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Don Riga geht es wiederum um Mitternacht weiter nach Pernau. Unterwegs passiert man die Stadt Walt. Früher interessierte dieses recht abstoßende Rest keinen Menschen. Heute ist sie zu einer Art Berühmtheit gelangt nach­dem Mister Simpson, der Obmann der est-lett- ländischen Grenzkommission, sein salomonisches Urteil über sie gefällt hat, sein Ucterl, ras im Gegensatz zu dem biblischen Präzedenzfall auch wirklich ausgeführt wurde. Bitten durch Walk geht nämlich die Grenze zwischen Est­land und Lettland. Wer an der Straße wohnt, welche die Grenze bildet und zudem die ilnge= schicklichkeit hatte, sein Herz an eine schone Rach- barin von Disavis zu verlieren, der tonnte sich bis vor kurzem einen Passierschern besorgen^ wenn er seine Auserkorene besuchen wollte, und das war wegen der Lästerzungen doch nicht immer angenehm. Jetzt freilich ist das nicht mehr so schlimm denn Auslandspaß und Disum finB im Verkehr zwischen den beiden Nachbarn und Bun­desgenossen abgeschafft. Die Walkowiten waren über die Trennung freilich bald genug getröstet, denn der S ch m u g g e l erwies sich als em ganz anständiges Geschält, das seinen Mann schon er­nährt. In Walk steigt man in die Kleinbahn Spurweite 75 Zentimeter. Wer das fahren in ihr nicht gewohnt ist, den überläuft eine gerrnde Gänsehaut. Bergauf kommt man in Versuchung, zu Fuß voraus zu eilen, bergab aber vergeht einem Hören und Sehen, wenn das Züglein ein wahrhaftiges Aurmi-Tempo (jetzt muh man ja eigentlich besser Pelher-Spurt sagen) anschlagt.

Aach achtstündiger Fahrt ist Pernau er­reicht. In diesen 8 Stunden find ganze 150 Kilo­meter zurückgelegt. Pernau, ein Städtchen von zirka 20 000 Einwohnern, ist eine der ganz weni­gen Ortschaften hier, die ihren Lebenszuschnitt im Vergleich zur Vorkriegszeit nur verhältnismäßig wenig hat zurückschrauben müssen. Diesen Vorzug verdankt sie dem Umstand, daß sie auch vor dem Kriege mit Rußland ihrer schlechten Eisei^ahn- verbindung wegen so gut wie keine Geschäfts- beziehungen unterhalten hat und zudem über em flachs- und hvlzreiches Hinterland verfügt, von dem ihr bescheidener, aber solider Seehandel noch heute recht behaglich leben kann. Insbesondere ist die verhältnismäßig zahlreiche deutsche Be­völkerung Pernaus noch immer weit besser situiert, als die verarmten Volksgenossen in den allermeisten anderen baltischen Städten. Wie jede baltische Stadt hat auch Pernau seineMuhe", den deutschen Honoratiorenklub, in welchem man sich zum Dämmerschoppen oder auch zu einer ausgiebigeren Sitzung trifft, um Bacchus ein Lspser zu bringen. Und da die Pernoviter sich das noch öfter leisten können, geht es in der PernauerMuhe" auch noch recht lebhaft zu. Freilich sind auch hier ein rnähiges Bier und der gute estländische Schnaps zu einem kräftigen Imbiß die einzigen gangbaren Getränke. Eine Flasche Wein kann eigentlich niemand vor seinem Portemonnaie verantworten und wer es aus­nahmsweise doch könnte, der unterläßt es aus Rück­sicht auf andere weniger Glückliche. In Pernau läßt es sich aber nicht nur wegen der Muhe recht angenehm leben. Prächtig sind hier die sehr ausgedehnten, sehr gut gepflegten Anlagen am Strande. Die Esten haben den Ehrgeiz, es in allen Dingen den Finnländern gleichzutun und so geben sie sich auch die erdenklichste Mühe, das Volk an Sauberkeit und Ordnung zu gewöhnen. Mit Hilfe von recht strengen Polizei­strafen ist ihnen das denn auch ziemlich gut ge­lungen. Butterbrotpapier, leere Zigaretten­schachteln und zerbrochene Flaschen gehören wenigstens zu den Dingen, die auf Wegen und Rasenplätzen nickt zu sehen sind. Reizvoll ist in Pernau auch die innere Stadt. Kontore und Läden sind hier vielfach von Generation zu Generation in der gleichen Familie vererbt wor­den und ihre Besitzer haben es nicht an Pietät

Professor Voronoffs Affeuzüchtere?.

