der Entschädigung zu sprechen. Was Provinz und Land in den letzten Tagen an Unter- Mhungen gegeben haben (2 200 000 Mk.), wird den Schwerge'chädigten ohne Rüüzah lungsp flicht auögehändigt, um c bittere Rot der Stunde zu beheben. Für die Verteilung größerer Mittel, die erst nach einer ersten Liebersicht über die entstandenen Schäden durch die entsprechende Besichtigungs-Kommission ersol^en kann, müssen geeignete Richtlinien ausgestellt' werden, die sich in mancher Hinsicht von den früheren unterscheiden sollten. Zum Schluß kam Dr. Jarres auf die
beängstigende Zunahme der Arbeitslosen'' Ziffern
durch die Hochwasserschäden zu sprechen. Allein in der nächsten Räbe von Duisburg handelt es sich hierbei in diesen Tagen um eine Zunahme um fast 26 000 Erwerbslose. Rach den allgemeinen gesetzlichen Bestimmungen wird die Erwerbslosenfürsorge für die durch Hochwa^er -erwerbslos Gewordenen mit der üblichen Drntagcswartezeit in Kraft treten. Trotz der staatlichen Llnterstützung wird aber die Hilfe privater Wohltätigkeit in Anspruch genommen werden müssen, um die Schäden wenigstens zum Teil wieder gut zu machen, die diesmal das n i e I f a d> e der letzten Hochwasserschäden umfassen.
Die Fürstenabfindungen.
Aus dem Rechtsausschust des Reichstags.
Berlin. 7. Ian. (TLl.) Der Rechtsausschuh des Reichstages begann unter Vorsitz des Abgeordneten Dr. Kahl (DVP.) mit den Beratungen über die vermo gensrechtliche Auseinandersetzung mit den früher regierenden Fürstenhäusern. Zur Behandlung standen ein demokratischer Antrag. der die Länder ermächtigen soll, die vermögensrechtliche Auseinanderieyung. soweit sie noch nicht stattgefunden hat. durch Landes- geseh unter Ausschluß des Rechtsweges zu regeln und zwei kommunistische Anträge, die das Vermögen der ehemals regierenden pursten ohne Entschädigung enteignen und alle Rechtsstreit.gleiten darüber bis zum Inkrafttreten einer roic^gesehlichen Regelung ausgesetzt wissen wollen.
Von dem Vertreter des vreuhischeu Finanzministeriums wurde dem Ausschuß eine Denkschrift vorgelegt, die in sehr ausführlicher Weise ire vermögensrechtliche Auseinandersetzung zwischen dem preußischen Staat und dem vormals regierenden Königshaus behandelt. Im Anschluß daran wurde ausgeführt, daß, wie in anderen monarchisch regierten Staaten, so auch in Preußen, der Träger der Krone und die Mitglieder des regierenden Hauses in vermögensrechtlicher Beziehung eine eigenartige Sonder ft ellung besessen haben, die mit her Staatsumwützung ihr Ende fand. Sie sind nicht nur Nutznießer ihwcs Privateigentums gewesen, sondern in ihrer Eigenschaft als Angehörige des Herrscherhauses in weitgehendem Umfang glerd^eitig auch Besitzer und Rutz- nieher staatlichen Eigentums. Hierbei waren
die Grenzen zwischen dem Privateigentum und dem Staatseigentum niemals klar fest- gestellt
worden. In der Hauptsache sei die Beurteilung des vermögens rechtlichen Verhältnisses des Hauses Hohenzollcrn zum preußischen Staat ab- hängig davon, in welch rm Sinne und in welchem Umfang der Grundbesitz, der in der alten Zeit den Kern der Vermögensrechte der landesherrlichen Familie bildete, als Domänengut in das Eigentum des Staates überging. Im Patrimonialen Staat wurde dieser Grundbesitz als fideikommissarisches Eigentum der landesherrlichen Familie angesehen. Von Anfang an waren jedoch gewisse Momente vorhanden, die darauf hmwirkten, ihn öffentlich-rechtlich zu binden.
