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Lr. 2F5 Zweites Blatt

DerKampfdsrReUgionen in Sowjetruhland.

Don einem gelegentlichen Mitarbeiter.

3n der großen Reihe ovn intereffanten Doku- menten au6 der ersten Epoche der bolschewistischen Herrschaft befinden sich auch jene Erlasse des Rates der Volkskommissare. durch welche in Ruß­land die vollständige Glaubens-re,hell und das uneingeschränkte Recht der antireligiösen Propa­ganda proklamiert wurde. Rach ihren eignen Worten verfolgten die Führer des Proletariats vor allem den Zweck, .die große Masse W russi­schen Volkes von einer seit Jahrhunderten ge- duldig ertragenen geistlichen Kn.-chtschast zu be­freien", während sie jedoch gleichzeitig jedem Bürger der neuen Republik die Möglichkeit un­behinderter Religionsübung zusicherten. Allein wie so viele andere Verheißungen haben die Sowjets auch dieses Dekret nur ^r Hälfte wirk- sich erfüllt. Sie gaben sich Atoar alle Mühe, durch Förderung der antireligiösen Propa­ganda der Resigion und ihren Dekennern emp­findlich zu schaden, aber sie fetzten auch zugleich die religiöse Toleranz auf ein Mindestmaß herab, so daß von einer Glaubensfreiheit. wie sie so pathetisch verkündigt worden war, überhaupt keine Rede sein lointe. Auf Veranlassung des Zentralkomitees d^ kommunistischen Partei Rußlands erschien allmählich eine Flut von Auf- klärungsliteratur. durch welche in wissenschaftlicher und populärer Form die Resigion alseine Er­findung der bürgerlichen Klassen", als Printer» betrug und törichter Aberglauben hingestellt wurde. Hand in Hand mit diesen Tendenzschriftcn ging die^Tätigkeit jener von der Partei gestellten Redner, die im Volke und ganz besonders in Ar- beiterlreifcn gegen die Kirche Sturm zu laufen hatten, wobei sie öfters di« leicht erregbare Menge zu Gewalttätigkeiten gegen Geistliche und zu Störungen des Gottesdienstes aufreizten.

Aber es sollte noch besser kommen! Wollte man tatsächlich der Kirche Abbruch tun und ihr materielles Fundament zerstören, so konnte das am besten auf dem Weg einer allumfassenden Sä­kularisation geschehen. Diese begann mit der Be­schlagnahme der Kirchen einzusetzen, welche von der Partei in Klublokale für die Ar­beiter umgewandelt wurden. Jetzt prangten an den Wänden statt der Heiligenbilder die Düsten von Marx und Lenin, auf der Kanzel ersetzte dir blaue Bluse den Ornat, statt Predigten erklangen die rauschenden Perioden kommunistischer Propa­gandaredner, die Internationale verdrängte das Kirchenlied. Die Kommunisten scheuten sich auch nicht, wüste Gelage und Tanzvergnügen in diesen Räumen abznhalten, um den erschrockenen .,Bour­geois" so deutlich wie möglich die älmkehrung aller Verhältnisse und die neue ,Glaubens­freiheit" zu zeigen. Man mag sich vorstellen, wie den Geistlichen zumute war. als sie diese allem anständigen Empfinden Hohn sprechenden Reue­rungen sahen. Sie mußten dabei noch ganz stille sein und durften es nicht wagen, ihre Entrüstung über die Kirchenschädigungen laut werden zu lassen, weil sie sonst ohne alle Llmstände von den überall auftretenden Agenten oder Provoka­teuren der Tscheka verhaftet und als Konter­revolutionäre kurzerhand erschossen werden konn­ten. Gar manchen hat dieses Schicksal in der Tat auch betroffen.

