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Neuer Angriff auf Damaskus.

Paris, 6. Sept. (WTD. Funkspruch.) Wir demNew Bork Herald" gemeldet wird, ist Damaskus gestern früh von 500 Aufstän­dischen angegriffen worden, die in die Stadt eindrangen, später aber wieder daraus verdrängt wurden. Dabei sollen 40 Personen fle tötet worden sein, darunter drei franzö­sische Soldaten und mehrere Bewohner der Stadt.

suchen muh. Ich bin überzeugt, daß unser 0ntschluß weder ein Interesse noch einen Grund­satz des Völkerbundes gefährdet, für dessen Ge­deihen Spanien, sein König und seine Regierung die heißesten Wünsche hegen. Gestatten Sie mir, Exzellenz, meine tiefste Dankbarkeit für die Ehre, die Sie mir erwiesen, auszusprechen und für die freundliche Gesinnung, die Sie Spanien bezeugen. Ich kann zu meinem großen Bedauern nicht, wie es mein Wunsch wäre, der grvhnrütigen An­regung Eurer Exzellenz folgen und sende Ihnen meine herzlichsten Grütze."

| Wir müßten zu neuen Handelsverträgen kom- I men, die unserer Wirtschaft wieder die Freihell und die Gleichberechtigung verschafften. Es be­stehe die Pflicht, darauf zu sehen, daß die Wirt­schaft von allen Hemmungen, unter denen sie in der Rachkriegszeit gelitten habe, wieder befreit werde. Die Grundbedingung jedoch für die Wiederaufrichtung unserer Wirtschaft sei die Aufrechterhaltung unserer Wäh­rung. Es tonnten daher keine Maßnahmen in Erwägung gezogen werden, die auch nur die leiseste Erschütterung unserer Währung bringen würden.

Die Wirtschaft könne nur tragbare Steuern zahlen.

Die Umsatzsteuer sei leider immer noch zu hoch. Das Steuererleichterungsprogramm habe sich durchaus bewährt. Damit sei aber noch nichts Endgültiges geschaffen. In Deutschland müßte es bald zu einer Verwaltungsreform kommen, womit das Reichsfinanzministerium be­reits den Anfang gemacht habe. Rur solche Steuern dürften erhoben werden, die sich mit der Verarmung unseres Volkes in Einklang bringen lassen. Vor allem müßten die schwer drückendes Realsteuern in ein gesundes Verhältnis zu den übrigen Steuern gebracht werden. Die Tarife der Ein kommen st euer wären daher zu prüfen, ob sie nicht refvrmbedürf- t i g seien. Die indirekten Steuern seien eine ganz besonders schwere Last. Der Finanzminister würde es als ein Glück für den deutschen Kon­sum betrachten, wenn er die Zuckersteuer ermäßi­gen und den Branntwein dafür höher besteuern könnte. .Unt die Rotlage der erwerbs­losen Ange st el kl en zu beheben, sei ein Be­trag anzufordern, um mit diesem ältere und bewährte Angestellte wenigstens vorübergehend vom Reiche aus beschäftigen zu können. (Leb­hafter Beifall.) Der Minister glaubt, daß dieses Geld gut angelegt sein würde. Wenn der Dawes- plan im Geiste der Verständigung auf beiden Seiten gehandhabt werde, könne er noch Gutes schaffen. Schließlich werde die ganze Welt doch einmal merken, daß der Dawesplan nur ein Danaergeschenk sei, wenn die Länder mit deutschen Waren überschwemmt sein würden. Zum Schluß erklärte der Reichs- sinanzminister, er überschätze keineswegs die leich­ten Anzeichen der Besserung der wirtschaftlichen Lage, aber er glaube an die Kraft des deutschen Volkes, das durch harte Arbeit den Weg zur Freiheit wieder finden werde.

Das Etsenbahnattentat von Leiferde.

Der Bericht

der Deutschen Reichsbahngesetlschaft.

