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er im selben Augenblick Milliarden unsichtbar kleine Lebewesen, die die Zellen zerstören. Und Zerstörung ist doch auch Leben."

So", sagte Martina still.

,Hst das vielleicht zu hoch? Kann das nicht jedes Hirn üegrelfen?"

Gar nicht zu hoch", versicherte Martina. Aber im AuMU^ck wußte sie nicht, was sie mit der neuen Erkenntnis anfangen sollte.Also gewisser- maßen eine Unsterblichkeit im anderen Sinne", sprach sie endlich.

Im selben oder im anderen Sinne, wie Sie wollen." Morell tat das Präparat wieder an seinen Platz.

Immer aufs neue kam Martina auf die Arbeit Morells zurück. Nie noch war sie einem solchen Menschen begegnet. Mit anderen Augen sah der Dinge und Menschen. Es war, als lebte er in einer besonderen Welt. Dünn und klar war dort die Luft. Unwichtig schien das ganze Dasein aus einmal, klein und kleiner wurde der Alltag. Fast quälend wirkte die Empsinduno.

Ist es nicht schwer, diesen Standpunkt zu ge­winnen?" fragte Martinq einmal, als man mieber bei Vater Abel sah.

Immer ist es das Schwere, an das wir uns halten müssen", antwortet? Morell. , Nur der Um» aanfl mit dem Schweren bringt uns vorwärts. Er schäm Distanz und festigt das Herz."

Martina seufzte.

Mit seinen grauen Augen blickte Morell sie an.

Auch Sie wären nicht geworden, wer Sie sind, wenn Sie es leichter gehabt hätten."

Was wissen Sie von mir?" lachte Martina ge­waltsam.

Morell ging auf den Ton nicht ein.

Ihr Standpunkt unterscheidet sich nicht sehr von dem meinen. Mir hat die Wissenschaft den Weg gewiesen. Ihnen Ihr eigenes Erleben." Abermals lächelte er.Und bekanntlich führen viele Wege nach Nom."

Ach, was Ihnen einfällt", sagte Martina leicht­hin. Im Moment war ihr jedenfalls nicht zumute, als ob sie sich zu beklagen hätte. Aber gleich schlich etwas heran, was sie niederdrückte.Sie meinen das Unglück daheim?" Zögernd fetzte sie hinzu: Das war wirklich schwer."

(Fonjetzung folgt.)

©tfMfernffien des starken Verkehrs Rechnung getragen worden. Heue Bureau räume gestatten ebw zweckmäßigere Unterbringung der etrv,einen Abteilungen. Aus dem Gesagten ergibt sich das Verbleiben des Amtsgerichts von sslbst. Es könnten sogar noch einige Ortschaften

hinzukc-mmen.

Bnd-Rauheim. 6.Rov. Der Pächter deS hiesigen Jagdreviers ^Frauenwald und Reu- anlagen" hatte für diese Tage seine Jaqdfteunde zu einer Treibjagd eingeladen. Die Jäger stellten sich in großer Zahl ein es waren ihrer nahezu 30. aber daS Wild kam nicht in der entsprechenden Zahl aus seinen Schlupfwmkeln hervor. So hatte die Jagd nur ein schlechtes Ergebnis. Mit 3 Rehen und 17 Hoscm mußte man sich begnügen, Zahlen, die u^^ens deutlich zum Ausdruck bringen, wie stark der R>rli itand in den letzten Jahren zurückgegangen U. Dabn handelt es sich beim Frauenwald um ein gutes Revier, dessen Pächter dazu rin weidgerechter Jäger und anerkannter Mldheger ist.

h. WölserShcim, 6. Rov. 3n ferner jüng­sten Sitzung brichäftigte sich der DemeIndernt mit dem vom Kreisamt für dieses Jahr borge- schlagenen Aus s ch lagsätzen der Ge­meindesteuer. Der Gemeinderat en.arte ftch mit dem Vorschlag einverstanden, wonach auf je 100 Ml Stererweri erhoben werden von Gebäu­den und Dau Plätzen 9.7 Pft vom land- und forst­wirtschaftlichen Grundbesitz 19,9 Pf., vom land- und forstwirtschaftlichen Betriebskapital 10 Pf., vom gewerblichen Betriebskapital 10 Pf., von der staatlichen Dewerbeertragssteurr (BcrgtocrL 100 Ps.. von der Sondergebäudesteuer 17,3 Ps., Gesamtergebnis 16 509 OEu Weiter wurde über die Besoldung der Gemeindebeamten verhandelt. Bisher bezogen: der Bürgermeist.-r 2180, der Gemeinderechner 1320, der Feldhüter 2400, der Polizeidiencr 1240 und der Racht­wächter 800 Mk. Das Kreisamt schlug in der­selben Reihenfolge vor: 2200, 1600, 1500, 1100 und 800 Mk.. während der Gemeinderat 2000, 1200. 1500. 1100 und 800 Ml. bewilligte.

