Ausgabe 
7.12.1926
 
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solle. Hermann Müller unb Breit scheib hätten gleich am Montagnachrnittag Gelegenheit genommen, den Reichskanzler persönlich auf die Gefahren dieser Situation aufmerlfam zu machen. Herr Mar; und seine Kollegen, aber auch das Zentrum und die Demokraten würden der Sozialdemokratie keinen Vorwurf machen tonnen, wenn es noch vor Weihnachten zu einer Regierungskrise komme, deren Ausgang sich nicht voraussehen liehe. Der Vorstand der sozialdemckcatischen Reichsiagssrattion tritt am Donnerstagvormittag zusammen, um zu der neuen Lage Stellung zu nehmen.

Stegerwalü zur Sozialpolitik.

Forderungen

des Deutschen Gewerkschaftsbundcs.

Mainz 6. Dez. (Wolff.) Auf einer Tagung des Landesverbandes des Deutschen Gewerk- schastsbundes für Hessen und Hessen-Nassau hiell der frühere Ministerpräsident Stegerwald eine Lede, in der er sein soziales Programm ent­wickelte. Durch zielbrwuhte Auhen- und Handels- volttik müsse sich Deutschland wieder einen grö- fjeren Anteil am Weltmarkt verschaffen. Die Landwirtschaft müsse t a u f f r ä f 11 - g e r gemacht und der Steuerdruck erleichtert wer­den. Notwendig sei die Ausgestaltung des Ar- beitsbeschaffungSprogrammS. E nführung der Ar­beitslosenversicherung und Neuregelung der Ar­beitszeit. Den Klassenkampf, wie ihn die Sozial­demokratie befürworte, lehnte der Redner ab- dagegen forderte er eine Arbeitsgemein­schaft »Zischen Llnternehmerund Ar­beitei schäft, der ösfenllich-rechtliche Ange­legenheit m zu überweisen seien. Aus der jetzt for­malen Demokcatte müsse sich eine organisch« Demokratie entwickeln. Das Volk müsse wieder mehr mit Heimat, Staat und Christentum ver­bunden werden und sich endlich vom AevolutionS- und Inflationsgeist trennen. Es wurde schließ- lvch eine Entschließung angenommen, in der die sofortige Wiederherstellung deS Achtstundentages ,md eine verstärkte Sozialpolitik gefordert wur­den. Nur durch gesteigerte Löhne bei gleichzeitiger Senkung der Preise könne die Kaufkrast gehoben, der Absatz vermehrt, die Produktion gefördert und die deutschen Erzeugnisse im In- und Aus­lände wieder wettbewerbsfähig werden.

Das sozialpolitische Programm des hanfabundes.

Eine Rede Professor Moldenhauers.

Berlin, 6. Dez. (S1L) Auf einer Tagung des wirtschaftspolitischen Ausschusses desHansa- bundes für Gewerbe, Handel und Industrie be­tonte der Präsident des Hansabundes, Dr. Her­mann Fischer die Notwendigkett, dem in dem internationalen Wirtschastsmanifest vor einigen Wochen niedergelegten Grundgedanken eine stär­kere und breitere Resonanz innerhalb der deut­sche» und internationalen Oessentlichkeit zu schaf­fen. Den Hauptinhalt der Tagung bildete das Referat des Präsidialmitgliedes deS Hansa­bundes, Prof. Dr. M o l d e n h a u e r, M. d. R., über das ThemaDer künftige Kurs der deutschen Sozialpolitik". Der Redner erklärte u.a., in der Sozialversicherung solle an dem Gedanken einer Zwangsversicherung festgehallen werden. Wie die Sozialpolitik die Iirttiative des ilrdemebmerä nicht lähmen dürfe, dürfe sie auch auf der anderen Seite das Verant­wortungsgefühl des Arbeitnehmers nicht völlig untergraben. In der Arbeits­losenfürsorge sei eine Abstufung der Leistungen nach dem Lohn anzustreben und für die Durchführung dieses Systems die einfachste Form der Versicherung zu wählen. Eine gesetzliche Regelung der Ar­beitszeit sei nicht zu entbehren. Der achl- - stündige schemattsche Arbeitstag sei mit Rücksicht auf die große Verschiedenheit innerhalb der ein­zelnen Gewerbe unter allen Unständen abzu - lehnen. Der Kollektivregelung der Arbeits- . bedingungen sei grundsätzlich zuzustimmen. Im 1 Schlichtungsverfahren sollte größter Wert auf - freie Verständigung der Parteien gelegt werden. Die Arbeitsgerichte mühten in % engster Verbindung mit den ordentlichen Ge­richten stehen, dürften jedoch ihre Zuständigkeit über den aus ihrem Zweck sich ergebenden Rah­men nicht auSdehnen.

ffine Novelle

zum Auswertungsgesetz.

