Ausmaße vorzunehmen. Naturgemäß gründet sich dieses Steuerkartenhaus des Herrn Henrich weiterhin auf die Voraussetzung der ursprünglich für den 1. April 1926 vorgesehenen Friedensmiete. Ein Fehler in der diesbezüglichen Rechnung des Finanzministers, der sich ja auch noch Herausstellen wird, muß den ungedeckten Fehlbetrag des Staatshaushaltes automatisch wieder auf rund 10 Millionen Mark erhöhen.
Minister Henrich hat weder einen Weg zur teil« weisen Beseitigung der Defizitwirtschaft, geschweige denn einen Weg zur Herstellung des Gleichgewichts im Staatshaushalt in seinem Finanzexposö gezeigt. Die Ausgabenseite des Etats ist für ihn gleichsam eine unabänderliche Tatsache. Man hatte eben in Hessen bei den regierenden Parteien kein Verständnis dafür aufbringen können, daß es unweigerlich zur Finanzkatastrophe führen mußte, wenn man dem verarmten Staate immer neue Aufgaben und damit neue Ausgaben aufbürdete.
Da der Finanzminister Henrich in seiner Taten- unlust verharrte, und in dem Finanzexpose besonders noch zum Ausdruck brachte, daß er nie seine Hand dazu bieten werde, irgendwelche kulturellen oder sozialen Aufgaben des Staates, mit denen sich Hessen im Gegensatz zu den übrigen Ländern des Reiches ganz besonders, und zwar mit einem gewissen Eiltempo belastet hatte, abzubauen, so blieb es den Oppositionsparteien Vorbehalten, hier die notwendige Initiative zu entwickeln. Schon eine flüchtige Ueberprüfung der Ausgabenseite des Staatsvoranschlages für 1926 ergab greifbare Möglichkeiten entschiedener Sparmaßnahmen, und diese Feststellungen konnten zwischenzeitlich noch nach mancher Richtung hin erweitert werden. Betrüblich bleibt die Tatsache, daß Hessen hinsichtlich seines Finanzgebarens nicht in der Sage ist, einen Vergleich mit anderen Ländern des Reiches, etwa mit Preußen, erfolgreich zu bestehen.
Bei dieser Sachlage nahm die Vorberatung des Etats in dem Sechserausschuß und im Finanzausschuß des Landtages einen erregten Verlauf. Die besondere Aufmerksamkeit der gegen die hessische Finanzpolitik sich wendenden Parteien richtete sich naturgemäß zunächst auf den größten Posten der Ausgabenseite des Voranschlages, ilämlich Das Kapitel Volksschule. Hierbei gelangte man schon bald zu statistischen Ergebnissen, die geradezu sensationell wirkten. Es konnte festgestellt werden, daß einer Volksschülerzahl von 216000 vor dem Kriege heute leider nur noch 142 000 gegenüberstehen; trotz dieser Verminderung um 74000, die nicht erst von gestern auf heute herrührt und bedauerlicherweise ebensowenig von heute auf morgen verschwinden wird, ist in Hessen die Zahl derLe h- r e r nicht nur auf gleicher Höhe geblieben, sondern hat noch unter Berücksichtigung der Fortbildungsschullehrer eine gewisse Erhöhung erfahren. Entsprechend sind die Schul ko st en in ihrer Gesamthöhe von 11,2 Millionen Mark im Jahre 1914 auf 25,5 Millionen im Jahre 1926 an- gewachsen.
