ft raten und fernes HangS zu Hochstapeleien nochmals mildernde Umstände zugebilligt! er wurde zu einer Gesamtstrafe von 6 Monat Gefängnis verurteilt.
Ebenfalls wegen Urkundenfälschung hatte sich ein kriegsbeschädigter Schuhmacher von hier zu verantworten, tim eine höhere Rente zu erlangen. legte er eine von einem hiesigen Schuh- machermeister angeblich ausgestellte Bescheinigung über Verdienstausfall dein Polizciaint zum Zwecke der Beglaubigung der tinterschrift des Meisters vor. Da aber der betr. Schuhmachermeister nicht selbst erschienen war, trug das Polizeiamt Bedenken. seinem Verlangen zu entsprechen. Durch Nachfrage stellte es fest, daß der betr. Meister die Bescheinigung garnicht ausgestellt hatte. Der Angeklagte verwickelte sich hinsichtlich der Herkunft des Schreibens in Widersprüche. Das Gericht sah für erwiesen an. daß der Angeklagte für den Fall, daß er nicht selbst die Fälschung begangen hatte, zum mindesten von der Fälschung Kenntnis hatte. Da er trotzdem hiervon zum Zwecke der Täuschung Gebrauch machte, wurde er wegen tirkundenfälschung in Anbetracht seiner bisherigen tinbestraftheit an Stelle von zehn Tagen Gefängnis zu 40 Mark Geldstrafe verurteilt.
Wirtschaft.
Das Ergebnis der Leipziger Herbstmesse. Die diesjährige Herbstmesse ist am Samstag zu Ende gegangen. Die Zahl der Aussteller belief sich auf über 8200, darunter über 500 Auslandfirmen aus 17 verschiedenen Ländern. Die Gesamtzahl der Geschäftsmesse-Desucher betrug annähernd 100 000. Von allen Messen seit der Stabilisierung hat diese Herbstinesse geschäftlich am meisten befriedigt. Die Messe stand offensichtlich unter dem Eindruck des beginnenden Konjunkturumschwungs. Die Stirn- mung war daher allgemein zuversichtlich. Wenn auch zunächst noch vorsichtig gekauft wurde, ist man der Ansicht, daß diese Herbstmesse der Vorläufer einer flotten Frühjahrsmesse war. vorausgesetzt, dah die allgemeinen Wirtschaftsverhältnisse sich weiter günstig entwickeln. Die optimistische Auffassung begründet sich darin, dah für das Weihnachtsgeschäft teilweise sehr ansehnliche Nachbestellungen erfolgten, ebenso für den weiteren Winterbedarf. Was den Export betrifft, so war der Ausländerbesuch für eine Herbstmesse überraschend lebhaft. Interesse bestand hauptsächlich für solche Waren, bei denen die Qualität wichtiger ist als der Preis, und worin die deutsche Produktion einen traditionellen Vorzug besitzt, so in Maschinen aller Art, in Photo- und Optik-Erzeugnissen, Präzisions-Instrumenten, feinen Textilwaren, hochwertigem Porzellan. Gummi-, Leder- und Luxuswaren, graphische Produkten sowie Eisen- und Stahl- Waren.
*
‘ Eine Anleihe der Stadt Mannheim. Der Mannheimer Stadtrat beschloß in seiner letzten Sitzung für den weiteren Ausbau der von dem Oberrheinischen Elektrizitätswerk betriebenen Linien die Aufnahme einer Anleihe von rund 15 Mill. Mark. Darunter fällt auch die Elektrifizierung der Danchfbahnstrecke Mannheim—Heidelberg—Weinheim. Die Zustimmung des Bürgerausschusses steht noch aus.
* Portland-Zementwerke Heidelberg. Der Aufsichtsrat hat beschlossen, der auf den 24. September einzuberufenden H. V. eine -Erhöhung des Aktienkapitals um 5 100 000 Nm. Stannnaktien auf 25 Mill. Nm. vorzuschlagen. Wie verlautet, sollen den alten Aktionären 2'475 000 Nm. neue Aktien im Verhältnis 1:8 ^zum Kurse von 110 Proz. zum Bezüge angeboten werden, die restlichen 2 625 000 Nm. sollen zur /Verfügung der Verwaltung bleiben.