- Berlin. 7. Dez. (Wolfs.) DerTäglichen Rundschau" zufolge haben Besprechungen zwischen den Parteivertretern über eine Novelle zum Auswertungsgesetz stattgefun­den. Bei diesen Besprechungen herrschte Heber- etnftlmmung darüber, daß eine Aenderung der Sätze und der Termine nicht in Frage komme: es wurde lediglich die Frage erörtert, ob nicht juri st Ische llnstimmigkeilen und o f - fensich 1 liche Härten beseitigt werden können.

Freigabe deutschen Eigentums in Sühtirol.

Berlin, 6. Dez. Wie von zuständiger Stelle mitgeteilt wird, ist in Rom ein Vertrag zwischen der italienischen Regierung und reichs­deutschen Grundeigentümern In Südtirol unter­zeichnet worden. Von dem Vertrage ersaßt wird zunächst der deutsche Grundbesitz in S ü d t i r o l. Gezahlt werden 50 Millionen Pa» pierlice. Die Grundstücke gehen an den ita­lienischen Staat über. Die Geschädigten erhalten davon etwa 85 Prozent. Außerdem sind noch fünf Grundstücke frei gegeben wor­den. Die italienische Regierung hat ferner ver­sprochen, auch noch die Möbel und den Geldes­wert freizugeben, und zwar ebenfalls in Höhe von 93 Prozent.

Kleine politische Nachrichten.

Reichskanzler Dr. Marx ist Mo tag vor­mittag vom Herrn Reichspräsidenten emp­fangen worden.

Der Reichskanzler empfing Montag­mittag in Anwesenheit des Staatssekretärs in fcer Reichskanzlei Dr. Pünder den Volks­kommissar der Sowjetunion Tschitscherin und den Botschafter Krestinski zu einer längeren Aussprache.

In einer Eingabe an den preußischen Mi­nister des Innern wiederholt der Fürstbischof von

Breslau, Kardinal Dr. Bertram namens aller in der Fuldaer Bischofskonferenz vereinig­ten Oberhirten die Mahnung seiner Eingabe vom 20. April v. 2s., die sich gegen die Ver­längerung der Polizeistunde wendet, und richtet an das Ministerium das dringende Ersuchen, sich nicht den schwerwiegenden Grün­den zu verschließen, die eine Rückkehr zur frühe­ren strengeren Ordnung fordern.

Die gestrigen inter^rall onallen Desrechun- grn im sächsischen Landtag über die Re- gierungsbi'öang blieben ergebnislos, da die Altsozialiflen e'.n Zusammr-aehen mll, den De tschnttiona'en cmut ablehnten. In'olge- de fe wird de: heutige zw:it: Wah gang für die Wahl des Ministerpräs denten w.ederum ergeb­nislos verlausen.

Der König von Rumänien wurde an Darmkrebs operiert. Die von dem Pariser Professor Hartmann oorgenommene Opera­tion soll gut verlaufen sein

Der italienische Ministerrat beschloß die Schaf­fung einer steigenden Abgabe, die von ledi­gen Leuten zwischen 25 und 65 Jahren zu­gunsten der nationalen Hilfe für Mutterschaft und Kindheit entrichtet werden soll.

Der hessische Volksentscheid im Scho der presse.