Köln, 4. Sept. ($U) Dft Deutsche Reichs­bahngesellschaft gibt über die Ursachen des Eisen­bahnunglücks bei Leiferde nunmehr einen a b - schliehenden Bericht aus, in dem es nach einer Schilderung des Unglücks selbst wie folgt heiht: »Roch in der Rächt, etwa dreiviertel Stun­den nach dem Anfall, bevor noch ein Hilfs - zug oder die Dahnunterhaltungsbediensteten zur Stelle waren, entdeckte der Lokomotivführer des verunglückten Zugs beim Schein der in den Wagen noch brennenden Lampen, dah die L a " e n eines S ch i e n e n st o h e s gelöst waren, daß das gelöste Ende dieser Schiene stark nach innen gebogen ivar und daß längs dieser Schiene eine größere An- zahl von Sch rauben ni uttern und Schwellenschrauben unbeschädigt lose auf und neben den Schwellen lagen. Daß der Beginn der Entgleisung an diesem Stoß zu suchen ist, zeigen die dort beginnenden An- schlagstellen der Räder auf den Schwellen. Legte die erste Feststellung schon die Annahme eines Verbrechens nahe, so fand diese Vermutung durch die weiteren Feststellungen der Eisenbahn- beamten und der Polizei ihre Bestätigung. Der Schienenkopf der innen verschobenen Anschlutz- schienen zeigt deutlich am freien Schienenende den scharfen Anschlag von Radreifen Die innere Lasche lag auf der gekuppelten Stotz­schwelle zwischen den Schienen, wo auch die Muttern der Laschenbolzen und eine Klemm- platte dicht am gelösten Stob vorgefunden wur­den. Die Laschenbolzen und zwei unversehrte Schwellenschrauben einer Hakenplatte des ge­lösten Stoßes lagen eoenfalls auf den Steß- schwellen. Weitere Schwellenschrauben lagen neben der gelösten Schiene. Die Schrauben und Bolzen waren ganz unversehrt. Frische Spuren eines aufgesetzten Schlüssels waren zu eriennen. Die nutzere Stotzplatte wurde bisher noch nicht gefunden.

Im ganzen sind noch den Feststellungen a u f elf Schwellen die inneren Schwel­lenschrauben gelöst worden.

Der Lokomotivführer hat erklärt, daß die Lage der gelösten Schrauven usw. auf der Photogra­phie seinen Beobachtungen entspreche. Die Durch­suchung des umgrenzenden Geländes (Buschwald) ber Tageslicht führte zum Fund eines Schwellenschrauben schlüsse l s(Krücken- schlüssel) und eines Laschenschrauben» s ch l ü s s e l s mit dem Zeichen H. K. etwa 75 Meter nördlich vom Gleis. Ein weiterer Schwellenschraubenschlüifel wurde an der Ent­gleisungsstelle selbst in Höhe der elften Schwelle im Rachbargleis gefunden. Etwa 15 Meter nörd­lich der Gntgleisungsstelle lagen noch eine Pfeife, ein Hemmschuh und zwei Strümpfe. Der Oberbau besteht aus 15 Meter langen Schienen der Form 15 e, die auf 24 kie­fernen Holz schwel len und am Stotz auf Dreit- schwcllen gelagert sind. Die unmittelbar an der Entgleisungsstelle liegenden Schwellen tragen das Iahreszeichen 1909 und sind durchaus gut erhalten. Sie sind natürlich unter der Last der entgleisten Lokomotive und Fahrzeuge erheb­lich gesplittert, doch zeigen die Reihstellen g e - fundes Holz. Auch die Gleisstrecken vor und hinter der Entgleisungsstätte sind in durch­aus betriebssicherem Zu st and.

Das Gleis LeiferdeMeinersen ist nach dem Arbeitsprogramm 1926 von Kilometer 209 bis 209,6, also an d e r U n f a l l st e l l e , in der Zeit vom 4. bis 24.April gründlich durch­gearbeitet worden.

