Turnen, Sport und Spiel.
Gründet Altersriegen!
Eine neue Zeit ist angebrochen, und mit ihr ist das Gewissen erwacht, daß man seinen Körper üben muß, wenn man sich bis ins hohe Alter hinein gesund erhalten will. Wie jedem Deutschen ein gewisses geistiges Dildungsstreben innewohnt als Erbgut kulturbewußter Ahnen, so beginnt jetzt auch die Leibesübung einen selbstverständlichen Platz im Leben des einzelnen einzunehmen. Unö das ist nicht nur bei der Tugend so, sondern auch die alten Herren bekommen allmählich Gefühl dafür, daß eine Fettschicht um die Lenden «in störendes und unpassendes Anhängsel ist.
Unsere Turn- und Sportvereine mögen aus dieser Wandlung der Anschauungen die praktische Schlußfolgerung ziehen und in viel größerem Maß, als dies bisher der Fall ist, sich auch um die Aelteren kümmern. Bei den Turnern gibt es in vielen Orten schon Altersriegen, und das Altersturnen steht sogar in hoher Blüte. Die Riegen oder ganzen Abteilungen setzen sich aber doch zum größten Teil aus solchen Mitgliedern zusammen, die schon Jahre oder Jahrzehnte lang geturnt haben, also bereits über eine erhebliche Fertigkeit verfügen und denen das Turnen eine selbstverständliche Lebensgewohnheit geworden ist. Biel seltener findet man, daß sich neue Mitglieder anmelöen, die von Leibesübungen bis dahin fast nichts gewußt haben, die also ihren Wert erst an sich erproben wollen zu einer Zeit, wo Organe und Glieder schon ziemlich abgenutzt und steif geworden sind. Die Sportvereine, die ja auch alle viel jüngeren Datums find als die Turnvereine, haben dagegen in Zahlreichen Fällen überhaupt noch keine Altersabteilungen.
Zur Einrichtung von solchen Riegen, die ein Bedürfnis sind, gehört allerdings ein gewisses Geschick, eine geeignete Lehrerschaft, eine besondere Form des Llebungsbetriebes. Individuelle Ausgleichs ar beit wird in der Hauptsache der Inhalt der Uebungsstunden sein müssen, Ausgleichsarbeit für die verschiedenen Mängel, die am Vollgebrauch der Glieder hindern. Dann gilt es, das Trägheitsmoment zu überwinden, der Llebungsleiter muß also verstehen, den einzelnen immer wieder heranzuziehen. Zur Leitung von Altersr'.egen gehört also ein energischer Mann, dessen Haupteigenschaft gesunder Humor sein muh. Richt Kommando, nicht Lieberzeugen hilft, sondern nur Mitreißen.
Das Schwimmen im MiLLelrheinkreis der D. T.
— In Friedberg fand am Samstag und Sonntag ein Kreisschwimmertag des Mittelrheinkreises statt, mit dem ein Lehrgang zur Ausbildung von Schwimmwarten und Dorschwimmern verbunden war. Etwa 80 Turnerschwimmer aus allen Teilen des Kreises nehmen daran teil.
Der Lehrgang begann am Samstagnachmittag in der Turnhalle der Friedberger Turngemeinde mit einem sehr klar aufgebauten Dortrag über „Wesen und Zweck von Lehrgängen", den der Kreisschwimmwart Bitsch (Frankfurt a. M.) hielt. Er will, wie Guts Muths, in dem Schwimmen nicht eine Leibesübung im gewöhnlichen Sinne gesehen haben, sondern einen Erziehungsfaktor in unserem ganzen kulturellen Leben. Das Schwimmen soll Gemeingut aller Turner und Turnerinnen werden. Vom Schwimmen als Leiöesübung sollten wir kommen zum Schwimmen als B r a u ch k u n st im Dienste der Leberrsrettung und dann erst zum Schwimmen als Leistungsprüfung im Wettkampf. Lieber die Geschichte des Schwimmens sprach darauf Verbands- schwimmwart Stürmen (Traben-Trarbach). Das Schwimmen ist, wie der Redner ausführte, eine der ältesten Leibesübungen, die schon von den Kulturvölkern des Altertums gepflegt wurde. Interessant war die Mitteilung, daß im Jahre 310 v. Ehr. Geburt bereits an den Ufern des ; Tiber die erste römische Militärschwimmanstalt erstanden sei. Die ersten Lebensrettungsgesellschaften in Deutschland verdanken ihre Gründung der Pädagogischen Bewegung des Philantropimismus im 18. Jahrhundert. Den Vorträgen folgten Praktische Liebungen im Trockenschwimmen, die zeigten, wie die Bewegungen des Schwimmens und Springens im Turnraum vorbereitet werden können.
