Ausgabe 
7.12.1926
 
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Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen)

Hl 286 Zweites Blatt

Die Wahlen in Dänemark

Es ist kein Erfolg, den die dänische So­zialdemokratie am 2. Dezember erzlelt hat. Da sie seit dein 23. April 1924 die Regierungs- gefall besah, bedeuteten die vorzeitigen Reu- wahlen für sie mehr als nur Stimmen- oder AbgeordnetenverUtsle. Eie hat bei einer Wahl­beteiligung von über 90 v. H. glatt zaei Mandate verloren, was bei der ohnehin geringen parla­mentarischen Mehrheit r-en Rücktritt zur Folge haben muhte. Zumal auch bie Radilalen starte Stiinmen- und Wandatäverluste erlitten Haven. In einem so durch und durch agrarischen Lande, war die soz. Regierung ohnedies ein Wider­spruch, weil sie nicht eine Politik treiben konnte, die angeblich die Interessen ihrer Wähler schä- digte. Immerhin ist zu sagen, dah die Regierung Stauning versucht hat, in ein erträgliches Ver­hältnis zu Deutschland zu kommen. Aber nicht aus innerer Reigung, sondern nur aus dem innerpo.i.ischen Gegensatz zu den Rechtsparteien. Herr Etouning wird nun den Konservativen Platz machen müssen. Aber auch die Rechts­parteien haben keinen so überwältigenden Sieg errungen, ganz abgesehen davon, dah sie noch we­niger über eine gemeinsame Plattform verfügen, als da- bei den Sozialisten und den Radikalen der Fall war.

Die öffent.iche Meinung Deutschlands hat mehr als sonst Deranlassung, sich um den Wahlaussall zu kümmern. Richt deshalb, um sich in die umerpolitischen Streitfragen zu mischen, sondern deshalb, weil das Deutschtum in Rord- s ch l e s w i g bei diesen Wahlen den erfolgreichen Versuch der Selbstbehauptung gemacht hat. sind rvoch einiges dazu. Der prachtvolle deutsche Land­pastor Schmidt-Wodder ist' wiedergewählt worden. Das war zu erwarten, trotzdem die Dänen sich alle Mühe gaben, durch gewisse Quer­treibereien daS selbständige politische Auftreten der Deutschen zu beeinflussen oder doch zu schmä­lern. Hierzu gehört auch die D a u e r n b e w e - gung des Cornelius Petersen, die die verwaltungstechnische Unabhängigkeit Rordschles- wtgS als Losung ausgegeben hat. Die Selbst­verwaltungspartei Petersens ist auf der Strecke geblieben. Sie Hot es in Rordschleswig auf 2000 Stimmen gebracht, gegenüber 10 463 Stim­men, die auf den deutschen Vewerber Schmidt- Wodder entfielen. Wahlberechtigt sind alle männ­lichen und weiblichen Staatsbürger über 25 Iahre. Und wenn in Rordschleswig, dem losgelösten Gebiet, 10 400 deutsche Stimmen abgegeben wor­den sind, so beweist das, dah es sich hier nicht nur um eine kleine Minderheit handelt.

Unb die deutsche Partei hat ein Recht darauf, mit ihren Forderungen gehört zu werden. Zu diesen Forderungen gehört die nach einer Neu­regelung der deutsch - dänischen Grenze, die nach der Abstimmung so tief nach Deulsch-SchleSwig btneengeiogen wr-rde, dah fast vein deutsche Orte jenseits der Grenze zu liegen kamen. Das war 1920, zu einer Zeit also, als die seelische Erkrankung der Völker durch den Krieg noch nicht ausgeglichen war. als besonders der Hab und die Furcht vor Deutschland bei den früheren Gegnern noch so stark nachwirkten, dah sie. wenn c6 irgendwie möglich gewesen wäre, ganz Deutschland zerrissen oder aufge- teilt hätten. GS ist kein Zufall, dah fast zu gleicher Zeit bei Gemeindewahlen in Ostober­schlesien und bei den Landtagswahlen in Däne­mark, also im Rorden und Süden, große deutsche DolkSmassen mannhaft und ungebeugt ihrer Zu­gehörigkeit zur deutschen Stammes- g e m e i n s ch a s t offen Ausdruck gaben. Und dabei ist in den Jahren seit der gewaltsamen Los- reihung in Dänemark und Polen alles getan und nichts unterlassen worden, die deutsche Seele und daS lebendige deutsche Stammesgefühl zu zer­brechen.

