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ergibt sich aus den Erklärungen Tran dis, daß es in Tripolis der Polizei gelungen sei, die An­gehörigen der Miliz zu identifizieren, die an der franzosenfeindlichen Kundgebung teilgenommen haben und besonders die fünf Faszisten, die ins französische Konsulat eingedrungen seien. Was die Vorgänge in Ventimiglia anbetrifft, so ist es nach der gleichen Havas- meldung wahrscheinlich, daß die Frage des inter­nationalen Bahnhofs Gegenstand von Bespre­chungen zwischen beiden Regierungen sein werde. Die katalanische Verschwörung-

Aussagen des Obersten Maeia.

Perpignan, 7. Nov. (Havas.) Oberst M a - c i a ist nochmals verhört worden. Er erklärte, daß das Geld für die katalanische Bewegung nicht von kommunistischer Seite stamme. Er sagte unter Ehrenwort aus, daß die separatistische Be- m e g u n g nicht in Beziehung z u der von Ricciotti Garibaldi angezettelten Be­wegung stehe, und er stellte in Abrede, sich je­mals mit diesem verständigt zu haben. Macia er­klärte die Anwesenheit von Italienern unter seinen Anhängern damit, daß diese ihm gegenüber den Wunsch geäußert hätten, für den katalanischen Gedanken zu kämpfen. Im übrigen sind an ver­schiedenen Stellen längs der spanischen Grenze auf französischem Boden vereinzelt Kisten mit Ge­wehren, Munition, Patronenstreifen für Ma­schinengewehre usw. gefunden worden. In Toulouse hat die Polizei im Verlaufe von Haussuchungen Kontrollabschnitte einer vom katalanischen Komitee am 25. Avril 1925 ausgegebenen Anleihe, deren Titel auf 25 Fr. nom. lauten, beschlagnabmt. In Barcelona und im übrigen Katalonien herrscht voll­kommen Ruhe. Die Polizei hat jedoch Haussuchun­gen vorgenommen, in deren Verlauf auch zwei Verhaftungen erfolgt sind. Die Grenzpoli­zisten, die die katalanischen Separatisten die Grenze überschreiten ließen, sind ihres Postens enthoben worden.

In der Pariser Presse ist man der An­sicht, daß die Untersuchung, die über das ka- lalonische Komblott und die Angelegenheit Gari­baldis eingelertet wurde, volle Klarheit über die Beziehmrgen schaffen werde, die dazu bei­gerragen haben, das katalanische Komplott auf französischem Boden zu organisieren, das, wenn es hätte durchgeführt werden können, die gu­ten Beziehungen zwischen Paris und Madrid ohne Zweifel hätten stören können. Das seien Tatsachen, über die man ernstlich nachdenken müsse. Durch die Aufreizung der italienischen Presse über die angebliche Duld­samkeit der französischen Behörden gegenüber Gegnern des faszistischen Regimes, die nach Frankreich geflüchtet sind, könnten die vertrau­ensvollen Beziehungen zwischen den beiden la­teinischen Rationen gefälscht werden. Jenseits der Alpen müsse viel getan werden, um die Atmosphäre zu reinigen. Man dürfe auch hof­fen, daß Mussolini den Umtrieben gewisser fasziftischer Elemente ein Ende bereiten werde, die ihn über das Ziel hinaustreiben wollen, das er selbst der Innen- und Außen­politik gesetzt hat.

Das Attentat auf Mussolini.

Rom, 6. Roo. (Wolff.) DieTribuna" berichtet aus Mailand, daß dort mehrere Personen unter dem Verdacht, mit dem Attentat in Bologna in Be­ziehung zu stehen, verhaftet worden sind. In die Hände der Polizei ist ein Notizbuch des Ur­hebers des Anschlags gefallen, in dem neben Be­sprechungen über Sulla und Cäsar folgende Er- klärung steht:Ich weiß nicht, ob ich Dich werde lieben können, ich weiß nicht, ob ich am Leben bleiben werde, aber ich weiß, daß ich ihn um­bringen werde." Augenblicklich ist die Polizei auf der Suche nach dem Mädchen, auf das sich diese Notizen beziehen. Der Urheber des Attentats hat, wie festgestellt worden ist, in den letzten Tagen Äiktor HugosLes Miserables" gelesen.

vor der Beilegung des englischen Bergbaukonfliktes Günstiger Stand der Verband'unven.