Eine sehr würdige Veranstaltung war am Samstagabend der Degrühungsabend, den die
Lurngemeinde Friedberg zu Ehren der Turner- schwimmer im Kasinosaale veranstaltete. Zum Gruß entboten herzliche Worte: Studienrat Lhierolt für die Turngemeinde Friedberg: Studienrat Schuhmann für den Turngau Hessen: Kreisoberturnwart Frey (Mainz) für die Kreisleitung: Bürgermeister Dr. Seyd für die Stadt Friedberg. Im Mittelpunkt des Abends stand ein Vortrag über „Das Turnerschwimmen und die deutsche Lebensrettungsgesellschaft", den Robert Braun (Frankfurt a. M.), der Schwimmwart der D. L., hielt. Richt einzelne Höchstleistungen, sondern Bildung der Masse sei das Ziel der D. T. Dr. med. Schöndube (Frankfurt a. M.) referierte über die Einwirkung des Schwimmens auf den menschlichen Körper vom ärztlichen Standpunkt aus, vergaß aber auch nicht, auf die Gefahren hinzuweisen, die denen drohen, deren körperliche Beschaffenheit in irgendeiner Weise den Anstrengungen nicht gewachsen ist.
Die Arbeit des Sonntags galt ganz der praktischen Betätigung im städtischen Schwimmbad. Kreisschwimmwart Bitsch begann mit vorbereitenden und wassergewöhnenden Liebungen und mit Grundübungen des natürlichen Schwimmunterrichts nach den neuesten Forderungen der Fachliteratur. Henkel (Offenbach) schloß im Schwimmen in den verschiedenen fingen als Schulschwimmen, Schnellschwimmen und Dauerschwimmen an, und Trost (Darmstadt) gab Anleitungen für das Reigenschwimmen, Schulspringen, Kunst- uird Turmspringen waren dann weiter Gegenstände gründlicher Llnterweisung, und vor allem dann auch das Rettungsschwimmen, das ergänzt wurde durch Wiederbelebungsversuche bei Ertrunkenen. Auch Anregungen für die Ausgestaltung eines Schwimmfestes wurden gegeben.
Eine Schluhbesprechung faßte die Ergebnisse des sehr anregend verlaufenen Lehrgangs kritifch zusammen.
Die BezirksLiga in Hessen - Hannover.
Der vergangene Sonntag brachte Ergebnisse, die nicht ohne weiteres als normal anz s hen sind. In der unser Heimatgebiet umschließenden Südgruppe des Bezirkes holte sich der Vereinigte V. f. B. Kurhessen-Marburg den ersten Punkt, und ausgerechnet gegen den Bezwinger des Altmeisters Kurhessen-Cassel, gegen Do - russia-Fulda, in einem unentschiäenen 1:1 Spiel, wobei Fulda von Glück sprechen kann, daß es nicht überhaupt verloren hat. Marburg zeigte sich von der besten Seite, spielte eifrig und verständnisvoll, während man von den Borussen den Eindruck hatte, daß sie in ihrer Leistung gegenüber dem Dorjahre zurückgegangen sind und daß ihr Sieg gegen Kurhessen-Cassel mit Recht als unverdient bezeichnet wurde. In einem weiteren Südtreffen teilten sich Herma n n i a und Hessen 09, wie schon so oft, unentschieden 2:2 in die Punkte. Wohl verschoß Hermannia zwei Elfmeter, aber dennoch entspricht das Ergebnis den gezeigten Leistungen.