flrciö Schotten.

ld. Schotten, 6. Rov. Die Ergebnisse der Treibjagden, die eben schon hie und da stattfinden, sind selbst in Revieren, die durch Jahre hindurch mit größter Liebe gepflegt wur­den, äußerst mager. So betrug die Strecke in einer Revierjagd < Waldjagd) des Forstamts Schotten 1 Rehbock, 1 Fuchs, 4 Hasen, obgleich fast 30 Schützen zur Stelle waren.

Gedern, 6. Rov. Mit dem Dau der neuen Straße GedernD urkhardS wird in Kürze begonnen. 3n erster Linie sollen, wie verlautet, einheimische Unternehmer Berück- sichtigMrg finden und als Arbeiter Erwerbslose in Frage kommen.

* Eichelsdor f, 6. Rov. Gestern wurde im Möserschen Saale unter großem Rndrange von Käufern und Reugierigen die Zwangsver- fteigerung des 21. Fallschen Anwesens, der Iunkermühle, vorgenommen. Die Mühle, sowie einige in ihrer Umgebung liegende Grund­stücke erwarb Ingenieur Bernhard Henß au8 Wiesbaden für 28 000 Mk.. der neben Ku nden- Müllerei auch einen maschinentechnischen Be­trieb emrichten will. Die übrigen Grundstücke, etwa 26 Morgen, sanden zu hohen Preisen unter der bäuerlichen Bevölkerung unseres Dorfes Käufer. Für Ackerland wurde bis 80 Pf., für Wiesen bis 50 Pf. für 1 Quadratmeter bezahlt. Der Gesamterlös von 45 000 Mk. bleibt weit unter der Taxation und beträgt etwa ein Viertel der vorhandenen Schulden. Von nuferem über 900 Einwohner zählenden Dorfe wird es be­grüßt. daß nunmehr wieder ein Mühlenbetrieb ton Platze m Gang kommt.

* Sichelfach 1 en. 6. Rov. Der am H-'ber- tustage während einer Treibjagd im Forstort Lehnkops zwilchen her und Glashütten auf' gefundene Tote wurde hier beerdigt. Wie die gerichtlichen Frststellungge.i ergaben, handelt es sich um einen etwa 50 Jahre alten, aus dem Rheinland stammenden Maler (Anstreicher), der anfangs September zuletzt in Eichelsachsen schwer betrunken g-sehen wurde. Ein? Beeren» fammlerin sah ihn dann auch um diese Zeit in dem zum Stein köpf im Lehnkvpf gehörenden Schutzhäuschen liegen ohne zu ahnen, daß es ftch um eine Le'che handelte. Da neben dem Toten eine geleerte Schnapsflasche stand, ist anzunehmen, daß unmäßiger Alkoholgenuß ö:e Sobeä- ursache war. Ilm einen Raubmord Hand lt es sich ! « liMIIIH -I -II <- ---

aut feinen Fall, beim die .Fechtpfennige", über 30 Mk., waren noch vorhanden.

e 11 lr. ch stein, 6. Rov. Hier finden an sämtlichen Abenden dieser Wvch. E v a n g e I i sationSvorträge statt. Die Leitung hat Pfarrer Kornmann, der mit den Dorträgen hn Verein mit anderen Herren eine sehr aner­kennenswerte Arbeit leistet.

