Einzelbild herunterladen

N?' 1-,;

j y i,

Hessischer Landtag.

Darmstadt. 5. März. (Eigener Drahtbericht.) Präsident Adelung eröffnet die Sitzung um 91.2 übt. Die Beratungen des Staatsvoranschlags für 1926 werden fortgesetzt.

Fiuanzmiuifter Henrich

meint, hier sei eine Hauptprobe der Dauernbünd- ler abgehalten worden: wahrscheinlich werde noch mit einem Zug vor das Landesfinair-amt in Darmstadt zu rechnen sein. 3n diesem Zusammen-- hange teilte der Minister mit. daß ihm Droh­briefe und Warnungen zugingen, unter anderem die Ankündigung, daß der Mörder für ihn und den Staatspräsidenten bereits ge­dungen sei. Das wäre ja nichts Verwunderliches im Zeitalter der Fememorde, ilnb warum das alles? Doch wohl nicht, weil der Fehlbettag des Voranschlags um eine Million höher ist als im Vorjahre? Sonst müßte es z. D. in Bayern und Thüringen, wo der Voranschlag noch ungünstiger abschlieht, noch toller zugehen. Wenn in Hessen eine Hetze tobt, wie nirgend anders im Reich, dann hat das seinen Hauptgrund nur darin, dah der unbändige politische Ehrgeiz einzelner Poli­tiker die Zeit nicht abwarten, kann, bis sie zur Macht kommen. Der Abgeordnete Dingeldey hält offenbar die Stellung der hessischen Regierung für erschüttert und möchte hinter der Firma Leuchtgens-Müller nicht zurückbleiben, der er da­mit erst zu einer politischen Bedeutung verhalfen hat. Die Herren täuschen sich aber, wenn sie ihn, den Finanzminister, durch Resolutionen mürbe und an seiner Pflicht irre machen könnten. Der Redner geht dann auf die Steuerfrage über. Er stellt der Belastung mit Einkommensteuer und Vermögenssteuer aus dem Jahre 1918 mit 29,5 Millionen den für den Staatsbedarf erforderlichen Ertrag, die an die Stelle jener Steuern ge­tretenen Abgaben gegenüber 1926 beträgt der Anteil des Staates an der Einkommen- und Körperschaftssteuer 22 Millionen, die Sonder- gebärchesteuer soll demnächst für den Staats­haushalt 143/4 Millionen erbringen, ergibt zu­sammen (ohne die absterbende Umsatzsteuer mit 4'/a Millionen) rund 50 Millionen, das sind gegen 1918 mehr 20 Millionen. Die­sem Mehr steht gegenüber der aus Steuern zu deckende Ausfall an den Eisenbahnüberschüs­sen mit 9 (früher 6) Millionen, dann die für die Gemeinden übernommenen La st en für soziale Fürsorge, Polizei, Volksschule und weiter die Mehrausgabe für die Schupo. Diese für die Gemeinden übernommenen Lasten und die Ausfälle ergeben erheblich mehr als das Mehr an Steuern gegen 1918. Cie entlasten den Ge­meindesteuerzettel.

3n Hessen wurden auch früher schon höhere Steuern erhoben als in Preußen, namentlich war die hessische Einkommensteuer höher als die preußische.

In 1918 betrug die Staatssteuer zuzüglich der Gemeiudeeinkommensteuer in einep durchschnitt­lichen Höhe von 122 Prozent gegen 54 Millionen: die Reichseinkommensteuer macht zusammen 46 Millionen aus, wovon 3/4 mit 34,5 Millionen auf das Land und die Gemeinden entfallen. Die mittleren Einkommen waren nach der alten hes­sischen Einkommensteuer höher belastet als das heute der Fall ist. Drei Fünftel des Ertrags der Einkommensteuer werden durch die Lohn­steuer aufgebracht und für die Landwirtschaft steht fest, daß sie nach dem heutigen Veranla­gungsverfahren vielfach einkvrnmensteuerfrei ist. Ramentlich gilt das für den größeren Besitz. Aus einer Vergleichung mit der Steuerbelastung der Landwirte in anderen Ländern ergebe sich, daß Hessen die weitaus niedrigste Gebäude st euer habe. Der unbebaute Grund­besitz sei in Hessen ungefähr so hoch belüftet wie in Baden, wenig höher als in Württemberg, allerdings beträchtlich höher als in Preußen und in Thüringen.

