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Dr. Friedr. Wilh. Longe. Derantworllich für Politik Dr. Fr Wilh. Lange; für Feuilleton vc H.Tbyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein; für den An- zeigenteil üDerir. H.Beck, sämtlich in Gießen.

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General-Anzeiger für Oberhessen

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Gietzener Anzeiger

Der katalanische Putsch.

Don Carcassonne im Audetal, der trutzigen, viel- getürmten Marchenseste des heiligen Ludwig an der großen Heerstraße zwischen Atlantik und Mittel- meer fahren wir im bequemen Relseauto des chem'in de fer du midi durch die üppigen Wein- felber des Roussillon den grau in der Ferne schim­mernden Bergketten der Pyrenäen zu. Es ist nur eine kleine Reisegesellschaft, ein paar Amerikaner und Holländer, die zu so früher Jahreszeit mit dem erstentrip die Fahrt in das Hochgebirge wagt. Bald liegt das Audetal hinter uns, und schon geht es auf schmalen Talwegen, zwischen grünen Hängen, an rieselnden Bächen vorbei in die Dorberge. Die Junisonne brennt auf die staubige, weiß blendende Straße, Bauern begegnen uns in breitrandigem schwarzem Filz, zum offenen Hemd die kleine schwarze Samtiacke mit gepufften, Aermeln und weite Hosen, ihre langgehörnten Ochsengespanne schleppen die schweren Eichbäume zu Tal an die Sagemühlen drunten am Fluß, in einer uns un­verständlichen Sprache, nicht französisch, nicht spa­nisch, rufen sie uns laut ihren Gruß zu. Dann tauchen wir ein in die herrlichsten Laubwälder, wie man sie in ganz Südfrankreich vergebens sucht, in kühnen Serpentinen geht die stundenlange Fahrt weiter hinan. Immer gewaltiger türmen sich die Berge auseinander, immer dürftiger wird die Vege- tatton, längst haben Eichen und Buchen strengem Nadelwald und karger Heide Platz gemacht, immer armseliger werden die Dörfer. Am Wegrande grasen stattliche Rinderherden, berittene Hirten, jeder ein­zelne ein Don Quixote, halten ihre Tiere mit langen Stangen und lautem Geschrei zusammen. Weite Rarzissenselder kündigen das Hochplateau an, das sich dem Pyrenäenkamm diesseits vorlagert. Mont Louis, ein kleines, ärmliches Lergstädtchen, bann etwas weiter ein fast schon verfallenes Fori, über ihm die französische Trikolore, bas letzte Hoheitszeichen Frankreichs vor der spanischen Grenze. Hier, unter dem gewaltigen Massiv der schneebedeckten Pyre- näengipfel, in diesen vielfach zerklüfteten Berg- schluchten, diesen armseligen Grenzstädtchen und Hiriendörsern. hier ist der Schauplatz der aUer- Ken politischen Ereignisse, an denen die drei chnermächte des westlichen Mittelmeerbeckens, Spanien, Frankreich und Italien, beteiligt und alle drei auf das engste interessiert sind.

Spanien und Frankreich, die sich in den Besitz dieses Grenzberglandes seit Jahrhunderten teilen, kennen beide eine separatistische Bewegung. In Frankreich ist es die Provence, die sich auch heute noch, allen zentralistischen Bestrebungen der Pariser Regierungen zum Trotz, dank ihrer uralten Kultur, dank ihrer durch Jahrhunderte lang treu erhaltenen und sorgsam gepflegten Sprache und einer Geschichte, di- sich an den entscheidenden Punkten vielfach im Gegensatz zum französischen Königtum entwickelte, durch ein starkes landschaftliches Eigen- gesühl auszeichnet. Hier in Avignon, fast hundert Jahre Sitz der Päpste, in Arles und Rimes, den Hauptstädten des allen Königreichs Arelat der römi­schen Kaiser deutscher Ration, fühlen sich die Be­wohner auch heute noch, trotz allem Gemeinsamen mit Frankreich, zuerst als Provenzalen, bann erst als Franzosen. Gerade hier pflegt man nicht sonder­lich gut zu sprechen von der Pariser Regierung und dem Zentralismus des modernen Frankreich. Aber man ist weit davon entfernt, diesen Separatismus der Kultur, der Idee, der schließlich doch nicht viel mehr als ein besonders stark ausgeprägter Lokal- patriotismus ist, auf das politische Gebiet zu über­tragen.