* Rheinisch-Westfälisches Elek- -1 rizitätswerk A.-G., Essen. Obwohl die Abschlußarbeiten bisher noch nicht beendet sind, ist, wie der DHD. zuverlässig erfährt, mindestens mit derselben Dividende für das per 30. Juni abgelaufene Geschäftsjahr zu rechnen, wie im Vorjahre (8 Prvz.). Soweit sich bisher übersehen läßt, dürfte diese Dividende jedoch noch um 1 bis 2 Proz. erhöht werden. Die Lage der Gesellschaft sei auch auf finanziellem Gebiet befriedigend.
Stöcfentnxfe.
Vbne Gewähr.)
Datum:
5% Deutsche ReichSaulech« . <% Deutsche Rrtchsanleihe . 3'/,«/, Deutsche RetchSanlcihe 3% Deutsche ReützSaoleih« . Deutsche Sparprärmenanleihe 4% Preußische KonsolL • . . 4% Hessen . . .
Deutsche Wertb. Dollcrr-Lnl. dio- Doll.-Schav-Anweilug.*) 4»/o ZoMürken.........
5% Äoldmerstaner ....
Berliner Handelsgesellschaft. Commerz. and Prwat-Baok. Darmst. uud Nationalbaok . Deutsche Baak.........
Deutsche Vereins baut .... DiSconto Commandit .... Metallbau!...........
Mitte ldetstschr Kreditbank. . Oesterreichischc Srediianstall. Westbank............
Bochumer Guy ....... BuderiiS Coro ..........
Deutsch-Luxemburg Gelsenkirchener Bergwerke. . Harpencr Bergbau.....
Kaliwerke AscherSlebcu.... Kaliwerk Westeregeln. .... Laurahütte Oberbcdarf Phönir Bergbau ..... Roeinstahl...........
Nicbcck Montan .......
Tellns Bergbau......
Bereinigte Stahlwerke A.-G- Hamburg-Amerika Paket. . . Norddeutscher Llovd Theramtsche Werke Albin . . Zementwerk Heidelberg . . . Philipp Holzmanu .....
Anglo-Tont.-Guano Chemische Mäher Alapin . . y. G. Forbeninduslrie, A.-G. Goldschmidt..........
Holzverkohlung ...... NülgerSwerkc........
Schcldeanstalt «llg. Elektrizitätr-Gesellschaft Bergmann .....
Maiukrastwerke .......
Schuikerl
Siemens <t HalSbe .....
Adlcrwerke Klcyer ..... Daimler Motoren. ..... Hehligenstaedl.........
Megmn , Motorenwerke Mannheim
Frankfurter arma raren . . . Konservenfabrik Braun . . .
Schuhkabrik Herz.......
Sichel.........
Zellstoff Waldhos ..... Zuckerfabrik Frankenthal • . Zuckerfabrik Waabäusel . . .
ftrantfurt a.M
Berlin
Schlitz- flnre
l-Uhe- Aure
Schlutz- flirr»
Anfang Rxr<r
4.9.
6. 9.
4.9.
| 6. S.
0.485
0.4887
0.49
10,4925
—
—
0.435
1 0.46
—
—
0,4375
0.4575
0,49
—
0,5125
0,5075
0.26
—
0,2675
0,44
—
0,44
0.4625
0,40
—
0,46
—
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95,5
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46
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1 45,9
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—
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135.75
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_
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—
_
283,7*
275,7*
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108,1
107
108
107
52.1
52
122
117
119,75
115,25
164.75
159
—
160'
155,1*
159,5' |
153,7'
158,25
—
158,2*
154,5'
109.75
—
138.5*
132.5'
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99,5*
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—
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81
30
—
— |
_
48
—
48.12
—
40
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16,5
__
_
40,5
——
—
—
151.5
_
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95,9
—
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—
59,75
—
2,8
—
3,25 .
