Einzelbild herunterladen

Nr. 107 Drittes Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)

Samstag, 8. Mai id2b

Oberhessen.

Landkreis (dienen.

Heuchelheim, 7. Mai. Zur Zeit wird die Kirche unter der sachkundige, Leitung der K r e i s- bauoerwaltung einer gründlichen Restau­rierung unterzogen. Das alte ehrwürdige Got­teshaus war durch störende An- und Ginbauten sehr entstellt. Derbgezimmcrte Emporeneinbauten im Chor, rohe Tür- und Fensterdurchbrüche und vor allem die rücksichtslos alle früheren Schönheiten überziehende, höglichgelbe Tünche waren seither ein ständiges Hindernis für das Aufkommen einer weihevollen Stimmung. Daß freilich die je Ri gen Re- nooierungsarbeiten solch reiche Entdeckun­gen bringen würden, wie sie heute oorliegen, ahme man nicht. 3m Chor, im Turmbau und im Schiff, stieß man fast täglich auf guterhaltene Reste wert­voller mittelalterlicher und Renais­sancemalerei. 3nsbesonderc ein'wundervolles Freskogemälde aus der Zeit um 1400, die Kreuzi­gung Christi darstellend, zeugt von der führenden Stellung unserer Kirche in früheren Jahrhunderten. Gemeinderat und Kirchenvorstand verdienen volle Anerkennung, daß sie, sachverständiger Anregung folgend, durch Bewilligung der erforderlichen Mittel Werte von so hohem kunst- und kulturgeschichtlichem Inhalt vor dem Untergang bewahrten »nd wieder in einen würdigen Rahmen bringen halsen. Auch die übrige Bevölkerung zeigt reges Interesse und be­teiligt sich durch wertvolle Stiftungen an einer be­sonders tSeihevollen Ausgestaltung des nun bald wieder in alter Schönheit erstrahlenden Gottes­hauses.

£ Wieseck, 8. Mai. Schon immer sind in unserem öffentlichen Fürsorgewesen und annemei- nen Hilfsbereitschaft einige recht fühlbare Lücken gewesen, die sich oft unangenehm bemerkbar mach­ten. Durch die vor einigen Jahren erfolgte Gründung einer Freiwilligen Feuer­wehr ist dem einen Erfordernis Rechnung ge­tragen worden. Unsere junge Wehr hat in der kurzem Zeit ihres Bestehens schon mehrmals den Beweis ihrer Daseinsberechtigung gebracht. Unter tätiger Mitwirkung des Cemeindevorstan- des ist unser Feuerlöschwesen zu feiner heutigen Leistungsfähigkeit gebracht, weitere Zuwendun­gen werden diese noch erhöhen und veroollkomm- nen müssen. Tatfrohe Männer und Frauen mach­ten sich an die Lösung einer weiteren Aufgabe, die nun soweit gediehen ist, daß sie als spruch­reif anzufprechen ist: Bor einigen Tagen wurde die offizielle Gründung einer Kolonne des Arbeiter-Samariter-Dundes voll­zogen: eine namhafte Anzahl Mitbürger aus allen Devölkerungslreisen sagte ihre Teilnahme an dem demnächst beginnenden Kursus zu. 3n selbstloser Weise haben die drei hier prakti­zierenden Aerzte ihre Mithilfe zugesagt: bereits am Montag nimmt der erste Kursus feinen An­fang, der unter der Leitung des Herrn Dr. Schmidt steht. Erfreulicherweise nehmen daran eine Anzahl Frauen teil, so daß nach vollendeter Ausbildung Gewähr geleistet ist, in allen Fällen den Aerzten helfend zur Seite stehen zu (önnen. 3n ihrer segensreichen Tätigkeit kann die Kolonne erst dann zur vollen Auswirkung kommen, wenn ihr das 3ntereffe der breitesten Öffentlichkeit zugewendet und wenn ihr von be­rufener Seite, die nur die Gemeinde selbst sein kann, über die erste schwere Zeit der Reugrün- dung hinweggeholsen wird. Die in Aussicht fte- !ienoe Beratung des Gemeindevoran- ch l a g s gibt vielleicht Gelegenheit, einen ent­brechenden Betrag für diesen gemeinnützigen Zweck zur Verfügung zu stellen. Große Mittel sind ja vorerst nicht erforderlich, auch hier muh der Ausbau nach und nach erfolgen. Dringend notwendig ist zunächst eine Tragbahre, deren Fehlen sich in unserer großen Gemeinde schon mehrmals unangenehm bemerkbar machte, muhte doch vor einiger Zeit ein schwer Verunglückter auf einer Leiter transportiert werden. Man Denke auch an leicht vorkommende Unfälle im Wald beim Holzhauen und dergleichen, hier kann mitunter von einem fachgemäßen Transport <m Menschenleben abhängen. Hoffentlich verhallt Der Appell an das oft bewiesene Verständnis unserer Gemeindeverwaltung für die Belange der Allgemeinheit nicht ungehört.