Ganz anders drüben in Spanien. Hier ist Ka­talonien, die Küstenprovinz in der Nordostecke her Halbinsel, der Sitz einer separatistischen Bewe- aung, die schon fast so alt ist, wie die Geschichte des spanischen Reiches selbst. Aus den Tagen, da Kata­lonien der wichtiEste Pfeiler der sog.spFnischen Mark" Karls des Großen war, bewahrt es bis in die Neuzeit eine eigene Sprache, die dem Prosen- gälischen ähnlicher ist als dem Spanischen. Nur ge­zwungen läßt es sich dem geeinten spanischen Reiche Ferdinands und Isabellas eingliedern und bildet, seitdem Philipp V., der erste Bourbone auf Spa­niens Thron, ihm seine liberale Verfassung nahm, einen Herd politischer Unruhen und empörerischer Umtriebe gegen die kastilische Herrschaft. Kein Miß­erfolg in der äußeren Politik Spaniens, keine Nie­derlage in Marokko, keine inneren Schwierigkeiten, ja kein Regierungswechsel, ohne daß es nicht in Kata­lonien gärte, ohne daß nicht die Katalanen geheime Verschwörungen oder gar offenen Aufstand versucht hätten, um das verhaßte kastilische Joch abzuschüb teln ober wenigstens im Rahmen des spanischen Reiches eine Autonomie für ihr Land zu erringen. So ist die katalanische Frage zum wichtigsten Pro­blem der inneren Politik Spaniens geworden, das für die heute Regierenden um so schwieriger wird, als gerade Katalonien mit seiner Hauptstadt Bar­celona der Sitz der wichtigsten Industrien des Reiches und infolgedessen auch der größten Zu- fammenbalhmgen des modernen Jndustrieproleta- riats ist. Dadurch bekommt heute die katalanische Bewegung eine stark soziale Färbung. Der Kampf zwischen Kapital und Arbeit läuft den Kämpfen um die politische Befreiung parallel; neben die politischen Kampsformen der Verschwö­rung und des Militärputsches treten die gewerk­schaftlichen des Generalstreiks. Die Ursachen dieser eigenartigen Entwicklung liegen einmal tief in den geographischen Besonderheiten Kata- Ioniens begründet und zum andern in derDolks - vsyche des Katalanen, die ihn von den Bewohnern Des übrigen Spaniens mehr trennt, als Sprache, geschichtlicher Werdegang und wirtschaftliche Ent­wicklung cs je vermocht hätten.

Die katalanische Landschaft, die zwischen dem Riesenwall bet Pyrenäen unb ber Küste einge- zwängt ist, wendet ihren Blick dem Meere zu. Die

Italien und die Affäre Garibaldi.

Garibatdis Verhaftung.

