gänglich. Wer nach Nauheim kommt, sollte den
Besuch nicht versäumen. -y-
Oberhesfische Glocken.
Zu dein Aufsatz von O. Schulte über Oberhessische Glocken (Heimat im Bild, Nr. 29 ff.) wird uns vom Verfasser noch der folgende, kurze Nachtrag mitgeteilt. .Man erzählt: »Wenn in Inheiden (bei Hungen) ein armer Mann beerdigt wird, so läutet es nur mit einer Glocke, und es klingt kläglich genug, aber wenn ein Reicher beerdigt wirb, so erschallt mächtig das ganze Geläut." Darob natürlich große Entrüstung, daß noch solch ein Unterschied gemacht wird! Wenn man sich genug entrüstet hat, erzählt man weiter: „Sn Jrcheiden gibt's nämlich nur eine Glocke."
Ein Satz ohne jeden Selbstlaut.
Es wird kein Mensch behaupten, daß die tschechische Sprache besonders wohlllingend ist. Sie hat im Verhältnis der Selbstlaute zu den Mitlauten viel zu viele von der letzteren Art. und es gibt sogar eine ganze Anzahl von tschechischen Wörtern, die überhaupt keinen Selbstlaut haben. Die Tschechen spotten selbst, wenn sie unter sich sind, über ihre oft so zahlreichen Mitlaute, deren Aussprache allein schon manchen Deutschen, der ihre Sprache erlernen wollte, zur Derzweifelung gebracht haben. Sie haben einen Satz gebildet, der aus lauter solchen Wörtern ohne Selbstlaut besteht. Er heißt: strc prst skz krk (c-ttsch), zu deutsch: Steck den Finger durch den Hals. Wir Deutsche geben unfern Kindern oft halsbrecherische Sähe zum Nachsprechen auf, wie z. D. den echt hessischen Satz: „Schmitz schwarz Mock schnappt", fünfmal rasch nacheinander zu sagen. Aber was will dieses Kunststück gegenüber der bloßen Aussprache jenes tschechischen Satzes sagen? O. Schulte, Gr.°Linden.
Laben das Einbringen in vorzüglicher QualiW SSdlk&t Die Kartoffeln versprechenemen guten Ertrag. Die Dickwurzeln weisen infolge 55 feuchten Sommers einen recht guten öWb auf. Wenn auch das Obst nicht den erhoben Ertrag bringt, so ist dieser Ausfall gegenüber der sonstigen Ernte so gering, dcch dre Gesamt, ernte in diesem Jahre doch als vorzüglich bezeichnet werden kann. Alles in allem h»nn gesagt werden, daß das Jahr 1926 ein g e t t g - netes Jahr ist.
Kreis Friedberg.
sf. Friedberg, 4. Sept. Das werte der von Prof. Dr. Karl Schmidt in d>e,em Schuljahre oeranftalieten Schülerkonzer t e! renijte fidj seinen Vorgängern würdig an. Es war em b°-..M-nd iluber dem Beranftalter roktten nod) Frau Käthe Klinkmuller und Ar. I. K l t n • miiller von Düsseldorf mit: der letztere brachte den gekannten Liederzyklus „Die schone Müllerin in vortrefflicher Weise zu Gehör Ferner sp.e en der Veranstalter und Frau Klinkmuller das „Un- garische Divertissement" op 54 und Lebcns- stürmen op. 145 in meisterhafter Form. Das Konzert daß dem Publikum wieder unentgeltlich geboten wurde, hätte einen besseren Besuch verdient.