Lin Jnllroiew mit dem Meister der Verjüngung. Bon unserem Pariser W. S.-Korrespondenten.

Ist es ein Zufall, daß es unter den Aerzten und Botanikern, die sich vornehmlich mit dem Problem des Lebens und des Todes, der Unsterblichkeit und der Verjüngung beschäftigen, so viele Russen gibt? Oder ist diese Tatsache auf die russische Psychologie zurück­zuführen und die Vorliebe der Russen für die Phi­losophie? Metschnikofs, der in seinem Laboratorium in Odessa sich fast ausschließlich mit der Unsterblich­keit befaßte und jahrelang Nachforschungen darüber anstellte, wie das Leben eines Individuums, allen Naturgesetzen zum Trotz, verlängert werden könnte, hat heute zwei Nachfolger in Paris: der eine ist Metalnikoff, der hauptsächlich das Leben der Pro- tozoeme studiert, der andere Dr. Serge V o r o n o f f, der mit seinen sensationellen Verjüngungsopera­tionen Weltruf errang. Ersterer arbeitet gegenwär­tig im Institut Pasteur und hat kürzlich ein neues BüchImmortalite et rejeunissement dans la Biologie moderne herausgegeben; letzterer ist seit 1918 Professor am berühmten College de France. Metalnikoff ist vor den Bolschewisten aus Rußland geflüchtet! Voronoff lebt schon seit seinem 17. Jahre in Paris, zusammen mit seinem Bruder Georg, der selbst Arzt ist und ihn in seinen wissenschaftlichen Forschungen unterstützt. Voronoff hat auch die Pa­riser Universität absolviert.

In der letzten Zeit ist der Name Voronoff in Paris wieder in aller Munde, besonders seitdem bekannt geworden ist, daß er an der Riviera eine eigene Affenzüchterei errichten wollte. Auf zwei Pa­riser Bühnen zugleich spielt man gegenwärtia Vo­ronoff, im Tbeätre de la Madeleine macht der Docteur Miracle Abend für Abend volle Hauser. Es gibt kaum einen Komiker in Paris, der die Der- jüngungsoperationen nicht in allen Tonarten be­sänge: es ist ein zu dankbares Thema.

Professor Voronoff wohnt in der Nähe des Etoile, in der Avenue Bugeaud. In einer besonders vornehm ausgestatteten Wohnung mit mehreren Laboratorien und Operationsräumen arbeitet er an der Verjüngung der Menschen. Es ist ein Mann

den alten Stammhäusern gegenüber mangeln lassen. Daher kommt es. daß man in Pernau so manche unverschandelte Fassade in sch lick) ter Bür­gerrenaissance oder behäbig kleinstädtischen Barock sieht, so manches alte reichgeschnitzte Portal.