Der Vertreter des preußischen Finanzministeriums gab darauf die wichtigsten zahlenmäßigen Angaben über den
.Vergleich zwischen Preußen und dem königlichen HauS
wieder. Rach dem Vergleich soll der Staat erhalten: Die Kronschlösser mit dem historischen Mobiliar und den Gärten, die Kunstwerke in den Berliner Museen und die Schackgalerie in München, die Kroninsignien, die Verfügung über das Hohenzollern-Museum. die Hausbibliothek und das HauSarchiv nach Maßgabe besonderer Bestimmungen, die Theater mit dem Theaterfonds. 111000 Morgen Land und Forst, die Hausgrundstücke in Berlin und Potsdam mit einigen Ausnahmen, ferner die Kronftdeikommiß- rente. Das vormalige königliche Haus soll erhalten: Einzelne Schlösser (das Palais Kaiser Wilhelms 1. und t>a£ Niederländische Palais, Bellevue, Babelsberg), einzelne Hausgrund- ftücke, bas Gebrauchrmobiliar und den Familien- schmuck, den restlichen Land- und Forstbesitz, rund 290 000 Morgen, und 30 Millionen Reichsmark. Die 30 Millionen entsprechen etwa dem Werte des dem Staat zusallenden Grundbesitzes (®uter, Forsten und Nutzgrundstucke). Rach verschiedenen die Generaldebatte vorbereitenden Fragen beschloß der Ausschuß, um die persönliche Anwesenheit deö preußischen Finanzministers zu ersuchen. Hierauf erklärte der thüringische Staatsminister Dr. v. K l ü ch t n e r , das) die thüringische Staots- regierung nicht in der Lage sei, beim Reiche den Erlaß eines Reichsgesetzes über die entschädigungslose Enteignung der Vermögen der ehemaligen regierenden Fürstenhäuser anzuregen, da eine derartige Enteignung mit dem allgemeinen Rechte empfinden und mit den Grundsätzen der Reichsverfassung nicht in Einklang stehen würde. Dagegen würbe die thüringische Regierung bereit sein, einer vom Reiche etwa geplanten gesetzlichen Regelung der Frage der Auseinandersetzung zwischen den Ländern und den Fürstenhäusern nach einheitlichen Gesichtspunkt» und Rechtsgrundsähen zuzu- ft i m men. In den späten Abendstunden vertagte sich der Ausschuß auf Freitag.
Ws dem NerchsraL.
Berlin, 7. dan. (WTB.) In seiner heutigen Sitzung genehmigte der Reichsrat zunächst den neuen Handelsvertrag mit den Niederland en, wonach beide Staaten sich gegenseitig die Meistbegünstigung zusichern. Ferner wurde der deutsch-niederländische Vertrag gebilligt, nach dem der frühere Deutschland von Holland bewilligte
I Kredit von 140 Millionen Gulden 3 um A n - tauf von R 0 h st 0 f f c n um sieben Jahre verlängert wird und sich demgemäß auf 17 Jahre erstreckt. Der Zinsfuß wird vom 1. Januar 1927 ab auf 5i Proz. herabgesetzt. Am 31. Dez. 1930 werden 70 Millionen Gulden von Deutschland abgedeckt. Im Lause des Jahres 1937 findet die Abdeckung des Restbetrages statt.
Der Reichsrat nahm außerdem das vorläufige Wirtschaftsabkommen zwischen Deutschland und Spanien an. Dieses Abkomme» ist am 18. November vorigen Jahres durch Notenwechsel in Madrid abgeschlossen worden und soll sich als U e b e r g a n g s r e g e l» n g auf höchstens 6 Monate erstrecken. Deutschland erhält durch dieses Provisorium wesentlich ermäßigte Zollsätze für Tomaten, Weintrauben, Bananen, Apfelsinen und roten Naturwein sowie Sardinen in Del, mährend Spanien dagegen der deutsche» Einfuhr die niedrigeren Zölle der zweiten Spalte des jeweiligen spanische» Zolltarifs zubilligt.