Darmstadt, 6. Dez. (Wolff.) Das volks­parteilicheDarmstädter Tagblatt" schreibt In seinem Kommentar zur Dollsabstim- mung, daß auf keiner Seite Anlaß zu voller Befriedigung vorliege. Mit einer Einbuße von 157 000 Stimmen hätten die Koa­litionsparteien einen ausgesprochenen Pyrr­hussieg erfochten. Besonders das Zentrum werde recht nachdenklich das Wahlresultat nach­prüfen, bewiesen doch die Ergebnisse von Mainz, Bingen, Heppenheim und Dieburg recht deutlich, daß große Massen von Zentrumsanhängern der Parteiparole nicht gefolgt feien und sich der Ab­stimmung enthalten hätten. Die beutschnatlo- naleHessische L a n d e s z e i t u n g" schreibt, der Sieg der Regierungsparteien sei fein mo­ralischer Gewinn. Die große Partei der Nicht­wähler stehe als der große Unbekannte des Miß­vergnügens belastend für sie la Rechnung. Der sozialistischeHessische Volks freund" spricht von einer vernichtenden Schlappe bet Opposition. In dem Abstimmungsergebnis liege eine moralische Nenrteilung des Ordnunasblocks. Der Ordnungsblock solle endlich die Lehre aus feinen fortgesetzten Niederlagen ziehen und sich sachlicher Arbeit zuwenden. Der demokratische Mainzer Anzeiger" betont, der Volks­entscheid habe bewiesen, daß es verfehlt sei, aus machtpolitischen Gründen an die egvisttschen Ge­fühle der Bürger zu appellieren. Die Deutsche Volkspartei dürfe sich nicht länger der Erkennt­nis verschließen, daß nur eine Regierung auf breiter Basis den großen Ausgleich schassen könne. Der Volksentscheid habe den zu gehenden Weg gewiesen: Gemeinsames Tragen der Derantwortung in einet großen Koa­lition. Auch dasMainzer Journal", daS Blatt deS hessischen Zentrums, stellt mit Genug­tuung das Scheitern des Planes auf Auflösung des Landtags fest. Das Ergebnis sei ein erfreu­licher Beweis für die fortschreitende politische Schulung des Volkes. Die ZenttumSsühret hät­ten in dieser Hinsicht gute Arbeit geleistet.

Die Wahlbeteiligung beim Volksentscheid.

Darmstadt, 6. Dez. (WTD.) Nach dem jetzt vorliegenden endgültigen Absttmmungsergeb» nis haben sich im Durchschnitt 49 Proz. der Wähler an der Abstimmung beteiligt. Am stärk­sten wat die Wahlbeteiligung in den beiden Kreisen Darmstadt und Friedberg mit je 57 Proz., dann folgen Worms mit 53, Offenbach und Gießen mit je 52 und Groß-Gerau mit 50 Proz. Zwischen 40 und 50 Proz. Beteiligung haben auszuweisen die Kreise Bensheim, Dieburg, Alsfeld, Lauter­bach. Schotten, Mainz, Alzey und Oppenheim. Im Kreise Büdingen sind 33, im Kreise Bingen 34 Proz. der Wähler zur Urne gegangen. Die geringste Wahlbeteiligung hat der Kreis Heppenheim mit nur 30 Proz. aufzu- weisen.

Mus aller Welt.

Line Leipziger Siedlungswoche.

Der Rat der Stadt Leipzig anstgltet zu­sammen mit dem Leipziger Messeamt vom S. bis 12. März 1927 im Rahmen der Le'pziger Früh­jahrsbaumesse eine großzüg g: SirdlungSwoche, verbunden mit einer Sch tu für Städtebau Sied- lungs- und Wohnungswesen. Leitung und Ausbau der Ausstellung hat unter Mitwirkung der Inter­national Federation sor Town and Eountry, Planning and Garden Eitles In London das deutsche Archiv für Städtebau-, Sledlungs- und Wohnungswesen übernommen.

Schneestllrine in den vereinigten Stalen.

3m Nordosten der Vereinigten Staaten sind starke Schneestürme aufgetreten. In Neuyork liegt der Schnee etwa 15 Zentimeter hoch. 9m nord» iichen Teile des Staates Neuyork ist infolge des Schneefalls b e r Verkehr unterbrochen. Der Frost hat mehrere Todesopfer gefordert. Seit 40 Jahren find in diesem Gebiete keine Schneestürme von solcher Heftigkeit und zu einer so frühen Jahreszeit erlebt worden.

vorn Life eingeschlossen.