L Unter-Seibertenrod, 6. Rov. 3n unserem erst 40 3alfee alten Schulhaus ifl das gesamte Balkenwerk vom Wurm zer­fressen und morsch Man schreibt das dem Umstande zu, daß zum Bauen Wmdlallhvlz, oder im Soft ges Hlagenes Holz verwendet wurde. Da das Schulhaus ein Holzhaus ist. dürste das Morschwerden des Gebälkes in den nächsten Jahren eine Repaixttur von Gruird aus 7rotw«ckng machen, die für unsere kleine Gemeinde namhastc Kosten vcruriachTN wird. 3n der Rachbargemernde Ober-Ohmen macht sich am Dachstuhl oet. Schllhaufes derselbe Mißstand bemerkbar. Bei einer Reparatur des Daches im letzten Sommer wurden einige ganz morsche Dalken entfernt Mair hofft, die große Reparatur noch eimge Jahre binaus'chieben zu können.

ld. ÄuS dem vorderen Dogelsberg, 6. Rov. Die von der Landwirlscha'tSkammer, den LandwirtschaHSämtcrn und den Obst- und Garwn- bauvereinen seit Jahren betriebene Aufklärungs­arbeit beginnt doch allmählich Früchte zu tragen, denn das Obstbaumpflanzen wird hierzu­lande in den meisten Fällen sachgemäß durch- geftihrt. Rur für unsere Klima- und Bodenver­hältnisse passende Sorten aus Gegenden mit ähn­lichen WachstumsbedingunL^n werden gesetzt. An Stelle des gegrabenen BaumlochS mit feinen glatten, den Saugwurzeln nur schwer bas Ein­dringen ermöglichenden Wänden tritt immer mehr das gesprengte Pflanzloch, das nach allen Seiten aufgeloderten Boden aufveist. Da die meisten älteren Zwetschenbäume ein Opfer des Frostwinters 1923 24 zu werden scheinen, wendet man auch der Rachzucht dieses Baumes größere Aufmerksamkeit zu und pflanzt nicht einheimische entartete Setzlinge, sondern aus Baumschulen bezogene bessere Sorten.

Kreis Alsseld.

3 Homberg a. d. Ohm, 6. Nov. Dieser Tage war hier billiges Kraut zu haben. Ein Händler aus Schweinsberg zahlte nicht die Fracht deS Wagens, und deshalb wurde auf Antrag der ©ülcrabfcrtigurtg Homberg die Ladung meistbietend öffentlich versteigert. Der Zentner Weis-kraut kostete 40 Pf.. Rotkraut 80 Pf.

L Mücke. 6. Rov. 3n unferm Efei.ien Ge> meinwesen hat in diesem Jahre eine r c g e a u- tätigleit geherrscht Es sind drer schmucke Reubauten entstanden, ferner wurde ein größerer Umbau vor genommen. Durch die Deutsche Bau- und SiedlungSgernrinschaft, Sih Darmstadt, wurde auch ein schmuckes Einfamilienhaus errichtet, an dem eine Steintafel mit entsprechender Zuschrift prangt. Gegenüber ist ein stattliches Geschäfts­haus erstanden.

I Ruppertenrod, 6. Nov. Eine bedeut­same Kulturarbeit hat bc*- Kreis Alsfeld in diesem Jahre geleistet. Die wichtige Land- ftrafjc Grünberg Ulrichstein wurde von der Kreisgrenze zwischen Unter-Seibertenrod und Ober-Ohmen bis m den Kammerwald, in der Nähe von (Brünberg, gewalzt, wozu ein halbes Jahr ge­braucht wurde. Diese Strecke ist rund 11 Km. lang. Unter bedeutendem Kostenaufwand hat der Kreis die schöne, breite Straße in bester Weise Herstellen lassen. Leider mußten die Walzarbeiten wegen der vorgeschrittenen Jahreszeit und wegen Geldmangels jetzt eingestellt werden, so daß noch eine etwa 14 Km. lange Strecke bis zur Kreisarenze bei Lehnheim im nächsten Jahre zu walzen ist. Dies soll gelegentlich der Herstellung der Straße MückeHomberg ge­schehen. Die jetzt beendeten Arbeiten standen im Zeichen der produktiven Erwerbslosen- f ü r s o r g c, hatten doch etwa 20 Erwerbslose aus den näheren Orten für längere Zeit lohnende Beschäf­tigung, ungerechnet die Arbeiter, die im Keilschen Steinbruch in Ober-Ohmen bei der Herstellung des Straßenschotters Arbeit fanden. Im nächsten Jahre soll die Straße geteert werden, was im Hinblick auf die große Staubplage äu begrüßen ist.