Der Strafvollzug.
Aus dem Rcchtsansschuft des Preußischen Landtages.
Berlin, 7. Ian. (Wolff.) In 6er heutige» Sitzung des Rechtsaus^chusfeS wurde sestgestellt, daß eine ganze Reihe der gefaßten und noch zu fassenden Beschlüsse zusammen ein Programm sür eine Ausgestaltung des modernen humanen Strafvollzuges darstsllen sollten. Beschlossen wurde, daß auf je 300 Gefangene desselben Gefängnisses ein Geistlicher, ebenfalls auf je 300 Gefangene ein Lehrer hauptamtlich zu ernennen sei. Mit größtem Nachdruck wurde auf die Notwendigkeit der geeigneten Auswahl und Vorbildung der A e r z t e hingewiesen. Beschlossen wurde weiter eine Aufbesserung der nebenamtlichen Geistlichen und Aerzte; ferner eine bessere Berücksichtigung der Gefangenen in den kleinen ©efängnile». Alle Parteien traten für die hinreichende Beschaffung von Kleidung und Wäsche ein. Es wurde bestimmt, daß ohne Zustimmung eines Gefangenen die Dauer der Einzelhaft in Preußen nicht über ein Jahr betragen dürfe, auch daß eine Uebersührung der Gefangenen aus der Gemeinschaftshaft in die Einzelhaft nur in dringenden Fällen besonderen Bedürfnisses zu geschehen habe. Sachlich erklärten alle Parteien ihr Einverständnis damit, daß es unmöglich sei. die D i s z i p l i n a r st r a f e n für älntersuchungsgesangene schärfer zu fassen als sogar sür bereits verurteilte Festungsgefangene. und sie sagten ihre Zustimmung für den entsprechenden Antrag zu, den die Demo- rratftche Fraktion bei der Beratung des Iustiz- etats wiederholen wird.
Die Änderung des Kraftsahrzeu^steuergesetzes. Berlin, 7. Jan. (111.) Der finanzpolitische Ausschuß des vorläufigen Reichsmirtschafts- r a t e s behandelte den von der Reichsregierung zur Begutachtung vorgelegten Entwurf eines Gesetzes zur Aenderung des Kraftfahrzeugsteuer- und des Finanzausgleiä)gesetzes. Die Kruftfahrzeugsteuer soll die Mitte! für eine geordnete Aufrechterhaltung des Wegebaues aufbringen. Der vorliegende Entwurf sieht gegenüber dem bestehenden Gesetz eine Reihe wesentlicher Aenderungen vor. Zunächst i[t die im § 2 Nr. 5 vorgesehene Steuerbefreiung für Kraftfahrzeuge mit höchstens acht Pferdestärken im Einqentum von Aerzten in Orten von 200 000 Einwohnern, die das Fahrzeug zur Ausübung ihres Berufes benötigen, fallen gelassen worden. Sodann sieht der Stcuertarif eine nicht unwesentliche Erhöhung vor und der § 11 Absatz 2 ist dahin erweitert worden, daß die Steuer solange für ein Kraftfahrzeug, für das ein Kennzeichen zugeteilt ist, weiter zu entrichten ist, bis bis es bei der Polizeibehörde abgemeldet oder ein Probefahrtkennzeichen zurückgeliefert worden ist. Bisher schreibt § 45 des Finanzausgleichgesetzes lediglich vor, daß die Länder die Steuer „mindestens zur Hälfte" zur Wegeunterhaltung zu verwenden haben. Der Entwurf will durch Streichung dieser Begrenzung erreichen, daß das gesamte Steueraufkommen zu Zwecken der öffentlichen Wegeunterhaltung Verwendung findet. Der Ausschuß beschloß, de» Entwurf zur ein» gehenden Beratung einem Arbeitsausschuß zu über- weisen, um das ganze Problem der Wegeur.terhal- tung und der Beteiligung der Fahrzeugsteuer an diesen Kosten, wie auch die Verteilung dieser Steuer» zu klären.