Richt weniger skrupellos verfuhren die Macht­haber mit den zahlreichen Klöstern des Landes, von denen eine Anzahl als gefürchtete, verrufene Gefängnisse und Zuchthäuser der Tscheka einge­richtet wurden. Mit den Mönchen selbst machte man kurzen Prozeß: Man vertrieb oder tötete sie. Um auch die künftige Fortdauer der Resigion möglichst zu verhindern, verfügten die Kommu­nisten außerdem die Schließung der geist­lichen Lehranstalten und die Abschaf­fung des Religionsunterrichts. Man meinte auf diese Weise die Resigion und das religiöse Empfinden des russischen Volkes voll­kommen vernichten zu können.

Die Zwangsenteignung der Kir­ch e n g Ü t e r brachte dem valutaschwachen Staats­wesen einen gewaltigen Zuschuß, an Gold und Silber, Diamanten, wertvollen Gemälden und vielen anderen Kostbarkeiten. Tag unb_ Rächt wurden mit A itomobilen und Wagen beträchtliche Mengen aus den Kirchen fortgeschleppt, aber das russische Voll weiß brs heute noch nicht, tote groß der Wert der Kirchenschähe auch nur annähernd gewesen sein mag. Ebensowenig tst es bekannt, wohin eigentlich das gesammelte Material kam. Angeblich haben die Bolschewisten das meiste in Museen unter gebracht, und Ausländer, die das heutige Moskau besuchen, können in der Tat Kost­barkeiten und Gemälde bestaunen, aber damit laßt sich das Verschwinden so gewaltiger Schätze nicht im geringsten erklären. Der größte Teil wanderte in Wirklichke't in die zahlreichen Geheimfonds der Partei, soweit er nicht als Zahlungsmittel, z. B. für das Ausland verwendet wurde

DS dürfte niemanden wundern, daß die Ein­ziehung der Kirchengüter nicht ohne Grausam­keiten vor sich ging. Oesters leisteten auch die Geistlichen bei der Herausgabe der ihrer Obhut anvertrauten Gegenständ« ftnrlen Widerstand. Richt selten kam es dann zu blutigen Zusammen­stößen. bei denen selbstverständlich die Anhänger des ancien rcgime den Kürzeren zogen. Mit Freuden ergriff die allmächtige Tscheka solche Ge­legenheiten, um ihre Kugeln wirken zu lassen und sich der bittergchaßten (Segnet zu entledigen. Soweit die Leute aber nicht cm die Wand ge­stellt wurden, verbannte man sie auf fünf bis zehn Jahre nach den an der Grenze der Arktis gelegenen Solowsiinseln oder nach den einsamen Tundren des hohen sibirischen Rordens. Viel« Popen traten aus Erbitterung über die Willkür- afte der Bolschewiken und aus nationalen Grün­den in die Weißgardistischen Heere ein, um so für ihren Gott und ihren Zaren zu streiten. Sie wußten freilich, daß GefangenfHast für sie den sicheren Tod 6'beute und haben daher auch mit dem Mute der Verzweiflung gekämpft. 3m ganzen mögen durch Bürgerkrieg und als Opfer der planmäßigen Religions­verfolgungen mindestens 25 000 Popen. Mönche. Diakone und and«re Angehörige des Klerus ums Leben gekommen sein. 3n dies« Zahl muß man auch die in der V'rbannung durch Hunger. Kälte und anfte'fenbe Krankheiten Verstorbenen ein- beziehen. Genauere Angaben werden freisich erst barm einmal möglich, wenn das offizielle Ma­terial der Tscheka vorliegt.

Gießener Anzeiger sGeneral-Anzeiger für Gberhessen) Montag, b. Dezember 1926

Der Volks«

Gießen 6. Dezember 1926.

Ein außerordentlich stiller Wahltag liegt hinter uns Wer geglaubt hatte, der gestrige Volksentscheid über öie Auflösung des Hessischen Landtages werd« ein reges Wahltreiben in den Straßen unserer Stadt entfesseln, konnte sich bald von dem geraden Gegenteil überzeugen. Der starke Verkehr in den Hauptstraßen und in den Zugängen zum Stadtzentrum trug deutlich den Stempel weih­nachtlichen Interesses: Der Kupferne Sonntag beherrschte die Leute weit mehr als der Ge­danke des Wählens, des Volksentscheids.