Wer von Pernau weiter nach Reval will, hat die Wahl zwischen Dampfer, Kleinbahn oder Auto. Wir wählen das letztere, schon weil die Reise so rund viermal schneller vonstatten geht. Unterwegs machen wir einen kurzen Besuch bei einem enteigneten Gutsbesitzer, der, wie so viele, viele andere nur das karg bemessene Ansiedler­stück übrig behalten hat. Der Hof ist unter den neuen Besitzern verwahrlost, die Wirtschafts­gebäude verfallen. Am trübseligsten schaut das einst so stattliche Herrenhaus drein. Erst nach einigem Umherirren in den früher so stattlichen Sälen und Zimmern, die teils zu Küchen, teils zu Speichern und teils zu Schrllzimmern umge- wandelt sind, finden wir durch einen dunklen Keller die Treppe zu den zwei Räumen, die der frühere Besitzer mit seiner zahlreichen Familie nod) bewohnen darf. Auch diese muh er demnächst verlassen und er baut sich bereits neben seinem einstigen Herrensitz ein sehr, sehr bescheidenes Häuschen.Aber das ist dann wenigstens mein eigen, meint er tapfer. Wir haben uns viele Jahre nicht gesehen und der Fragen gibt es kein Ende. Arbeiten müssen sie alle wie die ein­fachen Knechte. Die jüngsten Kinder als Dieh- hirten, die größeren auf dem Felde und im Hause. Die älteste Tochter, ein bildhübsches Mädchen, hat eben die Schule beendet. Ihr sehnlichster Wunsch, sich zur Kunstgewerblerin ausbilden zu lassen und so den Grund zu einer eigenen Existenz zu legen, kann nicht erfüllt werden. Sie muß der Mutter in der Wirtschaft helfen und den jüngeren Geschwistern die Lehre­rin ersehen. Wie die Leute es bei ihrer bitteren Armut überhaupt noch ermöglichen, den Jungens und Mädchen eine gediegene Schulbildung zu verschaffen, das begreife ein anderer. Aber e s geht. Sich nicht unterfriegen lassen, den Kin­dern den Wiederaufstieg in die höheren sozialen Schichten zu ermöglichen, ist das mit eiserner Konsequenz und völligem Verzicht auf jeden Schimmer von Einst verfolgte Ziel. Sie werden es erreichen.

Je mehr wir uns Reval nähern, um so karger wird die Landschaft. Wenn sie nicht so flach wäre, wie der Handteller, könnte man glauben, auf einer Hochgebirgsebene zu fein. Aur statt des Knieholzes Wacholdergestrüpp, statt Ba­salt oder Granit Kalksteingeröll und Findlings­blöcke. Das ist Harrten, der Revaler Kreis, wie er von den Russen umbenannt wurde.In Harrten, da leben die Kargen" sagt ein alter estländischer Spruch. Erst ganz dicht vor Reval wird die Landschaft wieder freundlicher, die Gegend fruchtbarer.

Reval hat sich äußerlich wenig verändert, seit es die Hauptstadt eines selbständigen Frei­staates geworden ist. Unverändert ragt St. Olei in wundervoller Schlankheit fast bis in die Wol­ken empor, unverändert majestätisch und drohend wuchtet der Domberg üper der Stadt. Hier ist geschichtlicher Boden und jeder Stein erzählt von einer stolzen Vergangenheit. Wie oft haben sie dich berannt, die Esten, die Moskowiter und die Schweden, wie oft aber auch warst du die Stätte, wo Fehden zwischen Adel und Bürgern, zwischen Orden und Bischöfen ausgetragen wurden. Roch heute gilt auf dir ja dasLandrecht" und unten dasStadtrecht". Hier auf dem Dom hatte noch bis vor kurzem der Landadel seine Stadthäuser. Heute trifft man die alten geschicht­lichen Aamen nur noch vereinzelt an den Haus­schildern. Sie haben neuen weichen müssen, auch eine der indirekten Folgen der Agrarreform. Auch in der unteren Stadt hat sich dev mittel­alterlich-deutsche Charakter äußerlich wunderbar schön erhalten. Roch stehen die spitzgiebeligen