Paris, 5. Aov. (WT2.) DerMarin" teilt über die Ursachen der Verhaftung des Obersten Ricciotti Garibaldi mit: Die Pariser Polizei erhielt Ende Oktober von offizieller ita­lienischer Seite Kenntnis, daß ein Italiener namens Scievoli. der angeblich im Dienste des Vruders Ricciotti Garibaldis in Paris stand, sich nach Italien begeben habe und beabsichtige, Mussolini zu ermorden. Er traf am 17. Oktober in Nizza ein und setzte sich dort mit Garibaldi in Verbindung. Dieser stellte ihn in antifaszistischen Kreisen mit der Bemer­kung vor, daß er einen vertraulichen und wich­tigen Auftrag habe. Am 24. Oktober stieg in Nizza unter dein Namen Pisacane ein an­geblicher Kaufmann aus Florenz ab, der in Wirk­lichkeit de r Generalinspekteur der Mailander Polizei Lapolla War. La- polla gab sich auf dem französischen Polizei- lommissariat zu erkennen und erklärte, die fran­zösische Grenze ohne Genehmigung überschritten zu haben, um Scievoli zu beobachten. Bei Durchsicht des Gepäcks Lapollas taufte je­doch ein a u f den Hamen Scievoli lau­tender Pah und eine Anzahl neuer Tausend- lirescheine gefunden. Lapolla wurde daraufhin ausgefordert, Frankreich zu verlassen. Er empfing jedoch in seinem Hotel kurz vor seiner Abreise zur Tleberraschung der franzöfischen Ge­heimpolizei den Besuch des Ober st en Ga­ribaldi. Garibaldi gab dieser gegenüber zu, daß er von Lapolla 100000 Franken erhalten habe. Garibaldi stand nod) mit Be­amten des italienischen Ministeriums des Innern in Verbindung und hatte wahrscheinlich auch D e - Ziehungen z u dem katalonischea Se­paratistenkomplott. Auf Grund dieser Verdachtsmomente wurde Garibaldi verhaftet.

Die Vernehmung.

Paris, 6. Nov. (WTV. Funkfpruch.) Bei der gestrigen Vernehmung des Obersten Garibaldi durch die französische Sicherheitsbehörde soll dieser laut Journal gestanden haben, daß er durch Vermitt­lung des italienischen Polizeibeamten Lapolla, der in Nizza von der französischen Sicherheiisvölizei ersucht wurde, schleunigst nach Italien zurückzurehren. der italienischen Regierung ver- pflichtet gewesen sei. von der er im ganzen ungefähr 500 000 Franken erhalten habe. Garibaldi habe auch zugegeben, in freundschaftlichen Beziehungen zu den, Chef der katala­nischen Separatisten, Ober st Fran­cesco Maria gestanden zu haben. Hebet die Angelegenheit des in Nizza festgenommenen Scie­voli befragt, dessen Pah in dem Gepäck des italie­nischen Polizeibeamten Lapolla gesunden worden ist, hat Garibaldi ausweichend geantwortet.

Nach demPetit Parisien scheint Scievoli der Verbindungsmann zwischen Gari­baldi und den italienischen Behörden gewesen zu sein. Ein Waffengefährte erklärte übri­gens demPetit Parisien", daß nach seiner Ansicht Garibaldi sich aus Geldnot der italieni­schen Polizei zur Verfügung g e jt eilt habe. Er habe aber keine Geheimnisse ausplaudern können. Offenbar habe er gleichzeitig der italienischen und der französischen Regierung gegenüber, wie auch anderen Ländern Versprechungen gemacht.

Garibaldi ist übrigens gestern nachmittag in Paris angekommen unb sofort vor den Direktor der Sicherheitspolizei geführt worden. Bei seiner An­kunft in Paris waren die Mitglieder der Vereini­gung der G a r i b a t d i a n e r, die in den begonnen ?ieEämpft haben, am Bahnhof anwesend und erklär­en:Riciotti Garibaldi ist niemals unser 0 b e r ft gewesen. Sein Bruder P e p p i n o war cs, der die Mission führte. Garibaldi ist schon seit zwei Jahren aus unseren Listen gestrichen wor­den, da er unsere Mitglieder zu politischen Zwecken habe benutzen wollen. Mir haben im Jahre 1924 von Schriftstücken Kenntnis bekommen, nach denen Riciotti eine bedeutende Geldsumme von einer ausländischen Partei erhalten

haben soll, um gegen die Führer des Faszismus ein Komplott zu schmieden, wir legen wert daraus, zu betonen, daß wir nichts mit ihm zu tun haben.

Garibaldis Ziele.

Erklärungen Minister Sarrauts.