183 .
180
84,25 !
81,25
76
74
90,75
90,5
91,5
—
Berliner Börse.
Berlin, 6. Sept. Die Aktienmärkte erlebten heute seit längerer Zeit erstmalig wieder einen ausgesprochenen Baisse tag. Die seit einigen Tagen herrscheide Unsicherheit wurde durch verschie- dene wirtschaftliche und inncrpolitische Ereignisse in der neuen Woche noch verschärft und trug dazu bei, daß die Spekulation an einen Abbau der Engagements herangeht. Dieses Bestreben wurde noch durch eine unverkennbare A n s p a n - nung amGeldmarkteund gewisse Besorgnisse hinsichtlich des kommenden Quartals gefördert. Man icht dem Septemberultimo deshalb besonders kritisch entgegen, weil der Satz für Monatsgeld, das bekanntlich über den Ultimo läuft, eine Berstei- ung bis zu 7 Prozent erfahren hat und damit zweifellos eine größere Verknappung ankündigt. Bei der von allen Seiten zum Ausdruck kommenden Kaufunlust drückten die Abgaben empfindlich auf das Kursniveau. An den T e r m i n m ä r k t e n waren Rückgänge von 3 bis 4 Prozent fast die Regel: maßgebende Papiere gingen sogar ganz erheblich schärfer zurück. I.-G.-F a r b e n verloren 6 Prozent, und im Zusammenhang damit Rheinische Braunkohlen 10 Prozent, Riebeck-Montan 6, ferner Jlse-Bergbau 8, Schultheiß und Ostwerke je 6 Pro- zent. Einige Werte des B a u st o f f m a r k t e s büßten gleichfalls über 6 Prozent ein. Textilaktien hatten Verluste bis zu 7 Prozent. Die übrigen Werte wurde von diesen Rückgängen naturgemäß beein- lußt. Einen Ersatz für die an den Aktienmärkten nur geringe Verdienstmöglichkeit sucht die Spekulation neuerdings wieder am Markte der in- und
ausländischen 3Un te n, die seit langer Zeit vernachläsfigt waren. Wesentliche Steigerungen erzielten vor allem Rumänen und Ungarn. Heimische Staatsrenten lagen bemerkenswert fest. 3m Devisenverkehr war die spanische Valuta infolge der innerpolitischen Wirren erheblich abgeschwächt und notierte gegen London 22,38. Die lateinischen Valuten wiesen ebenso wie die übrigen Währungen keine nennenswerten Veränderunaen auf.
Devisenmarkt Berlin—Frankfurt a. M. Telegraphische Auszahlung.
_____________Banknoten.
4 Scptbr.
6. Sepibr.
Amtliche Geld
Dotierung Brief
Amtliche Notieruna
Geld
Brief
Anift.-Ron
168,19
168,61 1,697
168,19
168,61 -
Buen--Aires
1,693
1,693
1,697
Brff.-Antw-
11,65
11,69
11,62
11,66
Thristiania. Kopenhagen
91,93
92,17
91,93
92; 17
111,69
111,77
111,48
111,76
Stockholm . HelfingforS.
112,19
112,47
112,14
112,42
10,55
10,59
10,552
10,592
atattcn. . .
15,48
15,52
15,64
15,68
London. . .
20,369
20,419
20,37
20,42
Neuyork . .
1,194
4,204
4,193
4,203
Paris. . . .
12,41
12,45
12,365
12,405
Schweiz . .
81,05
81,25
81,06
81,26
Spanien . .
63,92
2,020
64,08
63,37
63,53
9qm ...
2,034
3,019
3,023
Rio de Fan. Wien in D.>
0.641
0.643
0.640
0.642
Oest. abgest.
59,325
59,365
59,13
69,37
Prag ....
Belgrad . .