Der Redner gab dann noch einige Beispiele über das Anwachsen der Belastung für die Landwirte, Gewerbetreibende, Arbeiter usw. gegen das Jahr 1918. Die Belastung des Ge­werbes sei höher gestiegen als in der Land­wirtschaft. Der Redner beleuchtet auch die Vor­würfe seiner Gegner, dah die Regierung nicht spare. Er untersucht diese Vorwürfe im Zu­sammenhang mit der eigenen Arbeit des Par­laments in den verschiedenen Abbauausschüssen und der Haltung des Landtags zur Besoldungs- Politik. In diesem Zusammenhänge kommt der Minister auf die scharfe Gegnerschaft zu sprechen, die heute fast überall gegen die Beamten­schaft zum Ausdruck kommt. Man werde es der Regierung nicht verdenken dürfen, wenn sie bei den Wbaumaßnahmen auf die soziale Seite geachtet habe. Die Opposition habe meist die republikanisch gesinnten Beamten im Auge, wenn sie von den überflüssigen Beamten rede, lieber die Beseitigung entbehrlicher Staats- einrichtungen könnte man sich verständi­gen, wenn die Meinungen darüber, was als entbehrlich anzusehen ist, nicht so weit ausein- andergingen. In diesem Zusammenhang geht der Redner auf die Vorwürfe ein, die ihm wegen der Zusammenlegung der kleiner gewor­denen Klassen in den Volksschulen gemacht wor­den sind. Er verweist auf den einstimmigen Beschluß des früheren Landtags, der sich trotz Einspruch des Finanzministeriums zu keinem stärkeren Abbau bei den Volksschulen als 78 Proz. verstehen wollte. Seit Monaten sind er­neute Verhandlungen über diese Frage im Gange. Zu beachten bleibt aber, dah es sich hier um eine vorübergehende Erscheinung handelt, die sich in wenigen Jahren wieder ausgewachsen haben wird. Die Sparmethode des Abgeordneten Dr. Leuchtgens fei fast grotesk. So verlange er eine Erhöhung der Einnahmen dadurch, dah cr bei den Betrieben höhere Ueberschüsse ein­gestellt haben will, und sei es auch nur da­durch, dah er planlos die Ausgaben kürze. Auch die Deutsche Vollspartei übe eine scharfe Kritik an der Finanzpolitik, ohne zu zeigen, wie man es anders und besser machen könne. Die Agitation des Bauernbundes und der Volks­partei gipfelt in der Behauptung, die Finanz­not sei eine Folge der Verschwendung der Regierung und der Unfähigkeit des Finanzministers, die Dettelgänge nach Derlm seien unwürdig: da« Land muh sich selbst Helsen.

Die besondere Notlage Hessens, die durch die Besetzung Rheinhessens veranlaßt sei. wäre nicht mehr zu bestreiten.

Darum habe die Regierung die Pflicht, ihre Ansprüche dem Reiche gegenüber geltend zu machen und es handelt sich da nicht um Bettel­gänge, sondern um berechtigte Ansprüche. Durch­greifende Hilfe für alle Länder sei nur möglich

durch die große Pvlittk des Reiches, einmal durch eine vernünftige Wirtschafts- und Außen­politik und sodann durch bessere Gestal­tung des Verhältnisses von Reich und Ländern. Daneben dürfen sesbstver- tändlich die Mittel der äußersten Spar- a m k e i t und anderes nicht vernachlässigt wer­den. Die Länder wären durch die an sich not­wendige Erweiterung der Kompetenz des Reiches auf dem Gebiete der Gesetzgebung und Ver­waltung aller Art in ihrer Arbeit nicht er­leichtert. Cs werde hier durch das Jneinander- greifen der verschiedenen Stellen vielfach dop­pelte und dreifache Arbeit geleistet. Das zu beseitigen gebe es nur zwei Möglichkeiten. Ent­weder Einschränkung des Gefetzge - bungs- und Derwaltungsrechts des Reich es und Ueberweisung eigener Steuerquellen an die Länder. Das würde die Verwaltung verbilligen, wäre aber politisch ein Rückschritt. Darum sei dieser Weg abzulehnen. Oder Ausbau der Reichs­verfassung im Sinne des Einheits­gedankens. Damit falle die in den Ländern geleistete Doppelarbeit von selbst weg. Der Red­ner berührt tn diesem Zusammenhang die Frage der Aufgabe der staatlichen Selb- tändigkeit des Landes, und seine dies­bezügliche Aeuherung in dem Finanzexpose. Grundsätzlich sei der Einheitsstaat für alle Länder zu erstreben. Dieser Weg sei heute nicht frei. Die Aeuherung in dem Finanzexposö wäre mehr eine Befürchtung und eine Warnung. So­lange aber der Einheitsstaat nicht erreichbar fei, müsse die Selbständigkeit Hessens erhalten bleiben. Der Anschluß an ein anderes Land diene dem Einheitsgedanken nicht. Der Redner schloß mit einer Mahnung an alle Einsichtigen, zum Wohle des Landes in dieser schweren Zeit zufammen- zustehen.

