Beamten wegen Abtreibungsversuchs bzw. Beihilfe hierzu verhandelt. Dach längerer- Verhandlung wurden die Angeklagten im Sinne der Anklage für schuldig befunden und unter Zubilligung mildernder ilmftänöe die Frau zu 2 Mo - naten 2 Wochen Gefängnis und der Eisenbahnbeamte zu 2 Wochen Gefängnis verurteilt, und beiden die erlittene Untersuchungshaft auf die Strafe in Anrechnung gebracht.
Gleichfalls unter Ausschluß der Oeffcntlich- fett hatte sich ein 23jähriger junger Mann von hier wegen Blutschande und dessen Baier wegen Kuppelet zu verantworten. Auf Grund der Beweisaufnahme hielt das Gericht die Angeklagten der ihnen zur Last gelegten, Verbrechen für überführt und verurteilte den jungen Mann zu 1 Jahr Gefängnis, während sein Vater,' hem in Anbetracht der ganz besonders gelagerten Verhältnisse mildernde Umstände in weitgehendstem Maße zugebilligt wurden, mit 3 Mona- len Gefängnis davonkam.
Im Anschluß hieran wurde vor dem kleinen Schwurgericht gegen einen aus der Untersuchungshaft vorgeführten 21jährigen Schuhmacher aus Rheinhessen wegen eines in Rüsselsheim in der Dacht vom 26. zum 27. Januar begangenen Einbruchsdiebstahls, bei dem ihm mehrere Paar neue Schuhe in die Hände fielen, verhandelt. Trotzdem der Angeklagte wegen Diebstahls schon wiederholt vorbestraft ist und sich heute als rückfälliger Dieb zu verantworten hatte, wurden ihm nochmals in Anbetracht seiner Jugend, seines unumwundenen Geständnisses und des nicht sehr erheblichen Wertes der gestohlenen Sachen mildernde Umstände zugebilligt, und er zu 1 Jahr 6Monate Gefängnis verurteilt. wobei aber auch andererseits strafschärfend berücksichtigt wurde, daß es sich bei dem Angeklagten um einen sehr kräftigen, gesunden Menschen handelt, der sehr gut in der Sage wäre, seine Körper- und Geisteskräfte in nutzbringender Weise zu verwerten.
Kleine Strafkammer Wetzlar.
2 Ein Händler aus Wetzlar-Diedergirmes hotte im November o. 3. von einem Landwirt aus Naunheim 2 Schafe gekauft, wobei sich letzterer oorbehielt, daß der Käufer die Schafe erst nach Bezahlung des Kaufpreises erhalten sollte. Dessenungeachtet ging der Händler trotzdem kurze Zeit nachher zur Gemeindeschafherde, die im Felde weidete, und nahm ein dem vorerwähnten Landwirt gehöriges Schaf mit, ohne daß er vorher den Preis dafür an den Eigentümer gezahlt hatte. Auf Vorhaltungen des Landwirts bezahlte er diesen, jedoch mit einem wertlosen 100-Millionen-Markschein aus der Inflationszeit, auf den der Landwirt, der den Betrug nicht bemerkt hatte, auch noch 70 Mk. herausgab. Deswegen erfolgte seinerzeit gegen den Händler Anklage wegen Betrugs, die mit feiner Verurteilung durch das Amtsgericht Wetzlar zu 3 Monaten Gefängnis endigte. Gegen dieses Urteil hate der Angeklagte Berufung eingelegt mit dem Erfolge, daß das Gericht es bei der früher erkannten Strafe beließ.
Eine Frau H. aus Wetzlar war wegen Unterschlagung in erster Instanz durch Urteil des Amts
gerichts Wetzlar zu 2 Monaten Gefängnis verurteilt worden und hatte gegen dieses Urteil das Rechtsmittel der Berufung eingelegt. Trotz ihres Leugnens hat das Gericht die Angetlagte als der ihr zur Last gelegten Straftat für schuldig an und erkannte ebenfalls auf 2 Monate Gefängnis.