12,418
12,458
12,418
12,458
7,405
7,425
7.407
7,427
Budapest. . Bulgarien . Lifftwon
6,88 J,04
5,90
3,05
5,875 3.04
5,895
3,05
21,395
21,445
.1,395
21,445
Danzig. . . Konstantin.
81,42
2,23
81,62
2,25
81,48
2,227
81,68
2,237
Athen-
4.75
1,81
4,89
4,91
Ccmada. .
4,199
4,209
4,197
4,207
Urngnan . .
4.185
4.195
4.185
4.195
Berlin, 4. Septbr.
Geld
Brief
Amerikanische Note» ..... Belgische Noten . ....... Dänische Noten ........ Englische Noten...... .
Französische Noten ...... Holländische Noten.....
Italienische Noten......
Norwegische Noten......
Deutsch'Ocsterr.,Lioo Kronen Rumänische Noten......
Schwedische Noten.....
Schweizer Noten.......
Spanische Noten.......
Tschechoslowakische Noten . . Ungarische Noten. ...
4,178 11,62
111,12
20,33 12,52
167,78 15,76 91,57 59.19
2,06 111,82 80,85 63,59 12,375 5,835
4,198
11,68
111,68
20,43 12,.58
168,62
15,84 92,03
69.49
2,10
112,38 81,25 63,91
12,435 5.875
frankfurter Börse.
Frankfurt a. M, 6. Sept. Tendenz, flau. Die Börse stand zu Wochenbeginn einem scharfen Kurssturz gegenüber, für den sich Anzeichen bereits in der Vorwoche durch die andauernde tinsicherheit geltend gemacht hatten. Nach den erheblichen Steigerungen der letzten Seit und den von der Spekulation eingegangenen umfangreichen Engagements macht sich jetzt ein starkes Abgabebedürfnis bemerkbar. Bei der allgemein vorherrschenden Zurückhaltung und dem wesentlich geringeren Interesse drückte das herauskommende Material erheblich auf das Kursniveau, um so mehr, als die Baisse- Spekulation Blanko - Abgaben vornahm und auch die Bankenkundschaft zu Realisationen Überging. Die Verluste waren besonders erheblich am Montanmarkt.- hier verloren Bochumer 10,5, Buderus 4, Deutsch-Luxemburg 8, Gelsenkirchen 6, Mannesmann 6, Phönix 8,5 Rheinische Braunkohlen 7,5, Nheinstahl 3 Riebeck-Montan 6,5 Prozent. Von Chemie- a ktie n waren I. G. Farben-Industrie gleichfalls scharf gedrückt und büßten 8 Prozent ein. Scheideanstalt minus 4,75 Proz.. Goldschmidt minus 1,1 Proz. Holzverkohlung blieben ziemlich gehalten. Auch am Elektromarkt kam es zu scharfen Rückschlägern AEG. minus 5 Proz., Acht und Kraft minus 7 Proz., Schllckert minus 6 Proz., Siemens minus 6 Proz. Von Bankaktien lagen Darmstädter 6 Proz. schwacher Deutsche minus 4,7 Proz.. Disconto minus 1,25 Prozent. Metallbau? minus 1,7 Proz., Commerz- Dank minus 2 Proz. Der Schiffahrtmarkt hatte Kursverluste von etwa 4 Prozent. Für variable Werte kamen die Rückschläge weniger scharf zum Ausdruck: die Rückgänge hielten sich zumeist in dem Ausmaß von 1 bis 2 Proz. Don Auto-Aktien iferloren Daimler 2 Proz.