Aach einer Pause wird

die Dahl von zwei Mitgliedern des verwal- lungsrales der kommunalen Landesbank vorgenommen. Die Sozialdemokratte schlägt die Wahl Des Abgeordneten Lux vor, die Rechts­parteien den Mgeordneten Dingeldey, das Zentrum einen Richtparlamentarier, den Bürger­meister Dr. Angermeier von Bensheim und die Kommunisten den Abg. Dr. Greiner. Ge­wählt werden Abg. Lux und Bürgermeister Dr. Ang er meier, die die (Stimmen der Sozial­demokraten, des Zentrums und der Demokraten erhalten haben.

Die Beratungen des Staatsvoranschlags für 1926 werden sodann wieder auf genommen.

Abg. Dr. Greiner (Komm.) bezeichnet das, was bis jetzt hier geredet worden fei, als ein Kasperletheater. Währenddem litten weite Kreise des Volkes Rot. Das Parlament erweise sich als hilflos: Dr. Lenchtgens habe recht, wenn er sage, das Parlament fei nicht mehr der Ausdruck des Volkswillens. Wenn wirklich der Landtag aufgelöst werde, so würde dadurch doch wenig gebessert. Die Parole müsse lauten: Fort mit allen Parlamenten! Der Redner wendet sich daraus gegen die Sozialdemokratie, die er sehr scharf angreift. Das Zentrum habe überhaupt fein politisches Programm: es warte nur ab. Die Vorschläge des Bauern­bundes führten aus dem Finanzelend nicht hinaus. Der Redner bespricht sodann die von den Kommunisten zum Staatshaushalt gestellten An­träge. Rettung aus dem ganzen politischen Elend unserer Zeit Kime nur eine Diktatur bringen, und zwar nur eine Diktatur der Masse.

Rächste Sitzung Dienstag 10 Uhr .

Der Reichswehretat.

Deutscher Reichstag.

Berlin, 5. März. Abg. Rönneburg (Dem.) erklärt, seine Freunde hätten aus den Ausführungen der Abg. Schulenburg und Brüninghaus mit Genugtuung entnommen, daß jetzt auch von der Deutschen und der Deutsch- nationalen Volkspartei die Dolchstoßlegende zum aUen Eisen geworfen worden sei. Beide Redner hätten anerkannt, daß die deutsche Armee bis zum letzten Kriegslage ihre Pflicht ungebrochen erfüllt habe. Bedauerlich fei Ton und Inhalt der Rede des sozialdemokratischen Abg. Künstler. So wie der Abg. Künstler müßte man reden wenn man die Reichswehr antirepublika­nisch machen will. Bei aller Kritik an Einzel­heiten darf aber nicht übersehen werden, daß tn wirklich kritischen Stunden die Reichswehr durch­aus ihre Pflicht getan hat. Die zu hohen Ausgaben im Wehretat sind größtenteils auf die Vorschriften zurückzuführen, mit denen uns die Entente offenbar die Unterhaltung unserer Wehr­macht so teuer wie möglich machen wollte. Aus den Eingaben derFriedensgesellschaft" auf Ab­schaffung der Reichswehr spricht eine unglaub­liche Naivität, wenn davon erwartet wird, dah die übrigen Staaten dann auch abrüsten würden.