In Kanada ist eine schwimmende Stadt von etwa 2 00 Dampfern durch daS uner­wartet schnelle Einsehen strenger Kälte a u f den großen Seen überrascht und vom Gise eingeschlossen worden. Zweitausend Menschen sind in großer Gefahr, da nur wenig Lebensmittel an Bord sind. Zahlreiche Eisbrecher arbeiten fieberhaft, um die Schiffe zu befreien. ES wird bezweifelt, daß die Schiffe, die auf dem Fluß St. Marie zwischen dem oberen See und Dem Auron-See eingefroren sind, vor Beginn des Lauwetters befreit werden können. Die Eis­brecher kommen nur Ungfam vorwärts. Die Lags hat bereits zwei To^eSovfsr gefordert.

Drei Kinder auf einer Eisscholle erfroren.

Drei Kinder, die auf dem Elfe in Der "2lähe von Dronthelm spielten und nicht auf die Strömung achteten, wurden auf einer großen Eisscholle auf« offene Meer hinauSge­

trieben. Ihre Hilferufe wurden nicht gehört. Als man die Kinder am nächsten Morgen auf- fand, waren sie erfroren.

Stürme im Adriatischen Meer.

DieTr.buna" berichtet von heftigen Stürmen in der Adria. Verschiedene Dampfer sind aus- gefahren und haben nur mit größter Mühe ihren Bestimmungshafen errecht. Besonderen Schaden richtete der Sturm bei Ancona an, wo er eine große Anzahl Fahrzeuge losriß und auf die hohe Dee trieb. Nur 16 Sch fserhärten konnten gerettet werden. In die nördlichen Hasenmolen von An­cona rissen die Wellen eine derartige Dresche, baß der Leuchtturmwächter gänzlich vom Lande abgelchnttten wurde und eifit nach langwierigen Versuchen gerettet werden konnte.

Durch einen Bäten getötet.

Ein herum- ehender Bären, ührer produzierte sich in Sielow bei Kottbus auf der Straße. Ein dreijähriges Kind hielt sich in der Nähe des Bären auf und wurde von ihm angegriffen und durch einen Schlag sofort getötet.

Schweres Unglück beim Bau einer Lisenbahnbrücke.

Die ReichsbahnNreLtton München te.lt mit: Dienstag nacht 1.30 Uhr stürzte infolge Leck- lausens des Gegengewichtes einer auf dem Gleis SalzburgRosenheim stehender, zum Sinheben einer Drücke in der Nähe von Salzburg be­stimmter 25-Tonnen-Kran beim Ausdrehen von der Drücke in den Glanbach. Hierbei wurden zwei Eisenbahn-älnterhaltungsbeantte getötet, drei schwer und sieben leicht verletzt.

Schachteinsknrz.

Sei den Kanaasationsarbetten in Wann - s e e stürzte ein Schacht zusammen. Ein 45jähriger Vorarbeiter wurde stehend in einer Tiefe von 5 Metern derart verschüttet und eingeklemmt, daß noch etwa I Meter Erdmasse über dem Kopse lagen. Nach mehrs ünblger Arbeit Der Feuerwehr konnte er unverletzt befreit werden.

Verzweiflungstat einer Mutter.

In Braunschweig hat eine 27jährige Ar­beiterfrau ihrem etwa vierzehn Tage alten Kind mit einem Brotmesser die Kehle durch­schnitten. Darauf versuchte sich die Mutter zu töten, indem sie sich einen tiefen Schnitt am Halse bcibrachtc. Man fand die Frau jedoch neben ihrem Kinde noch lebend auf. Der Grund zu Der Tat konnte noch nicht festgestellt werden. Man vermutet, daß die Frau sich für unheil­bar krank hielt und annahm, daß auch das Kind a n g e st e ck t fei. Ihr Mann ist arbeitslos. Schwerer Raubüberfall In Lichtenberg bei Berlin.

Mvntagnachmittag überfielen zwei etwa 30 Jahre alte Männer einen 51jährigen Geschäfts­mann, der neben einem Koldhialtoarengefdjäst noch eine Zweigstelle der Edeka-Bank verwaltete. Sie hatten sich als F i n a n z b e - amte ausgegeben uni> als der Geschäftsinhaber sie nach einem Ausweis fragte, den Kaufmann mit einem Revolver bedroht. Dieser versuchte zu fliehen, stieß sich jedoch so heftig an einer Kante, daß er die Besinnung verlor. Daraus fesselten die Räuber den Besinnungs­losen, ließen die Schaufensterläden herab und raubten das vorhandene Bargeld in Höhe von etwa 2500 Mk. Bride Räuber entkamen.

