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; Venera, 6. C tpt. 'c<\ cu .' t )t c i - Serung des Frühobstes gelangten nanient- ch die Gute Graue, hier rauhschatige Birne ge­nannt, ferner ganz frühe Zuckerbirne. Wespen­birnen und etuche Herrenbirnen zum Berkaus. Die Preise waren im allgemeinen recht hoch und betrugen für den Zentner am Baum 2 bis 4 Mk, Während die Frühobsternle, namentlich in Bir­nen, verhältnismäßig gut ausgefallen ist, läßt die Spätobsternte viel zu wünschen übrig. Geringere Qualitäten Honigbienen bringen eine kleine Ernte, während Aepfel und Zwetschen fast ganz fehlen.

Kreis Friedberg.

I?I Di l bet, 6. Sept. Hier ereignete sich ein Unfall, der leicht ein junges Menscheir- leben hätte fordern können. Beim Spielen auf der Hauptstraße sprang ein fünfjähriger Zunge in ein Personenauto. Er kam glücklicherweise zwischen die Räder zu liegen, wodurch er mit Quetschungen am Arme davon- kam. Rur dadurch, daß der Wagen ein sehr mäßiges Tempo hatte und sofort zum Stehen gebracht werden konnte, wurde größeres Unglück verhütet. Den Autvführer trifft keine Schuld.

B Rodheim v. d. H ö h e, 6. Sept. Aus Anlaß seiner 30jährigen Tätigkeit im Dienste der evangelischen Gemeinde ver­anstaltete der hiesige Kirchenvorstand für sein Mitglied Balthasar Kari K l e e m a n n eine Feier in kleinem Kreise. Der Ortsgeistliche überbrachte die Glückwünsche des Landestirchenamts und des Dekanats Rodheim sowie der Kirchengemeinde Rodheim, deren Dertreter im Dekanatstag Klee­mann seit Jahren ist. Dem Jubilar, der vor wenigen Wochen in körperlicher und geistiger Frische seinen siebzigsten Geburtstag begehen konnte, wurde von den übrigen Kirchenvorstehern ein Gedenkschein in würdiger Umrahmung über­reicht.

Kreis Büdingen.

Nidda, 6. Sept. Heute wurde hier der H e r b st m a r k t abgehalten, der einen ganz außer- ordentlichen Besuch zeigte, wie er noch nie seit sei­nem 70jährigen Bestehen beobachtet worden ist. Außer dem sehr günftigen Wetter trugen noch die Beendigung der vorzüglichen Grummeternte und der Ausfall der Märkte des Kreises Friedberg wegen Seuchengefahr zu dem gewaltigen Auftrieb von Schweinen, Ferkeln und Rind­vieh und dem großen Andrang von Kauflustigen bei. Es waren mehr als 1000 Ferkel und Einleger, 12 Eber, etwa 70 Ziegen und Böcke, 22 Bullen und über 100 Kühe, Kalbinnen und Iungrinder auf­getrieben. Der Handel ging anfangs bei Ferkeln etwas stockend, weil die Züchter noch an den seit­herigen hohen Preisen festhielten, und die Käufer eine Senkung der Preise infolge des großen Ange­bots erwarteten. Es trat dann auch ein kleiner Preisrückgang ein, so daß 6 Wochen alte Ferkel für 25 Mk., 8 Wochen alte für 32 Mk. und ältere für 40 Mk. das Stück verkauft wurden. Einleger kostete das Stück 75 bis 90 Mk. Hoch stand das Rindvieh im Preise. Gute Milchkühe kosteten 650 Mark, Kalbinnen 450 bis 500 Mk., Jungvieh, etwa ljährig, 80 bis 100 Mk. Die zur Prämiierung auf- getriebenen Bullen, Kühe und Zuchtrinder, Eber und Ziegenböcke zeigten teilweise ganz vorzügliche Be­schaffenheit, so daß der Kommission die Aufgabe sehr erschwert war und eine größere Zahl der vorhan­denen Schautiere ausgezeichnet wurde als sonst. Zum ersten Male war auch die Vogelsberger Rindvieh­rasse in erstklassigen Exemplaren vertreten und nahm an der Prämiierung teil, darunter ein Bulle. Durch den Landwirtschaftskammerausschuß wurden 20 Bullen versteigert. Die Preise bewegten sich zwi­schen 620 und 1110 Mark für das SMck. Die Tiere gingen alle in den Besitz von Gemeinden über; ebenfo ging es bei der Versteigerung der Ziegen­böcke, wovon gutes Material reichlich in Jungtieren . vertreten war. Hier wurde für ein Stück 55 bis 90 Mk. gelöst. Zum Schlüsse wurden 12 Eber aus- » geboten, die zum Preise von 150 bis 200 Mk. ver­kauft wurden. Der Krämermarkt war schon f vormittags gutbesucht und führte nachmittags wieder viele Marktbesucher aus der Umgegend hierher. Da auch die Niddaer Kirchweihe mit dem Markt verbunden ist, hatte sich die Jugend zum Tanz auf 2 Tanzböden und in der neuen Turnhalle zahlreich eingefunden. Die Schaubuden, das Karussell, ein Zirkus usw. und die Krämer machten gute Ge­schäfte. Nachmittags zog die auf dem Marktplatz öffentlich vorgenommene Verlosung von Vieh, Landwirtschastsgeräten und Haushaltungsgegen­ständen eine große Menge Neugieriger herbei. Der Hauptgewinn, eine schöne Kalbin, fiel noch Dauern- heim. Leider waren auch Langfinger auf den Markt gekommen. Einem Mann aus Stornfels wur­den 140 Mk. aus der Tasche gestohlen.