Es muh anerkannt werden, daß gegenüber den chaotischen Zuständen vor sechs Jahren der Fortschritt im organisatorischen Auf­bau der Reichswehr ganz wesentlich ist. Dem Chef der Heeresleitung. Generaloberst v. Geeckt, ist dafür größte Anerkennung zu zollen.

Dank verdient die Reichswehr vor allem für ihre Sonderleistungen bei der Abwehr von Moor­bränden und die Marine bei ihren Hilfeleistungen auf hoher See und bei ihrer Förderung der Tiefseeforschung. Wir werden die Marineneu­bauten bewilligen. Die Auslandreisen un­serer Flotte sind notwendig und begrüßens­wert. Ich bin überzeugt, daß der republikanische Gedanke sich in der Reichswehr durchsetzen wird. Wo innerhalb der Reichswehr der Republik und ihrer Farben mit Verachtung oder Auflehnung begegnet wird, da muh rücksichtslos durchgegris- fen werden. Republik, Demokratie und Wehr­macht find keine Gegensätze, sondern gehören zu­sammen. Den Reichsw eh rka pellen muh das Spielen verboten werden bet Veranstaltun­gen, in denen politische Reden gegen die Re­gierung und gegen die Republik gehalten werden. Wo im Gegensatz zum Willen der Reichswehr­leitung noch Zeitfreiwilli ge ausgebildet werden, müssen die Schuldigen rücksichtslos be­straft werden.

Abg. Loibl (Dayr. Vp.) Das Gerede von derSchwarzen Reichswehr" gehört schon zum eifernen Bestand der Linken. Die vielen Legenden darüber haben aber keine Unterlagen. Ich finde keinen parlamentarischen Ausdruck, so fährt der Redner fort, für ein Vorgehen, tote es die Deutsche F r i ed e ns g e s ell s chas t" mit der Einreichung ihrer Petttion an die Abgeord­neten versucht hat. Die aus Bayern in dieser

Eingabe mitgeteilten Fälle beweisen, daß dem Verfasser jede Kenntnis der Verhältnisse fehlt. Durchaus unwahr ist die Behauptung der Ein­gabe, daß die bayerischen Schulräte amtlich an­gewiesen worden seien, die Jugend in den Grenz­gebieten militärisch ausbilden zu lassen. Die bayerische Regierung hat mich ermächttgt, diese Behauptung als erfunden und erlogen zu bezeichnen. Damit ist das Machwerk des Prof. Q u i d d e gekennzeichnet. In Frankreich wird die Jugend schon sehr früh militärisch ausgebildet. Bei unserer Ertüchtigungsarbeit ist von militärischer Ausbildung keine Rede. Der Redner schließt mit dem Ausdruck höchster An­erkennung für die Reichswehr und ihre Leitung.

Abg. v. Ramin (Völk.) äußert seine Be­friedigung darüber, daß sogar die Demokraten und die republikanischen Parteien sich jetzt zum Wehrgedanken bekannt hätten.

Angesichts der tatsächlichen Entwaffnung Deutschlands mühte mit doppeltem Rachdruck protestiert werden gegen die Schikane, denen die kleine deutsche Wehrmacht noch immer aus­gesetzt sei. Die deutsche Industrie werde seitens der Entente unter der ParoleAbrüstung" größtenteils zerschlagen.

So sei bei Kruvp die einzige Maschine zer­schlagen worden, bte nahtlose Kessel herstellte. Statt der vorgeschlagenen militärischen Gründe seien dafür offenbar die ausländischen Konkur­renzrücksichten maßgebend. Wir haben unS ge­freut über die starke Geste, die der Außenminister dem ungeheuren Großmaul Mussolini gegen­über gemacht hat, aber Mussolini hat doch immer- hin im Gegensatz zu uns eine Wehrmacht hinter sich, wenn auch eine, die in allen Kriegen Prügel bekomm en hat. Die unter dem Druck der Entente ganz unzureichend gestaltete Heine Reichswehr kann nicht einmal einen Verteidi­gungskampf führen. Das bedauern ja auch die republikanischen Parteien, die sich zu meiner großen Freude zum Gedanken der Wehrhaftigkeit bekannt haben. Wenn die Republik diesen Geist der nationalen Entwicklung übernimmt, dann wird sich auch unsere Haltung zu ihr än­dern. (Hört! Hört! links.) Für uns steht in erster Linie nicht die Staatsform, sondern der nationale Gedanke. Wir bedauern außer­ordentlich die großen Abstriche, die der Ausschuß am Wehretat gemacht hat.