= Ober-Ohmen, 6. Nov. Bei der heutigen Trcibiagd im Ober-Ohmer Jagdrevier Nord kamen 5 Rehe, 11 Hasen, 2 Füchse und ein Dachs zur Strecke. Bon jeher war es hier üblich, daß zur Beschotterung her (Bemeinbeftra- ßen und - wege Feldsteine, welche die Landwirte

von chren Grundstücken cmsuhren, in zerschlagenem Zustande verwandt wurden. Die Art der diesjäh­rigen Bedarfsdeckung macht hiervon erftmalia eine Ausnahme, da das Ober-Dl) m er B a sa lt- werk die Steine, die in ihrer Härte von den Feld­steinen lange nicht erreicht werden, liefert.

Aus dem Ohmtal, 6. Rov. Der öor- winterliche Saatenst an d unf.'rtr Gemar­kungen zeigt em recht erfreuliches B i i d Der Roggen treibt ziemlich rasch. An Einhett- lichkeit des 6tanbe5 kann er nicht übertroffen werben. Keimfähigkeit und Triebkraft beS Wei­zens sind ebenfalls aufs höchste entwickelt. Dic Wintergerste, die erst seit einigen Jahren hier angebaut wird, hat sich gut herauötzemacht. Ebenso Tft der Stand des Rapses günstig.

Kreis Lauterbach.

Schlitz, 6. Rov. Der ® cmeinberat beschloß in seiner jüngfton Sitzung die Anschaf­fung eineS 50 K. B. A- Generators für bas Elektrizitätswerk. Für die Ban­da r l e h e n , die der Baugenossenschaft und der Heimstättenbaugefellschaft gewährt worden sind, wurde der Zinsfuß mit Rücksicht auf die all­gemeine ZinSsenkung um 1 Prozent ermäßigt. Für ein Zweifarnilienwvhnhaus für Staatsbe­amte. mit dessen Bau der Staat kommendes Frühjahr beginnen wird, wird die Stadt einen Bauplatz zur Beifügung ftetlen. Zur Abstel­lung des Bettlerunwesens wurde die Einführung von sog. Wohlfahrtsscheinen beschlossen, wie sie auch in anderen Städten schon mit Erfolg angewandt werden.

P. Schlitz, 6. Rov. Die hiesige Ortsgruppe der Deutschen Bo lkSp artet, die an­nähernd 100 Mitglieder zählt, nahm in ihrer letzten Versammlung die Reuwahl des Bor- standes vor, welche folgendes Ergebnis hatte: Bvrsitzender Fabrikdirektor Haag, Schriftführer Rentmeister Frick, Rechner Lehrer Sommer. Zum erweiterten Borstand gehören die Herren: Schreinerrneister 2. Paul, Kaufmann Fr. Hin­kel, Arbeiter M. Wildner, Schuhmacher- meister H. Becker, Landwirt und Mühlenbesiher W. Bernhardt, Schreinerrneister H. Schaub. Außerdem gehören irod) zum Gesamtvorstand Bürgermeister und Landtagsabgeordneter Dr. Riepoth und die zur Partei sich rechnenden Mitglieder des Gemeinderats. Unter Kirchengesangverein hat in der letzten Zeit unter Leitung seines Dirigenten, des Lehrers W e g e I, einen sehr erfreulichen Aufschwung ge­nommen. Oft doch die Zahl der aktiven Sänger auf über 60 gestiegen. Die Verlegung der all­wöchentlichen ilebungsftundc aus einem ziemlich ungeeigneten Schulsaal in den kirchlichen Ge- merndesaal wurde mit Freuden begrüßt. Welcher Sympathie der Verein sich in der Gemeinde er­freut, beweist die Tatsache, daß auf einen Auf­ruf hin ihm die Mittel zur Anschaffung eines neuen Harmoniums sofort zur Verfügung gestellt wurden. 3m Gemeindesaal wurden an zehn Abenden fortlaufend Evangelisations- versammlungen durch den Evangelisten Wiegand aus Treysa abgehalten, die unter Mitwirkung der Pfarrer bei starkem Besuch einen sehr eindrucksvollen Verlauf nahmen.