Die Deutschen in Rordschleswig haben in dem Wahlkampf noch mehr gefordert, als nur die Reuregelung der deutschen Grenze. Sie haben mit Recht auch die Herstellung des wirt­schaftlichen Anschlusses an Deutsch­land als Panier aufgeworfen. Sie haben fer­ner die geistige und seelische Lebens­gemeinschaft mit den, deutschen Volk ge'or- dert, worauf sie ein Recht haben, um so mehr, als es Dänemark nicht an Versuchen hat fehlen lassen, diese unlösbare geistige Gemeinschaft zu zerreiben. Preuhen hat der dänischen Minder­heit In Rordschleswig weit gröbere Freiheiten

Bildende Kunft in Darmstadt.

Sonntagvormittag wurde in der Darmstädter Kunsthalle die A u S st e l l u ng der Künstler- Hilfe 1 926 in Gegenwart eines zahlreichen geladenen Publikums eröffnet. Oberregierungs- rat Emmerling hielt eine Absprache, in der er den Herren Oberregierungsrat Henrich und Oberst von Hahn, die die Anordnung der Aus- stellung getroffen hatten, wärmsten Dank aus- sprach^ Die gegenwärtige Ausstellung der Künst- lerhUfe sei ein Unternehmen des Ständigen Rats für Kunstpflege, der sich neu gebildet und die Anerkennung der hessischen Regierung gefunden habe. In der gegenwärtigen Zeit wirtschaftlicher Rot hätten die Künstler besonders schwer zu kämpfen. Die Ausstellung der Künstlerhilfe sei in erster Linie eine Verkaufsausstellung, mit der eine Lotterie verbunden sei. Im Anschluh an die Eröffnung fand ein Rundgang statt. Wie bei den früheren Ausstellungen gleicher Art sind auch diesmal alle Richtungen und Strömun­gen der hessischen Kunst berücksichtigt, so dah man hier leichter ein Gesamtbild des gegen­wärtigen Kunstschaffens in Hessen gewinnt, als auf den Souveräns stellungen, bei denen immer nur eine bestimmte Gruppe zu Wort kommt. Diesmal ist das Aquarell und die Graphik stärker vertreten, wohl mit Rücksicht auf die leichtere Verkaufsmöglichkeit: daneben treten auch die Kleinplastik und das Kunstgewerbe stärker in die Erscheinung als früher.

In den Räumen des Kupferstichkabinetts im Hessischen Landesmuseum wurde am Sonntag eine Ausstellung von Gemälden und Zeichnungen be« Hanauer Malers Reinhold Ewald eröffnet, die vis zum 5. Ianuar dauern wird. Reinhold Ewald bietet hier eine Schau von etwa 50 Bil­dern, die in das Wesen des Künstlers gut ein­zuführen vermögen, zumal auch viele Studien und Skizzen in die Ausstellung eingrreiht sind. In seiner Entwicklung zeigt sich Ewald nur wenig vom Expressionismus beeinfluht, jeden­falls ist er kein bloher Mitläufer gewesen. Ihn veizt es besonders, Bewegungsprobleme am

Erinnerungen an Hindenburg.

Bei Tannenberg. - Das Wesen des Feldherrn. - Kaiser und Marschall.

Rolf Brandt, der bekannte Schrift­steller und frühere Kriegsberichterstatter, hat soeben b.i der Hanseatischen Drrlags- anstalt, Hamburg 36, unter dem Titel: öo sieht di e Weltgeschichte aus..." ein Buch herausgegeben, dem wir folgenden Abschnitt entrahmen.

Ende August Vierzehn. Tannenberg war geschlagen. Die kleine Stadt Osterode in Ost- preuhen war festlich erleuchtet. In den wenigen Wohnungen, die von ihren Besitzern nicht ver­lassen waren, und in den anderen, die ihre Herren eben zurückkommen sahen, brannten die Stearinkerzen hinter den Fenstern zu sechsen und achten. Der hübsche, nur halb.'eere Marktplatz bekam einen Hellen Schein. Die Leute, die über das Helle Viereck gingen, in dessen Mitte deutsche Munitonswagen in Reihen aufgesahren waren, machten die gleichen ernsten Ges.chter wie am Tage vorher, da die Riesenwirbel der Schlacht durch die Luft dröhnten.

