schwankenden UederoangewideiMnd- erneu dicken 3trid) durch die Rechnung: die Sprache wird Kelser und geht schon bei geringen Fahrgeschwindigkeiten in ein Brodeln über.
Dann kam man auf den Gedanke», die Induktion der elektrischen Sprachschwankungen nyf öen Fernsprechdrähten zur Uebertragung zu benutzen. Bekanntlich erzeugt jeder Strom um seinen Leiter ein magnetisches Feld, das darin liegende fremde Leiter beeinflußt, aber schon in geringer Entfernung vom Leiter sehr schwach ist, so daß man sehr starke Ströme verwenden muß, um eine Wirkung zu erzielen. Tatsächlich sind denn auch :m Jahre 1918 in Schweden una Deutschland eingehende Versuche mit einer solchen Induktions- iernsprecherei gemacht worden. Um einen Eisenbahnwagen war dabei eine Leitung schleifenförmig herumgelegt worden, durch die die Ströme eines Starkstrommikrophons geschickt wurden. In den )u beiden Seiten des Bahndamms laufenden Fern- iprech- und Telegraphendrähten wurden dadurch Ströme induziert, die an einer festen Sprechstelle aufgenommen werden konnten. Umgekehrt konnte man über die festen Leitungen nach dem Zug sprechen. Die Schwierigkeiten dieses Verfahrens find aber so groß und so zahlreich, daß an eine praktische Verwertung nicht gedacht werden konnte.
Mit der Erfindung der drahtlosen Telegraphie und Fernsprecherei glaubte man ein ohne weiteres verwendbares Mittel auch zum Verkehr mit und zwischen fahrenden Eisenbahnzügen zu haben. Io. in einer Richtung, nämlich nach dem Zug hin, ging cs verhältnismäßig einfach. Aber umgekehrt? Wo iollte man die Hochantennen, die zur Ueberbrüchmg der Hunderte von Kilometern nötig waren, auf dem Zuge anbringen? Und wo die großen Apparate und Krafterzeuger lassen?
In der Tat wäre auch heute noch kein ein- ivandfreies Zugfernsprechen auf größere Entfernungen möglich, wenn den Erfindern nicht eine merkwürdige Eigenschaft der elektrischen Wellen zu Hilfe gekommen wäre. Die Hertzschen Wellen pflan- zen sich nämlich auf Drahtleitungen ohne große Verluste fort und stören auch die darauf lausenden gewöhnlichen Ferngespräche und Telegramme nicht im geringften. Vom Rundfunk wissen wir alle, daß die schnell schwingenden elektrischen Wellen durch die verhältnismäßig langsam schwankenden Sprechströme so beeinflußt werden können, daß sie zum Träger der Sprache werben. Mit der Erkenntnis, daß man nur solche sprachträgerwellen auf die fast überall neben der Eisenbahn entlang führenden Fernsprech- oder Telegraphenleitungen zu senden braucht, war der wichtigste Schritt vorwärts getan. Der wirklich drahtlos zu über» brückende Raum ist damit auf die kurze Entfernung zwischen Zug und Leitungsgestängc beschränkt. Die Apparate, die dies leisten, sind aber so klein, daß sie bequem in einem Abteil des Zuges untergebracht werden können.
Die ersten Versuche mit diesem neuen Zugfernsprecher wurden von der Firma Dr. Erich F. Huth in den Jahren 1919 und 1920 auf der der E. P. Goerz Aktiengesellschaft gehörenden Eisenbahnstrecke von Berlin—Lichterfelde—West noch Teltow—Schönow gemacht. Roch vielen Bemühungen war man zu Beginn des Jahres 1921 endlich so weit, daß man von jedem beliebigen Postanschluß in Kroß. Berlin ungestört mit dem fahrenden Zuge sprechen konnte. Auf Grund der günstigen Ergebnisse wurden die Deutsche Reichsbahn und das Reichspostministerium für das neue Nachrichtenmittel gewonnen, die die Eisenbahnstrecke und die Telegraphen- und Fernsprechleitungen von Berlln nach Hamburg für weitere Versuche zur Verfügung stellten. In der Mitte des Jahres 1925 glaubte man bereits die neue Einrichtung dem Verkehr übergeben zu können, doch traten bei der betriebsmäßigen Benutzung erneute Schwierigkeiten auf, die erst jetzt vollkommen beseitigt werden konnten.