Sehr knapp siegte „Sport" Cassel, der Dezirksmeister, gegen Hellas Münden mit 5:4. Man hatte von ihnen zu ihren Gunsten eine größere Tordifferenz erwartet. Trotz technisch reiferer Spielweise mußte sich der S. C. 03 Cassel von dem Reuling Tura Cassel mit 1:2 geschlagen bekennen. 03 siel besonders in der zweiten Hälfte sehr ab. Göttingen 05 zeigte trotz seines 3:1 Sieges gegen F. V. Einbeck nur sehr schwache Leistungen, Einbeck dagegen spielte ungeheuer eifrig.
Zwei Casseler Vereine führen die Tabellen in den beiden Gruppen an, im Rorden Tura, im Süden Hermannia. Ohne Punktgewinn ist noch Münden im Rorden. Im Süden liegt zur Zeit 7wch V. f. D. Gießen an letzter Stelle.
Ein Iahnfonds des Amerikanischen Turnerbundes.
Der Amerikanische Turnerbund, der in den Vereinigten Staaten das Turnen nach deutschem Vorbilde pflegt und sich aus deuschsprechenden und deutschbürtiaen Mitgliedern zusammensetzt, entfaltet zur Zeit dank der Rührigkeit seines Bundessprechers George Seibel eine rege Tätigkeit. Der Besuch der deutschen Amerikariege zum Bundesturnfest in Louisoille unter Leitung des Vorsitzenden der Deutschen Turnerschaft, Direktor Dr. Berger, hat den Vereinen viele Anregungen gebracht und überall eine Steigerung der Arbeit in den Vereinen im Gefolge gehabt. Man bemüht sich auch um die Hebung des sogenannten geistigen Turnens, d. h. man will deutsche Sprache und deutsches Schrifttum, deutsche Sitten und alles das pflegen, was als besondere deutsche und turnerische Eigenart anzusprechen ist. Zur Förderung dieses Zwecks ist der sog. „Jahnfonds" gegründet worden, der bereits eine Grundsumme von 30 000 Dollar enthält. Es wird nun angestrebt, diesen Fonds auf 100 000 Dollar zu erhöhen, und zwar bis zutz nächsten Tagsatzung in Cleveland. Die Bemühungen um di« Auffüllung des Fonds sind von bestem Erfolge begleitet. So wurde vom Syrakufe-Turnverein eine Spende von 1000 Dollars überreicht, und der Nord-St. Louis-Turnverein kündete die Ueberwei- sung von 5000 Dollars an. Es ist erfreulich zu hören, daß die amerikanischen Turner derartige Opfer bringen, um deutsches Wesen in ihren Reihen zu vertiefen und zu verbreiten.
Finanzielles
zu „Dernpsey-Tunney".
Rach den jetzt in Einzelheiten bekannt werdenden Summen, die bei dem Kampf Dempsey- Tunney um die Weltmeisterschaft im Schwergewicht erzielt und bezahlt wurden, haben rund 137 000 Zuschauer insgesamt Eintrittsgelder in Hohe von fast 1900 000 Dollar bezahlt. Demp- seh erhielt eine Kampfgase von 850 000 Dollar, der Manager Alex Rikard hat einen Verdienst von einer halben Million Dollar zu verzeichnen. Für die Inanspruchnahme des Stadions Philadelphia waren 170 000 Dollar zu bezahlen, die Summe der Steuern betrug rund 270 000 Dollar.
as der Sonntag bringt.
Spielvereinigung 1900 Giehen.