t Friedberg, 4. Sept. Während vom Vogelsberg von einer sehr reichen Brombeer. ernte berichtet werden kann, ist rm Winter, steingebiet. das ausgedehnte Brombeerhecken aufweist, der Erttag in diesem Jahre sehr gering. Die Trockenheit der letzten Wochen, die sich im niederschlagsarmeren Taunus mit seinem sehr durchlässigen Grauwackensandstein rascher bemerkbar macht als im Vogelsberg, hat den Ansatz und die Entwicklung der Beeren stark beeinträchtigt. Aermcren Leuten, die sonst die Brombeere als beliebte Geleefrucht in größeren Mengen auf die Märkte in Friedberg und Bad-Nauheim bringen können, entgeht dadurch eine gute Verdienstmöglichkeit
<r Bad-Nauheim, 4. Sept. Musikdirektor JosL E i b e n s ch ü tz , Prof. Windersteins Nutz folger in der Leitung des Kurorchesters, wird sich während des Winters wieder in seinem früheren Wirkungsort Oslo (Norwegen) künstlerisch betätigen. Mit einem Sinfoniekonzert verabschiedet sich der Künstler von hier, ob nur für diese Saison oder für dauernd, ist nicht bekannt. Das Konzert, dessen Programm die drei deutschen Meister Wagner, Beethoven und Rich. Strauß brachte, fand den begeisterten Beifall des zahlreichen Publikums. Eibenschütz wurde ein Lorbeerkranz mit Schleife in den hessischen Farben überreicht
!?k V i l b e l, 4. Sept. Die B a u t a t i g k e 11 ist in diesem Jahre in unserem Städtchen außerordentlich gering. Es sind wohl kaum zehn neue Wohnungen geschaffen worden. Baulustige sind in größerer Zähl vorhanden, doch schrecken alle vor den hohen Baukosten zurück. Der Bauplatz allein erfordett schon eine schöne Summe. Unter 3 Mk. pro Quadratmeter sind keine Plätze zu haben. In guten Lagen werden 6 bis 10 Mk. gefordert. Dazu kommen noch 7 Prozent Grunderwerbsteuer, zirk-» 2 Prozent Notariatsgebühr und ein nicht niedriger Betrag für die Anfertigung des Meßbriefes und des Lageplanes. Für neuerbaute Mietwohnungen, die ohne Staatszuschuß errichtet worden sind, werden außerordentlich hohe Mieten verlangt. Daß sich für solche Wohnungen Mieter schwer finden lassen, ob- wohl hier mehr als 150 Wohnungssuchende sind, ist begreiflich. — Die Grummeternte geht ihrem Ende entgegen. Der zweite Schnitt war in den tiesergelegenen Wiesen besser als der erste. Die Heuernte hatte durch die lleberschwemmungen sehr gelitten. Das Getreide ist immer noch nicht vollständig eingefahren. Die Landwirte haben in den Scheunen nicht genügendRaum zum Unterbringen, da der Ausfall der Ernte, besonders quantitativ, sehr gut ist. Die Dreschmaschinen sind in vollem Betrieb, so daß die noch draußen stehende Frucht beigefahren und gleich gedroschen werden kann. In diesem Sommer sieht man vielfach Stroh Haufen auf dem Felde, die man in sonstigen Jahren nicht beobachten konnte.
:: Kirch-Göns, 4. Sept. Ein schwerer Unglücks fall ereignete sich heute im hiesigen ^S t e i n b r u ch. Da ein Sprengschuß nicht lvsging, wollten zwei Arbeiter darnach sehen. 3n demselben Augenblick löstesichderSchuß -und verletzte die beiden Männer schwer. Mittels eines von Kirch-Göns herbeigeholten Autos wurden die Schwerverletzten, der verheiratete Wilhelm Kehr und der ledige Karl Röhrt«, noch Gießen in die Augenllinik geschafft- Kehr hat neben starken Fleisch wunden an Beinen und Armen erhebliche Verletzungen im Gesicht davongetragen, bei ihm dürste auch wohl mit dem Verlust eines Auges zu rechnen sein. Röhrig ist am Körper unverletzt, jedoch hat er Wunden im Gesicht und ebenso Beschädigungen an den Augen; er dürfte aber voraussichtlich die Sehkraft wiedererlangen.
:: Pohl-Göns. 4. Sept. In unserer kleinen Gemeinde sind zur Zeit 21 Erwerbslose. deren Zahl in nächster Woche wohl auf 17 herabsinken dürfte.
Kreis Büdingen.