Kurz vor den beiden Endpunkten der Bahnlinie -^Berlin—Hamburg sind in Spandau und Bergedorf 'Zugvermittlungsstellen eingerichtet worden, von ebenen aus die die Gespräche tragenden hochfreauen- ten Schwingungen auf die Leitungen an der Bahn - gesendet werden. Von diesen gehen sie aus die Zugantennen über, die auf zwei Wagen des Zuges wagerecht über den Dächern ausgespannt und mit Kabeln verbunden sind. Die Sender werden mit der vom Rundfunk her bekannten Huth-Kühn-Spaltung betrieben, und zwar ist für die etwa ZOO Kilometer lange Strecke nur eine Leistung von etwa 20 Watt notwendig, also soviel, wie eine mittlere Glühlampe verbraucht. Auf dem Zuge werden die Schwingungen einem Zwischenkreisempsänger mit einer Verstärkerstufe oder mehreren solcher Stufen
Franziska/
Roman von Liesbet Dill.
36. Fortsetzung Nachdruck verboten.
Hasse stand auf und trat in da- Dunkel der Loge zurück, das Blut wogte ihm vor Augen, daß er nichts mehr sah wie Feuerballen, die sich freifenb vor ihm schoben.
Bei dem Geräusch und dem Hellen Schein des Tageslichts, das rasch und grell in den dunklen Sfjeaterraum fiel, wandte der Kapelfe meister den Kopf, aber die Erscheinung in der Loge war untergetaucht wie ein Spuk, den das Licht verschlungen.
Die Feuerräder schwangen sich noch in seinem Kopf, aber die Helligkeit und die frische Luft benahmen ihm die Betäubung. Gr ging eine Treppe hinab und stand auf einem sonnenbeschie- nenen leeren Platz, die Feuerräder funfelten auf dem weihen Pflaster. Eine Uhr schlug zweimal, die Probe muhte jeden Augenblick zu Ende sein. Ich werde sie hier erwarten, beschloß er.
Das Residenzcafe hatte schon die Lorbeerbäume und die Marmortische vor die Türen gestellt. Gr nahm Platz an einem der Tische, wo er die beiden Theaterausgänge im Auge behalten tonnte, den Hauvteingang und den Treppeneingang für die Künstler.
Die Maisvnne ergoß über den Himmel eine verschleierte, lindwarme Luft, weich, golden, fast srühlingsmätzig. Alle Straßen waren belebt wie an Sonntagen im Mai, über den Königsplatz fuhren zahllose Wagen in schnellem Trab, und das wirre, unausgesetzte Geräusch der großen Stadt tönte gedämpft heraus. Die Straßenbahnen rollten auf seinem Kopf und dröhnten in teurem angegriffenen Hirn. Er hatte den schweren Kopf in die Hand gestützt und sah hinaus. Wer ihn dort sitzen sah, diesen Marrn mit dem öfter arbeiteten Gehirn, der kahlen, hohen Stirn, den umränderten Augen, dachte: Dort sitzt ein Kranker, ein Mann, der einen schweren Kummer bat. Hätte er gewußt, wie viel Blicke sich auf ihn richteten, wie die Studenten die Köpfe mit den bunten Mützen nach ihm drehten, so hätte er sich versteckt, aber er wußte nichts er behielt
zugeführt. Nun ist es aber auch notwendig, daß vom Zuge aus gesprochen werden kann, d. h. es muß genau wie beim gewöhnlichen Fernsprecher ein Wechselgespräch möglich sein mit Rede itnb Gegenrede. Hierzu hat die Zugsprechstelle ebenfalls einen Sender, der über die gleiche Antenne und die gleichen Leitungen nn der Bahn auf einem Empfänger bei der Zugvermittlungsstelle arbeitet. Es ist nun aber gänzlich ausgeschlossen, daß sich der Wechsel- oerkehr nur auf einer einzigen Welle abspielt, denn dann wurde der Empfänger vom danebenstehenden Sender ganz empfindlich gestört. Daher wird für jede Sprechrichtung eine besondere Welle benutzt, wobei zwischen dem Sender und dem Empfänger einer Sprechstelle noch ein Sperrkreis eingefügt ist. der die Schwingungen des eigenen Senders nicht zum eigenen Empfänger gelangen läßt. Solche Sperrkreise verwendet man ja auch beim Rundsunk- enipfang zur Ausschaltung des Ortssenders. Die verwendeten Wellenlängen liegen zwischen 2000 und ■5000 Meter; als am günstigsten hat sich der Bereich zwischen 3000 und 4Ö0U Meter herausgestellt.
