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überhaupt- J*
Das lachende Haus.
Ütoman von Sophie Ä l o e r 6.
U. Fortsetzung. Nachdruck verboten.
ttlfo wirklich, dachte Ille. Unsere Kleine. Unser Kind. — Irgend etwas war dabei, das verursachte ihr Unbehagen, aber sie untersuchte e» lieber nicht genauer. Na, Muttis wenigstens würde sich freuen. Mit energischem Ruck roarf sie sich so, daß sie dem Hellen Fenster abgekehrt lag.
Rose aber, tief getroffen von der schwesterlichen Frage, starrte immer noch mit offenen Augen in die Helle Nacht. Es rifpelte leise in den Blättern, ein Bogel piepte im Schlaf, allerlei Nachtgetier huschte durch die Zweige — — Roses Augen wurden kleiner.
Plötzlich ritz sie sie wieder weit auf. Was war bad’ Em Gespenst! Gerade vor dem Fenster! Ganz l.uitloa tauchte es auf, weiß, luftig, flatternd, winkte, sich hin und her schwingend, mit den Armen--
Ille' Ille! Ein Gespenst!" Die Stimme blieb ihr saft im Halse stecken.
Pa—was — Geso--* Heraus war Ille aus
t ..i Bett: vergebens yaschte Rose nach ihrem 9lad)t- li. ih - — drüben am Fenster stand sie, griff hin- - hatte das weihe Ding gefaßt, zog es herein in die Stube und war mit zwei Sätzen neben ber Schwester. „Also der Mensch! Also der Filou! — Der bot mein Kleid verschleppt."
Dein Kleid?"
Auf einer Bohnenstange ließ er es tanzen. — No du kannst so bleiben, Rose. Angst vor einem weißen Kleid, du Hafe!"
..Was ist da los?" fragte Thora halb aus dem Schlaf heraus.
..Ach nichts. Schlaf man weiter!" Und Ille legte bas Kleid auf einen Stuhl unb spürte dabei etwas Weiches, Kühles in der Hand--eine Rose, tau
feucht. und mit der Rose zusammen am Kleid befestigt ein Zeltelchen. Ganz leije löste sie es, nahm es mit ins Bett und wartete, bis auch Rose schlief. Dann zündete sie Licht an und las:
„Rosen im Garten, Rosen im Haus — Alles flammender Blust.
Rosen und Lieder, ein wilder Strauß.
Blüht auch mir in der Brust.
läge so brennend und Nächte so weich.
Alle, voll Schönheit unb Sana.
Seliger Sommer, so stark und so reich. Wie mir noch keiner erklang."
J^m!" Sie faltete das Blatt zusammen, schob es unter das Kissen und beschloß, Rose nichts da- von zu lagen. Als sie aber am andern Morgen Iven auf der Treppe begegnete, sagte sie kurz und kühl: „Die Serie sind an die falsche Adresse gekommen, Herr Lomsen. Uebrlgens haben Sie auch schon bessere gemacht."
Er sah ihr nach und dachte, daß feine harmlosen Zeiten doch eigentlich keine Veranlagung zu solcher Abwehr gegeben. Aber die Mädchen! — Kenne sich einer mit denen aus.
Frau Kallies hatte sich schwer geärgert. Frau Tierarzt Qualmann hatte wieder geklatscht. Daß sie die Rose Bunsen, das kleine harmlose Sing, mit dem Herrn von Brockdorf hätte gehen sehen. Und lein Rus sei doch wirtlich nicht |o — — „Wissen Sie, Frau Kallies, damals mit der Mamsell--"
Aber Frau Kallies wußte gar nichts. Und außer- dem. wenn Mucki Bunsen mit einem Herrn gesehen wurde, war das jedenfalls eine Ehre für den Herrn, denn das wußte dis ganze Gegend, die Bunsen- mädchen--Unb es wäre wohl gut, wenn Frau
Qualmann sich mit dem, was sie erzählte, etwas in acht nähme.
„Wo ich nichts gesagt habe, als was ich selbst sah."
Es kommt eben darauf an, wie so etwas erzählt wird. Sie jedenfalls ließe nichts auf Bunsens kommen.
„0 Gott nee ich doch auch nicht. Ich sag' doch bloß so--Unb sie sind ja auch gut erzogen. Wun
dern muß man sich ja eigentlich, wo die Mutter so viel reist unb sie so allein im Hause sind! Da kann viel kommen und gehen. Aber bas glaubt ja keiner, baß bie--Es ist woll man Zufall gewesen, baß
sie da den jungen Brockdors getroffen hat. — Gott, kann man ihm ja gar nicht verdenken, wenn er auch gern mal mit fo’n niedlichen Mädchen geht." Unb fing von etwas anderem an.
Aber Frau Kallies, die sonst immer gleichmäßig still und freundlich war, reagierte heute sauer, und Frau Qualmann empfahl sich.
Eins Stund« später ging Frau Kallies »um lachenden Haus. Nicht, um das Gift weiterzugeben, nur weil sie nun erst recht in reine Mädchenaugen sehen mußte.