Der Wucht dieser und ähnlicher Feststellungen bei anderen Kapiteln des Staatsooranschlags konnte auch die Front der vor Henrich schützend dastehenden Parteien nicht standhalten. Auf einmal, zu« nächst erst schüchtern, begannen Demokraten und Sozialdemokraten ihrerseits Abbauanträge, auch bezüglich der Volksschule, xu stellen und damit ein weiteres Zeugnis für die zwingende Notwendigkeit sofortiger Sparmaßnahmen zu erbringen. Die Sitzung des Finanzausschusses, in der über diele und die anderen Einträge abqestimmt wurde, nahm einen dramatischen Verlauf. Hie Linke mußte sich sagen lassen, daß sie es leicht in der Hand gc« habt hätte, bereits seit Jahr und Tag sich den klar erkennbaren Staatsnotwendigkeiten anzupassen und damit den heute erforderlichen, z. T. harten Maßnahmen aus dem Wege zu gehen. Bemerkenswert war auch, daß das Zentrum in seinen Anträgen, Namentlich mit Bezug auf die Fortbildungsschule, eine mehr oder weniger große Angleichung an die Auffassung der Oppositionsparteien vornahm, z. T. sogar über deren Anträge hinausging. Die Hauptüberraschung bildete aber die plötzliche Erklärung des Finanzministers Henrich, daß die vorgelegten Anträge hinsichtlich der Volksschule nicht weit genug gingen, und der seinerseits nunmehr die Anregung gab, von jetzt ab jede z weite B e a m t e n st e i l e im Volksschillwesen, die vakant würde, nicht mehr zu besetzen. Mit Recht wurde Herrn Henrich von den Vertretern der Rechten entgegengchalten, daß seine Erklärung nichts anderes als eine Polemik gegenüber seinem eigenen Staatsvoranschlag bedeute, und daß weiterhin die Finanzpolitik des Hessischen Staates nicht vernichtender charakterisiert werden könne, als wie es der Finanzminister selbst durch seine jüngsten Anregungen getan habe.
In den Plenaroerhandlungen des Landtags, die jetzt begonnen haben, werden alle diese Angelegenheiten eingehend vor der Oeffentlichkeit zur Sprache gebracht werden. Für die Parteien ter Weimarer Koalition, namentlich jedoch für das Zentrum ist die bedeutungsvolle Frage zu beantworten, wie weit sie den Finanzminister Henrich schützen, und wie weit sie sich mit seiner Finanzpolitik identifizieren sollen, die sich nachgerade vor aller Augen so besonders verhängnisvoll ausgewirkt hat.
Die Finanznot des Hessischen Staates und die verfehlte Politik des verantwortlichen Ministers, die sich im Lande zunächst durch einen nahezu unerträglichen Steuerdruck bemerkbar macht, hat in allen Teilen Hessens eine stürmische Protestbewegung ins Leben gerufen. In zahllosen Versammlungen, die in der Hauptsache von örtlichen wirtschaftlichen Organisationen einberufen wurden, tarn die Empörung der Bevölkerung deutlich zum Ausdruck. Man muß den wirtschaftlichen Verbänden dafür dankbar fein, daß sie durch ihr Eingreifen den ordnungsmäßigen Verlauf dieser Massenkundgebungen ermöglicht und Ausschreitungen verhütet haben. Neben Rednern der örtlichen Verbände hoben Vertreter der Deutschen Dokkspartei und des Hessischen Lcmdbundes zusammen in diesen Versammlungen das Wort ergriffen, die einen parteipolitisch neutralen Charakter trugen, und zu denen selbst in kleineren Orten Tausende aus nah und fern zusammenströmten. Die Wirkung dieser Massenbewegung, die noch unvermindert im Lande anhält, war keine geringe und hat bei den Linksparteien eine sichtliche Nervosität ausgelöst. Eine durchaus falsche Einschätzung dieser Volksbewegung bedeutet ss aber, wenn man sie als „gemeinsame Schimpffront gegen Steuern" bezeichnet.
Wir stehen am Schlüsse unserer Betrachtung. Heute hat der hessische Staat auf seine letzten Reserven ^urücf gegriffen; fein Voranschlag ist ohne Rücksicht darauf auf- gestellt, ob die Steuern auch in ihrer ganzen Höhe eingeben, vor allem jedoch ohne Rücksicht dar aus, ob nicht eine Aenderung der Bestimmung über die kommende F r i e d e n s m i e 1 e den ganzen schönen Plan bezüglich der Sondersteuer vom be
bauten Grundbesitz über den Haufen wirft. Letzteres ist inzwischen tatsächlich eingetreten, da die gesetzliche Miete auch nach dem 1. April 1926 noch einige Zeit unter Friedenshöhe bleiben soll. Es ist nicht übertrieben, von einem Zusammenbruch des hessischen Staatsvoranschlages zu sprechen, und man braucht kein Prophet zu sein, um ein krasses Mißverhältnis zwischen den veranschlagten und den tatsächlich eingehenden Steuern oorauszusehen. Die Kassen des Hessischen Staates sind heute leer, und schon wird im Landtage von dem Staatsbankerott gesprochen. Auch vom Reiche ist die finanzielle Sanierung Hessens nicht zu erhoffen. Hessen muß s i ch selber helfen, und es ist dazu auch heute noch nach der Anschauung der Opposition wohl in der Lage, aber mit den Methoden der bisher regierenden Koalition wird man das Retttungswerk nicht vollbringen und dbn gänzlichen finanziellen Zusammenbruch nicht verhindern können. Diese Parteien werden bald schon vor der Unmöglichkeit der Fortführung des Staates stehen. Und kein anderer als Finanzminister Henrich selbst hat diesen Gedanken der Aufgabe der Selbständigkeit des Hessischen Staates, als Ausdruck völliger Hoffnungslosigkeit, in die Debatte geworfen.
