. haben uns einen großen Schritt vorwärts gebracht und die Zeit wird nicht mehr fern fein, wo die Fah» radmarder sich ihre lüsternen Augen auSgucken | können, ehe sie ein herrenlos auf der Straß« i stehendes Fahrrad entdecken. 1

Bornotizeru

Tageskolender für Mittwoch. Stadttheater: 7j Uhr.Cdonie1 (Ende gegen 10$ Uhr). Verein Alter Burschenschafter: 8j Uhr, Frankenhaus, Vortrag von Professor Dr. Roloss. Schützengelellschafl 1926 Klasseneinfchießen. .Hu­bertus" Vereinslokal, Mitgliederversammlung^

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