:: Aus dem Bus ecker Tal, 5. Mai. Ueber den Stand der Saaten ist folgendes zu berichten: Der Roggen steht mittel, teil­weise schlecht. Große Flächen mußten bereits untergepflügt werden. Der Stand des Wei­zens ist im Durchschnitt als gut zu bezeichnen. Die Anbaufläche steht allerdings hinter der frü­herer 3ahre zurück. Frühgesäte Sommer­frucht, Gerste und Hafer, ist gut auf ge­gangen; spätgesäte ist noch weit zurück. Sie liegt infolge der Trockenheit stellenweise noch un- geleimt in der Erde. Der Drahtwurm hat be­reits bei der Sommer frucht viel Schaden ange­richtet. Der deutsche Rotklee zeigt durchschnitt­lich mittleren Stand. Der erste Schnitt hat be­reits begonnen. Beim ewigen Klee ist eben­falls eine Mittelemte zu erwarten. Auch hier ist in den letzten Sagen der erste Schnitt bereits eingefahren worden. Die Dickwurzeln gehen langsam auf. Auf den Wiesen sieht es nicht gerade erfreulich aus. Die tiefergelegenen haben infolge der letzten nassen 3ahre minderwertiges Futter. Aus den höher gelegenen macht sich die Trockenheit der letzten Wo^n bereits übel be­merkbar. Eine gute Ernte verspricht der Win­ter raps, bei uns Wintersamen genannt. Er hat ausgeblüht und gut angesetzt. Der Anbau ist gegen die ersten Rachkriegsjahre gewaltig zurückgegangen. Ein großer Teil des jetzt noch stehenden Rapses wird als Grünfutter verwendet. Sie Kartoffelaussaat ist fast beendet. 3n unserer Gegend erreichen die Ferkel- Preise eine Höhe, die nicht mit den Fleisch- Preisen für Fettschweine im Einklang steht. Es werden gefordert und bezahlt für 5 bis 6 Wochen alte Ferkel 48 bis 52 Mark. Dies ist um so weniger zu erklären, da doch viele unserer Land­wirte, die sich früher nicht mit Ferkelbucht abgegeben haben, sich heute diesem Zweig der Landwirtschaft zu wenden.

;: Beuern, 7. Mai. Die Ausführung eines Denkmals für unsere im Weltkrieg gefallenen Gemeindemitglieder, rund 50 an der Zahl, scheint nun zur Wirklichkeit zu werden. Rachden man sich jahrelang über die Plahfrage nicht einigen konnte, ist diese nun ge­lost worden. Am Wittwochnachmittag fand in tiefer Angelegenheit eine ge.neinschas.liche Sitzung statt, an der za>ei Vertre.er des Kreisbauamts Gießen, Regierungsbaume.ster Schneider und Dauinspellor Kimpel, ferner unser Beuerner Bildhauer Wilhelm Arnold, der Schöpfer des