Englands Macht in China.
Von Dr. Wilhelm von Kries, 1906—1919 in der Seezollverwaltung Chinas.
Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.
London, 4. März 1926.
Der S e e z o 11 d i r e k t o r I)at die Häsen bzw. die Zollämter in Kanton und Whampoa geschlossen und damit den gesamten Schiffsverkehr, soweit von einem Schiffsverkehr noch gesprochen werden kann, in dem wichtigsten südchinesischen, an der Mündung des Westflusses oder Sifiang gelegenen Handelsplatz Ü i l Igel egt. Die unter kommunistischer Leitung stellende revolutionäre Regierung und das Streikkomitee in Kanton befanden sich schon seit vielen Monaten im Kampfe um die Kontrolle des südchinesischen Schiffsverkehrs. Man hat einen Streik oder wenn man will, einen Boykott, der sich fast ausschließlich gegen England richtet, verkündet und durchgeführt. Die Fremdenniederlassung in Kanton, die auf der Insel Sharneen liegt, ist praktisch von dem Verkehr mit der Außenwelt abgeschnitten. Der Handel liegt still, obwohl bis in die letzte Zeit der regelmäßige Dampferoerkehr und ein heimlicher Geschäftsverkehr mit der Chinesenstadt möglich gewesen ist. Santon hat eine Bevölkerung von über 1 Million Einwohner, und es ist unwahrscheinlich, daß die Macht der Revolutionspartei so groß sein sollte, um diese Bevölkerung zur unbedingten Befolgung der Boykottparole zu zwingen.
Es liegt auf der Hand,'daß durch diese Zustände der Handel oder besser noch die internationale Kaufmannschaft und auch hier besonders die englische in der britischen Kolonie Hongkong schwer betroffen worden ist. Hongkong stellt das südchinesischs, der Mündung des Wettflusses vorgelagerte europäische Handelszentrum dar. Hongkong ist der Stapelplatz, Kanton der Umschlagshasen des südchinesischen Handels.
Aus alledem ergibt sich, daß die lokale Bedeutung des Konfliktes ernst genug ist, um England Verlegenheiten zu bereiten. Daß dem so ist, zeigen sich immer wiederholende Anfragen im Unterhaus, zeigt ferner die Ausführlichkeit der englischen Berichterstattung über die südchinesischen Zustande.
Mit Dem Eingreifen des Seezolldirektors oder besser Seezollkommissars ist ein neues Element in den Konflikt hineingetragen worden, wodurch er prinzipielle Bedeutung erhält. Es hqndett sich nicht mehr um lokale Streitigkeiten in Südchina, es handelt sich jetzt um die Grundfrage: War der Seezolldirektor zu einer so einschneidenden Maßnahme wie der Schließung des Hafens berechtigt, und zweitens, wenn diese Frage bejaht wird, war der Schritt im englischen oder europäischen Interesse zweckmäßig?
Die juristische Lage, ist klar. Der Seezolldirektor hat im Einverständnis mit dem in Peking wohnenden Generalzollinspektor gehandelt. Er hat ferner nichts weiter getan, alsdiepraktischeFolge- ru n g aus einer unhaltbaren Lage gezogen, denn die Autorität der Seezollverwaltung wurde durch die Boykott- und Streikbewegung direkt herausgefordert. Die Revolutionäre haben einfach zweitausend Kolli, die noch unter Zollverschluß waren, aus Dem Gewahrsam der Verwaltung gewaltsam entfernt, und es blieb infolgedessen nichts anderes übrig, als den Betrieb des Zollamtes ein zustellen. Eine Fortsetzung der revolutionären lieber» griffe hätte weiter keine andere Wirkung haben können, als Der völligen Untergrabung Der an sich schon geschwächten Autorität Der Seezollverwaltung in Südchina.