von etwa 50 Jahren, glatt rasiert, ein echt russischer Typ, mit klugen Augen, schon etwas kahl.Ich bin es gewohnt, daß man sich über mich lustig macht," meint er verbindlich lächelnd,ausnahms­weise aber haben die Zeitungen dieses Mal recht: ich werde tatsächllch eine Affenfarm an der Riviera einrichten, und zwar in der allernächsten Zeit. Falsch ist indessen alles, was man im Zu­sammenhang damit über meine Affenexperimente in den Zeitungen weiter geschrieben hat. Ich brauche viel mehr Affen, als ich mir heute ver­schaffen kann, vor allen Dingen muh ich mich frei­machen von einer englischen Firma, die mit die Affen verschafft und es versteht, mich glänzeitd geschäftlich auszunützen".Wie unterscheidet sich, Herr Professor, Ihre Derjüngungsmethode von der des Professors Steinach in Wien?"Diese Frage ist für den Laien nicht leicht verständlich zu beantworten. Beide arbeiten wir an den Versuchen, die Funktionen der abgezehrten Drüsen wieder zu beleben. Professor Steinach erfrischt die Drüsen durch einen operativen Eingriff, ich operiere aus dem warmen Körper lebender Affen die Drüsen heraus und wiederbelebe mit diesem lebensfähigen Drüsenstoff die Funktionen der ab­gezehrten menschlichen Drüsen. Durch diesen Ein­griff verjüngt sich der Mensch in vielen Fällen, während der Affe kurz nach der Operation ein­geht. Ich kann also lediglich nur operieren, wenn mir genügend Affen zur Verfügung stehen." Und welche Affenarten benötigen Sie für Ihre Operationen, sind dies bestimmte Rassen?" Selbstverständlich kommen nur die sogenannten Menschenaffen in Frage, aber auch die nur mit Einschränkungen. Merkwürdigerweise scheidet der Gorilla fast vollständig aus, ebenso der Orang- Utan in den allermeisten Fällen. Ich bin ledig­lich angewiesen auf den Schimpansen und seine Verwandten. Die mir die Schimpansen liefernde englische Firma ist nicht imstande, mir genügend lebendig gefangene Schimpansen zu verschaffen. Diele davon sind unbrauchbar, besonders trenn sie zu jung oder schon zu alt sind. Ein beson­derer Mangel besteht an lebendig gefangenen Schimpansenweibchen: dies ist der äußere Grund, weswegen ich die Zahl meiner weiblichen Klien­ten auf ein Minimum reduzieren muh."Und weshalb wollen Sie, Herr Professor, diese Afsen-

Patrizierhäufer, noch zieht die alte Stadtmauer mit ihren unzähligen Türmen und Türmchen fast um die ganze Innenstadt einen steinernen Ring. Aur dieDicke Margarethe", der klobige Turm an derStrandpsorte" ist hohläugig geworden. Die Bolschewiken haben sie ausgebrannt und nod) ist sie nicht restauriert worden. Trotz allem und allem pulsiert aber auch in Reval noch ein kräf­tiges deutsches ßeben. Sie wollen sich nicht unterfriegen lassen und sie werden es nicht, denn sie sind zäh, die Deutschbalten, und ihre Geschichte war seit je ein schier verzweifeltes Ringen auf äußerstem Vorposten. Mit diesem Bewußtsein schließen wir unsere Feriensahrt ab und kehren heim zur Arbeit des Alltags.

Oberhessen.

Lanvkreis Gießen.

:: Aus dem Busecker Tal, 5. Oft. Die <5pätf utter ernte hat in diesem Jahre alle Erwartungen übertroffen. Der Stoppelklee ist soweit herangewachsen, daß er eine vorzügliche Ernte ergibt und sogar schon Blütenköpfe trägt. Die älte­sten Leute können sich nicht entsinnen, daß im Okto­ber noch Stoppelklee auf der Beite gelegen hat zum Dürrmachen. Die im Vorsommer auf Winter- samenäcker gesäte Futtergerstc haben einzelne Landwirte infolge der reichen Kleeernte nicht be­nötigt und ausreifen lassen, so daß jetzt diese Gerste zum Ausdrusd) der Körner geschnitten werden kann. Ebenfalls sehr gut ist die Maisernte. Der Mais, der im Frühsommer sehr unter der Nässe und der kalten Witterung gelitten hatte, hat sich prachtvoll entwickelt und eine Höhe erreicht, wie in wenigen Jahren. Stengel von drei Meter Höhe sind keine Seltenheit; in Oppenrod wurde auf gut ge­düngtem Boden Mais von 3,75 Meter geerntet, und in Großen-Buseck hat man sogar solchen von 4,20 Meter gemessen.