Damit schließt die Aussprache. Das Gehalt des Reichswehrministers wird gegen die Stimmen der Sozialdemokraten und Kommunisten bewilligt. Das kornrnu- nisttsche Mißtrauensvotum gegen den Minister wird gegen die Antragsteller abgelehnt.

Die Fürstenabfindung.

Einigung der Regierungsparteien nnd des Kabinetts.

Berlin, 5. März. (TA. Amtlich.) Die unter Vorsitz des Reichskanzlers Dr. Lu­ther geführten Verhandlungen unter den Re­gierungsparteien einschließlich der Wirt- schaftlichen Vereinigung über das Gesetz über die vermögensrechtlichen AuseinaÜbersetzun­gen zwischen den Ländern und den Fürstenhäusern sind in ben heutigen Abendstunden beendet worden. Alle Beteiligten legten großes Gewicht darauf, vor der Abreise des Reichskanzlers nach Genf zu einem Ergebnis zu gelangen, älm- ftritten waren im wesentlichen folgende Punkte: Zusammensetzung des Sondergerichtes, rückwir­kende Kraft des Gesetzes und einzelne Fragen über TeilungSmasse. In allen Punkten wurde unter den anwesenden Parteiführern und Aus- schuhmitgliedern eine gurndsätzliche Einigung erzielt, wobei die Beschlußfassung den Fraktionen Vorbehalten bleibe.

Gestern nachmittag 4 älhr. trat darauf das Reichskabinett zu einer Sitzung zusammen, der das Ergebnis der Besprechung des Reichs­kanzlers mit den Vertretern der Regierungs­parteien zugrunde tag. Das Kabinett stimmte nach eingehender Beratung einstimmig dem Kom­promißentwurf zu. Der Entwurf ging darauf gleich den Führern der Regierungsparteien zu, die abends noch einmal zu einer letzten Sitzung zusammentraten. Heber den Inh a l t des Ent­wurfs, von dem dieVossische Zeitung" hofft, baß ihm auch die sozialdemokrattsche Fraktion zustimmen werde, wissen die Blätter noch mit- zuteilen, daß das einzusetzende Sonderge- richt unter dem Vorsitz des Reichsgertchtsprä» sidenten Dr. Simons aus v i e r j u r i st is ch e n und vier Laienbeisitzern gebildet werden soll. Es soll eine reine und klare Scheidung zwischen dem Staatsvermögen und dem Privat- besih der Fürstenhäuser erfolgen. Der gesamte Besitz, der auf einen Akt der Souveränttät zu- rückgeht, soll entschädigungslos an den Staat fallen, während für die Entschädigung der Für­sten nur der einwandfteie Privatbesitz in Fraga kommen soll. Die Deweislast hierfür liegt den ehemaligen Fürsten ob. Der Staat soll aber auch die Enteignung solcher Teile des Privatvermögens betreiben können, an denen ein öffentliches In­teresse besteht.

Preußischer Landtag.

Berlin, 5. März. Das Haus beschäftigte sich mit der Beratung der vom Hauptausschuß bereits behandelten Anträge zur Behebung der Rot des deutschen Weinbaues. Cs wurde schließlich ein Ausschußantrag ange­nommen, der folgende Forderungen enthält: Die Zollsätze für Auslandweine sotten in einer den Lebensinteressen des deutschen Wein­baues entsprechenden Höhe festgesetzt werden. Die Reichsregierung und die Landesregierungen wer­den aufgefordert, großzügige Maßnahmen zur Hebung des Absatzes deutscher Weine zu treffen. Die Wein st euer sott sofort außer Kraft gesetzt werden. Die Weinbau­gebiete sind als R ot st and s gebiete zu er­klären. Den Winzern sollen auf Antrag die rück­ständigen und die fälligen (Steuern geflu ndet und gegebenenfalls niedergeschlagen werden. Don Winzergenossenschaften sollen seitens des Stcuttcs K r ed i te zur Verfügung gestellt werden. Der preußische Anteil der verfügbaren elf Millionen, die das Reich aus der Wemsteuer zur Verfügung gestellt hat, sott sofort ver­teilt werden. Bei den Abstimmungen zur zweiten Beratung des Handelsetats wurde zunächst eine große Reihe von Anträgen ange­nommen, in denen zu Ersparniszwecken Abstriche an einzelnen Positionen vorgeschlagen werden. Ferner fand ein Antrag Annahme, der die als­baldige Vorlegung eines Entwurfes über dne Warenhaussteuer fordert, der der 'Rot des Mittelstandes Rechnung trägt. Die Gewerbe­steuer v o r l a g e wurde gegen die Rechte, bte

