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Mittwoch, 6. Oktober 1926

176. Zahrgang

Nr. 234 Erstes Blatt

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Gießener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle

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Chefredakteur

Dr. Fnedr. Will). Lange. Dcrantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Gange; für Feuilleton Dr H.Tbyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein; für den An« zeigenteil i.Dcrtr. H. Beck, sämtlich in Gießen.

GietzeimAiijeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

Vn:S und Verlag: vrühl'sche Univerfitatr-Vuch- und Steindruckerei R. Lange in Sietzen. Schnftleitung und Geschäftsstelle: Zchulftratze 7.

Inhaberin eines Mandats _ für Tanganjika sei in mancher Hinsicht viel starker, als die durch Annexion während des Krieges erreichte. Kein anderer Mandatar könne die Vorteile bieten die Großbritannien geben könne. Es müsse darauf hingewiesen werden, daß in britischen Kreisen heute wenig Unterschied bestehe zwischen dem Mandatssystem und dem der Verwaltung bri­tischer ^leberseebesihungen seit lange vor dem Kriege. Die Zukunft Tanganjikas liege in dem Zusammenwirken mit dem übrigen Teil Ost­afrikas.

Italien beansprucht das Togo­mandat.

Paris, 6. Oh. ($11.) Aus französischen diplomatischen Kreisen verlautet, daß während der Zusammenkunft in Livorno Mussolini sich dahin geäußert hätte, daß für den Fall, daß die Frage der Neuverteilung der Mandate im Völkerbund zur Erörterung kommt. Italien seinerseits das Mandat über Togo for­dern werde.

Der Rücktritt Severings.

Die Nachfolge im preußischen Innenministerium und die Frage einer Regierungsumbildung.

ziehung der beiden Staaten in das paneuropäische Z o l l s n st e m muß unter Berücksichtigung der welt­wirtschaftlichen Zusammenhänge und der gemein­samen Interessen einvernehmlich geregelt werden. Der bereits gemeldete Antrag zur Sicherung des kulturellen Lebens der nationalen Minder­heiten gelangte gleichfalls einstimmig zur An­nahme. Der Ausschuß für Politik und Minderheiten stand unter der Leitung des Reichstagsabgeordneten Dr. Mittelmann, zu dessen Stellvertreter ein französischer Delegierter bestimmt war. Die Wahl je eines Vertreters Deutschlands und Frankreichs in den Vorsitz des Ausschusses war mit großen Beifall ausgenommen und ihre Bedeutung von Dr. Mittelmann besonders heroorgehoben wor­den. Der Führers der französischen Delegation, D e l a i s y , hatte sich aus diesem Anlaß auch persönlich im Ausschuß eingefunden, um- seine Freude darüber zu bekunden und ihr in einer An­sprache Ausdruck zu geben, worin er die Wahl als Beweis zunehmenden freundschaftlichen Zusammen­arbeitens zwischen Deutschland und Frankreich be­zeichnete.

Am Dienstag hielt der Kongreß seine letzte Sitzung ab, in der der Schriftsteller Emil Ludwig das einleitende Referat hielt. Eine Reihe verschie­dener Vorträge der Delegierten folgte. Die Tagung schloß mit einer stürmischen Kundgebung für Cou- denhove-Kalergi, den Gründer der paneuropaischen Idee. Einen Empfang veranstaltete der deutsche Ge­sandte in Wien, Graf Lerchenfeld. Erschisnen waren Vizekanzler Waber, Altbundeskanz­ler Seipel, Präsident des Nationalrats Niklas die Gesandten Riedl und Eichhoff, der Ob­mann der Großdcutschen Volkspartei Wottwa , der Präsident des Paneuropa-Kongresses Gras Eoudenhove, der Präsident des deutschen Reichstags Lobe, der vormalige deutsche Reichs­kanzler Dr. Wirth, Staatssekretär G o e h r e, die deutschen Reichstagsabgeordncten Frau Lüders. Dr. M i t t e l m a n n und K r o h n e sowie namhafte Vertreter der Wiener und auswärtigen Presse und die Herren der Gesandschaft.

Der Paneuropa-llongreß.