Durch das gelbe Licht geht eine massige Ge­stalt. Als sie sich dem kleinen Hotel nähert, in dem ich am Fenster sitze, sieht man ein wenig von dem Rot der Generalsaufschläge leuchten. Der General nimmt an einem kleinen Tisch am Fenster Platz, der Wirt tritt herzu, und der hohe Offizier bestellt zwei Schnitzel für sich und seinen Begleiter. Ein Zivilist schlägt Lärm bei dem Wirt, dahber Tisch am Fenster" das Essen schneller bekomme als er. der schon so lange warte. Der General sieht sich einen Augen­blick um; in den graubraunen Augen ist Ernst und Belustigung seltsam gemischt.Es ist der neue Oberkommandierende, der eben die große Schlackt gewonnen hat, Hindenburg", sagt der Wirt begütigend zu dem Zivilisten.

Das Licht von der Straße, fällt über die große, mächtige Erscheinung, die im Schattenspiel der Kerzen noch riesiger wirkt. Die Ruhe auf dem Gesicht ist fast steinern. Ein Adjutant bringt eine Karte, auf der die andere Schlacht von Tan­nenberg. die Schlacht, die der deutsche Ritter­orden Anno 1410 gegen die Polen verloren hat, dargestellt ist. Hindenburg sieht schweigsam auf den Marktplatz, auf dem die Munitionswagen in der sinkenden Rächt goldene Lichtränder bekom­men. Er schreibt mit kurzem Taschenkopierstift eine Depesche: . . . Eure Majestät gehorsamst bitten, die Schlacht nach dem Orte Tannenberg nennen zu dürfen . . .

In derselben Stunde flog der Rame Hinden­burg schon durch Deutschland, hinaus in die ganze Welt und über bad große Wasser.

Zwei Tage später war Hochamt in Gries- lienen. Alle zurückgekchrten Dauern und ihre Frauen waren in der Kirche, die Tür stand auf. und der Klang der ausfallend schönen Orgel rauschte hinaus auS der Pfeilerkühle auf den sonnigen Kirchhof. Der war Kampfplatz gewesen. Preußisch« Tornister und russische Brotbeutel tagen durcheinander: sehr viele deutsche Helme. In der Mitte war ein Soldatengrab, man hatte Astern und Herbstblumen auf die kahle Erde gepflanzt und das Holzkreuz sehr sorgfältig be­bauen. Ein Auto hielt. Der General stieg aus. Mit einer Stille und Einfachheit, die nichts von Pose wußte, nahm Hindenburg den Helm ab. Ein Mensch, nichts weiter. Als der Gottes­

dienst zu Ende war, kamen die Dauern langsam vorbei, sie grüßten die frischen Gräber. Ihre Augen blieben Lingo und schwer an dem großen, ernsten Blick Hindenburgs hängen. Der Orgel- llang flutete in vollen Schluhakkorden über die Hügel, über die zerschossenen Mauern und über das verbrannte Gesträuch Wer die Stunde erlebt hatte, wußte, warum Hindenburg so volkstümlich in Deutschland war.

Im Laufe des Krieges habe ich Hindenburg in vielen entscheidenden Tagen gesehen und später, nach dem ^Zusammenbruch, sein Ausharren in Pflicht und Würde in Kolberg nn der Ostsee erlebt, wo das deutsche Oberkommando in der Revolutionszeit faß. Immer blieb der Eindruck der menschlichen Seite seiner Persönlichkeit gleich. Am stärksten in der Erinnerung steht mir cm Zusammentreffen in Wilna, als sein alter Freund, Generalfeldmarschall von Eichhorn, ein Militärjubiläum feierte. Da brachte es der Zufall mit sich, daß ich mit den beiden Generalen eine Zeitlang allein bei einer Flasche Rotwein saß und Hindenburg zu plaudern anfing. Er sprach auch von seiner Auffassung der strategischen Dinge, kam aus das Schachspiel der Schlacht und meinte, nur wer die größere Ruhe hätte, würde den letzten Zug tun.

