Einzelbild herunterladen

Nr. 208 Erstes Blatt

176. Jahrgang

Montag, 6. September 1926

Erscheint täglich, außer Sonntags und Feiertags. Beilagen:

Gießener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle.

Monals-Vezuorpreir:

2 Reichsmark und 20 Reichspfennig für Träger­lohn, auch bei Nichter­scheinen einzelnerNummern infolge höherer Gewalt. Fernsprechanschlüsse:

51, 54 und 112.

Anschrift für Drahtnach­richten: Anzeiger Siesten.

GietzenerAnzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

Poflf<bcdtonto:

Krantfurtam Main 11686. vnttk und Verlag . Vrühl'sche Umverfitäts-Buch- und Ztemdruckerei R. Lange in Gießen. Zchristleitung und Geschäftsstelle: Zchulstraße 7.

Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher.

Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig: für Re- klameanzeigen von 70 mm Brette 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20 , mehr

Chefredakteur.

Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr. H.THgrioi, für den übrigen Teil Ernst Dlumschein: für den An- zeigenteil i.Vertr. H.Vech.

sämtlich in Gicsten.

DeutschesUnternehmerium in der Nachkriegszeit Eine Programmrede Dr. SUverbergs auf der Tagung des Reichsverbands der deutschen Industrie.

Politik im modernen Sinne ist Massen- willen und Massenaufgebo t.»Wer deshalb etwas" erreichen will, muß Massen aufbieten, damit er nachher nicht als Offizier ohne Soldaten verlacht wird. Das haben zuerst die Sozialdemokra­ten begriffen, bei denen es ja weiter kein Kunststück war, weil sich das aus der Konstruktion ihrer Psyche ganz von selbst ergab. Die Landwirte haben es von ihnen gelernt. Der Bund der Landwirte hat schon recht ftühzeitig mit der Faust auf den Tisch gehauen und nach den Zollgesetzen Caprivis man- cherlei zu erreichen gewußt, weil seine Bauern­paraden in Berlin auf die Regierenden noch Ein­druck machten. Die Industrie im alten Deutsch­land glaubte das nicht nötig zu haben: sie ver­kapselte sich in ihre enge Privatwirtschaft und ver­diente gut dabei, überließ aber im übrigen die Po­litik den anderen. Erst nach der Revolution haben auch die Industriellen erkannt, wie eng die Verflechtung zwischen der Einzelwirtschaft und der Staatswirtschaft ist, sie haben herausgefühlt, daß auch sie auf Gedeihs und Verderb mit dem Staats­wesen verbunden sind und daß es eine trügerische Illusion ist, wenn sie glauben, daß in .einem schwa­chen oder abbröckelnden Staat ihre Geschäfte ge­deihen könnten. Allerdings, der Zwang trat dazu: sie standen unmittelbar vor der Gefahr, daß sie von dem Massenwillen vernichtet würden, der sich in Form von Sozialisierungsversuchen gegen ihre wirtschaftliche Betätigung richtete.