=.= Büdingen, 4. Sept. Aus dem schulärztlichen Jahresbericht des Kreises Büdingen geht hervor, daß im Berichtsjahre 72 Gemeinden des Kreises, die über eigene Schulen verfügen, besucht wurden. Die Gesamtzahl der Schüler betrug 4580 in 131 Klassen. Während man die neu in die Schule aufgenommenen Kinder sämtlich einer eingehenden Untersuchung unterzog, wurden von den älteren Schülern nur die untersucht, die bei einer früheren Untersuchung als krank crtannt worden oder dem Arzt bei seinen Schulbesuchen durch ihr Aussehen aufgefallen waren. Unter ärztliche Kontrolle wurden die Kinder gestellt, die von den Lehrern oder den Fürsorgeschwestern als krankheitsverdächtig bezeichnet wurden. Die Untersuchungen erstreckten sich auch auf die Ermittlung von Seh- und Hörfehlern usw. Gegebenenfalls wurden die Eltern schriftlich oder durch Vermittlung der Lehrer von dem Vorhandensein des einen oder anderen Fehlers in Kenntnis gesetzt und ihnen entsprechende Maßnahmen zur Beseitigung angeraten. Die Beratung von tuberkuloselranken und -verdächtigen Kindern erfolgte in besonderen Beratungsstunden. 80 Kinder, darunter 33 Kriegerwaisen, wurden in Bäder und Erholungsheime geschickt (Bad-Nauheim, Weilmünster, Bad Salzhausen, Bad Orb und Kreiskinderheim Bingenheim). An mehrere Kinder wurden auf Kreiskosten Solbäder in Bad Salzhausen mH Bad Selters bewilligt. Zum ersten Male wurden alle Schulkinder auf das Vorhandensein von Kropf- bzw. Schilddrüsenschwellung untersucht, wobei sich ergab, daß nicht weniger als 25 Prozent, gleich 1133 Schulkinder, von diesem Leiden befallen sind. Man will im kommenden Schuljahr ein weiteres llmsichgreifen dieses Leidens dadurch zu verhindern suchen, daß in den Schulen Jodtabletten verabreicht werden. Für eine bessere Zahnpflege stellte der Kreis 200 Mk. zur Verfügung.
Nidda, 4. Sept. Aus Rentabilitätsgründen hat sich der hiesige Turnverein entschlossen, anläßlich des Herb st Marktes seine neuerbaute Turnhalle erstmalig für Ausschank und Tanz pachtweise abzu- treten. Das gesamte Mobilar, 600 Stüyle und 60 Tische ist Eigentum des Vereins und wurde vor kurzem neu beschafft.
Kreis Schotten.
=.= Ulrichstein, 4. Sept. Die hier statt- gehabte Tagung des Kreisverbandes der Freiwilligen Feuerwehren des Kreises Schotten war mit enter Ausnahme von den Vertretern sämtlicher Wehren besucht. Beinahe vollzählig erschienen war die erst vor zwei Jahren gegründete Freiw. Feuerwehr Enge l r o d. Als Vertreter des Kreisamts Schotten waren erschienen: Reg.-Rat Weber, Kreisfeuerwehrinspektor Eber heim und Beigeordneter Geiß- Ulrichstein. Der Kreisverbandsvorsitzende eröffnete die Abgeordnetenversammlung mit Worten herzlicher Begrüßung. Es folgte die Verlesung der Protokolle, des Jahresberichtes und der Rechnungsablage, die sämtlich genehmigt wurden. Die durch Zuruf vorgenommenen Wahlen für 1926—29 ergaben folgendes Resultat: 1. Vorsitzender Kommandant Stang von der Freiw. Feuerwehr Schotten, 2. Vorsitzender Kommandant Schmidt. Rechner und Schriftführer Glock- Schotten, Beisitzer Appel- Oberseemen und 2 ei dn er-Wetterfeld. Mit einem Bericht des Kreisfeuerwehrinspektors über das Ergebnis seiner Revisionen und mit einem Bericht über die Düsseldorfer Reichsfeuerwehrwvche war die Tagesordnung erschöpft. Ein anschließender Brandangriff der Freiw. Feuerwehr U l - rich stein wurde gut durchgesührt und fand allgemeine Anerkennung. Mit einem kameradschaftlichen Zusammensein schloß die erste Verbands-- lagung.
=.= Gedern, 4. Sept. Der Gemeinde- rat erklärte sich mit der Neuanlage bzw. Melioration einer Jungviehweidc in der „Seife" einverstanden. Ein Staatszuschuß ist gewährleistet. Gleichzeitig erwartet man von den vorzunehmenden Arbeiten eine Behebung »bzw. Einschränkung der Arbeitslosigkeit. Der Verbindungsweg zwischen Burkhards und der Kreis st raße Gedern — Schotten, der nur teilweise fahrbar ist, soll zur Fahrstraße ausgebaut und bald in Angriff genommen werden. Auch damit hofft man produktive Erwerbslosenfürsorge zu leisten. Der vom Ministerium vorgelegte Entwurf eines Stadtwappens wurde gulgeheißen.