Damit ist indessen die zweite Frage noch nicht beantwortet. Wir haben schon bei früherer Gelegenheit auf die Bedeutung der sich auf Die Seezollver- waltung gründenden heimlichen Bormachtstel - l u n g Englands in China hingewiesen. Die Seezollverwaltung, Die ihre Einnahme an Die Zentralregierung abführt, ist eine a u s l ä n D i s ch e Behörde, vergleichbar mit der „Sette publigue" in Der Türkei. Ihre Tätigkeit umfaßt Das gesamte Gebiet des chinesischen Reiches. Seezollämter finden sich in jedem Hafen, in jedem Handelsplatz, an Der See-, Land- oder Flußgrenze und im Jnlcmde, wo Europäer Niederlassungsrechte besitzen. Sie steht unter englischer Oberleitung, und Die Beamtenschaft setzt sich aus Angehörigen aller Vertragsmächte mit Ausnahme Der Mittelmächte Deutschland Oesterreich usw. zusammen. Aber sie ist von EnglänDern gegrünDet, wird von Engländern verwaltet und bildet einen Staat im Staate.
Dir Autorität Der Seezolloerwaltung ist noch niemals von revolutionären Gewalten in China an- gezweifekr worden. Abgesehen von ganz kleinen Zwischenfällen ist niemals eine Lage aufgetreten, wie Die gegenwärtige. Jeder chinesische Machthaber, selbst Sunyatsen, hat es niemals gewagt, praktisch in Die Seezolloerwaltung einzugre'ifen, Denn jeder Chinese wußte und weiß, daß Der internationale Kredit des gesamten chinesischen Reiches auf dem unbehinderten Funktionieren dieser Verwaltung beruht.
Diese Verhältnisse haben sich nun zum ersten Male feit Dem Bestehen Der Seezölle, D. h. feit 75 Jahren, geändert. Es ist zum offenen Konflikt einer revolutionären Lokalregierung und der veezollverwaltung gekommen. Die Seezollverwal- lung, dargestellt durch Den Seezollkommissar in Kanton, ist ihrerseits zur Offensive übergegangen.
Das Echo dieser Aktion in den englischen Blättern, ganz ^besonders der „Firnes", zeigt den Ernst der Lage. Schon jetzt sind Stimmet: hörbar. Die Die Zweckmäßigkeit des Vorgehens Des Seezolldirektors bezweifeln. Nicht, weil DaDurd) ein objektiver Schaden ungerichtet^würde. Nach Lage der Dinge war der Leiter des Seezollamtes in Kan- ton völlig im Rechte. Aber das höhere Interesse wird in Mitleidenschaft gezogen, denn plötzlich fällt
ein unerwartetes Schlaglicht auf eine bisher u n - sichtbare Machtposition der englischen Politik. Das wird als peinlich und unerwünscht empfunden. Wir stehen deshalb vor Dem Beginn einer außer- -orDentlidj interessanten unD wichtigen Auseinandersetzung in Südchina. Die Seezollverwaltung steht zwar unter fremder Leitung, hat ober Den Charakter einer chinesischen Behörde. Nicht England, sondern
nur die Pekinger Zentralrsgierung ist zum QRn* greifen in Kanton völkerrechtlich berechtigt. Aber wiederum handelt es sich um Den ersten Fall, wo vitale englische Interessen seit Beginn der chinesischen Wirren in Mitleidenschaft gezogen sind. Darin liegt Die eigentliche BeDeutung Des Konflikts zwischen Dem Seezolldirektor und Der revolutionären Regierung in Kanton.
Ausbau berUmversitätMetzen, nicht Abbau
Von amtlicher Seite wird uns mitge- teilt:
In ganz unverantwortlicher Weise ist in der letzten Zeit mehrfach über die LanDes- universität Gießen geschrieben worden, als ob ein Abbau oder gar die Aufhebung der Llniversität bevorstehe. Gerade das (Segenteil ist aber der Fall.
Wie jede Tiniversität hat natürlich auch die Gießener unter der Boi der Zeit zu leiden. Es muß aber außerordentlich anerkannt werden, daß trotzdem der Hessische Staat, den die feindliche Besatzung in Rheinhessen doch um einen großen Teil seiner Einnahmen bringt, alles tut, um die Landesuniversität nicht nur auf ihrem früheren Stande zu erhalten, sondern sogar kräftig weiter zu entwickeln. Zum Beweis dafür und um die ®runblofigfeit der Gerüchte am besten darzutun, sei angeführt, was alles in der Zeit nach dem Krieg an (Neubauten und Einrichtungen an der Universität entstanden ist.