Dann die legte Begegnung vor seinem Abschied von der Armee in Kolberg. Alles war zusam­mengebrochen. Im Osten drangen polnische 3n(ur­genten schon gegen Bromberg in der Richtung Berlin vor. Seine Augen waren wie blicklos vor Schmerz. Er hatte eine Handbewegung, mit der er über die Augen fuhr, die erschütterte.Ich habe gedacht, dastehen zu müssen. Sehen Sie. so viele Singen. Ich bin ein sehr alter Mann, wenn die ungen sehen, daß ein so alter Kerl seine Pflicht tut, werden sich doch manche besinnen. Ich bin todmüde, aber ich werde stehen, bis ich umfalle, solange dieser alte Körper noch zu etwas gut ist, für ein Beispiel."

Es war bie Zeit, da die Reste der Armee in Gefahr ftanben, vom Bolschewismus überrannt zu werden, ba Trotzki in dem Fun.spruchAn Alle" erllärte, daß Deutschland für di? bolsche­wistische Revolution gewonnen sei. Auf den müden alten Augen stand ba ein hoher, viell icht ber letzte Teil der Rettung Deutschlands vor bet Anarchie.

Einmal sah ich Hindenburg längere Zeit mit dem Kaiser zusammen. Auch damals i n Wil na. Ich war im engsten Gefolge. Der Kaiser sprach lebhaft mit dem polnischen Bischof, als die Kathedrale besichtigt wurde. Er sprach über fcen Stil der Leuchter, die man ihm zeigte, und wußte viel über den dunk­len Ton eines Bildes des heiligen Seba­stian zu sagen. Hindenburg sprach kein Wort. Als die beiden später im Auto saßen, ging aus irgendeinem Grunde der Motor nicht gleich an. Der Kaiser sah nach der einen ©eite aus dem Auto. Hindenburg nach der anderen. Stumm. AIS ob sie verschiedene Sprachen gespro­chen hätten und wußten, dah einer den anderen nicht verstand, gar nicht verstehen konnte.

Allerdings, auf dem großen Durchbruchsplan, den die Lieblinge des Kaisers. Fallenhayn und Mackensen, entworfen hatten und der den schein­baren Erfolg, in Wirklichkeit den endgültigen M i ß e r s o 1 a im Osten besiegelte, stand am Rande von Hindenburgs Hand ein ablehnendes Wort geschrieben.

gelassen, als das heute den Deutschen gegen­über im abgetrennten Gebiet der Fall ist. Hätte sich sonst 45 Iahre lang eine dänische Bewegung halten können, wenn Preußen eine Schul- und eine Verwaliungspolitik getrieben hätte, wie das in Dänemark zum mindesten unter der früheren konservaliven Regierung üblich war? Die Gefahr liegt nahe, baß bie Konservativen, wenn sie nun wieder zur Regelung gelangen, vorgebliche Versäumnisse der sozialistischen Regierung in Rordschleswig durch eine ilnterbrüdung«- Politik gegen bas Deutschtum auszu­gleichen such«n.

Immerhin darf Dänemark nicht vergessen, baß es wirtschastlich auf Deutschland mehr angewiesen ist, als umgekehrt. Wenn auch der Außenhandel mit England größer ist, als der mit Deutschland, so ist doch der deutsche Markt in steigendem

Maße für die dänischen Erzeugnisse aufnahme­fähig geworden. Hinzu kommt weiter, daß Eng­land nur vorübergehend für dänische Butter und dänisches Schlachtvieh in größeren Mengen Ver­wendung halte. 1824 wurde von Dänemark nach England für über eine M.lliarde Mark aus­geführt, 1925 nur noch für 600 Millionen Mark. Wichttg ist der deutsch-dänische Außenhandel für bie Beziehungen ber beiden Länder auch deshalb, weil von einer konservativen Reg erung vielfach erwartet wird, sie werde eine reine Hochschutz- zvllpolllik treiben. Das kann sich ein kleines Land mit hochent rickelter Landwirtschaft nicht leisten, da Dänemark die Ausfuhr seiner agrarischen Erzeugnisse unkeNngt ««braucht. D e Butt r- und Fleischousfuhr macht über 60 v. H der gesamten Ausfuhr aus, also Erzeugnisse, bei denen wir die deutschen Zollsätze ohne Gefahr für die In-

