Ausgabe 
6.2.1926
 
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| n n I e zu Trais einzurichten. Eine gemeinsame Vor­besprechung der drei Bürgermeister und Schulvor- standsl'orsiüendcn 'führte denn auch zunächst zu dem Ergebnis, oaß man diese Lösung als die billigste ins Auge faßte. Auch das Ausschreiben des Kreis­schulamtes spricht von dieser Möglichkeit der gemein­schaftlichen Einrichtung, von der, Zeitungsberichten zufolge, zahlreiche Gemeinden Gebrauch machen. Dagegen wurden einige Tage später in einer ge- meinsamenSitzung d*s Gemcinderats und Schulvor­standes von Utphe zahlreiche Bedenken geltend ge­macht, insonderheit der beschwerliche und zeitrau­bende Weg. Infolgedessen wurde beschlossen, daß die Gemeinde die Einrichtungen für sich getrennt treffen solle. Die erforderlichen Mittel wurden bewilligt, die Lebensmittel haben die Mädchen selbst zu beschaffen. Als Raum ist der Rathaussaal vorgesehen. Infolge dieses Beschlusses tritt nun auch die Gemeinde In­heiden von dem gemeinschaftlichen Plane zurück und schickt die Schülerinnen nach jungen, so daß seht auch Trais-Horloff eine eigene Küche einrichten muß. Am Sonntag veranstaltete der Gesang, vereinß o r ele i" sein diesjähriges Winter- vergnügen im Saale der Wirtschaft Neunobel. Nachdem der Vorsitzende Heinrich Raab die An­wesenden begrüßt hatte, wechselten Gesangsvor­träge mit Theaterstücken ab, die flott gespielt wur­den. Aufgeführt wurdenDer Meineidsbauer", Irren ist menschlich" und dieMusterehe". Bei derartigen Veranstaltungen macht sich immer wie­der der Mangel an einer ausreichenden Räumlich­keit geltend. Um diesem Uebelstand Rechnung zu tragen, war das gleiche Programm am Samstag­abend schon einmal für ältere Leute nbgewickelt morden. Dieser Tage explodierte in dem Wohnzimmer eines hiesigen Einwohners der Z im­mer o f e n aus bis jetzt noch nicht bekannten Gründen. Der Knall wurde bis in entferntere Nach­barhäuser gehört. Der Ofen wurde vollständig zer- trümert, ebenso der Spiegel. Auch die Möbel wur­den beschädigt. Die junge Frau und ihr Kind, die sich in dem Zimmer aufhielten, kamen glücklicher­weise mit dem Schrecken davon. Auch em Brand wurde durch sofortiges Löschen verhindert. Wodurch der Unglücksfall, der leicht die schlimmsten Folgen hätte haben können, verursacht wurde, ist nicht fest- gestellt. Da Kohlen und Briketts als Brennmaterial verwendet wurden, ist anzunehmen, daß entweder allzu starke Gasbildung der Kohlen oder dos Vor­handensein von Sprengstoffen unter diesen die Nr- fache bildet.

~ Rodheim a. d. Horloff, 5. Febr. QIm vorigen Samstag beging der älteste Einwoh­ner unserer Gemeinde seinen 9 0. Geburts­tag Landwirt und Schuhmacher Konrad Heinrich Reinhardt. Er ist geistig und körperlich noch wohlauf, macht noch seine Spaziergänge und nimmt an allem Geschehen lebhaften Anteil. Dieser Tage wurde die hiesige Gemeindejagd auf sechs Jahre neuverpachtet. Für die etwa 1100 Morgen fassende Feldjagd wurde nur ein Gebot abgegeben, so daß der seitherige Pächter. Bürgermeister Hofmann, die Jagd behält. Der Pachtpreis beträgt 300 Mark. Die ungefähr 400 Morgen große Waldjagd, die zur Zeit einige dem Wildbestand sehr günstige Hegen enthalt, pachtete Bürgermeister Reichhardt -Raberts­hausen für 870 Mark. Der seitherige Destand- preiS betrug 240 Mark.