Bei der Einrichtung des Betriebes traten vielerlei Schwierigkesten zutage. Zunächst sind die Fern Leitungen zwischen Spandau und Bergedorf auf etwa sieben längere Strecken verkabelt, so daß an diesen Stellen kaum eine Uebertragung möglich ist: außerdem werden die in die Kabel eintretenden Schwingungen verschlungen. Diese Stellen Hot man deshalb mit einem besonderen Draht längs der Bahn überbrückt und das Eintreten von Schwingungen in die Kabel durch Einsetzen von Drosseln in die Leitungen an den Uebergangsstellen verhindert. Die Drosseln hat man so klein gewählt, daß sie zwar die hochfrequenten Schwingungen nicht durchlassen, dagegen für die gewöhnlichen Sprech- und Telegraphieiftröme kein in Betracht kommendes Hindernis bilden. Den einzelnen Draht bat man mit jo kleinen Kondensatoren an die ober irdischen Leitungen angeschlossen, daß zwar die schnellen Trägerschwingungen übergehen können, während sie Die gewöhnlichen Sprech und Telegraphierströme sperren. Abzweigende Leitungen hat man der Hochfrequenz ebenfalls mit Drosseln an den Abzweigstellen verschlossen, weil sonst hie Hochfrequenz über unabsehbare Gebiete abgeflossen wäre, statt „bei der Stange zu bleiben . Umgehungsdrähte hat man ferner überall da anordnen muffen, wo sich das Gestänge, z. B. zur Umgebung von Bahnhöfen, Bahnwärterhäusern, Unterführungen, Bäumen usw. von der Bahn entfernt. Auf diese Weise Hal man eine durchgehende, für Hochfrequenzführung geeignete Leitung an der Bahn von Spandau bis Bergedorf geschaffen, von der aus die Entfernung vom Zug "durchweg nur vier bis fünf Meter beträgt. Diese Leitung hat man nicht ganz gelassen, sondern man hat sie in Wittenberge unterteilt, damit von zwei gleichzeitig auf der Strecke fahrenden Zügen mit denselben Sende- und EntpfangsweUen gesprochen werden kann. Züge, die auf demselben Abschnitt fahren, muffen mit verschiedenen Wetten arbeiten.
Das Zugfernsprechamt ist am Ende eines Wagens zweiter Klasse an Stelle des Waschraums und des Aborts eingebaut. Der größere der beiden Räume beherbergt die Sender- und die Empfän- gerdnrld)tung; in ihm hält sich der die Geräte bedienende Beamte auf. Die Sprechstelle für den Reisenden ist im kleineren Raum untergebracht; der Tischfernsprecher steht am Fenster: ein Tisch und ein Klappsessel vervollständigen die Einrichtung. Sprechstelle und Dtenstraum sind zum Schuh gegen die störenden Geräusche des Zuges schalldicht gepolstert.
Wird ein Reisender angerufen, so holt ihn ein Bote an den Apparat. Will er ein Gespräch anmelden, so geht er zum vienstraum und wird nach Herstellung der Verbindung vom Boten, dem er seinen Platz im Zuge angegeben hat, herangerufen. Außer Ferngesprächen können auch Telegramme in beiden Richtungen von und nach beliebigen Postanstalten gewechselt werden; endlich kann man auch Bestellungen aufgeben, die der Beamte weitergibt, oder solche Bestellungen empfangen. Es han- beit sich dabei z B. um Zimmerbestellungen. Auf Wunsch wird auch Antwort vom Erfolg erteilt. Die Gebühr für eine solche Bestellung beträgt 1,50 Mk., für ein Telegramm innerhalb Deutschlands 3 Mk und für ein Gespräch nach Berlin oder Hamburg 3,50 Mk., umgekehrt tritt eine Voranmeldegebühr von 60 Pf. für das Herbeirufen des Fahrgastes hinzu.
Mit den beschriebenen Einrichtungen sind nicht nur Gespräche mit den Teilnehmern in Berlin und Hamburg sowie in TBittenbetye möglich, sondern mit den Teilnehmern aller Orte, die auch im ge= nur den Theatereingang im Auge, wo zwei Hunde in der Sonne spielten.