Tas Wahlgeschäft setzte in Gießen sehr flau ein. Don 9 bis 10 Uhr vormittags war in den Abstimmungslokalen so gut wie gar nichts zu tun Dis gegen 1 Uhr mittags also nach vierstündiger Wahlzeit hatten sich durchschnitt­lich erst etwa 10 Prozent der Stimmberechtigten an den Abstimmungsui ncn eingesunden. All­mählich lebte die Wahlbeteiligung ein wenig auf, so daß gegen 3>.. Uhr etwa 33 Prozent der Wählerschaft von ihrem höchsten staatsbürger­lichen Recht Gebrauch gemacht hatten. Erst in den beiden letzten Stunden, von 4 bis 6 llhr. war so etwas wie ein Andrang der Wähler zu bemerken: jedenfalls trat um diese Zeit der Schlepperdienst stärker in Tätigkeit: in diesen beiden Stunden war die Stimmabgabe so stark wie bei bet Hindenburg-Wahl schon in den ersten Morgenstunden. Mit einer Wahlbetei­ligung von nur 43,6 Prozent (gegenüber 74,12 Prozent bei der vorigen Landtagswahl vom 7. Dezember 1924) hat die Gießener Wähler­schaft eine ganz außerordentliche Gleich­gültigkeit gegenüber der Wahrnehmung ihres höchsten Staatsbürgerrechts an den Sag gelegt. So bedauerlich das ist, so wenig verwunderlich erscheint es, wenn man weiß, daß die Bevölke­rung des vielen Wählens reichlich überdrüssig ist. lind wie in Gießen, so war auch draußen in dec Provinz die Wahlbeteiligung gestern sehr schlecht: in allen Kreisen ist die Zahl der abgegebenen Stimmen gegenüber der Landtagswahl vom 7. Dezember 1924 um rund ein Drittel zurück­gegangen.

Unser umfangreicher, in allen Teilen gut arbeitender Wahlberichterstattungsdienst erwog» lichte es uns, die Abstimmungsresultate sehr schnell betanntzugeben. Schon kurz nach 6 llhr konnten wir das Resultat aus 21 Orten des Kreises Gießen durch Aushang an den Fenstern unserer Geschäftsstelle veröffentlichen. Etwa eine halbe Stunde später konnten wir bereits die Ergebnisse aus rund 60 Kreisorten berichten, und wenig später etwa eine Stunde nach Ab- ssimmungsschluh folgte bereits die Zusammen­stellung aus der Hälfte aller Gießener Stimm­bezirke. Gegen P/8 Uhr war es uns möglich, das städtische Gesamtergebnis mitzutellen, bald daraus folgte das Resultat aus dem Kreise Gießen. Dazwischen gaben wir die Entscheidungen der einzelnen oberhessischen Kreise, sowie wichtiger Orte in den beiden anderen hessischen Provinzen heraus, gegen Ä*/s Uhr wurde die Gesamtzäh- lung der ProviW Ober Hessen Dcroff entließt. ®ttoa eine Stunde später lief das Gesamtresultat des ganzen Hessenlandes telephonisch aus Darm­stadt ein und wurde schnell zum Aushang ge­bracht. Dis dahin gegen VglO llhr hatte eine große Menschenmenge vor unserem Geschäfts­haus standhaft ausgeharrt, nun verlies sich bi« Mass« rasch, dem Interesse war Genüge getan.

Das Abstimmungsergebnis in der Stadt Metzen

stellt sich wie folgt bar: Stimmberechtigt 22 822 Personen. Abgegeben würben 9900 gültige Stim­men, wovon 5097 auf Ja, 4803 Stimmen auf Rein lauteten. 84 Stimmen waren ungültig.