Napoleon in -en Erinnerungen der Königin Hortense von Holland

Ein überaus wichtiger Beitrag zur Kenntnis Napoleons, der bei uns bisher noch kaum beachtet worden ist, sind die Erinnerungen der Kö­nigin Hortense von Holland, der Tochter Josephinens und Mutter Napoleons III., die von der Revue des deux monbes" veröffentlicht wurden und vollständig in Buchform erscheinen werden. Die Verfasserin, die in so naher persönlicher Beziehung zu dem Kaiser stand, fügt dem Napoleonbilde manche neuen Züge hinzu, und wir geben daher einige Auszüge wieder, nach der Uedersetzung, die soeben in denPreußischen Jahrbüchern" ver­öffentlicht wird. Hortense erzählt, wie Napoleon in ihren Lebenskreis eintrat. Es war eine Gesellschaft bei Barras:Bei Tisch laß ich zwischen meiner Mutter und einem General, der sich, um mit ihr zu reden, dauernd und mit einer solchen unbeirrbaren Lebhaftigkeit vorbeugte, daß es mich ermüdete und ich mich endlich zurücklehnen mußte. So prägte sich mir wider meinen Willen sein Gesicht ein: es war schön, sehr ausdrucksvoll und auffallend bleich. Seine Rede war voller Feuer, und er schien lediglich mit meiner Mutter beschäftigt. So lernte ich den Gene­ral Bonaparte kennen." Als Napoleon ihr Stiefvater geworden war, hatte auch Hortense gar manchmal unter seinem eisernen Willen zu leiden.Der Erste Konsul, der Frankreich von der Abhängigkeit Eng­lands losreihen wollte," erzählte sie,verbot uns den Musselin und warf alles ins Feuer, was ihm englischer Herkunft schien. Wenn meine Mutter und ich in schönen Kleidern ins Zimmer traten, war seine erste Frage stets:Ist das etwa Musselin?" Oft nannten wir es ausweichend Linnen von Saint- Quentin, aber wenn uns ein Lächeln verriet, hatte er den ausländischen Stoff augenblicklich zerrissen. Dies Mißgeschick erlebten wir mehrmals, und schließ­lich mußten wir uns in Satin oder Samt kleiden. Endlich setzte die Mode den Willen des Konsuls durch, der ohne ihre Hilfe nicht zu seinem Ziel ge­kommen wäre, denn die Kaschmir-Schals überlebten

