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Er. 155 Erstes Blatt
176. Jahrgang
Dienstag, 6. Juli 1926
Gietzener Anzeiger
General-Anzeiger für Oberhesien
krscheint täglich,außer Sonntags und Feiertag«.
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Siebener FamilienblLtter Heimat im Bild
Die Scholle.
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rf 610 0 5, beibe rfne für die @e»
Zeheimrat Otto wiedfeldt f.
Essen, 5. Juli. (I1L) heule vormittag vermied in Essen in seinem Prioathaus nach längerer ItiVerer Krankheit Dr. h. c. Otto Wledfeldt, chler Direktor der Friedrich Krupp A. G. und ehe^ eiliger Botschafter in Washington. Dr. wiedfeldl Hl seit längerem an Vlutzersehung. Er hatte sich in In letzten Wochen in St Moritz zur Kur aufgc- Ijcien, die zunächst auch das Befinden gebessert häte, jedoch stellte sich in den letzten Wochen eine ^nehmende Verschlechterung des Gesundhettszu- stmdes ein, so daß bereits mehrfach Llutubertra- gingen vorgenommen werden muhten.
Wieder ist auS dem Kxeis der deutschen Lr IschaftSführer ein Mann von hoher De- gcbang, unermüdlichem Fleiß und großen Der- vimsien um das Gemeinwohl ausgeschieden: Dheimrat Dr. Wiedfeldt. Eine tückische Krank- Ejtt, die schon zu weit vorgeschritten war, um nch mit Erfolg gegen sie ankämpfen zu können, §6:, ihn, den Schaffenden und Äimmermüden, iw 55. Lebensjahr mitten aus seiner Tätiger: Lei Krupp herausgerissen. Mit dem rhei- : M-westfälischen Industrierevier eng verwachsen, INbcte er schon in frühester Jugend namentlich Ifa Stadt Essen eine unschätzbare Hilfskraft, ito sich die Kommune trotz seiner mehrjährigen -Angleit im Dienste der Deichsregierung in Ver- Hti und Tokio immer wieder zu sichern wußte. IW er dann schließlich in das Direktorium der !§i:nra Krupp eintrat. Wiedfeldt ist dem deut- i'<fcn Volke aber noch durch sein diplomatisches rten in den Vereinigten Staaten nach l>tn Friedensschluß bekanntgeworden. Rathe - 11 üu war es, der ihn als Vertreter des Deut- sjlchm Reiches nach Washington schickte und sich in ihm nicht getäuscht sah. Die Aufgabe, die ^Dedseldt zu lösen hatte, war riesengroß, denn Oona 18 stand die Union noch ganz unter dem -Benn der französisch-englischen Kriegspropa- Mflrba. Aber Wiedfeldt war nicht der Mann, Ö>tt sich durch diese Widerwärtigkeiten ab* ftchecken ließ. Allmählich «gelang es ihm, das Wit zum Schmelzen zu bringen und wieder herz- lüH Veziehungen zwischen den Vereinigten ©taa* t:en und Deutschland anzuknüpfen. Es bleibe lhv unvergessen, daß er mit zu den Ersten ge- 9 orte, die den Ring, den der Feindbund um Wrulschland gelegt und mit dem Versailler Der- tttc; ttoch einmal zusammengefchweißt hatte, sWngten unö uns die Welt wieder öffneten.
Dr. Otto Wiedfeldt wurde am 16. August ILSil in der Altmark geboren. Er studierte an» ff-ar.gS Theologie, sattelte aber bald zur Rational- tofcnomic um. Roch vor Beendigung seiner Stu- vin bekleidete er einen Redatteurposten an der ^Ztitschrifl „Soziale Praxis". Zugleich war er orti Stenograph im Preußischen Herrenhaus Rach Abschluß seiner Studien übernahm
e?t den Posten eines Geschäftsführers bei den llwdcrirtschaftlichen Genossenschaften in Sachsen um) trat 1900 in das. Statistische Amt der Stadt »Aresden ein. 1904 wählte ihn die Stadt 68|| en zum Beigeordneten. Bei den Vorberei-
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inmen.
j.pfrigen Aufenthalt schloß sich eine halbjährige Nkdäenreise durch China an.