Gegen einen Kaufmann aus Wetzlar wurde wegen Unterschlagung verhandelt, nachdem sowohl der Angeklagte als auch die Staatsanwaltschaft gegen das Urteil erster Instanz, das auf einen Monat Gefängnis lautete, 'Berufung eingelegt hatten. Das Gericht sah den Angeklagten, der bereits schon mehrere Straftaten ähnlicher Art begangen hat, als überführt an und erkannte auf 1 Monat Gefängnis.
Wegen Widerstands und Beleidigung hatte sich ein Kaufmann aus Herborn und wegen versuchter ©efangenenbefreiitng dessen Bruder zu verantworten. Beide Angeklagten waren in erster Instanz freigesprochen rooeben. gegen dieses Urteil hatte aber die Staatsanwaltschaft Berufung eingelegt. Die Angeklagten hatten der Polizei bei einem Zusammenstoß Widerstand geleistet. Die Verhandlung endigte mit der Verurteilung des einen Angeklagten wegen ruhestörenden Lärms und Widerstands zu 6 0 Ä k. und des zweiten Angeklagten wegen Ruhestörung und Beleidigung zu 5 0 M k. Geldstrafe. Auch wurden den Angeklagten die nicht unerheblichen Kosten des Verfahrens auferlegt.
Amtsgericht Wetzlar.
2 In einem vor mehreren Jahren schwebenden Strafprozesse hat ein Arbeiter aus Krofdorf als Zeuge vor Gericht eidliche Aussagen gemacht, durch die der damalige Angeklagte entlastet und freigesprochen worden war. Ein Schmied und ein Maurer aus Krofdorf behaupteten daraufhin von diesem Zeugen, er habe damals einen wissentlichen Meineid geschworen, worauf dieser gegen die beiden Privatklage wegen Beleidigung erhob. Nach- dem nunmehr ein gegen den Prioatkläger schwebendes Meineidsoerfahren eingestellt worden ist, fand in der Privatklagesache Verhandlung statt. Da beide Angeklagte ihre Behauptung aufrecht erhielten, aber nicht den Wahrheitsbeweis für ihre Behauptung antreten konnten, gelangte das Gericht zur Verurteilung beider Angeklagten zu j e 30 M k. Geldstrafe, Hilfsweise je sechs Tage Gefängnis, sowie Auferlegung sämllicher Kosten des Verfahrens. In einem Falle erkannte das Gericht auch dem Beleidigten das Recht zur Urteilspublikation zu.
Eine Händlerin aus Gießen, die wegen Verstoßes gegen das Wandergewerbesteuergesetz mH 20 Mk. Geldstrafe bestraft worden mar, behielt auf ihren Einspruch hin diese Strafe, da ihr Einwand, sie habe nicht hausiert, durch die eidliche Stüsfage des Zeugen widerlegt wurde.
Aus dem AmLsverkündiguttgsblirtt.
*•* Das Amtsoerkündigungsblatt N r. 1 9 vom 5. März enthält: Zweite Verordnung zum Volksbegehren. — Volksbegehren „Enteignung der Fürstenvermögen". — Die gesetzliche Miete im März. — Auflösung der Wassergenossenschaft „Oberau" in Villingen. — Ortssatzung über die Erhebung einer Vergnügungssteuer in der Gemeinde Lollar. — Maul- und Klauenseuche in Dors-Gill,
Obbornhofen, Londorf, Langsdorf und Rödgen. — Beihilfen an ehemalige Kriegsteilnehmer. — Einführung neuer Lesebücher. — Beurlaubungen der Lehrer und Lehrerinnen. — Dienstnachrichten.
Buntes Allerlei.
Affea-Aerve«.