ünb er sah vor sich die Blicke hin und her gehen zwischen beiden. „Ich will deinen Mund küssen", summte es in seinem Kopf. Was ge° fchehen ist? Es wird mir niemand Antwort darauf geben. Die einen werden mir den Klatsch berichten, sie wird mich belügen, und er wird mir faqgn, man schlägt sich nicht um solche Angelegenheiten bei uns. Gewißheit haben wollte er? Hatte sie jetzt immer noch nicht, nachdem er sie zusammen gesehen?
Er hatte einmal als Sekundaner einer Vorstellung der „BohHme" in einer norddeutschen Stadt beigewvhnt. Als die Oper zu Gnbe war und der Kapellmeister sich verneigte, erhob sich ein Herr ans dem Ovchesierfessel und schlug dem Kapellmeister mit der Reitpeitsche ins Gesicht. „Verzeihen Die, meine Herrschaften." wandte er sich an das Publikum, „wenn ich das tat, dieser Herr hat meine Frau verführt und er hat sich mit mir zu schlagen abgelehnt." Da- hatte einen unauslöschlichen Eindruck auf ihn gemacht. Die Berechtigung dieser Tat war ihm erst heute klar geworden. Aber er schüttelte den Gedanken wieder ab. Gr mußte lächere. Die Kellner schauten sich an, der Oberkellner ging einmal in seine Nähe und machte sich am Aebentisch zu schaffen,
.Ich dachte, der Herr wünscht etwas."
»Wenn ich etwas wünsche, werd' ich Ihnen das mitteilen", sagte Hasse.
Der Ober ging unb Haffs versank wieder in feine Gedanken.
Merkwürdig lang dauerte die Probe. Endlich fab er eine Frau in einer blauen Jacke auf bte Trevpe treten, nun zwei Männer, dann kamen die ©frorifilmten, sie hatten es eilig, sie eUten ihren Häusern zu, einige gähnten und reckten die Arme. Gin paar Männer trugen Kulissen gegenüber ins Kulisfenhaus, Wälder, Bäume, einen fteinenbefäten Nachthimmel, Mee» reSwellen. Die Menge wurde kleiner, verteilte sich in die Straßen — noch ein Nachzügler, tot feinen Hut im Laufen aufsehte, dann wurde die Tür geschlossen und die Treppe lag wieder leer. — Gs fiel ihm ein. daß es einen zweiten Ausgang, gab, den ans dem Birreau Gr stand
möhnlichen Fernverkehr erreichbar sind. Auch sind Gespräche zwischen in verschiedenen Zügen — auch auf verschiedenen Straßen — reisenden Personen möglich, wenn erst andere Strecken nusgestattet sind. Zunächst kommen dafür Berlin—Köln, Berlin-Frankfurt und Berlin—München in Betracht. Man erwägt bereits, mich Rundfunk auf den Zug zu übertragen, wozu sich dann die Reisenden mit Kopffernhörern nn Steckdosen in den Abteilen anschließen können. Der Lautsprecher soll wegen der damit verbundenen Störung der Mitreisenden nicht benutzt werden. Diese Art des Zngjunks Hot man bereits in Amerika erprobt. Zu einem Wechselverkehr ist man dort aber noch nicht gekomme».
Sv wird man bei uns in Deutschland künftig bei Reisen nicht mehr — wie bisher — ftunben-- unb tagelang vom Nachrichtenverkehr nbqeschnit- ten fein: Man wird an ihm genau so gut leil- nehinen können wie in seiner Wohnung. Wahrlich eine große Errungenschaft des menschlichen, Zeit und Raum überbrückenden Geiste >!
Vie einzige Hilfe für Südtirol.
Aus dem bedrängten Südtirol geht uns folgender Hilferuf zu:
Was ist das Endziel der italienischen Entnailo- nalisienmaspolitik gegenüber Südtirol? Die seelische Widerstandskraft der Deutsch-Südtiroler soll gebrochen werden. Als Mittel hierzu dienen: kulturelle, geistige und wirtschaftliche Knechtung. Deutsche Schulen werden geschlossen, deutsche Gebe! und Lehrbücher konfisziert, deutsche Beamte in staatlichen Stellen, Gemeinden und Schulen entlassen. Die einheimische deutsche Presse wird unterdrückt, reichsdeutsche und deutsch-österreichische Zeitungen werden verboten. Brutole Mißhandlungen Deutschsprechender hänfen sich. Die verhaßte deutsche Sprache erregt „gerechte Empörung". Der italienische Staat hat trotz vieler Eingaben der Eltern sogar den Nebenunterricht in der deutschen Sprache untersagt. Die junge südtiroler Generation sott geistig und kulturell zurückblei, b e n, daß sie gefügig und willenlos werde. Was kulturelle und giftige Knechtung noch nicht erreicht Hot, soll die wirtschaftliche vollenden. Materielle Verelendung soll die letzten Kräfte im heißen Kampfe ums Deutschtum töten. Ausgesogen durch drückende Steuern und Abgaben, die viel höher sind als in Italien und im Trentino, verarmt, aus Amt und Stellung vertrieben, schutzlos brutalen Feinden preisgegeben, woher soll Hilfe kommen?