Beileidstelegramm des Reichspräsidenten.
'Berlin,5. Juli. (WB.) Der HerrR e i chs- pnisident hat an die Gemahlin des verstoßenen Botschafters Wiedfeldt folgendes Tele- Lx'cr.n gerichtet:
„Sie Rachricht von dem so unerwarteten 3eie Ihres Herrn Gemahls hat mich tief betrübt irini ich beeile mich, Ihnen und den Ihren die Ansicherung meiner herzlichen Teilnahme an die- srmi schweren Verlust auszusprechen. In dem Viristorbenen verliert das deutsche Wirtschafts- lsikn einen seiner Führer uad unser Vaterland eümm Mann, der dem Reich an verantwortlicher
ttmrgen zum Invalidenversicherungsgesetz ent- Gkdte ihn der Staatssekretär des Innern, Dr. LDcl'brück, der ihn 1908 nach Berlin berief uui) zum Vortragenden Rat in seinem Mini- ftbriiim ernannte. Rach Abschluß dieses Gesetz*
N! tucigswerkes wurde Wiedfeldt als Volkswirtlich:'! 1er und Sachverständiger für Derkehrsfragen . , fol. M Japan berufen und vom Reichsamt des Tourniers pfriem 1911 beurlaubt. Dem dortigen zwei-
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Seine fruchtbringende Tätigkeit in Dresden UM) Essen hatte das Kruppsche Direk- "erium aus ihn aufmerksam gemacht, das ihn W) als Rachfolger von Dr. Hugenberg als Ntticklor verpflichtete. Die mehrmaligen Versuche Reichsregierungen, ihn für einen Regie- ... (fi/rmstts rrurgsposten zu gewinnen, lehnte er stets ab. Im »Utjtykll v IBctj 1922 erfolgte die Ernennung Dr. OBieb» -s «’tttS als gründlicher Kenner der deutschen Wirt-
dimmen Hai l'h.st zum deutschen Botschafter in !iftillÄhcn) bei btn 'IBafl) i n g ton. Mehrmals wandte sich die ;ole^n'5)reltoCIHlarti)f«n Krupp an die Reichsregierung mit dem ier Zchlv'E t Li buchen, Dr. Wiedfeldt von seinem Amte zu
0. 2.aU(rhmintmcni' mlieben, um ihn der deutschen Wirtschaft zurückleier ^.Kimmen i'Wk zumal nach der Verurteilung Krupp ter Sttiltill^® A^inofir. t«i Sohlens und der Kruppschen Direktoren, .jet seinem \fjng i1- tanrf) die Franzosen seine Anwesenheit und Mit» Mner Drek? cekit in Essen dringend notwendig geworden sei.
-—- 2§brr erst Ende 1924 gab die Reichsregierung Drängen der Firma Krupp nach und berief Wiedfeldt aus Washington ab, das dieser tä-tf nach Reujahr 1925 verließ. Rach seiner (Smllalfung aus dem Staatsdienst trat Dr. Wied- lefflt als Vorsitzender des Direkto- riirms wieder in die Firma Kruvv Zurück.
Neue schwere Unwetterschäden.
Neues Unwetter über Berlin.
D e r l i tt, 5. Juli. (£11.) Das Unwetter, das am Sonntag die furchtbare Einsturz-Katastrophe in Woltersdorf zur Folge hatte, fand heute Rachmittag eine Fortsetzung. In der fünften Nachmittagsstunde gingen über Groß-Berlin in der Richtung von Westen nach Rorden wiederum zahlreiche Gewitter mit wolkenbruchartigen Rieperschlägen nieder. Der Blitz schlug an mehreren Stellen ein. Ganz besonders schwere Schäden wurden aber durch den sintflutartigen Regen hervorgerufen, der vor allem die westlichen Bezirke Groß-Berlins heimsuchte, die Straßenzüge in Seen verwandelte und fast sämtliche Kellerräume unter Wasser setzte. 5>ie Ueberschwemmungen waren so stark, daß die Feuerwehr ununterbrochen zur Hilfeleistung alarmiert wurde und daß sich die Brand* direktton in Schöneberg gezwungen sah, den Ausnahmezustand für die Feuerwehr zu verkünden. In den meisten Fällen mußte die Wehr sich darauf beschränken, die gefährdeten Räume auszupumpen.