König Victor Emanuel an den Reichspräsidenten.
Berlin, 7. Ian. (Lokalanzeiger.) Auf das Beileidstelegramm des Reichspräsidenten an de» König von Italien anläßlich des Ablebens der Königin-Mutter ist folgendes Antworttelegramm aus Rom eingegangen:
„ Zugleich im Namen der Königin spreche ich Euer Exzellenz meinen lebhaften Dank aus für die Teilnahme an unserem Schmerz in dieser traurigen Stunde. Victor Emanuel."
Der Reichskanzler in Berlin.
Berlin, 6. 3an. (TU.) Reichskanzler Dr. Lu 1 herIst gesiern am S Uhr abends In Berlin eingelroffcn und wird im Laufe des Heuligen Tages vom Herrn Reichspräfidenlen zum Vorlrag empfangen werden.
Der Kampf gegen die deutschen Schulen in der Tschechoslowakei.
Prag, 8. Ian. (WTB. Funkspruch.) Seit 1918 wurden in der Tschechoslowakei 300 deutsche Schulen mit 3768 Klassen aufgelöst. Der Gesamtverlust des deutschen Schulwesens beträgt ein Viertel seines ursprünglichen Standes.
Die französische Politik im SaargebLet.
Paris. 8. Ian. (WTB. Funkspruch.) „Echo de PariS" beschäftigt sich mit der französischen Politik im ©aargeoiet und erklärt, man dürfe nicht hoffen, daß die Saarländer sich im neuen 2ahre für Frankreich entscheiden werden. Es sei jedoch die Pflicht Frankreichs, alles zu tun, was menschenmöglich sei, um d e Saarländer -u veranlassen, sich für die Beibehaltung des bisherigen Zustandes zu entscheiden. Das Blatt fordert, daß d.rraufhi.agsarbeitet werde, im März 1926, wenn der Völkerbund d'.e Präsidentschaft der Otcg’.erungScDmmUf on wieder $u vergeben hat. diese wiederum einem Franzosen zu übertragen. Allerdings nicht dem jetzigen Präsidenten R a u l t. Diesen Beam
ten beizubehalten, sei durchaus unmöglich. A» seine Stelle müßte eine Persönlichkeit ersten Ranges treten. Daß Frankreich nicht de» Vorsitz der Rcgierungslommifs on erhalte, fei mit seinem Prestige unvereinbar.
Italiens Expansionspläne.
München, 7. Dan. (WB.) Der Abgeordnete GrasTrcuberghat mit Unterstützung von Mit- glicbem der deulschnatlonalen Fraktion an die Staatsreglerung eine kurze Anfrage gerichtet, in der u.a. gesagt wird: 3n letzter oeit dehnen sich die faszistischenErpanflonsbestrebungen auch unverhohlen bis an die bayerische Grenze aus. Man erklärt, daß 3talien sich vis an den Monte Laravate (fiarwendel), nach Porta Claudia (Scharnih) und Medullum (Feste Kufstein) ausdehnen müsse. 3n der Anfrage wird weiter aus- gesührl, daß die 3taliener in Südtirol nun daran gingen, den Deutschen Namensänderungen aufzuzwingen, um so das Deutsche wenigstens äußerlich ganz verschwinden zu lasten. 3n Deutschland lebende 3!oliener schlössen sich zu faszisiischen Gruppen zusammen und trügen ihre deutschfeindlichen Fafzisienabzeichen offen zur Schau. Die Anfrage richtet an die Staatsregiermig die Frage, ob die Bildung faszistifcher Ortsgruppen vor allem in München bekannt sei und welche Beweggründe die deutsche Regierung habe, diese deutschfeindlichen saszistischen Gruppen in Bayern, vor allem in München, zu dulden.
Umbildung des österreichischen Kabinetts.