So haben auch sie sich zusammengeschlossen und in dem Reichsoerband der Industrie eine Organisation geschaffen, die nicht nur ihren Macht­willen verkörpert, sondern ihn auch nach allen Rich­tungen zur Geltung zu bringen versteht. Ihre vor­jährige Tagung in Köln und die Versammlung, die sie in diesen Tagen in Dresden abgehatten haben, sind der lebendige Beweis dafür, daß auch die In­dustriellen den Wert des Zusammenschlusses und den Druck des Massenwillens begriffen haben. Drei­tausend deutsche Industrielle, das ist ein Faktor, mit dem heute jeder rechnen muß, da er ja schließ­lich nicht nur die einzelnen Persönlichkeiten, sondern auch ihr Kapital und ihre Führerqualität verkörpert. Was aber noch wertvoller ist: sie haben begriffen, daß sie neue Wege gehen müssen, wenn sie sich im neuen Staat durchsetzen wollen. Ein Blick auf die Vergangenheit braucht nicht Schuld ober Ver­antwortung abzuwägen, er darf aber doch feststellen, daß Arbeitgeber und Arbeitnehmer sich im kaiser­lichen Deutschland in einer verhängnisvollen Weise auseinander gelebt haben. Sie gingen nicht miteinander ober auch nur nebeneinanber, fonbern gegeneinanber unb betrachteten sich, wenigstens von unten nach oben, als bie geschworenen Feinde, bie nur im Kampf sich auseinanberzusetzen vermochten. Die Töne, bie jetzt aus Dresben kommen, finb ganz anberer Art. Sie prebigen ben Frieben unb Willen zur Verftänbigung und die Erkenntnis, daß der einfachste Weg nach vorwärts in dem inneren Ausgleich besteht. Denn nur der soziale Friede, der Unternehmer und Arbeiter als ge­wesene Kampfgenosien ansieht, vermag die letzten Kräfte im Interesse des Ganzen frei zu machen. Der Wille zu dieser Umstellung ist, baß zeigt Dresben ganz beutlich, auf Seiten der Arbeitgeber vorhan- ben. Ob auch , bie Arbeitnehmer ihn betätigen? Selbstverstänblich will ber Unternehmer nicht kapi­tulieren, er verlangt von bem Arbeiter bie Anerken­nung, baß bie körperliche ßeifturtg nicht ber einzige in ber Jnbustrie wirksame Faktor ist, baß gleich­berechtigt banebcn auch bie geistige Lei­stung steht. Er verlangt bamit ben Abbau bes Klassenkampfes. Unb bie Sozialbemokratie müßte sich innerlich umkehren, wenn sie auf bieses Schlagwort verzichten wollte. Seit sie bie siegreiche Revolutionspartei geworben ist, seit sie sich selbst zur Trägerin bes Staatsgebankens bekannt hat, märe es an sich bas gegebene, baß sie biefe veralteten Begriffe opferte. Aber sie kann eben ben Schritt aus ber Opposition mit allen feinen Konsequenzen nicht tun; sie möchte bie Waffe ber Opposition be­halten, ohne besiegen auf bie Vorteile bes Mit­regierens zu verzichten. Unb bas ist eine innerlich so unwahre Konstruktion, baß sie barnn scheitern muß.

Deshalb war es vielleicht nicht ganz richtig, wenn Dr. Siloerberg bie Parole zur Großen Koali­tion ausgab. Die Gleichung Sozialbemokratie Arbeiterschaft, bie er zur Bcgrünbung seiner poli­tischen Forberung ansührt, stimmt nicht. Herr SiL verberg hat bie Arbeiterbataillone übersehen, bie heute bei ben Deutschnationalen, beim Zentrum, bei ber Deutschen Volkspartei unb vor allem bei ben Kommunisten stehen. Trotzbem: baß bas beutsche Unternehmertum von bieser Stelle aus bie Parole zum sozialen Frieben ausgab, war eine Tat. Wir glauben nicht, baß bie Arbeiter­schaft in ihrer Gesamtheit bie ihr entgegengestreckte Hand heute schon annehmen wirb, aber bie Er­

kenntnis muß sich boch auch bei ben Arbeitern auf» brängen, baß ein Unternehmertum, wie es sich in Dresben gezeigt hat, nicht bie reaktionäre Masse ist, bie ihr als Todfeind gezeigt wirb. Deshalb glauben wir, baß ber unverwüstliche Optimismus, ber Glaube an bie Zukunft, ber sich in Dresben roieber offenbart hat, auch Recht behalten wirb.

Das Schlußreferat der Dresdener Tagung.

Unternehmertum und Staat. Unter­nehmer und Arbeiterschaft.