Dabei wurde auch die Bettung sorgfältig äe- reinigt. Ebenso fmo am Laufwerk der Wagen des v-Zugs und der wieder aufgerichteten Loko­motive keine Mängel festgestellt wor- den, die die Entgleisung hätten begünstigen lön- nen- hat die vorhergehende Strecke

von Berlin ab in ruhiger, Matter Fahrt zu- ruckgelegt. Die Anfallstrecke ist vor Eintritt des

Eme neue NermittlungsaKtion im Dergarbeiterstreik.

London, 4. Sept. lTLl.) Schatzkanzler Win­ston Churchill hat die Bergwerks- besitzer-Vereinigung zu einer Kon­ferenz mit Vertretern der Regierung und der Bergarbeiter für Moittcig nachmittag in die Downingstreet eingeladen. Der Verband hat die Einladung der Regierung angenommen. Die zur Beratung stehende Frage wird die Entscheidung darüber sein, ob die Verhandlungen mit den Bergarbeitern auf der Basis einer Regelung für ganz England oder lokaler Ab­machungen wieder ausgenommen werden sollen.

Eine neue Rede des Reichsfinanzministers. Der dritte deutsche Augeftelltentag.

Hamburg, 6. Sept. (TA.) Im Anschluß an die Bundestagung des Gewerkschaftsbundes der Angestellten fand am Sonntag in Hamburg öer Dritte Deutsche Angestelltentag statt. Rach der Begrüßungsansprache des Senators Di- Matt haei, der der Tagung im Ramen des Hamburger Senats den besten Erfolg wünschte sprach Reichsfinanz mi ni st er Dr. Rein» hold über die Wirtschaftslage Deutschlands. Wir stecken, so führte ec aus, noch immer in schwerer Rot und schweren Kämpfen. Roch immer gebe es viele Gegensätze zwischen Unternehmertum und A.-cheitnehmerschaft. Dr. Reinhold erinnerte daran, was am Tage vorher Dr. Silverbera m Dresden auf der Tagung des Reichsveri-.des der deutschen Industrie sagte, man werde sehen.

a r 11 n b Arbeit auf Gedeih und Verderb miteinander verbunden eien und zusammengehörten. Ueber alle Gegen- atzlichkeit hinaus müsse der Gedanke der ® em ein» lamfe£jte^n- nur ba* Derbundensein halte uns den Weg in die Zukunft frei. Der Finanz- Minister kam dann auf die Frage derGrwerbs- tos.gkeit zu sprechen, zu deren Bekämpfung heute das beste Mittel Handelsverträge verbunden mit einer klugen Finanzpolitik seien.

Eine amerikanische Drohung.

Präsident Coolidge über die Abrüstung

Neuyork, 4. Sept. (TU.) Die republikanische presse verbreitet in großer Aufmachung eine Er­klärung des Weißen Hauses, wonach Präsident Eoolidge entschloßen sei, die Durchführung des Luftflottenprogramms und den Bau von Kreuzern zu beschleunigen, wenn die Genfer Abrüstungskonferenz er­folglos bleiben sollte. Der Präsident habe die Teilnahme amerikanischer Delegierter an dieser Kon­ferenz nur widerstrebend und nur deshalb zuge­geben, um den Friedenswillen der Vereinigten Staaten kundzutun. Eoolidge sehe sich veranlaßt, die Aufmerksamkeit der Welt daraus zu lenken, daß Ame­rika seinen Reichtum möglicherweise zur Ver­mehrung der Rüstungen verwenden könne, wenn das mit finanziellen Schwierigkeiten kämpfende Europa die Abrüstungsvorschlägr Ame­rikas auch weiterhin übergehe. Amerika werde es in diesem Falle ganz gleich sein, ob es dadurch hie Führung einer neuen Rüstungskam- pagne übernehmen würde. Die republikanische presse bezeichnete diese Erklärung als den s ch ä r f - st e n Schritt, den Präsident Eoolidge seit seinem Amtsantritt unternommen habe.

3m Zeichen des Völkerbundes.