Eigen eigenartigen Weg zum Studium der Dervei.lrankheiten hat der Direktor deS Psycho- Biologischen Instituts des amerckanischen Hygiene-Amtes Dr. ®. D. Hamilton etngc- schlagcn, indem er nämlich in einem besonderen Asfendvr^, das er sich in Kalifornien eingerichtet hat, die Verven der Affen erforschte. „Der Mensch", so erklärt er. „ist durch die Zivilisation dazu erzogen, seine natürlichen Triebe unter Masken zu verbergen, und cs ist sehr schwierig, unter diesen „Kulturschichten" die wahre Persönlichteit zu erkennen. D^r Affe dagegen, der dem Menschen doch so vielfach ähnlich ist, handelt noch nach den ersten Impulsen und kennt keine Verstellung. Ich habe zwischen den Derven der Affen und der Menschen Überraschende Gemeinsamkeiten gesunden, und wenn mich ein Dervenkraicker konsultiert, so frage ich mich ost: „Wie würden sich meine Affen in einem ähnlichen Falle benehmen?" und komme dadurch zu einer richtigen Diagnose. In meinem Affendorf zu Montecito habe ich 23 Affen beiderlei Geschlechts von allen Arten und Größen. Diese Tiere sind leicht erregbar, äußerst neugierig; in Liebe und Haß, in Freundschaft und Streit benehmen sie sich ganz so wie die Menschen. Ein Affe kann z. B. das Gefühl der Minderwertigkeit ebensowenig ohne Störung seines Nervensystems ertragen wie der Mensch, und er ist sehr geübt darin, sich selbst einzureden, daß er doch ein tüchtiger Bursche ist. Auch der Affe haßt nicht so wie Langeweile und verlangt Ab- wechffung. Dieses beständige Suchen nach neuen Sensationen ist einer der wichtigsten Züge, der dem Assen und dem Menschen gemeinsam ist. Gin Affe, der ein neues Vergnügen entdeckt, wird dadurch so angeregt unb in gute Stimmu. 4 gebracht wie ein Mensch. Das kann man auch in der Ehe beobachten. Zwei Affen verschiedenen Geschlechts, die längere Zeit allein im Käfig gehalten werden, bekommen einander mit der Zeit furchtbar über; der Mann sucht sich Abwechslung, indem er das Weibchen quält; dann erfolgt eine rührende Versöhnung, und dann zanken sie sich von neuem...“
Die musikalische Säge?
Wir sind ja bei den Jazzkapellen bereits an die merkwürdigsten Instrumente gewöhnt, aber die neueste Neuheit dieser Orchester übertrifft alle anderen und scheint sich überhaupt im Musikleben.ein- bürgem zu wollen. Dies Instrument ist die „musikalische Säge", die fast ganz so wie eine gewöhnliche Zimmermannssäge aussieht. In England werden von diesen musikalischen Sägen, die natürlich wie die ganze Jazzmusik aus Amerika herübergekommen sind, viele Hunderte an Musikfreunde verkauft, und es gibt bereits Lehrer im „Sägespielen", die in einem Dutzend Stunden die notwendige Beherrschung des Instruments beibringen. Beim Spielen nimmt man den Handgriff der musikalischen Säge zwischen die Knie und hält die Stahl
spitze zwischen Daumen und Zeigefinger der linke» Hand fest. Dos Blatt der Säge wird in die Form eines „8" geboaen, und man entlockt bann der Säge die melodischsten Töne, indem man mit einem gewöhnlichen SBiolinenbogen oder mit einem filz- überzogenen Hammer den Stahl in Schwingungen versetzt' Geschickte Iazzmusiker können auf der Säge die schwersten Melodien und Tänze zu Gehör bringen.
Rundfunk-Programm
deS frankfurter Senders.
(Aus der »Radio-Umschau".)
**Sonntag, 7. März.
8.30—9.30 Uhr: Morgenfeier, veranstaltet vom Wartbnrg-Berein, Franklurt a. M. 12—1 Uhr: Mittags st andchen. veranstaltet vom HauS- orchester: Hector Berlioz. 3.30—4 Uhr: Di« Stunde der Jugend: Aus dem deutschen Märchenborn. 4.30—6 Uhr: Uebertragung von Berlin: Rheinische Gedenkfeier im Plcnar-Dihungs- faal deS Reichstags auä Anlaß der Kölner Zone. 6—7 Uhr: Stunde des Rheinisch-Mainifchen Verbandes für Volksbildung: Varnhagen von Ense. Vortrag und Vorlesung aus seinen Denkwürdigkeiten und Tagebüchern von Dr. Herbert Kranz. 7.30—8 Uhr: Aus jüngster deutscher Dichtung (aus Werken von Else Lasker-Schüler. Brecht. Zuckmeyer, Klabund und 5XlauS Mairn). 8.30 bis 9.30 Uhr: Werte der „Mannheimer Schule". 9.30—10.30 Uhr: Uebertragung von Kassel: Operettenabend: Die Teresina — Riquette. Anschließend bis 12 Mr Uebertragung aus Berlin: Tanzmusik der Berliner Funllapelle.