Dresden, 4. Sept. (TTl.) 2lm zweiten Derhandlungstag der Tagung des Reichsverban- des der deutschen Industrie hielt Dr. S i l v e r- b e r g das Schluhreferat überDeutsches Unternehmertum in der Nach krieg s- 8 e i t. Dr. Silverberg teilte sein Referat nach den beiden Hauptgesichtspunkten: Die Unter- nehmerschaft und der Staat Die Unternehmer- schäft und die Arbeiter. Seine Ausführungen lassen sich etwa in folgenden Leitsätzen zusarn- menfaffen: Die politische Revolution der Nach­kriegszeit wurde sehr bald zu einer wirt­schaftlichen und sozialen Revolu­tion. Das deutsche Unternehmertum hatte einen Kampf um seine Existenz zu führen. Trotz des Widerspruches, der sich in den ersten Anfängen des neuen Staates zwischen den Grundsätzen Der Regierungsarbeit und den Cxistenzforderun- gen der Industrie ergab, Haben beide Teile den richtigen Weg gefunden. Das deutsche Unter­nehmertum steht restlos auf staatsbejahen­dem Standpunkt. Das Unternehmertum hat in einem allgemeinen Gesundungsprozeh die Folgeerscheinungen der Inflatton und die vielen Mihstände, die auherhalb dieser Krise schon früher vorhanden waren, gereinigt Ein unlieb­sames Kapitel in der Nachkriegsgeschichte des deutschen Unternehmertums ist das Eindrin­gen des Staates in die Privatwirt­schaft. Die Schuld trifft hier in vielen Fällen auch die Unternehmerschaft selbst. Präsidium und Vorstand des Reichsverbandes haben beschlossen, sich mit dieser Entwicklung, wenn man sie noch so nennen darf, in der nächsten Zeit in Zu­sammenarbeit mit den anderen Spihenverbänden besonders kritisch zu befassen.

Das Verhältnis des deutschen Unternehmectums zur Arbeiterschaft

ist nach Lage der Dinge heute nicht zu charakteri­sieren ohne das politische Gebiet zu streifen. Die gegenseitigen Interessen, sowohl auf politischem wie auf wirtschaftlichem Gebiet a u s z u g l eichen, ist eine Forderung, die mit gleichem Ernst und gleicher Intensität von beiden Gruppen zu be­achten ist. Ich möchte glauben, daß manch einer dem Druck von Nöten und der Stimmung gefolgt ist, die nun einmal bei uns als Auswirkung der Revolution geherrscht hat und daß manch einer heute mit Anstand aus dieser Ueberzeugung des Organisattonsgedankens heraus möchte. Wie bem auch sei, es muh rückhaltlos und dankbar aner­kannt werden, daß die Gewerkschaften, soweit sie über einen alten Stamm gewerkschaft­lich geschulter und disziplierter Mitglieder und charakterfester Führer verfügen ich nenne hier ihn und uns ehrend den Namen Legien sich große Verdienste dadurch erworben haben, daß sie ernstlich mitwirkten, um die Arbeiter und Soldaten wieder zu einer geordneten Staatsverwaltung zu führen, und dank­bar sei an dieser Stelle und in diesem Zusammen­hang des ersten Reichspräsidenten Friedrich Ebert gedacht. Groß und schwer ist der Tribut, den die Arbeiterschaft zahlt. Und was bei dem sogenannten Besitz, bei dem Unter­nehmertum, sich als Verlust an Vermögen und mobilem Kapital darstellt, das ist für die Arbeiterschaft das Verschwinden nutzbarer Arbeitsgelegenheit. Die Einstellung des Unternehmertums zur Arbeiter- schast und ihren Organisationen ist nicht immer eine glückliche gewesen. Es ist nicht zu verkennen, daß sich in dem deutschen Unter­nehmer eine Wandlung der Geister voll­zogen hat. Es heihe, sich selbst etwas vormachen, sollte man verkennen, daß die überwiegende Mehr­heit der deutschen Arbeiterschaft in der Sozial­demokratie ihre politische Vertretung findet.