Gießener 116er-Denkmals, und der Gemeinderat teilnabmen. Heber folgenden Plan wurde bera­ten: Die südöstliche Hälfte des Kirchenplayes soll als Standort für das zu errichtende Ehrenmal benufot werden. An der un.ercn Seite der Kirchenplatzmauer, dort, wo Fünshausenerstraße, Borngasse und Untergafie zulammentreffen, wer­den die Gemeindeviehwage und das Spritzenhaus abgerissen. D.e Mauer wird beiderseits in ge­rader Linie weilergebaut, bis beide Teile in einem rechten Winlel auseinanderstoßen. Das Kriegerdenkmal, vielleicht in Gestatt eines Obe­rsten, wäre in dem Scheitelpunkt des rechten Winkels zu errichien, so daß, vom Dorfteil Füns- hausen kommend, der Blick direkt das Denkmal trifft. Eine breite Treppe soll von der Straßen- tiefe auf den etwa 3 Meter höher gelegenen Kirchenplatz führen, Der als Ehrenfried- h o f herzurichten wäre. 3edem Gefallenen soll, an der Mauer herziehend, ein Gedenkstein er­richtet werden. Die Mauer selbst wird mit einer Stakete versehen und mit Grün angepflanzt, so daß die Rückwand des alten Schulhauses ver­deckt würde. Der Ehrenfriedhof wird nach Westen zu ebenfalls durch Staletenwand, allerdings mit einer Durchlaßtüre, abgeschlossen. Das Kreis- bauair.t wird Plan und Kostenvoranschlag über die getarnte Anlage aufstellen.

-fGrünberg.7. Mai. Der Gemeinderat bewilligte in seiner jüngsten Sitzung dem Kreis- rinderzuchtverein zur Abhaltung einer Tierschau einen Zuschuß zu den Prämi­ierungskosten. Der bewilligte Betrag beläuft sich auf 200 Mk. Man hofft, daß au) die hiesige Ge­schäftswelt das Vorhaben durch Spenden fördern wird. Die Veranstaltung dürfte voraussichtlich in der zweiten Woche des Monats Juni stattfinden. Ein Gesuch des Herrn Seim und Genossen betr. die Errichtung eines Gedenk st eines (Findlingsfelsblock) zum Andenken an den in Bra- f-licn verstorbenen Landsmann Theo Koch in der Nähe der Schießhalle findet Annahme. Nach einer Mitteilung des Kreisamtes steht der untere Stock des Iunkerschen Hauses für die landwirt­schaftliche Winterschule zur Verfügung. Die für Bauzwecke zur landwirtschaftlichen Winter- schuke geliehenen 20 000 Mk. sollen mit 7 Prozent verzinst und mit 2000 Mark jährlich abge­tragen werden. Verschiedene Gesuche von Ein­wohnern wurden zwecks näherer Prüfung zurück- gestellt, außerdem noch einige kleinere Angelegen­heiten erledigt. In geheimer Sitzung beschäftigte sich der Gemeinderat mit den Leistungen der Stadt für das hier zu errichtende Finanzamt. In der Theo-Koch-Straße ist Gelände angekauft wor­den, das für diesen Zweck mit verfügbar gemacht werden soll.

!! Kesfe 1 bach, 7. Mai. Eine erheb­liche Verbesserung hat seit einigen Tagen die Steinindustrie tm Lumdatale dadurch erfahren, daß der Steinbruch an der Chaussee zwi­schen unserem Dorf und Odenhausen wieder in Be­trieb genommen worden ist. Große Aufträge an Pttastersteinen und Schotter ermöglichen es, daß be­reits 70 Arbeiter beschäftigt werden können. Gewiß eine begrüßenswerte Erscheinung, besonders in der heutigen Zeit, wo auch das kleinste Dorf das Ar- beitskofenproblem zu lösen hat.

z. Allendorf a. d. Lumda, 7. Mai. Bei der jüngsten hiesigen Holzversteigerung, zu der aus nah und fern sehr viele Kaufliebhaber ersch' nen waren, wurden wiederum sehr hohe Preise er­zielt. Je nach Lage und Qualität gestalteten sich diese für ein Raummeter wie folg: Buchenscheiter 7,50 bis 15,20 Mk., Buchenknüpp-l 11 bis 13 20 M Buchenreiser 1,75 bis 2,80 Mk., Buchenstöcke 5,75 bis 6,50 Mk., Fichtenrundholz 3,50 bis 4,50 Mk., Fichtenknüppel 3 bis 3,50 Mk., Fichtenscheiter 2 bis 4,70 Mk., Fichtenprügel 0,50 bis 4.50 Mk., Fich­tenstöcke 0,50 bis 2,40 Mk., Eichennutzholz 10,20 bis 19,25, Elchenscheiter 7,70 bis 14 Mk., Eichenknüvpel 6 bis 8,50 Mk., Eichenreiser 1,40 bis 1,60# Mk., Eichenstöcke 3,50 bis 4 Mk., Mischholz 8,70 bis 9,50 Mark. Es kamen noch erhebliche Holzmengen zur Versteigerung.