An der Ecke her Ranke- und Siedenburger Straße wurde durch das Unwetter ein Autounglück hervorgerufen. Der Führer eines Kraftwagens verlor infolge der Glätte der Straße die Gewalt über das Auto, prallte gegen einen Baum und wurde erheblich verletzt, so daß er in ein Krankenhaus transportiert werden mußte. Auch am <5 p anbau e r Berg, von dem ungeheuere Wassermassen herunterströmten, wurden zahlreiche Wasserschäden angerichtet. Das Gewitter verzog sich schließlich nach dem Norden, wo allerdings glücklicherweise weniger Schaden angerichtet wurde. Geyen 7 Uhr wurde Waltersdorf, die Unglücksstätte des Sonntags, abermals von einem Gewitter mit starken Regen» fällen ereilt, so daß ein großer Teil der inzwischen notdürftig ausgebesserten Chausseen und Wege wiederum unter Wasser gesetzt wurde.
Im Osten von Berlin ist infolge des Unwetters d i e Wühle über d i e Ufer getreten und draht die Kaulsdorfer Strafte in' Köpenick zu über» schwemmen. Auch die Löcknitz ist aus den Ufern getreten und hat grofte Wiesenflächen überschwemmt. Weiter sind schwere Störungen der Fernsprechleitungen, der Elektrizitätsversorgnung und des Betriebes der Wasserwerke zu verzeichnen.
Vie woltersdorser Katastrophe.
Berlin, 5. Juli. (TU.) Die Unglücksstelle in Waltersdorf an der Kegelbahn des Hotels Kranichberg ist im Laufe des Montags durch eine Behörde einer Untersuchung unterzogen worden. Der Befund an Ort und Stelle, sowie die Gutachten der mit der Leichenschau betrauten Aerzte, ferner die Vernehmungen einer Reihe von Augenzeugen führten zu der Feststellung, daß die Ursache der Katastrophe nicht in einem Blitzschlag in die Kegelbahn, wie das vielfach zuerst angenommen wurde, zu suchen ist, sondern daß die den Kranichberg herabstürzenden Wassermassen die Mauer der Kegelbahn überspült und eingedrückt haben. Spuren eines Blitzschlages konnten weder an den Mauersteinen oder an den Toten entdeckt werden, die durch Schädelbrüche oder schwere innere Verletzungen, teils durch Erstickung ums Leben gekommen sind. Die Leichen sind inzwischen sämtlich zur Bestattung freigegeben worden. Die freiwilligen Feuerwehren von Woltersdorf und Erkner konnten trotz angestrengter Arbeit noch nicht alle Kellerwohnungen und Lagerräume in Woltersdorf, in die die Wassermengen eingedrungen waren, leerpumpen. Zur Wiederherstellung der verwüsteten Schleusen sind Notstgndsarbeiter eingesetzt worden. Auch die privaten Schäden sind nach den bisherigen Berichten ganz enorm.
Oberbranddirektor Oempp'gibt noch folgende Einzelheiten zu der Unwetterkatastrophe in Woltersdorf. Am gestrigen Unglückstage waren im ganzen zehn Löschzüae der Großberliner Feuerwehr nach der Unfallstelle in Woltersdorf unterwegs. Infolge der unpassierbar gewordenen Straße konnten die Fahrzeuge erst auf großen Umwegen herankommen. Der Fahrdamm war stellenweise in einer Länge von drei Meter aufgerissen. Bäume lagen quer über die Straße. Die Kegelbahn, durch deren Ein
sturz so viele Menschen getötet und verletzt wurden, liegt an einem etwa 60 Meter hohen Abhang, und die von steiler Hohe herunterstürzenden Wassermengen bildeten zwischen der Kegelbahnmauer und dem Abhang einen Teich. Diese Wasser, in der sich immer neue Fluten von oben ergossen, dürften einen derartigen Druck auf d i e Mauer aus- geübt haben, daß diese schließlich eingedrückt wurde und in sich zusammen st ürzte. Sonderbar ist, daß die Einsturzgefahr von den Aus- flüglern nicht bemerkt wurde, da doch wahrscheinlich erst einzelne Teile der Mauer zusammenbrachen. Jedenfalls waren sämtliche anderen. Unterschlupfräume, die den Ausslüglern vor dem Unwetter Schutz bieten können, bereits vollbesetzt, und die Aufmerksamkeit der Ausflügler wurde durch das Unwetter abgelenkt.