Geheime Militärverträge zwischen Frankreich, Polen und der Kleinen

Gntente.

Reuh ork. 6. Sept. (LA.) DerAmerican" veröffentlicht einen polnisch-rumänischen Geheim­vertrag. wonach beide Staaten tm Falle eines deutschen und russischen Angriffs sich gegenseitig Hilfe zusichern. Die Fälle in denen militärischer Beistand zu leisten ist, sind genau festgelegt, wobei auch ein Eintreten Bulga­ri ens und .Ungarns gegen Rumänien in Rechnung gestellt wird. Frankreich unterstützt die rumänische Luftflotte und den Gaskrieg. Das Blatt veröffentlich gleichzeitig ein Schreiben des äanterzeichners des Vertrages, des Generals PStain, an den rumänischen Kriegsminister, in dem es heiht. daß das Gros der polni­schen Truppen im Falle eines deuffchen Angriffs gegen Deutschland konzentriert wett>e. während gegen Ruhland nur Defensiv- Maßnahmen getroffen werden. Der französische ' Generalstab nehme an. daß Deutschland sich i am Rhein defensiv verhalten werde und alle Kräfte nach Osten werfe, um die Verbindung mit Rußland herzustellen. Fran­zösische Generalstabsoffiziere werden dem rumäni- Nischen und polnischen Heer beigegeben. Frank­reich werde eingreifen, wenn Deutschland Ruß- land bei einem militärischen Angriff unterstützt. Der Abschluß eines französisch-rumäni­schen Militärvertrages werde bis zum September verschoben. Bis dahin sollen die Ver­träge mit der Tschechoslowakei und mit Serbien erneuert werden. Rumänien erhalte, wie bereits jetzt von Frankreich zugesichert, bei einem bewaffneten Konflikt alles zum Gaskrieg notwendige Material, einschließlich des dazu er- I forderlichen Personals, ferner 200 Flugzeuge. Flugzeugführer und Techniker und die Aus- rüstung für 200 000 Mann. Dazu korwnt noch Artilleriematerial.' schweres Geschütz. Gewehr­munition usw.

habe. Die Regierung von Angora habe nur folgende Bedingung gestellt: Die Türkei, die sich darauf vor- bereite, im Völkerbund nicht nur ihre eigenen In­teressen, sondern auch diejenigen der Län­der des vorderen Orients, wie Persien und Afghanistan, zu vertreten, verlange, daß ihr ein nicht st ändiger Sitz im Völker­bund s r a t durch die Vollversammlung vorbehal­ten werde.

Aus aller Welt.

Ei»ie Tagung der evaugelifchen Arbeitervereine.

Der Mittelrheinische Verband evangelischer Arbeitervereine feiert am 11. und 12. September d. I. anläßlich seines □4. Vertreterlages in Darmstadt sein 35. v> ahresfes!. Der Verband kann in diesem Jahre auf eine 35jährige Geschichte und erfolg­reiche Arbeit zurückblicken. Ramhafte Führer des Gesamtverbandes evangelischer Arbeitervereine haben ihre Teilnahme bereits zugesagt. so daß die Tagung, die sich mit sehr wichtiaen Fragen be­schäftigt. eine recht bedeutsame wird. Den Fest- gottesdienst in der Stadtkirche wird Pfarrer Vogel-Darmstadt halten. Rachmittogs findet Rachfeier unter Mitwirkung der Gesangschö^e der Verbandsverein? und des städtischen Or­chesters im großen Festsaal der Turngemeinde am Woogsplatz statt. Der Verbandstagung selbst geht eine mehrtägige Freizeit für Mtglieder der evangelischen Arbeitervereine voraus.

vierkölter in Köln.

Sonntag abend traf Vierkötter in seiner Ge- biirtsstcidt ein. Seine Fahrt nach dem Gürzenich glich einem Triumphzug. Beigeordneter Schwe­sing gab der Freude der Stadt Ausdruck, daß Vierkötter durch seine Leistungen seinen Namen und den Namen Deutschlands in alle Welt getragen habe, und überreichte ihm als höchste Auszeichnung der Stadt die Siegerplakette.