London,?. Nov. (TU.) Um 2 Uhr nachmittags empfing das Kohlenkomitee des Kabinetts die Ver­treter der Grubenbesitzer. Baldwin teilte den Gru­benbesitzern mit, daß die Bergarbeiter gewillt seien, auf der Basis der bezirksweisen Abmachungen zu verhandeln, vorausgesetzt, daß die bezirksweisen Ab­machungen so abgefaßt seien, daß das nationale Prinzip in allen Abkommen eingeschlossen würde. Die Vorschläge der Bergarbeiter wurden eingehend besprochen. Sie umfassen folgende Punkte:

1. einen nationalen Minimumzuschlag auf die Grundlöhne. Die Grubenbesitzer sollen hiergegen feine Einwände haben;

2. die Löhne für die am niedrigsten bezahlten Bergarbeiter sollen von den Bezirken festgesetzt werden. Für den Fall, daß eine Einigung nicht möglich sei, soll ein unabhängiger Schiedsrichter entscheiden. Auch hiergegen haben die Gruben­besitzer nichts einzuwenden;

3. die Methode der Feststellung der Er - t r ä g n i s s e des Bergbaues zur Verteilung zwi­schen Löhnen und Nettoerträgen soll auf dem Wege eines nationalen Abkommens geregelt wer­den. Die Grubenbesitzer haben keine Einwände gegen eine einheitliche Feststellung dieses Be­trages;

1. die Zuteilungsrate der Erträgnisse soll national geregelt werden. Die Ansicht der Grubenbesitzer geht jedoch dahin, daß sie von Der in den Bezirken maßgebenden Arbeits­zeit abhängen soll und, daß in denjenigen Be­zirke, wo eine längere Arbeitszeit geleistet würde, diese Rate zu ihren Gunsten ver­ändert werden soll,

5. alle bezirksweisen Abmachungen sollen die gleiche Gültigkeitsdauer haben. Die Berg- werksbesitzer vertreten dagegen die Auffassung, daß dieses eine Angelegenheit sei, die die Be­zirke selbst angehe.

Im ganzen läßt sich sagen, daß die Haltung Der Grubenbesitzer nicht als ablehnend zu be­zeichnen ist. Entscheidend ist bei diesem Stadium der Verhandlungen, daß die Grubenbesitzer kein nationales Abkommen mit der Dergarbei- tergewerlschaft abschließen wollen, weil ein der­artiges Abkommen nach ihrer Auffassung die Dergarbaiterexekutive in den Stand sehen würde, erneut einen allgemeinen Streik tm Bergbau zu erklären. Die Bergarbeiter haben auf der anderen Seite, sowohl in der Frage einet

Verlängerung der Arbeitszeit, wje in der Herab­setzung der Löhne ihren Standpunkt a u f g e - geben, hallen jedoch daran fest, daß die Berg­arbeiter ge w erk s ch a f t als nationale V ertretung der Bergarbeiter aner­kannt werden soll.

Das Jugendschutzgesetz.

Berlin, 6. Nov. (TU.) Die in der Arbeits­gemeinschaft für Volksgesundung unter Führung von Geheimrat D. Dr. Kahl, Mit­glied des Reichstags, als Präsidenten, Professor Abderhalden (Halle) und Professor Faß­bender (Berlin), M. d. L., als Vorsitzenden zusammengeschlossene über 300 VolkSbildungs-, Jugend-Wohlfahrt- und Frauendereine aller poli­tischen und konfessionellen Richtungen fordern soeben in einer Entschließung die nunmehrige sofortige Verabschiedung des Gesetzent­wurfes zur Bewahrung der Jugend vor Schund - und Schmähschriften, und zwar in einer Form, die im Sinne der Artikel 118,2 und 122 der Reichs Verfassung zum mindesten die Jugend vor sittlicher und geistiger Verwahrlosung schützt.