c?0?1 bcr Sellstoff-Aktien waren Aschaffenburger 2,5 Prozent, und Waldhof 3 Prozent niedriger. Maschinen-Altien schwächten sich bis zu 1,5 Proz. ab. Zucker- a t t i e n blieben gehalten mit Ausnahme von
Frankenthal, die 1 Prozent nachgaben. Deutsche Renten zeigten sich gut behauptet. Kriegsanleihe 0,4883/4, Schutzgebiet 6,35. Der Auslandsrentenmarkt bot ein Bild großer Lebhafttgkeit und fester Stimmung. Gesucht und fest waren vor allem Rumänen, ferner auch Ungarn und Türken. Der Freiverkehr war umsatzlos. Deckerstahl 31 Prozent, Benz 79 Prozent, Growag 60 Prozent, Frankfurter Handelsbank 82,5 Prozent, tifa 41 Prozent, tintersranken 93 Prozent. Der weitere Verlauf brachte keine Aenderung der lustlosen und schwachen Stimmung. Vereinzelte leichte Besserungen blieben ohne Einfluß. Der Geldmarkt zeigte auch in der neuen Woche größere Flüssigkeit. Tagesgeld war angeboten zu 4 bis 4,5 Prozent, Monatsgeld 5,5 bis 7,5 Prozent je Adresse. Industrieakzepte 5.25 Prozent ermäßigt. Prioat- diskonten 4,75 bis 4,88 Prozent. Im Devisen» verkehr lag Paris bei einer Pfundparität von 163,50 unverändert, ebenso Brüssel mit 175 gegen das Pfund. Mailand war weiter befestigt auf 128,50 gegen London.
Frankfurter Uctreidchörfe.
Frankfurt a. M., 6. Sept. Es wurden r>o- t'ert. Weizen (Wetterauer) 27,50. Roggen (inl.) 21, Sommergerste für Brauzwecke 23 bis 26, Hafer (ml.) 18 bis 17,50, Mais (gelb) FS -frs 18,25. Weizenmehl (inl., Spezial 0) 40,75 bis 41,25 Roggenmehl 31 bis 31,50. Weizenkleie 9. Roggenkleie 10,50, Erbsen 32 bis 48. Linsen 45 bis 75. Heu (südd., gut. trocken) 7 bis 7.25. Weizen- und Roggenstroh (alt) 5,50 bis 6, Weizen- und Rvggenstroh (neu) 3,50 bis 4. Treber (getrocknet) 15,50. — Tendenz: abgeschwächt.
Frankfurter Schlachtvichrnarkt.
Frankfurt a. M., 6. Sept. Auftrieb: 1568 Rinder, darunter 372 Ochsen, 61 Bullen, 1135 Für- sen und Kühe, 522 Kälber, 173 Schafe, 3942 Schweine. Es wurden notiert: Rinder: Ochsen: oollfleischige ausgewachsene höchsten Schlachtwerts 58 bis 63; junge, fleischige, nicht ausgemästete und ältere ausgemästete 50 bis 57; mäßig genährte junge und gut genährte ältere 45 bis 49. Bullen: vollfleischige ausgemästete Färsen höchsten Schlachtwetts 50 bis 55; vollfleisckige jüngere 45 bis 49. Färsen und Kühe: vollfleischige ausgemästete Färsen höchsten Schlachtwerts 58 bis 62; vollfleischige ausgemästete Kühe höchsten Schlachtwerts bis zu sieben Jahren 52 bis 57; wenig gut entwickelte Färsen 47 bis 57; ältere ausgemästete Kühe und wenig gut entwickelte jüngere Kühe 42 bis 51; mäßig genährte Kühe und Färsen 30 bis 40; gering genährte Kühe und Färsen 20 bis 29. — Kalber: feinste Mastkälber 79 bis 85; mittlere Mast- und beste Saugkälber 70 bis 78; geringere Mast- und gute Saugkälber 60 bis 69. Schafe: Mastlämmer und Masthämmel 48 bis 50; geringere Masthämmel und Schafe 40 bis 47; mäßig genährte Hämmel und Schafe (Merzschafe) 30 dis 39. Schwein e: voll- fleischige von 80 bis 100 Kilogramm 85 bis 88; unter 80 Kilogramm 80 bis 84; von 100 bis 120 Kilogramm 85 bis 87; von 120 bis 150 Kilogramm 85 bis 87; Fettschweine über 150 Kilogramm 85 bis 87; unreine Sauen und geschnittene Eber 72 bis 78. Mk. Marktoerlauf: Rinder bei ruhigem, Kälber und Schafe bei lebhaftem Handel ausverkauft. In Schweinen mäßig reges Geschäft und geringer lleberftonb.