Wirtschaftliche Vereinigung und die Kommu­nisten gemäß dem Ausschußbeschluß angenom­men. Zum Schluß setzte das Haus die 2. Bera­tung der sogenannten Zwischenlösung zur Hauszins st euer fort. In der Abstimmung fand ein deutschnationaler Antrag Zustimmung, der auch in der Zwischenlösung von der Steuer befreien will: Gebäude kommu­naler oder gemeinnütziger Art und Dienstwoh­nungen von Geistlichen und Kirchendienern, ferner ein Zentrumsantrag, der die Steuer stunden oder Niederschlagen will bei Minderbemittelten und Rentnern.

Kunst und Wissenschaft.

Otto Ernst f.

Wie aus Hamburg gemeldet wird, ist der Schriftsteller Otto Ernst (Schmidt) gestern in seinem Heim in Groh-Flottbeck nach kurzem Leiden im 64. Lebensjahre geftorben.

Generalmusikdirektor Kleiber in Paris.

Der Generalmusikdirektor der Berliner Staats- o.er, Erich Kleiber, hat ein Konzert des Phil­harmonischen Orchesters in Patts dirigiert und außerordentlich nachhaltigen Beifall erzielt. Er pielte dieFreischütz-Ouvertüre" und die 7. Sinfonie von Beethoven. Noch Schluß des Konzerts berei­tete das Publikum dem Berliner Dirigenten eine außerordentlich warme Kundgebung.

Stefan Zweig und das Ausland.

Welchen Widerhall die jüngsten Bücher des Dichters und Essayisten im fremdsprachigen Aus­land gefunden haben, geht aus der folgenden Aufstellung hervor, die wir auf Grund sorg- ältiger, beim Dichter selbst ein geholter Info» matton zu veröffentlichen in der Lage find. Der RovettenbandAmok" erschien auf Eng­lisch, Polnisch und Russisch, eine französische, ungarische und holländische Hebersehung ist in Vorbereitung. Die LegendeDie Augen des ewigen Bruders" ist ins Holländische über­tragen. sie wird noch auf Französisch, Russisch und Polnisch erscheinen. Von denDrei Mei­stern" wird eine ungarische, von demKampf mit dem Dämon" eine russische und polnische Üeber- setzung vorbereitet.

Akademische Berufung.

Zum Nachfolger von Professor Sterb auf den Lehrstuhl der Psychiatrie der Universität Mar« bürg ist der Professor und Oberarzt der Nerven« klinik in Tübingen, Dr. med. Ernst Kretschmer. Herausgeber derGrenzfragen des Nerven- und Seelenlebens", ausersehen.

Eine deutsche Zeitung in der Türkei.

Zur Förderung des Deutschtums in her Türkei soll vom 1. April ab in K o n st a n t i n o p e l eine deutsche Tageszeitung erscheinen, deren Gründung bereits von einem deutschen "Ausschuß in Konstan tinopel mit Unterstützung her amtlichen deutschen Stellen in die Wege geleitet ist.

Aus aller Welt.

Stapellaus eines Torpedobootes.

Am 4. März fand auf der Marinewerft Wil' helmshaven der Stapellauf des ersten nach dem Kriege erbauten großen Torpedobootes statt. Das Boot wurde von dem Fregattenkapitän a. D. Graf z u Dohna getauft und hat den NamenM ö v e" erhalten.

Eine englische Expeditton in Tibet niedergemetzelt.

Eine enaliiche Tibetexpeditton, die mehrere von der tibetanischen Reaierung angekaufte elektrische Maschinen nach Lhasa bringen wollte, ist von Tibetanern angegriffen und bis auf den letzten Mann niedergeme tzelt worden.