Line polnische MSrderbande vor Gericht.

DerBlinde Johann" und feine Genossen, Die vor etwa Jahresfrist die ganze Altmark In Schrecken fetzten, und eine Anzahl schwerer Bandendiebstähle auf dem Gewissen hat­ten, standen wegen mehrerer OHorbtaten vor dem Schwurgericht. Die Anklage richtet sich gegen den polnischen Arbeiter Stendal Petrow, der im Jahre 1921 in Marzhausen (Bezirk Kassel) einen russischen Vorschnitter vorkätz- l i ch erschossen hatte. Die Verhandlung führte zu einem vollen Geständnis deS Petrow. Der Staatsanwalt beantragte die T o d e s st r a f e und Den Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte auf Lebenszeit. Für zwei schwere Einbruchsbanden- diebstähle in Bismarck beantragte er sechs Jahre Zuchthaus. Nach kurzer Beratung wurde gemäß diesen Anträgen erkannt.

350 Jahre Zuchlhaup.

In P r i z r e n t (Mazedonien) wurde das Urteil in einem Prozeß gegen 20 Albanier ge­fällt, Die angeklagt waren. 1915 beim Rückzug der serbischen Armee in einem Kloster 14 ser­bische Soldaten und Zivilpersonen getötet zu hrbrn. 7 Angeklagte wurden frei- gesprochen, Dh übrigen 13 wurden zu 250 bis 350 Jahren schweren Kerkers verurteilt, da nach serbischem Gesetz bas Urteil für jedes Ver­brechen gesondert zu fällen ist.

Deiches ist das reichste Land?

Allgemein dürfte bekannt sein, daß Ame­rika heute das reichste Land ist. Weniger be­nannt ist, daß die Vereinigten Staaten nicht er st durch den Krieg zum reichsten Land geworden sind. Schon im Jahre 1896 wurde der Nationalreichl m der D rein gten Staaten auf 16 350 Millionen Pfund Sterling ang geben, der von Großbritannien auf 11 803 M ttionen. Der Reichsturn der ganzen Wett vor dem Kriege wurde auf 4000 Milliarden Goldmark geschätzt. Der Krieg verschlang an direkten unproduktiven Ausgaben 260 Milliarden, an inb'r !ten 90 Mil­liarden, zusammen also 350 Milliarden Dollar oder 25 Prozent d'S Reichtums dec Welt.

Die sieh! unsere Erde aus?

Die Erdoberfläche besteht zu 71 Prozent aus Wasser und zu 29 Prozent aus festein Land. Das Festland liegt in der Hauptsache auf der nörd­lichen Halbkugel, die zu 39 Prozent aus festem Land besteht, während auf der südlichen das Fest­land nur 19 Prozent ousmacht. Die t i e f st e T i e s e des Meeres beträgt 9400 Meter im Stillen Ozean. Wie gering kommt uns dagegen die Tiefe der Ostsee vor mit 67 Meter mittlerer und 427 Meter höchster Tiefe. Die h ö ch st e Erhebung f e ft e n Landes, der Mount Everest, hat 8882 Meter Höhe. Man ist geneigt, zu glauben, daß Europa mit seinem Montblanc einen der höchsten Berge der Erde besitzt, und doch haben alle anderen Erdteile weit höhere Berge auszuweisen. Andere Erdteile haben mich wesentlich längere Flüsse, unter denen der M fsisippi mit 6730 Kilometer Länge den aus­gedehntesten Lauf hat.

L'ttervorau-saae.

Zunächst wenig Aenderung, auch der Nachltempe- raturen, später Milderung und Trübung, durchweg trocken.

Sestripe Tagestemveraluren: Maximum: 1 Gr. Celsius, Minimum: minus 4,6 Grad Celsius. Heu­tige Morgentemperatur: minus 4 Grad Ceksius.

Aus der Provinzialhauptstadt.

Gießen, den 7. Dezember 1926.

Advenlszeit.