Wiedereinführung von Orden in Deutschland?

Berlin. 3. Rov. (Wolff.) Wie die Welt am Montag erfahren haben will, bereitet Reichs­minister Dr. Külz angeblich zur Zeit einen Gesetzentwurf vor, der dem Staate wieder die Möglichkeit geben solle, Orden und Ehren­zeichen zu verleihen und gleichzeitig das Verbot zur Annahme ausländischer Titel oder Orden a u f h e b e. Zur Begründung wurde an­geführt, daß der gegenwärtige Zustand es der Regierung und dem Reichspräsidenten unmöglich mache, dem Deutschen Reiche von In- und Aus­ländern geleistete Dienste entsprechend zu be­lohnen.

Kleine politische Nachrichten.

Vertreter des hessischen W i r t s ch a f t s - und Ordnungsblocks tagten am Freitag in Frankfurt. Es wurde beschlossen, für die Reu- wahlen eine gemeinsame Liste der dem Block angeschlossenen Parteien aufzustellen.

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Im Berliner Auswärtigen Amt ist eine deutsch-französische Vereinbarung über den Austausch von Erzeugnissen einiger deutscher und saarländischer Industrien ge­zeichnet worden. Die Vereinbarung soll der saar­ländischen und der deutschen Industrie, besonders der eisenerzeugenden und der eisenverarbeitenden Industrie, die Möglichkeit bieten, ihre natür­lichen Absatzgebiete zu beliefern. Sie bildet eine weitgehende Regelung der wirtschaftlichen Be­ziehungen zwischen Deutschland und dem Saar­gebiet.

Dem ehemaligen deutschen Generalkonsul in Antwerpen, Franoux, der zum General­konsul in Marseille ernannt wurde, ist von der französischen Regierung G^eguatur er­teilt worden. In etwa 10 Tagen wird das deutsche Generalkonsulat in Marseille seine Tätig­keit aufnehmen.

Der amerikanische KreuzerHZ emphis" ist unter dem Befehl des Admirals Buttage aus Cherbourgh ausgelaufen, um nach Kiel zu fahren.

Eine zweite Zusammenkunft deut­scher und englischer Wirtschafts­führer soll Anfang April in Leverkusen unter Leitung von Geheimrat Dr. Duisberg statt- finden.

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Kardinalerzbischof D. Schulte von Köln wurde vom Papst empfangen. Sein Be­such galt, wie verlautet, der Errichtung einer kanonischen Fakultät in Köln, sowie der Reuordnung der deutschen Seelsorge in Ita­lien und besonders in Rom.

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DieAssociated Preß" meldet, Avers, der Vertreter Henry Fords im Rei'egefolge der Königin von Rumänien, habebefannt-eqe'en, daß Ford die mit der Amerikareise der Königin mit Gefolge verlnüpften Ausgaben bestreite. Die Reise der Königin werde Ford eine halbe Million Dollar kosten.

Die Wahlen in Griechenland haben nach den bisher vorliegenden Ergebnissen für die republi­kanischen Parteien 64 250 Stimmen, für die Roya­listen 32 969 und für die prorepublikanifche Partei des Generals Metaxas 14130 Stimmen gebracht.

Aus aller Wett.

Die Hockiwasserkataftrophe .ii Unteritalien.