menschlichen Körper zu studieren, deshalb be­gegnet man vielfach Studienblättern, die Tan­zende oder Badende darstellen. Gern geht er auch den Wirkungen besonderer Lichtefsekte nach: in einer Reihe von Porträts und Aktstudien kommt biese Seite seines Schassens zum AuS- bruck. Sie legen Zeugnis ab von dem ernsten Streben des Künstlers. Am Häuften und bedeut­samsten jedoch spiegelt sich sein Wesen in Wand­bildern der katholischen Kirche von Dettingen bei Aschaffenburg wider: es sind 14 Kreuzigungs­stationen- Bei den Wiedergaben dieser Diiber, bie hier ausgestellt sink», fällt sogleich auf, baß Ewalb bie übliche kirchliche Form der Dar­stellung biblischer Vorgänge verlassen und vom Boden einer neuzeitlichen KunftgesInnung aus seine Entwürfe geschaffen hat. Auch farbige Ton- skulpturen für dasselbe Gotteshaus wirken durch­aus neu- und eigenartig. E. B.

Hankau - Asiens größte Stadt.

Die Zustände in der chinesischen Stadt Han­kau werden für die dort wohnenden Fremden infolge ber Ausbreitung bes Aufruhrs immer bedrohlicher, und da unter den 1200 Ausländern, die dort leben, die Deutschen die zweitgrößte Anzahl bilden es sind nämlich 300 Deutsche neben 600 Engländern, so sind unsere Blicke unruhig nach dieser Stadt gerichtet, die mit ihren 1 626 000 Einwohnern nicht nur die größte Ehinas, sondern ganz Asiens ist. Hankau. dessen Geschichte über 3000 Iahre zurückverfolgt wer­ben kann, ist zugleich eine der ältesten Städte des Reiches der Witte, aber bis 1861 war es nicht mehr als ein schmutziges ungesundes Fischer­nest, das in einer sumpfigen Riederunq an dem trag fließenden Iangtfe-Kiang hinvegetierte. Erst als der Ort zu einem der 48 Häfen auserkoren wurde, die für den Handel mit dem Ausland geöffnet wurden, ba begann Hänkau wie ein Pilz aufzuschießen unb zeigte ein Wachstum, wie es sonst nur amerikanische Städte haben. An der Bereinigung des Iangtse- und des Han-Flusses gelegen, wurde die Stadl der Mittelpunkt des

Handels und der Lagerplatz für das ganze un­geheure Iangtse-Tal, in dem der Fluß ein Gebiet von 1,5 Millionen Quadratkilometer be­wässert unb Ernten ermöglicht. Die 200 Millionen Menschen ernähren. Wenn der Amazonenstrom der größte, und der Rll der geschichtlich berühm­teste Fluh der Welt ist, so ist der Jangtse zweifellos der Fluh, der über das Wohl und Wehe der gröhten Menschenmenge entscheidet. Durch diese Lage wurde die Bedeutung und das Aussehen Hankaus bestimmt. Es ist eine reine Handelsstadt, reich, eintönig und düster. Das Leben schlägt hier mit langsameren Pulsen, und bie Stabt hat nichts von ber Lebendigkeit Schang­hais. von den dramatischen Konflikten zwischen Gelben und Weißen in Charbin. nichts von ber geschichtlichen Würbe und Großartigkeit Pe­kings. Flach und häßlich breitet sie sich riesen­weit aus, und wenn man von einer Anhöhe aus Hankau hermeberschaut, so sieht man nur ein Meer von schmutziggoauen 'Dächern, umrahmt von den gelben Waflern bes Iangtse. Sechs Monate lang brütet eine unbarmherzige Sonne über diesem Häusermeer und macht es zu einer Stätte furchtbarer Epidemien. Der Europäer ver­meidet nach Möglichkeit Hankau. denn bei dem Mangel an Hygiene und gutem Trinkwafser, ber in den chinesischen Vierteln herrscht, sind hier Diphtherie. Typhus und Fieber jeder Art zu Hause. Des Rachts ist bie Luft verpestet von Den größten unD toilDeften Moskitos Der Welt. Aber bas Geschäft fesselt so manchen Europäer an Diesen Ort, unb so hat man sich in Dem Fremdenviertel nach Möglichkeit eingerichtet. Da gibt es Rennbahnen. Tennisplätze unb erträg­liche Hotels. Die Stadt ist der Endpunkt ber Eisenbahnlinie PekingHankau unb ber strate­gische Schlüssel für bas ganze obere Iangtse-Tal. Hier find die Werke der großen Han-jeh-ping- Gesettschaft. die jährlich 200 000 Tonnen Eisen und Stahl liefert: hier befindet sich das größte Waffenarsenal EhinaS. hier sind groß« elektrische und Dank-älnternehmungen. Die Stadt liegt zwar 1000 Kilometer vom Meer entfernt, aber der Iangtse ist für Flußschiffe über 2000 Kilometer