W i e n , 5. Okt. (WTB.) Der Ausschuß für Po­litik und Minderheiten des Paneuropa-Kongresses nahm einstimmig eine Resolution an, worin es heißt, daß jede Lösung der Paneuropa-Fraae den ganzen geographischen, historischen, wirtschaftlichen und kulturellen Zusammenhängen zwischen England, Rußland und dem übrigen Europa Rechnung tragen müsse. Soweit die Aus­nahmestellung dieser beiden Staaten ihre Einglie- rung in Paneuropa nicht gestattet, ist das Ziel der Paneuropa-Union, welche grundsätzlich jede aggrei- sive Einstellung gegen andere Staaten und Staaten­gruppen ablehnt, die enge Zusammenarbeit mit den beiden im R a hm e n eines Völker­bundes auf der Basis eines west-östlichen Lo- carnosystems. Insbesondere die Frage der Einbe-

gerichtsdirektor Eichhoff genannt wird. Das Verbleiben der Minister H i r t s i e f e r (Volks­wohlfahrt) und Steiger (Landwirtschaft) gilt einstweilen als sicher. Ebenso dürste der gegen­wärtige Ministerpräsident Vraun im Amt blei­ben. Den ursprünglichen Plan, dem jetzigen preu­ßischen Finanzminister Dr. Höpker-Aschoff das Innenministerium zu geben, und dadurch das Finanzresfort für die Volkspartei sveizumacheir, hat man vorläufig fallen gelassen, de» besonders von den Regierungspar.e.en die Ansicht ver­treten wird, daß Minister Höpker-Asch.'fi gerade wegen der schon eingeleiteten Verhandlungen für den Finanzausgleich an seinem Posten bleiben müsse.

Für morgen vormittag 10 Uhr sind die Fraktionen zu Besprechungen im Landtag versammelt. Es steht allerdings noch nicht fest, ob hierbei schon zu der Frage der Regierungs­umbildung irgendwelche offizielle Stellung ge­nommen werden wird. Die sozialdemokra­tische Fraktion des preußischen Landtages beschäftigte sich Dienstag abend mit der Frage der Rachfolgerschaft für Severing, dessen Rück­tritt Mittwoch, an dem die Plenarverhandlungen des Landtages wieder aufgenommen werden, be­kanntgegeben wird. Die Entscheidung dürste in der für Mittwoch vormittag 11 Uhr anberaumten Sitzung der Fraktion selbst erfolgen. In dieser Sitzung wird auch die Hohenzollernfrage durch-- gesprochen und voraussichtlich entschieden werden.

Berliner Pressestimmen.

Berlin, 6. Okt. (Wolff.) In den Artikeln, die dem scheidenden Minister Severing gewid­met sind, wird seine Amtstätigkeit in Preu­ßen je nach der Parteistellung der Blätter be­urteilt. DieDeutsche Zeitung" schreibt: Ohne Zweifel hat Severing an der Spitze des eigentlichen politischen Ministeriums in Preu­ßen ein ungewöhnliches Maß von Zielbewußtsein und Energie ent­wickelt. Im ganzen war Severing als Staats­minister bewußter und rücksichtsloser sozialdemokratischer Parteimann. ImLokalan-ei ger" heißt es: Severing soll wahrheitsgemäß bescheinigt werden, daß er mit reinen Händen den Staatsdienst wieder verläßt. Jedoch betont das Blatt, daß die Amtstätigkeit Severings schärfste poli­tische Bedrückung seitens eines Regimes gewesen sei, das angeblich auf Freiheit und Gleichheit gegründet sei. DieSägt i«ch e Rundschau" hebt hervor, daß Severing, wenn er auch in seiner Ministersteliung jeder Zeit ein Partei mann gewesen sei, die Ruhe und Ordnung im Staate auch in schweren Zeiten aufrecht erhalten habe. Das Berliner Tageblatt" sagt: Wir hosten, daß der Dag der Rückkehr Severings zu ak­tiver politischer Betätigung bald kommen wird. Rach demVvrwärt s" hat Severing in langen und an unendlich harter Arbeit rei­chen sechs Jahren erreicht, daß das einstige Preußen der Junker heute als der festeste Hort der demokratischen Republik Deutschland dasteht.

England und die deutschen MomcüLMfprüche. Nm Dentsch-Tstafrika.