ö. Am Sonntag empfängt die fi i g a e l f den Verein für Ras en spie le Butzbach mit seiner 1. Mannschaft zum angesehten Meisterschaftsspiel in Gießen. Die Butzbacher haben es bis jetzt nur zu zwei Punkten gebracht. Trotzdem sollte man sich hüten, diesen Gegner zu unterschätzen. Gerade die diesjährigen DerbandsspieLe zeigen zu Genüge, daß fast alle Ligamannschaf- ten des Lahnkreises mit ihren Leistungen unberechenbar sind. Die Spielvereinigung 1900 wird zwar diesmal wieder mit ihrem rechten Läufer antreten, jedoch fehlt dafür der seit Sonntag gesperrte Mittelstürmer, wodurch der Sturm wohl an Durchschlagskraft Einbuße erleiden wird, sollte nicht in letzter Stunde eine neue Kraft ihren Einzug in die Mannschaft halten.
Eine besondere Anziehungskraft wird das vor dem Ligaspiel zum Austrag kommende 3u« gen d-Lokal derby haben. Gerade die Jugendmannschaften der Spiel Vereinigung 190 0 und des Vereins für Bewegungsspiele Gießen lieferten sich in den letzten Jahren Partien, die jeden Fußballfteund begeisterten. Die 1. Jugendmannschaft der Spiel- vercinigung gab am Samstag eine Probe ihres
Könnens durch einen 9:0-Sieg über Butzbach Sie wird auch gegen den V. f. B. das bessere Ende für sich behalten.
Vormittags spielen die 2. 3ugenbmannp schäften. Die Ligareservemannschaft fährt nach Butzbach zum Meisterschaftstreffen in der A- Klasse und wird wohl bei kompletten Antreten auch erfolgreich sein. Die 3a (Lehrmannschaft) sieht man gegen Heuchelheim II dort wohl als überlegenen Sieger, während die 3 b (4.) Mannschaft bei Daubringens II. die Punkte holen will.
V. s. B.
(-) Richt weniger als acht Mannschaften beschäftigt der Verein am kommenden Sonntag, teils in Verbands- teils in Privätspielen.
Die Liga empfängt auf eigenem Platz zum fälligen Rückspiel die Liga des F. C. 05 Wetzlar. Das 4:4 des Dorsonntags dürfte das Kräfteverhältnis beider Mannschaften kaum richtig wiedergeben, da die V. f. D.-Mannschaft unter sehr ungünstigen Umständen kämpfte. Diesmal wird sie in stärkster Aufstellung, allerdings ohne den verletzten Dingel und den disqualifizierten Kreß I, antreten.
Kunst in Not.
Von Lisa Steffen, Chemnitz.
Die deutsche Musik ringt um Sein oder Richtsein im Schicksalskampfe gegen die Mächte der Zeit. Ein Blick in die Konzertsäle, in denen sich die Zahl der leeren Stuhlreihen ständig mehrt, zeigt auch dem oberflächlichen Betrachter die verhängnisvolle Wandlung, die sich im Verlaufe der letzten Jahre im öffentlichen Musikleben Deutschlands vollzogen hat. Man fragt nach den Llrsachen, und sogleich stellt ein bequemes Schlagwort sich ein: die „Rot der Zeit". Damit hat man in erster Linie die Knappheit an Geldmitteln im Auge, die weite Kreise angeblich dazu zwingt, die Kunst heutzutage als Luxusartikel zu betrachten, — als entbehrliches Gut, das erst nach Sicherstellung des Unentbehrlichen Anspruch auf Berücksichtigung haben darf. Was aber gilt heute als unentbehrlich? Ist es nicht das Materielle im feineren oder gröberen Sinne? Man glaube doch nicht, der Riedergang des deutschen Musillebens sei mit Geldschwierigkeiten hinreichend zu begründen, — der Rückgang und drohende Verfall einer Kultur könne als Folgeerscheinung äußerer Röte erklärt werden. Rein, die Bedürfnisse unseres Zeitalters, vor allem der Heranwachsenden Generation sind vielfach ganz anderer Art. Ein neuerwachtes, zunächst ganz gesundes Lebens- und Raturgefühl treibt den heutigen Menschen zum Sport, Tanz und zu aller Art von Körperkultur. Hierfür scheut er fein Opfer und es wäre auch soweit alles in Ordnung, wenn dieser Betonung des Körperlichen eine starke, innerlich gefestigte Seele das Gegengewicht hielte. Aber mte ist es damit bestellt? Durch die Anspannung der Kriegs- und Revolutionszeit erschlafft, sucht man seine Seelenkräste durch oie primitiven Reizungen moderner Vergnüg, ngsstätten zu bleiben oder gibt sich vielfach jenem trägen Kunstgenießertum hin, daS treffliche Erfindungen wie Radio,