Ober-Hörgern, 5. Febr. Am 20. Juni beabsichtigt der hiesige GesangvereinGer­mania" das Fest seiner Fahnenweihe zu begehen. Der Verein, der 1909 gegründet wurde und unter der altbewährten Leitung des Dirigenten Sarnes steht, besitzt bis heute noch keine Fahne. Dank dem Interesse und der Opferwilligkeit der ganzen Gemeinde ist es möglich geworden, daß die- t les Fest gefeiert werden kann. Durch Zusage aller Bundesoereine wird die Veranstaltung einen grä- t ßeren Charakter an nehmen. Mit der Lieferung der Fahne wurde Herr H i s g e n in Lich beauftragt. ' > Lang-Göns, 5. Febr. Der hiesige Turn­

verein, einer der rührigsten im Bezirk, hat es sich zur Aufgabe gemacht, alljährlich eine größere tur­nerische Werbeveranstaltung zu geben, eine Aufgabe, die ihm erst möglich geworden ist durch den Bau einer stattlichen Turnhalle vor einigen Jahren. Ziel der Veranstaltung ist, das Interesse für die uns heute mehr denn je unent­behrliche deutsche Turnerei zu wecken und zu stärken, damit die Schöpfung Jahns im Volke immer mehr Wurzel schlage. Zu diesem Zweck werden ausge­wählte Meisterturner gewonnen. Nachdem voriges Jahr die Turngemeinde Griesheim bei Darmstadt sich bereitwilligst zur Verfügung gestellt hatte, ist es in diesem Jahr gelungen, die Turnerschaft von Griesheim am Main zu gewinnen. Da die dortigen Turner als Meister ihrer Sache weithin bekannt sind, werden ganz hervorragende Leistungen zu er­warten sein. Der Besuch dürfte sich sehr lohnen. Es werden die verschiedensten Gebiete des Turnens gezeigt werden, wie Geräteturnen, Freiübungen usw. Durch die dortigen Turnerinnen soll auch das in den Landvereinen vielfach noch wenig entwickelte

Dar Unmöglichste von Allem.

Lin Scher; aus dem Thealerleben.

Don Hermann Steingoetter.

Durch die Promenadenanlagen einer sympathischen Mittelstadt spazierte in den Abendstunden ein Herr, die Arme auf dem Rücken verschränkt, anscheinend in tiefen Gedanken. Wer genauer hingesehen hätte, würde bemerkt haben, daß der Wanderer nicht nur gedankenvoll, sondern daß er sorgenvoll drein- schaute, verständlich in einer Zeit schwerer wirt­schaftlicher Depression, doppelt verständlich, wenn man hört, daß der Wanderer der Leiter eines Theaterinstituts wär. Man konnte folgendes Selbst- gesoräch vernehmen:Als ob man augenblicklick nichts anderes zu tun hätte, fall man jetzt auch noch Preisaufgaben lösen! Veranstaltet da dasIllu­strierte Modenblatt" einen Wettbewerb über das ThemaDas Unmöglichste von Allem!" Der Ein- sender, auf dessen Lösung sich die meisten Stimmen vereinigen, soll als Preis eine Schlafzimmerein­richtung aus Mahagoniholz bekommen. Meine Frau lieft das Blatt und will nun partout in Maha­goni schlafen. Ich wäre ja auch damit einverstan­den, aber man hat dock andere Sorgen, jetzt, wo die Erneuerung des Abonnements vor der Tur steht." Die letzten Worte waren ärgerlich und ziem- lich laut herausgestoßen worden, so daß ein ent­gegenkommender Spaziergänger sie vernehmen mußte. Dieser, der von dem Theaterdirektor als mein verehrter Herr Professor" begrüßt worden war, meinte;Ja, ja, Sorgen wegen des Abonne­ments? Begreiflich, begreiflich! Aber Sie tragen selbst einen Ten der Schuld, wenn das Publikum gewisser Kreije etwas verärgert ist. Weniger Ope­retten, mehr Klassiker! Sie wissen: Schiller das Theater eine moralische Anstatt! Na, ich bleibe Ihnen treu, ob aber alle?" Der Professor ging, der Direktor blieb allein mit seinen Gedanken, die