Zur Entlastung des Borlesungsgebäudes wurden in der Bähe desselben zwei große dreistöckige Häuser erworben, in denen die Seminare der Theologisch en und Philosophischen Fakultät, I. Abteilung, untergebracht wurden.
Zm Gebiet der Medizinischen Fakultät wurde die Frauen- und Hautklinik durch große Anbauten beträchtlich erweitert und mit modernsten Einrichtungen versehen. 3n den letzten Tagen wurde ein großer Anbau an die Lupusheilstätte. die in Personalunion mit der Hautklinik steht, feierlich eingeweiht. Bei den Kliniken ist auch ein großes, neues Physiologisches Institut mit physikalischer, chemischer, anatomisch- histologischer und operativer Abteilung erbaut worden, in dem auch das Institut für Körperkultur und das für experimentelle Psychologie untergebracht wird.
Die in guten Zeiten vor dem Krieg neu' errichteten Institute und Kliniken der Veterinärmedizinischen Fakultät sind in neuester Zeit um ein großes, mustergülliges Tierseuchen- und Rotlausimpfinstitutt erweitert worden.
Bon Neuerwerbungen im Gebiet öer P h i l o- s o p h i s ch e n F a k u l t ä t, II. A b t e i l u n g, sind zu nennen das frühere Garnisonlazarett samt Zubehör, in dem das erweiterte Forstwissen- schaflliche, das Geologische uird das Agrikulturchemische Institut untergebracht werden. Für die landwirtschaftlichen Disziplinen sind umfangreiche Ländereien für Versuchszwecke und zwei große Hofe, der obere und untere Hardthof, in nächster Äähe Gießens erworben worden, die Musteranstalten auch in bezug auf Tierzucht zu werden versprechen.
Kaum eine Umüerfität verfügt über so vielfältige Disziplinen als Gießen, wie sich aus dem Gesagten ergibt.
Ans alledem geht hervor, daß der H e s s i s che Staat die Landesuniversität nach Kräften fördert. Weiteren Wünschen, welche die llntoerfität neuerdings ausgesprochen hat, und von deren Dringlichkeit sich Bertreter der Regierung und der Finanzausschuß des Landtags in den letzten Tagen überzeugt haben, ist wohlwollende Berücksichtigung zugesagt 'worden.
Wie man nach alledem von einem Abbau der Llniversität Gießen reden kann, ist uner- find5ich. Es handelt sich vielmehr um fortschreitenden Aufbau.
Wenn die Angelegenheit nicht so ernst wäre, könnte man nur lachen über die eifrigen Zeitungsschreiber, die in Meldungen und Arttkeln von ..Abbau" und „Aufhebung der Landesuniversität Gießen" reden und daran allerlei Betrachtungen über den Antritt der Erbschaft durch benachbarte preußische Universitäten knüpfen. Die „B. Z. am Mittag" in Berlin fing den -Un-imt an mit einer Meldung, der umgehend von amtlicher Stelle mit Bachdruck entgegengetreten wurde. Zn der „Bossischen Zeitung" beschäftigte sich aber trotzdem ein Arttkel von Dr. Mahrholz mit dem Thema, wobei Der Verfasser jedoch arg mit der Stange im Aebel herumfuhr. Andere Zeitungen haben dann den Faden weitergesponnen, ohne daß er deswegen auch nur einen Schein von Echtheit gewonnen hätte. Gegen diese törichten Schreibereien wendet sich jetzt die zuständige amtliche Seite mit Der vbenstehenden Erklärung.