Kreis Schotten.

r~| Lauoach, 6. Sept. Der Vorstand des hiesigen Geflügel - und Kaninchenzucht^ Vereins hat beschlossen, noch in diesem Herbst eine Geflügel-Ausstellung abzuhalten. Zu dem Zweck werden Aktien zur Beschaffung von Ausstellungskäsigen ausgegeben. - Die Zigeunerplage, die nach einer neuerlichen Meldung desGieß. Anz." sich in letzter Zeit im Seen- und Horlofftal wieder sehr bemertbar macht, belästigt auch hier wieder die Bewohner. Dieselben Banden kehren allmonat­lich wieder. Der Jagd tun sie großen Schaden. Ebenso schädigen sie den Landmann durch den fortgesetzten und unermüdlichen Fang des Igels, der durch die Vertilgung der Mäuse so großen Ruhen bringt. Der Tierfreund kann in allen Teilen der hiesigen Gemarkung eine auffallende Verminderung des Igels feftstellen. Die Tierschutzvereine sollten sich dieser Sache annehmen.

§ Ulrichstein, 6. Sept. Ain Sonntag sand hier das D e k a n a t s m i s f i o n s f e st des De­kanats Schotten statt. Im Gottesdienst predigte Missionar Jürgens vor recht zahlreicher Hörerschar über Matthäus Kap. 13, Vers 4446. Rachmittags war auf dem Schloßberg bei präch­tigem Wetter und gutem Besuch, die Feftver- sammlung, in der der Ortsgeistliche über Johan­nes Kap. 4 Vers 34 bis 38 sprach und der Festpredrger ans seiner Arbeit unter den Batak auf Sumatra und über die Erweckungsbewegung auf der Insel Rias berichtete. Die Kollekten er­gaben über 65 Mark; es war im ganzen ein gesegneter Tag.

?" Aus dem Niddatal, 6. Sept. Die G r u m m e t e r n t e , die jetzt ihrem Ende entgegen­geht, ist so reichlich ausgefallen, daß viele Klein­bauern mit beschränkten Wirtschaftsgebäuden nicht in der Lage sind, alles unterzubringen. Den Ueberfluß an Heu und Grummet illustriert die Tatsache, daß bei einer V e r st e i g e r u n g des Grummetgrases überhaupt kein Angebot er­folgte. Leider st o ck t jeglicher V e r k a u f. Die Heu­preise sind ständig im Fallen begriffen, ohne daß irgendwelche Nachfrage vorhanden ist. Das Ausmachen der Kartoffeln, das sich ge­wöhnlich an die Grummeternte anschloß, ist eben kaum möglich. Infolge der großen Hitze und Trockenheit ist der Boden so hart, daß erst ein durchweichender Regen eintreten muß, bevor mit dem Einernten begonnen werden kann.

Kreis Alsfeld.

*!* Merlau, 6. Sept. Am Sonntag feierte das Kirchspiel Merlau seinen Iugend- sonntag. Der hessische Landjugendpfarrer von der Au von Darmstadt war dazu erschienen. Gr predigte um 1A1O Uhr in Flenstrngen und um 1 Uhr in Merlau über Matth. 5, 8:Selig sind, die reines Herzens sind, denn sie werden Gott schauen." Die Beteiligung der Jugend und der Gemeinde war, namentlich in Merlau, erfreulich Am Rachmittag wanderte der Merlauer Jugend- Verein bei schönstem Wetter nach der Schiedslinde bei Atzenhain und dem Kammerwaldsbach. Auf einer Waldwiese richtete der Iugendpfarrer ernste, beherzigenswerte Worte an die Vereinsmitglie­der. Lieblich klang der Gesang der Jugend im schönen Wald. Abends fand dann noch eine Feier in der Merlauer Kirche statt, deren Altar reich mit Blumen geschmückt war. Gemeindegesang, Liedervorträge des Iugendvereins wechselten mit Ansprachen des Ortspfarrers und des Iugend- psarrers, der überJugend und Schönheit" zu den jungen Leuten sprach. Die Kollekte für hessi­sche Jugendpflege betrug 25 Mark.

cd Erbenhausen, 6. Sept. Dis jetzt be­fiel die Maul» und Klauenseuche neun Hofreiten. Es fielen ihr leider zwei fette Stiere und verschiedene Kälber zum Opfer.