Volksbildungstagung in Friedberg.

sf. Friedberg, 6. Nov. Die über ganz Deutschland verbreitete Gesellschaft für Volksbildung hatte auf Freitag nachmittag zu einem Dolksbildungstag in dem großen Hörsaal des Polytechnikums eingeladen. Die Ver­sammlung war stark besucht, besonders von Lehrern aus Friedberg und der Umgebung. Der Zweck der Gesellschaft ist,die Bevölkerung des Deutschen Reiches mit Bildungsstoff und Bildungs­mitteln zu versehen, um sie in höherem Grade zu befähigen, ihre Aufgabe im Staat, in der Gemeinde und Gesellschaft zu verstehen und zu erfüllen". Der Geschäftsführer der Gesellschaft, I. Tews, Berlin, entwickelte in zweistündigem Dortrag in geistvoller Weise die Ziele und die Arbeit, die zu diesem Zweck bisher geleistet worden sei. Mit Bedauern sei fest- xufteöen, daß die Zahl der einschlägigen Vereine bis letzt noch viel zu Nein sei; in nur etwa einem Zehntel der deutschen Städte und Orte seien der­artige Vereine vorhanden. Dann streifte der Redner die verschiedenen Arbeitsgebiete, besonders das Vor- tragswcsen, von dem er verlangte, daß das Stoff­gebiet dem Verständnis der Hörer angepaßt und klar, wahr und einfach fei. Jedes politische und kon­fessionelle Moment sei aus der Tätigkeit des Vereins

ausgeschloffen. Dk Volksbildung solle im Dienste der ganzen Volksgemeinschaft stehen und nicht im Dienste einer Partei. Die Anlegung von Volks­büchereien werde von der Zentralstelle auf das leb­hafteste unterstützt , im Jahre 1925 26 überließ Me Gftechchaft über 173000 Bände an 10 000 Volks­büchereien. Zum Schluffe gab der Vortragende noch prafri-'che Anleitungen über die Bildung und das Arbeitsfeld eines Vereins, dessen Bestrebe^ stets dahin gehen mäste, seinen Mitgliedern Stunden einer remen und edlen Freude zu bereiten. 3n der Aussprache stellte Schulrat Scherer. Offenbach, i och fest, daß die Gesellschaft für Volksbildung s. Z. in Darmftabt gegründet worden fei, und unser engt res Vaterland deshalb als deren öeburteftälte zu betrachten fei. Der Leiter der staatlichen Zentral­stelle für Volksbildung in Hessen, Schulrat Has ° finger, Darmstadt, berichtete noch über die Tätig­keit dieser Stelle, die stets bereit sei, in allen Fällen beratend zur Seite zu stehen. Der Vorsitzende der Versammlung, Direktor Prof. Di. Schäfer, sprach zum Schlüße dem Redner den Dank für seine vor­trefflichen Worte aus.

Starkenburg.

WSN. Groß-Gerau, 7. Nov. Am Samstag- morgen geriet auf der Landstraße zwifejen Groß-Gerau und Nauheim ein Auto aus Bens­heim, das mit Zuckerrüben beloben war, i n Brand. Kaum hatte der Lenker den Wagen zum Stehen gebracht, als eine hohe Stichflamme aufschlug, die die Drähte der Teiegraphenleitung durchichmelzen tteß. Infolgedessen stürzte ein Mast der Leitung um. Das Auto verbrannte mit seinem Inhalt völlig. Durch den Brand , wurde eine längere Verkehrsstörung verursacht. 1 Am Samstagabend ereignete sich auf dem Hofe der hiesigen Zuckerfabrik ein schwerer Un­fall. Beim Zusammenschieben von Güterwagen geriet der 39 Jahre alte Arbeiter Peter Anthes, Vater von fünf Kindern, zwischen d i e Puffer und wurde sofort zu Tode gedrückt.

WSN. Messel, 7. Nov. Der etwa 40 Jahre alte Zimmermann ©ermann fuhr am Freitag­abend in der Dunkelheit mit dem Rade von Darm stadt nach Messel. Unterwegs geriet er, anscheinend durch das Licht eines vor ihm fahrenden Fuhrwerks geblendet, unter dasselbe und erlitt so schwere Verletzungen, daß er bald nach seiner, Einlieferung in seine Wohnung verstarb.

Rheinhessen.

WSR. Mainz, 7. Rov. Wie verlautet, sollen sich die Beträge, die der vor einigen Tagen aus seinem Amt sristlos entlassene Di­rektor Wilhelm Weitzel des hiesigen Ein- quartierungsamtes veruntreute, auf viele Tausende von Mark belaufen. Weitzel bezog ein Gehalt von 700 Ml monatlich. Da et sowohl tote feine Frau aus begüterten Familien stammen, ist es rätselhaft, wo baß Geld hingekommen ist. Der Stadt entsteht kein Schaden,ba Deckung vorhanden ist.