: Oppenrod, 5. Oft. Der Bau unse­res Kirchturms geht seinem Ende entgegen. Das Einholen der neuen Glocken wurde in feierlicher Weise vollzogen. Nachdem die Glocken vor unserem Dorfe angenommen waren, wurden sie burd) die Schulkinder mit Mumen geschmückt und unter Begleitung von Schulfindern und Erwach­senen in feierlichem Zuge in das Dors eingeholt. Vor der Kirche wurde Halt gemacht. Der Ortsgeist­liche, Pfarrer Kalb he nn aus Großen-Buseck, sprach zu Herzen gehende Worte, Gemeinde und Schulkinder fangen Lieder. Die beiden Glocken hän­ge schon an ihrem Bestimmungsort. Das Probeläu­ten ist xur größten Zufriedenheit der Einwohner ausgefallen. Bis in wenigen Tagen wird auch die neue Turmuhr fertig 'einmontiert fein. Die Einweihungsfeierlichfeiten finden am nächsten Sonntag statt, bei günstigem Wetter auf dem Platz vor unserem Kirchlein. Der Superintendent für Oberhessen, Oberkirchenrat Wagner, wird vor­aussichtlich der Feier beiwohnen.

f ©riinberg, 5. Olt. Auf Einladung des hiesigen Landwirtschaftsamtes batten sich am Samstag zahlreiche Landwirte von hier und aus der Umgegend imRappen" ver­sammelt, um einige bedeutsame Vorträge über wichtige landwirtschaftliche Fragen zu hö­ren. Aach den Degrüßungsworten des Leiters des Landwirtschaftsamtes, Direktor T r aut- rn a n n , sprach zunächst Amtsveterinärarzt Dr. Stein- Gießen über die Diehtuberkulose. Eingehend schilderte er zuerst die verschiedenen Tubeickulosearten und deren Crkennungsmerkmale. Er wies weiter auf die Bekämpfungsmöglichkeiten hin und empfahl, keinen Viehwechsel vorzu­nehmen. sondern Auszucht zu treiben. Ferner be­tonte er die Zweckmäßigkeit dec rechtzeitigen' Impfung und die Rotwendigkeit guter und reich­licher Ernährung des Viehes, guter Stalluft und reichlicher Bewegung des Viehes im Freien. Di­rekt) r Traut mann sprach über M a h -

farm ausgerechnet an der Riviera anlegen?" Weil dort das denkbar beste Klima in ganz Europa hierfür herrscht. Ich habe lange nach einem dazu geeigneten Besitztum geiucht, jetzt habe ich es gesunden, es liegt direkt an der italieni­schen Grenze bei Vintimiglia im Borisso-Tal. Hier herrscht wohl das mildeste Klima der ge­samten Riviera."Haben Sie schon Miß­erfolge mit Ihren Operationen zu verzeichnen gehabt?"Ach, Sie meinen wohl die jüngsten Angriffe der italienischen Blätter gegen mich, anläßlich meiner Dortragsreise und einiger wohl- gelungener Operationen in Florenz? Ich darf Ihnen versichern, daß sich von meinen ge­samten bisherigen Drüienverpflanzungs-Opera- tionen bisher nod) keine als schädlich er­wiesen hat. Manche Operationen sind freilich erfolglos geblieben, zum größten Teil deshalb, weil mir das geeignete Tiermaterial nicht zur Verfügung stand. In den meisten dieser Fälle war das Alter der Affen nicht immer genau festzustellen und entsprach daher nicht dem Alter des Patienten."Und was sind Ihre Pa­tienten?"Leute aus allen Teilen der Welt. 1925 habe ich allein in Paris 200 Menschen operiert. Gegenwärtig operiere ich wöchentlich 5 bis 6 Patienten, so daß ich in diesem Jahre in Paris wohl 300 bis 350 Operationen zu machen haben werde."Handelt es sich hierbei um eine ausgesprochen schwierige Operation?" Keineswegs. Die gesamte Operation ist durchaus keine große Sache. Sie nimmt kaum eine Stunde Zeit in Anspruch. Unzählige Patienten melden sich, ich könnte vielen von ihnen helfen, wenn mir genügend Affen zur Verfügung ständen. Am schlimmsten ist es mit den Schimpansenweibchen. Auf jedes einzelne, das jetzt noch in den Ur­wäldern Afrikas herumklettert und für mich ge­fangen werden soll, sind schon mindestens 50 Frauen vorgemerkt, die sich verjüngen lassen wollen."Und was kostet eine solche Opera­tion, Herr Professor?"Selbstverständlich sehr viel Geld. Allein, jeder Affe, den ich für die Operation benötige, kostet mich 315 000 Frank. Sie können sich also selbst den Kostenpunkt einer solchen Operation leicht ausrechnen."