Mit Recht werden in dieser Kundgebung die großen Leistungen des Staates für die Landes- universität Gießen hervorgehoben, und durchaus zutreffend ist die Schlußfolgerung, die aus dieser fortgesetzten Fürsorge des Staates gezogen wird. Diese Leistungen des Hessenlandes für seine Universität — so selbstverständlich sie für einen vor- wärtsstrebenden Staat mit starkem Verantwor- timgsgefühl für kulturelle Dinge auch find — wurden bei den verschiedensten Gelegenheiten mit Dank anerkannt. Aber sie stehen nicht allein. Auch die Stadt Gießen und weite Kreise der Mitbürger in Stadt und Land lassen es an der Förderung der Lanöesuniversität nicht fehlen. Wir wollen hier nicht ausführlich an all das erinnern, was früher für unsere Hochschule in vielfältiger Beziehung getan wurde. Aur der Arbeit von heute sei in wenigen Worten gedacht. Gerade in diesen Tagen entfaltet die Gießener Hochschul- gesellschaft, die Bereinigung von Freunden und Förderern der Landesuniverfität Gießen, wieder eine auherordentllch rührige Tätigkeit, die Der wissenschaftlichen Arbeit an unserer alma mater Ludoviciana weitere Hilfe aus privater Hand zuführen soll, um damit die staatliche Förderung, die leider — wie auch in Preußen! — nicht alles allein schaffen kann, toirfiam zu ergänzen. Da die Universität in unterem Gemeinwesen ein bedeutender Faktor ist, lassen die Stadtverwaltung und die Bürgerschaft es auch heute noch an Interesse für die Hochschule nicht fehlen, Umgekehrt gibt Die Universität aus ihrem großen geistigen Reichtum den Mttbürgern in der Stadt Gießen und im ganzen Hessenlande viele wertvolle Gaben, Die baß enge Verhältnis zwischen LanDesuniversität und Hessenvolk erklärlich machen. Daß unsere Gießener Hochschule aber auch für Die Studentenschaft Deutschlands
und des Auslandes ein besonderer Anziehungspunkt ist, beweisen Die nachstehenden statistischen Feststellungen über Den Aückgmrg Der Studierenden an Den sog. Arbeits-Dlniversitäten nach dem Kriege.
Universität
Gesamtzahl der Studierenden im Sommersemester
Rückgang in . o/
19'4
1925
Zahlen
/o
Kiel
2642
1601
1041
39,40%
Greifswald
1451
947
594-
,34,73%
Rostock
1009
831
178
17,64%
Marburg
2522
2156
366
14,51%
Gießen
1432
1383
44
3.07%
Erlangen
1302
1272
30
2,30%
Zu dieser außerordentlich günstigen Gestaltung Der Besuchsziffer unserer LanDesuniversität haben Die verschiedensten ItmftänDe beigetragem Bor allem war es zweifellos Die große Tradition, Die von Gelehrten von Weltruf an der Gießener Uniöerfität begrünDet und von Persönlichkeiten mit klangvollem Ramen in Der wissenschaftlichen Welt bis auf Den heutigen Tag fort- geführt tourDe, weiter die Tatsache, Daß hier in intensiver wissenschaftlicher Arbeit ganze Männer für den späteren Beruf herangebildet werden, und nicht zuletzt auch Der Umstand, daß Die soziale« Fürsorgeeinrichtungen für hilfsbedürstige Stu- Denken hier unD in Der Provinz Ober bessern immer weitgehende Llnterstützung gefunden haben.
Fassen wir zusammen: Bon „Abbau" Der Landesuniversität Gießen können nur solche Leuts reden, Denen Die Kenntnis Der Verhältnisse völlig fehlt .oder solche, bei Denen vielleicht Der Wunscy Der Vater des Gedankens ist. Beide mögen dis hier vorgetragenen Tatsachen beachten und beherzigen und nun endlich schweigen! j
Kirche und Schule.
)( Selters, 4. März. Gestern nachmittag fand hier das Missionsfest des Dekanates Büdingen statt. Um 21 Uhr begann im vollbesetzten Gotteshaus der Festgottesdienst, in dem Pfarrer Lic. W i ß m a n n - Wenings über das Johanneswort Kap. 19, Vers 17: „Jesus trug sein Kreuz" predigte. Der Gottesdienst war von Chorgesang der Schulkinder unter Leitung von Lehrer Häuser und Gemeindegesang umrahmt. Nach einer kurzen Kaffeepause schloß sich die Nachversammlung an. Dekan S chü f e r grüßte im Namen des verhinderten Superintendenten und des Dekanates. Pfarrer Laut-Nidda hielt einen 'ehr interessanten Mis- fionsoortrag über „Land, Leute und Religionen in Japan und die Missionsarbeit des Evgb-Prot. Missionsvereins" daselbst, Pfarrer Kahn-Ortenberg gab den Rechenschaftsbericht über die in den Dekanatsgemeinden eingegangenen Missionsgaben, Der Ortsgeistliche sprach das Schluß- und Dantes» wort. Eine reiche Missionskollekte war der Dank Der Festgemeinde und ihrer Gäste. In den De- fanatsgememben gingen für die Mission im Jahre 1925 2599 Mk. ein.