London, 5. Okt. (Wolff.) DieTimes" ver­öffentlicht eine Zuschrift, in der es nach einer - Erörterung der deutschen Ansprüche auf Kolo­nien u. a. heißt: Wenn die wiederholten Er­klärungen A m e r h s, des Kolonialstaatssekretärs, daß das Tanganjikagebiet (das ehemalige Deutsch-Ost-A-rcka) jetztein integrierender 1 Teil des britischen Reiches ist", er­füllt werden sollen, müssen unverzüglich Schritte unternommen werden, um die Entwickln n g dieses Gebietes zu fördern in der Richtung, die sicherstellt, daß die britischen Ansiedler die Mehrheit der weißen Bevölke­rung bilden. In einem Leitartikel zu dieser Zuschrist schreibt dieTimes" über die Zu­kunft Tanganjikas u. a., das Unbehagen einer Anzahl Ostafrikaner, daß die britischen Ansiedler in Tanganjika im Intersse eines guten euro­päischen Einvernehmens preisgegeben oder verschachert werden könnten, fuße nicht auf irgendwelchen begründeten Annahmen. Zunächst ist Großbritannien ein Mitglied des Rates, der allein und zwar durch einstimmigen Beschluß irgendeine Hebertragung eines Kolonialmandates arrangieren kann. Deutschland hat als Mit­glied des Völkerbundes theoretisch das Recht, Mandatsmacht zu sein, genau so wie jedes andere Mitglied, z. D. Holland oder Italien, aber ö r e bereits zugewies enen Mandate sind keineswegs zeitlich begrenzt worden. In der Praxis müßte, bevor ein Gedanke an eine Veränderung auch nur erwogen wird, ein überzeugender Grund gefunden werden, aus dem der augenblickliche Inhaber eines Mandats * ersucht werben soll, seine Verwaltung aufju- geben. DieTimes" bemerkt, die Bedeutung der Kolonialpartei in Deutschland dürfe nicht überschätzt werden und drückt schließlich die lleber- zeugung aus, die Stellung Großbritanniens als

Der preußische Innenminister Seve­ring hat dem Ministerpräsidenten Braun am Diene tag offiziell sein Rück­te i i t s g e s u ch überreicht.

Die Meldung von dem bevorstehenden Rücktritt des preußischen Innenministers Severing hat in politischen Kreisen nicht überrascht, da ja bereits seit längerer Zeit die Absicht des Herrn Severing, wegen seines erschütterten Gesundheitszustandes zu demissionieren, bekannt war. Nach verschiedenen anderen Löfungsoerfuchen hatte man angenommen, daß Minister Severing endgültige Entschlüsse erst nach der Berliner Polizeiausstellung fassen würde. Ursprünglich bestand nur die Absicht, unter voller Aufrechterhaltung des jetzigen Ministeriums nur den Austausch von Persönlichkeiten vvrzu- nehmen. In Anbetracht der analogen Bestrebungen im Reich wurde dann aber auch die Umbildung der preußischen Regierung in den Kreis der Erwägungen gezogen. Daraus erklärt es sich, daß die erste Fühlungnahme über die Regierungs­verbreiterung nicht offiziell durch die Fraktionen, sondern nur in persönlichen Unterhal­tungen einzelner Abgeordneter erfolgte. Nach dem gegenwärtigen Stand der Dinge,ift es noch keines­wegs sicher^ daß das Rücktrittsgefuch des Ministers Severing die Frage einer Umbildung der preußi­schen Regierung im Sinne der Großen Koalition zur Folge haben wird, da die Vorbesprechun­gen noch keineswegs abgeschlossen sind. Vor allem muß der Landtag erst wieder versammelt sein, dessen Plenarsitzungen bekanntlich am morgi­gen Mittwoch wiederbeginnen. Erst dann werden die Fraktionen zu diesem Problem Stellung nehmen können. Es ist infolgedessen verfrüht, schon von irgendwelchen Ministerliften zu sprechen, obwohl bc- reits in den Vorbesprechungen gewisse Wünsche zur Sprache gekommen sind. So wird von feiten der Sozialdemokratie für das preußische Innenministe­rium nach wie vor als aussichtsreichster Kandidat der Lüneburger Regierungspräsident Dr. Krüger genannt. Neben ihm nennt man auch den Berliner Polizeipräsidenten G r z c s i n f k i. Es scheint jedoch, daß einstweilen Herr Krüger die größeren Aussichten, besitzt, weil man sich auch in Kreisen der Sozial­demokratie nicht der Ansicht verschließt, daß die be­vorstehenden größeren innerpolitischen Probleme an dieser Stelle einen Mann mit langer Dermal- tv.ngspraris erfordert. Krüger ist besonders bekannt als Schöpfer des Reichssiedlungsgesetzes und als Kommentator des Reichsheimstättengesetzes. Es wird auch besonders beachtet, daß er besonders für die Frage der großen Verwaltungsreform reiche Er­fahrung mit sich bringt.

Soweit bisher aus den Kreisen der Deut- schen Dolkspartei bekannt geworden ist, ist sie zur Uebernahme der Regierungsverant- ! Wortung nur bereit, toenn ihr entsprechende Zu­sagen für die Mitarbeit auf entscheidenden Ver- wÄtungsposten gegeben werden. Man scheint da­mit zu rechnen, daß der Volkspartei besonders zwei Ministerien zufallen sollen, nämlich das Unterrichtsministerium, für das als aussichts­reichster Anwärter der frühere Minister Dö­litz in Frage kommt, sowie das Justizministe­rium, für das verschiedentlich der Kasseler Land­

Klärung in China.