Die Ernte im Kreise Lebus vernichtet.
Frankfurt a. d. 0., 6. Juli. Im Lebuser Kreise sind bei einem schweren Unwetter am Sonntag in der Zeit von zwei Stunden etwa 62 Millimeter Niederschlag gefallen. Der größte Teil des Stemberger Bruches steht unter Wasser, da das Wasser in den durch das Hoch» und Grundwasser gefüllten Gräben nicht abziehen kann. Schätzungsweise sind 3 0 0 0 Morgen Ernte vernichtet. Im Kreise B e e s k 0 w wurden eine etwa 70jährige Frau und ihr Sohn vom Blitz getroffen. Der Sohn wurde getötet, während die Frau betäubt wurde und sich später erholen konnte. Von einem zweiten Blitzschlag wurde ein Krankenkassenangestellter sofort getötet.
Die Strecke Magdeburg - Halle gesperrt.
Berlin, 6.Juli. Wie der „Lokalanzeiger" aus Magdeburg meldet, ist an den Haltestellen für die Eisenbahnwerkstättenarbeiter in Salbke der Bahnhof vollkommen überschwemmt. Durch die Wucht der Wassermassen ereignete sich ein Si. mmbrud), so daß die Strecke Magdeburg—Halle bzw. Güsten unbefahrbar wurde und für unbestimmte Zeit gesperrt werden mußte. Sämtliche Züge werden von Magdeburg-Südost bzw. Buckau über den Rangierbahnhof geleitet.
Wolkenbruch über Koburg.
Ko bürg, 5. Iüli. (Wolff.) Seit gestern nachmittag ge'ht ein ununterbrochener, Wolkenbruch artiger Regen nieder, der in Straßen und Häusern großen Schaden anrichtete. Das Ihtal steht vollständig unter Wasser. Infolge des noch steigenden Hochwassers wurde in Koburg eine Schule geschlossen, da der ganze nördliche Stadtteil überschwemmt ist. Besonders stark ist der Wasserzustuß des Sulztals, wo ebenfalls ein Wolkenbruch niedergegangen ist. Die Bahnstrecke Koburg—Rodach ist unterbrochen, da der Damm an einer Stelle weggespült ist. Auf der Strecke Koburg—Rossach hat sich infolge des Hochwassers eine Bahndammbeschädigung ereignet, so daß ein Hilfszug abgesandt werden mußte.
Schwere Unwetterschäden in der (Eifel.
Köln, 6. Juli. (TU.) Heftige Gewitter mit wolkenbruchartigem Regen haben auch in den verschiedensten Gegenden der Eifel großen Schaden angerichtet. Zahlreiche Felder sind durch die von den Berghängen herabstürzenden Fluten völlig vernichtet worden. Besonders hart betroffen wurde der Ort Schalkmaaren. Die in den Talkessel niederströmenden Wassermassen eines Wolkenbruchs und die von den Dergabhän- gen sich herabwälzenden Fluten schwemmten die Kartoffeln fort und verschlammten die Wiesen. Sie ergossen sich dann in die Dorf straften. Die Marbach war in wenigen Minuten so angeschwollen, daß das Vieh aus den Ställen gezogen und schleunigst in Sicherheit gebracht werden mußte. In den Dorfstraßen riß das Wasser die Pflastersteine heraus und führte sie mit sich fort. Gleichzeitig fegte eine Windhose durch das Dorf, deckte die Dächer ab und richtete schweren Schaden an. Seit mehr als 25 Jahren kann man sich an
ein derartiges Unwetter nicht mehr erinnern. In Heiligenwald int Saargebiet wurden zwei Brüder im Alter von 24 und 25 Jahren, vom Blitz getroffen. Einer war sofort tot, während der andere eine schwere Lähmung erlitt. Schwere Gewitter im Nheingau.