Frauenturnen neue Anregung bekommen. Auch die Gefangsriege des Griesheimer Vereins wird ihr Möglichstes zur Verschönerung der Veranstaltungen, die nächsten Samstag und Sonntag stattfmden, bei­tragen. Gegenwärtig wird hier ein Näh- und Z u s ch n e i d e k u r s u s abgehalten, an dem sich eine stattliche Zahl hiesiger Jungfrauen beteiligt. Der Unterricht wird von einer Frankfurter Lehrerin er­teilt, die zu gleicher Zeit Kurse in Holzheim und Griedel leitet.

* Odenhausen a. d. Lda., 5. Febr. Am Mittwoch wurde der langjährige, weit über seine Heimat hinaus bekannte Lehrer Iah. Schweit­zer im Alter von 85 Jahren hier zur letzten Ruhe bestattet. Er wirkte in Odenhausen 52Jahre in treuester Pflichterfüllung. Seit dem Jahre 1912 lebte er im Ruhestande. Der Ortsgeistliche zeichnete ihn als einen glaubenstreuen Christen, als pflicht­treuen Lehrer von reichem Wissen, als einen treuen Diener der evangelischen Kirche Odenhausen, in der er 54 Jahre lang Lektoren- und Organistendienst getan hat, und nicht zuletzt als einen treuen deut­schen Mann. Der Lehrerverein, Gemeinderat und die Kirchenoemeindevertretting ehrten sein Anden­ken durai Niederlegung von Kränzen, ebenso die Deutsche Volkspartei, der er schon seit Gründung der Nationalliberalen Partei nnaehört. und die in ihm eines ihrer ältesten Mitglieder verliert.

MrciS Friedberg

sf. Friedberg, 5. Febr. Die diesmonatliche Versammlung der Ortsgruppe der Deutschen Volkspartei, die überaus stark besucht war, galt dem Gedenken unserer deutschen Volksgenossen in Südtirol. Die Vorsitzende der Ortsgruppe gab in einem treffenden Vorträge einen Ueberblitf über die geschichtliche und kulturelle Entwicklung des Landes und schilderte die seit der Besetzung durch Italien herrschenden Zustände. Frau Geh. Justiz- tat Windecker gab auf Grund von Reiseerinnne- runaen ein anschauliches und lebendiges Bild von Land und Leuten. Dem Geiste des Abends ange­paßte Musikstücke, Gedichte und Lieder bereicherten und verschönten den Abend, das Ergebnis einer Tellersammlung wurde der Zeppelin-Ecke- ner-Spende überwiesen.

O Duhb ach. 5. Febr. Die in der CHr. 17 desGießener Anzeigers" vom 21. Jammr ver­öffentlichte Rachricht, daß der Duhbach- Lich er Eisenbahn-Aktiengesellschaft auf ihren Antrag die Genehmigung zum Dau und Betrieb einer den Dorschriften des preußischen Etsenbahngesehes und der Eisenbahn-Bau- und Betriebsordnung unterworfenen vollspurigen Rebeneisenbahn von Oberkleen bis zur preußisch- hessischen Grenze in der Richtung auf Butzbach erteilt sei, hat vielfach die Meinung aufkommen lassen, es werde diese Dahn von Oberkleen aus weiter gebaut und bis nach Brandoberndorf durchgeführt. Diese Annahme ist irrig. Die Aenderung trägt lediglich formalen Charakter. Zweck der Aenderung ist, die auf der Strecke bisher betriebene Kleinbahn in eine Eisen­bahn des allgemeinen Derkehrs um- zuwandeln. Hierdurch ist die Dahn der Aufsicht der Reichsbahn unterstellt, was bisher nicht der FaU war.

Kreis Büdingen.