Himmel, war da ein Jubel! Und sie fielen über sie her und küßten sie und schrien alle auf einmal, sogar itrau Margrit versuchte ihre Tochter zu übertonen, bis sie sah. daß ihr das doch nicht aelang. Es wurde aber doch soviel klar, daß das große Los ins Haus gefallen war. Nicht gerade das aanz große Los. und behaupt mehr bildlich gefproajen, aber doch sechstausend Mark.
Man stelle sich das vor! Aus einem Brett sechstausend Mark.
Onkel Edwin. Vaters Onkel, der ein alter Hagestolz war, aber immer noch gut und gern zehn bis zwanzig Jahre leben konnte, der hatte aus Aerger über die Steuerbehörden, und um der Frau Nichte ein bißchen unter die Arme zu greifen, sich des Mammons entäußert. Später würbe bie Erbschaftssteuer ja doch alles auffressen, unb bann wollte er auch noch vergnügte Gesichter sehen, solange er lebte. Heute war ein Brief von ihm gekommen unb dazu ber Scheck auf bie Deutsche Bank In Hamburg.
Ach, bie Plane, bie alle schon gemacht waren!
Zuerst gab Mutter mal bie Reisekurse auf. Sie hatte immer drei Tage Migräne, wenn sie baoon »urückkam. Und dann wurde ein Gewächshaus gebaut für Frührofen. Unb Thora bekam ben Brutapparat für ihre Küken. Unb Rose kam für ben Winter nach Hamburg auf bie Kunstgewerbefchule, denn sie entwarf ja jetzt schon die schönsten Muster für Mutters Webereien, aber es war doch ganz anders. wenn die richtige Grundlage geschaffen wurde.
Unb man konnte sich enblich bie notwendigsten Gebrauchsgegenstände anfchassen, mit denen es seit Jahren im argen lag. Unb ein Abonnement auf gute Bücher für den Winter. Unb bie Spargelbeete wurden umgelegt. Und Thora bekam eine Grude, die hielt die falte Küche den ganzen Winter warm. Unb--
„Es sind wohl 60 000?" fragte Frau Kallies. „Ja, nach euren Plänen zu urteilen!"
„Aber bebenf doch, Tante Kallies, es fall ja nicht alles auf einmal fein. Und bann--wir werden
fo viel mehr verdienen. Thora mit dem Garten und dem Federvieh und Ille mit den Blumen. Unb Mucki,
wenn bie da ausgebildet ist — — Kunstgewerb lerinntn bekommen schrecklich viel bezahlt."
..Wollen', hoffen", sagte Frau Kallies trocken.
Frau Margot sah sie unsicher an. „Mir wachsen sie heute ganz und gar über den Kopf. Ich kann mahnen, foulet ich will, sie hören gar nicht. Und will ich rechnen, sagen sie: .Bloß heute nicht. Laß doch die alten Zahlen, die sind ganz nutzlos.' — Dann ein heller Glanz in ihren Zügen: „Tante Kallies, ütj kann cs auch brauchen, daß mal ein bißchen Sorgtofigkeit kommt. Es war in ben letzten Iohren manchmal gar nicht schön."
Da sage mal einer etwas. Lange würbe es ja nicht währen, aber mochten sie sich boch mit ihren 6000 als Krösusse fühlen!
Frau Lehrer Kallies, ber bies Jungvolk tief in das Herz gewachsen war, ging nach Hause, immer mit dem gleichen guten Lächeln im Gesicht, und sagte zu ihrem Mann: „Es tut so gut, einmal recht glückliche Menschen zu sehen, Paul. Wenn ich das Schicksal wäre, ich leistete mir die» Vergnügen öfters."
„Das Schicksal ist eine alte, mißgünstige Dame", antwortete der Lehrer. „Das meint, es hat was getan, wenn er auf zwei Eimer Essig einen Löste! Ziickerwasier tut Du sollst sehen, es läßt ben Bunsens dies große Glück auch nicht allzu lange. Am besten, man freut sich nur ganz in der Stille, bah es solche Freube gar nicht merkt." Damit ging er in ben Garten, horchte auf bas Summen feiner Bienen, trank ben starken Duft ber blühenden Linden ganz in sich ein und sammelte Raupen vom Frühkohl. Das waren feine kleinen Lebensfreuden.
Er war ein alter kluger Mann, ber Lehrer Kallies. Er kannte das Schicksal. Es kam so, wie er gesagt.
Seltsam. Sie waren immer guter Laune gewesen, trotz ihrer vielen kleinen Bedrückungen, — letzt mit einemal war bald bie eine, halb bie andre unwirsch. Frau Margrit nicht ausgenommen.
Sie mußte doch rechnen, wenn sie es auch gar nicht mochte.
Die ersten acht Tag« hatte sie den Töchtern nach- gegeben. Es war so herrlich, einmal geben, einmal gewähren zu können. Pläne zu machen, die nicht in der Lust schwebten, aufatmen zu können.
(Fortsetzung folgt.)
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