Kreis Alsfeld.
=er Romberg a. d. Ohm, 4. Sept. Zum Nachfolger des noch Grebenau versetzten Oberwacht
meisters Sczcsrbowski ist der Wachtmeister Schneider zum Stationsführer für Homberg ernannt worden. Nach Instandsetzung der Wohnung wird besten Umzug erfolgen. Unsere beiden Wachtmeister wohnen in einem besonderen Dienstgebäude. — Nachdem seither unsere Dreschmaschine im Freien gedroschen hatte, um auf diese Weise mehr den „kleinen Mann" zu befriedigen, der seine Ernte anfuhr, drischt sie jetzt in den Scheunen und wandert von Haus zu Haus. Bei dieser Arbeit helfen sich die Landwirte gegenseitig; durch dieses Verfahren sind sie der Lohnzahlung enthoben. Nur das bei der Maschine ständig beschäftigte Personal muß entlohnt werden.
ck. W e t t s a a s e n, 4. Sept. Dieser Tage verunglückte ein Radfahrer, der sich auf der Fahrt von Erfurt nach Hahnstätten bei Limburg befand, an der steilen Kurve in der Hauptstraße unseres Ortes. Der junge Mann, der bei dem jäh abfallenden 'Berge die scharfe Kurve nicht bekommen konnte, rannte mit seinem Rad gegen die Umfassungs- mauer des Schulhofes. Geistesgegenwärtig ergriff er den auf der Mauer befmdlichen Zaun, so daß er recht glimpflich davonkam. Dagegen wurde das Fahrrad am Vorderbau erheblich beschädigt.
z. Brauerschwend, 5. Sept. Heute früh gegen 4 Ufjr ereignete sich auf der Landstraße Alsfeld — Lauterbach ein schweres Autounglück. Der mit 4 Personen besetzte Kraftwagen des Barons Riedesel-Sickendorf fuhr in einer scharfen Kurve zwischen Brauer- schwend und Renzendorf infolge dichten Nebels i n voller Fahrt gegen einen Baum. Der 22jährige Baron, der selbst am Steuer saß, sowie eine Dame und der Chauffeur, die bei dem heftigen Anprall aus dem Wagen geschleudert wurden, erlitten zum Teil erhebliche Verletzungen und mußten nach dem Krankenhaus Lauterbach gebracht werden. Eine neben dem Führer sitzende Dame blieb wunderbarer Welse unverletzt. Der zertrümmerte Kraftwagen muhte von einem Lastauto weggeschafft werden.
Starkenburg.
WSN. Offenbach, 4. Sept. Gestern abend gerieten die beiden Fuhrleute Otto Dieter und Kilian in einer Wirtschaft in Streit. Dieter hänselte Kilian wegen der Pferde, und der Stteit zog sich bis kurz vor 12 Uf)r hin. Plötzlich ergriff Kilian den Revolver und gab mehrere Schüsse auf Dieter ab. Zwei Kugeln trafen Dieter indenHals und verletzten ihn schwer. Darauf richtete Kilian die Waffe gegen sich selb st und brachte sich einen Schuß in das Herz bei. der den sofortigen Tod zur Folge hatte. Nach Mitteilung des Krankenhauses geht es dem verletzten Dieter besser.
WSN. Darmstadt. 4. Sept. Am 1. Sept, waren 7 5 Jahre verflossen, seitdem die aus der Akademie für Tonkunst hervorgegangene Städtische Akademie für Tonkunst von Prof. Ph. Schmidt gegründet wurde. Die offizielle Feier dieses bedeutsamen Gedenktages wird in einigen Wochen stattfinden.
die Eintragung derhypothetenaus- wertung im Grundbuch; Mitwirkung der Gläubigers.
Von Justizinspektor Schröder»Butzbach.