) L i ch, 7. Mai. Der Stadtvorftand be­schäftigte sich in seiner jüngsten Sitzung auf Veran­lassung des Finanzamtes Hungen mit der Bildung der Grundwertausschüfse und der G e - w e r b e a u s s ch ü s s e bei den Finanzämtern. Den Ausschüßen soll auf Grund der entsprechenden Der- ordnung ein von dem Vorstand der Gemeinden, die mehr als 1000 Einwohner haben, benannter Be­amter angehören. Der Stadtvorstand benannte als Beamten den Sürgermeifter und als Stell- Vertreter den Beigeordneten. Sodann gab der Bürgermeister eine Verfügung des Kreisamtes Gie­ßen bekannt, wonach auf Grund des § 22 der neuen Dienstanweisung für die Feldgeschworenen vom 12. 1 26 fettens des Kreisamtes die Gebühren der Feldgeschworenen festzusetzen sind und Dor- schlage wegen der Höhe der Gebühren nach An­hörung der Gemeindevertretung gemacht werden sollen. Der Stadtvorstand beschloß, dem Kreisamt folgenden Gebührentarif vorzuschlagen: Die Feld- geschworenen sollen erhalten: 1. Innerhalb der Ge­markung bei einem Zeitaufwand von mehr als vier Stunden 5 Mk., bei 2 bis 4 Stunden die Hälfte und bis zu 2 Stunden ein Viertel der Tagesgebühr. 2. Außerhalb der Gemarkung die Fahrt 3. Klaffe bzw. 15 Pf Kilometergeld oder evll. die wirklich erwachsenen Auslagen. Neben diesen Auslagen soll die festgesetzte Tagesgebühr vergütet werden. Weiterhin wurde beschlossen, daß sich die Stadt zur BelebungderBautätigkeitmitlOBau- s p a r t o n t e n mit einer wöchentlichen Einlage von 3 Mk. bei der Bezirkssparkasse Gießen beteiligt Die Beteiligung erfolgt jedoch nur unter der Voraussetzung, daß in hiesiger Stadt minde- stens 40 Bausparkonten zusammenkommen. Der Stadtvorftand trat fobaifn einem Vorschlag der Finanzkommission bei. die Zinssätze für die von der Stadt ausgeliehenen Kapitalien, die seither mit 8 und 9 Prozent verzinst werden muß- ten, auf 1} Prozent am 1. April d. I. zu ermäßi­gen. Weiterhin fanden verschiedene kleinere Vor­lagen antragsgemäße Erledigung.

Kreis Büdingen.

j- Aus dem Ribdata 1, 6 Mat Die warmen Apriltage in Verbindung mit Rieder­schlägen, haben das Wachstum von Klee und D r a s stark begünsttgt, sodaß die Landwirte be­reits mit der Grünfütterung beginnen konnten. Während in sonstigen 3ahren Knc.vp- heit und Mangel an Heu zu frühzeitigem Ein- holen von Gras zwang, geht man in diesem 3afjr vielfach mit mehr oder minder starken Restbestanden in das neue Futterjahr über. Lieferten doch die beiden Vorjahre überaus reiche Heuernten Der Anbau von Raps, der

in der ölhungrigen Zeit nach dem Kriege allge­mein betrieben wurde, ist stark zurückge- gangen Die gelben Dlütenbänder in den Ge­markungen sind nur noch vereinzelt und in be­scheidenen Ausmaßen vorhanden, was von den 3mkern sehr bedauert toirb.

Kreis Friedberg

4 Dad-Rauheim, 7. Mat 3m Kur - tebeii zeigt sich bereits ein erfreuliches An­steigen der Besuchsziffer. Bis heute beträgt der Gesamtbesuch seit 1. 3anuar 5494 Personen, darunter 568 Ausländer. Anwesend linb zur Zeit 2660 Kurgäste. Das Sur- tbealcr öffnete gestern abend seine Pforten für die Eommersaison. Das ausverkauste Haus nahm d^s MärchenspielSakuntala" mit dankbarem Beifall auf.