Tragödie in Wilhelmshaven.

Drei junge Mädchen, die als Hausan­gestellte tätig waren, haben sich von der Kaiser- Wilhelm-Brücke, der größten Drehbrücke des Kon­tinents 10 Meter tief in die Fluten gestürzt. Da die Mädchen ihr Vorhaben zu später Nachtstunde ausführten, war eine Rettung in der Dunkelheit nicht möglich. Dagegen konnten zwei weitere Mädchen, die die gleiche Absicht verfolgten, im letzten Augenblick durch hinzukommende Passanten von ihrem Vorhaben abgebracht werden. Die Leichen der ertrunkenen Mädchen konnten aber noch nicht geborgen werden. Die Ursache der Tragödie ist unerklärlich.

Dom Cenftalverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens.

Die Hauptversammlung des Centralver­eins tagt am 6., 7. und 8. März im Plenarfitzungs- faal des Herrenhauses in Berlin. In einer öffent­lichen Kundgebung im Reichswirtschaftsrat am Samstag werden Reichstagsabgeordneter Dr. Lud­wig Haas, Dr. med. Friedrich Brodnitz und der Direktor des Zentralvereins, Dr. Ludwig Holländer, überWege zum inneren Frieden im deutschen Va­terlande" vor den Delegierten sowie Vertretern der Reichs-, Staats, und Kommunalbehörden sprechen. Sonntag und Montag sind der Beratung einer aus­giebigen Tagesordnung über die Arbeit des Ver­eins gewidmet. Den Schluß der Tagung bilden am Montagabend sechs große öffentliche Kundgebungen mit dem Thema:Nord und Süd, Ost und West im Kampfe für Deutschtum und Judentum".

Wettervoraussage.

Weiterhin unbeständig mit Regenfätten, mil­der, westliche Winde. ;

Das stark veränderliche, zwischen Rieder­schlägen und Auftlaren wechselnde Wetter hält in ganz Deutschland weiter an, während die Morgentemperaturen am Deobachtungsort gegen­über dem Vortage um rund 1 Grad gefallen sind. Ein neuer Wirbel hat sich im Rordrneer ge­bildet, dessen Ausläufer nach Mitteleuropa über­greifen und die noch keine beständige Witte­rung aufkommen lassen.

Gestrige Tagestemperaturen: Maximum 4,6, Minimum minus 0,6 Grad Celsius. Riederschläge: 0,4 Millimeter. Heutige Morgentemperatur: 0,7 Grad Celsius.

Bewaii'.tcc« Borveuaunnsilnttt'l gcc» wrtppeZ

Kopfschmerz

Migränen ' Neuralgie" Zahnschmerz

Bei

itrovamWe

D, R.P

DIE ZUVERLÄSSIGEM

Wber

ff»

(Sei dem wertig Ä sckeidunge & M r.n biilSung inl ZeroMNg i> 25 ^rtungssteue fpt

ist, vorausgesek Regung iolgte. f Mtsgenchts r 24 Stunden oei Mtvertungssi

Sie sofort Frist von Zeitpunkt bei schwerdesührer smmmng diel' in den voriger nicht innerha! Beschwerde ei itaa hin von MW in dingS unter fchverdeHrer rechtzeitigen E schperde btrnie lall des Hinöei Die die »i 5cht hat. C an gerech ta Diedereins wecken.

Denchtigt i jeder, dessen R tzächligl ish h den Antrag zuri stell» zur Srhe Die sofort lachenbeschl Tatsachen < Deweiömit Hebet die geeicht. Gegen sofoi an das Sher 2161.1 6.3, 2L nur eine 2ted Essig, wem seheSvrrle'

Die sofort schlossen, wenn der Auswertu des § 8 Abs. Rückwirkung { ob die betreff bet sind, da d aus Emessunj 0.4, QI.®.)

Die Einle lchlverde erfolg 'm: die sofort Nto M -Beschwerde zu K Durchfuhr Anlegung die üechtSanw« i6 M schüft 'R unmittelbar >«rtunMelle

kudeügencht n ßungSerklSuma

Verden.

- Weht ^hldrei Magen au!"1" >'

in b( _ Tei]Zi ern