WER. Wiesbaden, 5. Juli. Im Rheingau und Taunus sind gestern zahlreiche schwere Gewitter mit wolkenbruchartigen Regen niedergegangen, die zum Teil schweren Schaden anrichteten. Bei Büdesheim wurden drei Touristen, die beim Jagdschloß Riederwald vor dem Gewitter Schuh gesucht hatten, schwer vom Blitzschlag verletzt. Ein Tourist wurde sofort getötet. In Bleidenstadt bei Wiesbaden ergossen sich die Wassermassen so stark, daß die Fluten in die Häuser und Keller ein» drangen. Auch in den Waldungen an der Hohen Wurzel, der Platte und am KeUerkopf hauste das Unwetter schwer. Hunderte von Sonntags- toanöerem suchten durchnäßt bis auf die Haut Schutz in den Ausflugslokalen. Auch in Mainz hauste das Unwetter schwer. Die dort angesagten Radrennen mußten abgesagt werden, weil sich die Bahn in einen wahren See verwandelt hatte. Der Blitz schlug in den Stephanturm ein, doch konnte der Brand gleich gelöscht werden. Auch aus der Gegend von Langen» fchwalbach werden große Unwetterschäden, besonders aus Hahn-Wehen gemeldet. Der auf den Fluren angerichtete Schaden ist beträchtlich. Auch aus dem Ried, besonders aus der Gegend von Geinsheim und Dornheim, werden gewaltige Unwetterschäden gemeldet. Trotz der gewaltigen Entladungen war die Abkühlung' durch die Gewitter überall nur gering.
Gewitterflug eines Flugzeuges.
Berlin, 5. Juli. (WTB.) Einen ganz hervorragenden Flug absolvierte Montag nachmittag ein dreimotoriges Iunkers - Gr0ß- flugz eug der Deutschen Lufthansa, das flug- planmäßig um 12 Uhr mittags in Amsterdam zur Reise nach Berlin mit sieben Fluggästen und 200 Kilogramm Fracht an Bord trotz schlechten Flugwetters gestartet war. An der Elbe stieß die Maschine auf ein ungeheures Gewitter, dessen Wand ungefähr 60 Kilometer tief und 40 Kilometer breit war. Trotzdem behielt der Pilot seinen geraden Kurs auf Berlin, über dem sich der Kern des Unwetters befand, und landete glatt, während Blitz und Donner über der Stadt tobten und ungeheure Wassermassen sich über die Straßen etgoffen.
va§ Unwetter im Ausland.
Linz, 6. Juli. (WB.) Die Samstag und Sonntag in Obero ft erreich niedergegangenen Unwetter habe neuerlich schwere Schäden verursacht. Flüsse und Bäche traten aus ihren Ufern und rissen Brücken und Stege fc^ Sehr schwer wurden allenthalben auch die Wege und Straßen in Mitleidenschaft gezogen. Bei Ebelsberg trat die Traun fo rasch aus den Ufern, daß fünf Landarbeiter von den Fluten erreicht und ihnen der Rückweg abgeschnitten wurde. Nur mit knapper Not konnten sie, nachdem sie stundenlang um Hilfe gerufen hatten, gerettet werden. Ueber den Kanton Waadt (nördlich des Genfer Sees) ist ebenfalls ein schweres Unwetter niedergegangen, das namentlich in der Weingegend von Rioaz großen Schaden angerichtet hat. Die Straße nach Lausanne ist durch Geröll versperrt. Die Bahnlinie bei Rioaz ist ebenfalls durch herniedergegangene Erbmassen zugedeckt.
Schwere Unwetter werden auch aus Frankreich gemeldet. Im Departement P 0 n 10 i s e ist ein schwerer Zyklon niedergegangen, der großen Schaden verursachte. Bäume wurden entwurzelt und verschiedentlich gerieten Häuser und Fabriken in Brand. Infolge der Heber- schwemmung sind viele Häuser vom Einsturz bedroht. Zahlreiche Personen wurden verletzt. In der Umgebung von Paris und in der Provinz gingen schwere Gewitter nieder. In R et h e l wurde ein Landwirt mit seinem Knecht vom Blitz erschlagen.