Grammophon und dergleichen mißbraucht, um Wahl- und ziellos alles, was einem in den Wurf kommt, ohne innerlich tätige Anteilnahme zu verschlucken. Daß dies eine allgemeine Verflachung und seelische Verarmung nach sich ziehen muh, ist offensichtlich. Obwohl auf diese Weise ungeheure Mengen aller Art von Musik konsumiert werden, ist es gerade diese Kunst, die dabei ihrer Bedeutung als einer innersten Angelegenheit des deutschen Wesens verlustig zu gehen droht. Kann doch ihre Existenz in einem höheren Sinne nur auf innerer, tätiger Anteilnahme, kurz: auf der Pflege der Musik durch die Gesamtheit beruhen. Lind dies ist denn auch einer der Hauptwege, die zur Wiedererstarkung der deuffchen Seele führen können. Voraussetzung aber und Grundlage für das Interesse am öffentlichen Musikleben (Konzert, Theater usw.) ist notwendigerweise die Pflege der Musik im Hause. Wie die Familie den Grund- stock des Staates bildet, so bildet die Hausmusik den Grundstock für das Musikleben überhaupt. Sie schafft ein persönlich tätiges Verhältnis des Einzelnen zur Kunst und wo sie verkümmert, erlischt die Anteilnahme an dem Kunst- leben. Sie ist es, die zugleich ein heilsames Gegengewicht gegen das praktische Leben mitbilden hilft, daS in unseren Tagen auch das geistige Gebiet beherrschen möchte. Wer in noch so bescheidenem Maße der Musik mit innerem Ernste dient und von ihr nicht allein Unter- haltimg und Zerstreuung erwartet, sondern sich bereitwillig zur Sammlung zwingen läßt, dem erschließt sich ihr inneres Leben, und er erfährt eine Erstarkung seiner seelischen, ja schöpferischen Kräfte. Ihm ist die Musik nicht Luxus, sondern Lebensnotwendigkeit.
Freilich, wo die Musik keinen lebendigen Widerhall findet, da gilt es für den Künstler aufzuhorchen, ob nicht die Kunst etwa jene Grenze überschritten, wo sie ins Künstliche sich versteigt und verliert, wo sie im schlimmen Sinne
unpopulär wird. Zu jeder Zeit ist solche Etn- kehr geboten. Aber die entgegengesetzte Gefahr, — Prostitution der Kunst möchte ich sie nennen — ist heute ernster denn je: gibt die Kunst sich hin an die Welt, so geht sie unten in der Welt. Statt der Veredelung dient sie der Frivolität, Eitelkeit und Verflachung: statt Ewiges widerzuspiegeln, wird sie zum Modeprodukt des Tages.
Rur die Erkenntnis des drohenden Verlustes kann eine neue Wertschätzung der Musik erwecken. Die Hebung der Musizierfreudigkeit wird entscheidend sein für das Schicksal der deutschen Musik. Drum: Wer aus dem eigenen Instrument mit eigenen Händen sich und den ©einen jene innere Freude schafft, die nur auf tätiger Anteilnahme an der Kunst beruhen kann, wer seine Seele lieber von den edlen Kräften unserer alten und neuen Lieökunst erfüllen läßt, statt sie durch Gassenhauer zu vergiften, wer seinem Kinde durch guten Musikunterricht eine Quelle dauernder Lebensfreude und Energie erschließt, statt mit dem gleichen Kostenaufwande flüchtige Vergnügungen zu bestreiten, der hilft, daß der deutsche Künstler wieder ein Publillim finde, hllft, daß die Rot der deutschen Musik nicht zur Schmach werde.