Langsam beginnt sich daö chinesische Chaos I des ewigen Bürgerkriegs zu klaren. Die lang vorbereitete Offensive der Kanton- armee hat weite Gebiete Zentralchinas unter die Gewalt der südchinesischen nationalrevolutio­nären Regierung in Kanton gebracht, und Peking und SchaiMai gelten bereits als bedroht. Rach Wupeifus RiedeÄage scheint aber Tschangtso- I i n, der als Protege Japans die Mandschurei und Peking beherrscht, seine schlecht entlöhnten und verwahrlosten Truppen nicht mehr gegen die nach russischem Muster auS gebildete Kantonarmee ins Feld stellen zu wollen, zumal sich die japanische Chinapolitik aus die Macht der nativ- nalrevolutionaren Idee Kantons, die sich vor allem 4n der Studenten- und der Arbeiterschaft über das ganze 400-Millionen-Reich ausbreitet, eingestellt hat. Rach Meldungen auS Tokio steht Tschangtsvlin auf japanische Initiative m i t d e r Kantonregierung in Verhandlun­gen, die darauf hinausgehen sollen, daß sich Tschangtsvlin auf sein eigentliches Machtgebiet, die Mandschurei, an der Japan allein interessiert ist, konzentriert und das übrige China den gegen Peking vordringenden Kantontruppen überwßt. Qltit der Bildung einer nativ- nalrevvlutivnären Zentralregie­rung in Peking hat daun Japan das eine er­reicht, daß sich die Fremdmachte, die heute noch mit ihren imgleichen Verträgen die reich­sten Teile Chinas beherrschen, zurückziehen müssen. Am meisten hat England in China zu verlieren. Richt umsonst hat die englische Kauf­mannschaft in Hongkong und Schanghais auf eine Flottenaktion gegen die fremden feindlichen Kan- tontruppen in Loudon gedrängt. Japan hat diese Aktion aus begreiflichen Gründen abgelehnt.

Inzwischen ist der im Vorjahre von Tschang- tsolin und Wupeifu geschlageneChristengeneral" Fengyusiang nach mehrmonatigem Aufent­halt in Moskau wieder nach der Mongolei zu seinen Truppen zurückgekehrt. Es ist nur noch eine Frage der Zeit, daß General Fengs Truppen in der Provinz Shansi die Verbindung mit den gegen Peking vorrückenden Truppen des Kanton- aenerals Tschangkaishek ausgenommen Ha­ven werden, um gemeinsam in Peking einmar- > schieren zu können. Feng ist schon vor Wochen in l den Vorstand der in Kanton herrschenden Kuo- min-Partei eingetreten. Die Einheitsfront der national-revolutionären Chinesen gegen die schwache von den fremden Mächten abhängige Pekinger Legierung und gegen die von aus­ländischem (Selbe lelxnden Generale und Provinz­gouverneure ist damit Tatsache geworden.

Dieser Tatsache scheint auch England gerecht werden zu wollen, betin Gerüchte aus dem Fernen Osten sprechen davon, daß die reiche englische Kaufmannschaft in Hongkong für die Aufhebung des antibritifchen Boykotts der Kantonregierung eine beträchtliche Anleihe gewährt hat, und daß sich das Londoner Kabinett mit der Frage vertraut gemacht hat, ob es nicht besser sei, heute schon die machterringende Kantonregierung anzuerkennen. England muß nämlich fürch­ten, daß die Sowjet-Anion, di; geistig und materiell den chinesischen Freiheitskampf unter Kantons und Fengs Führung unterstützt, den Lohn für ihre chinesische Unterstützung damit ein­streichen kann, daß eine russisch-chinesische Front gegen das englische Weltreich in Asien in nicht ferner Zeit gebildet werde.

Italiens Forderungen an Frankreich.

Die Stellung der Italiener in 9torbnfrila.