Die italienische Stadt Dari an der Adria ist von einer schweren Tleberschwemmung heimge­sucht worden, der 24 Menschen zum Opfer ge­fallen sind. Durch den zurückgebliebenen Schlamm wurden die Straßen fast unpassierbar. Mehrere Häuser stürzten ein. In der Umgebung ertranken vier Personen. Zahlreiche Gebäude stürzten ein und begruben die Einwohner unter den Trüm­mern. Durch das Wasser war auch die Licht­leitung unterbrochen, so daß die Stadt im Dunkeln lag. Da der Bahnhof unter Wasser stand, konnte die von außerhalb eintreffende Hilfe er st beim Sinken der Fluten eingreifen. Aus Doggia werden 2000 Soldaten nach Bari beorbert. Der letzte Zug, der nach Bari abgeht, wurde um 8 Uhr von den Fluten erfaßt und umgetoorfen. Ein Hilfszug blieb stecken. Der Führer einer Lokomotive ertrank. Am Mor­gen bot sich ein furchtbares Bild der Ver­wüstung. In den Fluten wurden die Leichen eines Ehepaares und eines Keinen Kindes ge­funden, an der Mole die Leiche eines Wickel­kindes. 6000 Obdachlose wurden in <3cf)u- len und Kirchen untergebracht. Gisenbahnbrücken sind eingestürzt. Der Verkehr ist unterbrochen.

Reue Mitglieder der Dichterakademie.

Berlin, 8. Rov. (WTB. Funkspruch.) Wal­ter von Molo und Wilhelm von Scholz sind in die preußische Dichter-Akademie gewählt wor­den. Deade haben die Wahl angenommen.

Ehrung Heinrich Ripplers.

Anläßlich des 60. Geburtstage des Herausgebers derTäglichen R u n d s ch a u", Heinrich R i p p-

(e r, vereinigte der Reichsoerband der Deutschen Presse eine große Anzahl von Freunden des Jubi­lars zu einem Festessen im Kaiserhyf, zu dem sich auch die Reichsmnrister Dr. Stresemann und Stingl beteiligten. Der Vorsitzende des Reichs- oerbandes Bäcker beglückwünschte den Jubilar namens des Reichsoerbandes. Der Pressechef der Reichsregierung, Ministerialdirektor Z e ch l i n, schloß sich in einer humorvollen Rede im Namen der Reichsregierung an. Das geschäftsführende Mit­glied des Vorstandes des Reichsoerbandes Richter teilte mit, daß der Reichsoerband der Deutschen Presse Heinrich Rippler zu seinem Ehrenmit­glied einstimmig ernannt habe. Außerdem sprachen noch im Namen der Redaktion derTäglichen Rundsck^ru" Gustav Manz und im Namen des Vereins Berliner Presse Georg Bernhard. Der Vorsitzende der Fraktion der Deutschen Volkspartei des Reichstages Dr. Scholz gedachte in ehrenden Worten der parlamentarischen Tätigkeit des Ju­bilars.

Revision im Leiferdeprozeh.

Die Verteidigung der beiden wegen des Leiferder Eisenbahnattentats zum Tode verurteilten Arthur Schlesinger und Willi Weber haben Revi­sion beim Reichsgericht angemeldet Als Begrün­dung dient die Verletzung des materiellen Rechts, die in der Form der Voraussetzung des Mordes er­blickt wird. Vor allem glauben die Verteidiger, daß von einer fortgesetzten Handlung keine Rede sein könne.

Rach 3i Jahren des Mordes überführt.

Im Jahre 1923 wurde in einer Dadezelle im Dad Oeynhausen der Badewärter Ro­bert Dicker von einem ertappten Einbrecher erschossen. Die als der Tat verdächtig ver­hafteten Personen, der 23jährige Kaufmann Otto Seinecke und der 26jährige Schuhmacher Hein­rich Krüger, mußten wegen mangels aus­reichender Beweise freigelassen werden. Am Fensterrahmen des Baderaums wurden jetzt nach 31/« Jahren vom Berliner Erkennungsdienst ber Kriminalpolizei noch Spuren von Finger­abdrücken gefunden, die als die des ver­dächtigen Seinecke festgestellt wurden. Der daraufhin wieder verhaftete Seinecke legte ein nunmehr umfassendes Geständnis ab.

Schwerer Dahnunfall.

Samstag morgen fuhr ein Güterzug auf dem Bahnhof Dergenthin bei Wittenberg auf der Strecke BerlinHamburg in eine Arbeiter­kolonne hinein, wobei vier Arbeiter ge­tötet und zwei schwer verletzt wurden. Der Sicherhe'.tsposten war aufgestellt. Anscheinend haben die Verunglückten geglaubt, das abge­gebene Warnungssignal gelte für den in ent­gegengesetzter Richtung fahrenden Zug und haben hierbei die Annäherung des Güterzuges nicht beachtet.