Zum Vergleich sei bemertt, daß die Par­teien der Regierungskoalition, die gestern mllRein" stimmten, bei der Land- tagswahl am 7. Dez. 1924 in bet Stadt Gießen insgesamt 7579 Stimmen erhielten, und zwar Sozialdemokraten 4758, Demokraten 1954, Zentrum 867. Die Opposition um­fassend alle übrigen Parteien, einschl. der Kom­munisten die gestern mitJa" für die Land- tagsauflösung eintrat, brachte am 7. Dez. 1924 in der Stadt Gießen insgesamt 8550 Stim­men auf, und zwar die Deutsch« Dolkspartei 4251, Deutschnationale Volkspartei 3013, Hesi. Bauernbund 77, Verein, schaff, hesi. Landwirte 6. Ralionalsoz. Freiheitspartei 354, Wirtsch. Par­tei des Mittelstandes 117, Kommunisten 732.

mtscheid im Kreise Gießen.

Untere ZBahltabelle SpalteKoalition" sind bic Zifiern der Regie-

1 ' rungsparleien (Sozialdemokraten, Demokcaten.

stellt dem Ergebnis des gestrigen D ol ksen t- Zewrum) zusaminen.'e"aßt, : ährend in der Spalte Icheids das Resultat der letzten L a n b t a g & »Opposition" die Stimmziffern aller übrigen wähl vom 7. Dez. 1 92 4 gegenüber. In der Par .en enthalten sind.

Kreis Gietzen.

Gemeinden

Stimm­berechtigte

Volksentscheid am 5.

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Garbentcich......

Geilshausen......

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Großen-Buseck.....

Großen-Linden.....

Grünbcrg.......

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Harbach........

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Hausen ........

Heuchelheim......

Holzheim.......

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Wesselbach.......

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Muschenheim m. Hof-Güll Nieder-Besiingen .... Nonnenroth......

Obbornhofen......

Ober-Bessingen .... Ober-Hörgern.....

Odenhausen rn.Appenborn Oppenrod.......

Queckbotn.......

Rabertshausen mit

Ringelshausen .... Reinhardshain.....

Reiskirchen......

Rodheim m. Hof Graß . . Rödgen........

Röthges........

Rüddingshausen .... Ruttershausen mit

Kirchberg......

Saasen mit Boll.tbach, Veitsberg u. Wirberg. Stangenrod ......

Staufenberg m. Friedelh. Steinbach.......

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240 1 405

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Insgesamt

64 946

33 141

302

18 498

14 643

-

-

Die Sowjetregierung hat bekanntlich viele Enttäuschungen erleben müssen. Das so oft angestimmte Liedchen von der Weltrevolution verhallte in Europa ungehört, die Versuche, den Kommunismus im eigenen Land einzuführen, scheiterten nicht minder kläglich und bewiesen nur klar die älndurchsührbarkeit der Ideen Lenins. Richt anders war es auf dem Gebiet der anti­religiösen Propaganda bestellt. Die hochgespann­ten Erwartungen erfüllten sich nur zum Teil und schon längst haben di« Kommunisten einsehen müssen, daß keine Religion mit roher Gewalt ausgerottet werden kann. Sie griffen daher zu neuen Formen des Kampfes, der gegentoärtig noch in seiner Heftigkeit andauert, aber heute schon seltener mit der Hinrichtung des Geist­lichen endigt. Abgesehen von rein innerpoliti­schen Gründen mußte sich die terroristische Macht zu großen Kompromissen verstehen, wenn sie mit dem mißtrauischen Ausland überhaupt die so notwendigen Beziehungen aufnehmen wollte.