Kreis Alsfeld.

*9 Neuhaus b. Hombecg a. d. Ohm, 7. Mai. Die hiesige Sägewerksbetrieb der Firma G e b r. Himmelsboch, der seit dein Sommer vorigen Jahres stillag, hat in diesen Tagen den B e- trieb wieder voll aufgenommen. Man­gels Ausreichender Holzmossen dürste die Arbeit aber leider nicht allzulange anhalten. Hoffentlich läßt es sich ermöglichen, bis zu diesem Zeitpunkte anderwei- ttge Arbeitsgelegenheit bereitzustellen.

C? Aus dem Ohmtal, 7. Mai. Der Saa­ten ft a n b ist in der hiesigen Gegend im allge­meinen als g ü n ft i g zu bezeichnen. Sehrt gut ist der Stand des Klees, der an verschiedenen Stellen bereits zum ersten Male geschnitten wird. Auch der Stand der Wiesen ist recht befriedigend, so daß vor- aussichtlich eine gute Heuernte eingebracht werden kann. Manche Ortschaften klagen allerdings über recht unangenehmes Auftreten der Feldmäuse.

Kreis Lauterbach.

5 Schlitz, 5. Mai. In unserem verkehrsabge- legenen S ch l i tz e r l o n d hat die T u r n e r e i noch wenig Verbreitung gefunden. Seither war der hie­sige Turnverein der einzige Verein, der das Turnen in feinen verschiedensten Zweigen betrieb. Er ist sich unter trefflicher Leitung aber dessen be- mußt, daß er eine Vorpostenstellung einnimmt und berufen ist, den turnerischen Gedanken auch auf dem Lande zu verbreiten. So ist es ihm gelungen, vor einigen Jahren in Pfordt einen Turnoer- ein zu begründen, der bereits zu den rührigsten Landvereinen des 4. Bezirks im Turngau Hessen zählt. Nun ist, nachdem die hiesigen Turner durch Werbeoeranstaltungen der Turnerei den Weg ge­bahnt, auch in Hartsrs hausen im hessischen Fuldagrund ein Turnverein im Entstehen be­griffen, der jedenfalls auch der Deutschen Turner- schäft, und zwar dem Gau Hessen, beitreten wird. Eine eifrige Pflege findet im 4. Bezirk das Wan- d e r n, das jeweils mit dem Besuche benachbarter Turnvereine verbunden ist und so zur Hebung der turnbrüderlichen Gesinnung beiträgt. So machte kürzlich der Turnverein Grebenau in Ver- binbung mit einem längeren Turngang den hiesigen Turnern einen Gegenbesuch, wobei herzliche Be- grüßungsworie ausgewechselt wurden.

Starkenburg.

WER. Darmstadt. Z. Mat Wie der »Hess. Vollssreund" meldet, ist hier gestern ein Liebespaar gemeinsam in den Tod gegangen. Die 19jährige Marie Pfiher und ihr Bräutigam, der 23jährige Stellmacher Hein­rich Mahr, vergifteten sich In der Wohnung des Mädchens in den Vormittagsstunden mittels Leuchtgas. Längere Arbeitslosigkeit des jungen Ma:mes fuH der Grunb gewesen sein, weshalb d . Paar beschloß, freiwillig auS dem Leb"n zu scheiden.

WSN. Sieburg, 7. Mai. Die Handarbeits- lchrerin Kaiser, die, wie gemeldet, den Tod e ine r Schülerin während des Unterrichts her- beiführte, ist gestern von der Kriminalpolizei in ihrer Wohnung, wo sie sich verborgen gehalten hatte, fest genommen worden.

Rheinhessen.