Großer Brand in Hongkong.

Das Hauptquartier des Streik- und Boy­kott-Komitees wurde am Sonnabend durch Feuer zerstört. Es heißt, daß mindestens fünfzig Personen den Tod gesunden haben. Das Streik-Komitee wird seine Tätigkeit fortsetzen.

2000 Personen bei einem Taifun ertrunken.

Rach einer Havasmeldung aus Manila (Philippinen) sind bei einem Taifun am Sonntag etwa 200 Personen ertrunken und ungefähr eben» soviele werden vermißt.

Die Rqche des Elefanten.

Der Zirkusdirettor Kohmeier, der mit seinen Pferden und einem Elefanten in Streh­len i. Schl, sein Winterquartier auf geschlagen! hatte, wurde von dem Elefanten angegriffen und schwer verletzt. Als der Elefant von seinem Wärter ins Freie geführt wurde, ging er plötzlich auf den Direktor los, warf ihn zweimal mit dem Rüssel in die Luft und trampelte auf dem Gestürzten umher. In sehr bedenllichem Zustande wurde der Verunglückte ins Kranken­haus geschafft. Der plötzliche Wutausbruch des sonst als besonders zahm geltenden Tieres wird auf eine Bestrafung zurückgeführt, die ihm der Direktor vor einiger Zeit hatte zukommen lassen.

Direkte Fluglinie FrankfurtParis.

Den Bemühungen der Frankfurter Flugplatz- Verwaltung ist es gelungen, bei der Deutschen Lufthansa eine direkte Linie Frankfurt a. M. Paris für das Eommenbe Frühjahr durchzufetzen. Bekanntlich ging der bisherige Luftweg nach Paris über Köln. 3n Zukunft wird also die Pariser Strecke über Saarbrücken geführt. Bei den regen Beziehungen, die zwischen Frank­furt und der französischen Metropole seit alters- her bestehen, wird gerade diese Linie während der schönen Jahreszeit wohl sehr stark benutzt werden.

Aus der Provinzialhauptstadt.

Gießen, den 8. Rovember 1926.

Elternhaus und Schule.

Eltern und Lehrer sind die beiden Haupterzieher des Kindes. Soll die Erziehungsarbeit von Haus und Schule dem Kinde zum Segen gereichen, so müssen beide Teile Hand in Hand arbeiten; die Arbeit des einen muß die des anderen ergänzen. Eltern und Lehrer dürfen sich nicht teilnahmlos oder gar feindlich gegenüberstehen. Zwischen Haus und Schule muß ein Vertrauensverhältnis herrschen. Das ist leider nicht überall der Fall. Die Schuld daran tragen beide Teile. Wenn es Eltern gibt, die die Schule als ein notwendiges Uebel be­trachten, wohin sie ibr Kind nur deshalb schicken, weil ihnen dort die für das Fortkommen im Leben not­wendigen Berechtigungen gegeben werden,, wenn es Eltern gibt, die der Arbeit des Lehrers interesselos und ohne Verständnis gegenüberstehen,, so trägt an diesem bedauerlichen Zustand die Entwicklung des Schulwesens, insbesondere des höheren, innerhalb der letzten Jahrzehnte zu einem guten Teil mit die Schuld. In allen Schulgattungen trat das erzieh­liche Moment mehr und mehr zurück; die Schu­len sind in der Hauptsache Lernschulen ge­worden. Weil das so ist, weil die Unterrichts- fragen und nicht die Erziehungsfra­gen vorherrschen, müssen diese Fragen ge­regelt und entschieden werden von der Stelle, die fachmännisch darüber zu urteilen vermag, nämlich von dem Lehrer oder von der Schulbehörde. Mit anderen Worten: den Eltern war und ist nur ein ganz geringer Einfluß auf den Bildungsgang ihres Kindes gegeben. Art und Menge des Unterrichts- ftofjes, Beginn und Dauer der täglichen Schulzeit, Anfang und Dauer der Ferien, dies und noch vieles andere bestimmt die Behörde. Die Eltern haben kein Mitbestimmungs- ober -beratungsrecht und deshalb «mch wenig Teilnahme an der Arbeit