T Ri dda, 5. Febr. Hm den Ortsbürgern, die nicht im Besitze eines Fuhrwerks sind, Ge­legenheit zu geben, Schutt und Abfälle weg- schasfen zu können, fährt jetzt ein städtisches Fuhr­werk durch die Straßen, das imentgeltltd) die Ab­fälle aufnimmt und toegbrtngt. Durch diese Maß­nahme will man einesteils den Bürgern ent­gegenkommen, zum andern soll verhindert werden, daß der Schutt und ilmxrt an Plätze abgelagert wird, wo er nicht zur Verschönerung beiträgt.

i) Nidda, 5. Febr. In dem Vortrags- turfus, den die hiesige Ortsgruppe der Liga zum Schutz der deutschen Kul- tu r im Auslande in diesem Winter veranstaltet hat, sprach in der vorigen Woche Ingenieur E r t e l aus Gießen unter großem Beifall über denKom­munismus und seine Auswirkungen in Rußland." Als weiterer Redner sprach an Den beiden letzten Abenden Pfarrer Hörstel, der 20 Jahre in Genua gewirkt hat, vor einer größeren Anzahl von Zuhörern, worunter auch Frauen waren, über den Bankrott der Schuldlügenmüble und der Greuel- lügen unserer Feinde. Am ersten Abend zeigte der Redner, wie schon lange vor Ausbruch des Welt­krieges unsere Feinde mit großem Eifer bemüht gewesen waren, Deutschland als den Friedensstörer und Ländergierigen in der ganzen Welt zu verdäch­tigen. Aus den bis jetzt geöffneten Staatsarchiven von Rußland, Oesterreich und Deutschland ist aber das Gegenteil bewiesen, und die Wahrheit wird und muß durchdringen, daß Deutschland nicht die Schuld am Weltkriege hat. Am folgenden Abend sprach Pfarrer Hörstel über die Greuellügen im Welt­kriege, die in den ausländischen Zeitungen verbreitet roorben sind, um die ganze Welt mit Haß gegen die

sich bald wieder auf die Preisfrage konzentrierten: Das Unmöglichste von Allem!" Er überlegte: Einen guten Witz zu unterdrücken ist schwer, ist sehr schwer, ob aber unmöglich? Eine Reise nach dem Mond?! Man sollte meinen! Aber wer weiß in unserem Zeitalter der technischen Wunder? Jules Vernes PhantasieromanZwanzigtausend Meilen unter dem Meere" ist durch die Untersee- boote verwirklicht roorben; vielleicht geht's mit der Reise nach bem Mond ebenso!" Hier wurde der Ge­dankengang des Direktors wieder unterbrochen, und zwar durch folgende Anrede eines stattlichen, wohlbe­leibten Herrn:Wenn ik nich' irre, habe ik den Direktor unseres Musentempels vor mir; ik kenne Sie von ihrer Loge her; mein werter Name ist Leh­mann, bin vor einem halben Jahre aus Berlin hier- herjezogen. Na ja, wenn man sich zur Ruhe setzt, will man och Ruhe haben; aber ein bisfen mehr Klimbim hätte ich och in der Provinz erwartet; hier is es mir zu ruhig. Nu denk ik, das Theater bringt wenigstens Leben in die Bude! Prost Mahlzeit! Männeken, Männeken, wat machen Sie fürn Spiel- plan, zu deutsch Repertoire!" Ich weiß," murmelt der Direktor gedrückt:Schiller moralische Anstalt! Wat für 'ne Anstalt", klang es zurück;ik meine die Stücke, die se aufführen. Neulich geben seDer Traum ein Leben!" Der Grillenpatzer, ber's jeschrie- benhat, soll ja ein sojenannter Klassiker sind, aber wenn ik ins Theater sehe, will ik mir doch amü­sieren und will keine Verse hören. Det kann ik im Cabaret haben, die faftigften Coupletverse! Also, Direktorchen, bessern Se sich, werden Se großstädti­scher, setzen Se dem Publikum moderne Kost vor, wat mit Paprika,Fürst von Pappenheim" und der­gleichen, sonst, bet können Se mir jlooben, wird's Essig mit bem neuen Abonnement! Abjüs" Der Direktor griff sich an den Kopf; Paprika Essig Mahagonimöbel alles wirbelte ihm durcheinanber; schließlich lanbeten die Gedanken wieder bei der Preisfrage:Das Unmöglichste von Allem!" Hm, hm vielleicht wären das Losungen:Ein Kinder­