Tübingen, 5. März. In den letzten Tagen wurde wieder sämtlichen Schulklassen des Kreises eine Reihe von Filmen vorgeführt. Die Darbietung fand in 14 Orten statt, die günstig gelegen find, so daß sich dort die Schulen der Umgebung zusammenfinden konnten. Auf Anregung des Lehrers Kochhafen zu Mittel-Gründau hat der Kreis einen Kinoapvarat für die Schulen beschafft. Der Apparat selbst ist Eigentum der Schulen. Ein Teil der Beschaffungskosten, die sich einschließlich Transportkoffer auf etwa 1700 Mk. belaufen, ist dadurch aufgebracht worden, daß jedes Schulkind des Kreises zehn Pfennig zahlte. Der Rest ist durch Die zweimalige Rundreise im Kreise jetzt ziemlich vollständig aufgebracht worden. Dabei wurden an vielen Orten die Filmreihen abends auch Erwachsenen vorgesührt. Für die Kleinsten waren einige Märchenfilme bestimmt, den reiferen Schülern zeigte Der Film „Wie sich der Tannenbaum in Papier ver» wandelt", die Papierfabrikatton. Außerordenllich glückliche Aufnahmen enthielt Der Film „Aus der Kinderstube des Storches". Auch humorvolle Bilder rollten sich vor den Augen der begeisterten Zuhörerschaft ab. Die Lehrer Kochhafsn und Fil singe r - Büdingen gaben den Begleittext zu den Vorführungen. Den Kreis kann man zu einem so vorzüglichen Bildungsmittel beglückwünschen.
Großes Schöffengericht Gießen.
* Gießen, 3. März. Unter Ausschluß der Oeffentlichkeit wurde heute gegen eine aus Der Wetterau stammende Frau unD einen Ellenbahn»
Besichtigung derBuderus-Werke Wetzlar. . o1M7
Den freundlichen Bemühungen des Herrn Prof. Dr. Aule r war es gelungen, am 25. v. M. von der Direttton Der BuderusMerke. Wetzlar, für Die be- trtebSwirtsllmfr lich er r Seminare Der Untöetfuätrn Gießen und Marburg Die Erlaubnis zur Be- iichtigunn Dieser Werke zu erwirken. Herr Prof. Dr. 21 ulev tat Dieses in richtiger Erkenn nis der BeDeutuna, welche eine Illustration Der tm Semester eriuotbeiien theoretischen Kenmmsfe an ■Danis Der Praris für Den jungen Betriebswirt hat. Dieser Zweck kann alö erreicht betrachtet meiden. Die Benchnaulm Der Fabrlkanlaaen, welche unter Der fachmännischen Leuung zweier Herren Der Firma ifatttanö, hinterließ m allen Beteiligten Den Eindruck, Dai; eS trotz Der augenblicklichen schweren wirischaftttchen Lage Deutschlands Doch noch Unternehmen gibt, Die mit ununterbrochener Omentum, Dem starken Faktor der Deutschen Industrie, roeneratbeiten und unö zu Der Hoffmmg berechi gen, dass Deuschlandö Vollkraft noch stark genug ist. anfzuerstehen zu neuem Leben, zu neuer .'Zukunft. .»cach der Besschti.'.ung harrte der Teil- nehmen ein reichliche» Rttttaa essen. welche» vom
। !n 'reiindltcher Weise gestellt wurde. Bei Tisch hielt Derr Professor Dr. Auler eine finnige Rede, Der er die gewonnenen Eindrücke auf eindrucksvolle Art w'.eDerzuaeben oeritanb.
Im Anschlüsse daran svrach er im Namen der Teilnehmer Dem anwesenden Herrn Direktor Ley seinen Dank aus. An dieser Stelle fei eö mir auch ncitattet, im Namen Der Giessener und Marburger Seminare Herrn Prof. Dr. Auler für den Genuß, Den er unS durch die Besichtigung bereitet hat. zu danken. Dipl.-Kfm. E. A n n i n o S, Gießen.