Büchertisch,
— Dr. med. Schumburg, Professor, Ober- generalarzt a. D. und Zentralarzt des Preußischen^ Beamten-Bereins: Aerztliche Ratschläge für ges und e und kranke Tage (im Verlag des Preußischen Dearnten-Vereins Hannover, Raschplatz 13). 439
Rundfunk-Programm
des Frankfurter Senders.
(Aus der »Ravio-timschau".)
Dienstag, 7. September.
10.30 bis 12 tihr: Konzert aus Kassel. 3.30 bis 4 tihr: Märchen und Legenden aus der heimatlichen Pflanzenwelt. 4.30 bis 5.45 tihr: Konzert des Hausorchesters: Millöcker-Operetten. 5.45 bis 6.05 tihr: Die Lesestunde. 6.30 bis 7 tihr: „Bienenzucht und Honig", Vortrag von Herrn. Ritter. 7 bis 7.30 tihr: Funkhochschule: „Körperliche tirsachen der Geisteskrankheiten", Vortrag von Prof. Dr. Ranke. 7.30 tihr: tiebertragung aus dem Frankfurter Opernhaus: „Rigoletto".
Sturm in Schmalebeck
Roman von Sophie Kloerss.
Copyright 1926 by Aug. Scherl G. m. b. H., Berlin. 15. Fortsetzung. Nachdruck verboten.
Erst, dem Sonntag zu Ehren, den Iubelpsalm:
„Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren."
Da lauschte Jlsebill auf und rieb sich den Schlaf aus den Augen, und dann begann sie vor sich hin zu lächeln und zu summen, denn was nachkam, war Beethovens unsterbliches Liebeslied:
„Ich liebe dich, gleich wie du mich Am Abend wie am Morgen, Noch war kein Tag, wo du und ich Nicht teilten unsre Sorgen."
Der arme alte Mann! Nie war ihm geworden, was er so lange ersehnte. Was für ein schweres Schicksal. — Ader vielleicht war seine Liebe immer so sanft und beruhigt gewesen wie jetzt. Leidenschaft --ach, die hatte er wohl nie empfunden. Ungerecht, wie die Jugend ist, und ohne Verständnis für die, die welk und still geworden, glaubte auch die schöne Ilse nur an die eigene junge Liebe. Und mit dieser jungen, ungeprüften Liebe in Sinn und Herren legte sie sich zurück in das Kissen und dämmerte noch ein bißchen hinüber in Träume.
Auch Frau Pastor Jessen hatte das Glockenspiel vernommen, hatte nicht wieder einschlafen können und saß am Fruhstückstisch sehr verstimmt ihrem Johannes gegenüber.
- Am Sonntag sollte er so was nicht spielen. Du mußt das ihm sagen. Als Kantor ist er doch so etwa« wie eine geistliche Person. Und dann immer die dummen Liebeslieder."
„Liebes Kind, du sprichst von Beethoven "
„Daß weiß doch von den Leuten hier kein Mensch."
„Die wissen ja überhaupt nichts von diesem Liede. Halten es wahrscheinlich für einen Choral " Pastor Jessen hatte nicht die geringste Neigung, den alten Herrn zu maßregeln.
„Ja, wenn man dich hört--Du willst auch
so werden wie Rottmann, der immer fünf gerade fein ließ. Mir ist es doch nur um dein Ansehen in der Gemeinde." Sie strich sich mit nervöser Be
wegung durch das früh ergraute Haar. „Das müßtest du mir doch zu Dank wissen. Aber bei niemand hat man Dank. Weder bei dir noch bei Riekchen." "Was ist mit Riekchen?" Jessen konnte das Gescholtenwerden stundenlang mit Gleichmut ertragen, solange es nur gegen ihn selber ging, aber die Tochter durfte nicht angerührt werden.