Deutschen ju erfülle». Der Vortragende schloß seine inhaltreichen Ausführungen mit der Ermahnung, daß es Pflicht aller Deutschen sei, dabei mitzuwir­ken, daß die Schuldlügen entlarvt und das deutsche Volk wieder rein vor aller Welt stehen könne. Die deutsche Regierung muß durch das ganze Volk in diesem Kampfe gestützt werden. Dem Redner wurde reicher Beifall gespendet und seitens des Vorsitzen­den der Ortsgruppe, Studienrat Braune well, herzlicher Dank ausgedrückt.

Echzell, 5. Febr. Die Verpachtung der vier Jagdbezirke der Gemeinden Echzell. Gettenau, Heuchelheim und Bisses ergab folgende Resultate: Heuchelheim, 142 Hektar Feld, 42 Hektar Wald, erlöste für die Feldjagd 165 Mk., für den Wald 265 Mk.; Gettenau, 550 Hektar Feld, 130 Hektar Wald, erlöste für die Feldjagd 610 Mk., für den Wald 670 Mk.; Echzell. 1300 Hektar Feld. 333 Hektar Wald, erlöste für das Feld 1350 Mk. (Pächter: Beige­ordneter O st h e i m, ®ettenau); für den Wald 1000 Mk. «Pächter: Gutspächter Schuch-Hof Schleifeld); Bisses, 135 Hektar Feld. 78 Hektar Wald, erlöste für Feld und Wald zusammen 710 Mk. Letztere Gemeinde hat wohl dem Flächeninhalt nach den besten Erlös für ihr Jagdgebiet erzielt.

th. L e i d h e ck e n, 5. Febr. Dieser Tage vollendete Johannes Schwing dahier sein 8 2. Lebensjahr. Er ist der älteste Ein­wohner unseres Ortes und noch geistig und körperlich rüstig, so daß er noch täglich seinen kleinen Beschäftigungen in Haus und Hof nachgeht.

Kreis Schotten.

-s- Vom oberen Vogelsberg, 4. Febr. Nachdem nun auch bei uns der Schnee durch die langsame Erwärmung hat Platz machen müssen, richten sich die Augen der Landwirte auf die Saaten im Felde. Es kann erfreulicherweise fest- gestellt werben, daß der S t a n b im allgemeinen sehr z u f r i e d e n st e 11 e n d ist. Die Befürch­tungen, daß der starke Frost vor einiger Zeit bei schneefreiem Feld und Sonnenschein am Tage gro­ßen Schaden anrichten würde, sind glücklicherweise nicht eingetroffen. Alle Saaten sehen frisch und gesund aus. Besonders früh gesäter Roggen hat den denkbar günstigsten Stand, er hat sich stark be­stockt. Auch der Weizen verspricht gut durch den Winter zu kommen.

.Ulfa. 5. Febr. Am Montag begann die Versteigerung des auS der Feldberei- nigung herrührenden Massegeländes. Sie wurde in den Rachtagen fortgesetzt. Insgesamt kamen 190 Morgen zum Ausgebot, die nach Lage und Güte des Bodens verschiedenen Wertklassen angehören. Der Erlös soll die Kosten der Feld­bereinigung in Höhe von 220 00 Mk. decken. Der Verlauf b?r Versteigerung, die die ganze Woche in Anspruch nahm, zeigte, daß untere Landwirt­schaft das Bestreben hat. ihren? Besitz zu ver­größern. Trotz weniger günstiger Kaufbedingun­gen vom 1. Mai ab werden bereits die bank­mäßigen Zinsen berechnet waren Kauflusttge in genügender Zahl vorhanden. Für gutes Land in Ortsnähe wurden hohe Preise bezahlt. Man bot für den Quadratmeter bis zu 70 Pf. Ent­legene, schwer zu bearbeitende oder weniger gute Landstücke wurden natürlich mir mit niederen Preisen gesteigert. Der Morgen stellte sich auf 300 bis 500 Mk. Man hofft, daß eine zweite Versteigerung die Skeigpreise wesentlich erhöhen wird, so daß wenigstens der größte Teil der ent­standenen Feldbereinigungskosten gedeckt werden kann.