Das Erscheinen gehässiger Pamphletschriften hatte nicht den gewünschten Erfolg Hervorrufen Eonnen, well die Arbeiter sie meist gar nicht lasen. Die eintönigen Vorträge bet mit sophisti­scher Dialektik arbeitenden Redner wurden auf die Dauer ebenfalls als langwellig empfunden und das Interesse an der Sache schwand immer mehr. In dieser Qlot griffen die Herren der Krenll-Lubjailla-Regierung zu einer dem Bol­schewismus und seinen Anhängern wohlbekann­ten Form, die man schon bei anderer Gelegenhell mit großem Erfolg angewandt hatte. Jetzt wurde das Programm ausgegeben, welches die Autori­tät der russischen Geistlichkeit schwer erschüttern

sollt«. Da man nun einmal die Kirche nicht beseisigen konnte, und sich schließlich genötigt sah, sie in freilich modifizierter Form bestehen zu lassen, nachdem die Popen sich anscheinend frei­willig, in Wirklichkeit aber gezwungen bereit erklärt hatten, die kommunistisch« Regierung an» juerfennen, beschloß man, in ganz diabolischer Art und Weise an der Zersetzung innerhalb der Kirch« zu arbeiten. Insbesondere sind zwei Methoden der heutigen Bekämpfung recht bemerkenswert und von hohem Interesse für das Ausland, weil der Westen Europas dank der Verschleierung der wahren Verhältnisse in Sowjetrußland wenig weih, und diejenigen, welche als Besucher sich für einige Wochen yin­begeben, alles andere als die wahren Zustände zu sehen bekommen.

Die eine Methode beabsichtigt öle mora­lische Diskreditierung der russischen Geistlichkeit. Es ist ja klar, daß die Durch­führung dieses ganzen Kampfes ausschließlich in den Händen der alles beherrschenden Tscheka ruht. In dieser durch Popoffs Buch für immer gezeichneten Institution befinden sich einige spe­zialisierte Leute, die sich lediglich mit dem Kampf gegen di« Kirche und mit der antireligiösen Propaganda befallen. Sie beschäftigen zu diesem Zweck ein« größere Anzahl Agenten, denen die Aufgabe obliegt, di« Popen und Diakvne scharf zu überwachen, und gegebenenfalls zu provo­zieren. Ratürsich nicht so sehr in politischem Sinn, well bamii der Tscheka nur halb gedient wäre. Man inszeniert vielmehr mit Vorliebe Prozesse, in denen Llnsittlichkell. Sexualverbrechen und Trunksucht immer wieder als Hauptmomente

hervortteten. Ein falscher Zeuge erklärt, der Priester R. R. habe sich in der Dorfwirtschaft schwer betrunfen. In biefem Zustand ging er auf die Straße hinaus und erlaubte sich gegen die Bauernmädchen unschöne Worte. Schließlich wollte er sogar tätlich werden, so daß sich die armen Dauern genötigt sahen, den Betrunkenen mit Gewalt von ihren Frauen zurückzuhalten. Man hatte chn durch eine tüchtige Tracht Prügel wieder nüchtern machen müssen. Das ganze Dorf sei außer sich geraten, als es diesesfromme und gottge'ällige Benehmen" des Geistlichen sah. Diesewahre Geschichte" wird natürlich mit aus­führlichen Kommentar in allen bolschewistischen Zellungen berichtet und als Mittel zur anti­religiösen Propaganda reichlich ausgcbeutet. Ober man inszeniert z. D. folgenden oft wiederkehren­den Fall. Einige Mädchen im schulpflichtigen Alter erzählen im Dorfe der Pfarrer Ä. R hätte mit ihnen unzüchtige Handlungen vorgenommen. Durch Schokolade und Bonbons wollte er sie ver­anlassen, darüber still zu fein. Die erzürnten Eltern melden natürlich die Sache der lokalen Tschekaverwaltung. Diese verhaftet den Pfarrer, gibt vielleicht die Angelegenhell an die höhere Stelle weiter und so wird der in den Anklage- zustand versetzte Geistlich« in öffentlicher Ver­handlung zu drei Jahren Gefängnis verurteile Was hilft es dem Bedauernswerten feine 11a- schuld zu beteuern, und zu erklären, dieses angeb­lich von ihm begangene Sittlichkellsverbcechen fei eine Ausgeburt der Phantasie. Man stellt ihn als unverschämten Lügner noch an den Pranger und gibt ihm eine Straferhöhung. Dieses Schicksal betrifft aber nicht nur Angehörige bet