Alm die Eintragung aufgewerteter Hypotheken im Grundbuch zu erreichen, bedarf es eines bei dem Grundbuchamt einzureichenden formlosen Antrags des Gläubigers. Das wird vielfach übersehen. Sobald dem Gläubiger die Bescheinigung über den fruchtlosen Ablauf der Einspruchsfrist von der Aufwertungsstelle zugegangen ist, hat er unter Beifügung dieser Bescheinigung schriftlich 6ei dem Grundbuchamt die Eintragung der Aufwertung anzutragen. Hat er eine solche Bescheinigung nicht erhalten, z. B. wenn im Einigungstermin der Eigentümer (Schuldner) den Einspruch zurückgenommen hat, so muh er gleichwohl den Antrag auf Eintragung einreichen; er kann in diesem Falle auf die Akten der Auswertungsstelle unter Angabe des aus seiner Ladung ersichtlichen Aktenzeichens Bezug nehmen. Hat ihm der Schuldner eine Anerkenntnis- und Verzichtserklärung übersandt oder solche bei der Aufwertungsstelle eingereicht (wovon dem Gläubiger Mitteilung zugeht), so muh er auf jeden Fall bei dem Grund- buchmnt den mehrerwähnten Antrag stellen, unter Vorlage der Anerkenntnis- und Verzichtserklärung bzw. unter Bezugnahme auf die Aufwertungsakten. Ist in einem vor der Aufwertungs
stelle abgeschlossenen Vergleich eine Einigung über die Aufwertung erzielt urtb darin nicht gleichzeitig die Eintragung im Grundbuch beantragt, so ist dieser Antrag besonders einzureichen, zweckmahigerweise unter Beifügung einer Ausfertigung des Vergleichs. — Aber auch wenn die Aufwertung durch Entscheidung der Aufwertungsstelle festgesetzt ist, darf der Gläubiger nicht übersehen, demnächst die Anf- wertungSeinttagung bei dem Grundbuchamt zu beantragen. Dem Schuldner steht (wie dem Gläubiger) gegen eine solche Entscheidung das Rechtsmittel der svforttgen Beschwerde zu, die er binnen 2 Wochen entweder bei der Aufwertungsstelle oder dem Landgericht einlegen kann. Nur auf Grund der rechtskräftigen Entscheidung kann die Auswertung im Grundbuch eingetragen werden. Der Gläubiger muh diese Rechtskraft nachweisen. Er ttnrb daher nach Empfang der Entscheidung der Aufwertungsstelle binnen zwei Wochen bei dieser anfragen, wann dem Schuldner der Deschluh zugegangen ist und ob er sofortige Beschwerde eingelegt hat. Alsdann wird er seine Beschluhausfertigung mit der Auskunft der Auswertungsstelle der Gerichtsschreiberei deö Landgerichts übersenden mit dem Ersuchen um Erteilung eines Zeugnisses, daß dort eine Beschwerde nicht eingegangen ist. Hat er dies Zeugnis erhalten, so übersendet er sämtliche Schriftstücke — Beschluhausfertigung, Auskunft der Aufwertungsstelle und Zeugnis des Landgerichts — dem Grundbuchamt mit dem schriftlichen Antrag auf Eintragung der Aufwertung.
In allen oben erwähnten Fällen ist, wenn es sich um die Aufwertung bereits gelöschter Hypotheken handelt, der Qlntrag auf Wieder- cintragung der Hypothek zu stellen. Nach dem Wortlaut des Aufwertungsgesehes kann man sehr wohl die Auffassung o er tret en. daß bet bereits gelöschten, auf Grund Vorbehalts oder kraft Rückwirkung aufgewerteten Hypotheken die Verzinsung erst mit dem auf die Wieder- eintragung folgenden Kalendervierteljahr erfolgt. Jedenfalls ist diese Frage zur Zeit sehr umstritten. Der Gläubiger wird daher, um sich vor Zinsverlust zu betodjren, gut daran tun, möglichst beschleunigt die Wiedereintragung zu beantragen.
Bei Hypotheken, auf d i e Zahlungen noch nicht geleistet sind (die daher noch nicht gelöscht sind), entstehen für den Gläubiger keine Nachteile, auch wenn die Einttagung der Auswertung im Grundbuch nicht beantragt wird. Sie bedurften, wenn Aufwertung der persönlichen Forderung über den Norm al sah von 25 Proz. nicht begehrt wurde, überhaupt keiner Anmeldung und werten sich kraft Gesetzes auf, ohne daß es einer besonderen Eintragung im Grundbuch bedarf. Dennoch aber kann der Gläubiger jederzeit einen formlosen schriftlichen Antrag auf Eintragung der gesetzlichen Aufwertung beim Grund- buchamt einreichen. Für die Aufwertung kommen jedoch nicht in Frage Hypotheken, durch die Kontokorrentforderungen gesichert sind.