Dienstag, 7. Dezember 1926

landsverforgung höher schrauben können. 2bet Deutschland wird der neuen Dänischen Regierung von sich auS keine Schwierigkeiten machen, im Gegenteil, cs wünscht ein nachbarliches Verhält­nis, das indessen nur möglich ist, trenn die Deut­schen in Rordschleswig den ausreichenden Schutz ihreS Volkstums erhalten.

Oberhessen.

Landkreis Wicfjcit.

Q 2oUar?6. Dez. Die Beleuchtung bes Zugangsweges zum hiesigen Bahn- h o f ist sehr mangclh.ift. Der unlieofam« Zustand ist besonders beim Eintreffen der Abendzüge und dem starken Arbriterocrkehr nach Werkschluß zum Bahnhof sehr lästig. Eine Verbesserung liegt im In­teresse der Eifenbahnoerwalnmg, als auch der Eigentümerin des Weges, der Gemeinde.

iS. Steinbach, 6.Dez. 'Wenn allgemein über schlechten Wildstand berichtet wird, so ist dies hier nicht zutreffend. Dei der vorgestrigen Treibjagd wurden allein in unserer Gemar­kung 61 Hasen zur Strecke gebricht, mit frü­heren Treiben zusammen bis jetzt über 100, ob­wohl ein Teil der Gemarkung noch nicht abge­gangen wurde. Auch der RehstanD ist gut, ob­wohl auch hier schon eine ganze Anzahl ge­schoben wurde, kann man immer noch verschiedene Rudel beobachten. Unter Iagdbe'ick wird zu Anfang des nächsten Iahres wieder neu ver­pachtet.

KreiS Friedberg

sf. 51 i cd berg. 6. Dez. Die Reichs- 3 e n t r a l e f ü r $ e i m a t D i c nft, Lanbes- Abteilung Hessen, veranstaltete am Sams­tag nachmittag im Saale des Polytechnikums wieder einen ihrer staatsbürgerlichen Bildungstage, Die sich hier großer Beliebt­heit erfreuen. Der erste, hier schon wohlbekannte Redner. Prof. Dr. Friedrich Raab in Tha- ranDt, sprach über ..Gegenwartsfragen Der Deut­schen Vollswirtschastspo.itik" unD behandelte in seinem Vorträge die drei brennendsten Fragen der Gegenwart, den Steuerdruck, die Wohnungsnot und die Erwerbslosigkeit. Als zweiter Redner sprach Dr. E. Kleinstück - Frankfurt a. M. überRotwendigkeit und Grenzen der Rationali­sierung in Deutschland". Redner behandelte u. a. Die Zunahme Der Bevölkerung. Die Auswande­rung. die Kleidung und Ernährung. Die Land- wirtschaft, Den Bergbau, den Einheitsstaat, das politische Leben und zeigte an praktischen Bei­spielen. z. B. Der Autornobilsabrikat.on, wie Durch eine vernünftige Rationalisierung bedcu- tenDe Borteile erzielt unD wir toieDer konkur­renzfähig auf Dem Weltmärkte toerDen könnten. Bettie Vorträge wurden mit lebhaftem Beifall ausgenommen.