Kreis Lauterbach.

& Lauterbach, 6. Sept. Die Zahl der Er­werbslosen ist in letzter Zeit nach Beendigung der Notstandsarbeiten von etwa 10 auf täglich 38 gestiegen. Mit einer weiteren Zunahme ist voraussichtlich noch zu rechnen. Zur Linderung der dadurch verursachten Not weiter Kreise hat die Stadt vor einiger Zeit für den kommenden Winter die Durchführung umfangreicher Not­standsarbeiten beschlossen und die erforder­liche Genehmigung hierfür beantragt.

< Schlitz, 6. Sept. Das wundervolle Wet­ter der letzten Tage hat noch eine Reihe Ferien- gäste in unser Städtchen geführt. Gerade für solche, die sich von schwerer Berufsarbeit ausruhen wollen, bietet es in feiner alten Romantik und seiner wun­dervollen Umgebung mit den weiten Wäldern und der klaren gesunden Luft die rechte Stille und kräf­

trotz aller Androhungen, sie zu verbrennen, seine Aechtung." Napoleon duldete auch nicht, daß seine Tochter einen englischen Lehrer habe. Er verlangte, daß sie den Lehrer, an dem sie sehr hing, entließ, weil er behauptete, er fei ein Spion.

Aber auch weichere Charakterzüge weiß Hor­tense von ihm zu berichten. Als man nach der Schlacht von Marengo eines Abends im kleinsten Kreis zusammen war, sprach Napoleon mit tränen­dem Auge von General D e s a i x , der den Sieg mit seinem Leben bezahlt hotte.Ein ausgezeich­neter Mensch", sagte er,und ein unwiederbring­licher Verlust für Frankreich. Ich hatte Ihm Hortense zuoedacht, sie wäre mit ihm glücklich geworden." Meine Mutter", fährt die Verfasserin fort,nahm solche Gefühlserregungen gern wahr an ihm, dem man nachsagte, daß er sie gar nicht kenne.Man kennt Napoleon nicht richtig," sagte sie,sein Tem­perament schließt seine Herzensgüte nicht aus. Man würde ihn in wahrerem Lichte sehen, wenn er solche Regungen, die er für Schwächen hält, nicht so scharf unterdrückte." Als Hortense einmal erkältet war und deshalb einen Turban aus Musselin trug, meinte Napoleon:Wir haben wohl die Turbanmode aus Aegypten mitgebracht? Nun, dann will ich dir mich Kaschmirreste geben, um dir einen richtigen zu machen." Er rief nun seinen Diener:Habe ich noch die Trikolorenbinde, die man mir in Aegypten zu- recktgernacht hatte?"Jawohl, General", antwortete dieser.Dann hole sie. Ich trug sie in der Schlacht bei den Pyramiden , fuhr er zu meiner Mutter ge­wandt fort.Der Pulverdampf hat sie deshalb ge­dunkelt, und außerdem hat sie die Pestkranken aus nächster Nähe geseben. Nimm sie ober ohne Angst, Hortense, und mach' dich schön damit."