Paris, 6. Oft (TU.) In französischen polt- lifchen Kreisen verlautet, daß bei den Besprechungen zwischen Italien und Frankreich, die zur Zeit aleich- zeitig in Paris und Rom durch die beiderseitigen Botschafter geführt werden, von italienischer Seite folgende vier Forderungen aufgestellt werden:

1. Verlangt Italien eine Abänderung des sran- zosischen Gesetzes, demzufolge die Linder der in Tunis lebenden Ausländer Franzosen werden müssen. Sie sollen statt dessen das Recht auf ihre ita­lienische Staatsangehörigkeit beibehalten dürfen;

2. fordert Italien die Aufhebung der Beschrän­kung für die Ansiedlung von Ita­lien e r n , die in Tunis und Marokko leben, und denen es bisher verboten war, Grund und Boden zu erwerben;

3. soll sich Frankreich verpflichten, die italieni­schen Forderungen auf dem Eisenbahn- bau in Abessinien zu unterstützen, und

4. soll der italienischen Regierung das Recht der konsularischen Kontrolle der in Frankreich lebenden Italiener eingeräumt werden.

Falls die französische Regierung in diese Forde­rung einwilligen würde, so wäre Italien bereit, den Status q u o im Mittelmeer ZU respektieren und in der Frage der deutsch-französischen Annähe­rung keine Schwierigkeiten zu machen. Wie ver­sichert wird, wären alle vier Forderungen für Frankreich unannehmbar.

Die langerfrage.

Ein neuer Schritt Spaniens.

Die ablehnende Haltung Englands und Frankreichs.

Madrid, 5. Oft. (LU.) Eine neue spanische Rote in der Tangerfrage präzisiert die Haltung Spaniens in dieser Frage. Spanien gibt hierin der Hoffnung Ausdruck, daß hie Tanger frage von den Kabinetten der direkt inter­essierten Mächte in günstigem Sinne für Spanien entschieden werden könne. Falls dies nicht der Fall sei, würde Spanien sich gezwungen sehen, das Problem in einer Form auszurollen, die eine definitive Lösung herbeiführen! müßte. Omi non es de Leon, der spanische Botschafter in Paris, hat genaue Instruktionen: erhalten, über die Einzelheiten jedoch noch nicht bekannt sind. Strenge Diskretion während der Verhandlungen wird von Regierunasseite als wünschenswert bezeichnet. Hebet die Besprechung Chamberlain-Driand werden, soweit sie das Tangerstatut betreffen, noch folaertbe Einzel­heiten befarmt: In der Frage des Tangerstatuts wäre zwischen beiden 6taat6maimem eine Eini­gung erfolgt. Danach hätten sich Frankreich und England geeinigt, jede neue Konfe­renz in der Tangerfrage abzulehnen. Die­ser Beschluß fei durch den Wunsch diktiert, die Beteiligung Deutschlands und Ruß­lands in einer gemeinsamen Besprechung zu vermeiden, da bei einer derartigen Konferenz auch diese beiden Staaten als Unterzeich­ner des Algecirasabkommens eigent­lich eingeladen werden mühten, was man natur­gemäß sowohl in Paris als auch in London vermeiden möchte. Die Frage des Tangerstalllts soll nur v on den Regierungen Eng­lands, Frankreichs und Spaniens re­vidiert werden. Dagegen hätte weder die eng­lische noch die französische Regierung etwas einzu­wenden, wenn Italien einen Vertreter in die administrative Verwaltungskommission nach Tan­ger entsendet.

Lord d'Abernon.

Englands erster Berliner Botschafter der Rachkriegszeit, Viscount d'Abernon, kehrt am Sonntag endgültig in seine engllsche Heimat zu­rück. Schon vor Jahr und Tag wollte er seinen verantwortungsvollen Posten verlassen, gab aber immer wieder dem Drängen der Londoner Regie­rung nach und blieb. Richt vergebens, hatte man Lord d'Abernon nach Berlin geschickt, dem es trotz aller Hindernisse und Schwierigkeiten ge­lungen ist, sehr bald die durch den Krieg aus- einanbergeriffcnen beiden Rationen wieder zu­sammen) u führen. Immer und überall hat er versucht, mäßigend und ausgleichend zu wirken, hat mehr als einmal Aktionen der Ententemächte die Spitze abgehoben. Die Berliner Regierung sieht ihn mit aufrichtigem Bedauern scheiden. Sein Rachfolger, der ehemalige Bot­schafter in Angora, R. Ch. L'mdsay, ist uns im großen und ganzen noch eine unbekannte Persön­lichkeit, doch darf man hoffen, daß er den voni Lord d'Abernon eingeschlagenen Kurs irmefcalten und ebenfalls alle Kräfte in den Dienst des deutsch-englischen Freundschaftsverhältmstes stel­len wird. Gerade die nächste Zukunft wird an den englischen Botschafter in Berlin sehr hohe An­forderungen stellen, gilt es doch, die in Öacamo begonnene und in Genf fortgesetzte Befriedungs­politik Europas zu einem vorläufigen Abschluß zu bringen, an dem namentlich auch England stark interessiert sein dürfte.