r. Herchenhain, 5. Febr. Gestern abend sand bei Gastwirt Alt die diesjährige Haupt­versammlung des V. H. C. -Zweig- vereinS Herchenhain statt, die den Ver­hältnissen entsprechend recht zahlreich besucht war. Der Zweigverein, der schon 27 Jahre besteht, war durch die Versetzung des 1. Vorsitzenden Lehrer Bernhard führerlos geworden und dadurch in seiner Tätigkeit fast eingeschlafen. Da nun der Hauptverein des V. H. E. die Her chen- hainer Höhe durch Erbauung der Jugend­herberge und durch die Errichtung eines Ehrendenkmals für die Gefallenen des Vereins ausgezeichnet hat, erwachsen dem hiesigen Zweigverein wichtige Aufgaben der Heimat- Pflege. älm diesen Verpflichtungen nachkommen zu können, bedurfte es eines neuen Führers, der in der Person des Lehrers Weimer von hier gefunden wurde. Er plant jetzt einen Familien­abend, der gleichzeitig als Werbeabend neuer Mitglieder dienen soll. Hoffentlich kommt der Zweigverein wieder in das rechte Fahrwasser.

Kreis Alsfeld.

-er. Homberg a. d. Ohm, 5. Febr. Am Dienstagabend tagte imHessischen Hof" der Vor­stand und der Aufsichtsrat des Bauoereins, um zu der Frage des künftigen Vorsitzenden Stellung zu nehmen. Infolge Weggangs des bisherigen Vor­

magen, dessen Räder nicht quietschen ober ein Messer im Restaurant, mit bem man mehr als Pa­pier, mit bem man ein Beefsteak schneiben kann, ober wenn"Einem bie Gelegenheit geboten wirb, soll man sie beim Schopfe fassen", unterbrach eine des Wegs kommende Dame temperamentvoll bie Grübelei. Der Direktor erkannte mit Entsetzen, die wegen ihrer Zungenfertigkeit gefürchtete Frau Schnatterich, und ehe er etwas sagen konnte, ergoß sich schon ein Wortschwall über den Aermsten:Es hilft Ihnen nichts, Herr Direktor, zwei Sekunden müssen Sie Rede stehen, nur zwei Sekunden! Sie wissen ja, ich bin eine alte treue Abonnentin des Theaters; oder zweifeln Sie daran? Nein, Sie zwei­feln nicht, also sehen Sie, jedes Jahr, aber auch jedes Jahr suche ich bei Neuausgabe des Abonnements in die vordersten zwei Reihen zu kommen, denn von der dritten Reihe an sieht und hört man doch nichts mehr und man will doch sehen und will doch hören, wenn man ein so warmes und wahres Interesse für die Kunst hat, wie ich. Sie müssen nämlich wissen, daß ich früher einmal einem dramatischen Künstler nahegestanden bin, der jetzt zu den Koryphäen der Kunst in Deutschland gehört. Aber was lassen Sie sich da von mir erzählen. Sie Böser, das wissen Sie ja ganz genau. Trotz alledem haben Sie niemals, aber auch niemals bei ber Abonnementsausgabe Rücksicht auf mich genommen; noch immer sitze ich in ber vierten Parkettreihe und nicht einmal in ber Mitte, nein, auf bem siebten Platz von her Seite! Unb dabei muß man bedenken, daß die Künstler oft zu leise sprechen! Was sagen Sie dazu?Daß ich sofort bei ber Stadtverwaltung beantragen werde,' donnerte der Direktor verzweifelt,bas Theater um­zubauen, damit es künftig nur noch vordere Reihen unb nur noch Mittelplätze enthält! Empfehle mich!" Und mit Riesenschritten entschwand ber Geplagte in der Dämmerung.O, Unverstand," knurrte er vor sich hin,Unverstand, mangelnde Logik ber Frauen! Halt! Läge da nicht eine Lösung der Preisaus- gäbe? Aber, du lieber Gott, heutzutage, wo so viele