Uebcr die Lebensweise Napoleons erzählte die Stieftochter:Die Arbeit nahm den Konsul ganz in Anspruch; weder Tag noch Nacht hatte er Ruhe. Seinen Aufgaben mußte alles untergeordnet wer­den, darum gab es ebensowenig eine feste Schla­fenszeit wie eine feste Eßpause; das eine wie das andere schien er entbehren zu können. Er früh­stückte stets allein, wir sahen ihn erst beim Essen. Kam er zufällig etwas früher, und war meine Mutter noch bei der Toilette, so machte es ihm Spaß, sie

tigende Erholung. Der Verkehrsverein unter der Leitung des Bürgermeisters Dr. Niepoth tut viel, um den Gästen den Aufenthalt so angenehm wie möglich zu machen.

Starkenburg.

Beisetzung von Schulrat Schmuck

* Darmstadt, 5. Sept. Heute mittag fand hier die Beisetzung des verstorbenen Lan-- destuminspektors i. 2t., Schulrat S chmuck, statt. Ein riesiger Trauerzug bewegte sich vom Kranken­haus des Elisabethcnstistes durch die Stadt nach dem Waldsriedhos, wo die Trauerfeier ab­gehalten wurde. Dem Sarge voran schritten die Turnvereine aus Darmstadt und der näheren Umgebung in vollständiger Mitgliederzahl. Die Turnvereine aus entfernteren Orten hatten Ab­ordnungen entsandt, zumeist mit Dannern, dar­unter auch die beiden Gießener Vereine, so daß in dem Trauerzuge, dem eine Musikkapelle voranschritt, etwa 200 Fahnen mitgeführt wur­den. Fast jeder größere hessische Ort war ver­treten. Die Zugteilnehmer trugen zumeist Turnerkleidung. Dem Sarge vorangetragcn wur­den Kränze in großer Zahl; zu Seiten des Sarges schritten Turner mit Fackeln. Die Straßen der Stadt waren dicht von Menschen umsäumt, als der Zug vorüberschritt. In den Reden auf dem Friedhof wurden die Verdienste des Dahin­gegangenen um die Deutsche Turnerschaft ge­feiert und kostbare Kranzspenden niedergelegt.

Rheinhessen.

Mainz, 6. Sept. (WSR.) Der 54jährige Zugführer Georg Dornbusch aus Dischofsheim geriet am Samstagnachmittag, als er sich gerade zum Dienst begeben wollte, unter einen ran­gierenden Wagen. Ein Dein wurde ihm dabei glatt abgefahren, während das andere schwer verletzt wurde. Der Verunglückte, der an­scheinend auch noch innere Verletzungen erlitten hatte, ist kurz nach seiner Einlieferung im städti­schen Krankenhaus verstorben.

Preußen.

Landwirtschaftliches Fest in Gladenbach.

Gladenbach, 6. Sept. Zum ersten Male seit 30 Jahren fand in Gladenbach wieder ein land­wirtschaftliches F e st des 1. landwirt­schaftlichen Bezirksvereins des Ver­eins Nass. Land- und Forstwirte statt. Viele Hände waren seit Wochen damit beschäftigt, ein vielseitiges Festprogramm auszuarbeiten und zu verwirklichen. Der gestrige Festtag hat die Mühe reichlich gelohnt.

Schon feit dem frühen Morgen eilten aus dem ehemaligen Amt Blankenstein und der weiteren Um­gebung viele Tausende herbei, um der Eröffnung des Festes durch den F e st z u g beizuwohnen. Kurz nach 2 Uhr nachmittags bewegte sich der Zug, an dessen Spitze sich Landsknechte zu Pferd und Fan­farenbläser befanden, durch die Straßen, von groß und klein bestaunt und bejubelt. Reichen Beifall fand vor allem der historische Teil, der schöne Bilder aus dem kulturgeschichtlichen Leben der Hei­mat bot. Man sah einen fürstlichen Iagdzug, dem Bauern mit Jagdtrophäen nachfolgten. Ein beritte­ner Bauer mit Buntschuhfahnen, begleitet von be­waffneten Bauern, versetzte in die Zeit der Bauern­kriege. Bei der Gruppe Schloß Blankenstein erblickte man Bauern, die den Mönchen des früheren Mönch- hofgutes ihren Zins brachten. Dann folgten die Zünfte aus dem Mittelalter mit ihren Zunftschildern. Die nächste Gruppe, der Ritter vom Dernbach mit Gefolge, erinnerte an die Zeit der Raubritter. Rei­zend sah der Hochzeitszug aus der Biedermeierzeit aus. In schneller Reihenfolge kamen dann die schönen Fe st wagen der einzelnen Bauernschaften und Gemeinden, wie Trachtenwagen, Brautwagen und Drescherwagen. Andere Wagen zeigten die IßoUtfermertung, Flachs- bereitung, eine Bauernstube, Spinnstube, die Ernte einst und jetzt, Feierabend und die Bauernstube im Winter. Auch die reichgeschmückten Festwagen der GladenbacherVereine und der S ch u l e verdienen besonders erwähnt ui werden.