WSR. Worms, 7. Mai, Von seinem Schw iegerf eh n überfallen und in bestialischer Weise mißhandelt wurde ein hier wohnender Arbeiter. Die Frau und die Tochter des Schwiegersohnes schlugen ebenfalls auf den Dater und Großvater ein und drängten ihn dabei ins dunkle Schlafzimmer, wo der älebersallene auf das Bett zu liegen kam. Dori versetzte der liebenswürdige Schwiegersshn seinem Schwieger­vater einen Schlag auf den Kops, so daß der Getroffene bewußtlos zu Boden stürzte. Lieber dem linken Aage trug er eine schwere klaffende Wunde davon, so daß ärztllche Hilfe herbei gerufen werden mutzte.

Preußen.

Kreis Wetzlar.

23 e ft 1 a r , 7. Mai. Der hiesige Verkehrs- verein, der bedauerlicherweise keine Mit - aliederzusammenkünfte abhält, sondern seine Arbeit anscheinend mehr auf Vorstands- fitzungen verlegt, beabsichtigt in nächster Zeit eme illustrierte Werbeschrift über Wetzlar herauszugeben. Einer Anregung, die an dieser Stelle gebracht worden ist, nämlich einmal die Umgebung der schönen Bergruine Kais- munt würdig herzurichten, um den besuchenden Fremden nicht ein Bild der Verwahrlosung zu bie­ten, ist man in anerkennenswerter Weise nochge- kommen. Die Wege um die Burg sind schön instand- gesetzt und mit Ruhebänken in ausreichender Zahl versehen worden. Zu wünschen wäre noch, daß sei­tens der Stadt der wildgewachsene, mit vielem Ge- strüpp versehene Wald etwas durchforstet würde. Besonders verschiedene Schwarzdornhecken am Rand des Plateaus könnten beseitigt werden und grünen Grasflächen Platz machen, damit die Aussicht von dieser Stelle nach dem Lahntal, die durch die Hecken teilweise versperrt ist, dem be­suchenden Einheimischen, als auch Fremden in ihrer panzen Schönheit zu Gesicht käme. Nachdem auch die Starkenweide ihre Ruhebänke erhalten hat, wäre es erwünscht, daß nunmehr das Tal im engen Weg und Kaisersgrund mit Bän­ken ausgerüstet würde, das doch in erster Linie die Erholungsstätte der alten und kranken Leute bildet.

.0 Wetzlar,?. Mai. Landjägermeister Wein­reich von hier formte dieser Tage auf sein 2 5 j ä h- riges Bienftjubiläum bei der Gendarmerie des Kreises Wetzlar zurückblicken. Es wurden ihm aus diesem Anlaß zahlreiche Ehrungen, sowohl von feiten seiner vorgesetzten Behörde als auch aus Kollegenkreisen zuteil. An einer im Hotel Luy statt­

gefundenen Feier de» Jubiläums nahmen ein Ver­treter des Regierungspräsidenten, der Landrar so wie die gesamten Landjägereibeamten des Kreises Wetzlar teil.

L Groß-Rechtenbach, 7 Mai. Bei Ge legenbeit der hier in Gange befindlichen w ir: schaftlichen Umlegung der G r u n d st ü ck e werden verschiedene Wegebauten ausgesühn. die von der Regierung als Notstandsarbcit anerkannt sind. Der beteiligten Gesamtheit in der Umlegungssache ist aus Mitteln der produktiven Erwerbslosenfürsorge ein Zuschuß zur Ausführung der Arbeit bewilligt worden. Bei den Wegebautcn werden die Erwerbslosen der hiesigen Gemeinde beschäftigt. Die Bauaufsicht wird durch einen Sach landmesser des Kulturamtes in Wetzlar ousgeübt.

DillkrciS

WSN. Frankfurt a. TI., 7. Mai. In der ver­gangenen Woche ist auf dem Arbeitsmarkt eine kleine Besserung eingetreten. Zu Beginn der Woche standen 24 254 Arbeitsuchende zur Verfügung: baju haben sich im Laufe der Woche 1459 Leute neu erwerbslos gemeldet so daß insgesamt 25 713 '21 r bettsuchende beim Arbeitsamt vorgemerkt waren. Nach Abschluß der Dermittlungstätiglett verblieben hiervon 23 603 Personen.

Das Nauheimer Kuror^ester.