sitzenden, des Vermessungsrates Heim, nach Gie­ßen muß eine außerordentliche Generalverjamm- lung einberufen werden, weil nur diese berechtigt ist, den neuen Vorsitzenden zu wählen. Von dem Vorstand unb Aufsichtsrat würbe beschlossen, Ober­steuerinspektor Müller, ber seither schon bie laufenben Geschäfte zur großen Zufriebenheit aller Mitglieber geführt hat, in Vorschlag zu bringen. Anschließend würben bie Schreiner- unb Weißbin- berarbeiten für den inneren Ausbau eines im Roh­bau fertiggeftellten Wohnhauses in einzelnen Losen an hiesige Handwerker, die auch der Genossenschaft angehören, vergeben, und zwar bie Schreiner­arbeiten in vier Losen, bie Weißbinderarbeiten in drei Losen. Die Unterlagen zur Submission hat Oberbauinspektor Essel dahier geliefert. Es ist beabsichtigt, diesen Neubau bis Mitte Juni bezieh­bar fertigzustellen. Die Firma Gebrüder Becker hat den von ber Stadt gepachteten, im Distrikt Schweinestall" gelegenen Stein b r u cf) nicht übernommen Permutlich läßt die Qualität des Steins zu wünschen übrig. Dort bildet er näm­lich keine zusammenhängende Masse, sondern kommt nur in einzelnen Nestern vor. Dagegen hat die Firma einen in der Nähe von Ehringshausen gele­genen Steinbruch sofort in Betrieb gesetzt.

Kreis Lauterbach.

Lauterbach, 5. Febr. Gestern abend gegen 10 Uhr brach in bem Anpresen des Land­wirts unb Mühlenbesitzers Robemer auf ber Helmes hl e zwischen Lauterbach und Angers­bach Feuer aus, burch welches bie Scheunen unb Stallgebäube oollftänbig einge« äschert würben. Das Wohnhaus konnte gerettet werben unb erlit^feinerlei Schaben. lieber bie Ent- ftehungsurfache des Branbes ist noch nichts bekannt. Ein Feuerwehrmann erlitt burch Absturz von einem Balken erhebliche Verletzungen.

I. Lauterbach, 5. Febr. Ein Arbeiter in einem benachbarten Dorfe kaufte sich vor einigen Wochen ein Motorrab unb unterschrieb bem Verkäufer zwei Wechsel. Da er bis zum Fäl­ligkeitstage die Wechselsumme nicht auftreiben konnte, muhte er sich entschließen, die einzigen bei­den Grundstücke (Acker und Wiese), bie er be­saß, zu veräußern. Natürlich war der Erlös in Anbetracht ber heutigen Gelbknappheit recht be­scheiben. Die Lanbbevölkerung kann an Hand die­ses Beispiels nicht eindringlich genug davor ge­rn a r n t werden, Wechselverbindlichkei­ten einzugehen, insbesondere, wenn es sich um verhältnismäßig größere Summen handelt.

Starkenburg.

* Darmstadt, 5. Febr. Nachdem in den letzten Tagen die Kreistage in Bensheim und Heppen­heim dem Vorvertrag über die Ferngas­versorgung zugestimmt haben, hat ihn auch ber Kreistag bes Kreises Darm stabt angenommen. Dieser stimmte ber Entschlie­ßung bes Provinzialtages zu, der einige Vorbe­halte gemacht hatte. Dieser Tage wurde in. der Gemarkung N i e d e r - R a m st a d t bei Darm­stadt Gift zur Vertilgung von Raben ausgelegt. Die Maßnahme hatte aber den Erfolg, das sage und schreibe ein Rabe, aber 13 En- ten und ein Hund getötet wurden.

Preußen.