Wien, 8. Jan. (TU.) Wie in politischen Kreisen verlautet, wird dem neuenKabinettNomek, dessen Umbildung am 12. Januar erfolgen soll, auch der Finanzminister Dr. Ahr er nicht mehr ange- hären. Dr. Ahrer hat gestern im Kabinettsrat erklärt, daß er unter ollen Umständen sein Demissionsgesuch aufrechterhalle. Dem neuen Kabinett werden demnach Außenminister M a t a j a , Finanzminister Ahrer und Ackerbauminister Buchinger nicht mehr angehören, lieber hie. Frage der Nachfolge Dr. Ahrers begannen gestern zwischen den Mehrheitsparteien vertrauliche Besprechungen.
Die Diktatur in Griechenland.
Das NegiernngSprogramm des Generals Pangalos.
A t h e n , 7. Ja». (TU.) Die ersten Maßnahmen, bic General Pangal 0 s ergriffen hat, um die Wirtschaftslage Griechenlands zu bessern, sind die Abschaffung des Ministeriums für öffentliche Unterstützung, sowie die Entlassung zahlreicher liberzahliger Beamten. Wahrscheinlich werden auch »och andere Ministerien abgeschafft werden. Die Handelsreisende» werden mit einer besonderen Steuer versehen werde». Die Mönche unter 50 Jahren sollen aus den Klöstern vertrieben und die Ztilassung neuer Mönche untersagt werden. In einer neuen Botschaft erklärt General Pangalos, daß er die fundamentalen Grundlagen her Verfassung, durch die die Republik ein- geführt wurde, achten, jebodi die gesamten versas- lungs- und gesetzmäßigen Vollmachten in feiner Hand vereinen werde, um die Geschäfte des Landes in voller Dränung und nach feinem eigenen Programm durchzuführen. Das fei hie Konsolidierung der Republik und die Rückkehr des Landes zu normalem und gesundem parlamentarischen Leben. Die Regierung habe ihren Charakter nicht geändert. Sie sei nicht ein Militärkabinett geworden, im Gegenteil habe sogar her frühere Chef des Marinewesens auf fein 2lmt verzichtet. Die Regierung halte es für ihre Pflicht, die Stellung Griechenlands zum Völkerbund aufrechtzuerhalten.' Die Regierung trachte, eine friedliche Regelung des Flüchtlingsproblems herbeizuführen und halte den Völkerbund für die Aufrechterhaltung des Friedens für notwendig, den Griechenland mehr als alle anderen Völker brauche.
Die Lage in Marokko
r i ® ’ 7. San. (WB.) Der Korrespondent der ,,'^imes" in Fez berichtet, daß die Franzosen in Marokko seit AHang Dezember zwei große politische Erfolge erzielt hätten. Dadurch, daß die Marmissas sich für Frankreich erklärt hätten, sei es möglich gewesen, den vorgeschobenen Punkt von Tisi-älsli zu erweitern und ihm eine Operattonsbreite zu geben, die ihm bisher gefehlt habe. Zum Anderen habe die älnterwerfung der S e n h a d j a s die Franzosen in den Besitz des gebirgigen Geländes gebracht, das das ganze Ouergha»Tal von Ain-Medinn<r bis nach Kef-el-Eharb und Kelaa absperre und so Fez im Norden schuhe. Diese beiden Erfolge seien nicht zuletzt den französischen Ausklärungso.fi- zieren und der persönlichen Tättgkeit zweier Ein- geborenenfuhrer zu verdanken. Die Erfolge Hütten unter den Eingeborenen eine große Wirkung ausgeübt, weil'sie ihnen den Beweis lieferten, daß Abd el Krim nicht mehr Herr der Lage sei. Rlan müsse nun materiell wie moralisch diese Eifolgr ausnützen, und zwar so schnell wie möglich, denn Abd el Krim bemühe sich, die Stämme davon zu überzeugen, daß es sich nur um Augenblickserfolge handele. Abd el Krim mache jetzt den Versuch die Moral der französischen Truppen dadurch zu untergraben, daß er hurdj Emissäre erklären lasse, man entlasse lediglich die weißen Truppen, nicht aber die eingeborenen Truppen.