Es gibt eine Hilfe, eine einzige Reist nicht nach Italien! Verzichtet auf Italiens blauen Himmel, auf seine Sonne, auf alle seine Schönheiten, entsagt um der Südtiroler willen. Das italienische Volk, das Volk der Tierquäler, hat mit Menschen kein Erbarmen, nur wirtschaftliche Nöte bezwingen es. Italien kann auf die Dauer nicht verzichten auf die Goldmillionen des deutschen Reiseverkehrs. Versiegt diese Kraftquelle, so leidet die italienische Volkswirtschaft auf dos schwerste.
Was meint ihr, was durch unsere Seelen, die gemarterten Seelen der Südtiroler zittert, wenn wir Eisenbahnzüge mit endlosen Wagenreihen sehen, die Tag und Nacht Tausende und Abertausende von sorglosen deutschen Reisenden in doeLond unserer Bedrücker führen?
Müßen wir uns nicht vergeßen, schlimmer noch — v erraten fühlen?
Muß namenlose Bitterkeit nicht unsere letzten Kräfte zermürben?
Wie ein Sturmwind sollte ee durch ganz Deutschland brausen: helft den deutfchen Stammesbrüdern! Fahrt nicht nach Italien!
Ihr könnt nicht helfen mit Protestversammlungen, ihr könnt nicht helfen durch Veranstaltungen mit Tee und Tanz. Nur Eines kann helfen : Der- zi ch te t auf einen Genuß, verzichtet auf eine Freude um Südtirols willen.
Die deutsche Presse sollte ihre ganze Macht in den Dienst dieser Idee stellen.
Wir Südtiroler opfern alles um unseres Deutschtums willen, und wir sind fest entschlossen weiter zu dulden, aber ihr sollt uns helfen, nur durch einen Verzicht!
Besitzt Ihr weniger Seelengröße als andere Völker, die, auch wehr- und waffenlos, nur durch wirtschaftlichen Boykott den Gegner bezwangen?
Gebt als Losungswort hinaus: Kein Deutscher setzt den Fuß auf italienischen Boden, solange Südtirol gequält und gemartert wird!
Wer jetzt nach Italien reift, ist nicht deutsch, ist nicht national!
auf, warf Geld auf Den Tisch und ging hinaus. Der Haupteingang deS Theaters war ver- fchloffen, auch die gläsernen Türen an der Kaffe. An der Kasse vor dem Eingang zu dem Bureau saß, angebunden an die Tür. ein schwarzer Pudel, in dem leeren, staubigen Bureau kauerte eine Putzfrau am Boden, die Papier aufsammelte. „Gott, was hab' ich mich erschrocken", sagte sie, als Hasse mit feinem Stock auf den Tisch klopft«. Sie starrte den mageren bleichen Herrn an, als fürchtete sie einen ^leberfall. ©ein« schwarzen Augen flackerten. Ob der Herr Kapellmeister vielleicht noch da sei? Die Frau ging nach der nächsten Tür und stieß sie auf. Leer und falt gähnte der verlassene Theatersaal herauf. GS war niemand mehr darin, alles war dunkel und still.
„Gibt es denn mehr als zwei Ausgänge?" fragte Hasse „O ja, noch einen durch das Restaurant, Da geht Der Kapellmeister immer durch, vielleicht Ist er auch noch Dort.. fügte die Frau hinzu. Sie wäre diesen Herrn mit ton flackernden Augen gern los geworden, jeden Augenblick glaubte sie, daß er ihr an die Gurgel greifen könne und sich auf Die Kasse stürzen. — Mas wollte der unheimliche Menschs warum blieb er stehen und starrte wie verloren in Den dund- len Theaterraum?--Hasse ging. Sie waren
entschlüpft, auch Der Pudel war verschwunden, als er ins Freie trat. Rach ihrer Wohnung also.