9tun find die lieben Adventstage gekommen. Die ersten Lichtchen sind am Adventskranz entzündet, Honigkuchen,' Aepjel und Nüsie stehen auf dem Tisch, und ein ahnungsvoller Hauch von Weih- nachren fliegt durch die Häuser. Auf der Straße sind die Spuren des Weihnachtsmannes schon längst sehen. Die Kinder drängen sich vor den Schau­fenstern, aus denen wie in guter, alter Zelt alle Herrlichkeiten der Kinderwett herausstrahlen. Eisenbahnen auf blitzenden Schienen, unter einem grünmoosigen Tunnel herauskommend, und Zinn- soldaien, welche die Buben verlangend anstarren; moderner sind schon die Fahrzeuge, denen meist die Pferde fehlen, die Pferde aus lad.ertem Holz, oder mi: Fellbezug und herrlichen Schwänzen, die am Heiligen Abend liebevoll von den kleinen Jungens mit ins Bett genommen werden. Die Last-, Per­sonen- und Postautos sind deilgemäfocr; aber man kann sie nicht so sehr lieben, striegeln (mit Spucke!) ober ans Herz brücken, wie die Pferdchen. Konser­vativ sind die Puppen geblieben; wenige haben sich zum Bubikops entschlossen, die meisten haben ihre herrlichen, dicken Locken beibehatten, unter denen sie mit großen, starren Glasaugen die zukünftigen Puppenmütter ernsthaft anstarren.

Ich wollte ein Gesellschaftsspiel für uns kaufen, für die Advents- und Weihnachtslage, ein Spiel mit Würfeln, Hindernissen und süßen Prelfcn zum Schluß. 9d) wollte auch einmal modern sein und forderte daher ein neues, mir empfohlenes Spiel, das ein wahrhaft aktueller Zeitgenosse erfunden haben muß. Es sollte nämlich heißen: ,.Wie ver­schaffe ich mir eine Wohnung", und furchtbar auf- regend, anregend und von langer Spieldauer sollte es sein. Aber, ach, ich bekam diese Sensation nicht. Wir führen es nicht", sagte das Fräulein,es ist nämlich ganz genau so wie das Spiel .Mensch, ärgere dich nicht", das wohl in jedem Hause ge­spielt wird; es ganz dasselbe im Grunde, nur eben der Name anders, stattMensch, ärgere dich nicht" heißt es ebenWie verschaffe ich mir eine Woh­nung": Sie können davon überzeugt jein!" Ich war es, ba ich hörte, daß es ein sehr gutes Spiel sei.

Ich habe es aber trotzdem lieber nicht gekauft; denn womöglich ärgert man sich doch habet und bei unsererNheinreise", demWettrennen" ober bem alten Zahlenlotto sinh wir all hie Jahre ver­gnügt und frieblich gewesen. Und dazu ist die Ab« ventszeit boch da: Daß wir uns froh und in Frieden vorbereiten auf bas Fest her Liebe und Freube. E. o. M.

GiehenWieseck Atten-Buseck

£ Nachdem n mnuor der'Gnn inde Wieseck die vorläufige Konzession zur Ausnahme des erweiterten Autobetriebs n^ch A l te n- D u s e ck erteilt wurde, konnten am. Sonntag di« Fahrten auf der neuen Linie durchzeführt toew den. Den regelmäßigen D enst hofft man, falls der in Aussicht stehende Ersatzwagen (Der eben­falls ein Sechsradwagen sein wird) rechtzeitig! eintrifft, morgen, Mittwoch, aufzmiehmen, so daß von ba ab eine ständige und direkte Verbindung! von Alten-Duseck über Wieseck nach der Provin- zialhauptstabt gesichert ist. Nach Genehmigung des Zweckverbandes gehen alle Rechte auf diesen über; eine Reihe von Vorbedingungen- harren hier noch Der Eriüllung. Wenn d es ge­schehen und der neue sechszylindrige Büssing» wagen geliefert ist soll die geplante einfache Er­öffnungsfeier stattfinbem