SeMsMWnWWeW erfordern heute eine sorgfältige Textgebung und Satzausftattung. Gute Satzleistungen sind nur erreichbar, wenn die Anzeigen Wltlfl genug unfgegelen werden. Der Annahmefchluß für alle Anzeigen im Gießener Anzeiger entfällt auf den Nach­mittag vor der Aufnahme. Empfehlungs­anzeigen müßen, je nach Umfang und Latz­schwierigkeiten, zwei bis drei Tage vorher bestellt sein. Nur mit Sorgfalt und dem not­wendigen Zeitaufwand gesetzte Empfehlungen

Mein Den enNnWen Erfolg!

der Schule. Die Schule hat auch ihre Tätigkeit oft etwas allzu bureaukratisch eingestellt, der Verkehr mit dem Elternhaus geschah und geschieht oft in zu kalten, unpersönlichen Formen. Aber auch das Elternhaus trägt Schuld daran, daß das Verhältnis zwischen Haus und Schule oft nicht so ist, wie es sein müßte. Bei einem Teil der Eltern, wenn auch bei einem geringen, muß man den guten Willen vermissen, mit der Schule in ein Vertrauensver­hältnis zu kommen. Bei anderen spielen die wirt­schaftlichen Fragen und die Sorgen im Beruf die Hauptrolle, so daß sie zu allerletzt an ihre erzieh­lichen Pflichten denken. Das ist zu verstehen, aper nicht zu entschuldigen, denn die Kinder sind das teuerste Gut, das bie Eltern besitzen, unS'Tne Sorge um ihr seelisches und leibliches Wohlergehen muß die vornehmste Aufgabe des Elternhauses sein. Ein auf gegenseitiges Vertrauen gegründetes Zusammen­arbeiten zwischen Eltern und Lehrern ist unbedingt notwendig, soll nicht die Erziehung des Kindes not- leiden.

Wie ist es möglich, diese Zusammenarbeit zwi­schen Haus und Schule herzustellen? Es kann zu­nächst gesagt werben, baß erfreulicherweise in vielen Fällen ein sehr schönes Verhältnis zwischen diesen beiden wichtigen Erziehungsfaktoren besteht. Wo dies bis jetzt aber noch nicht der Fall ist, wo beide Teile noch aneinander vorbei- oder gar gegenein­ander arbeiten, da wird es längere Zeit und vieler Geduld bedürfen, bis auf beiden Seiten das not­wendige Maß von Vertrauen vorhanden ist, das allein eine ersprießliche Zusammenarbeit verbürgt. Beide Teile müssen michelfen, die Atmosphäre gegenseitigen Vertrauens zu schaffen. Der Lehrer muß den Eltern Gelegenheit geben, sich mit ihm über ihr Kind auszusprechen. Das kann in einer von ihm festgesetzten Sprechstunde, muß aber nicht nur in dieser geschehen. Es gibt besonders gelagerte Fälle, die sich nicht in dem engen Rahmen einer Sprechstunde erörtern lassen, zumal dann nicht, wenn noch andere Eltern in diese Stunde gekommen sind. Der Lehrer wird bann z u Hause in seinem Arbeitszimmer den Eltern Gelegenheit zu einer Aussprache geben. Dort kann in vertrauensvoller Weise durch Rede und Gegenrede manche Sache ge­klärt, manche Ansicht geändert und manches Vor- urteil beseitigt werden. Der erfahrene Lehrer wird in diesen Besprechungen nicht nur die üblichen Fragen nach dem Verhalten und den Leistungen des Schülers zu beantworten wissen, er wird auch selbst Fragen zu stellen haben, Fragen, die ihm u. a. Auf­schluß geben sollen über den Charakter des Schülers, über seine Neigungen, seine Lieblingsbeschäftigung, seinen Umgang und seine Lektüre. Die Beantwor- tung aller dieser Fragen ist für ihn von großer Wichtigkeit, wenn er sich ein einigermaßen richtiges Gesamturteil über seinen Schüler bilden will. An den Eltern liegt es, recht oft die Gelegenheit 3" einer Aussprache mit dem Lehrer zu suchen. Es ist verkehrt, wenn die Eltern erst dann zur Schule kommen, sobald irgend etwas mit ihrem Kinde nicht stimmt, wenn z. B. das Betragen beanstandet ober die Versetzung gefährdet ist. Besprechungen in diesem Stadium verlaufen oft sehr temperamentvoll und meistens nicht ganz reibungslos. Nein, vorher schon müssen Eltern und Lehrer in Verbindung treten. Viele Fragen lassen sich dann ungezwungener klären, und eine Mißstimmung kommt gar nicht auf. Diese Besprechungen brauchen nicht bloß dazu zu dienen, den Eltern Ausschluß über das Verhalten und die Leistungen ihres Kindes in der Schule zu geben, sondern in der gegenseitigen Aussprache kann den Eltern manch wertvoller Wink in dieser ober jener Frage der häuslichen Erziehung gegeben werden. Aus dem Lande liegen in dieser Beziehung die Verhältnisse oft bedeutend besser als in der Stadt. 3n Dörfern, in denen oft fast die ganze Generation durch die Hand desselben Lehrers gegangen ist, wo also Lehrer und Dorfgenossen sich genau kennen, herrscht nicht selten ein ideales Verhältnis zwischen Elternhaus und Schule. Ganz anders ist es tn den Städten, besonders bei den höheren Schulen mit ihrem Fachlehrersystem, wo oft in einer Klasse zehn und mehr Lehrer unterrichten.