Preußen.

Kreis Marburg.

sch. Marburg, 6. Rov. Die Lage des Ar­beitsmarktes im hiesigen Bezirk hat sich in den letzten Wochen nicht wesentlich verändert. Am Schluß des Monats Oktober waren noch 1056 (Ende September 1019) männliche und 254 (231) weibliche Arbeitssuchende gemeldet. Crwe bslosen- unterstühung bezogen 529 (505) männliche und 46 (49) weibliche Personen. Die Zahl der Rot- standsarbeiter ist bedeutend zurückgegangen. 3m Lause des Monats- wurden in der Stabt Marburg zwei Rotstandsarbei:en (Kanalisations- arbeiten) beenbet und über 60 Arbeiter entlassen.

die Rotstandsarbeit Lahnregulie- r u n g bei Fronhausen geht ihrem Ende entgegen. Es sind bei dieser Arbeit gegenwärtig noch 100 Mann beschäftigt: weitere Rotstandsarbeiten, die eine fühlbare Erleichterung des Arbeitsmark­tes mit sich bringen würden, sind leider im laufenden Jahre nicht mehr zu erwarten.

Kreis Wetzlar.

Wetzlar, 8. Rov. Zu bent Bericht über die Renovierung der Außenseiten unserer Franziskanerkirche (Är. 260 desGieß. Anz." vom 5. Rov.) ist berichtigend mitzutrilen, daß die Dausumme nicht 30 000 Mark, son­dern etwa 14 bis 15 000 Mark beträcft.

Das große Würfelspiel.

(Martina IBilcmar.)

Roman von Franz I a d e r Kappus.

36 Fortsetzung Jladjöruif verboten

Arbeiten," murmelte Kreuth,arbeiten. Es müßte harte Arbeit (ein; etwas für die Hände, etwas, das jo müde macht, daß man abends wie tot in dos Bett fällt. Das könnte ich wohl. Das vielleicht allein." , ,

Es gibt so etwas", sprach Martina zuversichtlich. Längst hatte sie beschlossen, Benno vor-uschlagen, was Heddenhausen ihr geraten hatte. Uno kurz be­richtete sie, wovon die Rede war.

Droschkenchausfeur?" Darauf war Kreuch nicht gefaßt gewesen.

Wäre nicht eben das das Richtige? Vielleicht", sagte Kreuth und überlegte. Martina öffnete ihr Täschchen.

. Ganz bestimmt, Benno. Hier hast du Hedden- ha '.ms Adresse und Teftphon. Gehe gleich morgen zu hm hinaus. Er Hilst uns sicher."

Schweigend fujritten die zwei nebeneinander. Fest setzten sie die Füße. Die Zukunst hatte das Wort, kleine, noch nebelhafte Bilder sprangen auf, reihten sich zu einem Film, rollten ab und gewannen zages, scheues Leben. Andere stürmten darüber und ver­wischten die ersten. 2lbcr was blieb, war ein Isises Gingen im Herzen, ein frohes Befreitfein von schwe­rer 'Saft.

Bor dem hohen Gittertor wollte Kreuth Martina an r ch ziehen Doch sie stemmte die Arme an feinen ßeib

Martina!"

Nicht", sprach sie still. Auf einmal wehrte sich alles in ihr gegen Bennos Zärtlichkeit. Tat das nur die Nähe des Krankenhauses oder {tteq der Wider­stand aus ihrer Seele auf? Sie wußte keine Ant­wort.

Auf morgen also, Martina." Kreuth küßte ihr beide Hände.

Leb wohl, Benno."

Nachdenklich ging Martina durch die ©eiten.« Pforte.

XXVII.

Doktor Georg Morell legte die Feder nieder und stand vom Schreibtisch auf. Eine Weile blickte er auf die dicht beschriebenen Blätter hinab, dann begann er mit gesenktem Kopf auf und ab zu wandern.

Seine neue Arbeit befriedigte ihn nid)L In keinem Falle durfte er damit vor dem diesjährigen Kongreß in Paris erscheinen. Die interessanten Fälle, die er während der letzten Zeit in Kassel zu Gesicht bekommen hatte, reichten nicht hin, ein lückenloses Bild zu bieten. Mit Recht konnten die Fachkollegen Einwande erheben.