Großes Schöffengericht Gießen.
• Gießen, 30. Aug. Sechs, zum Teil verheiratete, junge Leute von hier imd aus Nachbarorten standen unter der Anklage, fortgesetzt schwere Diebstähle zum Nachteil hiesiger Geschäftsleute begangen zu haben, indem sie nach Geschäftsschluß oder in später Abendstunde mittels Nachschlüssels die Lagerräume aufschlossen und die Waren herausholten. Einem der Angeklagten konnte eine akttve Beteiligung an diesen Diebstählen nicht nachgewiesen werden, er wurde aber der Hehlerei für überführt erachtet, da er von dem Diebesgut in Kenntnis biefef Tatsache einen Teil zum Zwecke des Weiterverkchufs an sich gebracht hatte. Sämtlichen Angeklagten wurden mildernde Umstände zugebilligt, sie erhielten G e f ä n g n i s st r a f e n, die sich zwischen zehn und drei Monaten bewegten.
Unter Ausschluß der Oefsentlichkeit wurde gegen einen Landwirt aus der Wetterau und dessen frühere Dienstmagd wegen Abtreibungsversuchs verhandelt. Beide wurden im Sinne der Anklage für schuldig befunden und zu je 20 Tagen Gefängnis verurteilt, an deren Stelle bezüglich des Landwirts eine Geldstrafe von 2 0 0 Mark und bezüglich der Magd eine solche von 6 0 Mark trat.
Aus Strafhaft vorgeführt wurde ein wiederholt vorbestrafter Betrüger, dem es in Bad-Nauheim durch fein betrügerisches Auftreten wieder einmal gelungen war, mehrere Geschäftsleute um einige hundert Mark zu schädigen. Gleichzeittg hatte er sich auch wegen schwerer Urkundenfälschung, die er bei Ausführung seiner Betrügereien beging, zu verantworten. Auf Grund des ärztlichen Gutachtens wurde ihm trotz seiner Dor-
—B——■ IIIMIIMW
Hessenkunst-Ausstellung in Nauheim.
3m neuhergerichteten, staatlichen Ausstellungsraum in den Kolonnaden von Bad-Nauheim (Kunsthandlung Banger) kann man zur Zett eine Ausstellung „H es s e nk u n st" feben, die von der Neuen Hessischen Arbeitsgemeinschaft für bildende Kunst veranstaltet wird. Diese Schau, auf einen mittelgroßen Raum vereinigt, ist nicht eben um- strnareich, aber recht vielseitig, sowohl was die künstlerischen und tunst gewerblichen Disziplinen betrifft, als auch ihrer inneren Zusammensetzung und ihrer Gefamterscheinung nach, die sich aus der starken Verschiedenheit der künstlerischen Eha- raktere und der interessanten Spannung zwischen Konservativem und Fortschrittlichem in den einzelnen Stücken am besten ableiten läßt. Man sieht Oelbilder und Aquarelle, verschiedenerlei Graphik, Plastiken und Kunstgewerbe. Unter den aus- stellenden Künstlern findet man auffallend viel Frauen.
3m einzelnen: Sogleich am Eingang interessiert ein Bild von Anna Bornemann: ..Schlitz hn Herbst". Eine farbig aufgelockerte, gut gegliederte Landschaft: so ausgesprochen pottttillistisch gemalt übrigens, daß man sich sehr wundert, gleich daneben ein gutes Porträtstück — Mutter und Kind — von derselben Hand zu finden, das ganz fortschrittliche Züge aufweist, fast neuer Sachlichkeit schon angenähert erscheint. Georg Dreitwieser zeigt eine klare, 6er- sönliche Handschrift in drei Landschaften: sparsame, tiefe Farben: das Ganze mehr plastisch, als flächig gegliedert. Besonders die „Landschaft mit Sqtdj“ gefiel uns sehr. Ein sauber gemaltes Herbstblumenstück finbet man von Manz, ein apartes Motiv aus Gardone von Else Luth - mer, die auch mit einem schmissig vorgetragenen «Aquarell auftoarten kann.