Nach Beendigung des Festzuges strömten die zahlreichen Besucher auf den schön gelegenen F e st- p 1 atz in der Au. Hier eröffnete Bürgermeister Reitz a. D., Kleingladenbach, den Reigen der Be­grüßungsansprachen, und erwähnte besonders das gute Einvernehmen der Stände, bas im Festzug deutlich zum Ausdruck gekommen sei. Der Präsident des Vereins Nassauischer Land- und Forstwirte forderte die Verbände auf, einig zu fein,

zu ärgern und ihre Frisur zu kritisieren; er zog ihr bann bie Blumen aus dem Haar, steckte sie an anderer Stelle wieder hinein und behauptete, daß sie dort besser zur Geltung kämen; ich sollte bann den Schiedsrichter abgeben, und alles machte er so ernst, daß man lachen mußte. An Tagen aber, an denen er den Kopf voll hatte, kam er schon düster ins Zimmer, setzte sich in einen großen Sessel am Kamin ober ging im Zimmer auf und ab, ohne jemanden zu beachten.Noch nicht fertig?" war das einzige Wort, das er fallen ließ. Das Essen ging wortlos hin, manchmal stand er sogar noch vor oem Dessert auf. Meine Mutter machte ihn durch einen Wink darauf aufmerksam; bann lächelte er, setzte sich einen kleinen Augenblick nieder, verließ uns aber bann sofort, ohne noch zu irgendeinem ge­sprochen zu haben. Wenn er so war, zitterte wohl jeder vor ihm, niemand hätte ihn zu unterbrechen gewagt, aus Furcht, ihn in einem wichtigen Ge­dankengang zu stören ober eine barsche Antwort zu bekommen. So sagte man nur zueinander:Er ist heute sehr schlechter Laune. Gibt's was Neues?" Und dann wußte man so viel wie vorher." Hortense schildert eingehend die verschiedenen Attentats- versuche, die 1800 auf fein Leben gemacht mür­ben. Am furchtbarsten verlief bas Attentat am 24. Dezember 1800. HaydnsSchöpfung" sollte auf­geführt werden, aber Napoleon war nicht in her Stimmung teilzunehmen, und da bann auch Jo­sephine baljeimbleiben wollte, gab es ein langes Hin und Her, bis man endlich anfpannen ließ. Gerade wie er feinen Wagen besteigen wollte, kriti­sierte er die Toilette meiner Mutter, und diese Kritik rettete uns bas Leben." Die Bombe, die ihn töten ollte, ging zu früh los und traf ihn nicht, obwohl ie große Verwüstungen anrichtete. Er bewahrte die ;ewvhnte Kaltblütigkeit unb sagte nur:Wie ab« cheulich, so viele Menschen umzubringen, wenn man ich nur eines einzigen entledigen will."

Wie Heinrich Federer berühmt wurde.