Dor einer Klärung in China.
Peking, 8. Ian. (WTB. Funk sprach.) Der Präsident von China, Tuantchijui, sandte gestern nacht ein Rundtelegramm in die Provin- 5en, in dem er seine Absicht kund gibt, am 15. Januar von seinem Amt zurückzutre- ten. Auch Tschang Tso Lin soll die Absicht haben, zurückzutreten. Offenbar steht wohinter ein Druck Japans, das jetzt eher Interesse für eine feste Regierung in Peking hat, als für den Beherrscher der Mandschurei, wo ohnehin bie letzten japanischen Truppenverstärkungen Japans Macht »och mehr befestigt haben. General Wupeisu, der sich in letzter Zeit sehr ab- ü>arleiü> verhalten hatte, benutzt das Dsrschwin- den seines Hauptrivalen, um sich als Friedens- sttster in China beliebt zu machrn. Iü einem Schreiben hat er sich an alle chinesischen Führer gewandt und diese gebeten, zu Gunsten der neuen Zentralregierung in Peking zurückzutroten.
Wettervoraussage.
Veränderlich, Süd- bis Westwinde, milde, »och Regenfälle.
Das nordwestliche Fallgebiet hat einen tiefen Austäufer »ach Deutschland vorgeschoben, unter heben Einftuß wieder Regenwetter eingetreten ist. lieber den britischen Inseln wölbt sich zwar ei» schwacher Hochdruckrücken aus, her aber von neuen atlantischen Störungen bedroht ist. Die Zufuhr ozeanischer Lust hält im wesentlichen an.
Gestrige TageLtempecctturen: Maximum 7,1 Minimum 2,2 Grad Celsius. Niederschläge. 5,8 Millimeter. Heutige Morgentemperatur: 4,1 Grad Celsius.
Mine politische Nachrichten.
Eine übirfüllte sozialdemokratische Partei- Versammlung in Karlsruhe sprach sich nach einem Neferat Crispins im Gegensatz zu den Ausfüh- rungep des Referenten mit großer Mehrheit für den Eintritt der Sozialdemokra-- ten in eine Regierung der Großen Koalition aus.
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Der unter dem Verdacht des Mordes an Crz- berger in Bad Äusser verhaftete-vermeintliche Heinrich Schulz hat nunmehr angegeben, mit seinem richtigen Namen Heinrich Bogt zu heißen. Er sei Mitglied eines Geheimbundes in Deutschland, stehe ab:r dem Morde an Erz- bergec vollkommen fern. Infolge eidlicher Verpflichtungen tonne er über seine persönlichen Verpflichtungen keine weiteren Auskünfte geben.
Als Nachfolger des verstorbenen Ministers a. D. von Trott zu Solz wird die Provinz Hessen-Nassau künftig im Reichs- rat infolge einer Verständigung zwischen hem Zentrum und den Sozialdemokraten l^urch den Oberbürgermeister Dr. Antoni- Fulda vertreten werden.
Wie eine Berliner Korrespondenz erfährt, ist das Verfahren gegen den Abg. Lange- Hegermann, gegen den während der Dar- mat-A-färe schwere Anschuldigungen erhoben worden waren, eingestellt worden.
2lus aller Welt.
Die neue Polarexpedition AmundsenS.
Lincoln E l l s w 0 r t h wird an der Amund- senschen Polarexpedition mit dem Luftschiff „R 0 rge" als Leiter in gleicher Stellung und mit den gleichen Rechten wie Amundsen teil- nehmen. Die Expedition wird den Namen „Amnndfen-Ellsworth Spitzbergen—Alaska-Flug 1926“ erhalten. Der Norwegische Luft-- sahrtverein hat die geschäftliche ßeiütng der Expedition, die unter norwegischer Flagge ftatt- finden wird, übernommen.