Aach Schluß deS heurigen Ministerrates er­klärte Ömrennnmfter ©arraut, daß. sobald die polizeiliche Llntersuchung gegen den Obersten Garibaldi abgeschlossen sein werde, das Gericht darüber zu befinden haben werde, ob Anlaß vorliege, gegen ihn ein Verfahren einzuleiten. Bereits jetzt scheine ein Zusammenhang mit den Vorgängen in Aizza und dem Komplott an der spanischen Grenze festzustehen. DerQyorid'.en" will wissen, daß Minister Sarraut weiter erklärt haben soll, der katalonische Putsch sei durch Gari­baldi angezettelt worden, dadurch, daß er eine Organisation in Spanien habe schaffen wollen, die ähnliche Ziele wie der italienische Faszismus haben sollte, habe er versucht, die Verant­wortung für diese Ereignisse auf Frank­reich abzuwälzen, um dann die italie­nisch-spanische Entente wieder zu f e st i- aen, die sich seit einiger Zeit etwas gelockert habe.

Die katalanischen Verschwörer.

Aussagen Marias.

Paris, 5. Aov. (WTB.) Wie aus Per­pignan berichtet wird, ist der separatistische Staatsstreich brs ins einzelne sorgfäl­tig vorbereitet gewesen. 600 Separatisten hätten am Mittwoch früh unter ^leberschreitung der Grenze die Feindseligkeiten gegen d i e regulären spanischen Truppen eröffnen sollen, um auf diese Weise die spanischen Streitkräfte längs der ©ren^e abzu­lenken und Barcelona von regulären Trup­pen zu ent bloßen, während dort Anhänger bereit gewesen wären, einzugreisen. In Roussillon ieiert drei oter vier Waffen- un d Muni- tionsverstecke angelegt, worden. Die fest­genommenen Separatisten seien weder gefangen, noch befinden sie sich in Tlntersuchungshaft. Sie werden lediglich seitens der Verwaltungsbehörden in Gewahrsam gehalten, damit ihre Identität nachgeprüft und sie über ihre Pläne befragt werden formen. Die Sicherheitspolizei teilt übrigens mit, daß Oberst Macia bei seiner Vernehmung erklärt habe, er sei die Seele der Bewegung gewesen, und er übernehme die volle Verantwortung. Alle anderen Persönlichkeiten hätten nur seine Befehl: ausgeführt. Im übrigen erHärte Macia dem Präfekten, seine Anhänger seien eine Gruppe katalanischer Separatisten und Idealisten und hätten nichts gemein mit Revo­lutionären. Er machte weiter Angaben darüber, wo sich auf französischem Boden Waffen- und Munitionsverstecke befänden. Oberst Maria hat sich ehrenwörtlich verpflichtet, leinen Fluchtversuch zu unternehmen und wird daher seinem Wunsche entsprecheird zusammen mit seinem Generalstab nur in der Präfektur von Perpignan in Gewahr­sam gehalten.

Aus den Aussagen bei den noch immer an­dauernden Verhören hat sich ergeben, daß die Beziehungen zwischen Garibaldi st en und Kataloniern durch den ehemaligen General der faszistischen Miliz, Deltramie, angeknüpst worden sind, der sich unter den in Perpignan verhafteten Personen befindet und der sid) von Mussolini getrennt hat, als dieser begann, die Freimaurerlogen zu bekämpfen. Aach den Aussagen der Verhafteten soll sich ergeben haben, daß die Gelder für die Verschwörung hauptsäch­lich aus dem Auslande stammten.

Ruhe in Spanien.

Paris, 6. Aov. (Wolff.) Aach einer Ha- vasmeldung aus Barcelona soll in Spanien alles ruhig fein. Die Regierung habe strenge

Maßnahmen getroffen. Zwei Regimenter feien an die Grenze abgegangen, zum Terl nut her Aufgabe, nach verborgenen Wasfendepots zu for­schen. Die Grenze werde streng über­wacht. Keine französische Zeitung ginge nach Barcelona, und die spanischen Zeitungen, dre streng zensiert würden, sprächen nicht von dem Separatistenkomplott. Die katalonischen Kreise blieben der Bewegung des Obersten Macia ge­genüber gleichgültig.

Verschärftes Regime in 3ta ien.

Die Todesstrafe für Attentäter.