Es ging ihm nicht gut, dem Schweizer Dichter, der in diesen Wochen unter allgemeiner

denn nur Einigkeit macht stark. Bürgermeister Müller- Gladenbach begrüßte im Namen der Ge meinbe die Gäste und dankte den Festausschüssen für ihre Arbeit. Leider mußte infolge der ungün­stigen Wirtschaftslage einstweilen vom Bau der landwirtschaftlichen Winterschule in Gladenbach ab- gesehen werden. Bürgermeister Müller gab aber der Hoffnung Ausdruck, daß dennoch das Projekt sich bald verwirklichen lasse. Mit ernenn Hoch auf das deutsche Vaterland und die deutsche Landwirt­schaft beschloß er die Begrüßungsansprachen.

Nach dem Deutschlandlied hielt der Reichstagsab­geordnete Karl Hepp, Präsident des Reichsland­bundes, die F e ft r e d e. Der Redner wies daraus hin, daß der strahlende Sommertag des Festes nicht über die großen wirtschaftlichen und völkischen Nöte unterer Zeit hinwegtäuschen dürfe. Für die Wieder­aufrichtung des nationalen Gedankens setze sich der Reichslandbund mit allen Kräften ein. Ser Redner will die landwirtschaftlichen Verbände frei von jeg­lichem behördlichen und politischen Einfluß wissen, denn wenn die Landwirte-Organisationen den Landwirtschastskammern unterstellt werden, ist ihnen ein großer Teil der Wirkungsmöglichkeiten genom­men. Den Landwirten fällt die wichtige Aufgabe zu, das Fundament eines gefunden Staatslebens zu bilden, denn jeder Staat, ob Monarchie ober Re­publik, kann eines rechtschassendenkenden Bauern­standes nicht entbehrten. Dann erwähnte der Redner die zahlreichen Kämpfe der Drgantfafron auf zoll- und steuerpolitischem Gebiete. Die Nichteinführung des Freihandels und die Vereinfachung auf steuer­lichem Gebiete sei als Erfolg der Organisation zu buchen. Der Redner forderte die Landbevölkerung auf, an den alther gebrachten Gebräuchen festzu- halten. Wenn der Bauer beginne, die heutigen »en Gebräuche nachzuahmen, bann werde er tung der übrigen Bevölkerung verlieren. Ein Ziel der Organisation sei es, bas Eigentum der Scholle durch eigene Kraft zu schützen. Die 2 Mil­lionen Landleute, die im Reichslandbund vereinigt sind, wollen tatkräftig an der Gestaltung der Zu­kunft des Vaterlandes Mitarbeiten, doch auch nicht versäumen, der großen Taten der Vergangenheit zu gedenken. Die Ausführungen des Festredners fan­den bei den Zuhörern regen Beifall.

Ein Volksfest mit Tanz und anderen Be­lustigungen sorgte dann für die Unterhaltung der Besucher.

Kreis Biedenkopf.

* Rodheim a. Z>.Sieber, 6. Sept. Hier wurden unter Beteiligung der umliegenden Dör­fer unseres Kreises die Reichsjugendwett­kämpfe der Schulpflichtigen ausgetragen. Trotz des heißen Wetters kamen 327 Kinder zusammen, um in friedlichem Kampfe ihre Kräfte zu messen. 'Die auswärtigen Kinder wurden in anerkennens­werter Gastfreundschaft von Rodheimer Einwoh­nern mit Mittagessen versorgt. Morgens fanden Kainpfspiele statt, nachmittags Freiübungen und Spiele. Rachfolgend seien aus jeder Abteilung die ersten fünf Sieger mitgeteilt: Jungen, 7. unb 8. Schuljahr. Viertampf: 1. Albert Schneider, Rodheim, mit 103 P.; 2. Adolf Drewer und W. SteinmMer, Dieber, mit je 101 P., 3. R. Schmidt, FeUingshausen; 4. Martin Weber, Fel­lingshausen; 5. Adolf Dudenhöfer, RodhÄm. Mädchen, 7. und 8. Schuljahr. Dreikampf: 1. Rettchen Hasselbach, Rodherm, 79 P.; 2. Gina Wagner, Fellingshausen, 71 P.; 3. Emilie Platt. Rodheim; 4. Emilie Crombach Fellingshausen; 5. Luise Rücker, Frankenbach Jungen, 5. und 6. Schuljahr. Vierkampf: 1. Adolf Burk, Rodheim, 91 P.; 2. Wilh. Decker, Rodheim, 65 P.; 3. Adolf Geller, Frankenbach; 4. Adolf Michel, Rodheim; 5. W. Schlierbach, Rodheim. Mädchen, 5. und 6. Schuljahr. Dreikampf: 1. Martha Knothe, Rodheim, 71 P.; 2. Luise Schmidt, Franlenbach 66 P.; 3. Erna Scherer, Dieder; 4. Minna Pepp-' ter, Rodheim und Marie Gerlach, Fellingshausen; 5. Kath. Leib, Fellingshausen. Dei den Staffel- Läufen belegten Crumbach und Dieber die ersten Plätze.