Verproviantierung der Alpenhütten durch Flugzeuge.
Wie die „Innsbrucker Nachrichten" melden, besteht der Plan, im kommenden Sommer die in den 0 etztaler Alpen gelegenen Hütten her Sektion Mark Brandenburg des Deutsch,Desterreichischen Alpenoereins durch Flugzugc des Süddeutsche» Ae ro - L l0 y d zu uerprovian» Heren. Die Verhandlungen zwischen dem ?llpen- verein und dem Aero-Lloyd leien schon sehr weit gediehen. Spezialflugzeuge für alpine Zwecke seien bereits im Bau. Grobe Lasten sollen aus fünf bis sechs Meter Höhe, empfmdlichere Gegenstände mittels Fallschirms aus einer Höhe von etwa SO Meter herabgelassen werden.
Die Londoner City überflutet.
Die seit Donnerstag früh auf London und das Themsetal niedergegangenen starken Rege n f ä l l e haben eine Heberslutimg der Londoner City durch das Hochwasser her Themse verursacht.
Rattenplage in der Rheinebene.
Seit dem großen Hochwasser treten die Ratten in den Dörfern der Rheinebene fast seuchenartig auf. So sind einem Einwohner in Büttelborn 15 Hühner diesen Schädlingen zum Opfer gefallen. Ein Landwirt, der seine Stallungen einer Hauptreini- gung unterzog, konnte habet mit Hilfe eines kleinen Hofhundes, eines sogenannten Schnauzers, nicht we Niger als 72 Ratten vernichten.
Versteigerung von Juwelen der Zareafamttl«.
Die Sowjetreg'.erung soll die Juwelen der Zarenfamilie, die auf 250 Millionen Dollar geschäht werden, zur Versteigerung bringen wollen. Anter den Edelsteinen brftrrdet sich auch der be- rithmte 193farätige Brillant „Orlow". Rockcfeller hat seinen Agenten bevollmächtigt, an derAuktion teilzunehmen.
Paris—Amsterdam in 1 Stunde 50 Minuten.
Ein französischer Passagierftugz-eug mit acht Passagieren an Bord hat die Strecke Paris— Amsterdam in einer Stunde und 50 Minuten zurückgelegt. Das entspricht einer Stundengeschwin-- digkeit von 204 Kilometer.
Einsturz einer Mofelburg.
In Clotten a. d. Mosel ist ein Teil der Burg C l 0 t te n zusaminengestürztt Als älrsache werden die anhattenden Stürme und Regengüsse angegeben. Zwei Weinberge sind durch die Gr- steitrsmassen verschüttet und einige andere stark beschädigt worden. Der Zusantmensttrrz und das Rollen der Steine war weithin vernehmbar.
Dob-Ang!ück in St. Moritz.
In St. Moritz fuhr ein Dierer-Bob in die Zuschauermenge. Vier Zuschauer wurden schwer verletzt, mehrere andere erlitten leichtere Verletzungen. Die Mannschaft des Bob blieb unverletzt.
Großfeuer in Mecklenburg.
In Flies 6 0 rf bei Rostock brannte ein Stallgebäude völlig nieder. 63 Kühe, zwei Pferde und viel Geflügel kamen in den Flammen um. Außerdem verbrannten große Heu- und Stroh vvrräte. Allem Anschein nach liegt Vrondsiistung vor.
Der Nevisionsprozeß gegen (tzrans.
Dor dem Schwurgericht in Hannover beginnt am 12. Januar das Wiederaufnahmeverfahren gegen Hans Grans, der mit demRlafsen- Mörder Haarmann eng befreundet war und im Haarmann-Prozeß seinerzeit eins große Rolle spielte. Grans wurde außer Diebstahl, Hehlerei und anderen Vergehen zur Last gelegt, von den Untaten des Haarmann vorher gewußt und Haarmann junge Leute zugeführt zu haben, um dann