Es ist eine auf die Dauer in höchstem Maße allgemein und wirtschaftspolitisch unerträgliche unb schwerwiegenbe Lage, wenn eine große Partei, wie bie Sozialdemokratie, in einer zum deutschen Parlamentarismus mehr ober weni­ger verantwortungsvollen Opposition steht. Man sagte einmal:Es kann nicht gegen die Arbeiterschaft regiert werden." Das ist nicht richtig. Es muß heißen:Es kann nicht ohne die Arbeiterschaft regiert werden", und wenn das richtig ist, muß man den Mut zur Konsequenz haben. Es soll nicht ohne die Sozialdemokratie, in der die überwiegende Mehrheit der deutschen Arbeiterschaft ihre politische Vertretung sieht, regiert werden. Die deutsche Sozialdemokratie chuß zur verantwortlichen Mitarbeit heran, und sie wird auch als Partei zugrunde gehen, wenn sie sich nicht hierzu entschließt.

Dazu ist es von unserem Standpunkt aus eine Vor­aussetzung, daß bie Sozialbemokratie auch ben Mut hat, bie Folgerungen aus ben Lehren zu ziehen, bie sie in unb seit ber Revolution erhalten hat. Sie hat nicht bie Macht und bie Kraft unb bie Zähigkeit, ben Staat zu beherrschen unb zu führen. Ich glaube feststellen zu bürsen, daß bas inbustrielle Unternehmertum sich zu ber Erkentnis bnrchgerun- gen hat, baß bas Heil für Deutschlanb unb Deuisch- lanbs Wirtschaft nur in ber vertrauens­vollen Kooperation mit ber beutschen Arbeiterschaft liegt.

Rach einer ausgedehnten ' Aussprache hob Dr. Silverberg in seinem Schlußwort hervor, daß selbstverständlich alle großen Parteien zahl­reiche Arbeiter unter ihren Anhängern haben. Es sei aber eine vollkommene Verkennung der Wirklichkeit, wenn man nicht denkt, daß bei weitern die überwiegende Mehrheit der Arbeiter-

Genf, 6. Sept. (IU.) hier verlautet, daß Ehamberlain nicht als völkerbundsdelegierler, sondern in seiner Eigenschaft als englischer Außen­minister eine Nachricht aus Spanien bekommen habe, wonach dort die Revolution ausge- brachen sei. Die Nachricht war gestern in später Abendstunde nicht mehr nachzuprüfen, doch leugnet die englische Delegation das Eintreffen sehr schwerwiegender Nachrichten aus Spa­nien nicht ab.

Die letzten direkten Meldungen aus Madrid 7- feit Samstagnacht find sämtliche Telegraphen- und Telephonleitungen zwischen Spanien und Frankreich unterbrochen klingen ebenfalls sehr ernst. 3n einer offiziösen Kundgebung weist die Regierung auf ben Ernst der Lage hin, in der sich das Land durch die sich häufenden Fälle von Insubordination in der Armee als Folge der Abänderung des königlichen Erlasses über die militärischen Auszeichnungen befindet. So gab heule der Chef der Artiveriesektion ohne Ermächtigung des ttriegsminislers ben beurlaubten höheren Ar­tillerieoffizieren den Befehl, sich wieder aus ihren Posten einzufinden. Der Chef des Ar- tillerieregiments in Segovia ordnete ebenfalls ohne Ermächtigung die Bereitschaft ber Truppen der Garnison Segovia an, und zwar angeblich a t s Vorsichtsmaßnahme f ü r etwaige A n - griffe durch Madrider Truppen. Auch in der Militärakademie in vakadolid sind Fälle von Jndisziplin vorgekommen. Infolge dieser Ereignisse bdt die Regierung dem König geraten, nachMa - arid zurückzukehren und ihn um die Er­mächtigung gebeten, für ganz Spanien den B e - lager nngszu st and zu erklären und andere Maßnahmen zu veranlassen, so besonders die Ent­hebung aller höheren Artillerieoffi­ziere von ihren Posten und das Verbot des Tra­gens der Uniformen unter Androhung schwerer Strafen für den Weigerungsfall.