Der aufgestellte Fahrplan hat vorläufig nur provisorischen Charakter. Einstweilen gehen in Richtung Alien-Bus eckGießen bl» ersten Wagen 5,25 und 6, 05 morgens in Wieseck ab. 6,15 folgt Der ecfbe Wagen von Alten-Duseck, der ab Wieseck 6,25 als doppelter Wagen ge­fahren wird. Der nächste Wagen fährt in Wieseck um 7 jl&r ab. Von Atten-Buseck fährt ein Wagen 7.06 (ab Wieseck 7.15 doppelt). Es felgen: 7,37 ab Wieseck. 7,50 ab Alien-Buseck (8.00 ab Wieseck). 8,48 Uhr ab Alten-Daseck (9,00 ilör ab Wieseck). 10,15, 11,30, 12,47, 1,30 ab Wieseck. 150 ab Alten-Duseck (2,05 ab Wieseck), 2,28 ab Whseck (nur Samstags). 325 ab A ien-Buseck sährt nur vis Wieseck und nur Samstag-, und hat 4,05 Anschluß nach Gießen. Die Wagen 5,00, 5.26 (fällt Samstags aus), 5<2, 5,58 fahren wieder ab Wieseck, 6,08 ab Alien-Buseck (6 25 ab Wieseck), 7.00 ab Atten-Buseck, (7,25 ab Wieseck), 7,40 ab Alten-Duseck (nur bis Wieseck). Dis letzten Wagen 8.35, 9.30 und 10.17 fahren wieder ab Wieseck.

Die Fahrten Gieße nW i e s e ck A Iten» Sui e cf zeigen folgenden Plan: 5.15, 6.23 (bis Alten-Dulech, 6.40 ab Walltor, 6 50. 7.19 ab Schanzens!vaße, 7.30 ab Walitor bis Altcn-Buseck, 7.38, 8.05, 8.20 ab Schanzenstraße biS Alten- Buseck, 9.40. 10.45. 12.05, 1.07 biS AltemBuleck. 2.25 ab Bahnhof. 2.25 ab Httiler. 2 53 ab Hettler bis Alten-Duseck nur Samstags, 5.15 ab Walllor. fällt Samstag aus, 5.23, 5.23 bi3 Alten-Bufeck. außer Samstags, 5.40 ab Wal or, fällt Sams­tags aus. 6.15 «b Walltor, bis Alten-Bufeck. 6.20, 7.08 bis Alten-Bufeck, 8.05, 9.10, 9.55 und 10.35 bis Allcn-Duscck.

Wesentlich einfacher gestaltet sich der Sonntagssahrplan. Hier werden wohl bis Weihnachten die Wagen in der Hauptverkehrszeit doppelt gefahren werden müssen. 5.10 geht der erste Wagen ab Atten-Dusrck (5.25 ab Wieseck). 6.05, 7.20 ab Alten-B.seck (7.35 ab Wieseck), 9.10. 11.35 ab Alten-Buleck (11.53 ab Wieseck). 12.56, 1.55 ab Alten-Duseck (2.05 ab Wieseck). 3.00, 4.15 ab Alten-Buseck (4.33 ab Wieseck), 5.45. 6.22 ab Atten-Buseck (6.35 ab Wieseck), 7.19 ab Alten- Duseck (7.28 ab Wieseck), 8.43. 9.29, 10.18. In Richtung GießenWieseckA'.ttn-Buseck verseh­ren ab Bahnhof Gießen Wagen um 5.45, 6.30 (bis Atten-Buseck). 8.05, 10.23 (bis A ten-Buseck), 12.30, 1.25 (bis Alten-Duseck). 2.25, 3.35 lbis Alten-Duseck). 5.23 (bis Atten-Buseck), 6.15, 6.53 (ab Schanzenstraße, bis Mttn-Duseck). 7.00. 7.45 (ab Walttor), 8.05, 9.10, 9.55, 10.43 (bis Alten- Duseck).

Mit diesem F-rhrplan holst man den ver­schiedenartigsten Wünsch m und D:DürfnisfeiH Rechnung zu tragen. An Sonntagstehen zu den Nachmittags- und Abendveranstaltungen in Gie­ßen Wagen passend zur SRügung Der vorig« Sonntag hat bereits den Altcn^S^secker Fahr­gästen die Annehml chk'it eineS solchen Verkehrs­mittel- mit aller Deutlichkeit vor Augen geführt.

Gießener Wochenmarktpreise.

Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt das Pfund: Butter 170 bis 190, Matte 35 bl« 40, Wirsing 8 bis 10, Weißkraut 8 bis 10, Rot­kraut 10 bis 12, Gelbe Rüben 10, Rote Rübe»