Kreis Wetzlar.

tz. Wetzlar, 5. Febr. Die auf Anordnung des Ministeriums des Innern vom 2 5. A p r i l b i s 2. 'M a i d. I. im ganzen Reiche zu veranstaltende Reicksgesundheitswoche war der Anlaß zu einer vorbereitenden Versammlung der in Frage kommenden Vertreter der ^erzteichast, Schulen, Tum- und Sportvereine, Frauenvereine usw. Nach einem kurzen Referat über den Zweck ber Ver- orbnung seitens des Kreisarztes Dr. Schulte wurde zunäckst der vorgeschriebene Zeitpunkt ber Woche von verschiebenen Seiten beanstandet. Eine Einigung hierüber kam zunächst nicht zustande. Die Kostenfrage unb bie Art unb Weise ber Durch­führung würbe verschieben beurteilt. Um zunächst bie nötigen Unterlagen für die Veranstaltung zu begaffen, wurden 5 Unterausschüsse gebildet, die die einzelnen Spezialgebiete bearbeiten sollen. Die Wahl ber Unterausschüsse hatte folaenbes Ergeb­nis : für Schulen: Dir. Kohler, Dir. Seidel und Lehrer Medebach. Für die Turn- und Sn toereine: Sportlehrer Paulus unb Turn- wart (Stijn ei ber. Für bie Aerzteschäft: Dr. Sarbemann und Dr. Fischer. Für Frauen­vereine: Frau o. Foris und Frau H. Hoffs mann. Dazu kommt ein neutraler Ausschuß, in den als Vertreter der Geistlichkeit Pfarer Lühl und Kaplan Scherer, ber Kaufmannschaft Ferd. May unb bie Vertreter der Presse gewählt wurden.

r. Wetzlar. 5. Febr. Der Regierungs­präsident zu Coblenz hat eine Anordnung ge-

Frauen in den Parlamenten sitzen, haben sie mit dem Amt vielleicht auch den Verstand und die Logik be­kommen; nein, so geht's nicht."Da müssen Sie's eben auf andere Weise versuchen," sagte lächelnd ber Großhänbler Wechselmann, der aus seinem Klub fommenb, auf den Direktor stieß.Ich komme doch," fuhr er wohlwollend fort,weit herum, sehe da und dort eine Vorstellung unb muß sagen, Sie haben gutes Personal, alle Achtung, Sie arbeiten nicht ohne Verstänbnis, wenn es auch nicht nötig ist, baß die Künstler immer so laut sprechen, benn wir haben doch hier kein Parkett von Schwerhörigen, aber" Also bock ein Aber!"Ja. ich vermisse gute, moberne Schauspiele."Ja, bie vermisse ich auch, bie gibts ja zur Zeit überhaupt nicht."Da gilt's eben, welche zu eufbetfen, bafür sind Sie der Direk­tor; wer da suchet, ber wirb finben. Suchen, suchen unb die Augen aufmachen, sonst fürchte ich, bei ber gegenwärtigen schlechten Wirtschaftslage geht's schief mit bem neuen Abonnement! Denken Sie an mich, Direktorchen, denken Sie an mich; auf Wiedersehen!"

Ich kann überhaupt nichts mehr denken", stöhnte ber sortwährenb Attackierte, es ist nicht mehr aus­zuhalten, man führe mich in eine Heilanstalt!Wie man's macht, ist's ridjtig , heißt ein Stück von Her­bert Eulenberg, bas ich zu des Dichters 50. Geburts- tag nicht gegeben habe, weil es mir zu problema­tisch vorkam; bei mir muß man sagen:Wie man's wacht, ist's falsch! Es allen Abonnenten recht zu machen, ist boch absolut unmöglich!" Da, bei biefen Worten zuckt es plötzlich über bas Gesicht bes Spre- chenben und stoßweise wieberholte er:Es allen Abonnementen recht zu machen ist doch absolut unmöglich!! Hurra, ich hab's ich hab' die Lösung ber Preisaufgabe! Meine Frau wird in Mahagoni schlafen!D a s U n m ö g l i ch st e von Allem ist, es allen Abonnenten eines Theaters recht zu machenll Ein Beglückter stürmte davon.