Der Diktator

gegen die MMtänevolte.

Madrid, 6. Sept. (WTB. Funkspruch.) Nach einer amtlichen Veröffentlichung versicherte ber König in einer Aubienz Prim 0 bc Rivera erneut seines Vertrauens unb ermächtigte ihn, alle notwendigen Maßnahmen zu ergreifen, wobei er bebauerte, baß ein Truppenkörper mit immer so glänzenber Geschichte wie bie Artillerie, sich in eine so unmögliche Lage gebracht habe. Der Minister- präfibent berichtet bann dem König über bie wich­tigsten Fragen ber äußeren unb inneren Politik unb hielt bann im Kriegsministerium einen Mini­st e r r a t ab, bei bem ber Minister für Aus­wärtiges, ber Finanz- unb ber Arbeitsminister nicht zugegen waren. Noch in ber Nacht erhielt bie Re­gierung zahlreiche Kundgebungen van Körperschaften unb Einzelpersonen, barunter vielen Offizieren, bie ber Regierung ihre Anhänglichkeit bezeugen unb ihre Dienste anbieten. Außer ber Ar­tillerie halten sämtliche Truppenkörper, auch bas gesamte Reservekorps ber Artillerie, ft r e n g ft e Disziplin unb befunbeten ben Willen, ihre Pflicht zu tun, auch wenn bas Aeußerste von ihnen verlangt wirb. Die Kaserne bes 1. Felbartillerie- Regiments würbe geräumt unb einer Abteilung Infanterie übergeben.

Sin Manifest des Diktators. Prinrv de Rivera für die Schaffung einer Nationalversammlung.

M a b r i b , 5. Sept. (WTB.) General Prima be Rivera hat an bas Land ein ausführliches Mani­fest gerichtet, in welchem er baran erinnert, baß ber b r i 11 e Jahrestag seiner Berufung sich nähere unb baß er baher ben Augenblick als ge­kommen erachte, Rechenschaft abzulegen und bas hoppelte Vertrauen bes Königs unb bes Volkes zu erbitten. Nach einem Rückblick auf bie Probleme,

schuft gewerkschaftlich organisiert sei u.tb daß bie überwiegende Mehrheit lintäftehenben Parteien angehöre. Beide Oppositionspurtkien, sowohl links wie rechts, machen in Deutschland den Fehler, daß sie ihre Politik weiter verfolgen, ohne die Absicht zu haben, daß das, was sie agitatorisch auswerteten, einmal verantwortlich als Regierungsvertreter vertreten zu müsfeir. Wir können den Reichstag nur reparie ren, wenn wir dafür sorgen, daß das, was parteipolitisch verlangt wird, auch als Re­gierung verantwortet werden muß. Ich bin der Auffassung, daß eine große Partei wie die Sozialdemokratie nicht verantwortungslos neben der Regierung hermarschieren darf, son­dern, daß gerade diese Herren unbe­dingt zur verantwortlichen Mit­arbeit herangezogen werden, wenn sie den Mut haben, für sich, für Deutschland und die deutsche Wirtschaft die Konsequenzen ans dem zu ziehen, was sich seit Jahren unter ihrer Führung abgespielt hat.

Einstimmig wurde dann beschlossen, die nächst­jährige Tagung in Frankfurt a. M. abzu­halten. Nach einem Schlußwort des Geheimrats Dr. Duisberg wurde die Tagung mit einem drei­fachen Hoch auf das deutsche Vaterland und dem Gesang des Deutschlandliedes geschlossen.