Gr rief einen Wagen und warf sich hinein, der Wagen ratterte langsam durch die Sonn«, und Die Straßenbahn begann wieder auf seinem Kops hin und her zu rollen. Gr nahm den Hut ab und faß m der Sonne, und Die Feuerräder begannen wieder auf den Pflastersteinen zu tanzen. „Das ischt unser neues Theater", belehrte ihn der Kutscher, auf seinem Sih halb nach rückwärts sitzend, und wies mit Dem Peitschenstiel nach dem weihen Haus in dem Park. „Das alte ist vor drei Jahren abgebrannt." Auch das schien den Herrn nicht au interessieren. Warum die Leute sich eigentlich durch die Stadt fahren ließen, wenn fte vor sich hinglotzten, als hätten sie noch nie Pflastersteine gesehen? ®r hieb auf daS magere Pferd, Dem die Knochen hernusstanden Straßen mit blendenden Häuser«
Jede Reise nach Italien ist Verrat cmr Deutschtum, ist Verrat an Südtirol!
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Internationale Schiedsgerichtsbarkeit.
Von Reichsfinonzrat Dr. Franz Scholz, in Berlin-Paris.
Die Gegenwart steht im Zeichen der Schiedsge- richtsbarkeit. Wir erleben dies in handelsrechtlicher Beziehung fortgesetzt und in steigendem Maße, von nationalen zu internationalen Schiedsgerichten übergehend, wie solche z. B. an der Internationalen Handelskammer in Paris eingesetzt sind. Mag man über nationale Schiedsgerichte denken wie man will, im internationalen Verkehr sind sie unentbehrlich und als ungeheurer Fortschritt zu begrüßen. Mit dein zu erwartenden. Durch die Locarno-Ver- trnge cingeleiteten Aufschwung der internationalen Beziehungen wird auch der Handelsverkehr von der in Einzelfällen vereinbarten Schiedsklausel zu „insti- imionellen" internationalen Handelsschiedsgerichten übergehen müssen. Mil hem im abgelaiisenen Jahre deutscherseits erfolgten Anschluß an die Internationale Handelsabkommen in Paris ist dieser Ueber- gang eingeleitet. ~ —
Obligatorische internationale Gerichte ?^vc Entscheidung von Privalstreiligkeiten sind freilich schon durch den Versailler Vertrag (moralisch ein Diktal, rechtlich ein Vertrag) geschaffen. Sie betreffen jedoch hauptsächlich Streitigkeiten aus Verträgen, die vor Inkrafttreten des Diktats (d. h. vor dem 10. 1. 1920) geschlossen sind (Art. 296, 299, 304b, 305 -des Versailler Vertrages) und haben allmählich erlöschende Bedeutung. Die Einrichtung internationaler Gerichte auch für Privatrechtsstreitigkeiten sind neben Teilen der Völkerbundssatzung der einzige Fortschritt. den jenes Vertragswert brachte. Aber die Rechtsprechung dieser Gemischten Schiedsgerichts Hofe krankt daran, daß sie an Normen des Versailler Vertrages gebunden ist, die meist zum Nachteil der deutschen Seite aufgestellt sind. Dadurch erklären sich zahlreiche, mit Recht als unbillig empfundene, rechtlich aber zutreffende Urteile dieser Gerichte. Freilich ist hier oft der Fundamentalsatz verkannt worden, daß Verträge und damit auch der Versailler Vertrag, im Zweifel zum Nachteil der Partei nuszulegen sind, die sie einseitig redigiert hat. Diese Gerichte sind mit drei Richtern besetzt, je einem nationalen Richter und einem neutralen Obmann. Auch hier hat sich wieder gezeigt, welche entscheidende Bedeutung der Persönlichkeit des neutralen Richters zukommt. Ueberhaupt kommt es, wie Ich schon anderweit hervorhob. weniger auf gute Gesetze als auf gute Richter an, und die Erfahrung hat gelehrt, daß vom Berufsrichter, auch wenn er als Schiedrichter tätig ist, am ehesten Objektivität zu erwarten ist.