Die Verjüngung ist also nicht nur eine Assen-, sondern auch eine Geldfrage. Die Adresse des

nahmen zur Förderung der Ge­sundheit des Viehes. Besonders beschäf­tigte sich der Redner mit dem Hallen des Diehes in kleinen und großen Ställen und mit der Zucht in der hiesigen Gegend. Entschieden ver­urteilte der Vortragende die planlose Kreu­zungsmethode, wie sie hier und da herrscht. Für unsere Höhenlage käme nur das Rotvieh und der mittlere Schlag der Simmenthaler in Betracht. Weiter beschäftigte sich der Redner mit den Fragen der Dullenhaltung und emp­fahl dringend, reinrassiges Vieh zu züchten und der Milchleistung in Qualität und Quantität größte Aufmerksamkeit zu schenken. Diplom-Land­wirt Wien-Köln sprach über Rentabili­tätsfragen der Landwirtschaft und zeigte an Hand von Filmvorführungen die Vor­teile, die der Landwirtschaft bei der richtigen Ver­wendung künstlicher Düngemittel zuteil werden. Sämtliche Vorträge wurden von der aufmerk­sam lauschenden Zuhörerschaft mit starkem Bei­fall belohnt. Der Gemeinderat beschäftigte sich gestern eingehend mit verschiedenen Fra­gen des Diehmarktes auf dem in Kürze bevorstehenden Gallusmarkt. Heber die er­forderlichen Maßnahmen wurde Beschluß gefaßt. An dem ursprünglich gefaßten Beschluß betr. die Führung der Autostraße durch den Baum­garten, Dismarckstraße usw. will der Gemeinderat festhalten, jedoch kleinere Aenderungen ncch ge­statten. Ende dieses Monats soll an dem Ge­denkstein für den im Weltkrieg gefallenem General Steinmetz, eines geborenen Grün­bergers, eine Feier stattfinden. Der Gedenk­stein ist bereits mit einer Widmung für den gefallenen General versehen.

ch Lich, 5. Oft. Seit einigen Wachen liegt der an der Gießener Straße befindliche Albacher See trocken. Die großen Schilfmassen, die der See in sich birgt, werden eben durch Landwirte aus den benachbarten Ortschaften Steinbach, Albach und Burkhardsfelden eingeerntet und abgefahren. Das Schilf, das in früheren Jahren namentlich von Kü­fern gekauft wurde, dient heute als Streumittel für das Vieh. Es wurde durch die Fürstliche Verwal­tung in Losen an die interessierten Landwirte ab­gegeben. Mit dem Abschnsiden der Schilfmassen ist den Staren, die sich hier zu vielen Tausenden aus der nahen und weiten Umgegend einfanden, der all­abendliche Zusammenkunftsort genommen. Sie haben indes einen kleinen Ersatz gefunden in dem Schilf des vor einigen Jahren neu angelegten Tei­ches, wenige Minuten westlich des großen Teiches. Auch der größere Teil des auf dem großen Teich lebenden Wassergeflügels ist auf den neuen Teich Übergesiedelt. In den frühen Morgenstunden und während der Abenddämmerung kann man unge­zählte dieser Teichbewohner beobachten. Am meisten vorhanden ist das grünfübige Rohrhuhn (Gallinula chloropus) und das Bläßhuhn (Fulica atra) mit dem rabenschwarzen Gefieder und der glänzend weißen Hornplatte an der Stirn. Nakursreunden ist ein Herbstgang an diese Teiche sehr zu empfehlen.