Stelle wertvolle Dienste geleistet hat. Ich werde ihm ein ehrendes Gedenken bewahren.
gez. v. Hindenburg, Reichspräsident."
Der Reichskanzler an Frau Wiedfeldt.
Berlin, 6. Juli. (TU.) Reichskanzler Dr. Marx hat an Frau Geheimrat Wiedfeldt ein Schreiben gerichtet, in dem es \k a. heißt: „Mit tiefstem Bedauern habe ich die Trauerbotschaft von dem Hinscheiden Ihres hochverdienten Herrn Gemahls, des früheren deutschen Botschafters in Washington, erhalten. Er hat sich durch seine Tätigkeit als Botschafter Deutschlands bei den Vereinigten Staaten die Höch st e Anerkennung der deutschen und nordamerikanischen Oeffentlichteit zu erwerben gewußt. Das Vaterland erwartete von seinen außergewöhnlichen Fähigkeiten noch große Dienste. Leider hat der Tod zu früh seinem Wirken ein Ziel gesetzt. Ihnen, sehr verehrte gnädige Frau, und Ihren Kindern der Reichsregierung und mein innigstes Beileid zu dem schweren Verlust auszusprechen, ist mir ein Herzensbedürfnis. Die Reichsregierung wird dem Heimgegangenen stets eine treue und dankbare Erinnerung bewahren.
Reichsbahn und Reichsregierung.
Um den neuen Generaldirektor.
Berlin, 5. Juli. (Wolff.) Wie von zuständiger Seite verlautet, empfing der Reichskanzler heute vormittag 11 Uhr den Vorsitzenden des Verwaltungsrats der Deutschen Reichsbahngesellschaft, Herrn v. Siemens. Die Unterredung, an der der Reichsverkehrsminister Kröhne, der stellvertretende Vorsitzende des Verwaltungsrates, Stierer, und Staatssekretär Bergmann teilnahmen, wurde erst am späten Rachmittag beendet. Die Entscheidung über die Bestätigung Dorpmüllers als Generaldirektor der Reichsbahn ist noch nicht gefallen. Sie wird voraussichtlich in der nächsten Kabinettssitzung getroffen werden. In der heutigen Unterredung zwischen dem Reichskanzler und Dr. v. Siemens wurden ferner Fragen prinzipieller Ratur über das Verhältnis der Deutschen Reichsbahngesellschaft zur Reichsregierung erörtert. Insbesondere wurde die Frage einer eingehenden Prüfung unterzogen, in welcher Weise die Mitwirkurrg des Reichspräsidenten und der Reichsregierung bei
der Entscheidung über wichtige Fragen der Reichsbahn gesichert werden könne. Die Bestätigung der Wahl Dorpmüllers durch die Reichs- reg-ierimg dürfte wohl, von einer grundsätzlichen Klärung dieser Frage abhängig sein
Für die Reichsregierung ist die Besetzung der Generalbirektion eine Prestigefrage, denn schließlich ist bas Reich noch immer Hauptaktionär, ohne dessen vorherige Befragung bedeutende Posten nicht so ohne weiteres vergeben werden dürfen. Die Reichsbahn beging damals einen schweren Formfehler, als sie kurzerhand an Oesers Stelle Herrn Dr. Dorpmüller setzte. Das konnte sich die Reichsregierung natürlich nicht bieten lassen, wenn sie auch grundsätzlich gewiß nichts gegen die Wahl Dorpmüllers einzuwenden gehabt hätte. Einer Erklärung bedarf vor allem wohl noch die Einstellung des neuen Generaldirekwrs zum Dawesabkommen, da sich Dorpmüller seinerzeit gegen bas Abkommen ausgesprochen hat. Obwohl er die jetzt geltende Re-' parationsregelung ablehnte, hat er es doch für erforderlich gehalten, seine ganze Kraft in den Dienst der Hauptträgerin der Reparationslasten zu stellen, womit wohl genügende Sicherheit dafür gegeben ist, daß aus feiner privaten Einstellung nicht mögliche politische Schwierigkeiten erwachsen.