„Ich hab' ihr ein neues Kleid machen lassen, weiß mit Streublumen, wie Ilse Rottmann es sich aus Kiel mitgebracht hat — was soll die immer allein so fein gehen? —, und nun will sie es nicht anziehen und sagt, für ein ländliches Fest wäre das zu fein, und sie wollte nicht gegen die anderen ab- stechen."
„Laß sie doch anziehen, was sie will."
„Das ist so recht, wie ihr Männer seid. Kein Auge haft du offen, wenn es um die ganze Zukunft deines Kindes geht."
„Bitte, sprich deullicher."
Aber Frau Helene wollte nicht. „Und ich kann nicht immer alles allein tragen an Sorgen und — und--Ja, du solltest nur mal meine Nerven-
schmerzen haben. Der rechte Arm ist ganz lahm, seit ich gestern die große Wäsche geplättet hab."
„Du solltest ja auch nicht plätten. Wozu sind die beiden Mädchen da?" Er antwortete fast mecha- nisch. Seit fünfzehn Jahren und länger führte er den aussichtslosen Kampf großer Güte und Nachsicht gegen eine verwöhnte, verzärtelte, immer jarn- mernbe, immer nörgelnde Frau. Sie war seine Schülerliebe gewesen, und als sie chm, dem armen Kandidaten das Jawort gab, schien ihm die Erde schon ein Paradies. Jetzt kamen Stunden, wo er das Paradies gern nie besessen hätte.
"Nickt selber plätten! Ich möchte nur wissen, was aus unserer Wäsche würde, wenn ich nicht selber immer mithülfe. Wir können uns doch nicht alle Jahre neue Sachen kaufen. Wenn ich denk, wie es werden soll, wenn Riekchen eine Aussteuer braucht. — Du denkst natürlich nickt über so etwas nach. Dir gefällt es nur, wenn eine Frau immer vergnügt und elegant ist. So eine, die mehr für die Bewunderung her Herren da ist als für ihre Wirtschaft, die ist so was für dich."
Da mußte Pastor Jessen, Im Besitz des besten Gewissens von der Welt, doch lächeln. „Helene, du redest dich in die wunderlichsten Ideen hinein. Solche Frauen kenne ich gar nicht."
„Da braucht man gar nicht lange zu suchen. A^.me liebe Cousine Hanse, die ist immer so, wie ihr Manner euch die Frauen wünscht. Glaub nur nicht baß ich es nicht oft genug gesehen hab, wie eifrig du dich mit ihr unterhältst."
„So, nun aber Schluß." Pastor Jessen stand auf. J)eute war fein Reden mit seiner Helene. Und doch mußte man einen klaren Kopf und ruhige Gedanken behalten, wenn man in einer Stunde auf die Kanzel steigen sollte. „Daß du ohne Grund eifersüchtig bist, habe ich nicht für möglich gehalten. Du glaubst doch auch selber nicht, was du sagst. Bitte, nimm dich zu-
"7 ' aId cr. ^h, daß sie auffahren wollte. „Riekchen braucht wirklich nicht immer Zeuge deiner Szenen zu sein." Riekchen kam gerade in die Tür, ichon im sonntäglichen dunkelblauen Foulardkleid- chen, zum Kirchgang gerüstet. Ihre Augen gingen unsicher zwischen den Eltern hin und her, sie hatte auf dem tVlur die Stimme des Vaters und den bestimmten Ton gehört, den er anschlug, wenn es mit der Mutter nicht zum Aushalten war. Lieber Gott, wenn doch wenigstens die Sonntage in Frieden verlaufen wollten. Der Vater war so gern einmal heiter und guter Dinge. Er konnte sich so amüsieren, wenn gute Bekannte zusammensaßen. Er steckte voll Schnurren und Liedern, etwas vom alten Studenten war immer in ihm geblieben. Wie hätte man fröhlich stin können, wenn nicht immer die Reizbarkeit der Mutter Mißstimmung geschaffen hätte."