WSR Friedberg, 6. Dez. Dei Flug- versuchen durch die Fliegergruppe der hiesigen Polytechnischen Lehvanstalt stürzte bie Ma­schine Roßbach I aus 12 Meter H ö h e ab unb ging restlos zu Bruch Der Pilot, blieb unverletzt. Bei ben Flugversuchen hat sich herauSgestellt, baß sich nörblid) von Schwalheim sehr gutes Fluggelände befindet, bad sich sogar für Hehrere Segelflüge eigret Die Zlagver'uchs sollen weiter fortgesetzt werben. Mit älnterstützung hiesiger Fabrikanten unb sonstiger Firmeninhaber ist sogar der Dau eines Leichtmotorflug­zeuges ermöglicht worden.

. Büdesheim. 5. Dez. Die Er­richtung eines Ehrenmals für bie Gefallenen Des Weltkriegs beschäfttgt gegenwärtig unsere Einwohnerschaft. In Dem Saale Des Gastwirts Winter sanD gestern abend ein Ltchtbildervortrag zum Besten Der GrünDung eines DenkmalsonDs statt. Man hofft biS $um nächsten Iahre ben etwa 30 Ge­fallenen em würDiges Ehrenmal errichten zu können. Hier herrscht gegenwärtig eine Ma - sernepibemie. In Den unteren Klassen , er Volksschule finD fast sämtliche Kinder von der Krankheit befallen, Die zum Tett bösartig ver­läuft. Die Schule ist bis auf weiteres ge­schlossen.

I Melbach, 6. Dex. In einer ber letzten Nächte wurden einem hiesigen kleineren Landwirt aus feinem etwa 200 Meter vom Dorfe gelegenen Karioffelloche die eingemieteten Kartof­feln gestohlen. Es handelt sich um ca. 25 Sack. Dem Betroffenen ist durch den Diebstahl starker Scha­den entstanden. Einzelne Dorfbewohner wollen den Laternenschein gesehen haben. Kurz nach 4 Uhr nwr-

hin das ganze Iahr befahrbar, unb im Sommer, wenn die Sonne den Schnee von Tibet schmilzt, können auch grohe Kriegsschiffe Hankau erreichen' so dah die Europäer dort nicht ganz fdnttj- los sind.

Weihnachtspost zum Polarkreis.

In diesem Iahre werden zum eritenmal auch die Bewohner des Polarkreises im hohen Vörden von Kanada zu Weihnachten ihre Post erhalten, denn dieses öde und unwegsame Land rst das neueste Postgebiet in der Welt. In dieser Woche bricht die kanadische Weihnachtspost von Edmonton in Alberta auf, um noch vir dem Fest Allavik am Delta des Mackenzie-F usses zu erreichen. Die Reise, die über eine Strecke von 2750 Kilometer geht, wird auf den langen, schmalen Schlitten zurückgelegt, die mit Pelzen jum Schutz gegen die Kälte bedeckt sind und von sechs oder mehr Hunden gezogen werden. Durch riesige Schneemassen, hemmende Eis­mauern und wilde Stürme bahnen sich die Tiere den Weg, der an den Windungen des Atho- basca-. Slave- unb Mackenzie-FlusseS entlang- gebt, unb tagelang werben bie Postboten auf keine Menschensee^ stoßen. Sie führen auher ber Post keine Zelte oder andere Bequemlichkeiten mit. sondern müssen die Rächte auf ihren Decken hinter einer Schutzwand verbringen, die aus den wasserdichten Postsäcken aufgebaut wird, während die Hunde sich rings um das Biwak zu- fammendrängen, um sich zu wärmen. Zwischen Fort Mc. Murray und Aklavik find fünf Sta­tionen mit frischen Hundegespannen eingerichtet. Don Aklavik aus unternimmt der Leiter beS Postzuges, der Postmeister des Pc^argebietes, Ealkins, noch eine weitere Fahrt von 300 Kilo­meter nach der Herschel-Insel, um auch ben dort Wohnenden einen Weihnachtsgruh zu bringen, Obwohl in diesen eifiaen Wüsteneien der Tob in vielen Formen droht, fehlt es doch nicht an Freiwilligen, die sich für diese gefährliche Rette gemeldet haben.