Reichskanzler a.D. Dr. Luther in Peru.

Der frühere Reichskanzler Dr. Luther ist von einem Besuch der deutschen Kolonisten im Gebirge nadj Lima zuruckgekehrt. Er wird vom Prä- identen Leguia empfangen werden und odann an einem ihm zu Ehren veranstalteten deut- chen, Sportfest teilnehmen. Der deutsche Gesandte in Lima wird einen Empfang veranstalten. Prä­sident Leguia wird ein Bankett, in seinem Palais geben.

Taifunkalastrophe in Japan.

Heber Mitteljapan ist ein gewaltiger Taifun niebergegangen, der eine große Zahl von Menschenopfern und beträchtlichen Sach­schaden im Gefolge hatte. In Tojohaschi wurden 12 Kinder getötet und 90 verletzt, in Hamatau durch Einsturz einer Fabrik acht Arbeiter ge­tötet und 25 verletzt. Auch in Vodschida ist die Zahl der Verletzten groß. Auf dem Militär­flugplatz in Akenvgahara bei Ragoja wurden einige Flugzeuge zertrümmert und etwa 40 be­schädigt. In Yokohama kenterten zwei Leichter, wobei 15 Matrosen ums Leben kamen.

Apothekerkagung in Düsseldorf.

Die diesjährige vom 13 .bis 18. September in Düsseldorf jtattfindende Hauptversammlung des Deutschen Apotheker-Vereins, dem fast alle deut­schen Apotheken angehören, erhält besondere Be­deutung durch die Beratungen über das in Vor-

Unfalls vom Streckenwärter letztmalig am 18 August zwischen 9 und 9.30 Ähr vormittags also etwa 16V8 Stunden vor dem Unglück, be­gangen worden. Außerdem wurde sie am 18 abends vor Eintritt der Dunkecheit, also etwa 6Vs Stunden vor dem Unglück, von dem De- diensteten begangen, dem das Anbringen der Signallaternen der Blockstelle 169 obliegt. Beide Bedienstete Haden irgendeine Unregelmäßigkeit am Gleis nicht bemerkt. Hilfe bei dem Lln- glück war trotz der Entlegenheit der Unglücks- stelle von größeren Ortschaften schnell zur Stelle Aus die sofort an die Rachbarstationen gegebene Meldung vom Unglück eilten Aerzte und Helfer in Kraftwagen herbei. Die Hilfszüge von Oebis­felde, Lehrte und Hannover waren, so schnell es überhaupt ging, zur Stelle.

Kunst und Wissenschaft.

vom hessischen Landeskheater.

In dem jetzt erschienenen Rückblick auf die Spiel- äeit 1925/26 des Landestheaters ist folgender Nach­ruf auf den am 1.September verstorbenen Gene- ^almufikdirektor Michael Ballina entJ?a Mikael Balling wurde im März 1919 nad) Weingartners Weggang von dem damaligen Intendanten Dr. Krätzer dem Hessischen Landes­theater als Generalmusikdirektor oerpf[tatet Her­zenssache war ihm naturgemäß die Pflege des Wagnerschen Musikdramas und der vor diesem

; Z^ck, Mozart, Beethoven, Weber, Marschner. Aber Balling war es auch, der dem nachwagnerischen Bühnenwerk ganze Hingabe schenkw, falls es fernem Wesen entsprach. Er brachte z. B. Reczineks Blaubart zur Aufführung und als besonders bemerkenswerte, unter feiner Stabführuna herausgekommene Erstaufführungen muffen ffleh tra",Die Frau ohne Schatten^ undDer "ferne Klang" genannt werden. Als Konzertdirigent hat Balling sich ein ganz besonderes Verdienst dadurch erworben, daß er dem Darmstädter Publikum das symphonische Gesamtwerk Anton Bruckners durch ganz konsequente Pflege nahebrachte. Und seine Kon- zettprogramme zeigten von Jahr zu Jahr fvrt- schrettende Annäherung an die moderne Musik. Bal- lmgs Tätigkeit als Hüter der Tradition und als charaktervoller Apostel des Neuen gebührt ein Ehrenplatz innerhalb der jüngeren Geschichte des Landestheaters.