Montag, 8. März.
3.30—4 Uhr: Die Stunde der Jugend: „Von fremden Ländern und Völkern", vorgetragen von Lehrer Fr. Voigt. 4.20—5.45 Uhr: Konzert des Hausorchesters: Die Oper der Woche. 5.45 bis 6.10 Uhr: Die Lesesttrnde (Die Novelle): Aus dem „Dekameron" des Boccaccio. 6.20 bis 6.45 Uhr: Die Bücherstunde 1. 6.45—7.15 Uh-r: Vortrag über die Gartenbestellung. 7.30—9.30 Uhr. Uebertragung aus dem großen Saal des Saalbaues: Zehntes Montagskonzert des Frankfurter Orchestervereins. 10—11 Uhr: Max Jung- nickel lieft aus eigenen Werken.
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Holzsubmission.
Aus der Waldung der Gemeinde Annerod soll nachstehendes Holz im Submissionsweg verkauft werden:
Aus Abt. 2a
Los 1 1 Stück Fichtenstamm 1. Kl. 1,90
Fstm.
II
n
2a
„21 „ „ 2. „ 1,22
II
II
2a
„ 3 1 „ „ 2. „ 1,63
ff
II
2a
„49 „ Fichtenstämme 3. „ 13,39
M
rt
2a
„ 5 45 „ „ 4. „ 47,43
W
l>
2a von
„ 6 85 „ „ 5a- „ 59,33
Nr. 528 bis einschließlich 744
V
w
ff
2a von
Los 7 83 Stück Fichtenstämme 5a» „ 56,94 Nr. 751 bis einschließlich 1046
•
n
u
2a von
Los 8 158 Stück Fichienstümmeöb« „ 58,48
Nr. 531 bis einschließlich 847
ff
n
n
2a von
Los 9 149 Stück Fichtenstämme 5b- „ 54,29 Nr. 848 bis einschließlich 1070
♦
ii
rt
1 u.
3. Los 10 9 Stück Fichtenstämme 3. „ 13,41
ii
«■
1
„ 11 23 „ 4. , 24,55
II
ff
1
„ 12 65 „ „ 5a« „ 48,09
ii
II
1
„ 13 80 „ „ 5b« „ 29,40
n
II
3
„ 14 16 „ „ 4. „ 16,95
3
„ lo 35 „ „ 5a» „ 24,00
ii
y
3
u 16 61 „ „ 5b-„ 2036
••
ff
1
„ 17 2 „ Weißtannen 3. „ 2,72
■>
rt
1
„ 18 8 „ „ 4. „ 5,36
1
, 19 10 „ „ 5a. „ 6,-66
ii
1
„ 20 4 „ „ 5b«, 1,94
n
n
1, 2
5,31
u. 3 „ 21 41 „ Fichten-Derbstangen 1. u. Festm.
2. Kl.
Das Holz ist außer den Fichten-Derbstangen entrindet und ohne Rmde gemessen. Der Kaufpreis ist pro Festmeter anzugeben. Die Angebote sind nach Klaffen getrennt zu halten und müssen bis zum 10. März 1926, nachmittags 2 Uhr, auf der unter- zeichn:ten Bürgermeisters, eingereicht sein, wo in Gegenwart erschienener Bieter die Eröffnung stattfindet und die Zahlungsbedingungen bekanntgegeben werden; solche können auch vorerst eingesehen werden.
Annerod, den 2. März 1926.
Bürgermeisterei Annerod: Horn.
20200
Bierausschank- Einrichtungen Riiffatc ter Bier-. Reis- und DUHClb Kaffee-Au**ebenk
EirSehrtnke, Kis-Hasch in en
Rentanratloni-Ti*ehe nnd -Stöhle lehrfach mit den höchsten Auszeich- nnngen prämiiertI ’u
Jacob Dies, Frankfurt a.M. 13 flegr. 1DU. LucutrUt 86. TeL Butt 2428 Mk Internationale AusateUung für Kochkunst, Hotel- u. Gast wirtegfwerbe, Frankfurt a M. 1925, Großer Prei* der Anustellnng.