Gegenwärtig noch bedeutungsvoller find die den Staatenverkehr und Fragen des öffentlichen Rechts betreffenden Schiedsgerichte. Diese völkerrechtlichen Schiedsgerichte, seit Beginn des 19. Jahrhunderts mehr und mehr in Uebung gekommen und als das beste Mittel zur Verhütung Internationaler Verwicklungen gepriesen, müssen von Einzelschiedsgerichten und fakultativ anrufbaren ständigen Tribunalen (letztes war der Standpnukt des großen Vertragswerks der Haager Friedenskonferenz von 1899 und 1907 bei Einrichtung des Ständigen Schiedshofes) zu obligatorischen ständigen Schiedsgerichten nut Gerichtsnotur fortentwickelt werden. Wir stehen in dieser Entwicklung. Die Völkerbunds- fatzung hat sie In großem Stile angebahnt, freilich nicht mit der Schlichtungstätigkeit des Völkerbunds-- rotes, die aller Garantien unparteiischer Rechtspflege entbehrt, sondern mit der Schaffung des Ständigen Internationalen Gerichtshofes im Haag, der sich jetzt bereits des größten Ansehens erfreut und in Sachen der deutschen Minderheiten in Polen und in anderen deutsch-polnischen Streitfällen vorzüglich begründete Sprüche gefällt hot. Seine Anrufung ist obligatorisch für Gruppen von Streitfragen aus der Teilung Oberschlesiens (Genfer Abkommen 1922). Weitere Schiedsgerichte hat der Dawesplan gebracht. Auch hier ist die schiedsgerichtliche Streiterledigung obligatorisch, sei es durch besondere Richterkollegien iso über die Auslegung der Dawesabkommen)^ sei es durch Einzelrichter, fei es durch den Haager Ge- richtshof. Von größter Bedeutung in dieser Beziehung sind aber die Locarnoverträge. Sie sehen im Verhältnis zwischen Deutschland einerseits und jedem der Staaten Frankreich, Belgien, Polen. Tscheche; anderseits obligatorische Schiedsgerichte für alle Streitfragen rechtlicher Natur vor, auch wenn „vitale Interessen" eines der beteiligten Staaten
fronten, Gärten mit Bänken, wo Kinder spielten glittim vorbei. Das sehe ich vielleicht heute alle« zum letztenmal, dachte Hasse. Er stieg vor ihrem Hause aus, mit «in paar Sprüngen war er oben auf ber Treppe. Er läutete. Ein Auge erschien in dem runden Guckloch der Türe, das gleich wieder verschwand. Alles blieb still. Da legte er den Finger so lange auf den Knopf, bis endlich ein älteres Mädchen in schwarzem Kleid und weißer Haube und Schürze öffnen kam. Bei seinem Anblick wich es zurück. „Das gnädige Fräulein erwartet Besuch", sagte sie kurz. Sie machte die Tür nur halb auf, so daß er nicht eintreten tonnte. Hasse schob sie zur Seite. „Der bin ich", sagte er und trat «in. Er öffnete die Tür zum Salon. Das erste, was er sah. war im Eßzimmer ein festlich geschmückter Tisch mit zwei Gedecken und einem Korb blühender Rosen in der Mitte. „Sie sehen ja, ich werde erwartet', fügte er mit einer Handbewegung hinzu und lächelte. Den: Mädchen war dieses Grinlen unheimlich, es zog sich rasch nach der Küche zurück.
Hasse sah sich um. Im Nebenzimmer tickte eine Pendüle. Die Zimmer hatten sich mit dem Duft gefüllt, der Dem Flieder in den großen Vasen auf dein Kaminsims entströmte. Das Licht drang gedämpft durch die rotseidenen Vorhänge des Eßzimmers, welche die Zofe bereits vorsorglich vorgezogen hatte, und ein blutiges Licht hüllte den Weißen festlichen Tisch wie in eine Flamme. Auf der Pendüle schlug es halb drei. Sie muhte bald kommen. Er durchschritt den mit Möbeln, Teppichen und Brie ä Brac überfüllten Salon, in dem die Wände fast tapeziert waren mit großen und kleinen Bildern, seidenen japanischen Stickereien und die Fußböden unter dicken Teppichen verschwanden. Um sich zu beschäftigen, nahm er einzelne Bilder von den Wänden und betrachtete sie. Alles, was da hing, war ihm bekannt, nur ein großes Oelgemälde, ein Gewitter über einer Fischerinsel darstellend, war ihm neu. Sammelte Franziska Gemälde?
Im Ofen flackerte ein mattes Feuer, das offenbar eben angezündet war, durch Den Rost sah man die Scheite glühen.
(Fortsetzung folgt.)