Vielleicht hätte er besser getan, einmal scharf auf- zutreten, aber das lag ihm nicht. Er dachte auch wohl, ein Prediger müsse doppelte Geduld beweisen, und diese Geduld reizte die hysterische Frau nur noch mehr. „Ilse war eben hier", meldete sie. „Ob Tante Hanse heute mit eud) nach Eichtal fahren kann. Onkel Rottman ist eben nach Perlebach gerufen worden, da ist ein Mann vom Bullen angerannt worden' Er weiß nicht, wann er zurückkommt. Vielleicht fährt er gleich nach Eichtal. Er ist mit seinem Wagen fort, und ihr müßtet denn schon mit Postmeisters Stuhlwagen fahren, die Eichtaler Wagen sind alle besetzt."
„Natürlich fährt sie mit uns", sagte Jessen, der an die Reden seiner Frau bereits nicht mehr dachte. "Ich sitz bei dem Kutscher vorn und Tante Hanse mit Mutter hinten. — So, nun muh ich mich fertig machen für die Kircke."
Seine Frau wollte etwas sagen, besann sich und
zog nur die Mundwinkel höhnisch abwärts. Riekchen sah es, und es machte ihr Sorge.
Mittags um 1 Uhr sammelte sich die ganze Schmalebecker Jugend auf dem Markt. Die erwachsenen Söhne und Töchter der Honoratioren, um nach Eichtal zu fahren, die Kinder der kleinen Leute, um der Abfahrt zuzufchauen. Drei Leiterwagen, mit grünen Zweigen besteckt, die Pferde mit Blumensträußen geschmückt, hielten dicht vor der Kirche, und von allen Seiten nahte das geputzte Jungvolk. Weiße, blaue, rosa Kleider, weit ausladend mit ihren steif gestärkten Falten, reich besetzt mit Rüschen, Falbeln, Bändern — große Schutenhüte, aus denen die jungen Gesichter wie lachende Blumen hervorblühten, Jünglinge mit blauen und braunen Galarüschen zu hechtgrauen Beinkleidern, Rosen und Nelken im Knopfloch, ein paar späte junge Mädchen als Ehrendamen, und endlich Kantor Mampert, der Ehrenwächter der ganzen Schar.
Als die weißen Locken des alten Herrn in der Nebengasse aufleuchteten, steckten die Jungen die Köpfe beisammen. Da ging ja neben ihm der Hamburger Herr, der in der Post wohnte und wegen der Eisenbahn hier war. Man wußte ganz genau Bescheid über ihn. Wie fein der ausfah! Hamburg bleibt doch Hamburg. — Dagegen kam Schneider Max nicht auf. Und wie er ging! So ganz sicher und selbstbewußt, und als fei es ihm ganz gleichgültig, daß vierzig Augenpaare feinem Kommen entgegensahen. Wenn er mitführ nach Cichtal, mußte er dort gewesen fein und Besuche gemacht haben. Bei Rottmanns war er auch ge« wesen. Aber sonst bei niemand. Den Bürgermeister hatte er im Rathaus ausgesucht. Mit gemacht unbefangenen Gesichtern wurde er begrüßt. Der Kantor stellte vor. Er hatte Raben in der Post, wo er selber aß, kennengelernt.
„Sind wir denn nun alle beisammen?"
Eben kam Ilse mit Riekchen über den Markt, und damit war die junge Schaar vollzählig. Unter Halloh ging es auf die Wagen. Der Kantor leitete die Einschiffung und verstaute die bunte, bewegliche Fracht, wobei er cs so einzurichten wußte, daß cr selber in den letzten Winkel des letzten Wagens kam und vor sich auf dem Sitzbrett den Hamburger zwischen Ilse und Riekchen untergebracht hatte. So, nun konnte es losgehen.
(Fortsetzung folgt)
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