Man schreibt uns: Wie man Höri, soll mit der zu Ende gegangenen Winterkur der seit Fah­ren bestehende Stamm deS D t a a t L Rur- orchesters zu Bad-Rauheim aufgelöst werden, weil der .Abbau" auch an dieser Stelle einzusehen habe. Als Ersah der etwa 25 Mann starken Winterkapelle denkt man sich ein Ensemble von 4 Musikern, also «ine .KafseehauS-Musik". Die Mitglieder des Stammorchesters, von denen einzelne schon viele Jahre im Orchester tätig sind, sollen entlassen werden. So die in Dad- Rauheim umlaufenden Gerüchte. Wären fie wahr, so müßte man diese Maßnahmen aus den verschiedensten Gründen bedauern. Vor allem hätten die größeren Vereine der Provinz, voran der Gießener Konzertverein und das Theater, ein 3nteresse daran, dieses kleine Orchester für Oberhessen erhalten zu sehen. Roch stehen ja die schönen Konzerte, die in vergangenen Jahren in Gießen und den kleineren Städten Oberhessens veranstaltet wurden, in bester Erinnerung. Cs war damit ein Anfang gemacht, eine staatliche Einrichtung, zu der in letzter Linie alle Ein­wohner mehr oder weniger beisteuern, der All­gemeinheit zugänglich zu machen, ohne dabei die Verpflichtungen in Dad-Rauheim einzuschränken Leider war ja in letzter Zeit die musikalische! Tätigkeit in Dad-Rauheim während der Winter­monate nicht gerade hervorragend. Aber zur Auffrischung dieser etwas handwerklich geworde­nen Tättgkeit bedürfte es doch nur eines neuen Ansporns, um bald wieder die künstlerisch notwen­dige Frische und Freudigkeit herzustellen. Konzerte im Kammerstil, solistische Darbietungen einzelner Mitglieder u. a. würden daS Riveau der win­terlichen Konzerttätigkeit von der Stufe der reinen Unterhaltungsmusik zu höherer künstle­rischer Tätigkeit erheben An KaffeehauS-Musik ist in Dad-Rauheim auch im Winter kein Mangel. Ernste, hochstrebende Orchestermusik aber ist für viele Einwohner und die zahlreichen Winter- gälte ein Dedürsnis, das sich nicht abffreiten läßt. Auch scheint uns, daß der Ruf der musika­lischen Sommerunternehmungen, der dem Welt­bad Dad-Rauheim so gut steht, In Winter, wenn auch naturgemäß in verkleinerter gorin, erhalten bleiben muß. 3a, man darf wohl in diesen künstlerischen Darbietungen einen Hauptfaktor für die günstige Weiterentwickelung der Rauheimer Winterkur ruhig ansprcchen Dabei verkennen wir nicht die Schwierigkeiten die in der jetzigen Zett allen künstlerischen Unternehmungen, insbe­sondere den rein musikalischen, lähmend gegen- überstehen Wir hoffen aber, daß nicht nur die Rauheimer, die den Verlust des Winterorchesters besonders schmerzlich empfinden, sondern auch die weitere Umgebung durch reges 3nteresse für alles Gebotene den Wunsch betonen, diese Ein­richtung erhalten zu sehen 3nsbesandere geht dies auch die Provinzialhauptstadt an. Kommen doch etwaige Darbietungen des Darmstädter Orchesters, für dessen Erhaltung Oberhessen ge­nau so beisteueri, wie Starkenburg, kaum in De tracht. Gießen ist, wie die Dinge nun einmal liegen, auf das Rauheimer Orchester angewiesen Wird dieses aber in seinem Stamme auf eine neue Grundlage gestellt, werden die Dienstver­pflichtungen etwa in der Weise ausgebaut, wie es schon vor 3ahren im .Gießener Anzeiger" angebeutet wurde, so hebt sich der Wirkungs­kreis von selbst, ohne dabei dem Bade Rauheim zu schaden Wir sind über den Etat des Winter- orchesters nicht orientiert Stimmen die Angaben, die hier und da verlauten, so spielen die Kosten säst keine Rolle. Ein wesentlicher Zuschuß soll nicht vonnöten fein, vielmehr sott sich die Ein­richtung selbst tragen können Wäre dies der Fall, worüber amlliche Stellen Auskunft geben

M,