Die Schule hat von sich aus Einrichtungen ge­troffen, bie ben Zweck haben eine innigere Der bin- düng zwischen ihr und dem Elternhaus herzustellen. Hierher gehören die Schulfeste ober Schul- feiern und die Elternabende. Beides sind Veranstaltungen, zu denen die Eltern eingeladen werden und wobei sie Gelegenheit haben, mit den Lehrern sich auszusprechen. Die Schulverwaltungen der einzelnen Länder erstreben, das Verhältnis zwi- schen Elternhaus und Schule dadurch zu bessern daß sie durch eine Reihe von Verordnungen den Eltern ein Mitberatungsrecht in Angelegenheiten der Schule einraumen. Aus diesem Grunde wurden der ®SterJ}rat und der Elternbeirat geschaffen. Aber alle diese Einrichtungen, so gut sie auch ge­meint sind, werden erfolglos bleiben, wenn die Fundamentalforderung nicht erfüllt ist, die da lautet- "Eltern und Erzieher habt Vertrauen zueinander unb arbeitet im Geiste gegenseitigen Vertrauens m 11 e i n a n b e r!"

~ ttervorarrHsage.

Eintrübung und schwächerer Bewölkung wechselndes Wetter, erneute Regenfälle, milde, später Abkühlung. Gestrige Tagestemperaturen: Maxi- mum: 11,8 Grad Celsius. Minimum: 2,8 Grad Celsius. Niederschläge: 6,2 Millimeter. Heutige Mor­gentemperatur: 3,7 Grad Celsius.

Gictzcrrcr Wochcnmarktprcisc.

Es kostete auf dem Wochenmarkt am Samstag das Pfund: Butter 160 bis 180 Pfennig, Malle 35 bis 40, Käse (10 Stück) 60 bis 150, Wirsing 4 bis 15, Weißkraut 5 bis 15, Rotkraut 5 bis 15, gelbe Rüben 8 bis 10, rote Düben 10 bis 15,' Spinat 20 bis 25, Unterkohlrabi 4 bis 6, Grün­kohl 20, Rosenkohl 45 bis 50. Feldsalat 80 bis 100, Tomaten 40 bis 50, Zwiebeln 8 bis 10, Meerrettich 35 bis 100, Schwarzwurzeln 45 bis 60, Kartoffeln 5,5 bis 6. Aepfel 12 bis 30,