Oscar Wrlde in Amerika.
Oscar Wilde hat einmal in den Anfängen feines Ruhmes eine Vorttagsreise nach Amerika unternommen, ist aber ziemlich enttäuscht wiedergekommen, obwohl seine großartige Begabung für Reklame ihm einen Erfolg bei den Vankees sicherte. Er hat seine „Eindrücke von Amerika" ausgezeichnet, die aus seinem Rachlaß im Jahre 1906 in einem wenig beachteten Heft veröffentlicht wurden. Eine französische Zeitschrift macht jetzt wieder auf diese geistvollen Bemerkungen aufmerksam, die in ihrer Ablehnung des Amerikanismus sehr viel Aehn- lichkeit haben mit der harten Verurteilung der Reuen
Vor dem fiigatreffen tritt die Zweit« gegen dre Zweite von Riedergirmes zum Derbandssp-.el an. Rach ihrem letzten Spiel zu urteilen wäre der Platzelf ein sicherer Sieg zuzutrauen, trotzdem Riedergirmes ein zäher Gegner ist.
Die Dritte hat vormittags die zweite Mannschaft des Sportvereins „Hessen" zum Derbandsspielgegner, und wird "einen anderen Geist mitbringen müssen als in den letzten Spielen, andernfalls die Punkte den Soldaten zufallen werden.
Auch die D i e r t e hat im Punktekampf gegen Lollars Zweite den Vorteil des eigenen Platzes.
Erste und zweite Jugendmannschaft tragen gegen die gleichen der Spiel- vereinigung 19 0 0 auf deren Platz Diplomspiele aus.
Für die Schülermannschaften stellt ^Hessen" seinen Platz zur Verfügung. L i ch und cr-11 n ° a si^d die Gegner, die Rückspielver- psilchtungen nachkommen.
Die Lahnkreisliga hctt für den 10. Oktober fünf Begegnungen vorgesehen. Als Hauptspiele steigen: Gießen 1900 gegen V. f.R. Butzbach und D.C. Wetz- lar gegen Germania Marburg. Während 1900 Gießen ziemlich sicher über Butzbach triumphieren wird, ist der Ausgang Wetzlarer Spiels noch offen, wenn auch Marburg em wenig stärker erscheint. Auf jeden Fall ist unter den genannten der Kreismeister zu suchen. Zwei gleich starke Gegner treffen sich in Herborn-Gladenbach. S. C. Riedergirmes fährt nach Frankenberg und dürfte dort voraussichtlich Sieger bleiben.
Die Bezirksliga in Hessen-Hannover hat am kommenden Sonntag als Haupttreffen auf dem Programm die Begegnung „Sporf gegen Spielv. Cassel. Rach der schwachen Leistung „Sport's" in Münden ist der Ausgang des Spieles vollkommen offen. Trotz der guten Leistung der Marburger Vereinigten geben wir diesen im Kampfe gegen den Altmeister Kurhessen-Cassel in Cassel kaum irgendwelche Erfolgschancen. Borussia Fulda hat Hermannia Cassel zu Gaste. In Göttingen steigt als Plaheinweihungsspiel das Lokaltreffen S. Vg. gegen S. C. 05. Die vier zuletzt genannten Mannschaften sind gleichwertige Gegner. tz.
Die Verbandsspiele im Deutschen Arbeiter - Sportbund.
3n der I. klaffe.
£ Als einziges Verbands spiel findet auf dem Wiesecker Sportplatz ein Spiel zwischen Wieseckl und Alsfeld I statt. Dtzr der Ausgang des Spieles für beide Vereine auf die Gestaltung der Tabelle bedeutungslos ist, darf angenommen werden, daß es mehr den Charakter eines Gesellschaftsspieles erhält. Die Frage nach dem Sieger muß offen bleiben, beide Mannschaften müssen voraussichtlich mit Ersatz antreten, und werden ein Spiel zeigen, das sich von den seitherigen harten Punktspielen wohltuend unterscheidet.