Und hier? Hier war noch weniger zu erwarten. Im Krankenhaus Landsberger Allee" biteben die letalen Ausgänge infolge der verhältnismäßig ge­ringen Bettenzahl an sich beschränkt. Was nützte das modern eingerichtete Laboratorium, was fromm­ten die besten Mikroskope, wenn nur unzuläng­liches Leichenmaterial zur Verfügung stand? Nein: diese Stelle durfte für ihn nur ein Uebergang sein. Er brauchte ein reicheres Betätigungsfeld.

Marell zog den weißen Mantel aus und trat ins Freie.

Lind wehte die Luft. Ein grüner Hauch fchim- ! mertc von den Beeten. In ihren blauen Kitteln | rekelten sich Kranke und Rekonvaleszenten auf den Lanken. Schon hatte die Sonne heilende und ftär« lende Kraft. Hoch warf der Springbrunnen seine funkelnde Soule. Es war der erste wirkliche Früh- lii'gstag.

Aus dem Verwaltungsgebäude kam Marttna.

Guten Tag, Doktor Morell." Zur Hälfte waren ihre Augen geschlosien. Die leuchtenden Kieswege blendeten.

Guten Tag. Fräulein Wilcmar." Morell lächelte.Wie pünktlich wir immer sind."

Die Uhr unterm Dadiranb des Mitteltraktes schlug zwei.

Unsere Zeit", sagte Martina unbefangen. Tief holte sie Atem. Eine Freude war es, die herbe, wurzfee Darme in die Lungen zu saugen. Das durchrieselte den ganzen Körper unb prickelte wohlig im Blut. Oyne Grund lachte Martina auf einmal.Gehen wir also."

Seit Wochen speisten Morell unb Martina zu­sammen. Die kleine Wirtschaft jenseits des Viadukts paßte ihnen gerade. Immer fand man noch einen

freien Tisch, immer wurde man rasch bedient, immr war das Gedeck zu einer Mark achtzig gleich schmack­haft. Bei Vater Abel mußte jedermann zufrieden sein.

Nicht leicht waren die zwei stillen Menschen aus sich herausgeganaen. Die Anatomie des Kranken- Hauses hatte die Anknüpfungspunkte ergeben. Schon nach den ersten Tagen kannte Martina .eben Winkel des weitläufigen Komplexes. Aber auch die Anatomie wollte sie sehen.

Morell zeigte ihr bereitwillig sein Reich.

Jetzt gehören Sie jo zu uns, Fräulein Wils- mar. Auch sonst wird es Ihnen nicht schaden, wenn sie da ein wenig hineingucken."

Beklommen trat Marttna über die Schwelle.

Sie müssen vergessen, daß es tote Menschen sind, an denen ich hier Herumschneide", sprach Morell ernst.Eigentlich gibt es ja keine toten Menschen."

Weil die Seele weiterlebt?"

Unb ber Leib." Morell öffnete die nächste Tür. Vom Leib wissen wir es bestimmt. Von der Seele nehmen wir es nur an. Aber wahrscheinlich läuft bas auf dasselbe hinaus."

Martina schültefte den Stopf. Ihre großen Augen [trieben umher. Ein fremder Geruch legte sich schwer auf die Brust, Hohe Regale zogen sich die Wände entlang. Da und dort standen etikettierte Glasgefäße mit Heller oder dunkler Flüssigkeit in den Fächern. Rätselhafte Gebilde schwammen darin.

Das verstehe ich nicht, Doktor Meorell", ge­stand Marttna aufrichtig.

Morell trat an bas Tischchen beim Fenster und spannte ein Präparat aus dem Mikroskop.

Dieses winzige Stückchen zum Beispiel: bis gestern hat es gelebt."

Martina hob sich auf die Fußspitzen.

Was ist das?"

Ein Porttkelchen Milzüberzug. Von einem Toten natürlich." Marell lächelte in seiner verhal­tenen Art.Auch heute würbe das Stückchen M'lz- überzug noch leben, wenn ich nicht Haft geboten hätte."

. Wieso leben, Doktor Morell?" fragte Martina gespannt. Nicht bas geringste Unbehagen spürte sie.

Gemeinhin sagt man verwesen," erklärte Mo­rell.Aber die Verwesung ist nur eie andere Art Leben. Wenn ein organischer Körper stirbt, gebiert