Erster internationaler Kongreß für Sexual­forschung.

In der Zett vom 10. bis 16. Oktober dieses Jahres findet in Berlin auf Einladung der Internationalen Gefellschaft für Sexualforschung ü«r erste internationale Kongreß für Sexual- forschung statt. Das Arbeitsprogramm des Kon­gresses sieht eine lange Reihe von Referaten aus allen Gebieten der Sexualforschung vor. Alle Länder der Welt stellen für diese Referate ihre hervorragendsten Spezialisten. Der Kongreß wird am 10. Oktober im Reichstage mit einer Eröffnungssitzung eingeleitet. Ansprachen werden halten: Reichsinnenminister Dr. Külz, der preu- ftifche Kultusminister Dr. Decker, Geheimer Santtütsrat Dr. Albert Moll, der Präsident ^s Kongresses, sowie eine ganze Reihe von Vertretern deutscher und ausländischer Universi­täten, Korporationen, wissenschaftlicher Vereine usw.

Die Frankfurter Schauspielschule.

Bei der am Sonntag, 12. September d. I., vor­mittags um- 10.30 Uhr stattfindenden Aufnahme­prüfung der Frankfurter Schauspiel­schule sind mehrere Szenen dramatischer Art nach eigener Wahl des Prüflings vorzufprechen. Die Prüfung findet auf der Hauptbühne des Schau- spielhaufes statt (Eingang beim Bühnenportier) und ist die letzte für das neue Schuljahr 1926/27.

Deutschlands Aufnahme in den Rat.

Der Bericht der Studienkommisfion angenommen.

Genf, 5. Sept (TU.) Der Völkerbunds­rat genehmigte in feiner Samsfagoor- mittagssihung die Vorschläge der Stuoien- kommisiion und fahle eine Entschließung, nach der Deutschland ständiges Ratsmitgtted fein wird, sobald es von der Vollversammlung des Völkerbundes aus­genommen worden ist.

3m Mittelpunkt des Interesses der offent- llchsn Ratssitzung am Samstag vormittag stand düs Projekt der Studie nkym Mission, das mit einem Degleitbericht des Grafen 3 s h i i dem Dölkerbundsrat unterbreitet wurde. Der Bericht des Grafen Ishii weist darauf hin, daß die Studienkommission sich in zwei Tagungen mit der Zahl der Mitglieder und der Form der Dahl der nichtständigen Mitglieder zu beschäf­tigen halte. Es wäre nunmehr die Aufgabe des DölterbundSrates, sich über die Zahl der Sitze sowohl der ständigen, wie der neu zu schaffen­den nichtständigen auszusprechen und der Voll­versammlung seinen Beschluß zu unterbreiten. Die Resolution, die hierzu dem Völkerbunds­rat vom Grafen Ishii unterbreitet wird, er­innert an den Beschluß der Vollversammlung vom März 1926, in dem mit Bedauern von den Schwierigkeiten Kenntnis genommen wurde, die den Eintritt Deutschlands in den Völkerbund verhindert hätten. Der Völker­bund möge daher in Ue&ereinftimmung mit dem Wunsch der Vollversammlung folgenden Beschluß fassen:

1. er billigt den Bericht der Studienkommission über die Zusammensetzung des Völkerbunds­rates:

2. er beschließt auf Grund der Rechte, die ihm aus Artekel 4 der völkerbundssahung zu- steben:

a) oie B ezeichnung Deutschlands zum ständigen Rlitglied des völkerbundsrales von dem Augen­blick seines Eintritts in den Völkerbund an,

d)die Vermehrung der nichtstän­digen Ralsfihe von sechs auf neun;

3. der Rat empfiehlt der Vollversammlung die Durchführung dieses Beschlusies:

4. der Rat empfiehlt der Vollversammlung die Annahme der von der Studienkommission unterbreiteten Vorschläge über den W a h l - ( modus der nichtständigen Ratsmitglieder < und die Handhabung ihrer Mandate.