Eine gediegene Sache, gewählt im Motiv, kräftig im Kolorit, mit viel Tiefe und weitem Einblick ins Bildinnere: der Otzberg im Odenwald von Aug. Soeder: das Gairze wird überall von eingesprengten Lichtflecken wirksam auf- gewellt und belebt. An der Hinteren Querwand hängen über den Kunstgewerbe-Vitrinen noch fünf Malereien, leider viel zu hoch: die Arbeiten von U l l m a n n und Felde scheinen uns hier eines besonderen Hinweises zu bedürfen. D e h e rs Weiße Rosen zeichnen sich durch ihre noble Tongebung aus: doch scheint das Stilleben räumlich nicht besonders glücklich gelöst. Julius Kaufmann bringt ein eigenartiges Hasemnotiv aus Camagli. Recht zahlreich sind die Strlleben vertreten. Manche noch durchaus im alten Sinn und in der üblichen Weise, dergleichen zu malen. Andere sieht man daneben, die bereits einen interessanten Einschlag der augenblicklich modernsten und im Gesamtbilde der Gegenwartsmalerei dominierenden „Richtung" aufweisen.
In neuer Sachlichkeit präsentieren sich vor allem etwa Bilder von Haller siede und Vielmetter. Gerade im Stilleben wird es sehr deutlich, wohin man jetzt zielt: bewußte Abkehr vom „Malerischen", vom Stimmungswert, energische Reaktion gegen das Unklare, gegen verschwommene Romantik, gegen aufgelöste Formen, mystisch vernebelte Figuren und Farben. Jetzt ist es anders, man will das nicht mehr, man sucht neue Wege (niemand weiß vorerst, wohin sie führen werden) jetzt jedenfalls, zur Zeit, steht es so: Gegenstände bauen das Bild, Dinge, greifbar, rund und körperlich, ohne alle Verzerrung und Auslösung, eher der Photographie angenähert: Buch, Krug, Büste, Globus, Pflanze (Kakteen sind besonders beliebt) gelten als Motive, die man zusammenstellt: möglichste Nüchternheit, klare Perspektive, „richtige" Farbe, strenge Verteilung von Licht und Schatten, wo- . durch das Körperhafte und Gegenständliche rwch
besonders herausgehoben werden kann: so malt man jetzt. Davon geben gewisse Bilder in dieser Ausstellung eine Probe. (M anz und Th roll sind auch in diesem Zusammenhang zu nennen.) Arbeiten dieser Art sind entwicklungsmäßig am weitesten fortgeschritten und vorgedrungen. Aber dies alles ist nur ein Uebergang. Von dem man vielleicht in zehn Jahren schon garnichts mehr weih. .
Unter den Aquarellisten siel uns noch Soeder auf, auch Vielmetter, der hier sehr viel weicher unb lockerer arbeitet als in jenem Sttlleben. In der Graphik interessiert vor allem Rupprecht mit seinen Holzschnitten: schwarz- weiß und farbig. Diese Blätter gewinnen besonderen Wert und bewahren eine persönlich geschlossene Haltung durch die ganz barocken Einfälle im Motiv, durch eine fehr sichere Technik, und starke, wiewohl ohne Anschauungsmaterial nicht näher zu kennzeichnende Anklänge an Dild- nereien des deutschen Mittelalters. Gute graphische Blätter sieht man weiterhin von W a I - ther (Dorfstraße), Gengnagel, Richter. Klarlinig und hell (durch Wasserfarben belebt) eine Bellinzona-Landschaft von Ziegler.
Einen verhältnismäßig großen Raum beansprucht das Kunstgewerbe: Elfenbeinarbeiten, Keramik. Kleinplastik, Buchkunst (Schriften und Einbände): großenteils schöne Stücke in gewählten Farben und schlichten, zweckvollen Gebrauchs- fonnen. Kunstschulen von Darmstadt, Offenbach. Mainz und Erbach sind hier beteiligt.
Die eigentliche Bildhauerei ist nur mit zwei Arbeiten vertreten, von Antes („Fliegender Kopf") und Japst ock („Buddha"): dieser besonders läßt es bedauern, daß die Plastik, wie leider üblich, ziemlich stiefmütterlich behandelt wurde.
Die Ausstellung (übrigens sind alle Teile preiswert verkäuflich) ist noch bis Mttte Oktober jederzeit und für jedermann unentgeltlich zu-