denen er sich vor Jahren gegenüber gesehen habe, wie bie Marokkofrage, Terrorismus, Separatismus, Gelbentwertung, Teuerung, schlechte Beschaffenheit ber Verkehrsmittel unb ben Zustand ber Verwaltung erklärt Primo be Rivera, auf allen Gebieten seien Fortschritte erzielt worben. Ich bin ber Mei­nung, so erklärt er, baß bas parlamentarische Re­gime gescheitert ist. Niemanb wirb baran benken, in Spanien bas alte Regime wieberaufzurichten. Anbererseits aber erscheint es nicht klug, bie Ober st e Nationalversammlung zu ent­behren, in welcher in natürlicher Gewichtsverteilung alle Klasseninteressen vertreten finb unb bie in b e - stimmten Fällen ihre Initiative unb ihre Zu­stimmung zu ben Regierungsbeschlüssen auszuüben hat. In ihr würbe auch ber König gegebenenfalls bie hervorragendsten Persönlichkeiten antreffen unb bie erforberlichen Männer zur Beratung, wenn es sich barum hanbelt, eine neue Regierung zu bilben. Der Mechanismus einer strichen Versammlung würbe bie Intrigen-Manöver, Zeitverlust sowie alle Charakte­ristika bes alten Regimes unmöglich machen. Auf biefe Weife wirb aus Spanien ein neuartiger Staat entstehen. Ich bin ber Meinung, baß bie Kom­munen zu ben Hauptzellen ber Nation werben müssen, bie ihre Steuererhebungen, abgesehen von einigen Sonbersteuern unb Monopolen, selbst ver­walten. Ich erkläre, baß ber Wieberaufbau Spa­niens, selbst nach ben Herabsetzungen ber Ausgaben für Marokko von 80 auf 60 Millionen für 1927 unb von 140 auf 120 Millionen Peseten für 1928, eine Haushaltseinnahme von 3100 Millionen erforbert unb baß ber Reichtum ber Nation baburch nicht zer­stört werben wirb.

Eine Volksabstimmung.

Madrid, 4. Sept. (WD.) Der Zentralaus- schuh der Union Patriotica (der hinter dem Diktator stehende Verband) richtete an die Regierung eine Denkschttft, in der er um die Erlaubnis nachsucht, zwischen dem 11. und 13. September eine Volksabstimmung in ganz Spanien durchzuführen, durch die die Zustimmung und Billigung für die Arbeit der Regierung und insbesondere Primo des Riveras auSge- sprochen und um die Schaffung einer Ratio nalversarnrnlung ersucht werden soll, die mit der Regierung zusammenarbeitet. Der Minister des Innern hat die Abhaltung der Volksabstimmung zugelassen und den Behörden unparteiisches Verhalten anempfohlen, um Sicher­heit dafür zu schaffen, daß die Stimmung des Landes unverfälscht zum Ausdruck kommt.

Spaniens Absage an den Völkerbund.

Ein Schreiben Primo de Riveras.

Genf, 4. Sept. (Priv.-Tel.) Heute abend spät geben die französische und englische Delega­tion ein Telegramm Primo de Rive­ras an Briand und Chamberlain be­kannt. Es hat folgenden Wortlaut:

M a d r i d, 4. September.

Ich bin niemals so tief bewegt gewesen wie in dem Augenblick, als ich das von Eurer Exzel­lenz unterzeichnete Telegramm erhielt, das Ihren Ruf als hervorragender Staatsmann und auf­richtiger Mensch rechtfertigt, der keine andere Sorge kennt als die, die Menschheit zur Ge­rechtigkeit und zum Frieden zu führen, der wirk­lichen Ehre der Völker. Niemals hat meine be­scheidene Person eine solche Ehre erwartet, wie sie das Telegramm Eurer Exzellenz für mich darstellt. Mein persönlicher Wunsch war es, sofort dem Hinweis zu folgen, der darin enthalten ist, wenn es nicht meine Pflicht wäre, über dem Ansehen dieses alten, ruhmreichen und vielgelieb­ten Spaniens zu wachen, das. da man es auf einen im Verhältnis zu Je nem Rang unter­geordneten Platz verweist, eine angemef ene Stellungnahme in würdiger Zurückhal-

Ernste Lage in Spanien.

Revolutionäre Stimmung in der Armee. - Rückkehr des Königs nach Madrid. - Verhängung des Belagerungszustandes.