Der Dölkerbundsrat nahm diese ihm >on dem Grafen Ishii vorgelegte Enffchließung einstimmig ohne Debatte an. Der schwedische Vertreten Haben wies nochmals darauf hin: daß Schwe­den nur unter Opfern sich entschlossen hätte, dem Projekt des Rates zuzustimmen, wobei es sich von der Hoffnung leiten ließe, daß hierdurch die innere Krise des Rates glücklich gelöst werden würde. Zum Schluß beantragte der Vor­sitzende Bene sch die von Lord Robert Cecil - vorgelegte Entschließung, die gestern von der ^Studienkommissivn angenommen wurde, und die ''das außerordentliche Bedauern des Rates übet die Richterfüllung der spanischen Wunsche ausdrückt, durch den Generalsekretär des Völkerbundes dem spanischen Vertreter heute noch zukommen zu lassen.

Im weiteren Verlauf seiner Verhandlungsn genehmigte der Rat den Bericht über die Lage der griechischen Flüchtlinge und über den f i n a n= -ic llen Wiederaufbau Angarns. Der Vertreter der ungarischen Regierung dantte dem Völkerbundsrat für seine Bemühungen, durch die es gelungen sei, den sincmziellen Wiederaufbau Ungarns zu verwirklichen. Heber die Frage der privaten Waffenherstellung berichtete Außenminister Denesch sowie über die Vorschläge der finnländischen, französffchen und polnischen Regierung, die es dem Völkerbund ermöglichen sollen, im Falle eines Kriegsausbruches sofort die entsprechenden Maßnahmen zu ergreifen, durch die ein kriegerischer Konflikt im Keim erstickt werden kann. Der Völkerbundsrat ge­nehmigte zum Schluß noch den Bericht der stän­digen Mandatskommission, der in ver­änderter Fassung von dem schwedischen Außen­minister -Hnden torgelegt wurde. Rach dieser Resolution wird es den Eingeborenen in den Mandatsgebieten so gut wie unmöglich gemacht, ihre Klagen direkt der Mandatskommission tor- autcagen. Die Mandatarstaaten werden anderer­seits gebeten, der Mandatskommission mitzutei­len, was sie an dem Fragebogen der Kommission, der von dem französischen und englischen Ver­treter als zu weitgehend bezeichnet wurde, aus- zusehen haben.

Die britischen Dominions beanspruchen einen Natssitz.

.. ,®eM' 6. Sept. (TU.) Die Vertreter der bri­tischen Dominions traten im Lause des Sonntags zu einer internen Besprechung zusammen, in der die v Jür b'c öon ihnen gemeinsam während der Volloersammlung des Völkerbundes zu befolgen­den Politik festgelegt wurden. Bereits während früherer Tagungen des Völkerbundes war in den Delegationen der Dominions der Wunsch aufge- wucht, einen der Staaten aus ihrer Mitte für einen nichtständigen Rats- f i tz kandidieren zu lassen. Bei der Sonntagbespre­chung einigten sich die Delegierten der Dominions dahin, die Kandidatur Kanadas auhufteUen falls sie Aussicht auf Erfolg hätte. Auch die Kandi- dattir Kanadas auf einen w i e d e r w ä h l b a r e n Ratssitz wurde ernstlich in Erwägung gezogen.

Die Türkei und der Völkerbund

Paris, 5. Sept. (WB.) Der Korrespondent des Temps" in Genf will aus autoritativer Quelle er­fahren haben, daß die türkische Regierung auf diplo­matischem Wege ihren Wunsch, in den Völker bund ein zu treten, zu erkennen gegeben