Am Samstagabend sindet in Frankfurt die Protestverhandlung Wetzlar! — Gießen! statt. Falls nach dem Llrteil ein Wiederholungsspiel notwendig ist, soll das Spiel am Sonntag ebenfalls ausgetragen werden.
3n der II. Klasse.
Wies eck II — Raunheim II. Dieses Spiel dürfte für Wieseck gewonnen werden, vorausgesetzt, daß Raunheim nicht mit verstärkter Mannschaft antritt. — Gießens Ild-Mann- schäft tritt auf eigenem Platz gegen Marburg II an und wird wohl ganz bestimmt der verlierende Teil sein. Ihr Partner, die Ila- Mannschaft Gießens, spielt anschließend gegen Leun I. Hier ist der Ausgang nicht zweifelhaft, Gießen wird sicher gewinnen. — $ au bringen! hat Wetzlar II zu Gast. Für den Platzverein sollte man das Spiel nicht ohne wetteres verloren geben, ebenso große Siegesaussichten hat Wetzlar. — Fronhausen! und R o d h e i m I werden sich in Fronhaufen ein Spiel liefern, dessen Ausgang offen gelassen werden muß. Beide Mannschaften haben sich in ihrer kurzen Spielperiode sehr gut entwickelt und werden ein dementsprechendes Spiel zeigen.
Welt durch Dickens, der die angelsächsischen Brüder ebenfalls auf einer Vortragstournee kennen gelernt hatte. „Jeder Mensch scheint hier die größte Eile zu haben, den Zug zu erreichen,“ schreibt Wilde. „Das ist eine Seelenhaltung, die für die Ausnahme von Dichtungen wenig günstig ist. Wenn Romeo und Julia sich beständig mit der Stunde der Abfahrt ihres Zuges beschäftigt hätten, wenn die Frage der Retourbilletts ihnen nicht aus dem Kops gegangen wäre, dann hätte Shakespeare keine Gelegenheit gehabt, seine schöne Dalkonszene zu schreiben. Man wird am Morgen nicht durch den Gesang der Rachtigall, sondern durch die Pfeife des Dampfers erweckt." Was Wilde in der Reuen Welt den stärksten Eindruck macht, das ist die Weite des Raumes und die riesigen Dimensionen so vieler Dinge. Der Riagara enttäuscht ihn aber ebenso wie Rew Vork und er meint, daß die jungen Ehepaare, die diesen Wafferfall bestaunen, davon einen schlechten Vorgeschmack des künftigen Ehelebens mitnehmen müßen. Man hat ihm den „Wilden Westen" gerühmt aber er sindet auch hier nur schlechte Manieren. Während er das Puritanertum von Boston verabscheut, entzückt ihn die Chinesenstadt von San Franzisko, wo Matrosen den Tee in zierlichen Porzellantaffen entnehmen. Vor den Goldgräbern von Colorado spricht er über Benvenuto Cellini und erregt bei ihnen mit der Schilderung dieses Gewallmenschen ein solches Jntereffe, daß sie ihn fragen, warum er diesen Mann nicht mitgebracht habe, und höchst enttäuscht sind, als er ihnen bekennen muh, er sei schon mehrere Jahrhunderte tot. Sodann erzählt er die Geschichte von einem reichen Geschäftsmann, der die Eisenbahngesellschaft verklagte, weil sie ihm einen aus Paris stammenden Abguß der Venus vonMilo ohne Arme geliefert habe, und der seinen Prozeß gewann! „Kleine Oasen in dieser weiten Wüste der praktischen Vernunft" sind ihm die jungen Amerikanerinnen, von denen jede .zwanzig Männer zu Sklaven hat und sie mit köstlicher Unbefangenheit regiert“