Rom, 5. Aov. (LU.) Der heute vormittag zusammengetretene Ministerrat beschloß einstim­mig auf Vorschlag des Innenministers Federzoni weitgehende, sofort in Kraft tretende Polizei- mahnahmen gegen die Antifaszisten. Die Polizei­maßnahmen umfassen u. a. folgende Punkte:

1. Die Suspendierung aller oppositionellen Tageszeitungen und Zeitschriften;

2. die Auflösung aller oppositionellen Par­teien, Vereine und Organisationen;

3. eine Aufenthaltsbeschränkung für alle die­jenigen Personen, die gegen den Staat und dessen Organisationen konspirieren;

4. alle Ausiandpässe für Italiener sollen ein- gezogen werden;

5. es wird eine strenge Ueberwachung der' Grenzen angeordnet und bei den Kom­mandos der Miliz ein politischer Polizei­dienst eingeführi.

Der Ministerrat nahm ferner die vom Justiz- minifter Rocco auSgearbcitete Gesetzesvorlage über die Verteidigung des Staates an. Die wich­tigsten Bestimmungen dieser Ge^tzeSvoriage sind die Einführung der Todesstrafe für Delikte gegen das Geben und die Freiheit deS Königs, der Königin, des Kronprinzen und des Ministerpräsidenten. In ber Gesetz eVorlage sind ferner Zuchthausstrafen für Anstif - tung und Begünstigung und Beihilfe zu den vorerwähnten Delikten vorgesehen. Zucht­hausstrafen sind weiter vorgesehen gegen die­jenigen, die versuchen sollten, die aufgelösten Parteien und Vereine, sei es auch in anderen Ländern und in anderer Form, toicjer ins Leben zu rufen. Auch für diejenigen, die vom Aus­lande aus falsche, übertriebene Aach- richten, die die Sicherheit und die Interessen des Staates gefährden, verbreit?n, sind Zucht­hausstrafen vorgesehen. Der wichtigste Punkt der Gesetzesvorlage Roccos ist derjenige, daß über die im Gesetz vorgesehenen Delikte Kriegsge­richte entscheiden, deren Vorsitzende aus der Generalität und deren Deisitzende aus der Miliz gewählt werden. In der AachmittagLsitzung des Ministerrats wurde ein vollständiges R.Virement aller Präfekten beschlossen. Die Präfekten sollen in Zukunft nuraus der faszistischen Partei, die von allen unsicheren Elementen gereinigt wird, entnommen werden.

DerTribuna" zufolge hat ber Unterrichts- minifter auch eine Untersuchung gegen die als Gegner des Faszismus bekannten Universitäts- professorcn angeordnet. Pro. Cosmo, Mit­arbeiter derStampa" von Turin, ist im Zu­sammenhang mit dieser Untersuchung in den Ruhestand verseht worden. ImCorr'ere d'Italia" verlangt ein Abgeordneter, daß alle Professoren, die der Freimaurerei angehört ha­ben oder noch angehören, ihres Amtes ent­hoben werden.

Mussolini übernimmt das Innenministerium.

Rom, 5. Noo. (WB.) Im Ministerrat teilte Mussolini mit, daß Federzoni und D i s c a l e a ihn gebeten haben, ihre Demission als Innen­minister bzw. Kolonialminister anzunehmen. Musso­lini hat die Demission angenommen und dem König oorgeschlagen, Federzoni zum Kolonial- minifter zu ernennen. Das Jnnenministe-

Weite des Meeres, die Verbindungen mit den auf weit höherer wirtschaftlicher Stufe stehenden Nach­barvölkern, die großartigen Häfen, ein für Land­wirtschaft und Weinbau günstiges Hinterland, reiche Erzvorkommnisse aller Art im niedrigen Küsten­gebirge, das alles waren Vorbedingungen für eine wirtschaftliche Entwicklung, die Katalonien weit über die übrigen spanischen Provinzen heraushob. Dazu kommt, daß das katalanische Volk fleißig und streb­sam, gut vorgebildet und wirtschaftlich tüchtig eine moderne Industrie aufgebaut hat, die in dem übrigen Spanien, nicht ihresgleichen findet. Das hat dem Katalanen gegenüber dem Kastilianer oder dem Aragonefen die außerordentliche wirtschaftliche Ueberlegenheit gegeben, der sein mit großer Leiden­schaft und großem persönlichen Mut geführter Kamps die gefährliche Stoßkraft verdankt.