# L i ch, 4. Oll. Wie in früheren Iahrem, so fanden auch diesmal wieder unter Leitung der Lehrer die Reichsjugendwettkämpfe der Schulen statt. Cs beteiligten sich daran die Schüler der beiden letzten Jahrgänge und der zu Ostern konfirmierten erweiterten Klasse, im ganzen 48 Knaben und 62 Mädchen. Von diesen gingen 21 Knaben und 17 Mädchen als Sieger aus den Kämpfen hervor. Für die Knaben war ein Fünfkampf: Lauf (100 Meter), Weitsprung (4 Meter), Ballwurf (50 Meter mit Schlagball) und zwei Geräteübungen (Reck und Darren); für die Mädchen ein Dreikampf (volkstümliche Uebun- gen) vorgeschrieben. Am schwächsten waren die Leistungen im Balliverfen, das besonders den Mädchen gar nicht liegt. Unter den Knaben er­rang Wilhelm Starck mit 86, unter dry Mäd­chen Karoline K ü b l e r mit 59 Punkten den ersten Sieg,

Pariser Verjüngungsprofessors steht in keinem Pariser Adreßbuch, auch nicht im Televhonver- zeichnis. Kein Türschild in der Avenue Dugea 'd bezeichnet seine Wohnung, trotzdem geht man dort immerwährend ein und aus. Unendlich groß ist die Zahl der Menschen, die sich von ihm verjüngen lassen wollen.

Frankfurter Theater.

Der R u b i T o n", eine dreiaktige Komödie von Eduard Dourdet, gelangte im Aeuen Theater zur Erstaufführung. Diese Komödie strotzt von Eindeutigkeit; es werden die pein­lichsten Dinge besprochen und immer wieder aufs genaueste zum Gegenstand des Dialoges ge= macht, daß man die Lacher im Zuschanerraum ob ihrer Heiterkeit bewundern muh. Der Inhalt ist so dünn in Idee und Aufbau, daß er kaum für drei Alle ausreicht und infolgedessen starker Streckung bedarf. Ein junges Paar kommt von der Hochzeitsreise zurück, sie ist jedoch nur der äußeren Form nach die Gattin ihres Mannes geworden. Ein Jugendfreund ersd)eint auf der Bildfläche und glaubt mit Erfolg der Dritte im Bunde zu werden, als er aber um das Ge­heimnis dieser Ehe von der jungen Frau er­fährt, bekommt er Angst, weist sie auf den Weg der Pflicht und stellt sich selbst als lockenden Preis jenseits des Ufers in Aussicht. Natürlich kommt anders, der Rubikon wird überschritten, das Ehepaar geht das zweitemal auf die Hoch­zeitsreise, und der allzu schlaue Liebhaber geht leer aus. Drei Akte werden mit diesen, recht wenig geschmackvollen Problemen angeiüdt, und die Durchsichtigkeit nimmt dieser Komödie Ben; eventuellen witzigen Beigeschmack. Die Auffüh-' rung unter der Regie Max O p h ü l s gab sich redlich Mühe, etwas aus dem Stück herauszu- holen, das gleiche gilt von der Darstellung. Die markanteste Erscheinung des Abends war der Jugendfreund Francois Karl Günthers; er war eigentlich der einzige, der in diese Komödie Humor brachte. Hertha Hambach, in eleganter Aufmachung, entledigte sich ihrer Ausgabe ein wenig kühl. Auch Paul Oe Ilers schien sich in der undankbaren Rolle des Gatten nicht so recht wohl zu fühlen. Das Publikum war aber anderer Ansicht und amüsierte sich. L. W.