XX Diedenkopf, 6. Sept. Im Monat August wurden im hiesigen Arbeitsnachweis­bezirk 678 Vollerwerbslose mit 1113 Zu­schlagsempfängern unterstützt. Außerdem waren 278 Erwerbslose bei Rotstandsarbeiten beschäftigt.

Kreis Wetzlar.

00 Hochelheim, 6. Sept. Nachdem das Evangelische Konsistorium der Rheinprovinz die Ernennung des Hilfspredigers Paul Schneider zum Pfarrer der Evangelischen Kirchen- aemeinden Hochelheim und Dornhvlz- Hausen vollzogen hat, wurde Pfarrer Schneid am gestrigen Sonntage in der hiesigen Kirche durch den Superintendenten W i e b e r - Garben- heim in sein Amteingeführt.

Teilnahme auch in Deutschland seinen 60. Ge­burtstag feiern wird. Er selbst erzählt im Sep­temberheft von Velh agen & Ä la fing« Monatsheften, dem besonders reichen Er» öffmmgsheft des neuen Jahrgangs der Zeit­schrift, wie ihm als Schriftsteller in Zürich die Schnitte Drot immer schmaler und der Milchkaffee immer dünner wurden und der Draten so selten fast wie das Schaltjahr. So ging es nicht weiter. Ich hatte," fuhr er fort,nrcht erbsengroß Lust. Geschichten zu schreiben. Aber da war ja Frenssen mitJörn Llhl" in einer Rächt reich geworden. Könnt' ich's nicht auch probieren? Llnd ich fing wahrhaft im Schwabenalter an, Geschichtlein auf- zuschreiben. Sie machten mir wenig Mühe. Ich schrieb einfach auf, was ich ost und ost erzählt hatte, vom Vater und Sohn im Examen, vom Rachtwächter Prometheus, vom gestohlenen König von Delgien, von Siste e Sesto und dem letzten Stündlein des Papstes, und viel, viel anderes. 2lber als es geschrieben dalag, wagte ich doch nur das wenigste und nicht einmal unter meinem Ramen in der Alten und Reuen Welt der Denziger zu Ginsiedeln zu veröffentlichen. Eine unbeschreibliche Scheu, eine schwitzende Scham packte mich vor der Publikation, wie ich denn auch aus meinen Sachen nur mit Unbehagen vorlese und es längst nicht mehr tue. Also das meiste wanderte in die Schubladen. Da erzählte mir eines Tages die Frau, bcii der ich in einem winterlichen Dergdorf hauste, dasDaheim" schreibe für die beste Rovelle einen Preis von fünftausend Mark aus. Ich sollte doch etwas von dem, was ich ihren Duben alle Abende vorschwindelte, schnell nach Derlin schicken. Aber es sei allerhöchste Zeit. Da hob ich aus der SchubladeVater und Sohn im Examen", und siehe, ich zog die Prämie. And nun klebte ich diese und einige andere Geschichtlern zusammen und schickte sie an G. Grotes Verlag, weil dort der wundervolle Erzähler Frenssen feine Dächer hatte, und fand in dem Verleger bald auch einen Freund."

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