Wenn wir nun hören, daß in der wildzerklüf­teten Berglandschaft, die wir oben kurz zu skizzieren versuchten, einige hundert katalanische Führer s e st - genommen wurden, weil sie eine Verschwö­rung gegen Spanien und das Regiment Primo de Riveras planten, so ist bas an sich kein beson­deres Ereignis in der an derartigen Umfturzver- sucken reidien Geschichte Spaniens. Interessant ist dabei jedoch, wie schnell die französische Po­lizei die Verschwörer hatten im französischen Grenzgebiet ihre Vorbereitungen getroffen und woll- | ten bann einen bewaffneten Vorstoß über bie Py­

renäen unternehmen mit großer Energie z u - gegriffen hat unb sich bes Obersten Macia und seiner Komplizen bemädjtigte. Man hat es in Paris nicht immer so eilig gehabt und oft recht gern spanischen Verschwörern willkommenes Asyl ge­währt, um der Madrider Regierung keine Unge­legenheiten zu ersparen. Diesmal scheint jedoch den französischen Behörden die bisher geübte Politik des laissez faire bedenklich zu sein, l^ißt es doch, daß auch Bewohner Perpignans, der südlichsten franzö­sischen Hafenstadt an der Ostküste, und französische Katalanen des Gebirges mit den Verschwörern Hand in Hand gingen. Das Ziel war also offenbar weniger ein Sturz der Diktatur Primo de Riveras als der alte katalanische Separatis­mus, der auch vor der französischen Grenze nicht Haltmacht, sondern über die Pyrenäen hinweg auf die zumeist von Katalanen bewohnten französischen Grenzdepartements übergreift.

Interessant ist weiter noch an dieser begreiflicher­weise schon im Keim erstickten Bewegung die Be­teiligung zahlreicher Italiener, und die damit in Verbindung gebrachte Verhaftung Ricciotti G a - ribaldis in Nizza. Der Name Garibalds hallt feit den italienischen Unabhängigkeitskämpfen überall da wieder, wo ein Volk um Recht und Freiheit ringt Hier jedoch bekommt die Beteiligung Ricci- ottis einen anderen Anstrich. Garibaldi spielte in italienischen Emigrantenkreisen eine Hauptrolle. Er

galt als ausgesprochener Feind des Faszismus und glühender Republikaner. Er fall auch wegen seiner republikanischen Einstellung den katalanischen Ver­schwörern Hilstruppen aus den Reihen seiner Freunde zur Verfügung gestellt haben. Nun ist die französische Polizei durch Zufall auf enge B e - Ziehungen Garibaldis zu einem hohen italienischen Polizeibeamten gestoßen, von dem er in den letzten Tagen 100 000 Franken erhalten hat. Weniger diese Tatsache, als die Gründe für die Geldüberweisung aus dem faszi­stischen Lager haben zu seiner Vernehmung und späteren Verhaftung geführt. Es wird zwar vor­läufig behauptet, daß Garibaldi der römischen Ne­gierung alles verraten habe, was in den Kreisen der Emigranten vorgehe. Viel naheliegender ist aber der Gedanke, Garibaldi sei von faszistischer Seite benutzt worden, um durch Unterstützung der Katalanen der französischen Regierung Schwierig­keiten zu bereiten. Bis jetzt liegt noch ein undurchsichtiger Schleier über der Garibaldi-Affäre, den man erst lüften wird, roenn1 man in Paris genau weiß, in welcher Richtung der Verhaftete für die Faszisten gearbeitet hat. Sollte es sich allerdings bestätigen, daß Garibaldi beauftragt war, Frank­reich Unannehmlichkeiten zu bereiten, dann ist wohl damit zu rechnen, daß die Pariser Regierung, die sich bisher Italien gegenüber auffallend zurückhielt, eine andere Tonart anschlagen wird.